Beiträge von ninasophie

    Lieber moderato,


    vielen Dank, dass du das Buch verlinkt hast - genau das ist es!


    Und ich stimme dir zu. Das betrifft letztlich nicht nur die Reisebeschreibungen, sondern auch den Alltag und vor allem auch Beziehungen. Ich bin oft fasziniert davon, wie wohlüberlegt und feinfühlig seine Briefe an Freunde und Familienmitglieder sind. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass man mit 18 Jahren schon so kluge Einsichten hat. Für mich sind seine Briefe jedenfalls immer auch eine Ermunterung, sich unentwegt weiterzubilden. Er konnte durch seine Erziehung auf so viel inneren Reichtum zurückgreifen, war so vielseitig interessiert und zugleich so besonnen. Mir kommt vor, gerade diese Besonnenheit hört man auch in seiner Musik (und noch viel mehr).


    Liebe Grüße

    ninasophie

    Mich haben schon seit längerer Zeit die Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy in den Bann gezogen. Ich war verrückt genug, mir die Gesamtausgabe beizuschaffen, an der ich mich wohl noch etwas länger abarbeiten kann. Davor habe ich mit großer Begeisterung "Eine Reise durch Deutschland, Italien und die Schweiz: Briefe, Tagebuchblätter, Skizzen" von ihm gelesen, herausgegeben von Peter Sutermeister. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es enthält nicht nur wunderbare Reisebeschreibungen (inklusive Zwischenstopp bei Goethe), sondern auch viel Humor, Gedanken zur Musik und wertvolle Einblicke ins Leben der Familie Mendelssohn. Ich bin bei der Lektüre seiner Briefe oft so verblüfft, wie klug und vielseitig begabt er war - und das bereits so früh. Ein wirklich außergewöhnlicher Mensch.

    Liebe Herren,


    zunächst einmal vielen Dank für die warmen Willkommensworte und Empfehlungen! Darüber freue ich mich wirklich sehr.


    Versuche, mich mit Stefan Zweig, den ich in meinen jungen Jahren regelrecht verschlugen habe, erneut zu beschäftigen, sind mir bisher nicht recht gelungen. Ich finde seine Thema nach wie vor sehr wichtig, allein sie versinken nach meinem Eindruck gelegentlich in einer sich zu verselbständigen drohenden virtuosen Sprachflut.


    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich sehe seine Sprachvirtuosität eher als Bereicherung und habe mir für die Lektüre sogar ein kleines Heft zugelegt, in dem ich die schönsten Worte und Redewendungen bei Gelegenheit niederschreibe. Das hat aber wohl auch mit meinem Fluchtversuch vor sprachlicher Verwahrlosung zu tun. In meiner Generation ist der Schriftverkehr oft so kurz (und eigentlich unbedeutend), dass auch der Wortschatz sehr darunter leidet. Aber ja, der Nachteil dieser "virtuosen Sprachflut" (das trifft es gut) ist vielleicht, dass sie die wichtigen Themen zwar nicht verhüllt, aber doch so umhüllt, dass die Kernbotschaften nicht mehr ganz so klar hervorscheinen. Vielleicht ist das aber auch abhängig von der literarischen Gattung? Bei Ungeduld des Herzens empfinde ich es besonders stark, bei seinen Novellen ist es mir noch nicht so aufgefallen. Aber vielleicht irre ich auch (die Novellen habe ich schon länger nicht mehr gelesen).


    Empfehlen würde ich dir von diesen "Robert & Clara Schumann. Musik und Leidenschaft- Biographie" von Veronica Beci, Düsseldorf 2006.


    Vielen lieben Dank noch einmal! Ich habe es mir soeben bestellt!


    Die Ehetagebücher erschienen, hrsg. von Gerd Nauhaus und Ingrid Bodsch, im Stroemfeld-Verlag 2013. Sie sind zurzeit aber nicht auf dem Markt.


    Ich hatte Glück und habe noch ein gebrauchtes Exemplar gefunden und sogleich bestellt. Falls ich danach noch immer nicht genug von den Schumanns bekommen kann, werde ich mir noch das Buch von Knechtges-Obrecht bestellen - vielen Dank auch für diese Empfehlung!

    Ich lese derzeit Ungeduld des Herzens von Stefan Zweig. Im Zentrum steht die Frage nach dem Ursprung und Wesen von Mitleid. Der Protagonist, ein junger Leutnant, verlobt sich aus Mitleid mit einem jungen Mädchen, das körperlich behindert ist und wenig Aussicht auf Heilung hat. Es endet unheilvoll...


    https://www.jpc.de/jpcng/books…des-herzens/hnum/10377326


    Mich fasziniert an diesem Buch vor allem Zweigs Fähigkeit all die Nuancen seelischer Abgründe zu beschreiben. Über das Wesen des Mitleids lässt sich wohl immer gut streiten. Ist es ein Ausdruck inniger Anteilnahme am Leid eines anderen oder ist es doch nur unser eigenes Leid, das ausgelöst wird durch das des Gegenübers? Kann das Mitleid gar wohltuend sein, weil wir uns einbilden, dass es uns menschlich auszeichnet? Oder spendet es deshalb Trost, weil man sich wirklich gegenseitig stützt? Abgesehen von all diesen Fragen finde ich auch interessant, wie nah Schuld und Unschuld oft beieinander liegen. Auch darüber könnte man sich wieder viele Gedanken machen und ich möchte jetzt nicht zu sehr ausufern. Aber gerade wenn eine eigentlich arglose Tollpatschigkeit Anfang allen Übels ist und das fortschreitende Übel noch dazu Ausfluss guter Absichten ist, hinterlässt das zumindest bei mir als Leserin ein sehr ambivalentes Gefühl.


    Kann denn vielleicht jemand ein Buch zu Schumann empfehlen? Sind die Briefwechsel zwischen ihm und seiner Frau Clara interessant? Ich habe auch gelesen, dass es Ehetagebücher von den beiden gibt.

    Ich wünsche eine geruhsame Nacht!

    Ich muss gestehen, dass ich mir meine meist abendlichen Spaziergänge durch die Innenstadt fast gar nicht mehr ohne Musik vorstellen mag. Da ich (wie Alfred) einen starken Hang zum Tagträumen habe, bin ich bei Straßenüberquerungen meistens besonders vorsichtig. Oft achte ich aber darauf, dass ich mir möglichst Gassen aussuche, in denen kaum Verkehr herrscht und wenig Menschen unterwegs sind. Durch die Musik fühl ich mich dann gewissermaßen beschützt (und ja, das ist trügerisch). Aber sie ist gewissermaßen das Eintrittstor in eine Stadt, wie ich sie mir erträume. Ich kann die Architektur und die Bilder in den Galerien auf mich wirken lassen, ohne unmittelbar mit der Außenwelt in Verbindung stehen zu müssen - zumindest bilde ich mir das ein. Aber ich gebe zu, die Musik bekommt dadurch natürlich nicht die Aufmerksamkeit, die ihr eigentlich zusteht. Manchmal fordert sie diese dann aber auch auf komische Weise ein: Ich bin vor ein paar Wochen zur Oper spaziert mit Haydns Paukenschlagsinfonie im Ohr. Ich muss vorausschicken, dass ich sehr wenig Haydn höre und diese Sinfonie habe ich damals tatsächlich zum ersten Mal gehört. Als der Paukenschlag einsetzte, wartete ich gerade beim Zebrastreifen neben einer weiteren Person. Mich hat der Paukenschlag so in Schrecken versetzt, sodass mich die Person neben mir auch gleich etwas irritiert angeschaut hat.. Damals musste ich sehr schmunzeln. Vielleicht aber auch wieder ein gutes Beispiel dafür, dass man zumindest bei der Musikauswahl vorsichtig sein sollte, wenn man Verkehrsteilnehmer ist...

    Jedenfalls habe ich das Bedürfnis nach "Musikspaziergängen" vor allem in der Stadt, in der Natur (vor allem im Frühling und Sommer) eigentlich kaum. Da lausche ich lieber der Natur. Und obwohl ich ansonsten eigentlich sehr viel Bach höre, ist mir romantische Musik bei meinen Spaziergängen viel lieber. Ich denke da zum Beispiel an die Intermezzi von Brahms oder die Lyrischen Stücke von Grieg, auch die Lieder von Schubert.. Wenn ich mich ganz auf die Musik einlassen will, hör ich sie allerdings in Ruhe zuhause. Bei den Spaziergängen geht durch die Träumereien viel zu viel unter. Missen möchte ich sie dennoch nicht.