Beiträge von Provence

    Die Frage, ob Ravel den Rhythmus aus der literarischen Quelle übernommen haben könnte, habe ich mir auch gestellt. Aloyisius Bertrands Buch ist bekanntlich als Prosagedicht verfasst worden und dort ist kein eindeutiges Anapäst zu erwarten, und nichtsdestotrotz…

    Die Prosagedichte sind zwar per Definition nicht klassisch gereimt und haben keine Metrik, weisen jedoch eine ausgeprägte Prosodik auf, die man durchaus unter die Lupe nehmen könnte, um Ravels Komposition zu analysieren. Mir stehen im Moment nur kurze Ausschnitte des Textes zu Verfügung, die ich in der unerschöpflichen Quelle namens Internet finden konnte. Was mir selbst in so kurzen Ausschnitten sofort auffällt, ist eine ungleichmäßige, wellenartige Rhytmik. Wir sehen hier, wie in einem prosaischen, nicht gebundenen Text melodische Stellen immer wieder zum Vorschein kommen. So beginnt der folgende Satz ohne erkennbare Prosodik und wirkt in den Nebensätzen, die „damit“ bzw. „pour“ beginnen wie ein antiker Gesang mit einem durchaus erkennbaren Metrum.


    „Sa chanson murmurée, elle me supplia de recevoir son anneau à mon doigt, pour être l’époux d’une Ondine, et de visiter avec elle son palais, pour être le roi des lacs.„

    „Nachdem sie ihr Lied gemurmelt hatte, beschwor sie mich, ihren Ring auf meinem Finger zu empfangen, damit ich der Gatte einer Ondine werde, und zusammen mit ihr ihren Palast zu besuchen, damit ich zum König der Seen werde.„


    Diese kleine melodische Abschnitte deuten den Beginn von einem Gedicht an, entfalten sich jedoch nicht zu einem. So, als ob eine Melodie aus der weiten Ferne hörbar wird und wieder verschwindet, wobei eine andere konstant präsent bleibt. Und ist das nicht genau das, was wir in Ravels „Gaspard de la nuit“ hören? Einerseits fast monoton klingendes, sprudelndes Wasser in „Ondine“ oder die Glocke in „Le Gibet“, die sowohl einen Kontrast zu den Themen von Ondine, des Mannes etc. bilden, als auch mit diesen Themen verschmelzen und die Erzählung vervollständigen.


    Hier ist ein etwas längerer Ausschnitt des Textes und auch ein Link zu eine sehr ausführlichen Analyse von „Gaspard de la nuit“ aus dem Buch „Ravels Klaviermusik“ von Siglind Bruhn, die man auf „Edition Gorz“ lesen kann. (Der Text und die Überzeugung sind auch aus diesem Buch genommen worden.) Die Autorin untersucht auch das literarische Werk, allerdings vor allem inhaltlich. Und — es tut mir leid das wieder hoch zu bringen — unterteilt „Ondine“ in 3-3-2…


    http://edition-gorz.de/Ravel-1.html


    — « Écoute ! — Écoute ! — C’est moi, c’est Ondine qui frôle de ces gouttes d’eau les losanges sonores de ta fenêtre illuminée par les mornes rayons de la lune ; et voici, en robe de moire, la dame châtelaine qui contemple à son balcon la belle nuit étoilée et le beau lac endormi.


    » Chaque flot est un ondin qui nage dans le courant, chaque courant est un sentier qui serpente vers mon palais, et mon palais est bâti fluide, au fond du lac, dans le triangle du feu, de la terre et de l’air.


    » Écoute ! — Écoute ! — Mon père bat l’eau coassante d’une branche d’aulne verte, et mes sœurs caressent de leurs bras d’écume les fraîches îles d’herbes, de nénuphars et de glaïeuls, ou se moquent du saule caduc et barbu qui pêche à la ligne. »


    *

    Sa chanson murmurée, elle me supplia de recevoir son anneau à mon doigt, pour être l’époux d’une Ondine, et de visiter avec elle son palais, pour être le roi des lacs.

    Et comme je lui répondais que j’aimais une mortelle, boudeuse et dépitée, elle pleura quelques larmes, poussa un éclat de rire, et s’évanouit en giboulées qui ruisselèrent blanches le long de mes vitraux bleus.

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    “Hör nur! – Hör nur! – Ich bin’s, Ondine, die mit diesen Wassertropfen über die wohlklingenden Rauten deines Fensters perlt, erhellt vom matten Strahlen des Mondes; und da steht im Moirégewand die Schlossherrin auf ihrem Balkon und betrachtet die bestirnte Nacht und den schönen schlafenden See.


    Jede Welle ist ein “Wellenkind”, das in der Strömung schwimmt, jede Strömung ist ein Pfad, der sich zu meinem Palast schlängelt, und mein Palast ist flüssig gebaut, am Grunde des Sees, im Dreieck von Feuer, Erde, und Luft.


    Hör nur! – Hör nur! – Mein Vater schlägt das quäkende Wasser mit einem grünen Erlenast, und meine Schwestern liebkosen mit ihren Schaumarmen die frischen Inseln aus Gras, Seerosen und Iris oder spotten über den ge- brechlichen, zottigen Weidenbaum, der mit einer Rute zu angeln scheint.”

    *

    Nachdem sie ihr Lied gemurmelt hatte, beschwor sie mich, ihren Ring auf meinem Finger zu empfangen, damit ich der Gatte einer Ondine werde, und zusammen mit ihr ihren Palast zu besuchen, damit ich zum König der Seen werde.

    Und da ich ihr antwortete, dass ich eine Sterbliche liebe, weinte sie ein paar Tränen, schmollend und verdrossen, brach dann in Lachen aus und zer- floss in den Regenschauern, die weiß über meine blauen Scheiben rannen.

    Diese Walpurgisnacht habe ich mir gestern organisiert (habe nur keine Möglichkeit gehabt das alles zu posten) und heute mit sehr großen Interesse die Diskussion zur Gaspard de la Nuit verfolgt! Chamayou wird übrigens dieses Stück im Juni bei Klavier Festival Ruhr spielen. Ich bin gespannt!
    Ich spiele eine meiner neuen CDs ab


    Alexande Tharaud, Sabine Devieilhe, Justin Taylor

    Versailles


    Werke von Rameau, Roques, Visee, Royer, Lully…



    Lieber moderato, vielen Dank für den Tipp. Ich werde den Film auf jeden Fall schauen!

    Eine wunderschöne Aufnahme. Das Cover dieser CD ist allerdings für mich ein Rätsel - soll die zum Film „Der Pater“ stilisiert sein? Nun gut…


    Max Bruch

    Violinkonzert Nr. 1

    G-minor


    Felix Mendelssohn Bartholdy

    Violinkonzert E-minor

    op. 64


    Maxim Vengerov, Gewandhausorchester Leipzig, Kurt Masur

    Lieber moderato, Gustav Klimt ist natürlich richtig! Auf diesem Gemälde ist jeder Strich eine Signatur, nicht war? Ich habe mich gefragt, ob es auch eine CD mit „Gaspard de la nuit“ mit Klimts Ondinen auf dem Cover gibt? Die flüchtige Recherche hat allerdings nichts ergeben…

    Ich kann zu dem im Jahr 1905 erstandenen Werk - „Rosenbüsche unter Bäumen“ nur noch zufügen, dass dieses Gemälde sich in Paris im Musée d‘Orsay befindet und demnächst zu der Familie, die das im Jahr 1938 zwangsverkaufen musste, zurück kehren soll.
    Und ich gebe die Ehre das neue Rätsel zu stellen an Dich zurück!


    Gustav_Klimt_-_Rosebushes_under_the_Trees_-_Google_Art_Project.jpg

    Auf diese CD befindet sich unter anderem die Einspielung von Ravels G-Dur, das speziell für Marguerite Long komponiert wurde.


    Marguerite Long Vol. 2


    Frederic Chopin: Klavierkonzert Nr. 2; Fantasie op. 49; Impromptu Nr. 4; Mazurka Nr. 38; Walzer Nr. 8 & 13; Barcarolle op. 60; Berceuse op. 57; Scherzo Nr. 2
    Maurice Ravel: Klavierkonzert G-Dur (2 Einspielungen: 1932, dirigiert von Pedro de Freitas Branco und 1952, dirigiert von Georges Tzipine)
    Claude Debussy: Arabesken nr. 1 & 2; Jardins sous la pluie; La plus que lente
    Darius Milhaud: Klavierkonzert Nr. 1; Paysandu; Alfama

    jaja, der Duchable hat Anfang der 2000-er Jahre ziemlich spektakulär Schluss gemacht mit dem Konzertbetrieb, aber die beiden Aufnahmen und eine von Brahms' Paganini variationen besitze ich auch ...

    Die Geschichte mit Klavier - Versenken? (Ich habe gerade über ihn hier im Forum gelesen). Am Klavier war er bei weitem nicht so exzentrisch. Mein Lieblings-Pianist wird Duchable auch nach dem heutigen Marathon nicht werden. Nichtsdestotrotz, erst mal weiter, dann mit Brahms „Paganini Variationen“ op. 35 (leider ohne Bild) und


    Ravel

    Klavierkonzert G-Dur

    Klavierkonzert für linke Hand

    Debussy

    Fantasie für Klavier und Orchester


    Francois-Rene Duchable, Orchestre National du Capitole de Toulouse, Michel Plasson

    Lieber Thomas, ich habe gestern Abend Stabat Mater mit Dorothee Mields gehört und sofort auch bestellt! Wie herrlich, diese Stimme! Die ganze Aufnahme mit nur vier Streichern ist so melodisch und filigran - genau wie Barock auch klingen soll!

    Mein Programm hat sich erweitert - am 10 Juni gehen wir Bertrand Chamayou hören! Er spielt


    Liszt Legende Nr. 2
    Schumann Fantasie C-Dur op. 17

    Ravel Gaspard de la nuit

    Glinka / Balakirev L‘Alouette

    Balakirew Islamey

    Lieber moderato, Robert Delaunay ist richtig, Eiffelturm auch!
    Ich muss zugeben, dass ich auf den Bildern dieser Serie immer ein Kirchturm gesehen habe… und das ist obwohl man weiss, wie oft Eiffelturm Robert Delaunay Modell sitzen musste! Ich hoffe Ihr verzeiht mir die irreführende Aussage!


    Das Bild ist im Jahr 1912 entstanden und heißt „Das Fenster mit orangefarbenen Vorhängen“ oder „Fenetre avec rideaux orange“, wie Orfeo es schon geschrieben hat, und gehört zu der Serie Simultanfenster, die Delaunay aus seinem Fenster gemalt hat. In dieser Serie wollte der Maler vor allem das Lichtbrechung durch das Glas festhalten. Während der Arbeit ging er oft in eine Kirche um das Licht, das durch das farbige Bleiglasfenster fällt, zu beobachten. Dieses Gemälde befindet sich in einer privaten Sammlung.


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