Dem kann ich nur zustimmen. Vor Jahren habe ich mit einer Bekannten am Theater in Bonn eine halbszenische Aufführung erlebt. Im Auto auf der Rückfahrt mussten wir uns unseren Händel aus der Konserve wieder zurechthören, so verzerrt war die Wahrnehmung der Aufführung. Aber dieses hier berührt durch Eindringlichkeit und Präsenz. Händel war ein wahrer Dramatiker.![]()
Beiträge von KarmaPemaDorje
-
-
- „Funken“
oder „Ausgefallenes“ als Erinnerungsmerkmal – wie merkwürdig
sind doch die Hörerwartungen Mancher.
Und das Herabwürdigen eines Konzerts mit lebenden Musikern vermittels eines Weins „um Vergessen“: Ganz unsensibel.
Es war weder meine Absicht, das Konzert herabzuwürdigen, noch mich darüber zu beklagen. Es war alleine meine Verantwortung dort hinzugehen und meine Verantwortung, welche Eindrücke und Gefühle ich dabei habe. Und dazu stehe ich. Und ich gestehe mir meine Art und Weise zu, wie ich im Nachgang damit umgehe. Wenn mir ein Essen nicht geschmeckt hat oder eine Gespräch im Magen liegt, brauche ich auch dafür geeignete Konzepte im Umgang damit.
Zudem sind doch die Hörerfahrungen so unterschiedlich wie es Musik gibt. Selbst wenn ein Stück "bestens" (wer bestimmt das?) vorgeführt wird, muss es mir dennoch nicht gefallen, oder? Auch bemerke ich schon manchmal, dass ein wirklich nicht gut präsentiertes Stück von den anderen Zuhörern beklatscht wird, wahrscheinlich weil sie nicht auffallen wollen oder es im Grunde gar nicht würdigen können, was das Leben ihnen da gerade angetan hat.
- „Funken“
oder „Ausgefallenes“ als Erinnerungsmerkmal – wie merkwürdig
sind doch die Hörerwartungen Mancher.
-
Nach dem intimen Erlebnis in Blaibach mit Bachs Goldberg-Variationen in der kammerorchestralen Version von Józef Koffler gestern mal wieder der Gegensatz: Konzert im großen Haus des Staatstheaters Darmstadt mit Stücken aus näherliegenden Zeiten:
- Lili Boulanger (1893-1918): D´un matin de printemps für Violine oder Flöte und Klavier oder für Orchester, Nocturne (1918)
- Edvard Grieg (1843-1907): Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16
- Igor Strawinsky (1882-1971): Der Feuervogel (Fassung 1945)
Gespielt hat die Deutsche Philharmonie Merck unter der Dirigentin Gabriella Teychenné, am Klavier war Julius Asal.
Der Unterschied zu Blaibach war enorm:
- 200 Zuhörer dort, fast 1.000 in Darmstadt
- Intimer Rahmen in Blaibach, großes Event in Darmstadt
- Barocke Klänge, teils in neuer Form dort, Impressionismus, Spätromantik, Neoklassizismus in Darmstadt
Ich will gar nicht von der Qualität der Aufführung erzählen, sondern meine inneren Erfahrungen dazu. Mit geschlossenen Augen war es natürlich eine Wohltat, Live-Musik erleben zu können. Und in dem großen Orchester mit 5 Kontrabässen bis Harfe und großem Schlagzeug kann das Ohr vielfältig den verschiedenen Instrumentengruppen folgen oder den Gesamtsound genießen. Jedoch stellte sich kein innerer Frieden, keine Herzensgefühl ein, es blieb alles irgendwie im Kopf. Und das lag nicht daran, dass alles neu und unbekannt war.
Ich wollte unbedingt den „Feuervogel“ mal live erleben, da ich ihn in der Schule im Musikunterricht vor über 50 Jahren erlebt hatte. Es blieb bei der intellektuellen Analyse des Gehörten, ich kann meine Vorliebe für Spätbarock mit den hörbaren Strukturen und Elementen nicht einfach abschalten.
Es war trotzdem ein guter Abend, der zuhause mit einem guten "Primitivo"-Wein ausklingen durfte. Wie geht es Euch bei solch gegensätzlichen Erfahrungen? Animiert das zu weiterem Prüfen oder eher bei Gewohntem zu bleiben?
-
Da ich in der Nähe war, habe ich mir ein Konzert im Konzerthaus Blaibach gegönnt. Dieses kleine, architektonisch anziehende Betongebäude mitten in einem bayerischen Dorf, neben der Kirche ist eine der bewundernswerten Gönneraktivitäten, die uns heute hier wirklich fehlen. Man muss nicht Beton mögen, doch dieser Bau zieht an. Die ungewöhnliche Struktur, von Eingang, Garderobe, Toiletten, Zugang zum Konzertraum haschen nach Aufmerksamkeit. An diesem Abend war das Gebäude mal wieder voll. So voll, dass es nicht einmal eine Einlasskontrolle gab.
Die Akustik ist umwerfend. Klar, ohne Nachhall, aber nicht trocken, präsent und unheimlich die Instrumente auffächernd. Ein Geschenk. Als besonderes Geschenk gab es die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach in einer kammermusikalischen Fassung des polnisch-jüdische Komponisten Józef Koffler (1896-1944), der von den Nazis ermordert wurde.
Es spielte das Jewish Chamber Orchestra Munich (jcom.de) unter Daniel Grossmann. Ca. 20 Instrumentalisten, die in dem Stück teilweise Solistenparts übernahmen. Das Stück hat mich fasziniert. Mit geschlossenen Augen wurde ich durch die Jahrhunderte geführt. Mal klang ein Stück wie ein Brandenburgisches Konzert oder wie aus einem Cembalo-Konzert von Bach, dann wieder Impressionen al la Schönberg. Die Matthäuspassion klang an von der Verteilung der Instrumente her. Mal gab es kleine Besetzungen in den Wind-Instrumenten (Querflöte, Oboe, Englischhorn, Fagott), nur in den Streichern oder nur im Continuo. Obwohl auf neuen Instrumenten gespielt, entstand mal der Sound des Spätbarocks, mal der Romantik, mal wie aus einem Stück aus Beginn des 20. Jahrhundert. Total faszinierend, diesem mir unbekannten Werk zu lauschen. Bach hätte gelächelt.
-
... Sogar im Laufe des Lebens haben sich neue Eindrücke von der Komposition ergeben, die frühere ergänzten, gar überlagerten. Eine faszinierende Entwicklung individuellen Hörens! ...
Danke für diesen erneut wichtigen Fokus auf dem Hören im Hier und Jetzt. Das kann die beste Technik nicht erreichen, wenn die innere (Hör-) Haltung nicht stimmt. Ach ja, ein Kochrezept oder ein Thermomix ist ja nun bei Weitem nicht der Genuss des Essens selbst, oder? Auf denn, nicht den Apfel beschreiben, sondern reinbeißen


-
Die BM6 war auch mal bei mir zuhause, bis ich das ganze Equipment wegen Kindern leider verkaufen musste. Erst später bin ich mit dem Hören wieder eingestiegen, jetzt aber mehr auf den Inhalt konzentriert als auf "das perfekte Hörerlebnis". Nicht vergessen: das wahre Musikerlebnis findet im Gehirn statt, egal wie gut das von außen kommt

-
Danke für die Anregung, habe soeben mal wieder die Aufnahme mit Michael Schneider angehört, schon seit 10 Jahren im Bestand

-
In einem Konzert mit der Deutschen Philharmonie im darmstadtium, wo im Sommer immer junge Künstler eingeladen wurden, um einen ersten Geschmack für das Auftreten vor Publikum im großen Stil zu bekommen, gab es ein Konzert, in dem ein kleiner, 10-jähriger Junge mit Horn beteiligt war. Nach einem Stück, in dem besonders das Horn eingesetzt war (zusammen mit seinen professionellen Kollegen), wurde er vom Dirigenten ans Mikrophon gerufen und gefragt, wie er denn zu diesem schweren Instrument gekommen sei.
Die Antwort: "Meine Eltern wollten, dass ich ein Instrument lerne. Sie sind mit mir in das örtliche Musikgeschäft gegangen. Sie fragten mich, welches Instrument mich interessiere. Da habe ich auf das Brezel an der Wand gezeigt und sie haben es mir gekauft!"
Manchmal spielt das Leben halt besondere Stücke ...

-
In der Nacht habe ich noch ein anderes Stück mit Saxophon-Quartett gehört ...
funkyDie Spielfreude zieht unheimlich mit, ein Hör- und Augenschmaus! So müsste alle Musik mit Leidenschaft präsentiert werden. Es gibt Hoffnung ...

-
Es gibt immer wieder Dinge, die mehr Fragezeichen aufwerfen als Lösungen. Bei Recherchen zu dem Schriftsteller Ernst Pasqué, der über 60 Opernlibretti verfasst hat, stieß ich auf die Oper „Galilei“ von einem gewissen G. Dahlwitz.
Pasqué hat das Libretto dazu am 15.01.1874 beendet. Über diesen Komponisten ließ sich nichts finden. Die Oper aber wurde definitiv am 25.12.1875 in Coburg uraufgeführt, weitere Aufführungen sind für Weimar und Stuttgart nachweisbar.
Was steckt dahinter? Nach einigem Suchen verdichtet sich der Verdacht, dass der Komponist aus dem damaligen Hochadel kommt. Zwei Namen scheinen wahrscheinlich:
- Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha (1818-1893) oder
- Carl Alexander Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (1818-1901)
Hat jemand von den Taminos dazu nähere Informationen oder Belege? Würde mich freuen, das Dunkel zu lichten.

Gerne auch Info an forschung@ernst-pasque.de.
-
Eventuell dienen jemanden auch Archivinformationen aus älterer Zeit:
Ernst Pasqué: Musikalische Statistik des Grossherzoglichen Hoftheaters zu Darmstadt von 1810-1868.
-
Vor 40 Jahren hat mich das Pariser Saxophone Quartet fasziniert, die in Darmstadt in der Stadtkirche einmal Bach gespielt haben, eine vollkommen neue Hördimensionen. Die LP landete in Gestell:
-
-
Alles anzeigen
Lieber 'KarmaPemaDorje',
Es ist schön, wenn Du an Elisabeth Grümmer an ihrem Zweitwohnsitz in Alsbach erinnern möchtest. Sie war eine der besten ‚deutschen‘ Sängerinnen – gemeint ist das Stimmfach – und hat bis heute keine Nachfolgerin gefunden.
Von dem ‚Heft‘ Nr. 82 der Reihe „Stimmen, die um die Welt gingen… Elisabeth Grümmer“ (Herausgeber: Günter Walter, Altenberge / 230 Seiten DIN A4 / über 200 Fotos) habe ich selbst nur 1 Exemplar.
Wie Du im ‚Peter Anders-Thread‘ hier im Forum nachlesen kannst, bin ich nicht gut auf diese Publikation zu sprechen, da ich sie quasi im Alleingang und unter Zeitdruck erstellen musste. Mein Ärger beruht auf dem Umstand, dass Herr Walter – mittlerweile verstorben – mit dem von mir gewählten Format des (ihm per Fotokopie und zusätzlich per USB-Stick zugeschickten) Manuskripts nicht einverstanden war. Per Computer wäre das Format – es ging um den ‚Bruch‘ (Heftrand) – ohne weiteres zu ändern gewesen. Er hat aber das gesamte Manuskript (ca. 190 DIN A4 Seiten) von einem Studenten, der offensichtlich kein Musikkenner war, abtippen lassen – mit horrenden Schreibfehlern auf fast jeder Seite; obendrein wurden die meisten Fotos schlecht gedruckt, was ebenfalls durch ein Computer-Programm vermeidbar gewesen wäre.
Du kannst versuchen über den Vertrieb – Horst Blickensdorf, Weidenweg 35, 48153 Münster – ein Exemplar zu bekommen. Falls Dich nur die Biographie von Elisabeth Grümmer (50 DIN A4 Seiten) interessiert, könnte man darüber reden...
Carlo
Lieber Carlo,
vielen Dank für die prompte Reaktion. Mich interessieren vor allem Geschichten/Ereignisse aus ihrem Leben. Bilder hat es genug, auch Dank von Menschen hier in Alsbach, die sie noch kannten. Es wäre mehr als toll, wenn Du mir Deinen Text zur Verfügung stellen könntest, PDF vom Vortrag wäre dann ein kleiner Lohn zusammen mit einem Buch von mir.

-
Alles anzeigen
Lieber Heiko,
entschuldige bitte meinen ‚Ton‘ in meinem Beitrag Nr. 87. Aber wenn ich an das „Grümmer“-‘Heft’ in der Serie „Stimmen, die um die Welt gingen...“ erinnert werde, kommt in mir die Wut hoch.
Als es darum ging, zum 100. Geburtstag im März 2011 der Sängerin Elisabeth Grümmer einen Band in dieser Publikationsreihe zu widmen, lehnte das der Herausgeber Günter Walter mit einer nicht nachvollziehbaren Begründung ab. Der ursprünglich vorgesehene Autor – ich glaube, es war Herr Vieten – zog daraufhin seine Mitarbeit zurück; was er an Unterlagen hatte, entzieht sich meiner Kenntnis. Herr Vierrath bat mich im März 2011 einzuspringen und mir wurde auch eine Frist (Ende Mai 2011) gesetzt, innerhalb derer ich quasi bei Null anfangen musste. Ich schickte Herrn Walter die über 200 Fotos mitsamt dem Layout und mein Manuskript – immerhin fast 140 Seiten - per USB-Stick zu; eine direkte Druckvorlage war dadurch möglich. Er sagte mir dann irgendwann, dass der Rand für den ‚Bruch‘ (die Bindung) zu breit sei und er den gesamten Text von irgendjemand habe abtippen lassen. Ich war auf Grund früherer Hefte, an denen ich beteiligt war (Julius Patzak, Helge Rosvaenge, Marko Rothmüller, Rudolf Christ, Franz Fehringer und vor allem Rita Streich) und die auch nicht fehlerfrei waren, alarmiert und bat ihn, mir vorab ein Belegexemplar zu schicken, damit ich Korrektur lesen könnte, was er aber ablehnte, weil die Zeit drängte.
Als ich dann das fertige ‚Heft‘ in der Hand hielt, traf mich fast der Schlag: schlimme Schreibfehler nahezu auf jeder zweiten Seite und ein teilweise sehr schlechter Druck der Fotos! Da war es auch kein Trost, als Harald Kral von „Tamino“ – ich war damals noch kein Mitglied - mir erzählte, dass diese Ausgabe vor allem in Berlin sehr gut verkauft worden ist. So sind sowohl Du – Deine Unterlagen waren wohl für Herrn Vieten bestimmt - als auch ich ‚gelackmeiert‘ worden. Aber nach wie vor gebührt Günter Walter posthum der große Dank für die im Großen und Ganzen wertvolle Publikationsreihe, die zumindest in Deutschland einzigartig war.
Carlo
Alles anzeigenLieber Carlo,
ganz herzlichen Dank für Deine Rückmeldung! Ja, ich kann mich noch gut an die Entstehung des Elisabeth-Grümmer-Heftes erinnern und den Stress, den Jakob Vieten seinerzeit mit Günter Walter hatte. Leider ist es mir bis heute nicht gelungen, ein Heft zu "ergattern", aber ich bleibe am Ball und finde es sicherlich irgendwann einmal antiquarisch. Zu Günter Walter gebe ich Dir recht: Die Reihe "Stimmen, die um die Welt gingen" ist bis heute exemplarisch, und ich hole sie mir immer wieder hervor, wenn ich etwas suche. Für die Reihe habe ich die Beiträge über Ferdinand Frantz und Ernst Kozub geliefert. Zu letzterem gibt es ja inzwischen sehr viele Daten und Fakten - damals, vor etwa 20 Jahren, war auch eine Recherche im Internet nicht mal annähernd so möglich wie heute. Da galt es halt, die Archive aufzusuchen. Bei Frantz z. B. war ich tagelang in der Bayerischen Staatsbibliothek, im Rundfunk und auch im Archiv des Nationaltheaters! Gegenwärtig beende ich übrigens eine umfassende, fast 120 Seiten starke Biografie des Musikproduzenten Prof. Fritz Ganss (1898-1976) (Electrola, Eurodisc).
Also, in diesem Sinne herzlichen Gruß
Heiko
Lieber Heiko, lieber Carlo,
ich möchte im Herbst in Alsbach, wo Elisabeth Grümmer, ihr Haus hatte, einen Vortrag über sie machen. Leider kann ich das angesprochene Heft in der Serie „Stimmen, die um die Welt gingen...“ nicht ergattern. Könnt mir da (mit einer Kopie) Hilfe leisten? Das wäre super. Immerhin gibt es hier einen "Elisabeth-Grümmer-Steig"

-
Die Anlage des Großen Woogs (Woog bedeutet „Wasser, Teich") wird mit Landgraf Georg I. (1567-1596) in Verbindung gebracht, geht aber auf seinen älteren Bruder Ludwig IV. zurück. 1568 wird erstmals der Woogsdamm erwähnt. Der Große Woog diente als Fischteich, aber auch, um den gleichmäßigen Zufluss für die unterhalb stehenden Mühlen zu gewährleisten (Mühlbach). Zur Speisung des Großen Woogs wurde vom Stadtbach (später Darmbach) ein Abstich vorgenommen. Am Ufer des Großen Woogs lagen Bleichplätze zum Bleichen von Tuch. Im 17. Jahrhundert war der Teich Rahmen prunkvoller Hoffestlichkeiten. 1654 wurde dort ein Feuerwerk abgebrannt, und 1660 stellte man eine Seeschlacht nach. Das Baden blieb jedoch bis ins 18. Jahrhundert
verpönt.
Von der Ansicht sind heute nach der schrecklichen Bombennacht vom 11.09.1944 nur noch das Pädogog, die Stadtkirche, der weiße Turm, der Hinkelsturm sowie das Schloss (alle wiederaufgebaut) erkennbar, alles andere ging in den Flammen unter. Graupner lebte damals in einer Kleinstadt (< 2.000 Einwohner).
-
Mein nächstgelegener Musentempel ist das Staatstheater Darmstadt. Der Neubau aus den 70-igern ist funktional, leicht erreichbar, Gute Sicht, leichte Atmosphäre, kurze Wege, hat Parkplätze, Straßenbahn und Innenstadtanschluss. Die Akustik ist auf den mittleren Plätzen, auch oben im Rang gut.
à Außenaufnahme Staatstheater Darmstadt
Leider ist durch Kriegszerstörung das alte Hoftheater in den 80iger Jahren zum Staatsarchiv umgebaut worden, das Video zeigt eine Simulation aus dem 19. Jahrhundert. Sehr sehenswert.
à Video: Vom Hoftheater zum Haus der Geschichte
Damals war Darmstadt in Deutschland noch „top“. Dirigenten wie Felix von Weingartner, Karl Böhm und Hans Schmidt-Isserstedt wirkten hier. Der Standort Darmstadt und Umgebung ist fast so gut wie der Ruhrpott. In erreichbarer Distanz sind: Mainz, Wiesbaden, Frankfurt, Heidelberg, Schwetzingen, Mannheim, Karlsruhe, Würzburg, ...
Als ich nach Darmstadt kam, war damals Prof. Kurt Horres Intendant mit fantastischen Angeboten. Dann ging es, nach meinem Gefühl, eher ab ins Provinzielle. Jedoch gibt es immer wieder auch kleine Glückmomente und Erstaunliches. Wie einen Monteverdi mit Orchester, Sängern und Zuschauern auf der Hauptbühne, bunt gemischt. Eine wundervolle Möglichkeit, einmal Teil einer Inszenierung zu sein!
-
-
Lieber Tristan,
Reine Gebrauchsmusik für einen Sonntag, danach oftmals Archiv-, manchmal auch Wegwerfware.
Das mag sein, so war ja meist der Auftrag (der Dienstherren). Warum das allerdings bei Bach bei Dir anders klingt, erschließt sich mir nicht. Wir heute hören ein paar Takte von Bach und können es ihm zuordnen, andere Stücke anderer Komponisten klingen erst einmal ferner. Aber darum gleich pauschal abwerten? Jenseits von musikwissenschaftlichen Bewertungen zählt für mich nur, ob sie mich berühren. Und da lassen sich immer wieder kleine Preziosen finden. Hier die Liste aller von Graupner aktuell vollständigen, lieferbaren CDs einschließlich Links zu Rezensionen:
Eventuell sollten wir auch mal die Entstehungsumstände berücksichtigen: jede Woche eine, manchmal zwei Kantaten "abliefern" zu müssen ist eine andere Herangehensweise, als sich Jahre um eine Sinfonie zu kümmern, oder? Und immer zählt nur: berührt mich das, freue ich mich darüber.
Eine gute Weihnachtszeit auch ohne das Weihnachtsoratorium von Bach

-
-
-
Gestern gab es im Staatstheater Darmstadt die Sinfonie Nr. 8 von Gustav Mahler. Seit fast 50 Jahren wollte ich dies einmal live hören. Jetzt war es so weit. Der wahnsinnige Aufwand für die Sinfonie zeigte sich optisch bereits in dem Augenblick, als der Vorhang aufging: die komplette Bühne samt Tiefe war besetzt mit Musikern und Chören (Details siehe unten).
Ausführende waren in erster Linie die Deutsche Philharmonie Merck. Merck, als Darmstädter Weltunternehmen, steht dahinter und finanziert Orchester und Events. Zudem war es das Abschiedskonzert des Dirigenten Ben Parmer.
Auf Schallplatte habe ich die Sinfonie unter Rafael Kubelik und de Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kennen- und liebengelernt. Damit war der Qualitätsmaßstab hoch gesetzt. Der erste Teil der Sinfonie war dann auch ein eher Zurechthören mit dem gespeicherten Erfahrungen. Zum Ende hin gab es aber keine Schranken mehr. Körperbewegungen, Mitsingen und Laufenlassen der Tränen wurden durch diese Musik einfach so induziert, welch ein Glücksgefühl! "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan".
Der noch ältere Mann neben mir konnte die Tränen auch nicht unterdrücken und meinte: "Ja, noch einmal werde ich das wohl nicht erleben können!" Es gibt wenig Sternstunden unter diesem Firmament, dies war eine davon - unabhängig davon, dass man die Ausführung auch kritisieren könnte. Hier die Besetzung:
Nina Bennet, Sopran | Jihyun Cecilia Lee, Sopran | Elvire Beekhuizen, Sopran | Stefanie Schaefer, Alt | Franziska Rabl, Alt | Marco Jentzsch, Tenor | Frederic Mörth, Bariton | Taras Konoshchenko, Bass
Darmstädter Kantorei | Frankfurter Kantorei | Frankfurter Singakademie | Cäcilienchor Frankfurt | Figuralchor Frankfurt | NEO Chorakademie | Kinder- und Jugendchor des Staatstheaters Darmstadt | Darmstädter Singschule
Ben Palmer, Dirigent
Heute Abend, 15.9.2024, 18.00 Uhr gibt es eine Wiederholung in Darmstadt.
-
Ich kann ja auch im Restaurant die Einnahme des Gerichts unterbrechen und bin nicht gezwungen, wie wir als Kinder, den Teller leer zu essen.
Das kommt mir auch in den Sinn. In erster Linie ist man doch für das eigene Wohl verantwortlich. Bekenne mich, auch schon Konzerte oder Opern nach der Pause verlassen zu haben, weil "es nicht mehr schmeckte". Ob nun schlechte Regie, katastrophale Interpreten oder eigenes Unwohlsein: solange es niemanden stört = nur in der Pause weg, finde ich es okay. Und unser Verhalten ist ja auch nur kulturell entstanden. Das Kommen und Gehen während der Opernaufführungen von Händel in London wollen wir uns gar nicht vorstellen.
Und Respekt gegenüber den Komponisten kann man auf verschiedene Art und Weise ausdrücken. Wenn sie wissen würden, was manchmal mit ihren Werken geschieht, würden sie bestimmt mit uns die unselige Stätte verlassen und wir könnten bei einem Bier oder Wein mit ihnen fachsimpeln

-
Das ist genau auch das, was ich gerade brauche. Myslivecek habe ich schonmehrfach gehört, vor allem seine Sinfonien mit Matthias Bamert. Eintauchen in eine alte, irgendwie bekannt Welt. Danke ... gleich bestellt

-
Das ist wirklich eine Leistung! Als (ehemaliger) IT-Fachmann, der viel auch in Social Media unterwegs war (aktiv als Betreiber), weiß ich um den Aufwand, die Katastrophen und den stetigen Zwang, sich neuen Trends, "Verbesserungen" und Meinungen anpassen zu müssen. Also explizit: Danke!
Und: weiter so, bis die Maus den Geist aufgibt

-
Ich kenne Wolfgang Seeliger persönlich (Vorstandsmitglied bei der Christoph-Graupner-Gesellschaft) und weiß genau, wie ihn das trifft. Er hat in den letzten 40 Jahren viel für das Darmstädter Musikleben getan, erinnert an alte Zeiten und immer wieder neuen Schwung in die Szene gebracht. Ob Graupner, Briegel, Mangold, Endler, Vogler, Mendelssohn, ... Er gräbt immer wieder Altes aus und weiß auch Neues (z.B. "Mass" von Leonard Bernstein) publikumsgerecht zu präsentieren.
Schade, Darmstadt bleibt Provinz

-
... Der gebürtige Hasper 'musikwanderer' wohnte früher in der Frankstraße, später in der Kölner Straße in Hagen-Haspe und ist heute, immerhin seit 52 Jahren, in Mülheim an der Ruhr zu Hause....
Das nenne ich einmal einen Zufallstreffer! Komme auch aus Hagen-Haspe, Hestertstr. Bin aber seit 1975 entflogen, jetzt an der schönen Bergstraße (strada montana). Wie klein manchmal die Welt doch ist. Und ja: Bertold Lehmann ist übel zugespielt worden. Lesenswert seine (Auto-) Biografie, vollendet von seinem Sohn:
Lehmann, Bertold: Musikwärts auf vielerlei Wegen.
Verlag Achim Freudenstein, Edermünde, 2009, 207 Seiten, ISBN 978-3-932435-44-7.Sehr interessant seine Verbindungen zu Karajan und Furtwängler, ebenso wie seine Vorstellung als GMD für die Berliner Philharmoniker. Dann das Verbleiben in der Provinz mit viel Förderung Neuer Musik. U.a. mit dem Auftragswerk für
Witold Lutoslawski (1913-1994): "Livre Pour Orchestre".
-
...
Als ich dann erstmal einen Dirigenten leibhaftig in "Action" sehen konnte, war es für den Knirps aufregend genug, der Name völlig nebensächlich. Aber der kleine, ruhige Mann tauchte bei Konzerten (auf der Bühne des Theaters) oder auch im Orchestergraben (bei Opernvorstellungen) immer wieder auf und prägte sich dann doch ein: Berthold Lehmann - damals der GMD meiner Heimatstadt Hagen (Westfalen).
...
Beim vielen Stöbern in den Tiefen von Tamino fand ich dies und fühlte mich gleich zuhause. Berthold Lehmann war am Gymnasium in Hagen-Haspe für zwei Jahre mein Musiklehrer. Von ihm wurde ich entflammt. Bruckner oder Brahms-LPs lieh er mir ohne zu zögern aus, später habe ich Zuhause besucht: Wohnzimmer mit Flügel, 2 Stühlen und die ganzen Wände voll mit Schallplatten, ein Traum. Habe später mit seinem Sohn kommuniziert für mein Buch.
Liebe Grüße an den "musikwanderer", der jetzt wo wohnt? -
-
Ich stimme Tristan2511 insofern zu, dass aktuell nicht alles verfügbar ist. Wenn man sich aber in den letzten 30 Jahren die Einspielungen anschaut, dann kann man im Antiquariat und anderen Quellen (nett das mit dem musikalischen Mentor) fündig werden.
Wovon ich noch keine Gesamtaufnahme habe ist: Muzia Scevola HWV 13 und bei Il pastor fido fehlen HWV 8b und 8c fehlen, HWV 8a ist vorhanden. Über Qualität zu reden ist dann noch etwas anderes, aber zum Kennenlernen tut es manchmal auch eine alte Aufnahme, die man heute so nicht mehr erstellen würde.
Ich lass mich von Händel z.B. dadurch immer wieder begeistern, dass ich von den existierenden Aufnahmen mir die schönsten/besten/beeindruckensten Arien als Playlist zusammengestellt habe, als 1.000-, 500- und 100-Liste. Selbst letzte impliziert bereits über 12 Stunden, die 1.000-Liste über 3 Tage. Mit Zufallsauswahl ist das dann immer wieder ein neu erstauntes Schwelgen in Händelschen Ergüssen.

