Beiträge von Symbol

    Der Wehrdienstverweigerer kann aber nun nicht einfach einen Brief schreiben wo er mitteilt, dass er aus Gewissensgründen den Wehrdienst verweigert. Nein, er muss sich vor einem Gremium verantworten und glaubhaft bezeugen können, dass seine Gründe so gewichtig sind, dass er tatsächlich keinen Dienst mit der Waffe tun kann. Nur so wird seine Gewissensentscheidung anerkennt.


    Das war der Stand der 80er Jahre. Bereits in den 90er Jahren reichte der Brief (entgegen Deiner Behauptung) vollkommen aus, es gab dafür rechtssichere Standardschreiben. Wenn Du schon mit solchen Vergleichen ankommst, solltest Du besser recherchieren.


    LG :hello:

    Das sehe ich wie Du Dir denken kannst vollkommen anders. Ich habe tausendmal eine vernünftige und einsichtige Begründung gegeben, nur fehlt die Bereitschaft und das Vermögen, sie nachzuvollziehen. Der Grund dafür ist: Ich bin ein Phänomenologe und kein Konstruktivist, Nihilist oder Nominalist.


    Ich habe heute Abend wenig Zeit, deswegen nur ganz kurz: Das ist keine logische Begründung, sondern eine Selbstzuschreibung. Solange Du nicht zeigen kannst, dass die Phänomenologie besser geeignet ist als Konstruktivismus, Nihilismus oder Nominalismus, um Aspekte des Kunstschaffens zu beschreiben, ist diese Aussage ohne Belang. Es ist daher auch vollkommen egal, dass Du kein Konstruktivist, Nihilist oder Nominalist sein möchtest.


    Letztlich ist auch dies wieder ein Autoritäts-basiertes Argument: Weil die Phänomenologie zu diesen Konklusionen führt (wenn sie das denn tut), gelten sie. Das funktioniert aber nur, wen man die Phänomenologie als Autorität im fraglichen Gebiet anerkennt. Solange wir uns hierauf nicht geeinigt haben (was nicht der Fall ist), ist das Argument wirkungslos.


    LG :hello:

    Dann musst Du nur noch erklären, warum Musiker verpflichtet sind, sich (natürlich in dem Sinne, den Du definierst) als "Interpreten" zu verstehen.


    Ich würde auch annehmen, dass nur ein relativ überschaubarer Teil des Spielens notierter Musik mit der Absicht geschieht, eine "Interpretation" der Komposition (also des Notentextes) vorzunehmen und darzubieten.


    Rein statistisch werden die allermeisten klingenden Darbietungen auf der Basis von notierter Musik vermutlich von Mudsikschülern stammen. Die nutzen den Notentext vornehmlich, um daran etwas zu lernen, vielleicht auch ihrerseits aus der Position des praktischen Musizierens die Stücke kennenzulernen.


    Dann gibt es die zahlreichen Hobbymsiker, die (so wie ich) zur eigenen Entspannung und der bekannten "Recreation des Gemüths" spielen. Mir ist es ehrlich gesagt relativ wurscht, ob ich den Notentext "interpretiere", ich musiziere privat aus reinem Spaß an der Sache.


    Dann gibt es wiederum eine (zahlenmäßig relativ kleine) Gruppe von Profimusikern oder Amateuren auf quasiprofessionellem Niveau, die tatsächlich in der Lage sind, Notentexte (nach Einstudierung) technisch so gut zu beherrschen, dass sie eine klingende "Interpretation" des Notentextes darbieten können (falls dies denn ihr Ansatz sein sollte).


    Insofern sprechen wir hier eigentlich von einem Minderheiten-Phänomen. :)


    LG :hello:

    Bildungslücke


    Hier sind wir leider wieder an einer Stelle angekommen, die wir vom Forianer Holger Kaletha zur Genüge kennen. Wenn er keine vernünftige Antwort weiß, dann wird er beleidigend gegenüber anderen, in Kombination mit einer Herausstellung des vermeintlich überlegenen eigenen Wissens. Es ist schade, dass die Diskussion immer wieder an diesen Punkt kommt.


    Da hast Du das Falsche im Blick. Es ging darum, dass eine in der Partitur vorgesehene Männerstimme durch eine Frauenstimme ersetzt und die Stimme entsprechend den stimmlichen Möglichkeiten transponiert wurde. Das hat Stockhausen zunächst als sinnwidrige Bearbeitung angesehen und von seinem Recht Gebrauch gemacht, die Aufführung zu verbieten. Dann hat ihn das Esnemble überzeugt, dass diese Bearbeitung nicht sinnwidrig ist. Stockhausen hat daraufhin seine Meinung geändert und die Aufführung erlaubt, wenn das Emsemble vermerkt, dass es bei der Aufführung um ihre Version des Stückes geht. Das Stück in der "problematischen" Version habe ich in einer Aufführung erlebt durch eben dieses Ensemble.


    Das alles hat mit dem Thema wenig zu tun, weil Stockhausens Intervention überhaupt nur auf Basis des Urheberrechts möglich war, es also um eine Situation ging, in welcher die aufführenden Künstler gerade nicht umfangreiche Freiheit in der Gestaltung der Aufführung genossen haben.


    Nein, das ist kein Postulat sondern folgt aus dem Begriff der Interpretation - streng und allgemeingültig. Eine Interpretation ist erst einmal von der Aufgabe und Zielsetzung abhängig, die gesetzt ist. Wenn es nicht etwa um eine wirkungsgeschichtliche Untersuchung geht sondern darum, das Werk zu interpretieren, dann ist das Werk der intentionale Gegenstand der Interpretation und von daher sind auch verbindlich die Möglichkeiten und Grenzen der Interpretation gesetzt. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hier vom Gegenstand der Interpretation her eingeschränkt. Wenn man statt zu interpretieren das zu Interpretierende verändert und damit bearbeitet, hebt sich der Sinn der Interpretation selber auf. Dann interpretiert man nicht mehr. Wer vorgibt, ein Werk nur zu interpretieren, verpflichtet sich damit, auch nur das zu tun und entsprechend nicht in die Interpretation Dinge einzumischen, die entweder Projektionen oder Substruktionen sind, die gar nicht der Interpretation des Gegebenen entspringen oder aber Bearbeitungen sind, die keine Interpretationen mehr sind. Jeder seriöse Interpret verpflichtet sich, solche Grenzen einzuhalten. Darüber muss man unter Fachkundigen auch gar nicht erst diskutieren, denn das ist eine Selbstverständlichkeit wie die, dass die Herstellung von Schuhen nicht die Herstellung von Möbeln sein kann.


    Das alles führt doch (wenn auch mit recht vielen Worten ausgekleidet) zu einer recht simplen Konklusion: Wenn man etwas interpretieren möchte, dann sollte man es auch interpretieren. Das ist einerseits sicherlich zutreffend, andererseits aber auch ziemlich trivial.


    Die (m. E. etwas zwanghaft wirkende) Unterscheidung von "Interpretation" und "Bearbeitung" krankt an einer Sache: Niemand kann allzu genau sagen, wo die Interpretation endet und die Bearbeitung beginnt. Historisch gesehen hat sich diese Grenze immer wieder verschoben. Wilhelm Furtwängler fand es offensichtlich vollkommen legitim, bei einer Aufführung der "Matthäus-Passion" das Stück um eine zweistellige Zahl von Nummern zu kürzen, ohne dass er dies als "Bearbeitung" benannt hätte. Heutzutage wird teilweise schon "Bearbeitung" gebrüllt, wenn die ausführenden Musiker nicht auf einen historisch korrekten Kammerton stimmen, sondern das Sakrileg wagen, Barockmusik auf der Basis 440 Hz zu spielen.


    Eigentlich ist das aber auch gar nicht so wichtig, weil es ja keine Verpflichtung des Künstlers gibt, das eigene Spielen des Notentextes nach dem Ansatz der "Interpretation" zu gestalten. Damit sind dann auch alle Konklusionen hinfällig, die sich aus diesem Ansatz möglicherweise ergeben mögen.


    LG :hello:

    Das ist durchaus keine Spekulation, lieber Christian. Karlheinz Stockhausen hat mal [...]


    Was hat denn Karlheinz Stockhausen mit Hans Magnus Enzensberger zu tun?


    (Übrigens hat das Stockhausen-Beispiel generell wenig mit dem Thema zu tun, weil in diesem Fall ein nicht-gemeinfreies Stück zur Aufführung gekommen ist. Es ist vollkommen klar, dass man eine grundlegend andere Ausgangssituation hat, wenn das Urheberrecht am Text ins Spiel kommt.)


    LG :hello:

    Jeder Künstler hat das Recht, Mist zu bauen. Verboten ist das nicht.


    Eben. Anders als z. B. bei Betreibern von Atomkraftwerken oder Berufskraftfahrern kommt durch das Mistbauen des Künstlers niemand zu Schaden. Schlimmstenfalls hat man im Publikum einen miesen Abend - so what.


    LG :hello:

    Natürlich kann man das und dies ist auch sinnvoll. Nur wenn es um die Bestimmung geht, was eine Interpretation ist, kann man das erst einmal ausblenden. Wenn ich Wahrnehmungsanalyse betreibe, orientiere ich mich ja auch an der schlichten Wahrnehmung und beschäftige mich nicht damit, dass der Gegenstand auch ein logischer Sachverhalt oder eine Traumvorstellung sein könnte.


    Das sehe ich anders. Bei der Diskussion eines Phänomens, das letztlich der Spezialfall einer übergeordneten Gesamtheit ist, ist es grundsätzlich nützlich, die Gesamtheit zu reflektieren - sonst kann man das Phänomen eventuell nicht gut einordnen.


    Bezogen auf das Thema: Natürlich kann man versuchen, einen Notentext zu interpetieren, nur sollte man schon verstehen, dass dies letztlich ein Spezialfall des Szenarios ist, auf Basis eines Notentextes zu musizieren.


    Die Beschreibung des Vortrags und des Vortragsstil und die Erfassung des Sinnes von Interpretation sind zwei verschiedene Dinge. Bei einem betont subjektiven Vortragsstil wie z.B. bei Busonis Aufnahme der Chopin-Preludes steht natürlich die Interpretation nicht im Vordergrund. Das ändert aber nichts an dem Sinn von Interpretation, dass ihre Bedeutung unterschiedlich gewichtet werden kann im musikalischen Vortrag.


    Eben. Wenn der Spieler überhaupt nicht "interpretieren" möchte, dann macht es auch keinen Sinn, das Ergebnis seines Spiels nach den Maßstäben von "Interpretation" zu bewerten. Damit sind wir dann wohl wieder bei den "Meistersingern"...


    Wer sie deshalb nicht so spielt, wie sie dastehen, hat deshalb die Beweislast, das gut begründen zu müssen und nicht der, der sich an den Notentext hält.


    Wieso sollte hier irgendwer eine "Beweislast" haben (und wer verfügt das auf welcher Basis)? Das würde doch wohl nur gelten, wenn man mit dem Ziel der höchstmöglichen Texttreue musizieren möchte. Das kann man machen, muss man aber nicht.


    Gemeint war mit unseriös, wenn man das einfach ignoriert. Wie ich schon öfters betont habe ist eine Verbindlichkeit nicht mit einer Zwangsläufigkeit zu verwechseln. Man muss nicht alles so spielen, wie es dasteht, nur wenn man davon abweicht, muss man es dann gut begründen können.


    Gleicher Punkt: Man muss es nur dann begründen können, wenn man mit dem Ziel der Texttreue musiziert. Wenn man das nicht tut, muss man auch nichts begründen. Letztlich wird man doch ohnehin am Ergebnis gemessen und nicht an der Frage, ob man anstelle des in Takt 110 notierten mf nicht vielleicht doch eher in der Lautstärke eines f gespielt hat.


    LG :hello:

    Zwei Beispiele, wie man am Thema vorbeireden kann.


    Das sehe ich nicht so. Um sich über bestimmte Arten von Aufführungen zu unterhalten, sollte man zunächst erfassen, welche Arten von Aufführungen es insgesamt geben kann. Wenn man also das Verhältnis der aufführenden Kunst zum verwendeten Text untersuchen möchte, so empfiehlt es sich, erstmal zu reflektieren, welche Spielarten dieses Verhältnisses insgesamt auftreten können.


    Wenn das erfolgt ist, dann kann man sich bestimmten Arten von Aufführungen zuwenden, nämlich solchen, die der Interpretation des Notentextes (im Falle des Musikstücks) oder seiner szenischen Deutung bzw. Umsetzung (im Falle der Theateraufführung) dienen.


    Auf diese Weise kann man sich nämlich eine Sache vergegenwärtigen: Es gibt keine offensichtliche Verpflichtung, bei einer Aufführung unter Verwendung eines Textes das Ideal der "Interpretation" zu verfolgen. Man kann das tun, muss es aber nicht.


    Wenn man dieses Ideal verfolgt, so muss man sich natürlich daran messen lassen, ob man ihm gerecht wird. Das ist aber keine sonderlich dolle Erkenntnis.


    Wenn man dieses Ideal nicht verfolgt, so ist es logischerweise kein sinnvoller Maßstab für die Aufführung, ob sie das Ideal der "Interpretation" des Textes erreicht.


    Dies würde nur dann nicht gelten, wenn man bei Verwendung eines Textes davon ausgehen würde, dass mit dieser Verwendung automatisch die Verpflichtung zur "Interpretation" eingegangen wird. Die aufgeführten Gegenbeispiele zeigen, dass das nicht sinnvoll ist.


    Würdest Du diesen Überlegungen an irgendeiner Stelle widersprechen?


    LG :hello:

    Bei den wenigen Takten, die von seinem eigenen Spiel leidlich erhalten sind, kann man das zwar kaum hören


    Ich finde das Material auch sehr schwer hörbar. Auf Youtube gibt es den (offensichtlich seriösen) Versuch einer Rekonstruktion - es ist schon etwas her, dass ich mir das angehört habe, aber ich fand/finde es recht interessant:



    LG :hello:

    Alle verstehen das, bis auf ein ganz kleines Häuflein von zwei bis vier Personen, die es partout nicht verstehen wollen.


    Hierzu noch ein Nachtrag. Ich glaube, dass Du Dir hier etwas vormachst. Es ist nicht so, das die meisten Teilnehmer "es" (oder besser: Dich) verstehen, aber es ist sicherlich so, dass man sich des Umstandes erfreut, dass Du nunmehr auf der vermeintlich richtigen (also eigenen) Seite argumentierst. Es hat Deiner Popularität sicherlich geholfen, dass Du nunmehr als Regietheater-Kritiker fungierst... ;)


    LG :hello:

    Ich hatte doch ausdrücklich gesagt mit Blick auf mein Studium der Literaturwissenschaften, dass Methodenvielfalt ein Gewinn ist. Welche Methode man wählt, hängt letztlich auch vom Gegenstand der Interpretation ab.


    Hierbei geht eine Sache unter, nämlich dass man Texte auch verwenden kann, ohne dies mit der Absicht ihrer "Interpretation" zu tun.


    Eigentlich hat diese Diskussion ja rund um das Thema Theater Fahrt aufgenommen, und dies ist vielleicht auch der Bereich, in welchem dieser Aspekt am meisten auffällt.


    Ich hatte weiter oben das (fiktive) Beispiel einer improvisierten Theateraufführung gebracht, in der ein Teil aus "Faust" rezitiert wird. Du hast (m. E. vollkommen zutreffend) angeführt, dass das Endprodukt immer noch improvisiertes Theater sei. Dies wäre somit ein Beispiel für eine Verwendung eines Textes, die offenbar nicht die Interpretation desselben als wesentliches künstlerisches Ziel hat, die aber vollkommen legitim wäre.


    Dies bringt mich wieder zu meiner weiter oben gestellten Frage zurück: Gibt es auch eine illegitimeVerwendung eines Textes? Deine Meinung dazu ist mir aus Deinen Ausführungen nicht klar geworden.


    Grundlage der Interpretation sollte immer der Notentext sein, so wie er geschrieben steht, vorausgesetzt, er ist eine zuverlässige Quelle (Urtext etc.)


    Das würde ich unterschreiben, allerdings ist es in Bezug auf Aufführungen mit der Absicht der "Interpretation" eine ziemliche Banalität, denn man kann nur etwas interpretieren, das man auch kennt. Denkbar sind natürlich auch Aufführungen, die diese Absicht nicht haben, z. B. ein improvisierter Jazzabend, für den die Musiker lediglich verabredet haben, ihn ausgehend vom thematischen Material eines bestimmten Stücks zu gestalten.


    LG :hello:

    Leider nicht von Mozart, Händel, Haydn und Beethoven aus deren Lebenszeit ... DAS wäre natürlich was, da gebe ich Dir Recht.


    Oder Du wärst maßlos enttäuscht, wenn Du beim Hören feststellst, dass Mozart seine eigene Musik überhaupt nicht so gespielt hat, wie sie nach Deiner Meinung gespielt werden sollte... ;)


    Es gibt ja von Brahms sehr schlecht klingende Mitschnitte aus der Frühestzeit der Tonaufnahme. Das, was man durch das Geknacke und Gerausche erahnen kann, klingt jetzt nicht unbedingt so, als würde man in der heutigen Zeit Wettbewerbe damit gewinnen können...


    LG :hello:

    Ich habe also nicht gesagt, dass man als Interpret unbedingt so verfahren müsse (was man mir gleich untergeschoben hat), sondern nur, dass diese Methode sehr fruchtbare Ergebnisse liefert und deshalb ihren unbestreitbaren Wert hat.


    Dann sind wir uns darin einig. Es kann eine überaus fruchtbare und nützliche Herangehensweise sein, wenn man sich als Spieler (s.o.) von Musik, die ein anderer Mensch komponiert hat, dieses Ansatzes bedient. Aber: Es gibt auch andere Ansätze, die ebenfalls zu fruchtbaren Ergebnissen führen. Würdest Du dem zustimmen?


    Wenn wir uns also darauf verständigen können, dass dies eine der sehr vielen möglichen Arten eines Umgangs mit dem Notentext ist, dann habe ich überhaupt nichts dagegen. Das war aber m. E. nicht der entscheidende Punkt - sondern dieser bestand in der Frage, ob andere Vorgehensweisen legitim sind. Mein Standpunkt: Ja, natürlich sind sie das. Würdest Du dem ebenfalls zustimmen? Oder anders gefragt: Gibt es grundsätzlich illegitime Arten des Umgangs mit einem Notentext, und falls ja, wie sehen diese aus? (Ich hätte hierauf eine halbe Antwort, würde aber gerne erst mehr über Deine Position erfahren.)


    LG :hello:

    Die fehlende Originalpartitur ist mir hier ein Dorn im Auge [...]


    Das erstaunt mich ehrlich gesagt. Eigentlich müsste das Procedere beim Komponieren von Popmusik doch Deinem Wunsch nach einem "Original" überaus entgegenkommen, weil das "Original" in diesem Fall direkt ein klingendes ist und somit die Unklarheiten, die es in dieser Frage bei notierter klassischer Musik gibt, vermieden werden. Wenn man an einem musikalischen "Original" Interesse hat, kann es doch eigentlich nicht besseres geben (womit natürlich nicht gesagt ist, dass man sich deswegen auch für diese Art von Musik interessiert).


    LG :hello:

    Die "herablassende Belehrung" ist auch angebracht, wenn man wiederholt fachlich fundierte Argumentationen, von denen und deren Hintergrund man offensichtlich nichts versteht, überheblich als bloßen "Wortschwall" abtut. Das zeugt von Ignoranz und fehlender Verständnisbemühung.


    Vielleicht zeugt es auch einfach davon, dass Du nicht in der Lage bist, Deinen Standpunkt in verständlicher Form zu vermitteln. Hast Du über diese Möglichkeit mal nachgedacht? Wenn man von vielen Personen in seinem Umfeld nicht verstanden wird, muss das nicht unbedingt am Umfeld liegen.


    Natürlich ist das sinnvoll - so sinnvoll wie die Genieästhetik. Hier geht es aber nicht darum, sondern um die Interpretation, also keine Neuschöpfung von Kunst, sondern das immer nachträgliche Verstehen und die Auslegung von Kunstwerken, die nunmal schon da sind.


    Damit sind wir vielleicht endlich an der entscheidenden Stelle angekommen, an der sich die Geister scheiden.


    Das, was ein Musiker macht, der klassische Musik darbietet, wird von Dir (und vermutlich auch von einigen anderen) nicht als "Neuschöpfung" gesehen, sondern es wird ihm die Aufgabe zugewiesen, dem Publikum beim Verstehen und der Auslegung des Notentextes behilflich zu sein.


    Ich sehe das grundlegend anders. Auch wenn ein Musiker die gespielte Musik nicht selbst komponiert hat, so schafft er/sie beim Spielen doch stets etwas Neues und Unwiderbringliches, nämlich das musikalische Ereignis, dem das Publikum beiwohnt.


    Wie ein Musiker sich bei diesem Ereignis zur Komposition positioniert, ist damit nicht gesagt. Er/sie kann die Komposition eher als eine Art Vorschlag auffassen oder sich als eine Art Anwalt des Komponisten sehen, der den Notentext minutiös zu befolgen hat - oder halt einer der unzähligen Graustufen zwischen diesen Extrema zuzurechnen sein.


    Natürlich, wenn man für sich selbst den Anspruch formuliert, den Notentext "interpretieren" zu wollen, dann muss man ihn auch interpretieren - das ist aber eine ziemlich banale Erkenntnis. Zu den anderen möglichen Haltungen zum Notentext ist damit nichts ausgesagt.


    Alfred Brendel hat in seinen Aufsätzen nach meiner Erinnerung das Wort "Interpret" meist gemieden und gerne vom "Spieler" gesprochen. Das halte ich aus mehreren Gründen für überzeugend, weil er damit keine Implikationen zur Haltung gegenüber dem Text vornimmt und außerdem daran erinnert, dass man ein Musikinstrument "spielt".


    LG :hello:

    Sorry, werte Kollegen, wir waren uns ja einig, dass wir argumentieren können, ohne andere als dumm darzustellen oder sich ironisch über sie herzumachen. Ich bitte das zu respektieren. Ich habe jetzt einfach "wegen Inhaltsleere" geschrieben, weil die Stellen keinen inhaltlichen Beitrag zum Diskurs enthielten


    astewes als mod


    Die Reformande ist akzeptiert! Ich werde das beim nächsten Mal neutraler formulieren. Zum Gehalt der Aussage (nämlich dass dieses Verhaltensmuster für den betreffenden anderen User typisch ist) stehe ich allerdings.


    Natürlich kann dies hier beizeiten gerne gelöscht werden.


    LG :hello:

    Daß da die Partitur das „Original“ ist, darüber bestand m. W. Einigkeit.


    Stimmt. Und ebenso besteht sicherlich Einigkeit darüber, dass die Partitur keine Töne hervorbringt. Insofern gibt es in der klassischen Musik kein klingendes "Original". (So verstehe ich auch ChKöhns Ausführungen zum Thema.)


    In der Popmusik ist das übrigens anders. Hier kann man in vielen Fällen mit guten Gründen die erste Tonträger-Veröffentlichung eines Songs als "Original" bezeichnen. (In manchen Fällen ist das eventuell komplizierter, z. B. wenn ein Song erst live gespielt wurde, bevor er im Studio aufgenommen worden ist.) Eine notierte Partitur gibt es in vielen Fällen nicht, und die sogenannten Demos haben häufig eher den Charakter von Skizzen als den einer ausgearbeiteten Komposition.


    LG :hello:

    Solche Fragen sind höflich formuliert einfach nur laienhaft. Das ist alles hinlänglich geklärt in der Fachliteratur zur Hermeneutik, die ganze Bibliotheken füllt.


    gelöscht wegen Inhaltsleere. astewes Statt eines Arguments gibt es die herablassende Belehrung, natürlich nicht ohne das Herausstellen der eigenen Belesenheit. Lernt man dieser Vorgehensweise eigentlich gleich mit, wenn man sich mit Hermeneutik befasst? ;)


    Der Verdacht erhärtet sich, dass Du auf diese klar formulierten Fragen keine plausible Antworten hast (wovon ich ab jetzt ausgehen werde), denn sonst würdest Du diese Antworten ja einfach mitteilen, statt Dich hinter einem hermeneutischen Popanz zu verschanzen.


    Wagners Meistersinger - das ist romantische Genieästhetik. Auch die ist keineswegs sakrosankt.


    Das war nicht die Frage. Meine Frage an Dich war, ob man sich mit Dir darauf einigen kann, dass das, was in den "Meistersingern" zum Verhältnis des Künstlers zu einem kunstbezogenen Regelwerk steht, sinnvoll ist. Diese Frage zu klären ist allein schon deswegen interessant, weil Du im Laufe dieser Diskussion Deine Position zu diesem Thema gewechselt hast. Erst hast Du behauptet, dass in den "Meistersingern" etwas ganz anderes stehe (was dieses "ganz andere" sein soll, hast du trotz mehrfacher Nachfrage unbeantwortet gelassen), dann hast Du behauptet, dass das Deine Position sei und dass Werner Hintze eine andere Position vertreten habe (was nachweislich falsch war und zu der Eskalation geführt hat, die die Schließung des Threads bewirkt hat), jetzt diskutierst Du, ob diese Überlegungen Wagners "sakrosankt" sind oder nicht (was wie gesagt nicht die Frage war).


    Also bitte: Wie stehst Du dazu?


    LG :hello:

    Es gibt gute bzw. gut begründete Interpretationen, es gibt schlechte bzw. schlecht begründete Interpretationen, es gibt gewaltsame, biedere, originelle, seriöse, unseriöse Interpretationen, es gibt Interpretationen mit wissenschaftlichem Anspruch und welche, die solchen Ansprüchen nicht genügen können und/oder wollen etc. etc.


    Im Prinzip stimme ich dem zu, und zwar in dem Sinne, dass die Spannbreite dessen, was man "Interpretation" nennt, erheblich ist. (In Detailfragen wie z. B. der, was eine "unseriöse Interpretation" ist, müssen wir uns an dieser Stelle ja nicht verheddern.)


    Interpretationen werden also bewertet nach bestimmten verbindlichen Kriterien. Das ist ein Faktum.


    Und damit sind wir bei des Pudels Kern: Wer legt diese Kriterien fest? Nach dem, was Du zuvor geschrieben hast, können sich diese doch eigentlich nur aus dem ergeben, was der Künstler machen will, so dass er sich letztlich an Regeln messen lassen muss, die von ihm selbst stammen. Das ist im Prinzip das, was in den "Meistersingern" steht.


    Kann man sich darauf einigen?


    LG :hello:

    Woher kommt eigentlich diese Besessenheit in Sachen "Original"? Ich dachte immer, dass es beim Musizieren ums Musikmachen gehen würde und nicht um das philologisch korrekte Kuratieren von Notentexten.


    Es ist übrigens eine Sache, mit den Entscheidungen eines Künstlers nicht einverstanden zu sein, aber etwas ganz anderes, im "Ignoranz" vorzuwerfen.


    LG :hello:

    Doch, ist er! Nicht im juristischen Sinn natürlich, sondern in einem ethisch-moralischen Sinn.

    Indem er nämlich im Programm-Heft oder auf einer CD zum Beispiel erklärt: "Ich gebe das Brahms-Intermezzo op.117, Nr. 2 wieder."


    Hier muss man zwei Dinge trennen.


    Die eine Frage ist, was jemand "darf", wenn er/sie Texte einer anderen Person (z. B. einen Notentext) für eine Aufführung verwendet.


    Die andere Frage ist, wie man die Aufführung dann benennt.


    Zur ersten Frage: Ich sehe nicht, wieso es hierzu einen "ethisch-moralischen" Vertrag geben sollte. Ein Vertrag setzt beiderseitiges Einvernehmen voraus. Wenn wir annehmen, dass der Komponist möchte, dass sein Notentext auch viele Jahrzehnte nach dessen Entstehung so gespielt wird wie er mal notiert worden ist, so bleibt doch immer noch die Frage, ob der Spieler/Interpret diesen Vertrag eingehen möchte. Wenn das nicht der Fall ist, dann gibt es auch keinen Vertrag.


    Der plausibelste Grund, warum man sich an einen Notentext halten sollte, ist m. E. weder Ethik noch Moral, sondern der schlichte Umstand, dass der Komponist in den allermeisten Fällen besser komponieren konnte als der Interpret. Es bleibt aber dem Interpreten überlassen, das zu begreifen (oder halt auch nicht).


    LG :hello:

    Dazu gehört nicht die Frage, ob es für den Interpreten eine Notwendigkeit, ein Gebot oder eine Pflicht gibt – wie immer auch man das nennen will –, die Noten einer Komposition wiederzugeben.
    Selbstverständlich gibt es die, dazu hat der Komponist die Note ja niedergeschrieben. Der Interpret vollzieht damit den Willen des Komponisten, diesbezüglich verfügt er in der Wiedergabe des Textes über keinerlei Freiheit, und diesen Sachverhalt kann man durchaus mit dem Begriff „Pflicht“ belegen.


    Warum gibt es diese Pflicht "selbstverständlich"? Ich halte das keineswegs für offensichtlich (wenn wir voraussetzen, dass wir uns auf gemeinfreie Werke beziehen und keine Aspekte des Urheberrechts zu berücksichtigen haben). Der Interpret ist ja mit dem Komponisten oder Textautor (bei Opern, Liedern etc.) keinerlei Vertrag eingegangen.


    LG :hello:

    Ein großartiges Zeitdokument mit diesem wunderbaren Konzert als zentralem Thema findet man auf Youtube (einfach den Link anklicken - leider geht die Einbindung für das Video in diesem Fall nicht):


    Barenboim Ashkenazy "Double Concerto"


    Die noch ziemlich jungen Daniel Barenboim und Vladimir Ashkenazy spielen Mozarts Konzert für zwei Klaviere im März 1966 in London, wobei man neben dem vollständigen Konzertmitschnitt auch einige Einblicke in die Vorbereitungen erhält.


    LG :hello: