Beiträge von Waldlaeufer

    "Eine Offenbarung für mich wurde dieser sensationelle Mitschnitt von Svjatoslav Richter - den kann ich Dir nur wärmstens empfehlen"

    Lieber Holger,


    danke für die Empfehlung! Die Richter-Aufnahme ist wirklich sehr gut. Ein Highlight ist für mich im Moment die zweite Sonate. Vermute hier eine der besten Interpretationen. Für die zweite Sonate fällt es mir grundsätzlich schwer, eine nahezu „perfekte“ Aufnahme zu finden. Für die späten Sonaten (5-10) gibt es ja zum Glück V.Ashkenazy, die ich ähnlich hoch schätze wie die Gavrilov-Aufnahme.


    Bei Giesekings Op.11 gefallen mir die mit Andante/Lento-betitelten Stücke, die ich vereinzelt Aufnahmen anderer Interpreten (auch Gavrilov) vorziehe. Von Sofronitzky besitze ich die Box der „Historical Russian Archives“-Reihe auf Brilliant Classics.


    Schade übrigens, dass der G.Henle-Verlag bislang nur Op.11 publiziert hat. Eine wertige Ausgabe der gesammelten Préludes wäre (wie bei Chopin) eine tolle Sache.


    Wünsche einen schönen Abend

    "Schönes Beispiel: Die Anklage des Rassismus des Herrn Matthews, der unterstellt (hier wie andernorts geht es immer um Unterstellungen, auffälliges Muster), die Flechtzöpfe seien eine "kulturelle Aneignung", weil von Afroamerikanern übernommen."

    Wer den Rassismus-Begriff derartig ausweitet und zerdehnt, leistet dem Vorschub, dass der wahre Rassismus nicht mehr erkannt wird.

    Mein Favorit unter den Scriabin-Aufnahmen ist die von Andrei Gavrilov (EMI, 1984). Diese wurde hier auch schon genannt (s.o.) und enthält eine Auswahl von Miniaturen (meist Préludes) und die vierte Sonate. Hat man diese Aufnahme lieben gelernt, kann man die meisten Scriabin-Aufnahmen anderer Pianisten schnell langweilig finden.


    Eine hervorragende Gesamtaufnahme der Préludes gibt es von Andrei Diev (Arte Nova Classics, 1999). Es handelt sich um eine sehr musikalische, detailverliebte und eigenwillige Interpretation. Diev setzt das Pedal nicht übermäßig ein, Rubato häufig aber intelligent. Die Stücke wirken sehr organisch und weniger mechanisch. Ich ziehe diese Aufnahme den entsprechenden Aufnahmen von Pletnev, Lettberg, Alexeev, Zarafiants oder Gourari vor.



    Auf youtube sind Aufnahmen ausgewählter Préludes von I. Zhukov zu hören. Diese sind sehr hörenswert.


    Was die Etüden betrifft, so fallen mir gerade nur Aufnahmen einzelner Stücke ein, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben:

    • Op.8 No.2: Pogorelich (youtube)
    • Op.8 No.11: Weissenberg (Columbia 1950 oder Sigi Recordings auf Doremi, auch seine Darbietung der Nocturne Op.9 No.2 ist beeindruckend)
    • Op.8 No.12: Matsuev (RCA 2009, The Carnegie Hall Concert. Hier „knallt“ es ähnlich schön wie bei Gavrilov)
    • Op.2 No.1: Horowitz
    • Op.42 No.5: Gavrilov (EMI 1984 [s.o.], oder Live-Mitschnitt auf youtube)

    Mir drängt sich in solchen Fällen immer die Frage auf, ob (oder besser: aus welcher Motivation heraus) es überhaupt Sinn macht, historische Gestalten ahistorisch einem moralischen Urteil zu unterziehen. Die Vertreter und Sympathisanten der totalitären NS-Ideologie haben sich nicht mehr oder weniger als „böse“/„schlecht“ begriffen als die der zeitgenössischen Ideologie.

    Edgar Meyer (*1960) fehlt auch noch.


    In Folgendem ein paar Zeilen zum Violinkonzert. Im Beilageheft der CD (S. 9) schreibt die Interpretin und Widmungsträgerin Hahn: „1996 hatte ich Gelegenheit, Edgar Meyer kennenzulernen, als wir beide bei einer Konzertreihe in New York mit Bachs Brandenburgischen Konzerten auftraten. Im Anschluss an diese Begegnung entstand dann sein Violinkonzert, das hier seine CD-Premiere erlebt. Es ist das allererste Stück, das speziell für mich komponiert wurde, dass ich als erste aufführen und auf CD aufnehmen durfte. Dass ich auf diese Weise zur Widmungsträgerin eines Stückes geworden bin, das durch so viel Schwung, Esprit, Kraft und lyrische Schönheit besticht, ist mir eine ganz besondere Ehre.“