Beiträge von Waldlaeufer

    Ich stehe im Berufsleben, habe Familie, kleine Kinder und bekomme bald wieder Nachwuchs. Mein Tagesablauf ist bis in die späten Abendstunden streng durchorganisiert. Deshalb höre ich meist während der Arbeit Musik, v.a. im Home Office oder wenn ich abends noch im Büro arbeite. Ansonsten wenn ich Auto fahre, Sport treibe und oft auch während Haus- und Gartenarbeiten. Wenn ich selbst musiziere oder mein ältestes Kind beim Üben unterstütze, höre ich wahrscheinlich am konzentriertesten Musik. Abends, nachdem ich mich ins Bett gelegt und das Licht ausgeschalten habe, höre ich auch noch gerne Musik. Konzerte prominenter Musiker in großen Städten besuche ich selten.

    Auf die Ausgangsfrage, wie verzichtbar Kunst ist, würde ich antworten, dass man dies nicht pauschal beantworten kann. Es gibt zu unterschiedliche Auffassungen zum Begriff "Kunst". Auch die Frage nach dem "Wer" gestaltet sich schwierig. Wer kann auf Kunst verzichten? Der Kunst-Konsument, Kunst-Produzent oder ein Auftraggeber/Förderer? Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, des Prekariats oder einer gesellschaftlichen Klasse ohne existentielle Sorgen? Ich denke hier wird es unterschiedliche und je nach Kontext nachvollziehbare Antworten geben. Logisch erscheint mir der Gedanke, dass der Kunst-Produzent/Reproduzent, der den Drang hat, sich durch seine Kunst auszudrücken und vielleicht von seiner Kunst lebt, weniger gut auf Kunst verzichten kann als der Kunst-Konsument.


    Grundsätzlich sehe ich Kunst immer auch durch eine metapolitische Brille und auf ein Kollektiv bezogen (kulturelles/kollektives Gedächtnis). Ich glaube auch nicht, dass Kunst, wenn sie sehr viele Menschen erreichen soll, "frei" ist. Kunst als Instrument, um Macht auszuüben (weniger zu demonstrieren), sehe ich als unverzichtbar für bestimmte Klassen.

    Während manche alberne Rammstein-Songs hören, ist meine erste Adresse Rome

    Hallo hasiewicz,


    die Musik von Rome finde ich auch sehr interessant. Ich habe mir Jérôme Reuter vor einigen Jahren live angesehen. Die Musik von Rome reicht von sanften Akustikklängen über Industrial bis hin zur Rockmusik. Zuweilen wird auch gesampelt. Dabei werden neben sprachlichen Bausteinen auch Fragmente klassischer Musik als Material verwendet, hier z.B. Chopin:



    Schöne Grüße

    Waldlaeufer

    Vor etwa zehn Jahren habe ich folgende Aufnahme der Klaviersonate Op.38 No.1 "Reminiscenza" von Severin von Eckardstein auf YouTube entdeckt:


    https://www.youtube.com/watch?v=Hxrp-pswGSk


    Diese Aufnahme berührt mich sehr und ist neben Demidenkos Einspielung der Klavierkonzerte 2&3 meine liebste Medtner-Aufnahme. Ich ziehe diese Aufnahme den bekannten Einspielungen der Reminiscenza von Berezovsky, Kissin oder Tozer vor. Leider konnte ich diese Aufnahme (Live-Mitschnitt?) bisher keiner CD zuordnen, die käuflich zu erwerben ist.


    Einen schönen Abend wünscht

    Waldlaeufer

    "Eine Offenbarung für mich wurde dieser sensationelle Mitschnitt von Svjatoslav Richter - den kann ich Dir nur wärmstens empfehlen"

    Lieber Holger,


    danke für die Empfehlung! Die Richter-Aufnahme ist wirklich sehr gut. Ein Highlight ist für mich im Moment die zweite Sonate. Vermute hier eine der besten Interpretationen. Für die zweite Sonate fällt es mir grundsätzlich schwer, eine nahezu „perfekte“ Aufnahme zu finden. Für die späten Sonaten (5-10) gibt es ja zum Glück V.Ashkenazy, die ich ähnlich hoch schätze wie die Gavrilov-Aufnahme.


    Bei Giesekings Op.11 gefallen mir die mit Andante/Lento-betitelten Stücke, die ich vereinzelt Aufnahmen anderer Interpreten (auch Gavrilov) vorziehe. Von Sofronitzky besitze ich die Box der „Historical Russian Archives“-Reihe auf Brilliant Classics.


    Schade übrigens, dass der G.Henle-Verlag bislang nur Op.11 publiziert hat. Eine wertige Ausgabe der gesammelten Préludes wäre (wie bei Chopin) eine tolle Sache.


    Wünsche einen schönen Abend

    Mein Favorit unter den Scriabin-Aufnahmen ist die von Andrei Gavrilov (EMI, 1984). Diese wurde hier auch schon genannt (s.o.) und enthält eine Auswahl von Miniaturen (meist Préludes) und die vierte Sonate. Hat man diese Aufnahme lieben gelernt, kann man die meisten Scriabin-Aufnahmen anderer Pianisten schnell langweilig finden.


    Eine hervorragende Gesamtaufnahme der Préludes gibt es von Andrei Diev (Arte Nova Classics, 1999). Es handelt sich um eine sehr musikalische, detailverliebte und eigenwillige Interpretation. Diev setzt das Pedal nicht übermäßig ein, Rubato häufig aber intelligent. Die Stücke wirken sehr organisch und weniger mechanisch. Ich ziehe diese Aufnahme den entsprechenden Aufnahmen von Pletnev, Lettberg, Alexeev, Zarafiants oder Gourari vor.



    Auf youtube sind Aufnahmen ausgewählter Préludes von I. Zhukov zu hören. Diese sind sehr hörenswert.


    Was die Etüden betrifft, so fallen mir gerade nur Aufnahmen einzelner Stücke ein, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben:

    • Op.8 No.2: Pogorelich (youtube)
    • Op.8 No.11: Weissenberg (Columbia 1950 oder Sigi Recordings auf Doremi, auch seine Darbietung der Nocturne Op.9 No.2 ist beeindruckend)
    • Op.8 No.12: Matsuev (RCA 2009, The Carnegie Hall Concert. Hier „knallt“ es ähnlich schön wie bei Gavrilov)
    • Op.2 No.1: Horowitz
    • Op.42 No.5: Gavrilov (EMI 1984 [s.o.], oder Live-Mitschnitt auf youtube)

    Edgar Meyer (*1960) fehlt auch noch.


    In Folgendem ein paar Zeilen zum Violinkonzert. Im Beilageheft der CD (S. 9) schreibt die Interpretin und Widmungsträgerin Hahn: „1996 hatte ich Gelegenheit, Edgar Meyer kennenzulernen, als wir beide bei einer Konzertreihe in New York mit Bachs Brandenburgischen Konzerten auftraten. Im Anschluss an diese Begegnung entstand dann sein Violinkonzert, das hier seine CD-Premiere erlebt. Es ist das allererste Stück, das speziell für mich komponiert wurde, dass ich als erste aufführen und auf CD aufnehmen durfte. Dass ich auf diese Weise zur Widmungsträgerin eines Stückes geworden bin, das durch so viel Schwung, Esprit, Kraft und lyrische Schönheit besticht, ist mir eine ganz besondere Ehre.“