Dann möchte ich mich nach der Tristan-Vorstellung wieder melden.
Vorweg: Da es sich um meine erste live Wagner Oper handelt, die ich je gesehen habe bitte ich um eine milde Behandlung, sollte jemand meinen, dass ich vollkommen daneben liege.
Ich teile auf: I.a) Sänger I.b) Orchester I.c) Weiteres, II Theater-Inszenierung, III Schlussbetrachtungen.
I Musik
I.a) Sänger: Besonders positiv ist mir Alexandra Petersamer (Isolde) aufgefallen. Zunächst durch ihre Lautstärke und Durchschlagskraft. Nach dem ersten Akt habe ich gedacht, dass sie das niemals durchhalten wird, was sie jedoch geschafft hat. Im Nachhinein frage ich mich trotzdem, ob sie sich zu Gunsten des gesamten Spannungsbogens zu Beginn nicht besser hätte zurücknehmen sollen. Wer jedoch eine herrische Isolde erwartet hat, wurde eventuell etwas enttäuscht. Ich empfand sie trotz der Durchschlagskraft als eher weich im Ansatz. Dafür sehr verständlich. Leider hat sie in den sehr hohen Tönen nicht mehr alles sauber singen können. Da war ihre Grenze tatsächlich erreicht.
Von Daniel Frank (Tristan) war ich wirklich enttäuscht. In den ersten beiden Akten kam es dutzende Male vor, dass er sich nicht gegen das Orchester behaupten konnte. Im zweiten Akt konnte er gegen Petersamer überhaupt nicht mehr ankommen. Ich habe ihn oft gar nicht mehr gehört: er ist einfach untergegangen. Im dritten Akt konnte er sich jedoch wieder behaupten. (Ist Frank noch unerfahren mit dem Tristan und wollte sich Puste aufsparen?) Auch wenn ich bis zuletzt nicht in Jubel ausbrechen konnte, fande ich, dass er im dritten Akt seine Rolle am besten und Aussagekräftigsten gespielt hat.
Über Hans-Peter König (Marke) möchte ich nicht viel sagen, weil ich mich im Bass Bereich nicht gut auskenne. Mir hat er aber (ohne einen Vergleich anführen zu können) sehr gut gefallen. Er hat jedenfalls vielleicht sogar mehr Jubel als Petersamer und Frank zum Schluss erhalten. Vielleicht kann uns rodolfo39 , der König wohl schon kennt, noch mehr sagen.
Richard Sveda (Kurwenal) hat einen eher lyrischen Tenor gesungen. Es gibt Aufnahmen, da wird sein erster Auftritt (direkt zu Beginn) fast gesprochen. Ich finde Svedas Art, an seinen Solo-Part zumindest lyrisch angehaucht zu singen nicht schlecht.
I.b) Orchester
In der ersten Pause hatte ich mit einem Herrn gesprochen, der sagte, dass es mit einem besseren Orchester auch besser wäre. Ich kann dem so zustimmen. Die beiden Hörner im Graben hatten wohl wirkliche Schwierigkeiten darin, zusammen zu spielen und die Töne im Ansatz zu treffen. Das ist mir schon stark aufgefallen. (Interessant, dass mir so etwas bei der Ringaufnahme der gleichen Oper nicht aufgefallen ist.) Was erstaunlich gut funktioniert hat, war das Zusammenspiel zwischen dem Graben und dem Quartett auf der Bühne. Auch das englisch Horn auf der Bühne hat musikalisch gut mit dem Orchester zusammen gespielt. Was jedoch blieb: An einigen Stellen, wo eigentlich das ganze Orchester spielen sollte, ertönten nun ein Streichquartett (und mit Glück dazu das englisch Horn). Das fande ich komisch, denn es kam auch vor, dass die Streicher auf der Bühne das gleiche wie im Graben gespielt haben. Manchmal waren sie alleine. Und ein Streichquartett hört sich einfach anders an, als Streicher aus dem Graben.
I.c) Weiteres
Stimmenliebhaber hat mich in einem Kommentar (der auch hätte netter sein können) darauf hingewiesen, dass Kloke die Besetzung festgeschrieben hat. Ich habe gezählt und kann sagen, dass im Graben (deutlich) mehr Musiker waren, als nach Partitur angegeben. Daher habe ich mich gefragt, warum man nicht statt eines Quartetts einfach jede Stimme doppelt besetzt wurde. Das hätte deutlich was ausgemacht und wäre vom Platz möglich gewesen.
Eine Frage, die ich mir noch gestellt habe: Der Chor wurde beim ersten Auftritt an 4 oder 6 Stellen platziert. Es hörte sich wirklich sehr unschön an. Kein Einsatz ist gelungen. Warum macht man so etwas? Bei den anderen Auftritten stand der Chor näher beisammen. Dort klappten die Einsätze.
Noch etwas interessantes: Auf der Bühne waren immer wieder weitere Musiker: Mal Posaunen und Trompeten, mal Hörner und zum Schluss zur letzten Arie ein zweites Orchester. Das hat zumindest Abwechslung gebracht und hat oft Thematisch gepasst, um bestimmte Teile stärker hervorzuheben.
II: Inszenierung
Vielleicht noch eine Frage an rodolfo39 : War das Regiertheater? Das Schiff hat man so gerade noch erkannt. Er war schon Frei, aber...? Ich würde aber sagen Ja.
Leider war es eine sehr minimalistische Inszenierung.
Nach dem zweiten Akt wurde Tristen NICHT verwundet. Er ist einfach von der Bühne gegangen. Im Dritten Akt erschien er dann an einer Kneipen-Bar. Mehr gab es nicht zu sehen. Nachdem Marke gesichtet wurde, ist auch die Bar verschwunden. Das einzige was bei der Ankunft Isoldes und Markes zu sehen war: Ein Sag. Ansonsten eine leere Bühne. Zur letzten Arie dann das zweite Orchester.
Ein Besucher sagte mir, dass sei fantastisch: Tristan habe sich alles im dritten Akt eingebildet. Daher passt die leere Bühne super. Ich bin da doch gespalten.
Was ich grundsätzlich jedoch gut fand war, dass das Stück auf zwei Ebenen (oben und unten) gespielt wurde. Dadurch wurde die Trennung Isolde-Tristan, Tristan-Kurwenal sehr gut symbolisiert. Ich habe mich aber schon an einigen Stellen gefragt, was dies oder jenes soll.
III: Schluss
Insgesamt eine schöne Aufführung. Die Sänger haben mich mal sehr(Petersamer)/mehr(Brangäne)/weniger überzeugt. Insgesamt aber auf gutem Niveau. Leider einige Abzüge im Orchester und im Zusammenspiel mit dem Chor. Von der Inszenierung her war manchmal sehr wenig auf der Bühne und sehr wenig Bewegung. Manchmal habe ich mich schon gefragt, ob man nur Regietheater-Kritiker ärgern will. In einigen Dingen habe ich einfach keinen Sinn für ein tiefergehendes Verständnis gesehen. Dafür witziger Weise einen Klassischen Schrein für die Tränke und eine große goldene Schale für den Sühne-Trank sowie ein klassisches edles Kleid für Isolde.
Beste Grüße
Aaron