Beiträge von KarmaPemaDorje

    Stimmt, aktuell noch nicht alles als "Buch" veröffentlicht, aber online:


    Instrumental Works – Instrumentalwerke

    Vocal Works - Vokalwerkverzeichnis


    clck 29.000

    Danke für den Beitrag zu Ton Koopman. Ich spüre da wirkliche Musiknähe; würde mich freuen, mit 80 Jahren selbst so fit zu sein. Und ich behaupte einmal, dass seine Lebensenergie (zusammen mit der Bachschen) dann wirklich ein Konzert zu einem wahrnehmbaren, berührenden Erlebnis macht, was ich oft bei modernen Interpreten vermisse.

    Eine Entscheidung nur für heute:

    • Franz Schreker: Der Ferne Klang
    • Erich Wolfgang Korngold: Violanta
    • Richard Strauß: Salome
    • Antonin Dvorak: Rusalka
    • Alban Berg: Wozzeck

    Das ohne Wertung, und morgen bestimmt wieder anders.


    Liebe Grüße von der schon fast frühlingshaften Bergstraße, Richard

    Ich stimme Karl zu, dass es ja am Ende um Musik und deren Wirkung geht. Bei einer Arzneimittelpackung kann es ja auch interessant sein, wie die hergestellt wird, ob die Firma "ordentlich" ist, ob die Pillen in der richtigen Reihenfolge eingeschweißt sind, wir sich das Papier anfühlt, und, und ... Am Ende entscheidet jedoch die Wirkung und dann kann man die Packung getrost vergessen.


    Oder nach dem Aufwachen aus einem Traum: wie fühle ich mich dann? Das ist doch wichtiger als der Inhalt, oder? Wenn wir - was ich für mich tue - Musik als Medizin betrachten, dann kann ich bewusst ein musikalisches Mittel gegen etwas nehmen. In früher Kindheit hat so mir gegen Traurigkeit, Depression oder Unwohlsein stets die Bachkantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" BWV 106 geholfen, am allerbeste die Arie (Bass) "Bestelle dein Haus".


    Und gleichzeitig wissen wir, um wie viel es schwieriger ist, objektiv von den Wirkungen eine Beschreibung zu geben, statt technische Faktoren runterzuleiern.

    Lieber Orfeo,

    das ist fast lexikonreif, danke dafür. Mir ist Ernest Reyer zweimal begegnet, indem zwei Opern von ihm, "La statue" und "Erostate" von Ernst Pasqué mit einem deutschen Text versehen worden sind und dann im Deutschen Reich aufgeführt wurden. So kann man zumindest den Inhalt leicht nachvollziehen.

    Mir fallen Spezialmuseen in der Nähe ein, die mir immer wieder auch einen Einblick in nebenläufige Stränge der Musikwahrnehmung geben.

    Zum einen das Musikinstrumenten Museum Lißberg, Schlossgasse, 63683 Ortenberg-Lißberg:


    Die Entwicklung der Musikinstrumente von Michael Praetorius bis zur Gegenwart ist der thematische Schwerpunkt des Museums, das seine umfangreiche Sammlung seit 1990 im ehemaligen Lißberger Schulhaus neben der Kirche präsentiert. Das Museum wurde anlässlich des 50. Geburtstages des Frankfurter Instrumentenbauers und -sammlers Kurt Reichmann eröffnet, die meisten Instrumente stammen aus seinem Besitz. Ausgehend von Praetorius’ Werk „Syntagma Musicum“ (1619) ist die Ausstellung historischer Musikinstrumente nach Instrumentenfamilien gegliedert. Vergrößerte Kupferstiche ermöglichen historische Vergleiche und Einblicke in die Entwicklungsstadien einzelner Instrumente. Ergänzend stehen Hörbeispiele zur Verfügung, aber auch Instrumente, die an einem nachgebauten Renaissance-Musiziertisch ausprobiert werden können.

          Musikinstrumentenmuseum Lißberg


    In diesem kleinen Museum, dass leider nur selten geöffnet ist, begegnet man den Instrumenten nicht nur visuell, sondern auch auditiv und olfaktorisch.


    In ähnlicher Weise bietet das Museum für Mechanische Musikinstrumente einen Einblick in die Zeit vor Radio, Fernsehen, CD, usw., wo versucht wurde, Musik überall erklingen zu lassen. Museum Wilhelmsbau im Technik Museum Speyer, Am Technik Museum 1, 67346 Speyer:


    Das Museum Wilhelmsbau befindet sich direkt auf dem Gelände des Technik Museum Speyer, nur wenige Schritte von dessen Haupteingang entfernt und ist im Gesamteintrittspreis enthalten. Das faszinierende Raritätenkabinett mit Tausenden Exponaten aus dem 19. und 20. Jahrhundert lässt den Zeitgeist längst vergangener Tage wieder lebendig werden. Eine beachtenswerte Sammlung vollautomatischer Großorchestrien sowie sehr wertvoller Flötenuhren und Spieldosen sind hier ebenfalls zu finden wie eine der größten Sammlungen historischer Waffen und Uniformen. Liebevoll dekorierte Vitrinen, mühevoll restaurierte historische Kleidungsstücke und Puppen aber auch das "Rock'n'Roll"-Zimmer machen Geschichte erlebbar.


          Museum Wilhelmsbau


    Beides ein Erlebnis wert, auch wenn die präsentierte Musik nicht jedermanns Geschmack trifft. ^^

    Manchmal gelingt mir ein Geschenk, das gar nicht beabsichtigt war. So gestern Abend im Staatstheater Mainz: normalerweise wird der "Pagliacci" von Ruggero Leoncavallo ja mit der "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni kombiniert, zwei kurzer Opern, die dann einen Abend füllen. Mainz macht Neues: als erstes wird die seltene Oper "Le Villi" von Giacomo Puccini gegeben. Dies war sein Erstlingswerk als Oper mit zarten 24 Jahren, eingereicht in einem Wettbewerb.


    Natürlich noch kein Meisterwerk, aber Puccini konnte ich deutlich raushören und im Versimo schwelgen. Mainz hat für beide Stücke die gleiche Bühnengrundausstattung mit einem offenen neuen Gebäude gewählt, die moderne Inszenierung von Verena Stoiber war schlüssig, unterhaltsam und dienlich. Bei den Gesangsleistungen gab es unterschiedliche Qualitäten.


    LE VILLI / PAGLIACCI (DER BAJAZZO) (Trailer aus dem Staatstheater Mainz)


    In dieser Kombination kommt jedoch Bekanntes und Neues gut zusammen. Gerne wieder so ein Experiment!

    Noch nicht live gesehen, aber definitiv einen weiten Weg wäre "Benvenuto Cellini" von Hector Berlioz - neben vielen Opern von Händel, die selten zu sehen sind. Darf dann auch ruhig auf der Bühne mal ein Marionettenspiel sein, wie der "Rinaldo" mit der Musikalischen Compagney Berlin in Bad Lauchstädt anno 2011.


    Korngolds "Violanta" oder Vivaldis "Orlando Furioso". Und, und, und ...

    Och, 850 Kantaten sind schon etwas mehr als "fast keine"


    https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/telemann


    Womit wir gleich beim nächsten durchaus bedeutenden Archiv wären, das neben anderem einen Teil des Nachlasses Humperdinck und des Verlagsarchivs Schott beherbergt.

    Lieber Perikles,

    es war nicht auf die Anzahl der Kantaten/Werke gemünzt, sondern auf die bis jetzt digitalisierten Autographen. Insofern zählen ja Graupners Abschriften der Telemann-Werke nicht dazu X/

    Die Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (ULB) ist die zentrale Universitätsbibliothek der TU Darmstadt und wissenschaftliche Universalbibliothek für die Bevölkerung Darmstadts und Südhessens. Im Bereich Musik basiert die Sammlung auf der ehemaligen Hofmusiksammlung der Darmstädter Landgrafen und Großherzöge. Einen Schwerpunkt bildet die Barockmusiksammlung aus dem 18. Jahrhundert mit dem Nachlass des Darmstädter Hofkapellmeisters Christoph Graupner. Die Musikhandschriften umfassen einen großen Bestand an Musikstücken von Christoph Graupner, Abschriften der Werke Georg Philipp Telemanns und Originalhandschriften, vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert.


    ULB Darmstadt 04


    Eine Besonderheit der Musiksammlung sind die Archivbestände des Musikverlages Breitkopf & Härtel. Nach dem Krieg fehlten den Verlagsverantwortlichen die Mittel für den Neuaufbau eines Verlagshauses in Wiesbaden, sodass die wertvollen Manuskripte (Auktionskatalog 1951) versteigert werden sollten. Dies wurde vom Bundespräsidenten mittels eines Kredites aus dem Marshal-Plan gegen Vorkaufsrecht der hessischen Landesregierung verhindert und die Archivschätze der Landes- und Hochschulbibliothek zugesprochen.


    Dieses Konvulut enthält autographe Werkmanuskripte und Briefe folgender Komponisten:

    • Johann Christoph Friedrich Bach
    • Johann Sebastian Bach
    • Ludwig van Beethoven
    • Hector Berlioz
    • Johannes Brahms
    • Niels Wilhelm Gade
    • Georg Friedrich Händel
    • Joseph Haydn
    • Johann Ludwig Krebs
    • Franz Liszt
    • Karl Loewe
    • Felix Mendelssohn-Bartholdy
    • Hand Pfitzner
    • Max Reger
    • Xaver Scharwenka
    • Richard Strauss
    • Richard Wagner

    Telemann und Graupner

    Die Darmstädter Telemann-Handschriften sind ausschließlich Abschriften von der Hand Graupners oder seiner Mitarbeiter. Dieses Vorgehen entsprach der damaligen Praxis sich Werke externer Musiker zu beschaffen, um die Aufführungen am Darmstädter Hof abwechslungsreich gestalten zu können. Da von Telemann fast keine autographen Originale erhalten sind, besteht auf diese Weise in der ULB Darmstadt ein eigener Überlieferungsstrang der Werke Telemanns.

    Liebe Forums-Mitglieder,


    als Neuling hier bin ich noch am Stöbern, was es alles gibt und wo ich einen Beitrag leisten kann. Alfreds Weihnachtsgrüße an die Tamino-Mitglieder hat mich gefreut und bewogen, gleich heute die Finger auf die Tastatur zu bewegen.


    @Alfred: danke, dass Du Dich so liebevoll um das Forum, seine Mitglieder und die Musik kümmerst!


    Und so fiel mein Blick auf die Threads „Die Großen Werkverzeichnisse“. Was ich hier, besonders in diesem xx23-Jahr vermisse, ist das Werkverzeichnis für Christoph Graupner (GWV). Und zwar nicht aus der Tatsache, dass von ihm wesentlich mehr als von Johann Sebastian Bach überliefert ist (und ebenso weniger als von Georg Philipp Telemann), sondern es hat dies mit einer bestimmten Qualität zu tun.


    Natürlich gibt es – wie von vielen anderen Komponisten auch – ein gedrucktes Verzeichnis. Dies ist sehr umfangreich, bisher auf die Instrumentalwerke und ca. 70% des Kantatenwerkes mit 4 dicken Büchern beschränkt. Leider sieht es so aus, dass das Abschlusswerk mit den restlichen Kantaten nicht unbedingt mehr in der Endphase steckt, da sein Hauptprotagonist, Dr. Oswald Bill (ehemaliger Leiter der Musiksammlung der ULB Darmstadt), dies aufgrund seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr wird vollenden können. Hier die existierenden Bände:

    • Christoph Graupner. Thematisches Verzeichnis der musikalischen Werke.
      Graupner-Werke-Verzeichnis (GWV)
      • GWV – Instrumentalwerke.
        Oswald Bill und Christoph Großpietsch (Hrsg). Stuttgart: Carus 2005. 400 Seiten. ISBN 978-3-89948-066-5.
      • GWV – Geistliche Vokalwerke.
        Kirchenkantaten 1. Advent bis 5. Sonntag nach Epiphanias
        Oswald Bill (Hrsg). Stuttgart: Carus 2011. 788 Seiten. ISBN 978-3-89948-159-4.
      • GWV – Geistliche Vokalwerke.
        Kirchenkantaten Septuagesimä bis Ostern
        Oswald Bill (Hrsg). Stuttgart: Carus 2015. 846 Seiten. ISBN 978-3-89948-240-9.
      • GWV – Geistliche Vokalwerke.
        Quasimodogeniti bis 3. Pfingsttag
        Oswald Bill (Hrsg). Stuttgart: Carus 2018. 584 Seiten. ISBN 978-3-89948-400-7.

    Was ich heute jedoch ansprechen möchte, ist, dass neben dieser „Papierform“ mit all ihrer wissenschaftlichen Qualität, es in der heutigen Zeit immer wichtiger ist, diese Quellen zeitnah, preisgünstig und intelligent zur Verfügung zu haben. Deshalb stellt die Christoph-Graupner-Gesellschaft in enger Zusammenarbeit mit dem Dirigenten und Graupner-Kenner Florian Heyerick ein Online-GWV zur Verfügung, dass mit seinen Recherche-Möglichkeiten bisher so einmalig ist. Und dies möchte ich an dieser Stelle vorstellen.


    Das GWV ist aufgeteilt in:

    Die Opern und weltlichen Kantaten sind erst in diesem Jahr endgültig fertiggestellt worden. Und was ist jetzt daran so besonders? Beginnen wir mit dem Instrumentalwerkverzeichnis. Neben den jeweils wichtigen Details wie Entstehungszeit, Satzstruktur, Soli-Einsätze, Instrumente, Kommentaren zur Erforschungswirklichkeit, usw. sind die Originalquellen an der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt (ULB) als digitale Autographen-Scans und beim Répertoire International des Sources Musicales (RISM) als direkter Link vorhanden. Ferner spukt die Datenbank aus, ob das jeweilige Werk bereits in den letzten 40 Jahren aufgeführt wurden und ob es Einspielungen davon gibt (LP, CD, MP3, usw.). Aus den 340 Werken kann man jedoch auch nach Besetzung suchen, wenn man ein konkretes Programm mit Werken von Graupner zusammenstellen will.


    Beispiel: sie haben als Soloinstrumente ein Chalumeau und ein Fagott im Sinn. Die Suche über das Instrumentalwerk nach Besetzung ergibt dann drei Werke:

    oder Sie suchen eine Sinfonie mit Flauto traverso und Pauken und erhalten eine Auswahl von 15 Werken.


    Wesentlich interessanter sind die 1.440 Kantaten. Neben einer Auswahl nach Kirchenjahr (oder Anlass), Entstehungsjahrgang, Textdichter, usw. kann auch nach den Inhalten der Texte gesucht werden. 872 Kantaten sind bereits inhaltlich mit Texten erfasst; zu diesen Kantaten steht dann auch eine wissenschaftliche Beschreibung der jeweiligen Kantate als PDF mit mehr Informationen zur Verfügung.


    Eine Recherche eines lokalen Kantors einer kleinen Kirchengemeinde könnte sein:

    Wenn dann der Suchende die Kantate „Mein Heiland deiner Tugend Licht“ (GWV 1158/42) auswählt, wird er mit Detailinformationen nicht nur über den Abschnitt im Kirchenjahr, Entstehungszeit, Uraufführung, Dichter, Vokalstimmen, Solostimmen, Instrumente und Satzbeschreibung usw. versorgt, sondern auch mit Einzelheiten über die Choralstimmen mit teilweisen Links auf eine synthetischen Einspielungen der Choralvertonung.


    Darüber hinaus könnte er nach Kantaten im Entstehungsjahr suchen, nach Besetzungen in Stimmen und Instrumenten, nach Kantaten mit obligaten Instrumenten oder sich den von Graupner benutzten Choralmelodien vertiefen. Graupner hat beispielsweise die Choralmelodie „Ach, Herr mich armen Sünder“ 70-mal verwendet, natürlich mit jeweils anderen Texten.


    Oder Sie haben einen Oboe d´amore-Spieler gefunden und suchen sowohl eine Kantate als auch ein Instrumentalwerk dafür im Graupnerschen Schatzkästlein, damit der Solospieler auf seine Kosten kommt. Kein Problem, die Datenbank spukt dafür 23 Kantaten mit zugehörigen 9 Instrumentalwerken aus!


    Darüber hinaus stehen Arbeiten an, die Suche bis auf Satzebene auszuweiten und Vergleiche mit den Werken von Telemann (TWV) und Bach (BWV) zu ermöglichen.

    Gestern Abend gab es in Schwetzingen die Oper „Nebukadnezar” von Reinhard Keiser (1674-1739). Unter dem vollständigen Titel „Der gestürzte und wieder erhöhte Nebukadnezar, König zu Babylon” in Hamburg an der Gänsemarktoper zuerst 1704 aufgeführt. Zu jenen Zeiten, in den Georg Friedrich Händel und Christoph Graupner auch in Hamburg weilten und für die Oper schrieben:


    https://www.theaterheidelberg.…ktionen/7698-nebucadnezar


    Die Aufführung in alten Renaissance-Theater hat natürlich wegen der Bauform und dem Zustand eine besondere Atmosphäre. Unter dem Dirigat von Dorothee Oberlinger war ein gewisses Maß an barockkonformer Aufführungspraxis zu erwarten. Sie würzte auch ein Intermezzo, indem sie dirigierend Blockflöte selber spielte. Die Aufführung selber war ins Moderne gesetzt, mit den üblichen krassen Mitteln wie z.B. Waterboarding.


    Verglichen mit Händel „Almira” (HWV 1, 1704) und Graupners „Antiochus und Stratonica” (GWV 1002, 1707) hielt die Musik diesen aber nicht stand. Die Handlung auf der Bühne musste die schwache Musik wettmachen. Das übliche, für uns kaum mehr nachvollziehbare, barocke Dramaturgiekonzept mit den deutschen Texten der damaligen Zeit ließen kaum Wohlbefinden aufkommen.

    Händel versus Graupner


    In meiner Jugend hörte ich Händels Oratorium „Deborah“ auf gekauften Schallplatten aus dem großen Plattenladen Saturn in Köln für kleinen Preis, damals auf deutsch. Dies brachte mich in die Händel-Welt, der ich auch heute noch fröne.


    Irgendwann kam beispielsweise auch Händels Erstlingswerk, die „Almira, Königin von Castilien“ HWV 1, dazu. Die Aufnahme von Andrew Lawrence-King aus dem Jahre 1994 irritierte insofern, als dort Gesang in deutsch und italienisch zugleich vertreten sind. Die Recitative in deutsch, die Arien in italienisch und deutsch. Was zuerst komisch anmutete, stellte sich dann gängige Praxis um 1705 in der Gänsemarktoper in Hamburg da.



    Ann Monoyios, Patricia Rozario, Linda Gerrard, Douglas Nasrawi, Jamie MacDougall, Christian Elsner, David Thomas, Olaf Haye
    Fiori musicali unter der Leitung von Andrew Lawrence-King


    Als vor 5 Jahren eine neue Interpretation mit dem Boston Early Music Festival Orchestra unter Paul O'Dette und Stephen Stubbs herauskam, war das bereits klanglich und interpretativ ein großer Fortschritt.



    Emöke Barath, Amanda Forsythe, Colin Balzer, Christian Immler, Jan Kobow
    Boston Early Music Festival Orchestra unter der Leitung von Paul O'Dette & Stephen Stubbs


    Spannend wird es dann, wenn man das Opernschaffen von Christoph Graupner sich anschaut. Er war seit 1705 ebenfalls in Hamburg an der Gänsemarkt-Oper tätig, als Cembalist und Opernschreiber. Ob er jemals Händel getroffen hat, ist nicht überliefert, aber wahrscheinlich. Leider sind von ihm im Gegensatz zu Händel nur sehr wenige Opern-Werke erhalten, weil der Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt Graupner nach Darmstadt abwarb mit dem Versprechen einen großen Opernbetrieb aufzubauen. Das ging schief, die kleine Landgrafschaft steuerte regelmäßig in die Zahlungsunfähigkeit zu, so dass 1719 endgültig Schluss war und Graupner sich damit begnügen musste sich bis zu seinem Lebensende in Darmstadt zu bleiben und über 1400 Kantaten, 118 Sinfonien und vieles mehr zu schreiben. In seinen Kantaten jedoch gibt es einige Beispiele, die auf seine Opernader bezüglich Dramatik und Mitteleinsatz deutlich hinweisen.


    Als im Jahre 2020 dann von dem Boston Early Music Festival Orchestra eine der erhaltenen Graupner-Opern - "L’Amore Ammalato. Die kranckende Liebe oder: Antiochus und Stratonica" GWV 1002 - als CD erschien, bot sich der Vergleich mit Händels Almira an.



    Christian Immler, Hana Blazíkova, Sunhae Im, Harry van der Kamp, Sherezade Panthaki
    Boston Early Music Festival Orchestra unter der Leitung von Paul O'Dette & Stephen Stubbs


    Das gleiche Orchester samt Leitung beim gleichen Label versprach ähnliche Ansätze. Und siehe da, wenn man beide Aufnahmen vergleicht, treten mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede auf. Beide Komponisten hatten ja das gleiche Publikum als Auftrag vor sich, die gleichen Musiker und Gewohnheiten und beide waren ungefähr im gleichen Alter (Händel 20 Jahre, Graupner 25) und jeweils am Beginn ihrer Karriere.


    Da stellt sich die Frage, was aus Graupner hätte werden können, wenn er seinen Wunsch nach Opern-Produktionen hätte realisieren können. An diesem Punkt darf ich einfach träumen.


    Kleine Auswahl:

    • Disc 2, 07. Aria con tutti li strumenti: "Da voi port, o luci belle" (Antiochus), 3:05 min.; Christian Immler (Bariton)
    • Disc 2, 09. Aria con tutti li stromenti: "Mich fordert die Liebe" (Stratonica), 4:45 min.; Hana Blazíkova (Sopran)
    • Disc 2, 22. Aria: "Holde Rosen und Jasminen" (Mirtenia, Demetrius, Ellenia, Hesychius, Chor), 3:34 min.; Sunhae Im (Sopran), Aaron Sheehan (Tenor), Sherezade Panthaki (Sopran), Jesse Blumberg (Bariton)

    Ein Ehrenplatz für Christoph Graupner


    Auch wenn so nette Bilder von Würdigungsstellen von Komponisten und Musikern hier im Forum auftauchen, eine Träne rührt mich, da für Christoph Graupner kaum etwas zu finden ist. In seiner Geburtsstadt Kirchberg gibt es eine Tafel an seinem Haus, wo er als Kind wohnte. Ansonsten kümmert sich dort kaum jemand um ihn als großen Sohn. Das Gymnasium mit dem Namen „Christoph-Graupner-Gymnasium“ kümmert sich auf seiner Webseite nicht einmal um seinen Namensgeber.


    Kirchberg_Gedenktafel_Graupner.jpg


    Graupner wirkte von 1709 bis zu seinem Tod 1760 in Darmstadt. Durch den großen Feuersturm am 11./12. September 1944 wurden 90% der Innenstadt zerstört, darunter auch Graupners Wohnstätten. Zumindest hat im Jahre 2018 dann die Stadt mit Unterstützung des neuseeländischen Bratschisten Donald Maurice eine Gedenktafel in der Innenstadt anbringen lassen, vermutlich in unmittelbarer Nähe zu dem im Krieg zerstörten Wohnhaus.


    Graupnerschild-Darmstadt-2018.jpg


    Deshalb ist es so schade, dass man kaum auf Graupner aufmerksam werden kann: kein Gemälde, kein Wohnhaus, nur die paar Wirkspuren wie die Stadtkirche und die Schlosskirche des Darmstädter Barockschlosses.


    Aber was zählt, ist die Musik, oder? ;)