Beiträge von Provence

    Ich finde es wird viel zu viel auf die „korrekte“ Ausdrucksweise hingewiesen und nicht nur von den Moderatoren. Teilweise wird es auch gemacht um von der eigentlichen Aussage des Beitrags wegzulenken. Klare ausdrucke, auch wenn die etwas härter ausfallen, verdeutlichen die Meinung des Autors und der Sarkasmus schmückt den Text. Es wäre wichtiger auf direkte Beleidigungen zu verzichten oder diese zu unterbinden.


    Wenn ein gewisses Thema nicht oder nicht mehr dem Profil des Forums entspricht, jedoch gerne weiter besprochen wird, könnte man diese doch in den internen Bereich verschieben, nicht war?

    Lieber Tristan2511, ich stimme Dir zu, dass man den Sarkasmus ein wenig zügeln soll. Du Muss allerdings zugegeben, dass beide Seiten ziemlich starke Aussagen treffen. Ich habe auch einige male das Publikum oder die traditionell-inszenierten Regisseure verteidigen müssen.

    Was Konwitschny angeht… löst er nicht bewusst heftige Polemik aus? Schreibt man über seine Inszenierungen nicht in von ihm selbst definierten provokativen Stil?
    Ich muss noch mal an die Empfehlung meines Literaturprofessors denken: schreiben sie über das Werk, das sie gemocht haben. So werden sie weniger emotional sein und sachlich analysieren können. Dein schöner Bericht über „Lohengrin“ isr ein gutes Beispiel dafür.

    Witzig! Es kommt warhscheinlich sonst nie vor, dass zwei Mitglieder gleichzeitig diese seltene Oper hören ^^

    Das passierte mir tatsächlich auch! Ich wollte posten, was ich höre und sah, dass Fiesco die gleiche CD hörte! Ein schönes Gefühl!


    Im Momente höre ich everybody’s darling



    Johann Sebastian Bach

    Matthäus Passion BWV 244



    Julian Pregardien, Sabine Devieilhe, Lucile Richardot, Reinoud van Mechelen, Stephane Degout, Hana Blazikova, Tim Mead, Maitrise de Radio France, Pygmalion, Raphael Pichon

    Grund: "Traditionell" zu inszenieren heißt, man macht eine leicht variierte Kopie von bereits bekannten Inszenierungen. Das schüttelt ein erfahrener Regisseur aus dem Ärmel. Modern bzw. zeitgemäß zu inszenieren erfordert wesentlich mehr Aufwand. Daher geht es auch öfter mal schief.

    Du hast gerade mehreren Generationen von Künstlern für nichts erklärt. So ganz ideenlos waren die Regisseure nie, selbst wenn Werke einer anderen Epoche uns einander ähnlich zu sein scheinen. So, wie die Musikstücke eines Stills, den man nicht hört „alle gleich klingen“.

    RT-Künstler bedienen sich auch gerne Ideen aus anderen Inszenierungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mehrere Regisseure völlig unabhängig von einander und nur durch den Werk (verschiedene Werke wohl gemerkt) inspiriert auf die Idee kamen eine Badewanne, oder Zigarette auf die Bühne zu bringen? Die haben mehr Freiheit, und es kommt trotzdem zu Wiederholungen. Ich glaube, wir reden in diesem Fall nicht über einen oder anderen Still oder Prinzip der Regie, sondern über Trends, die solange die gut ankommen und sich gut verkaufen, ausgeschöpft werden.
    Jedenfalls ist alles bei weitem nicht so schwarz-weiss, wie Du es darstellst.

    Das hat mich neugierig gemacht. Eine CD habe ich nicht gefunden, dafür mit Bild und Ton auf YouTube. Ohne Untertitel, doch die Handlung ist nicht unbekannt :) Du hast schon recht - ein wenig Godunov hört man raus. Fand ich trotzdem sehr hörenswert!



    Ich mische mich einmal kurz ein, auch wenn ich sonst wenig zum Thema beitragen kann. Und sage zu dieser Aussage erst einmal nein. Warum? Die Musik entfaltet Wirkung, die Inszenierung tut es. Beides ist vom Zuhörer resp. Zuschauer abhängig. Bei der Musik: gefällt sie überhaupt, wenn ja, was ist mit Orchester, Tempi, Sängern, Stimmfarben. Da kommt schon einiges an Faktoren zusammen (und mann kann es hier weidlich nachlesen, wie bereits kleine Verschiebungen des Erwartungshorizontes den Musikgenuss insgesamt stören können. Aber nehmen wir an, daß alles perfekt sei. Dann kommt die nächster Erwartung, nämlich die an die Inszenierung. Wird da die persönliche Erwartung enttäuscht wird das den Musikgenuss überlagern. Die Musik ändert sich nicht, nur Deine Wahrnehmung. Ebenso kann ich die These formulieren, daß eine auf mich stimmige Inszenierung die Wirkung der Musik verstärken kann. Allerdings: das, was für mich stimmig ist, muss es nicht zwingend für Dich sein.


    Liebe Grüße vom Thomas :hello:

    Du trennst die Wirkung von der Musik und von der Inszenierung. Ich kann das nicht. In der Oper treffen sich drei Kunstformen oder gar vier, denn das Bühnenbild gehört definitiv dazu. Das, was ich meinte hat nichts mit dem persönlichen Geschmack zu tun. Wenn ich meine Lieblingsoper von eine CD höre und gleichzeitig meinen Lieblingsfilm oder eine andere Oper im Fernsehen ohne Ton schaue, wird der Eindruck nicht so stark sein, wie es sonst sein konnte. So fühle ich mich bei den schlecht oder gar nicht angestimmten Inszenierungen.

    Man muss bemerken, dass Regisseur, der nicht den Vorschriften vom Libretto folgt, gehet eine sehr große Herausforderung an. Man konnte seine Arbeit mit der Arbeit eines Synchronsprechers vergleichen, die den gleichen Schauspieler-Talent fordert und sehr strengen Einschränkungen hat. Schafft man als Regisseur alles in den Einklang zu bringen, kann eine sehr wirkungsvolles Werk entstehen. Ignoriert er diese Problematik, sind seltsamamüsante Situationen praktisch unvermeidbar.

    Aber bei Attlia und anderen hier genannten Opern sehe ich das nicht so, die Musik wird ja nicht angetastet.

    Musik in der Oper ist das bedeutendste Ausdrucksmittel, das mit dem Text und der Handlung korrespondiert oder korrespondieren soll. Selbst, wenn die Musik nicht angetastet wird, kann diese, von dem Text und der Regie nicht unterstützt, nicht die maximale Wirkung erzeugen. Im Gegensatz, die eventuelle Dissonanz zwischen der Musik und der Regie führt zu der Minderung diese Wirkung und stellt enorme Hürden dem Darsteller, der gleichzeitig verschiedene Emotionen musikalisch und schauspielerisch rüberbringen soll. Das hört man immer wieder in den Interviews mit den Sängern.

    Frisch erschienen



    Veronique Gens

    „Reines“


    Veronique Gens, Ensemble Les Surprises, Louis-Noel Bestion de Camboulas










    Antoine Dauvergne: Tremblement de Terre aus "Polyxene"; Marche Funebre & Dieu, Grand Dieu, Sois Sensible aus "Hercule Mourant"; Sombre Deesse du Silence aus "Canente"

    Jean-Philippe Rameau: Quelle Plainte en ces Lieux M'Appelle aus "Hippolyte et Aricie"; Air Tendre & AirTres Vif aus "Dardanus"; Amour, Cruel Amour aus "Zoroastre"; Menuett aus "Acanthe et Cephise"

    Francois Francoeur: Scanderberg-Ouvertüre

    Joseph-Francois Salomon: Prete a Porter d'Horribles Coups aus "Medee et Jason"

    Henry Desmarest: 4 Arien (Ah! Ne Puis-Je Savoir; Ou S'Egarent Mes Pas; Dans Notre Empire; Tremble, Armide) aus "Renaud, ou la Suite d'Armide"

    Andre Cardinal Destouches: Premier & Deuxieme Air pour les Sacrificateurs aus "Callirhoe"

    Joseph-Nicolas-Pancrace Royer: Tyrans des Coeurs aus "Zaide, Reine de Grenade"

    Joseph Valette de Montigny: Choeur du Sommeil

    Jean-Baptiste Stuck: Quel Charme me Retient & Gouffres qui Conduisez aus "Meleagre"

    Michel Pignolet de Monteclair: Rigaudons & Canarie aus "Jephte

    Guten Morgen! Hier wird eine Neuerscheinung gestreamt (vorerst)




    Georg Philipp Telemann

    Sieg der Schönheit




    Anna Willerding, Sunhae Im, Terry Wey, Emilie Renard, Dietrich Henschel, Johannes Stermann, Lydia Teuscher, Akademie für Alte Musik Berlin, Michael Hofstetter

    denn: wer tut das? Hier jedenfalls niemand.

    Das Thema, ob der Regisseur oder das Publikum an der misslungenen Kommunikation „schuldig“ ist, wird hier in mehreren Beiträgen diskutiert. Ich habe nicht gedacht, dass man nicht verstehen wird, worauf ich mich beziehe und schon gar nicht, dass das Zitat von Boileau oder meine Ausdrucksweise für Zuspitzung sorgen kann. Hier sind konkrete Zitaten:

    Es ist recht wahrscheinlich, dass wir als "herkömmliches" Publikum ohne spezifische Expertise die Stücke weitaus weniger genau kennen als ein versierter Regisseur, der/die sein/ihr Handwerk versteht. Wenn man im Theater sitzend nicht nachvollziehen kann, was ein Regisseur mit einem bestimmten Einfall wollte, so muss dies auch nicht unbedingt am Regisseur oder am Einfall liegen, sondern vielleicht liegt es auch an einem selbst. ;)


    LG :hello:


    Auch ein Kritiker, der sich meistens etwas besser auskennt als der normale Gebrauchshörer, ist am Ende nur Rezipient, der aufgrund seiner Berufswahl aber gezwungen ist, alles irgendwie zu beurteilen und in irgendwelche beschrifteten Schachteln zu stecken.

    Aber auch hier gilt sehr wahrscheinlich, dass der Künstler sich selbst am intensivsten mit Text und Partitur beschäftigt hat und am Ende dann auch dafür in der Verantwortung steht.

    Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Die Kritik, die ich dämlich fand ist mit Renate Wagner unterzeichnet.


    https://onlinemerker.com/wien-theater-an-der-wien-attila/


    Der Beitrag von Eleonore Brüning ist in der FAZ, die mich schon deswegen ärgert, weil sie eine Werbungsbestätigung einholt für einen Text, der dann trotz positiver Bestätigung nicht gezeigt wird.

    Renate Wagner ist auch eine promovierte Theaterwissenschaftlerin und Kulturjournalistin.


    https://de.wikipedia.org/wiki/…(Theaterwissenschaftlerin)


    Ich zwar nachvollziehen, dass der Ton von diesem Artikel die RT-Befürworter ärgert, ich sehe in dem jedoch kein Mangel an den gebrachten Argumenten oder Kenntnissen der Autorin.

    Es gibt leider noch die semantische Ebene. Verdi hat Musik zu einer Tragödie geschrieben, nicht für eine Komödie. Und das passt dann nicht mehr zusammen. Die Inszenierung parodiert deshalb eben auch die sehr pathetische Musik. Und da kommt dann wieder die Frage auf: Muss das sein? Ist das überzeugend?

    Sehe ich genauso! Bei einer so starken, grundlegenden Umgestaltung des Stoffes sollte zumindest das Orchester „mitspielen“ und das Pathos in der Musik parodieren. Die Frage lautet, wären dann die Säle auch bis zum letzten Platz gefüllt gewesen? Hmm…


    Bessere Lösung wäre tatsächlich eine neue Oper zu komponieren. Man kann nur glücklich sein, dass die Geschichte des Orpheus so oft vertont wurde oder auch die von Romeo und Julia.

    Das ist ja gerade das Problem. Sollte es hier wichtige Informationen zu dem Gegenstand für das ästhetische Erleben geben, sind die durch die Inszenierung darzustellen und nicht durch vorangegangene Lektüre.

    Verstehe. Ich höre trotzdem ein Interview mit dem Regisseuren gerne, allerdings erst nach der Vorstellung, um meine eigene Eindrücke nicht zu beeinflussen.
    Apropos, eigene Eindrücke. Ich treibe das Thema hiermit weiter ins Abstrakte. Wie viel Freiheit habe ich als Rezipient, das gesehene zu interpretieren? Darf ich die eigentliche Idee des Regisseurs nicht verstehen und meine Sichtweise anbieten? Nur ein Gedanke…

    Die Kommunikation zwischen Künstler und Rezipient findet nicht über das Abrufen von Kenntnissen statt, sondern über das ästhetische Erleben..

    Aber natürlich spielen die Kenntnisse in vielen Fällen eine Rolle! Weiß zum Beispiel jemand nicht, was ein bestimmter Gegenstand ist, wird er auch die Symbolik von diesem nicht verstehen. Wodurch im Endeffekt auch das ästhetische Erlebnis nicht zu Stande kommt.

    Und außerdem, wie soll ein Konzept, das nur dem hochintellektuellen, hoch-ästhetischen und hoch-entwickelten Publikum zugänglich ist, junge Leute oder sagen wir lieber „breites Publikum“ wir in die Oper anlocken? (Das wird oft als Ziel genannt, darum die Frage. Ich befürworte das nicht unbedingt)

    Ich möchte gerne an diese Stelle allen, die einem Regisseur eine Unfehlbarkeit zuschreiben, ein Zitat von Nicolas Boileau anbieten. Das stamm aus dem ersten Gesang des „L‘art poetique“, in dem allgemeine Prinzipien für die Dichter formuliert sind.


    „Was man gut begreift, lässt deutlich ausdrücken,

    gar schnell die rechten Worte in den Sinn dir rücken.“


    Nicolas Boileau-Despréaux „L’art poétique“


    Wie thdeck oben sehr gut erklärte, der Künstler kommuniziert mit dem Publikum. Ob der Rezipient das gesagte versteht, hängt, natürlich, von seinen Kenntnissen ab, aber auch von Kenntnissen des Künstlers und davon wie er seine Ideen auszudrücken schafft. In anderen Worten: misslingt diese Kommunikation, kann es durchaus sein, dass nicht das Publikum dumm ist, sondern der Kaiser nackt. Denn wer klar denkt, schafft sich auch klar auszudrücken.

    P.S. Ich hätte mir ein Gespräch über Decameron zugetraut ;)

    Ja, genau! Orlinski ist ein sehr guter Darsteller, was er auch in diesem Film beweist. Wäre Musikvideo nicht ein passender Begriff hierfür? Das Video erinnerte mich sehr stark an die Musikvideos der … 90er Jahre, die in der Zeit sich zu einer eigenständigen Kunstform entwickelt haben.

    Liebe Taminos, diese Neuerscheinung von H. Christophers und The Sixteen könnte den Einen oder Anderen im Thread interessieren. Bitte sehr mir nach, wenn ich wegen den aktuellen Ereignissen am Golf/Emiraten/Dubai nicht so oft online bin. Aber keine Sorge - das Leben ist mehr oder weniger normal. Die Luftabwehr der VAE funktioniert mehr oder weniger tadellos. Allerdings - so befürchte ich - war das noch nicht alles.


    Lieber Jakobus, man kann nur hoffen, dass die Situation sich bald beruhigt. Hier hat vor Kurzem ein Meteorit für die Aufregung gesorgt. Doch außer einem Loch in einer Hauswand und den dutzenden Schlagzeilen hat er keine weitere Spuren hinterlassen.

    Es wird so oft behauptet, dass der Begriff RT oder RT selbst eigentlich nicht existiert, weil dieser Begriff unterschiedlich verwendet wird. Das zu behaupten ist grundlegend falsch. Was wir beobachten ist ein ganz normaler Prozess der Entstehung eines Neologismus. Als erstes entsteht der bedarf etwas zu benennen, man nimmt oder kreiert ein Wort oder eine Wendung, die am Anfang noch keine genaue Definition hat und unterschiedlich verwendet werden kann. Erst mit der Zeit und nach dem Eintrag in die Wörterbücher wird die Bedeutung genau.


    Und so entstanden unsere Sprachen…

    Meine CD-Sammlung neu zu arrangieren. Bis jetzt herrschte hier das Prinzip „ich weiß, wo was steht“, doch das funktioniert mit der zunehmenden Anzahl an an CDs nicht mehr optimal.

    Ich möchte auch mehr Aufmerksamkeit dem Genre „Lied“ schenken.
    Eine persönliche Wiederentdeckung ist dieses Jahr Benjamin Britten gewesen. Mit seinen Werken mich zu beschäftigen steht auch fest auf dem Plan.