Beiträge von DerGerd

    Ich bin ja ein so großer Leibowitz (Beethoven) Fan, daß ich insgesamt 3 LP-Boxen und die CD-Ausgabee komplett besitze und alle erhältliche von ihm zusätzlich eingespielte Musik auf CD, auch die Eigenkompositionen. Ich hatte bisher nicht nur nichts auszusetzen, sondern hege tiefe Bewunderung und bin begeistert von ihm als Dirigent und habe Einiges über ihn gelesen.

    Bezüglich der Großen C-Dur von Schubert (auch auf youtube in etwas schlechter Soundqualität zu hören) allerdings läßt sich meiner Meinung nach das bei Beethoven gewinnbringende typische leibowitzsche Mittel der extremen Tempoverschärfung und auch das Mittel neutralstmöglicher Ausdruck nicht ebenso gewinnbringend verwenden: Die Einspielung ist quasi rasend und er rast dermaßen kalt und rücksichtslos durch die Komposition, stellenweise klingt es für wie ein falsch eingestellter Plattenspieler (2.Satz). Ich bin wirklich großer Leibowitz-Anhänger, aber bei Schubert ist das Tempo zu schnell, man glaubt, Leibowitz wolle die Intention Schuberts geradezu verhindern. Nichts von Lyrik oder Melancholie, kein Platz für irgendein Gefühl, und statt geistigem Feuer wie bei Beethoven fängt man wohl eher an zu frieren. Warum hat L. diese Schubert-Symphonie so gejagt? Während bei Beethoven es ja eine historische Berechtigung gibt, fehlt bei Schubert da nicht die sachliche Grundlage, so das Tempo zu verschnellern, was meint Ihr?

    Ich habe mir diese Beethoven-Kollektion auf Grund der Begeisterung mancher Klassikhörer vor Jahren gekauft.


    Mein nachhaltiger Eindruck war Fassungslosigkeit über das gewählte Tempo.

    ja, wobei bei den Beethoven-Symphonien ein großer Teil der Hörer und Kenner diesen Einspielungen seit ihrem Bestehen bis heute bewundernd zustimmt und sie als Referenz oder zumindest als sehr gelungen gelten, neben gelegentlicher Kritik. Ich gehöre auch zu den Bewunderern. Die Beethovensymphonien von Leibowitz wurde allerdings schon häufig und auch bereits weiter oben vor Jahren behandelt, mir ging es gestern um die bisher nicht behandelte Schubert-Einspielung von Leibowitz; mich würde interessieren, wer diese kennt und wie diese eingeschätzt werden, denn darüber hört man kaum etwas.

    Hallo Norbert, ja, ich könnte diese CD auch dort vorstellen, stimmt, aber mir ging es hier eher um Leibowitz als um Schubert und also weniger um andere Einspielungen dieser Symphonie oder die Symphonie als solche, deshalb ist diese Rubrik wohl doch besser geeignet? Mich würde die Ansicht der Forianer und oder Bewertung der Arbeit von Leibowitz an diesem Werk selbst interessieren, denn über dessen Schubert-Einspielung wurde bisher kaum ausgiebig diskutiert, deshalb habe ich diese Rubrik ausgewählt - die Beethovensachen von Leibowitz sind hier ja bereits diskutiert, weniger aber Schubert, Schuman und Mozart, die er ja jeweils mit einer Symphonie ebenfalls eingespielt hatte. Deshalb diese Rubrik. Aber ich habe den Eindruck, daß diese Schubert-Einspielung gar nicht sehr bekannt ist, sie war auch schon immer in D schwer erhältlich. Da das Thema Tempo bei Leibowitz nun einmal im Vordergrund steht, gerade bei dieser Arbeit von ihm, ist es relevant, unabhängig davon, ob es grundsätzlich das wichtigste oder entscheidende Kriterium zur Bewertung der Güte einer Einspielung ist. Die Frage ist konkret: ist in diesem Fall das hohe Tempo irgendwie ein Irrweg gewesen Eurer Meinung nach, oder hat es ähnlich wie bei den Beethoven-Einspielungen von L. einen anerkannten "revolutionären" Sinn gehabt, aus heutiger Sicht (s. Titel)?

    ...ich höre grade die Version von Marriner /..St. Martin In The Fields zum ersten Mal und bin positiv überrascht über den ersten und 3. Satz: wunderschöne Musik und wie modern diese Musik damals gewesen sein muß, ein Jammer, daß sie niemand hören konnte damals...seltsamer Weise steht auf dem Booklett "D729 e-moll" und zwar gleich in 3 Sprachen nacheinander, statt e-dur,

    Zu all der Unsicherheit über das tatsächlich "gemeinte" Tempo kommt noch hinzu, dass es keineswegs sicher ist, dass ein Werk nicht in einem anderen Tempo und auf eine Weise funktionieren kann, an die der Komponist nicht gedacht hat.

    sehe ich auch so, so z.B. geschehen beim 2. Satz der 2. von Masur (Gewandhaus Orchester), der eigentlich zu langsam ist, nach den Tempovorgaben und mir aber so viel besser gefällt, eine Kutschfahrt im Mondlicht mit einer Lady samt erstem Kuß höre ich nur bei dieser zu langsamen Version raus...:-) Erlaubt ist natürlich das Tempo, das gefällt, aber mir gefällt halt die Raserei bei Leibowitz´Schubert nicht so, wie findet Ihr diese Einspielung, würde mich sehr interessieren.

    danke, da kann man mal sehen, ich hab nicht genau mitgezählt, aber ist schon verblüffend wie kurz mir die Leibowitz-Version vorkommt, auch im Vergleich zur Böhm Fassung, die ja natürlich auch die Wiederholungen wegläßt, weil da alles so durchrauscht, die Kürzungen wären nicht das Problem, die Marriner-Version hat mehr Wiederholungen und ich verstehe, wenn man die weglassen möchte, aber diese grundlose Hektik bei Leibowitz, hat die für Dich irgendeinen Nutzen, den ich vielleicht nicht erkenne? Bei der 1.+6. z.B. von Beethoven bewundere ich Leibowitz über die Maßen sehr, aber vielleicht hat er da nur Glück gehabt, das Neutralität und hohes Tempo bei Beethoven die verkleisterte sonstige Praxis überwunden hatte, aber Schuberts Große braucht vielleicht einen Dirigenten, der gestalten kann und subjektiv eingreift, behutsam. Ich denke, die verschiedenen Dirigenten passen jeweils auf verschiedene Werke mehr oder weniger gut. Das es so extrem ausfallen würde bei dieser CD im Vergleich, hätte ich nie gedacht. Aber wer weiß, vielleicht seh ich das in ein paar Jahren anders und verstehe diese Einspielung dann anders und besser.

    Noch heute sogar mehr aufhorchen machen, würde vermutlich Schuberts 9. unter Leibowitz, wenn sie mal wieder rauskommt...

    genau diese CD hörte ich am Wochenende zum ersten Mal. Ich muß erwähnen, daß Leibowitz´ Beethoven-Aufnahmen mir erst den Zugang zu dieser Musik, wie eine Offenbarung, ermöglicht hat. Ich bilde mir ein, die Musik erst durch Leibowitz überhaupt annähernd verstanden zu haben. Das liegt bei Leibowitz nicht nur an den schnellen Tempi, sondern auch an dem neutralen Ausdruck, denn er hat den Aufnahmen keine persönlichen Gefühlsausdruck mitgegeben, sondern die Musik versucht, so pur wie möglich spielen zu lassen. Das kann man auch über Leibowitz´ Einspielung der Jupiter-Symphonie Mozarts sagen. So genug gelobt. Beethoven sollte wohl so schnell gespielt werden, darauf weisen ja seine Metronomangaben hin (wobei ja neuerdings vermutet wird, daß Beethoven das Metronom falsch abgelesen haben könnte, nämlich die untere und obere Markierung verwechselnd?).


    Eine wichtige Einschränkung zu den Leibowitz-Beethoven-Aufnahmen muß ich nennen:

    Es gibt ein störendes Tiefbassbrummen besonders bei der 2. Symphonie, egal welche Version man auflegt (frühe Mono Vinyl, frühe Stereo-Vinyl, 80er Vinyl, CD-Version) das mir den Spaß an manchen Stellen entscheidend einschränkt auf großen Hifi-Anlagen.


    Aber ich hab Glück gehabt, denn bei der 2. Symphonie bevorzuge ich beim 2. Satz die Einspielung Masurs (Leipzig, 70er) , denn die Steigerung auf den musikalischen Höhepunkt in der Mitte ist nirgends singender und strahlend-wärmender dargestellt worden, nach meinem Empfinden. (Auch die 3. höre ich gerne von Mazur, weil dort ein etwas variabler modellierter Ausdruck mir gefällt. )


    Bezüglich der Großen C-Dur von Schubert (auch auf youtube in etwas schlechter Soundqualität zu hören) allerdings läßt sich meiner Meinung nach das bei Beethoven gewinnbringende typische leibowitzsche Mittel der extremen Tempoverschärfung und auch das Mittel neutralstmöglicher Ausdruck nicht ebenso gewinnbringend verwenden: Die Einspielung ist quasi rasend und er rast dermaßen kalt und rücksichtslos durch die Komposition, stellenweise klingt es wie ein falsch eingestellter Plattenspieler (2.Satz). Ich bin wirklich großer Leibowitz-Anhänger, aber bei Schubert ist das Tempo zu schnell, man glaubt, Leibowitz wolle die Intention Schuberts geradezu verhindern. Nichts von Lyrik oder Melancholie, kein Platz für irgendein Gefühl, und statt geistigem Feuer wie bei Beethoven fängt man wohl eher an zu frieren. Warum hat L. diese Schubert-Symphonie so gejagt und auch gekürzt? Während bei Beethoven es ja eine historische Berechtigung gibt, fehlt bei Schubert da nicht die sachliche Grundlage, so das Tempo zu verschnellern, was meint Ihr?


    Meine Lieblingseinspielung ist hier von Böhm mit den Berlinern, der sehr differenziert das Tempo variiert und gar nicht lahm klingt und genau die richtige Dosis Ausdruck betont ohne zu übertreiben, die Musik ist herrlich offener und sinngebender eingespielt, finde ich.


    Schumans 3. gibt es ja ebenfalls als Leibowitz-Recording, die finde ich gut, aber nicht besser als andere.

    Guten Morgen, ich habe diese 10. in der 1988er Einspielung von Walter Weller und dem City Birmingham Symphony Orchestra auf CD (Chandos Records 1990) und traue mich kaum zu sagen, daß mir die Musik einigermaßen, bei allen Schwächen, gefällt. Natürlich sind da nirgends Genialität oder besondere Nebenstimmen oder auch ein schlüssiger Verlauf oder eine innere Logik und es bleibt weit hinter Beethovens Werken zurück. Dennoch fand ich sehr sehr spannend und bereichernd die Themen zu hören, die Beethoven skizzierte, es steckt eben trotz der "Unverschämtheit" es "Beethoven Symphony No. 10 1st Movement" zu nennen (geschickt getarnt mit dem Stück Op.56 das vornan gestellt wurde um diese Dreistheit variabel zu verschleiern im Bedarfsfall) doch auch Beethoven drin und ich finde das Stück Musik für sich allein betrachtet hörenswert.

    Ich höre es demnächst mal zusammen mit der Unvollendeten von Schubert, indem ich die ersten 2 Sätze von Schubert zuerst höre, dann die Rekonstruktion des 3. Satzes (den Schubert als Entwurf auf dem Klavier komponiert hatte und sogar einige Takte mit Nebenstimmen) von Brian Newbould/Marriner und zum Schluß diese Barry Cooper Version der Beethoven-10.-Fragmente. Irgendwie könnte das dramaturgisch passen und zumindest Spaß machen, es so zusammengesetzt an einem Abend, quasi als Ersatz für eine vollständige Symphonie abzuspielen. Mal schaun, wie das wirken wird.

    Viel besser als Musik zu hören ist Musik zu machen, das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Mal so, mal so, es kommt auch drauf an wie gut das eigene Spiel im Vergleich gelingt, aber das ist sicher bei Dir nicht die Gefahr! Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung, nur spiele ich keine Musik von Beethoven, :-) :-) Ich wollte auch nicht über Beethovens Werk selbst urteilen sondern exemplarisch erklären, daß es diese Ebene der nachhaltig ungünstigen Gefühlsbeeinflussung beim Hören verschiedener Musik geben könnte und exemplarisch wie manche Werke von ihm auf mich wirkten. Das ist sehr subjektiv und damit wollte ich nicht Beethoven quasi allgemeingültig beschriften, noch ihn kritisieren, wer bin ich kleines Licht, daß ich ihn klassifizieren könnte oder gar kritisieren wollte/könnte. Es ging um die Gefühle, die er bei mir auslöst. Ich sags mal anders: Beethoven schuf ja selbst erste Wege zur Romantik. Die Vor-Romantik, in der der Mensch und sein Befinden und Erleben selbst noch weniger zum Thema oder Leitmotiv von Musik gemacht wurde, ist, wenn man Angst vor negativer Beeinflussung durch Musikgenuß hätte, die sicherere Seite. Anhand von Haydn und Beethoven wollte ich dies für mich persönlich beschreiben.

    ja, sicherlich will ich hier keine Klischees über Beethoven aufwärmen und ich meinte auch nicht und hab das glaube ich auch nicht formuliert, daß Beethoven auf seine "heroischen" (der Begriff paßt auch nicht richtig, mir fällt nur kein besserer ein, vielleicht eher "durch Willensanstrengung zur Größe") Werke reduziert werden kann, da wär ich ja schön blöd und oberflächlich. Ich hab diesen Begriff einfach mal benutzt, man könnte auch sagen, die großen Gesten, das schwarz-weiß Kontrastieren etc, diese Stücke meine ich (3. ,5. + 7. Symphonie, 5. Klavierkonzert, Fidelio z.B.) . Ich stimme völlig zu, daß Beethoven genauso viele unglaublich sensible, zärtlich, emphatische, humorvolle etc. Werke geschrieben hat, im Grunde konnte er ja alles, aber seine von Wille und Größe und Gegensätzen strotzenden Werke sind nun mal so populär und interessant und gut, daß sie bei mir oft gehört werden und wirken eben. Im Spätwerk gibt es das nach meinem Empfinden weniger bis gar nicht mehr.


    Ich habe eben noch einen Gedanke gehabt: vielleicht muß man diese, für gesellschaftliche Ereignisse und den großen Konzertsaal komponierten Werke auch eben in der Gemeinschaft erleben und nicht am CD-Player damit sie im richtigen Kontext "gefühlt" werden innerhalb der Menschenmenge, da fühlt sich das dann wohl richtiger an.

    ja, eine Herausforderung eine Anregung ist ok und notwendig, aber ist Aufregung und schwermütige Stimmung nach einem Musikstück nicht übers Ziel hinausgeschossen, dann betrachtet und bewältigt man als nicht so rationaler Mensch nicht mehr nur die Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk distanziert, sondern wird über Stimmungsänderung hinaus auch wohl bis zu charakterlich beeinflußt. Ich bin mir sicher, daß Musik das tut über längeren Zeitraum und deshalb habe ich angefangen eine Metaposition einzunehmen, ab und zu und versuche zu erkennen, wie eine bestimmte Musik mich verändert, beeinflußt. Ich habe zur Zeit das Vorurteil, daß die Musik eines Komponisten auch seinen Charakter indirekt mitttransportiert, tief in mich über den direkten Zugang über den Hörsinn (welchen sonst).

    Momentan glaube ich, daß ich nach so häufigem Hören von Hadyn, dessen entspannt-positive-streitunlustiges Wesen aufgenommen habe, während bei Beethoven ich zunächst vermutete, daß er mir bei der geistig-charakterlichen Entwicklung positive Modelle durch Musik liefert, doch seine Art zu fühlen ist auch stets ein starker Wille und eine unglaubliche Kraft und zumindest bei den mittleren Werken Eindeutigkeit, die auch in Sturheit und Eingebildetheit enden kann, wenn man von diesem Elixier einnimmt. Deshalb möchte ich mich diesen Fragen bewußt immer wieder auseinandersetzen, um selbst ein wenig Herr meiner Entwicklung zu bleiben.

    Da wage ich noch einmal eine Darstellung

    sehr nett von Dir, meine Box sieht allerdings wie frisch aus dem Laden aus, auch die Goldschrift auf der tiefschwarzen Leinen-Box und auch innen zum Glück keine zerbröselten Schaumstoffteilchen, was bei verschweißten, älteren Mint-LP-Boxen vorkommen kann und dann die ungespielten LPs ruinieren, weil verkleben kann. Diese Phillipspressung ist makellos fabriziert.

    Hallo Michael,


    ich freu mich auf Deinen Bericht, ob es empfehlenswert ist.


    Und ein Buch muß ich einfach noch empfehlen: "Beethovens Einzige Geliebte: Josephine!" von John E Klapproth empfehle ich gerne und nachdrücklich. Es gibt so viele Musikstücke von Beethoven, die vermutet mit diesem biographischen Thema zu tun haben, daß es ein wichtiges Buch zu sein scheint.

    Hallo, habe diese sehr interessante Rubrik gefunden,


    dieses Thema ist für mich in den Vordergrund gerückt, da ich zum Ende der Corona-Isolation persönlich unbegründete, für mich völlig unübliche Stimmungstiefs erlebte. In dieser Zeit war es für mich wichtig, fröhliche Musik zu hören und ich bemerkte in dieser Zeit, daß Musik, die ich bisher staunend betrachten und erleben konnte (z.B. Brahms und Manches von Beethoven) und mir bisher nie aufs Gemüt geschlagen war, nun meine Stimmung beschweren konnte. Ums kurz zu machen: die von mir bisher recht stiefmütterlich behandelten Haydn und Mozart (und Händel) entdeckte ich als "Medizin" und Brahms und Beethoven (und Bach) traten zurück. Seitdem liebe ich Haydns Musik und lerne sie genauer kennen, denn es klappt gut. Was mach ich nun mit den Requiem-CDs verschiedener Interpreten, mit den melancholischen Sonaten und den tiefgründigen Streichquartetten Beethovens, Brahms, z.B. ? Ich traue mich nun grade nicht mehr, sie aufzulegen und weiche ihnen, ähnlich, wie es Alfred oben beschrieben hat, grade ein bißchen aus. Es war für mich also in diesem Fall nicht wichtig, diese Stimmung zu spiegeln und Trost in Musikstücken zu finden, die ähnliche Gefühle enthalten.


    Allerdings habe ich (wie hier von Uwe 2009 schon geschrieben) mit der Pathétique von Tschaikowsky ähnliche Erfahrungen gemacht, vor etwa 35 Jahren war sie für die Verarbeitung meines ersten und einzigen großen Liebeskummers Wertherschen Ausmaßes ein großer Trost und einer der Gründe, warum ich klassische Musik damals so schätzen gelernt habe.


    Es gibt also diesbezüglich mindestens zwei verschiedene Wirkungsarten von Musikstücken, manchmal muß man Trauriges hören um getröstet zu werden, manchmal Fröhliches um aus der Trauer rauszukommen. Das wird für viele anders differenzierten Gefühlslagen und Ideen, die vom Komponisten in Musik umgesetzt wurden, auch so unplanbar widersprüchlich gelten und also kann man nur mutig ausprobieren und im Einzelfall entscheiden, und erkennen, was die Musik bewirkt und zwar nicht nur auf die Gefühle, sondern auch auf den Geist. Es ist bestimmt wichtig, gut auszuwählen, welche Musik man auf sich einwirken läßt. Der Hörsinn soll einer der ältesten Sinne sein und soll direkt mit den tiefsten Tiefen des Gehirns verbunden sein, was z.B. beim Sehsinn nicht derart sein soll, wenn ich mich nicht irre.


    Etwas Anderes für mich war die Erfahrung bei Beethovens Symphonien: Die ersten 8 "erarbeitete" ich mir geduldig in 1-2 Jahren und lernte sie schätzen, lieben und verstehen. Die 9. kannte ich von Weitem in Teilen natürlich aber sie schob ich vor mir her und als ich sie dann zum ersten Mal voll konzentriert anhörte, wühlte sie mich so sehr auf, daß ich auch einen Tag später noch unruhig mich fühlte und deshalb ein bißchen mißtrauisch ihr gegenüber geworden bin.

    Weckt sie Dinge, die lieber nicht geweckt werden sollten? Sie ist so bedeutungsvoll und thematisch mächtig, wie ein Musikstück nur sein kann und ich glaube, es ist normal, sich auch ein bißchen vor ihr zu fürchten, bei allem Staunen über diese große Kunst. Aber was bewirkt diese Musik in den Menschen, macht sie sie größer oder größenwahnsinnig? Ich gehe nun ein klein bißchen vorsichtig-kritisch mit der 9. und Beethovens heroischen Musikstücken um (es gibt ja zum Glück noch genügend nicht-heroische) und merke zunehmend, daß mir die Philosophie eines Haydn, der die Schattenseiten und großen Probleme des menschlichen Daseins vorsichtiger oder nicht darstellt, derzeit für mich sinnvoller erscheint. Wieso soll ich mir den Kampf eines Komponisten mit den Geistern, die er rief, anhören? Am Ende färbt noch etwas ungünstig auf mich ab? Für mich noch überhaupt nicht beantwortet, diese wichtige Frage. Man kann aber vorsichtig damit umgehen.

    Hallo, habe erst vor ein paar Tagen die Lektüre "Joseph Haydn - Eine Biographie - Der schöpferische Werdegang eines Meisters der Klassik" von Karl Geiringer fertig gelesen und kann das Buch nur sehr empfehlen. Es ist ein Standardwerk der Musikliteratur geworden und betrachtet Leben und Werk und vor allem seine Bedeutung. Ich habe es verschlungen und zwar innerhalb zweier Wochen - im Gegensatz zu manchen anderen Musiker-Biographien, die ich nur kapitelweise nutze, ein sehr sehr gutes Buch, das ich sehr empfehlen möchte! Vermutlich wird es Vielen schon bekannt sein.


    Außerdem möchte ich das ebenfalls nicht unbekannte Buch "Beethoven - Philosophie der Musik" von Theodor W. Adorno empfehlen, denn nirgends sonst habe ich bedeutsamere Gedanken und Analysen zu Beethovens Musik gelesen. Es handelt sich im Wesentlichen um eine Sammlung von Fragmenten und Textaufzeichnungen Adornos als Ideen-Pool für ein geplantes Beethoven-Buch, das nie realisiert wurde (er hatte sich an der Missa Solemnis die Zähne ausgebissen und ist deshalb steckengeblieben). Da das eher ein Tagebuch der Erfahrungen Adornos mit Beethoven ist, ist die Sprache sehr persönlich und z.T. auch schwierig zu verstehen, aber dennoch ungemein anregend. Besonders interessant fand ich einige kritische Einschätzungen Adornos über Beethovens Musik (sie überwiegen aber natürlich bei Weitem nicht die positiven oder einfach beschreibenden). Nirgends sonst habe ich eine solch komplexe, hochentwickelte Sprache genossen (und nur z.T. verstanden, aber macht ja nichts, es bleibt mir noch mehr als genug Verstandenes :-))

    Heute in einem Antiquariat eine 4-LP Box (unbenutzt-mint) gesehen (nur 14,--) und konnte einfach nicht dran vorbeigehen:


    Mendelssohn - Sämtliche Sinfonien, New Philharmonia Orchestra, Wolfgang Sawallisch


    Höre ich wohl den ganzen Abend. 1371441652?ev=bp_img


    Hervorragender Klang, die 1. eben zum ersten Mal gehört: typisch Mendessohn: meisterhaft instrumentiert und lt. Booklett ist diese 1. von M. stilistisch vollgepackt mit Reflexionen bezüglich anderer Komponisten, mit denen sich M. mit nur 15 Jahren hier auseinandergesetzt haben soll.

    Guten Tag,


    nachdem ich gestern stundenlang Einspielungen Beethovens Neunter verglichen habe (Mazur, Harnoncourt, Böhm, Leibowitz, Fricsay) auf der Suche nach einer hinsichtlich Tempo, Ausdruck ausbalancierten, nicht zu aufwühlenden Version (hab nur die ersten 3 Sätze geschafft zu vergleichen, Masur ist zurückgefallen die anderen 3 im verschiedenartig wirkenden Gleichstand), die tatsächlich "Freude" ausdrücken soll, statt nur Nerven kitzeln, hab ich mich heute mal wieder als Start für ein Werk von Haydn zum Ausgleich entschieden und schon nach einigen Sekunden hebt sich die Laune zur Freude (da ich keine Bilder/Cover hochladen kann, nur Text:)


    Joseph Haydn - Klavierkonzert Nr.11 und Nr. 4 eingespielt von Arturo Benedetti Michelangeli / Zürcher Kammerorchester, Edmond De Stoutzauf LP /EMI , DMM -Pressung 1975, aufgenommen in der Johanneskirche in Thun (Schweiz)


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    Im Kommentar auf dem Cover wird bei Nr. 11 von u.a. "federnde Eleganz, ein sich nie in Redseligkeit verlierende Klavierpart, zauberhafte Schlichtheit und Tiefe im Schlußsatz" gesprochen. Ich empfinde Klarheit, Frische und Witz, sowie Schönheit mit viel Abwechslung. Das 4. ist weniger von der Melodie definiert aber dafür pianistisch vielseitiger und reichhaltiger mit einem leichten Spritzer Nachdenklichkeit mehr.


    Wie kann man hier direkt Bilder hochladen oder braucht es dazu noch eine spätere Berechtigung/Freischaltung? Ich habe nur einen Link zu Discogs geschafft...

    Hallo liebe Forianer, ich nutze und beobachte Tamino von außen seit Monaten und nun freue ich mich dabei zu sein. Da es wohl keinen ausgewiesenen Vorstellungsort in diesem Forum gibt, habe ich mir erlaubt, als ersten Beitrag mich hier im Rahmen des Themas "Unverzichtbare Einspielungen" kurz vorzustellen und u.a. meine Lieblingseinspielungen aufzulisten. Einzelne vertiefte Beschreibungen der mir wichtigsten dieser Einspielungen folgen hier dann ausführlich im Sinne des vorgegebenen Themas später. (Mein Avatar-Bildchen zeigt den Münchner Maler Phillip Klein im Selbstbildnis).


    Ich höre seit den 80ern gerne "Klassik" und habe mich seitdem langsam und stetig mittels Literatur und LPs/CDs mit gängigen Komponisten und Interpreten beschäftigt.


    Lieblingskomponisten: Haydn, Beethoven


    Lieblingsgattung: Symphonien, Streichquartette, Klavierkonzerte


    Lieblingsdirigenten: Böhm (Brahms/Schubert), Leibowitz (Beethoven), Masur (Beethoven)


    Lieblingspianisten: Gulda, Brendel, Pollini


    Lieblingsorchester: Berliner Philharmoniker in den 60-70er Jahren


    Lieblingseinspielungen ("Die Unverzichtbaren" also):


    - Brahms 1. Symph. - Böhm/Berliner Philh.

    - Brahms 3. Symph.- Böhm/Wiener Philh.

    - Brahms Klavierkonzerte 1+2 - Jochum/Gilels Berliner Philharmoniker

    - Schuman 4. Symph. - Klemperer/Royal Phil.Orch.

    - Schubert Große C-Dur + 5. - Böhm/Berliner Philh.

    - Schubert 4. Symph. - Marriner/Academy of St.Martin in the fields

    - Schubert Quintett C-Dur - Alban Berg Quartett + Heinrich Schiff

    - Beethoven 2. Symph. - Masur/Gewandhausorch. (nur 2. Satz unverzichtbar)

    - Beethoven 3. Symph. - Masur/Gewandhausorch.

    - Beethoven 8. + 7. + 6. + 4. +1.+2. Symph. - Leibowitz/London/Royal Philharmonic Orch.

    - Beethoven 5. Symph. - Karajan/Berliner 1962

    - Beethoven Klaviersonaten - Gulda

    - Beethoven Die Mittleren Streichquartette - Melos Quartett

    - Haydn Symph. Nr. 40, 42, 60, 80, 82, 88, 92-105 - Dorati Philh. Hungarica

    - Haydn Klaviersonaten - Brendel

    - Haydn Die Schöpfung - Gardiner English Barock Soloists

    - Haydn Streichquartette Op. 20 - Koeckert Quartett

    - Mozart Streichquartette (Haydn-Quartette) - Alban Berg Quartett

    - Mahler 1. Symph. - Bruno Walter/Columbia Symph.Orch.

    - Bruckner 4. Symph. - Jochum/Berliner Philh.

    - Bach - Orgelwerke - Richter



    Meist höre ich Vinyl, gefolgt von CDs., Mp3 und Streaming sehr selten bis nie.


    Ich habe eine kleine Sammlung von Vintage-Hifi-Anlagen aus den 70ern.


    Viele Grüße :-)

    "DerGerd"