Ich habe immerhin ca. 10 min. durchgehalten, aber das ist wahrlich harte Kost...
Es ist aber eine allgemeine Regel, dass Schubert keine Effekte um ihrer selbst willen schreibt.
Wenn das eine allgemeine Regel ist, dann gibt es für die Überleitung im Kopfsatz aber nur zwei mögliche Erklärungen: a) sie hat (in ihrer Schroffheit) eine musiksemantische Dimension (welche auch immer das sein mag) oder b) Schubert hat hier einfach kompositorisch danebengegriffen. Da es sich um ein anerkanntes Meisterwerk eines der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte handelt, finde ich b) wenig plausibel. Bleiben also noch Überlegungen zu a)...
Dass der Triller in T. 19 als Tremolo notiert ist, hat einen simplen Grund: Ein Triller über dem B hätte als obere Nebennote in B-Dur das C, Schubert wollte aber Ces (der Triller wird somit halbtönig und bereitet außerdem auf das Ges-Dur vor) und hat es deshalb explizit hingeschrieben (die ebenfalls denkbare Notation mit Vorzeichen über dem Trillerzeichen gibt es bei Schubert nicht). Es gibt meines Erachtens keinen Zweifel, dass auch diese Stelle als Triller und nicht in rhythmisierten 32steln auszuführen ist.
Bei meinen bisherigen (natürlich sehr amateurhaften) Versuchen, diesen Satz zu spielen, habe ich die Stelle auch immer als Triller aufgefasst. Deine Erklärung für die abweichende Notation ist sehr einleuchtend, vielen Dank dafür!
Klar kann das sein, aber ich finde es nicht plausibel. Der "Urzustand" vor diesem Thema ist die Stille, weshalb ja auch am Ende dieser Überleitung wieder eine Generalpause steht. In der Coda werden die Generalpausen immer häufiger, die Musik gerät immer wieder ins Stocken, bevor sie leise endet und wieder zur Stille zurückführt.
Gut, dann brauchen wir halt einen anderen Ansatz für a) (s.o.). 
Gerade die Tatsache, dass er im ganzen Stück immer nur geheimnisvoll im Untergrund bleibt, macht seine unheimliche, bedrohliche Präsenz aus. Wenn ein Gewitter vorbei ist, wirkt das übrig gebliebene Grollen eher harmlos...
Oder: wenn man das Gewitter zunächst nur als bedrohliches leises Grollen wahrnimmt, ist sein plötzlicher Ausbruch als Donner umso beeindruckender.
Vor allem muss sich jede theoretische Überlegung in der Praxis beweisen. Von den Aufnahmen, die ich kenne, gibt es einige, bei denen ich mir die Wiederholung gern noch einmal anhöre, und andere, die ich genauso gern ohne sie anhöre. Ich finde ehrlich gesagt, dass die Bedeutung dieser Frage massiv überschätzt wird.
Da bin ich vollkommen bei Dir.
Ich finde, dass Brendels Irrtum darin besteht, dass er eine Erörterung seiner Konzeption dieses Satzes mit allgemeinen Überlegungen zur kompositorischen Faktur im Zusammenhang mit der Wiederholung vermengt. Er spielt diesen Satz eher fließend und ebenmäßig, da würde die Überleitung vermutlich wirklich stören. Richter hingegen sieht den Satz anders und vollführt hier ein weiteres seiner markerschütternden, faszinierenden Zeitlupen-Kunststücke bei Schubert. Die Überleitung haut in dieses Geschehen wie ein Nackenschlag. Ich finde, dass die Stelle bei ihm sehr gut funktioniert, obwohl sein Ansatz wegen des langsamen Tempos mehr Geduld und Konzentration des Zuhörers erfordert - was eigentlich eher gegen eine Expositions-Wiederholung sprechen würde.
Allerdings hast Du sicherlich recht, dass man sich mitunter viel zu sehr in dieses Thema verbeißt. Letztlich muss das, was vom Spieler gemacht wird, zur Konzeption des Spielers von dem Stück passen. Das ist mir persönlich wichtiger als irgendeine Notentext-Orthodoxie.
Eine kleine Bitte noch an die Moderation: ich finde diese OT-Diskussion sehr interessant, aber natürlich lenkt sie von Zimerman ab. Könnten die entsprechenden Beiträge vielleicht verschoben werden? Vielen Dank!
LG 