Beiträge von Symbol

    Eine interessante Diskussion...


    Zum Ideologie-Verdacht in der HIP-Szene: Diesen kann ich für Streichinstrumente und die Vibrato-Thematik sehr gut nachvollziehen. Die Anti-Vibrato-Besessenheit von Norrington (oder auch Immerseel) war/ist zumindest eines nicht - historisch informiert. Trotzdem wurde diese Position zum Teil verbissen verteidigt.


    Bei den Tastenistrumenten scheint mir der ideologische Grabenkampf hingegen nicht so sehr bei den ausübenden Musikern, sondern eher in der Zuhörerschaft stattzufinden. Ausübende Musiker müssen sich halt irgendwie entscheiden, auf welchen Instrumenten sie gerne spielen möchten, und das hat für ihr Musizieren dann gewisse Konsequenzen.


    LG :hello:

    Berg - Violinkonzert

    Mahler - Sinfonie Nr. 1 D-Dur

    Vilde Frang (Violine), Utopia, Teodor Currentzis (Dirigent)

    Elbphilharmonie Hamburg, 12.5.2026


    Ich hatte Currentzis zuvor noch nie live erlebt. Der Kult um ihn war mir stets etwas suspekt, und die Frage der Putin-Nähe wärmen wir besser nicht wieder auf. Insgesamt erschien er mir als weitgehend harmloser Spinner - auch in diesem Konzert sah er wieder aus, als hätte man Blixa Bargeld in die ollen Klamotten von Mick Fleetwood gesteckt. ^^ Dementsprechend habe ich dieses Konzert mit großem Interesse, aber ohne positive Prädisposition besucht.


    Kurzfassung: Das war das beste klassische Konzert meines Lebens, und Currentzis ist für mich (auf Basis dieses Erlebnisses) eines der größten Genies am Dirigentenpult der letzten Jahrzehnte!


    Der Reihe nach... Bergs großartiges, tief berührendes Konzert gelang wunderbar mit hervorragenden Kontrasten und guter Durchhörbarkeit, wobei der Star hier ganz klar Vilde Frang war. Sie spielte das Stück emotional, aber doch stets gut durchdacht. Es gab zu Recht begeisterten Applaus.


    Das war aber nur der Vorgeschmack auf das, was nach der Pause kam. Vilde Frang war für Mahlers Erste als Konzertmeisterin dabei, und ich verstand bald, wieso sie dies getan hat. Diese Erste war ein Jahrhundert-Ereignis! Ich habe das Stück x-mal auf Tonträger gehört, aber nichts kommt im entferntesten an das heran, was Currentzis und sein Orchester hier ablieferten! Das Stück platzte geradezu vor innerer Spannung und großartig ausmusizierten Bögen, ohne dass diese große Linie jemals auf Kosten der Details gegangen wäre. Jede Artikulation, jede Phrase saß perfekt, das Orchester klang unglaublich gut, doch dann war da diese Energie... Bereits nach den Sätzen eins und zwei gab es spontanen Zwischenapplaus, im zweiten Satz sogar kurz mittendrin (nach dem A-Teil) inklusive eines gerufenen "wow". Ich habe mich brav zurückgehalten (und folgte den etablierten Konzert-Benimmregeln), aber nach dem irrsinnigen Finale und dem Schlusston brüllte ich das lauteste "Bravo", das ich jemals in einem Konzerthaus gerufen habe.


    Fazit: Wenn Ihr in Eurer Nähe ein Konzert mit Mahler auf dem Programm und Utopia unter der Leitung von Currentzis seht, dann kauft Euch eine Karte - und wenn Ihr dafür einen Kredit aufnehmen oder Euer Haus verpfänden müsstet!


    Übrigens spielte das Orchester Mahlers Erste vollständig im Stehen (außer natürlich Celli und Bässe sowie die Perkussionisten). Bereits im Berg-Konzert wurde teilweise kurz im Stehen gespielt, nämlich an der Stelle gegen Ende, wenn die Solovioline Teil des Tutti wird. Vilde Frang ging an dieser Stelle auch zu den ersten Violinen rüber. Die Orchestermusiker setzten sich dann aber wieder, und die Solistin kehre auf ihren zentralen Platz zurück.


    LG :hello:

    Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn ein Werk nicht auf einem Instrument seiner Epoche aufgeführt wird, aber die spannende Frage ist doch - zumindest für mich -, ob sich eine ästhetische Bereicherung eröffnet, wenn es auf einem Werk seiner Epoche aufgeführt wird? Dabei interessiert mich vor allem die spezifische Art der Bereicherung.


    Das sehe ich ähnlich. Aus reiner Prinzipienreiterei sollte man das m. E. nicht machen, sondern weil man davon überzeugt ist, auf diese Weise bestimmte künstlerische Ergebnisse erzielen zu können. Das "Instrument" heißt nicht umsonst so... :) Letztlich ist es Mittel zum Zweck und kein Selbstzweck.


    LG :hello:

    Meine Bedenken gegen deratige Kreationen resultieren nicht so sehr aus der Frage, ob man so etwas machen "darf", sondern daraus, dass es erfahrungsgemäß selten zu überzeugenden Ergebnissen führt. Letztendlich fühlt man sich dann vielleicht an die alte Fernsehwerbung erinnert, in der zum Radetzkymarsch ein Text über "das famose Zartgemüse aus der Dose" gesungen worden ist...


    LG :hello:

    Gerade hier aber disqualifizieren sich vibrierende Streicher von selbst, weil sie die Wirkung der emotionalen Kälte zunichte machen. Die Töne sollten kalt-glatt wie Eis und stechend wie Stahl klingen, um das Ausgesetztsein und die Todessehnsucht zu unterstreichen.


    Vielleicht habe ich was an den Horchlöffeln, aber ich habe mit dem Stück noch nie "Ausgesetztsein" oder Eiseskälte assoziiert, und selbst Todessehnsucht nur bedingt. Fraglos gehört insbesondere der langsame Satz zum Ergreifensten, was Schubert je komponiert hat, aber ist hier nicht gerade auch eine gewisse Wärme und Jenseitigkeit hörbar? Klar, im Mollteil kommt auch bei mir die Assoziation eines Ringens auf, aber für mich schwankt das Stück gerade zwischen einer Art ätherischem Frieden und eben dieser Düsternis.


    Artur Rubinstein sagte in einem Interview mal, dass dieser langsame Satz an seinem Sterbebett gespielt werden soll und nannte die Musik "the entrance to heaven":



    Ich neige dazu, ihm zuzustimmen. In dieser Auffassung passt das Vibrato dann auch wunderbar. :)


    LG :hello:


    Mit etwas Verspätung meinen herzlichen Dank für diesen Tipp! Diese Aufnahme ist in der Tat herausragend gut - voll von innerer Spannung und Temperament, aber dabei doch immer klangschön und kultiviert. Überhaupt ist die gesamte CD in der letzten Zeit mehrmals bei mir per Strömungsdienst gelaufen, denn auch die Aufnahme des Violinkonzerts ist hervorragend (wobei nähere Ausführungen dazu in einen anderen Thread gehören dürften).


    Entgegen der "allgemeinen Meinung" schätze ich das Werk nämlich sehr und man kann es gar nicht oft genug hören.


    Das geht mir ähnlich. Insbesondere der überwältigend schöne zweite Satz gehört zum Großartigsten, was Beethoven komponiert hat. Ich verstehe nicht, warum das Stück in der Beethoven-Rezeption tendenziell so schlecht wegkommt.


    LG :hello:

    Vielen Dank! Von den SH-Spielstätten kenne ich bisher Itzehoe (sehr ansprechender neuer Bau) und Flensburg.

    Klavier spielt der junge Arash Rokni, gebürtiger Iraner. Ich kenne ihn nicht, bin aber sehr gespannt, denn ich habe das 3. KK dieses Jahr in der Elphi schon mit Stephen Hough gehört und habe da einen interessanten Vergleich.


    Die Seite geht wieder.


    Vielen Dank für die Information!


    Es scheint, dass in der Region meines Arbeitsortes momentan keine .de-Internetseite abrufbar ist. Das würde zumindest erklären, warum ich nicht auf die Seite des Orchesters gekommen bin, und warum Tamino (dank .at) trotzdem geht.


    LG :hello:

    Zu Christian B.'s Problemen mit dem Stück und Dr. Holger Kalethas Entgegnungen sei auch noch auf diesen Beitrag aus einem älteren Thread im Forum verwiesen:


    Zitat

    Es gibt keine Eigenschaften einer Komposition "an sich". Gerade weil man sich hier nicht im Bereich des Eindeutigen, sondern Uneindeutigen bewegt. Das sind deshalb auch in der Analyse Interpretationen und keine simplen Feststellungen von Tatsachen. Da hilft es nichts, dass Du Dir eine Autorität ständig anmaßt, es besser zu wissen als alle Anderen. Hier geht es zudem um Ästhetik und also um Wahrnehmungen und nicht um theoretisch-analytische Begründungen als Selbstzweck. Begründungen und Analysen haben nur einen Sinn, wenn ihr in der Wahrnehmung etwas korrespondiert, sprich: wenn sie durch eine Wahrnehmung bestätigt werden können. Was Du als "persönlich" abwertest, ist der Sinn einer ästhetischen Erfahrungen, nämlich eine Erfahrung zu sein. Du willst aber die Erfahrung durch eine Erklärung aus der Welt schaffen - und das ist absurd.


    LG :hello:

    Am Freitag begebe ich mal wieder in die Schleswig-Holsteinische Provinz um einem Konzert des Sinfonieorchesters SH vom Landestheater SH zu lauschen. Dieses Mal im Theater Rendsburg, wo ich noch nie war. Ich habe ja durchaus eine Schwäche für die verschiedenen auch kleinen Theaterbauten und -räume der Städte.

    Zu Gehör gebracht wird Beethovens 3. Klavierkonzert und seine 2. Sinfonie, die ich ewig nicht live gehört habe (und deren Rekordhörer im Forum, wenn nicht weltweit, rolo betman sein dürfte ;))


    Wer spielt denn da den Klavierpart? Die Webseite des Orchesters ist leider nicht erreichbar, sonst hätte ich versucht, dies selbst herauszufinden.


    Dir in jedem Fall viel Freude! Im Theater Rendsburg bin ich bisher auch noch nicht gewesen.


    LG :hello:

    Geht für Dich - für mich nicht. :S


    Nein, das war eine objektive Aussage. Wenn man Webern op. 27 und Beethoven op. 110 direkt hintereinander spielen möchte, geht das nur auf einem Instrument, auf dem beide Werke gut spielbar sind. Ob man das im Ergebnis dann gelungen findet, ist wiederum eine andere Frage. Ich persönlich finde, dass man die Musikerfahrung in seinem Leben nicht dadurch reicher macht, dass man solche Programme aufgrund eines HIP-Instrumenten-Fundamentalismus meidet, aber das muss natürlich jede/r für sich selbst entscheiden.


    Levi... was? Bzw. was fehlt da bezgl. der drei Punkte ... Was auch immer der/die Gute zum Thema Musik zu sagen hatte, ist mir nicht bekannt.


    Primo Levi. Wer das war und was er ganz generell für Ansichten zum Thema der "Reinheit" hatte, kann man recht leicht durch google herausfinden. ;)


    LG :hello:

    Brendel neigt dazu, nicht nur bei Schubert, auch bei Mozart z.B., die Wiederholungen wegzulassen. Wiederholungen stören ihn generell


    Kurzer Exkurs: Die letztgenannte Konklusion würde ich so nicht unterschreiben. Mit der Frage der Wiederholung im Kopfsatz von Schuberts B-Dur-Sonate hat Brendel gerungen und seine Entscheidung (für das Weglassen) ausführlich und geradezu minutiös begründet. Hätten ihn Wiederholungen einfach generell gestört, so hätte er sich in dieser Sache weitaus kürzer fassen können.


    LG :hello:

    Dieser Unart kann ich auch rein gar nichts abgewinnen. Ich hab's da lieber „sortenrein“


    Es mag ja sein, dass Du dies als "Unart" empfindest und es lieber anders hast, aber sehr viele andere Leute (unter anderem auch sehr viele versierte Künstler) sehen das grundsätzlich anders. Ich habe Dir ja bereits ein reales Beispiel für ein (m. E. großartiges) Konzertprogramm genannt, das nicht "sortenrein" ist.


    Zur "Reinheit" teile ich persönlich im Übrigen die Ansichten des großen Primo Levi... :)


    LG :hello:

    Das machen Immerseel, Schoonderwoerd, Bilson und so weiter ja auch. Scheint also kein Problem zu sein.


    Es ist dann ein rein praktisches Problem, wenn man gemischte Programme mit Musik aus sehr verschiedenen Epochen spielen möchte. Das machen die Genannten halt in der Regel nicht. Ein Recital z. B. mit einer Mozart-Sonate, mehreren Chopin-Stücken, etwas Schönberg und einigen der Ligeti-Etüden bräuchte bei Insistieren auf HIP-Instrumentarium vier verschiedene Instrumente, die nicht nur alle hergerichtet sein müssen, sondern auf denen der Pianist sich auch hinreichend einspielen kann.


    Ich habe mal ein Recital gehört, in welchem erst Webern op. 27 gespielt wurde und direkt danach Beethoven op. 110 folgte. Der Effekt war ganz wunderbar. Das klappt aber nur mit einem Instrument, auf dem beides geht.


    (Nachtrag: Meine Antwort hat sich mit der von querstand zeitlich überschnitten.)


    LG :hello:

    Um die persönliche Note geht es mir gar nicht, sondern um den Klang oder „Sound“ (der Instrumente), wie die alten Griechen zu sagen pflegten.


    Inwiefern entwickelt sich der "Sound" heute stärker zu einer "synthetisch wirkenden Einheit" als zu Zeiten des Karajanschen Hochglanz-Wohlklangs?


    Ich würde im Gegenteil annehmen, dass die heutigen Orchester insgesamt über eine größere klangliche Bandbreite verfügen, da sie meist Erfahrung mit HIP-orientierten Spielweisen gesammelt haben, die ein herkömmliches Nicht-HIP-Orchester vor ca. 30 Jahren noch nicht hatte.


    Dies steht nicht im Widerspruch zu meinen oben getätigten Aussagen zu einer gewissen Verwechselbarkeit im Klang, weil erstens die meisten Orchester schon mal mit HIP-Dirigenten gearbeitet haben und zweitens die Ausnutzung dieser klanglichen Breite stärker mit dem gerade tätigen Dirigenten als mit einer spezifischen Orchestertradition korreliert. Anders ausgedrückt: Wenn man Antonini engagiert, klingt es im Ergebnis meist nach Antonini, ob da jetzt Sinfonieorchester X oder Y spielt.


    LG :hello:

    Wahrscheinlich ist es so, dass Orchester heutzutage seltener einen spezifischen Klang mit Wiedererkennungswert haben. Ausnahmen von dieser recht groben Regel dürften (immer noch) die Wiener und die Berliner Philharmoniker sein.


    Ein paar kurze Gedanken dazu... Die klassische Musik ist immens international geworden, und die musikalische Ausbildung findet auf einem (einheitlich) sehr hohen Niveau statt. Da liegt es nahe, dass heutige Orchester zwar technisch unglaublich versiert, aber auch recht uniform im Klang und weniger geprägt von lokalen und regionalen Schulen und Traditionen sein dürften.


    Auch die Zeiten jahrzentelanger durchgehender Prägung durch einen Chefdirigenten sind vorbei. Karajan hat den Berlinern sein Klangideal aufgedrückt, aber dafür war er auch über drei Jahrzehnte dort. Wo gibt es eine vergleichbar lange Ära heutzutage noch?


    LG :hello:

    Levin beklimpert einen Tangentenflügel, der technisch eher noch dem Clavichord und klanglich dem Cembalo verpflichtet ist, während Brautigam auf einem Hammerflügel - zudem beledert - spielt. Levin ist mithin „näher am Original“ - belederte Flügel gab's erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts - für Beethovens CKe völlig okay (spätestens am dem 3tten).


    Vielen Dank für die Informationen! Ich gebe zu, dass mir die Frage einer vermeintlichen Nähe zu einem vermeintlichen Original relativ egal ist. Wenn man für angebliche Authentizität klangliche Qualitäten aufgibt, ist das m. E. ein ästhetisch fragwürdiger Tauschhandel. Aber wir sollten dies hier nicht zum x-ten Aufguss einer HIP-Diskussion machen (finde ich). :)


    Unser aller Hörgewohnheiten sind an heutigen Klavierien ausgerichtet.


    Ich finde nicht, dass das nur ein Problem mit Gewohnheiten ist. Das von Levin gewählte Instrument hat besonders im Diskant objektiv erhebliche Schwächen. Aber wie gesagt: ich möchte keine alte Diskussion aufgießen... :)


    Für mich ist KV 246 tatsächlich ein Mauerblümchen und ich höre es von allen Mozart-Konzerten (ab Nr. 5) am seltensten und am unliebsten. Es ist mir, wenn man so will, klanglich etwas zu schlicht vielleicht.


    Das sehe ich nicht so. Ich bin hier auf Alfreds Seite, dass das Mauerblümchen-Dasein für beide Konzerte wenig gerechtfertigt ist, weil sie beide ihre Reize haben. Sie haben mit dem Nachfolge-Stück (KV 271) halt einen ziemlich unerbittlichen zeitlichen (und numerischen) Nachbarn, der sogar auf Mozarts sehr hoher Qualitäts-Skala heraussticht.


    Mir hat es auf jeden Fall einigen Genuß bereitet, die Stücke aus Anlass dieses Threads mal fokussiert zu hören. Beim Hören von GAs der Konzerte erhalten sie m. E. zu oft den Charakter eines Übergangs zwischen den Nummern 5 und 9 und fallen dadurch etwas aus dem Raster.


    LG :hello:


    Ich habe mir aufgrund dieser Anregung (danke dafür!) jetzt auch mal die Levin-Aufnahme angehört.


    Vom Musizieren aller Beteiligten bin ich sehr angetan. Da wird sehr lebendig und kontrastreich gespielt, ohne dass es ins Schroffe abgleitet, wie das ja bei einigen HIP-Ensembles manchmal der Fall ist.


    Aber: dieses Klavier... :untertauch: Historisch informiert hin oder her, aber dieser im Diskant kaum tragende Klimperkasten ist leider keine Offenbarung.


    Ich gebe ja offen und ehrlich zu, dass die Klaviermusik der Wiener Klassik von mir eher auf modernen Tasteninstrumenten bevorzugt wird, aber einige HIP-Aufnahmen mag ich dann doch. Ich habe daher mal das B-Dur-Konzert Nr. 6 im Vergleich aus der GA der Mozart-Klavierkonzerte von Ronald Brautigam gehört, die ich sehr schätze:



    Insgesamt wird in Brautigams Aufnahme m. E. etwas ebenmäßiger und weniger kontrastierend musiziert (und im Vergleich zu Levin eher ein "klassizistisch-schöner" Mozart geboten), aber sein Klavier klingt für meine Ohren weitaus angenehmer als das Levinsche Arbeitsgerät. Ob dies am gewählten Instrument oder an der Aufnahmetechnik liegt, vermag ich nicht zu sagen.


    LG :hello:

    NB: vor dem Tisch hat er mein Concrt, | welches die Madselle vom haus spiellt, und welches das von der litzau ist, Prima vista - herabgehudelt. das erste stuck gieng Prestißimo das Andante allegro und das Rondeau wahrlich Prestißißimo. den Baß spielte er meistens anderst als es stund, und bisweilen machte er ganz eine andere Harmonie und auch Melodie. es ist auch nicht anderst möglich, in der geschwindigkeit. die augen können es nicht sehen, und die hände nicht greifen. ja was ist den das? -- so ein Prima vista spiellen, und scheissen ist bey mir einerley. [...]


    Wie spielt man denn dann das Lützow-Konzert in HIP? Im Stile des Herrn Vogler (also wie tatsächlich geschehen) oder gemäß den Präferenzen von Mozart? ^^


    LG :hello:

    Ich möchte nochmal auf den von Ulli erwähnten Schwierigkeitsgrad der Konzerte eingehen.


    Ich habe mir vorhin bei IMSLP mal kurz den ersten Satz des "Lützow"-Konzerts KV 246 angesehen. Das ist pianistisch schon ziemlich gut machbar, aber trotzdem durchaus effektvoll.


    Wenn Mozart KV 238 auf einer Reise dabei hatte, könnte ich mir vorstellen, dass er ein pianistisch sehr gut machbares Konzert haben wollte, damit er dieses auch mit wenig Probenzeiten mit wechselnden Ensembles spielen konnte (er musste ja vom Klavier aus leiten).


    Wie ist das bei KV 246? Sollte die Gräfin Lützow das Stück selbst spielen? Das würde dann natürlich den sehr moderaten Schwierigkeitsgrad erklären. Bei Mozarts eigenhändiger Aufführung 1777 ist es ja mit KV 271 kombiniert worden, das pianistisch schon ein ziemlich anderes Kaliber ist. Es ging also offensichtlich nicht darum, dieses Konzert mit eher einfachen Stücken bestreiten zu können.


    In Maestro Levins Aufnahme werde ich nachher vielleicht noch reinhören, wenn das Internet im Zug Spotify hergeben sollte. :)


    LG :hello:

    Vielen Dank für die Eröffnung des Threads!


    Deinen Überlegungen zu den Gründen für die etwas stiefmütterliche Behandlung der beiden Konzerte stimme ich zu.


    In jedem Fall werde ich sie gleich mal wieder hören, allerdings mit Maestro Barenboim am modernen Flügel (aus seiner frühen GA mit dem English Chamber Orchestra, die etwas irreführend mittlerweile den mittelalten Barenboim auf dem Cover hat):



    LG :hello:

    Dein Einwand ist sachlich berechtigt, werter Symbol.

    Ich habe mir den Notentext noch einmal vorgenommen und stelle fest: Ich habe tatsächlich fehlerhaft gelesen!

    Das tut mir leid, und ich danke dir dafür, dass Du darauf hingewiesen hast.

    Im Übrigen freue ich mich, dass Du mitliest, was ich über Schrekers Liedmusik hier ausführe.


    Vielen Dank für Deine Erläuterungen.


    Ich werde den Thread weiter verfolgen und die Lieder anhören, wann immer sich die Gelegenheit ergibt (ich habe beruflich leider gerade recht viel um die Ohren). Die "Sommerfäden" haben mich auf jeden Fall fasziniert!


    LG :hello:

    Ich danke Dir herzlich für die Vorstellung dieses Liedes, das ich bisher noch nicht kannte und welches ich betörend schön finde.


    Eine Rückfrage habe ich aber.


    „Sommerfäden“ (II)

    [...] Die anfänglich gedehnte Fallbewegung in Sekundschritten auf „fromme Wünsche“ erklingt auf „still gesandt“ noch einmal, nun aber, und das ist kompositorisch gut gemacht, einen Halbton tiefer ansetzend, und nicht in As-Dur, sondern in dem weitab liegenden D-Dur harmonisiert.


    Ich habe mir hierzu mal die Noten angesehen (über IMSLP). Wie kommst Du für die Stelle mit "still gesandt" auf D-Dur? Auf "still" wird im Klavier ein Akkord aus den Tönen d, f, as gespielt, was mit D-Dur nichts zu tun hat. Schrekers Harmonik ist ziemlich komplex. Ohne die Stelle auf dem Klavier durchgespielt zu haben, würde ich auf einen verkürzten Doppeldominant-Septnonakkord tippen, also auf B-Dur ohne b, dafür mit as und ces, dem in der linken Hand im Klavier aber ein gebrochener f-moll-Akkord (als Tonikaparallele bezüglich As-Dur) entgegengesetzt wird. Damit ist man aber immer noch vollständig in der harmonischen Sphäre von As-Dur.


    LG :hello:

    Ja, du hattest bei der Spielzeitankündigung gesgt, dass du gerne hingehen würdest. Schade dass es nicht passt


    Ja, das ist wirklich ärgerlich, aber da kann man wenig machen. Mit unserem Lütten sind wir auf Oma als Babysitter angewiesen, um zu Kulturveranstaltungen gehen zu können, das geht halt nur dosiert. :) Ich bin schon mal sehr froh, dass wir vor einer Woche bei Brad Mehldau in der Elphi waren und am Palmsonntag die Matthäus-Passion im Michel ansteht. Im April geht es dann auch noch in die Hamburgische Staatsoper, "Madama Butterfly". Puccini ist eigentlich eher nicht so mein Fall, das erfolgt Mrs. Symbol zuliebe (a happy wife means a happy life). ^^


    LG :hello:

    Ich habe in den nächsten Tagen wenig Zeit, daher nur ganz kurz: Eine Aufführung kann einen geschriebenen Text grundsätzlich nicht zerstören, weil der Text nach der Aufführung immer noch existiert. Man kann gerne die Probe aufs Exempel machen und morgen in einer Buchhandlung nach "Hamlet" von William Shakespeare fragen. Was man dann kaufen kann, entspricht nicht der Textcollage von Castorf. Im Gegenteil: Wir haben nach der Aufführung einigen Aufwand betrieben, um die anderen verwendeten Texte zu erwerben, wobei wir für die "Hamletmaschine" eine stattliche Summe hinlegen durften, weil es die aktuell nur in einem Heiner-Müller-Sammelband gibt. Der "Hamlet" stand bereits daheim im Regal, und das Buch ist nach der Premiere der Castorf-Produktion tatsächlich nicht in Flammen aufgegangen.


    Zum Rest dann irgendwann später...


    LG :hello:

    Am Sonntag dann Wagners "Lohengrin" ebenfalls in der Staatsoper, in Konwitschnys Klassenzimmer-Inszenierung (quasi passend zum RT Thread). Ich freue mich auf KFV in einer Paraderolle als Lohengrin und bin auch gespannt wie der meistens sehr gute Hamburger Opernchor sich in dieser ausgesprochenen Choroper schlägt.


    Darum beneide ich Dich! Leider ist es zeitlich bei mir gerade so eng, dass es mit dem berühmten Konwitschny-"Lohengrin" bei mir wohl (mal wieder) nichts wird in dieser Spielzeit.


    Dafür haben wir zum Glück noch Karten für Teodor Currentzis in der Elphi im Mai bekommen - es gibt das Berg-Violinkonzert und Mahlers Erste mit Currentzis' Utopia-Orchester und mit Vilde Frang als Solistin.


    LG :hello:

    Ich denke auch, dass modernes Theater und Oper nicht mit Beliebigkeit einhergehen. Ob ‚Konstruktivismus’ in diesem Zusammenhang der richtige Begriff ist? Ich kenne ihn aus anderen Bereichen.


    Selbst wenn es der absolut richtige Begriff wäre, wäre damit nur ausgesagt, dass es sich um "Konstruktivismus" handelt, also um ein Phänomen einer ästhetisch-philosophischen Denkweise. Wenn damit irgendeine Bewertung vollzogen werden soll, müsste gezeigt werden, dass diese ästhetisch-philosophische Denkweise anderen ästhetisch-philosophischen Denkweisen unterlegen ist.


    Letztlich ist die Aussage, dass es sich bei XYZ um Konstruktivismus handelt, eigentlich auch ein Autoritäts-basiertes Argument. Es sagt für eine Bewertung nur dann etwas aus, wenn man die Autorität(en) anerkennt, die den Konstruktivismus als problematisch brandmarken. Wenn hierzu keine Einigkeit besteht, ist es vielleicht eine Kategorisierung, aber eben keine tragfähige Bewertung.


    Vielleicht macht es das auch schwerer in der Inszenierung?


    Mit Sicherheit hat ein Regisseur im Musiktheater weniger Möglichkeiten zum freien Umgang mit dem Text als im Sprechtheater. Das liegt schon daran, dass die Darbietung eines wesentlichen Teils des "Textes" - nämlich die Musik - von einer weiteren Person zu verantworten ist, nämlich vom Dirigenten. Man kann also überhaupt gar nicht willkürlich mit dem Text verfahren (wenn man dies denn wollte), ohne sich mindestens mit dem Dirigenten zu einigen (und in der Praxis dann wahrscheinlich auch noch mit den diversen Sängern und ggf. mit dem Chor).


    LG :hello: