Berg - Violinkonzert
Mahler - Sinfonie Nr. 1 D-Dur
Vilde Frang (Violine), Utopia, Teodor Currentzis (Dirigent)
Elbphilharmonie Hamburg, 12.5.2026
Ich hatte Currentzis zuvor noch nie live erlebt. Der Kult um ihn war mir stets etwas suspekt, und die Frage der Putin-Nähe wärmen wir besser nicht wieder auf. Insgesamt erschien er mir als weitgehend harmloser Spinner - auch in diesem Konzert sah er wieder aus, als hätte man Blixa Bargeld in die ollen Klamotten von Mick Fleetwood gesteckt.
Dementsprechend habe ich dieses Konzert mit großem Interesse, aber ohne positive Prädisposition besucht.
Kurzfassung: Das war das beste klassische Konzert meines Lebens, und Currentzis ist für mich (auf Basis dieses Erlebnisses) eines der größten Genies am Dirigentenpult der letzten Jahrzehnte!
Der Reihe nach... Bergs großartiges, tief berührendes Konzert gelang wunderbar mit hervorragenden Kontrasten und guter Durchhörbarkeit, wobei der Star hier ganz klar Vilde Frang war. Sie spielte das Stück emotional, aber doch stets gut durchdacht. Es gab zu Recht begeisterten Applaus.
Das war aber nur der Vorgeschmack auf das, was nach der Pause kam. Vilde Frang war für Mahlers Erste als Konzertmeisterin dabei, und ich verstand bald, wieso sie dies getan hat. Diese Erste war ein Jahrhundert-Ereignis! Ich habe das Stück x-mal auf Tonträger gehört, aber nichts kommt im entferntesten an das heran, was Currentzis und sein Orchester hier ablieferten! Das Stück platzte geradezu vor innerer Spannung und großartig ausmusizierten Bögen, ohne dass diese große Linie jemals auf Kosten der Details gegangen wäre. Jede Artikulation, jede Phrase saß perfekt, das Orchester klang unglaublich gut, doch dann war da diese Energie... Bereits nach den Sätzen eins und zwei gab es spontanen Zwischenapplaus, im zweiten Satz sogar kurz mittendrin (nach dem A-Teil) inklusive eines gerufenen "wow". Ich habe mich brav zurückgehalten (und folgte den etablierten Konzert-Benimmregeln), aber nach dem irrsinnigen Finale und dem Schlusston brüllte ich das lauteste "Bravo", das ich jemals in einem Konzerthaus gerufen habe.
Fazit: Wenn Ihr in Eurer Nähe ein Konzert mit Mahler auf dem Programm und Utopia unter der Leitung von Currentzis seht, dann kauft Euch eine Karte - und wenn Ihr dafür einen Kredit aufnehmen oder Euer Haus verpfänden müsstet!
Übrigens spielte das Orchester Mahlers Erste vollständig im Stehen (außer natürlich Celli und Bässe sowie die Perkussionisten). Bereits im Berg-Konzert wurde teilweise kurz im Stehen gespielt, nämlich an der Stelle gegen Ende, wenn die Solovioline Teil des Tutti wird. Vilde Frang ging an dieser Stelle auch zu den ersten Violinen rüber. Die Orchestermusiker setzten sich dann aber wieder, und die Solistin kehre auf ihren zentralen Platz zurück.
LG 