Beiträge von MusicFan9976

    Lieber Wolfgang,


    Danke für Deine Antwort. Das mit den KV Nummern bekomme ich irgendwann schon hin. Die von meiner "Spitzengruppe" weiß ich sogar, KV466, KV482 und KV491, wenn ich mich nicht täusche. Zumindest gibt es bei Mozart ein vernünftiges Nummerierungs-System. Bei Haydn fehlt mir das etwas, weil die Hobocken Bezeichnungen nichts über die Entstehung der Werke in Relation zu Werken von anderen Genres aussagen. Bei Mozart weiß ich wenigstens, dass die Prager Sinfonie zur selben Zeit entstanden ist wie das 25. Klavierkonzert (KV504 & KV503).


    LG aus Wien.:hello:

    Ich mochte das Werk schon immer gerne, es war die erste "frühe" Mozart Sinfonie die ich kennenlernte. Ich find sie gleichauf mit der 25, aber nicht ganz auf dem Level von 29. Meine erste Aufnahme von der Sinfonie war die mit George Szell und dem Cleveland Orchestra, daher finde ich, dass die Pauken dazu gehören.


    LG aus Wien.:hello:

    Ich nehme gerne an den Ranking teil, weiß aber nicht alle KV Nummern auswendig. Ich werde die traditionelle Nummerierung verwenden:


    Im absoluten Spitzenfeld: Nr. 20, Nr. 22 & Nr. 24. Die beiden Moll-Konzerte sprechen für sich selber. Das D-Moll ist vielleicht etwas dramatischer, während das C-Moll fast kammermusikalische Züge aufweist. 22 war schon immer ein Favorit, toller Einsatz der Bläser, wie in der Sinfonie 39 mit Klarinetten aber ohne Oboen, ein düsterer langsamer Satz in C-Moll und ein ausgedehntes Finale mit einem langsamen „Insert“.


    Sollte man gehört haben: 5,9,13,14,16,17,18,21,23,25,26 & 27. In Prinzip sind in dieser Gruppe alle Konzerte die ich schätze und öfters höre. Ich kann nicht wirklich sagen, dass das eine oder andere mehr heraussticht. Es kommt auf meine Stimmung an. Zurzeit würde ich Nr. 17 (toller langsamer Satz) und 25 (vielleicht Mozarts sinfonischtes Konzert) hervorheben. In ein, zwei Wochen könnten es dann 13,16 und 27 sein


    Müsste ich mir wieder mal anhören: Der Rest. Das sind die Konzerte die ich nur selten höre und nich so am Radar habe. Es gibt sicherlich einige Perlen darunter (12, 15 und 19 zum Beispiel), aber aus irgendeinen Grund sagen sein mir weniger zu als die anderen.


    LG aus Wien

    Ich würde KV 318 eher als Ouvertüre sehen, mögen tue ich das Werk aber trotzdem sehr. Es ist einer der wenigen Werke des 18. Jahrhundert in G-Dur das mit Trompeten und Pauken besetzt ist. Ansonsten kenne ich nur die G-Dur Sinfonien 54, 88, 92 94 & 100 von Haydn in denen Trompeten und Pauken verwendet werden. Von denen sind alle späte Werke, mit der Ausnahme von 54, das ein sehr spezielles Werk ist (siehe dort).


    LG aus Wien.:hello:

    Das vierte Quartett der Werkgruppe, op 74 Nr. 1, beginnt mit zwei einleitenden Akkorden. Darauf folgt ein chromatisch geprägtes Hauptthema, das den Kopfsatz dominiert. Nach zweifacher Präsentation des Themas führt eine Überleitung, geprägt von Achteln in der Violine geantwortet von zweiter Violine mit Viola und schließlich dem Cello, zu einer nochmaligen Präsentation des Hauptthemas. Es folgt eine virtuose Passage für die 1. Geige, dann noch einmal das Hauptthema, aber diesmal mit einem Kontrapunkt (zwei Auftakt Achteln und zwei gebundene Achteln, erinnert irgendwie an das Hauptthema des Kopfsatzes der Sinfonie 88), das schließlich zu einem knappen Seitenthema führt. Die Durchführung ist hauptsächlich mit dem erstenThema und dem Kontrapunkt beschäftigt und hat eine eher "fragende" Qualität. In der Reprise wird das Hauptthema weiter verarbeitet, zunächst in fugierter Form und dann fortissimo über einem triller-artigen Bass. Das knappe Seitenthema erscheint kurz am Schluss noch einmal und das Hauptthema in Unisono schließt den Satz ab. Durchführung und Reprise werden hier nicht wiederholt.


    Die Binnensätze dieses Quartetts sind in meiner Meinung nicht ganz auf dem selben Niveau als die der anderen Quartette. Das Andantino ist ein etwas schlichter Satz in 3/8 Takt und hat daher einen tänzerischen Charakter. Die Instrumente werden oft gedoppelt, was in einer eher dünnen Klangfarbe resultiert. Am Ende des Satzes gibt es eine Passage bei der alle Instrumente ein abwärts führendes Motiv nacheinander spielen, eine Stelle die im Kontext des Satzes kontemplativ und ernst wirkt. So schnell wie diese Stimmung aufkam, ist sie auch schon wieder weg und der Satz endet leicht.


    Das Menuett ist ein stampfender Ländler, ein gewichtigeres Gegenstück zum leichten und zarten Andantino.


    Das Finale ist vielleicht der beste Satz des Quartetts. Es ist weit gewichtiger als die Finali der anderen Quartette der Werkgruppe, ausgenommen das Finale des Reiter-Quartetts, ein ähnlich dichter Satz.

    Das erste Thema ist ein Frage und Antwort Spiel das dann zu einer Übergangspassage führt die von allen Instrumenten bestritten wird. Das mündet in einem synkopierten zweiten Thema das zwischen erster Violine und zweite Violine mit Viola präsentiert wird. Ein ungarisches Thema über eine mächtige Quinte im Cello schließt die Exposition ab. In der Durchführung kommt zunächst die Übergangspassage zu Wort bis das synkopierte zweite Thema auch ausführlicher behandelt wird. In der Reprise kommen die Synkopen auch ausführlicher zu Wort, jedoch hat das ungarische Thema das letzte Wort und schließt den Satz ab. Da in diesem Satz erster und zweiter Teil wiederholt werden sollen, ist er länger als der erste. Aber auch ohne die zweite Wiederholung ist das Finale fast so lang wie der erste Satz. Haydn wird auch in op 76 dem Finale in den 1. und 3. Quartetten mehr Gewicht geben, hier noch zusätzlich in Moll gehalten, was dem Finale sogar noch mehr Dichte verleiht.


    Ich werde, sobald ich mehr Zeit habe, die letzten beiden Quartette des Opus vorstellen.


    LG aus Wien.:hello:

    Es ist jedenfalls eine ziemlich häufige Tonart, wenn auch seltener als Es-Dur (bei Haydn, Mozart, Beethoven) und öfters ohne Pauken. Auch in Streichquartetten m.E. häufiger als F-Dur, G-Dur, A-Dur.

    Bei den Streichquartetten ist in fast jedem opus ein B-Dur und ein G-Dur Werk dabei. F-Dur und A-Dur sind hingegen etwas seltener.


    LG aus Wien.:hello:

    Hob. I:105; Hob. XXII:10; Hob. XXII:12; Hob. XXII:13; Hob. XXII:14; dann wohl erst wieder Schumann 1841?

    (Ich war immer der Meinung, Lebend-Messen (im Gegesatz zu Toten-Messen) müssten stets in der „göttlichen Tonart“ C-Dur stehen; böser Haydn)


    Aber, wie gesagt, tragen die Pauken vermutlich gar nicht (allein) die Schuld ...

    Danke für die Ergänzung, ich hatte die Concertante und die späten Messen vergessen. Ich persönlich finde nicht das B-Dur mit Trompeten und Pauken schlecht klingt. Es hat gewiss seinen eigenen Charakter, weniger strahlend als C-Dur und nicht so brilliant wie D-Dur, aber andererseits passt dieser Klang zu Werken wie 98, 102 usw.


    LG aus Wien.:hello:

    Du darfst nicht vergessen, dass bei B-Dur auch eine F-Pauke mitspielte und die hatte die tiefste Stimmung im 18. Jahrhundert. B-Dur mit Trompeten und Pauken war selbst in der späten Klassik eher selten (auch Mozarts KV 595 ist ohne sie). Das erste B-Dur Werk mit Trompeten und Pauken das ich kenne ist eine Sinfonie von Michael Haydn aus dem Jahr 1788 (die Nummer weiß ich nicht), dann kommen schon Josephs beiden (98 und 102), die Concertante und die späten Messen. Und dann wahrscheinlich Beethovens op 60 und Schuberts 2. Ansonsten kenne ich keine spät-klassischen oder früh-romantischen B-Dur Werke mit Trompeten und Pauken.


    LG aus Wien.:hello:

    Flöte mit Violinen gekoppelt ist relativ häufig, also kein Solo für die Flöte, sondern eine Klangfarbe aus dem Orchester. Auch der Auftritt der Solisten in der Orchester-Exposition ist zwar, wie Du schon schriebst, ungewöhnlich aber nicht beispiellos. Ich verstehe aber nicht, was daran „sinfonisch“ sein soll. Auch die Struktur des ersten Satz deutet eher auf ein Konzert hin. Es gibt keine langsame Einleitung (bei Haydns Sinfonien der Zeit schon Standard), noch gibt es eine Wiederholung der Exposition. Die Kadenz am Ende des Satzes ist auch eher nicht sinfonisch (Ich weiß, es gibt Kadenzen in Nr.7 und Nr. 54, das sind eher Ausnahmen und finden im langsamen Satz statt, nicht im ersten). Für mich eindeutig ein Konzert oder ein Concerto Grosso, aber keine Sinfonie.


    LG aus Wien.:hello:

    Das ist imo des Pudels Kern: Die Concertante ist zunächst eine Sinfonie mit konzertanten Einlagen der Solisten, die als Concertino (also kleines Konzertchen innerhalb der Sinfonie) hervortreten, aber eben nicht die Hauptacteure sind, allenfalls das Bonbon. Das ist - wie erwähnt - bei Haydn klar der Fall, bei Mozart nicht - da ist es gerade umgekehrt, also so, daß die beiden Soloinstrumente doch den Schwerpunkt setzen

    Das sehe ich etwas anders. Die Solisten in Haydns Concertante dominieren das Stück, während das Orchester eine eher untergeordnete Rolle hat (zumindest in den ersten beiden Sätzen). Sie sind sehr wohl die Hauptakteure des Werks. Ich finde auch, dass das Orchester in Mozarts KV 364 viel mehr zur Geltung kommt als in Haydns Concertante. Deine Beschreibung trifft eher auf Werke wie die Tageszeiten-Sinfonien oder 31 und 72 zu. Eine vielleicht bessere Kennzeichnung des Werks wäre so etwas wie Konzert für Kammermusik Ensemble und Orchester.


    LG aus Wien.:hello:

    Die Sinfonia Concertante ist in meiner Meinung keine Sinfonie, sondern ein Konzert für vier Solisten und Orchester. Haydns Einsatz von Solisten ist dann am effektivsten, wenn die Solisten nicht im Gegensatz zum Orchester stehen, sondern vom Orchester hervorgehen, so wie bei den Tageszeiten Sinfonien, 31 und 72, aber auch einige Solos der Londoner Sinfonien. Von allen Haydns Konzerten kommt die Sinfonia Concertante diesem Prinzip am nähersten und ist daher, meiner Meinung nach, Haydns größtes Konzert.


    Interessanterweise schreibt Haydn hier für eine Solistengruppe die als unabhängiges Kammermusik-Ensemble agieren könnte. Das schlägt sich auch in der Musik nieder, denn Haydns Concertante ist weniger ein Dialog zwischen Solisten und Orchester, sondern eher einer zwischen den Solisten selber. Das Orchester tritt hier mehr in den Hintergrund und bildet einen Ramen für das ganze Geschehen und die Solisten bestreiten viele längere Passagen alleine oder mit minimaler Begleitung, allem voran die ausgeschriebene Kadenz für die vier Solisten am Ende des ersten Satzes. Die kammermusikalische Atmosphäre wird im zweiten Satz sogar noch gesteigert, in dem fast nur noch die Solisten zu Wort kommen. Der Satz bekommt dadurch einen intimen Charakter und erinnert etwas an die langsamen Sätze der Nocturnen. Im Finale ändert sich das etwas, das Orchester kommt mehr zum tragen und die Violine, die gleich am Anfang des Satzes als Opern-Diva auftreten darf, übernimmt die Dominanz bei den Solisten. Es entwickelt sich ein Dialog zwischen Violine und Orchester und ähnelt etwas einem Violinkonzert. In der zweiten Hälfte des Finales kommen die anderen Solisten wieder mehr zu Wort, wobei das Orchester immer noch am Diskurs beteiligt ist und schließlich das Werk zu Ende bringt.


    Konzerte waren nie im Mittelpunkt von Haydns Schaffen und die meisten von ihnen sind frühe Werke für Mitglieder des Esterhazy Orchesters. Ich persönlich kann mich für die Concertante begeistern, aber nicht für viel mehr. Sie sind zwar alle ganz schön, aber ich finde Werke wie zum Beispiel die kaum bekannten Baryton-Oktette viel lohnender.


    LG aus Wien.:hello:

    In einem meiner Bücher/Texte (vermutl. diese Funkkollege von Lessing), die ich damals 2009 beim Hören aller Sinfonien verwendet habe, wird die Vermutung geäußert, dass 31 quasi eine verbesserte Version von 72, 21 von 5 und 22 von 11 sein könnte, da Haydn hier Tonarten und formale und bei den Hörnersinfonien auch instrumental Eigenheiten sehr eng wiederholt.

    Kann ich gut nachvollziehen, besonders bei 31 & 72, da sie nur zwei Jahre auseinander liegen. Haydn hatte vier Hörner nur für eine begrenzte Zeit (1763 - 65, wenn ich mich nicht täusche) und alle seine Sinfonien mit 4 Hörnern fallen in diese Zeitspanne (ausser Nr. 39). 31 und 72 sind aber die einzigen in denen die Hörner solistisch auftreten.


    LG aus Wien.:hello:

    Ich habe gerade einige der “Sonata di Chiesa” Sinfonien gehört, darunter auch die 21. Anstatt der gestrichenen “Concerto Grosso” Sinfonien, möchte ich 5,11 und 21 nachnominieren. 5 hat diese wunderschönen Horneinsätze im 1. Satz und das Adagio von Nr. 11 ist einer der schönsten langsamen Sätze in Haydns frühen Schaffen. 21 wurde schon lobend erwähnt, dem kann ich mich anschließen, obwohl ich sie nicht unbedingt besser als die Nr. 22 finde, aber da ist ja der Spitzname:(.


    LG aus Wien.:hello:

    Kann man bei den Sturm und Drang Sinfonien überhaupt von einer Werkgruppe reden? Normalerweise wird die Bezeichnung für die Werke verwendet, die zwischen etwa 1768 und 1773 komponiert wurden (ich verwende einmal die Entstehungszeiten der Sinfonien aus der Brüggen-Box). Einen separaten Auftrag für die Sinfonien, wie bei den Parisern oder Londonern gibt es hier nicht. Bilden diese Sinfonien dann von Stil her eine Einheit? Auch eher nicht, denn was bei diesen Werken auffällt ist die große Diversität (viel mehr als bei den Pariser oder Londoner Sinfonien) unter den Sinfonien dieser Zeit. Nimmt man zum Beispiel die Sinfonien 42 und 44, beide in 1771 komponiert, so fällt auf wie unterschiedlich sie sind. 44 ist ein mit großer Spannung geladenes Werk, während 42 sehr entspannt mit großen Gesten und großer Themenvielfalt daher kommt. Auch die Moll-Sinfonien, die berühmtesten Werke der Periode und wahrscheinlich auch für die Namensgebung Sturm und Drang verantwortlich, unterscheiden sich untereinander sehr. Werke wie 44,45,49 und 52 sind kaum mit einander vergleichbar, erkunden sie doch alle verschiedene Aspekte der Moll-Tonart. Einen gemeinsamen Nenner gibt es vielleicht doch (aber auch nicht bei allen Sinfonien der Zeit): Die minimale Orchestrierung mit der Haydn die meiste Zeit hier auskommt, denn die meisten Sinfonien des Sturm und Drangs sind nur mit Oboen, Hörnern und Streicher (mit einem Fagott col basso) besetzt. Für mich ist einer der großen Errungenschaften dieser Sinfonien, dass Haydn mit einem Minimalorchester eine so große Vielfalt zustande bringt.


    LG aus Wien.:hello:

    Das war ein Tippfehler. Ich hatte 89-91 statt 88-91 geschrieben.


    Deine Liste passt sehr gut, nur die 46 würde von der freiwilligen Zusatzregel ausgeschlossen.

    Darf dann die 92 dazu? Oder meintest Du 88-92?


    Ich mach mal die Liste ohne die Oxford.


    An der Spitze: 54, 56 & 61. 56 ist für mich die beste C-Dur Sinfonie vor den Parisern, 54 & 61 wegen der tollen Orchestrierung. Und alle drei haben zusätzlich wunderschöne langsame Sätze.


    Ein Muss in jeder Haydn Sammlung: 67, 68, 70 & 80. Alle vier sind höchst ungewöhnlich. 67 mit einem Finale als Kopfsatz und dann der langsame „Insert“ im Finale plus einen wunderschönen langsamen Satz. 68 hat halt diesen ungewöhnlichen und bezaubernderen langsamen Satz. 70 mit seiner Dur zu Moll (und gerade noch zurück) Progression und 80, eine Moll Sinfonie als Komödie, waren schon immer Favoriten.


    Froh dass ich sie habe: Die „Concerto Grosso“ Sinfonien (6,7,8,31 & 72) einfach der Klangfarbe wegen.


    Oh, ich sehe ich habe zu viele benannt.:untertauch:


    Es gibt gewiss noch andere…


    LG aus Wien.:hello:

    ... alternativ zwei Violinen, Cello? :/ Oder Violinpart 2 + Cello = Clavier. Da ist vieles denkbar ...

    Vor Jahren hatte ich eine Schallplatte mit den Trios in dieser Besetzung. Rampage spielte Flöte, Stern die Violine und Rostropowitsch das Cello. Ob diese Besetzung authentisch ist weiß ich nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es damals auch so gespielt wurde.


    LG aus Wien.:hello:

    Die Londoner Trios für 2 Flöten und Cello (alternativ für Flöte, Violine und Cello) sind sehr hörenswert.


    LG aus Wien.:hello:

    Die Sturm und Drang Sinfonien zu ordnen ist in der Tat nicht einfach, vor allem weil sie keine klar definierte Gruppe wie die Pariser oder Londoner Sinfonien sind. Bei den Moll Sinfonien ist es relativ einfach, weil sie erst ca. 1768 anfangen und 1772 abrupt aufhören. Aber bei den Dur Sinfonien tue ich mir etwas schwerer. Ist Nr. 50 wirklich eine Sturm und Drang Sinfonie? Sie ist zwar immer in den Sturm und Drang Kollektionen (Brüggen, Pinnock, Weil u.a.) dabei, wurde aber erst 1773 komponiert (was kein Ausschlusskriterium sein soll) und ist vom Stil her nicht wirklich stürmend und drängend. Könnte man dann 56 (Vom Stil her ähnlich, nur ein Jahr später komponiert) dazu nehmen?


    Ich fange mal mit den Moll Sinfonien an:


    Spitzen Liga: 44, 45, 49 & 52. Alle vier sind einzigartig und kaum miteinander vergleichbar. Von der klassisch ausgewogenen 44 bis zur kompromisslosen 52, von der fast nur in F-Moll stehenden 49 bis zur 45, die die Progression Fis-Moll, A-Dur und Fis-Dur gleich zweimal erkundet, haben diese vier Sinfonien alles was man sich von einer Moll Sinfonie wünschen kann.


    Ein guter Anfang: 26 & 39. 26 wirkt für mich etwas „mechanisch“ im ersten Satz, der zweite ist gut gelungen und das Menuett ist auch sehr stark. Irgendwie hätte ich mir ein Finale für die Sinfonie gewünscht. Nr. 39 ist in den Ecksätzen sehr überzeugend, das Menuett ist OK, aber der zweite Satz ist für mich etwas enttäuschend.


    War das eine Moll-Sinfonie?: Nr. 34. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass Haydn bei einer D-Dur Sinfonie mit einem langsamen Satz in D-Moll (nicht unüblich) einfach die ersten beiden Sätze vertauscht hat (ich weiß, das war nicht so).


    Die Dur Sinfonien:


    Ganz oben: 46, 47 & 51. 46 ist im ersten Satz recht stürmisch, mit den immer wiederkehrenden Moll Einwürfen. Das H-Moll Siziliano ist einer der effektivsten langsamen Sätze des Sturm und Drangs. Bei 47 sind die marschierenden Hörner des ersten Satzes einfach unwiderstehlich. Nr. 51 hat auch eine sehr ungestümen ersten Satz und die Horn-Soli im zweiten sind einfach toll.


    Gut zu hören: 42 & 48. Nicht wirklich stürmend und drängend, sondern eher prachtvoll und großräumig. Die ersten Sätze dieser Sinfonien waren wahrscheinlich die längsten ihrer Zeit mit einer noch nie da gewesenen Themenvielfalt.


    Hört man ab und zu ganz gern: Nr. 43 & 59. Beide haben sehr schöne langsame Sätze (bei 59 nich so langsam). Auch die Finali der beiden sind sehr ansprechend..


    Nr. 50 & 56 lass ich mal für einen „Haydns C-Dur Sinfonien ordnen“ Thread…


    LG aus Wien.:hello:

    Da die meisten Haydn Fans im Forum bereits die Londoner, Sturm und Drang und Pariser Sinfonien nach ihrem Geschmack geordnet haben, dachte ich mir man könnte das Gleiche mit den Zwischensinfonien (88-92) tun. Ich mache einmal den Anfang:


    An der Spitze: Nr. 88 und Nr. 92. Die beiden G-Dur Sinfonien sind zurecht die berühmtesten der Gruppe und unter den besten Sinfonien Haydns überhaupt. Beide sind mit Trompeten und Pauken besetzt, was für G-Dur Sinfonien zu der Zeit eher ungewöhnlich war. Die einzigen davor, die ich kenne, sind Mozarts KV 318 und Haydns 54. Beide haben unwiderstehlich schöne langsame Sätze, bei denen die Trompeten und Pauken mit großem Effekt mitspielen (bei 88 genialerweise erst ab diesen Satz).


    Gleich dahinter: Nr. 90. In den Ecksätzen und dem Menuett kann diese Sinfonie mit den beiden G-Dur Werken mithalten, im langsamen Satz aber nicht ganz.


    Wunderschön und schwungvoll: Nr. 91. Ein gelehrter und dicht gearbeiteter erster Satz wird von volkstümlichen Variationen gefolgt. Das Menuett ist OK, aber das Finale schwingt wirklich toll.


    Hat seine Momente: Nr. 89. Der erste Satz, mit dem Rollentausch von Durchführung und Reprise ist grandios und das Menuett ist vielleicht der originellste Satz der Sinfonie. Langsamer Satz und Finale lassen aber etwas nach, sie wurden von den Lyra-Konzerten „ausgeborgt“. Die große Minore im Finale (neu hinzukomponiert) ist jedoch große Spitze.


    Das waren meine persönlichen Einschätzungen dieser Werkgruppe. Ich bin gespannt auf Eure…


    LG aus Wien.:hello:


    Wie bei den Londonern, meine persönlicher Einschätzung:


    82 und 86, für mich etwa gleichauf an der Spitze. 82 finde ich im 1. Satz und Trio des Menuetts besser, 86 im langsamen Satz und im Hauptteil des Menuetts. Die Finali beider finde ich gleichgut.


    83 und 87, sind für mich auch eher gleichauf. Beide haben wunderschöne langsame Sätze, wobei ich den von 87 etwas mehr mag. Dafür finde ich den ersten Satz von 83 besser als der von 87. Menuette und Finali sind etwa gleichauf.


    84 und 85, Erster Satz geht an 85 (trotz toller Einleitung in 84), zweiter an 84, Menuett an 85 und Finale an 84. Wahrscheinlich bevorzuge ich 84 ein wenig.


    Wie bei den Londonern, sind alle sechs Meisterwerke.


    LG aus Wien.:hello:

    Vorab, alle Londoner Sinfonien sind Meisterwerke, da gibt es keinen Durchhänger. Die Reihenfolge hier entspricht meinen persönlichen Geschmack.


    Die Spitzenwerke: 99 (wahrscheinlich meine Lieblingssinfonie von Haydn), 101 (Die große Komödie, mein Erstkontakt mit Haydn), 102 (fast schon eine romantische Sinfonie) & 104 (Haydns würdiger sinfonischer Abschluss)


    Muss man gehört haben: 98 (sträflich unterschätzt, Andenken an Mozart?), 97 (letzter triumphaler Auftritt von C-Dur), 103 (Faszinierende Integration der Einleitung mit dem Hauptsatz (1. Satz)) & 93 (schwungvolle Sinfonie, tolles Trio im Menuett)


    Bin froh dass ich sie habe: 100 (manchmal muss es lärmen! Dicht gearbeitetes Menuett, vielleicht für die Kenner im Publikum), 95 (tolle Moll-Dur Auseinandersetzung, besser als ihr Ruf), 96 (Toller Auftakt für die Werkgruppe) & 94 (zwar durch den Paukenschlag berühmt geworden, aber der erste Satz überzeugt am meisten)


    Natürlich ist dass eine Momentaufnahme. In einen halben Jahr könnte das alles wieder anders aussehen:whistling:


    LG aus Wien.:hello:

    Die Frage ist so einfach formuliert und jedoch so schwer zu beantworten. Ehrlich gesagt hat sich meine Erwartungshaltung über die Zeit sehr geändert. Mein erster Kontakt mit Haydns Musik war die Uhr (Nr. 101). Als ich damals die Schallplatte die ich von meinem Vater bekommen hatte anhörte, machte ich mir ein gewisses Bild von Haydn und die Paukenschlag Sinfonie, die auf der anderen Seite der Platte war, entsprach dieser Erwartungshaltung. Die nächste Schallplatte mit Haydn Sinfonien, war eine mit 99 und 100. Die Militär Sinfonie passte gut in mein Haydn Bild, aber Nr. 99 war dann doch ein ganz anderes Werk: Ernst und gewichtig, keine Scherze oder volkstümliche Melodien (ausser der stampfende Bauerntanz im ersten Teil des Menuetts) und der langsame Satz war meilenweit entfernt von denen in 94,100 & 101. Ich mochte die Sinfonie sofort, aber mir wurde auch bewusst, dass Haydn mehr als nur Scherze und volkstümliche Melodien ist.


    Allmählich kamen die restlichen Londoner Sinfonien dazu und meine Erwartungshaltung wurde immer breiter. Die Vielfalt innerhalb der Londoner ist so groß wie die der gesamten Sinfonien mancher Komponisten. Sie reicht von der Verspieltheit von 94 und 101 bis zum Ernst von 95 und 98, von der türkischen Musik des zweiten Satzes der 100 bis zur Rhapsodie des langsamen Satzes der 102. Als ich dann noch die Pariser Sinfonien und 88-92 dazu kaufte, erweiterte sich das Bild von Haydn sogar noch und mir wurde immer mehr bewusst wie reichhaltig Haydns sinfonisches Schaffen eigentlich ist. Aber, so vielfältig die letzten 23 Sinfonien auch sind, eines hatten sie schon gemeinsam: Sie haben alle einen gewissen Optimismus und vielleicht war es das, was man von einer Haydn Sinfonie erwarten konnte.


    Das wäre jedoch zu einfach gewesen, weil ziemlich bald darauf lernte ich Werke wie 49 und 52 kennen. Hier waren zwei Werke die Haydn den Pessimist zeigten. Eine Seite von ihn die wir nicht oft sehen, aber geben tut es sie. Dazu kommen noch Werke wie die „Concerto Grosso“ Sinfonien (6,7,8,31 & 72), die „Sonata di Chiesa“ Sinfonien (5,11,18,21,22 & 49), eine sechs-sätzige (60) und man sieht schnell, dass der Cosmos der Haydn Sinfonien immer größer und größer wird. Inzwischen kenne ich alle ziemlich gut und auf die Frage: „Was erwarte ich mir von einer Haydn Sinfonie?“ kann ich nur sagen: Einfach alles!


    LG aus Wien.:hello:

    Ich war überrascht als ich Adam Fischer erneut als Haydn Dirigent fand, diesmal für Naxos - mit dem Dänischen Kammerorchester


    mfg aus Wien

    Alfred

    Ich kann mich erinnern, dass Fischer selber meinte neue Erkenntnisse durch das Projekt der Gesamtaufnahme bekommen zu haben. Es ist auch in den Unterschieden der Aufnahmen zu hören. Die frühen (vor allem die Londoner) waren eher traditionell, nach Karajan oder Bernstein empfunden, die neueren eher HIP. Ich vermute, dass das der Grund für Fischer war die Londoner neu aufzunehmen. Ich habe sie selber noch nicht gehört, da ich aber mit Haydn Sinfonien (speziell die Londoner) sehr gut versorgt bin, werde ich die CD‘s nicht kaufen (auch weil Naxos inzwischen sehr teuer geworden ist).


    LG aus Wien.:hello: