Beiträge von Stolzing

    Nun ist die Wahl für die Poschner-Nachfolge auf Christoph Koncz gefallen. Überraschend, wie ich meine. Koncz fiel mir bisher nur als Sologeiger auf - abgesehen davon hab ich nichts von ihm mitbekommen.


    Vielleicht kann mir jemand von euch bei seiner Einordnung helfen. Wofür steht er? Was darf man interpretatorisch von ihm erwarten?


    Ich danke im Voraus!


    Clemens

    Es ist lustig - ich hab ewig lang gar keinen Puccini gehört - seine Musik war für mich immer irgendwie eine Überosis Sirup bzw die Handlung darin ertränkt aber das ist Blödsinn. Puccini ist entweder das realistischste Leben, teilweise überhöht, in all seiner Tragik oder knallharter Brutalität. Tosca, Boheme, Turandot.. moderne griechische Tragödien mit atemberaubenden Melodien (R. Strauss konnte das nicht...).

    1. Il Trittico (und hier Il Tabarro vor Gianni Schicci wobei Gianni Schicci womöglich sein genialistes Werk ist - rein musikalisch spricht mich Il Tabarro mehr an.).

    2. La Fanciulla.
    3. Turandot (nur auf Platz 3 weil ich das ergänzte Ende rein dramaturgisch für viel zu banal halte. Lasst es bitte mit Lius Tod enden.)
    4. Tosca.

    5. Boheme.

    6. Butterfly.
    7. Manon.

    8. La Rondine.
    Edgar und Le Villi kenne ich zu wenig.

    Bewertest du Zimmermann und Helmchens Einspielung höher als Perlman?

    Eine kleine Episode aus dem Leben eines Familienvaters. Gerade lief der 2. Satz aus Beethovens 10. Violinsonate meine dreijährige Tochter sitzt neben mir und spielt. Plötzlich beginnt sie zu weinen. Besorgt frage ich sie was denn los sei. Ihre Antwort: “Die Musik ist so schön aber so traurig.”


    Man kann den Gehalt eines Stückes Musik nicht hoch genug einschätzen, wenn es ein kleines Kind dermaßen berührt.


    Rattles Aufnahme von Haydns Schöpfung steht schon länger auf meiner „to listen to-list“. Jetzt war es endlich soweit. Ich frag mich immer ob der BRSO trotz oder wegen Rattle momentan so grandios aufgeigt und wirklich phänomenale Aufnahmen produziert. Das Orchester sticht hier wirklich heraus, präsentiert sich kraftvoll und pathetisch - sensationell. Leider ließen sich nur durchschnittliche Sänger für die Aufnahme gewinnen. Sopran Lucy Crowe verfügt in der Höhe leider über keine überzeugende Strahlkraft, Tenor Benjamin Bruns singt zwar sehr verständlich, klingt aber kaum. Wirklich gern hör ich nur dem dunklen Bariton von Christian Gerharer zu. Und natürlich dem BRSO.


    Zu schade, dass das Werk dieser begnadete Frau trotz Hypes nach wie vor ein Schattendasein führt.
    Die ersten beiden Sätze ihrer ersten Sinfonie, ihr zweites Violinkonzert und ihr zweites Streichquartett genügten bereits um den Bann zu brechen.

    Ich habe diesen Thread jetzt überflogen. Tatsächlich geht mir der Inbegriff des Parsifal ab und zwar mit Jess Thomas in der Titelpartie unter Kna.


    Wirklich niemand flehte glaubwürdiger um Rettung durch Erlösung als Thomas. Obwohl ich diese Aufnahme schon 100000 mal gehört habe, bekomme ich noch immer gegen Ende des 2. Aktes wenn der Parsifal “Erlöse, rette mich aus schuldbefleckten Händen…” singt, Gänsehaut. Irre!!


    Nicht weniger bemerkenswert: Thomas als Siegfried in Karajans Studioaufnahme in der Jesus Christus-Kirche.


    Ich kann Thomas’ Stellenwert heute nicht einordnen. Er gehört für mich zu den größten Tenören des 20. Jahrhunderts. Wenn ich die Wahl zwischen Aufnahmen mit ihm oder Windgassen habe, greif ich ohne zu überlegen zu Thomas.


    Ich gestehe, ich bin Haydn komplett verfallen - so wie ich auch Beethoven verfallen bin. Selbst wenn mich seine späteren Werke mehr ansprechen, schätze ich auch seinen Sturm und Drang und auch wenn sie in diesem Jochum Zyklus von der Nummer her knapp verfehlt wurde, ist mir die 92. (Oxford) wahrscheinlich die liebste. Ich kann sie aber nicht dauernd hören, daher wachse ich heute über sie hinaus und versüße mir die Zeit im Büro mit den Sinfonien jenseits davon.


    "..Dort firmierte er als "Frankly Worse than Most". ^^

    Ich kann’s nachvollziehen - Möst ist der personifizierte Verzwerger und ich schätze ihn sehr - wenn er nicht gerade Wagner mit angezogener Handbremse aufführt. Seine Walküre von 2007 und folglich den ganzen Ring (die aktuelle Inszenierung des Rings in der Wiener Staatsoper nahm damals mit der Walküre ihren Anfang) nehm ich ihm noch immer übel.

    Die Interpretationen sind, soweit gehört - Sinfonie außen vor gelassen - ausgezeichnet. Ich kenne zum Beispiel die Violinsonaten nicht. Das scheint dann auch eine Empfehlung zu sein.

    Vielen Dank!


    Die Aufnahme von Larsen und Weyer ist das aktuelle Album der Woche auf Radio Klassik Stephansdom. Ich kann zu der Redaktion nichts sagen, aber es sind jedenfalls keine Anfänger am Start.

    Emilie Mayer


    Bisher kläglich von mir vernachlässigt, stolperte ich gerade auf Radio Klassik Stephansdom über Emilie Mayer und ihre Violinsonaten. Ich war nicht von Beginn an dabei und dachte erst an Schubert und den späten Beethoven.


    Das Album werde ich mir bestellen - was sollte man von ihr noch kennen? Leider ist die Auswahl auf Apple Klassik eher bescheiden.

    Auf kaum eine Neuerscheinung hab ich mich heuer so gefreut wie auf diese. Ich liebe Brahms Klavierkonzerte (seine Sinfonien ebenso) und Levit schätze ich ebenso sehr. Thielemann war lange ein Hausheiliger bei mir - inzwischen finde ich ihn oft langweilig. Zwar spricht mich seine Klangfarbe besonders bei Wagner an, jedoch: seinen Interpretationen mangelt es an Tiefe - bei Petrenko oder Jordan ist das anders. Das gilt auch für diese Aufnahme, die vom singenden Klavier Levits lebt und - zugegeben - von Thielemanns Gespür für Dramatik. Wäre das was Levit macht nicht so unfassbar aufregend, wäre das Fazit zu meinen Hörerlebnis: „Kenn ich schon, hab ich so schon x-fach gehört“.


    Was liebe ich diese Messe - falls jemand einen Gottesbeweis sucht, hier ist einer der schlüssigsten (den anderen hat Schubert mit seiner Es-Dur Messe komponiert).


    In meinen Augen ist hier Klemperers Einspielung nach wie vor Benchmark.


    Als großer Fan des BRSO besitze und schätze ich freilich Kubeliks Aufnahme .

    #14 ist mir vielleicht das liebste Streichquartett überhaupt - die melancholische Dramatik des Stückes, insbesondere des 2. Satzes raubt mir regelmäßig den Verstand. Es ist für mich ein Werk, so groß wie Bruckners 8. - nur eben im kleinen. Ach - eigentlich gilt das soeben geschriebene für Schuberts 12-14.


    Meine liebsten Aufnahmen:


    1. Vienna String Quartet


    2. Amadeus Quartet.


    3. Hagen Quartett .


    4. Alban Berg Quartett

    zusammengefasst: Capriccio ist Naxos.

    Gestern stolperte ich via Apple Klassik zufällig über eine Neuerscheinung, die ich auf JPC noch nicht fand:


    Welser Möst und das Cleveland Orchestra nahmen Bruckners IV. auf.


    Welser Möst verleiht der Sinfonie eine gewisse Leichtigkeit was besonders den tänzelnden Sequenzen zb im 1. Satz (Gegenthema) schmeichelt, dem Werk aber irgendwie auch die Substanz raubt. Bei seinen Wagner-Interpretationen hab ich das auch immer so empfunden. In meinen Augen liegen ihm andere Komponisten (Schubert, Brahms, Berg..) mehr aber das ist freilich Geschmacksache.

    die kenn ich gar nicht, schätze Asher Fisch allerdings sehr. Sein Mitschnitt vom Ring aus Seattle (live) gefällt mir sehr. Würdest du diesen Tristan empfehlen?

    Weil es keine Tenöre vom Format eines Lauritz Melchior, Max Lorenz, Franz Völker, Ramón Vinay, Ludwig Suthaus, Wolfgang Windgassen mehr gab!

    Ich kann diesen Beitrag nicht ganz ernst nehmen, wenn hier ein Wolfgang Windgasse in einem Atemzug mit Max Lorenz und Franz Völker genannt wird - evtl. fehlen Bernd Aldenhoff und Jess Thomas noch aber eigentlich war Wolfgang Windgassen derjenige, der aus Alternativlosigkeit da war, während Kollo tatsächlich Konkurrenzdruck verspürte. Die Geschichtsbücher sind voll mit Anekdoten um und über Windgassen - man recherchiere bitte was die Nilsson über ihn sagte. Von Kollo sind mir solche Geschichten nicht bekannt. Windgassen war sowas wie der Stephen Gould seiner Generation: solide, keine schöne, keine große Stimme, er nutzte seine Ressourcen jedoch klug und entsprechend seiner eigenen Grenzen.

    Heppner war auch so ein Tenor, tolle Aufnahmen, aber live als Tristan habe ich ihn vor vielen Jahren in Salzburg entäuschend erlebt. Die schöne Stimme kam durch das Orchester nicht durch.

    Ich hab Kollo mangels Alter leider nie live erlebt. Heppner hingegen schon und zwar in der Staatsoper wo er als Tristan heftig ausgebuht wurde - der Mann hatte gigantische Intonationsprobleme. Ganz schlimm war auch sein Lohengrin in Paris (dazu gibt’s Mitschnitte auf YouTube). Ob diese erst gegen Ende seiner Karriere begonnen haben, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls erlaube ich mir hinsichtlich des Vergleichs kein Urteil,

    Für mich kommt nichts an die Kleiber-Aufnahme heran. Vermutlich deshalb weil sie dank Price so lyrisch klingt und eben sie und Kollo aber auch Fassbaender, DFK und Moll so unendlich schön singen. Kleibers Dirigat empfinde ich als nicht weniger bemerkenswert. Manche Szenen greifen in Richtung Ewigkeit und doch dauert das Tondokument keine 4h.

    Weitermachen? Nimm mal die zweite her. Die ist letztlich optimistisch mit vielen Zwischentönen freilich. Für die dritte und vierte würde ich mir noch ein wenig mehr Zeit lassen.


    Sechs und sieben und vor allem drei empfinde ich persönlich als etwas spröder - originell auf jeden Fall ganz genauso. Die Vierte überrascht wiederum auf ganz andere Weise mit ihren Exotismen.

    Danke Wolfgang!!


    Ich hab gestern die 5. dirigiert von Hickox gehört. Auf dem Album ist auch die 6. und die höre ich gerade voller Begeisterung. Der 3. Satz ist irre (positiv gemeint). Spröde schein mir zu liegen. Mahlers 6. ist noch vor 3 und 7 meine liebste unter seinen Sinfonien.
    Evtl höre ich mir heute auch noch die 8. zu einem

    Glas Wein an. Tausend Dank und liebe Grüße aus der Brucknerstadt.

    Ich kann Dir erst mal das Sinfonien-Paket empfehlen und Du wirst staunen über die Vielfalt, wobei in der Tat das problematisierende, das dunkle Moment immer wesentlicher wird mit der Zeit, auch wenn es von Anfang an keineswegs fehlt.

    wo soll ich denn nach der 5. weitermachen? Bei der 6.?


    Ich stieß durch David Hurwitz auf ihn. Da hab ich auch gelernt, dass er wohl bipolar und depressiv war. Das glaub ich nach dem ersten Satz der 5. und der 9. sofort.

    Für mich steht im Mittelpunkt das Hollywood-Thema des zweiten Satzes - wenn das keine Melodie ist! -, das sich aber nicht wirklich durchsetzen kann, auch nicht am Ende des Finales - kraftloses Erlöschen, Zerstörung oder doch Friede?

    Ich kam gestern in den Genuss der 5. Sie war mir nicht bekannt (ich kannte bisher nur seine 9., die ich für wirklich grandios halte). Der zweite Satz erinnerte mich sofort an das Adagietto aus Mahlers 5. und noch viel mehr an das Intermezzo aus der Cavalleria, dazu ein bisschen Debussy.