Beiträge von MusicFan9976

    wie ich schon in dem Thread zu den Rokoko Variationen geschrieben habe, möchte ich niemanden die Freude an Tschaikowskys 1. Klavierkonzert nehmen, obwohl ich selber nicht viel mit dem Stück anfangen kann. Das Wort "schmalzig" übernahm ich von einem Kommentar zu den Rokoko Variationen. Eigentlich finde ich das 1. Klavierkonzert eher bombastisch, aber, wie gesagt, das ist nur meine bescheidene Meinung. Die Mehrheit der Klassik Fans lieben dieses Stück, ich hingegen finde so etwas wie Hummels 2. Klavierkonzert viel lohnender, von Mozarts Klavierkonzerten ganz zu schweigen.

    Hallo MusicFan aus Wien,


    Mir liegen die meisterhaften 7 Sinfonien incl. Manfred sehr am Herzen, genau wie die brillanten Klavierkonzerte Nr. 1 -3. Höre Dir mal die Gilels - Aufnahmen mit Maazel (EMI) an - der Hammer ! Gerne auch das virtuose VC, am liebsten mit Oistrach/Ormandy (SONY).

    Dem Violinkonzert kann ich tatsächlich etwas abgewinnen und ein anderes Stück von Tschaikowski das ich sehr mag ist die wunderschöne Serenade für Streicher. Die Sinfonien? Hin und wieder ziehe ich mir so ein Ding rein und dann reicht das mir für einige Jahre. Was das 1. Klavierkonzert anbelangt, wenn das nicht schmalzig ist, dann was? Aber OK, ich möchte niemanden die Freude an dem Stück nehmen. Geschmäcker sind halt verschieden und das ist auch gut so. Das tolle bei Klassischer Musik ist, dass es für jeden Geschmack etwas gibt

    Als Kitsch würde ich die Rokoko-Variationen keinesfalls bezeichnen, wann etwas, dann eher das erste Klavierkonzert. Die Variationen sind in der Tat eines der wenigen Stücke von Tschaikowski die mir zusagen. Mir ist so eine Musik um einiges lieber als so bombastischen Stücke wie seine Sinfonien, die 1812 Ouvertüre oder das zuvor erwähnte Klavierkonzert.


    Die Rokoko Variationen sind gut gearbeitet und auch der Umgang mit dem Orchester (mal kein riesiger Orchesterapparat) ist gut gelungen und genau das was er sein sollte. Das Werk ist sicher nicht so reißerisch wie ein „Pathetique“, aber sicherlich besser durchdacht.

    Weiter zu den Mozart Klavierkonzerten: Meine Top drei Favoriten hier sind 20, 22 & 24, aber darüber hinaus höre ich auch 5, 9, 12, 13, 14, 16, 17, 18, 21, 25, 26 & 27 relativ häufig. Bleiben als „Stiefkinder“ 6, 7, 8, 10, 11, 15, 19 & 23. Auffallend hier ist, dass ich auch einige Spätwerke (15, 19 & 23) vernachlässigt habe. Gestern Abend fing ich mit meiner Rettungsaktion an und hörte mir die Konzerte 6 und 7 an. 6 ist ein spritziges Werk, recht angenehm aber nicht irgendwie beeindruckend, Das Finale ist hier der beste Satz, mit ein wenig Drama und auch schöne Einsätze für die Hörner. 7 hingegen ist ein imposantes Werk für 3(!) Klaviere. Der erste Satz wirkt majestätisch und auch der langsame Satz hat eine erhabene Qualität. Das Finale bietet einen virtuosen und energiegeladenen Abschluss zu diesem tollem Konzert. Fazit: 6 werde ich wahrscheinlich länger nicht hören, jedoch 7 wird bald wieder bei mir laufen. Am Wochenende geht es weiter mit 8 und 10.

    Wir lernen in Laufe der Zeit ein Werk einer bestimmten Sammlung oder Werkgruppe kennen, sind davon begeistert, wollen von diesen Werken mehr haben und sammeln dann weitere Werke dieser Gruppe bis wir sie vielleicht alle haben, oder kaufen uns gleich die entsprechende Box dazu. Nach einiger Zeit kristallisieren sich einige Favoriten heraus, während andere Werke der Sammlung in den Hintergrund gedrängt werden und eher selten (oder großen Boxen gar nicht) gehört werden. Dass es da aber einiges zum wieder entdecken gibt, zeigt die folgende Erfahrung die ich kürzlich gemacht habe


    In Zuge eines rezenten Beitrags zu einem Ranking der Beethoven Sinfonien habe ich mir einmal wieder alle angehört. Ich muss zugeben, dass ich unter Beethovens Sinfonien einige Favoriten habe, die ständig bei mir laufen, aber andererseits es Sinfonien gibt die ich selten bis kaum höre. 3, 5, und 7 sind meine absoluten Favoriten, und auch die 9. höre ich oft, obwohl mich das Finale nicht so überzeugt. Jedoch die anderen höre ich eher selten und einige hatte ich schon jahrelang nicht gehört. Die große Wiederentdeckung hier war die 4. Ein tolles Werk, das ich wieder neu entdecken durfte und das sich für mich gleich nach meinen Top 3 einreiht. Sinfonien 6 und 8 haben jeweils tolle Sätze, Kopfsatz und 3. Satz bei der Pastorale und die Ecksätze der 8., kommen aber in ihrer Gesamtheit nicht ganz an meine Favoriten heran. Die 1. Sinfonie ist in meinen Ansehen sehr gestiegen, ein sehr gelungenes Werk, besonders in den beiden letzten Sätzen. Nr. 2 ist auch ein großartiges Werk, mit dem ich mich jedoch nicht so anfreunden konnte, ohne dass ich dafür einen Grund nennen könnte.


    Warum habe ich gerade die Beethoven Sinfonien als Beispiel genommen? Zum einem werden die meisten im Forum alle Beethoven Sinfonien haben und zum anderem ist die Anzahl hier überschaubar. Bei den „Viel-schreib“ Komponisten ist es um einiges schwerer alle Stiefkinder zu retten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Box von Haydns sämtlicher Kammermusik für Baryton, die ich vor einiger Zeit kaufte. Dabei ging es mir nur um die Oktette, jedoch war die Doppel CD mit nur den Oktetten teurer als der Klotz mit aller Baryton Musik (Brillant halt). Ich muss zugeben, dass ich noch immer nicht alle CDs aus der Box durch habe, aber einige abseits der Oktette habe ich mir schon angehört. Das meisten Stücke davon werden Stiefkinder bleiben, aber es gibt doch ein Trio das mir sehr gut gefällt: Baryton Trio Nr. 118. Nicht jedes Stiefkind wird gerettet werden können, das eine oder andere aber schon.


    Ich werde als nächstes einige der Mozart Klavierkonzerte wieder entdecken, weil es auch da einige Werke gibt die ich schon lange nicht gehört habe (Nr. 11 zum Beispiel). Dann werde ich vielleicht mit Haydns Londonern weitermachen, wovon ich beispielsweise 96 und 100 schon lange nicht genossen habe. Ich werde im Zuge des Threads davon berichten, bin aber auch auf eure Erfahrungen beim wieder entdecken gespannt.

    Mein Ranking ist natürlich eine Momentaufnahme, obwohl sich die top drei Sinfonien bei mir nicht ändern. Ich gebe wie immer eine kurze Begründung, warum ich die eine oder andere Sinfonie lieber mag:


    Sinfonie 7. Eines der ersten Werke der klassischen Musik das ich kennenlernte. Was mir hier gut gefällt, ist dass die 7. ein Werk ist in dem Rhythmus in Vordergrund steht. Im Kopfsatz wird eine lange und prägnante Einleitung von einem feurigen Vivace im 6/8 Takt (bei sinfonischen Kopfsätzen eher ungewöhnlich) gefolgt. Der marschähnliche und etwas elegische zweite Satz erreicht Tiefe, obwohl er „nur“ ein Allegretto anstatt ein Adagio ist. Das leichte Scherzo steht überraschenderweise in F-Dur und die Sinfonie wird von einem hinreisenden und energiegeladen Finale abgeschlossenen.


    Sinfonie 3. Eines der wichtigsten Werke der Musikgeschichte. Der Kopfsatz zeigt wie es Beethoven sogar noch besser als Mozart schafft, einen Satz lang zu machen ohne ihn langweilig werden zu lassen. Mozart hat das in seiner Prager Sinfonie vorgelegt, aber Beethoven setzt dem in der Eroica noch eines drauf, insbesondere weil der Kopfsatz der Eroica ohne langsame Einleitung auskommt. Der zweite Satz ist der berühmte Trauermarsch, der ein tragisches Element in die Sinfonie einbringt. Das leichte und flotte Scherzo sorgt für den nötigen Kontrast. In dieser Sinfonie kommt es uns kurz vor, ist aber mit etwa 6 Minuten Spieldauer deutlich länger als die Scherzi der ersten beiden Sinfonien und auch länger als die meistern Menuette der Klassik. Ein imposantes Variationsfinale schießt die Sinfonie ab.


    Sinfonie 5. einer der berühmtesten Moll zu Dur Werke der Musikgeschichte und zum Schluss der ultimative Triumph. Der Kopfsatz ist ganz anders als der der Eroica, indem Beethoven hier einen ganzen Satz mit einem kurzen Motiv bestreitet. Er ist damit natürlich um einiges kürzer als der der Eroica (nicht einmal halb so lang). Wie in vielen Moll Stücken üblich, folgt ein schlichter Variationssatz, in dem der finale Triumph aber schon angedeutet wird. Das Scherzo bringt die Stimmung des Kopfsatzes zurück, leitet aber dann direkt zu Beethovens (meiner Meinung nach) bestem Finale über, das die Sinfonie triumphal enden lässt.


    Sinfonie 4. Ein Werk das eher ein Schattendasein führt, zu Unrecht wie ich finde. Die Einleitung zum Kopfsatz ist nicht pompös und prachtvoll, wie bei den meisten sinfonischen Einleitungen, sondern eher verhalten und mysteriös, der perfekte Kontrast zu dem lebhaften Allegro das folgt. Das anschließende Adagio ist einer von Beethovens schönsten langsamen Sätzen. Das Scherzo ist das erste in seinen Sinfonien, die das Trio zweimal bringt (wie auch in der 7. Sinfonie) und das Finale ist ein virtuoser Kehraus, der Beethovens wahrscheinlich fröhlichste und freundlichste Sinfonie passend abschließt.


    Sinfonie 9. Viele werden sich wundern, warum die 9. bei mir so weit unten vorkommt (ich habe mir anfänglich sogar überlegt die Pastorale ihr vorzuziehen). Der erste Satz, mit seinem mysteriösen Beginn, ist in seinem Umfang und seiner Weitläufigkeit auf dem selben Niveau mit dem der Eroica. Er ist, meiner Meinung nach, der beste Satz der Sinfonie. Das großangelegte Scherzo kommt überraschenderweise an zweiter Stelle. Auch hier ein toller Satz, besonders der phantasievoller Umgang mit den Pauken. Der langsame Satz ist ein wunderschönes Adagio das auch zu meinen Favoriten zählt. Das Finale überzeugt mich hingegen weniger. Ich könnte mir es eher als ein separates Stück vorstellen, so etwas wie eine Chor Phantasie II. Ich weiß, da werden einige Forenmitglieder nicht meiner Meinung sein.


    Sinfonie 6. Der Kopfsatz und der dritte Satz (der Bauerntanz) gefallen mir sehr gut, der Rest (auch das Gewitter) langweilt mich eher. Auf Dauer zu viel Leichtigkeit und Lieblichkeit, vielleicht würde mir die Sinfonie besser gefallen wenn sie etwas kürzer wäre. Ich bin im Grunde pastoraler Musik nicht abgeneigt.


    Sinfonie 8. Toller Kopfsatz und auch ein gutes Finale! Das Allegretto ist zwar ein attraktives Stückchen, aber gegenüber den teils heroischen und teils dramatischen (vor allem in der Durchführung) ersten Satz ist es dann doch zu leicht und fast frivol. Das fließende Menuett ist ein schöner Satz der sich besser in die Sinfonie eingliedert als das Allegretto, kann aber mit den besten Beethoven Scherzos meiner Meinung nach nicht mithalten. Hätte Beethoven doch statt dem Allegretto ein tiefsinniges Adagio in D-Moll geschrieben…


    Sinfonien 1&2. Die beiden ersten Sinfonien Beethovens sind bei mir gleich auf. Die zweite ist wahrscheinlich das größere Werk, jedoch finde ich die erste gelungener. In der 1. folgt Beethoven der C-Dur Tradition seiner Vorgänger. Ein etwas pompös triumphierender Kopfsatz wird von einen leichten und etwas verspielten langsamen Satz gefolgt. Das Scherzo ist neu und wahrscheinlich der originellster Satz der Sinfonie. Das Finale beginnt mit einer langsamen Einleitung, bevor es die Sinfonie überzeugend abschließt. Die zweite Sinfonie ist in ihren ersten beiden Sätzen größer und weitläufiger angelegt als die der ersten. Besonders der Kopfsatz ist beachtlich und erreicht schon die Dimensionen der Prager Sinfonie. Scherzo und Finale fallen gegenüber der der ersten dann doch etwas ab.


    Bleibt noch zu sagen, dass alle Beethoven Sinfonie für mich ein absolutes Muss sind und ich wahrscheinlich mehr Aufnahmen von ihnen habe als ich hören kann

    Alle 104 (107) einzuordnen ist für mich fast unmöglich, da ich mir selbst schwer tun würde ein Lieblingssinfonie zu nennen.

    Was ich aber machen kann, ist meine Favoriten in den jeweiligen Perioden kundzutun.


    Unter den Londonern:

    Nr. 99

    Nr. 104

    Nr. 101

    Nr. 102

    Nr. 98

    Nr. 93


    Erweiterte Pariser (82-92):

    Nr. 92

    Nr. 88

    Nr. 82

    Nr. 86

    Nr. 83


    Zwischen Sinfonien:

    Nr. 56

    Nr. 80

    Nr. 67

    Nr. 70

    Nr. 61

    Nr. 54


    Sturm und Drang:

    Nr. 52

    Nr. 45

    Nr. 46

    Nr. 44

    Nr. 42

    Nr. 47

    Nr. 49


    Frühe Sinfonien:

    Nr. 7

    Nr. 6

    Nr. 8

    Nr. 31

    Nr. 33

    Nr. 72


    Bleibt noch zu sagen, dass es sich hier um eine Momentaufnahme handelt. In einem Monat kann alles wieder anders sein…

    Eine andere Idee wäre auch mal ein Ranking der etwa schönsten langsamen Sätze oder der besten Final- oder Kopfsätze zu machen (Menuette bitte nicht! :untertauch:)

    So ein Ranking wäre sicher eine gute Idee, wobei ich das etwas einschränken würde, sonst kriegt man Einträge von Sachen die sich schwer vergleichen lassen. Gut vorstellen könnte ich mir zum Beispiel ein Ranking der schönsten langsamen Sätze der Haydn Quartette oder der besten Finali der Beethoven Sinfonien. Und auch ein Menuett Ranking könnte ich mir gut vorstellen:yes:.

    Ich glaube das könnte auch etwas mit den C Alto Hörner zu tun haben, die Haydn während seiner Zeit bei Esterhazy gerne einsetzte. Sie haben einen brillant hellen und fast Trompeten-artigen Klang und Haydn verwendete sie gerne als Ersatz für Trompeten, die im Esterhazy Orchester oft fehlten. So weit ich weiß, gibt es keine D Alto Hörner.

    Auffällig finde ich schon, dass C-Dur Sinfonien in Haydns späten Schaffen eher eine untergeordnete Rolle spielen. Während es bei den Londonern nur eine einzige C-Dur Sinfonie gibt (Nr. 97), ist D-Dur in der selben Werkgruppe gleich 4 mal vertreten (Nr. 93, Nr. 96, Nr. 101 & Nr. 104).

    Ich habe zwar Sinfonie 33 in meiner Liste inkludiert, jedoch muss ich zugeben dass ich viele der frühen C-Dur Sinfonien schon lange nicht mehr gehört habe. Tristan2511 wies mich schon auf die Nr. 20 hin und ich habe mir vorgenommen Werke wie Nr. 2,9,32 & 38 wieder einmal zu hören. Ich bin mir sicher, dass es die eine oder andere Wiederentdeckung geben wird.

    Ich habe ja gewusst, dass es auch noch andere Anhänger von Haydns C-Dur Sinfonien geben muss...


    Danke für den Hinweiß von Sinfonie 20. Habe ich nicht so am Radar gehabt, aber nachdem ich vor ein paar Tagen sie mit Solomons hörte, ist sie in meiner Einschätzung gestiegen.

    Die Hogwood Box war tatsächlich ein Segen in der Zusammenstellung meiner Haydn Sammlung. Sie deckt alle Sinfonien bis zu Nr. 75 ab und hat zumeist auch die besten Aufnahmen der jeweiligen Werke. Es gibt natürlich Ausnahmen, so bevorzuge ich Solomons Aufnahme der Abschiedssinfonie zu der von Hogwood. Auch gefällt mir Nr. 50 mit Tafelmusik unter Bruno Weil besser als die von Hogwood. Das sind jedoch nur Nuancen und wenn man für die Sinfonien 1-75 nur Hoogwood hätte wäre das mehr als ausreichend.


    Schwieriger wird es bei den späteren Sinfonien. Für 76-81 ist Fischer ganz in Ordnung, bei den Parisern ist Harnoncourt nicht schlecht und bei 88-92 ist man mit Kuijcken und seiner kleinen Bande ganz gut bedient. Bei den Londonern habe ich bis jetzt keine einzige Gesamtaufnahme gehört, die in allen Werken zufriedenstellend ist. Ich habe mir hier meine persönliche Kollektion zusammengestellt:


    Marc Minkowski - Sinfonien 93, 102 & 104

    Franz Brüggen - Sinfonien 94 & 95

    Hogwwod - Sinfonie 96

    Harnoncourt - Sinfonien 97, 98, 99 & 100

    Hickox - Sinfonie 101

    Kuijken - Sinfonie 103

    Lieber Alfred,


    da ist etwas dran. Deine Analogie zu Ritterspielen ist hier auch sehr zutreffend. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Sehnsucht eine nach einer idealisierten Vergangenheit ist. Das an der Vergangenheit, das wir als schön empfinden und nicht die Sachen die uns weniger gefallen. Um deine Analogie fortzuführen: Als meine beiden Jungs noch klein waren, war jedes Ritterfest ein muss. Wir erfreuten uns an den Gauklern und den Turnieren (ohne Blut natürlich) waren aber dann doch froh zu Mittag nicht tatsächliche mittelalterliche Kost essen zu müssen, sondern ich konnte meinen Jungs Burger und Pommes anbieten, die es im Mittelalter gar nicht gab. Ähnlich bei „authentischer“ alter Musik. Klar mögen wir den Klang alter Instrumente und finden vielleicht auch die damalige Spielweise (z.B. spärlichen Vibrato) interessant, aber würden wir wirklich einige der damaligen Praktiken wieder aufleben lassen. Im 18. Jahrhundert wurde beispielsweise kaum geprobt. Wollen wir wirklich etwa die Jupiter Sinfonie vom Blatt gespielt hören? Oder wollen wir wirklich die Eroica mit einem mini Orchester mit 3 ersten Violinen hören, weil das bei der Uraufführung so war? Damals wurden auch Sätze und Instrumente bei Aufführungen gestrichen oder ersetzt, weil es gerade den Gegebenheiten entsprach. Sollte diese Praxis wieder belebt werden? Ich bin natürlich kein Gegner von HIP Aufführungen, aber Authentizität bleibt dann doch ein Ideal, dem wir uns vielleicht annähern aber nie erreichen können. Problematisch wird es wenn das ganze zur Dogma wird (siehe Thread ENDLICH ERSCHIENEN!!! Neues Regelwerk für HIP Aufführungen).

    Ich gebe Dir natürlich Recht, die Bewertung ist rein subjektiv. Ich wollte niemanden hier im Forum die Freude an Berlioz und Wagner nehmen. Aber wie ich gerade in einem anderen Thread geschrieben habe, das Siegfried Idyll, das ich vor kurzem bei einem Konzert hörte, ist kein schlechtes Werk.

    Ich bin von Haus aus kein allzu großer Fan von Kadenzen, weil mir da der Dialog zwischen Orchester und Solist abgeht (für mich das spannendste an einem Konzert). Generell sollte die Kadenz eine Improvisation des Solisten sein, um so auch sein Können und seine künstlerische Fantasie zu zeigen. Wurde vom Komponisten eine Kadenz auskomponiert, ist es natürlich legitim diese zu spielen, da sie der Intension des Komponisten folgt. Spätere, von anderen Komponisten komponierten Kadenzen sehe ich eher skeptisch, weil da dem Werk die Persönlichkeit des zweiten Komponisten aufgedrückt wird und das manchmal wie ein Fremdkörper wirken kann. Beethovens Kadenz für Mozarts 20. Klavierkonzert ist so ein Fall. Sie ist natürlich gut komponiert, aber klingt dann doch eher wie Beethoven und nicht wie Mozart. Wenn dann noch Kadenzen von modernen Komponisten für Werke des 18. und (frühen) 19. Jahrhundert dazu kommen, ist das für mich nur noch schwer verdaulich. Ich mag beide Epochen, aber ich muss sie nicht unbedingt in einem Werk vermengen. Es stellt sich somit auch die umgekehrte Frage: Ist es dann legitim eine Kadenz aus dem 18. Jahrhundert für ein Konzert der Moderne zu verwenden?

    Mir ist noch so ein Stück untergekommen, nämlich Wagners Siegfried Idyll. Ich hörte es beim Konzert der Salzburger Festspiel letzten Freitag, als Daniel Barenboim mit diesem Stück eröffnete. Es folgten übrigens bei diesem sehr guten Konzert noch Mendelssohns erstes Klavierkonzert und die Eroica.


    Wagner ist vielleicht der Komponist, um den ich mich am meisten bemühte, aber nie einen Zugang gefunden habe. Das rührt daher, dass viele meine Freunde Wagnerianer sind und mir ständig einredeten ich versäume etwas ganz großes (was ich wahrscheinlich tue) und die Tatsache dass Wagner in der Musikgeschichte eine sehr tragende Rolle hat. Ich tue mir hier natürlich schwer, weil ich das Genre Oper nicht sonderlich mag (ich gehe hin und wieder in die Oper, aber viele CD‘s von Opern habe ich nicht) und ich mich für Wagners nicht-Opern Musik, wie zum Beispiel die C-Dur Sinfonie, auch nicht wirklich erwärmen konnte. Ausser dem Siegfried Idyll, das ich letzten Freitag hörte. Zu einem ist es ein Stück, das nicht ein übergroßes Orchester benötigt, zweitens ist das Werk wahrscheinlich die sanfteste Musik von Wagner die ich kenne. Zugegeben, es ist ein wenig lang (wie alles bei Wagner), aber doch ein lohnendes Werk. Ich werde mir demnächst eine CD davon anschaffen, auf der natürlich auch andere Stücke sind (Das Idyll dauert ja „nur“ 20- 25 Minuten), vielleicht mache ich da auch noch eine andere Entdeckung.

    Es ist für einem jungen Musiker vielleicht auch interessanter Teil eines Quartetts zu sein. Als Solist bist du ständig im Fokus und alle anderen unterwerfen sich dir. Aber in einem Streichquartett bist du mal der Führende und im nächsten Moment der Begleiter. Es ist auch bezeichnend das zelebrierte Solisten wie Pinchas Zuckermann gerne auch an Kammermusik teilnahmen (oft zweite Viola bei Streichquintetten).

    Ja, Haydns Streichquartette sind in der Tat ein Monument. Sie sind vielleicht auch meine liebstes Genre von ihm (sehr schwer zu sagen, mit all den anderen tollen Werken). Ich habe die GA von den Festetics, Angeles und Buchberger plus viele Aufnahmen von den Mosaiques und dem London Haydn Quartet (Auryn leider noch nicht, aber wahrscheinlich werde ich da irgendwann einmal zugreifen). So schräg es auch klingt, ich höre alle diese Aufnahmen (einige mehr als andere). Das ist einfach Musik die man immer hören kann.

    Ich dachte lange über den Titel des Threads nach: Was mich an Haydn fasziniert? Es kamen mir dabei viele Gedanken, die aber andere Tamino Mitglieder schon erwähnten, ausser einen: Haydns Kunst aus wenig (oder fast gar nichts) viel zu machen, etwas in dem ihm keiner übertrifft und auch nur wenige ihm nahe kommen. Das betrifft zu einem Besetzungsgröße. Es ist nicht sonderlich schwer mit einem riesigen Orchesterapparat einen beeindruckenden Klang zu erzeugen und ein Publikum mitzureissen, aber was wenn man nur ein kleines Kammerorchester zur Verfügung hat? Gerade Haydns Sturm und Drang Sinfonien sind auch deshalb Meisterwerke, weil sie mit einem kleinen Orchester (Oboen, Hörner und Streicher (Fagott col Basso)) eine ungeheure Ausdrucksstärke erreichen. Auch die spätere Nelsonmesse ist ein sehr dramatisches Werk, kommt aber mit einem kleinen Chor, drei Trompeten, Pauken, Streicher und Orgel aus. Dieses Prinzip mit einer geringen Besetzung vielseitige und große Werke zu schaffen zeigt sich am meisten im Streichquartett, das man auch als die ultimative Reduktion des Orchesters sehen kann. Hier kann man schwer eventuelle Schwachstellen mit einer schönen Klangfarbe überdecken, hier kommt es auf die Musik alleine an. Es wäre nicht abwegig zu vermuten, dass Haydns Sinn für Ökonomie sein Interesse an dem Streichquartett beflügelte. Ich möchte damit natürlich nicht seine Kunstfertigkeit im Umgang mit großen Orchestern schmälern, denn seine Pariser und Londoner Sinfonien sowie die beiden späten Oratorien zeigen eindeutig, dass er auch diese Kunst beeindruckend beherrschte. Aber bezeichnend ist auch, dass Haydn sich nach solchen Werken gerne wieder dem kleinen Ensembles widmete wie zum Beispiel den späten Quartetten nach den Londoner Sinfonien.


    Thematische Ökonomie ist eine andere Weise aus wenig viel zu machen. Thematische Vielfalt ist keineswegs etwas schlechtes und Mozart zeigt beeindruckend die Kunst verschiedene Themen zu einen Satz zu schmieden. Aber Haydns Kunst ist es ein Thema immer wieder auf andere Art zu präsentieren um so damit einen ganzen Satz zu bestreiten. Zwei Beispiele in dem dieses Prinzip fast überspitzt angewendet wird, stammen beide aus dem Jahr 1787: Das Quartett op 50 Nr. 1 und Sinfonie Nr. 88. Die Kopfsätze beider Werke kommen jeweils mit einem kleinen Motiv aus, das immer wieder neu präsentiert wird, so dass farbenfrohe und abwechslungsreiche Sätze entstehen, obwohl man nur ein Thema gehört hat. Diese beiden Werke sind natürlich nur zwei Beispiele von Haydns thematischer Ökonomie, die aber in seinem Oeuvre weit verbreitet ist, denn Monothematik ist bei Haydn eher anzutreffen als bei Mozart oder Beethoven.

    Inwieweit original Instrumente oder moderne Instrumente jetzt die „richtigen“ sind ist letztlich Geschmacksache. Meiner Meinung nach wird die „Authentizitätsfrage“ nie zufriedenstellend geklärt werden, muss sie aber auch nicht. Ob jetzt Mozarts C-Moll Fantasia und Sonata auf einem modernen Flügel oder einem Klavier von Walter besser ist, entscheiden wir alle für uns selber. Mein persönlicher Zugang zu original Instrumenten ist weniger über die Klangfarbe bestimmt (obwohl sie natürlich auch eine Rolle spielt), sondern eher über die Kombination diverser Instrumente. Ich erwähnte Haydns Klaviertrios in meinem vorigen Beitrag und da machte die Kombination von Violine, Cello und Klavier (für mich) mehr Sinn mit historischen Instrumenten als wie mit modernen. Auch Mozarts Klavierkonzerte waren (für mich) auf original Instrumenten gespielt eine Offenbarung (ich habe alle Mozart Konzerte auf modernen und original Instrumenten) und ich hörte die Werke ganz anders als zuvor. Wie sich historische Blasinstrumente mit original Streichern und einem historischen Klavier kombinierten war für mich ein faszinierendes Erlebnis und das kann einfach nicht mit modernen Instrumenten realisiert werden. Dasselbe mit Sinfonien der Klassik. Ich möchte damit nicht sagen, dass es falsch sei diese Werke mit modernen Instrumenten zu spielen, aber die Klangkombination ist dann doch eine andere (nicht besser oder schlechter). Ich spiele meine Aufnahmen mit modernen Instrumenten schon noch, aber in letzter Zeit greife ich vermehrt zu original Instrumenten.


    Interessanterweise bevorzuge ich bei Klavier alleine moderne Instrumente, auch bei frühen Haydn und Mozart, aber da geht es ja nicht um die Kombination von verschiedenen Instrumenten. Ich habe einige Aufnahmen von Haydn, Mozart und Beethoven Sonaten mit historischen Instrumenten gehört, finde sie nicht schlecht, aber komme dann doch zu meinen Aufnahmen mit modernen Klavieren zurück.

    Ich glaube, dass man bei dieser Diskussion auch die Intension des Komponisten in Betracht ziehen sollte. Wir können diese natürlich nicht direkt abfragen, aber einige Schlussfolgerungen können wir schon machen. Ein so ein Fall stellen Haydns Klaviertrios dar. Haydn komponierte die meisten von ihnen spät und auffallend ist, dass es zeitgleich kaum mehr Klaviersonaten von ihm gibt. Die Streicher (vor allem das Cello) sind eng an das Klavier gekoppelt und „ergänzen“ somit ein Instrument, das für Haydn nicht ganz befriedigend war (ist natürlich nur Spekulation meinerseits). Bezeichnend ist auch, dass Haydn die Werke nicht Klaviertrios, sondern begleitete Klaviersonaten nannte. Spielt man sie auf modernen Instrumenten, werden die Streicher an die Wand gedrückt und wirken manchmal überflüssig. Werden die Trios hingegen mit historischen Instrumenten gespielt, entfalten sich alle Instrumente und ergänzen sich perfekt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Haydn auch ein Meister der Klangfarbe war und die Kombination von Violine, Cello und Klavier bot ihm eine bessere Ausdrucksmöglichkeit für seine Klaviermusik als das Klavier alleine. Hätte Haydn einen modernen Flügel gehabt, wäre es vielleicht anders gewesen…


    Insofern würde ich bei Haydns Solo Klaviermusik für ein modernes Instrument plädieren. Dasselbe bei Mozart übrigens auch, weil er sich mit dem Klavierkonzert (also Klavier mit Begleitung) mehr identifiziert hat als mit der Klaviersonate.

    Alfred, du hast einen ganz wesentlichen Punkt angesprochen. Es ist natürlich weit praktischer und ästhetischer wenn die CDs in der Box verschiedene Coverbilder haben. Als positiv Beispiel zu nennen: Die Box mit den gesamten Haydn Sinfonien mit Fischer, Die Haydn Sinfonien Box mit Solomons und die Box mit allen Villa-Lobos Quartetten, obwohl bei „nur“ 6 CDs es nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Absolute negativ Beispiel: Haydns Messen mit Richard Hickox. Die Covers sind nicht nur alle gleich, sie haben nicht einmal die entsprechenden Werke angegeben, sondern nur eine einzige Nummer. Man muss anhand der Nummer die Werke aus dem Booklet erfahren. Ansonsten eine wunderschöne Box…

    Es kommt manchmal ganz anders als man denkt. Als mein Vater mich in jungen Jahren zur klassischen Musik bringen wollte, spielte er mir ein Stück vor, das seiner Meinung nach mir gut gefallen würde. Es handelte sich hier um Mozarts Eine Kleine Nachtmusik. Er wollte mir auch nur den ersten Satz spielen, um mich nicht zu überbeanspruchen. Ich hörte mir die Musik an, war aber eher gelangweilt. Enttäuscht über meine Reaktion wollte er schon die Platte vom Spieler nehmen, war aber nicht schnell genug, so dass die ersten Takte der Romanze ertönten. Ich war fasziniert und bat meinen etwas überraschten Vater die Musik weiter spielen zu lassen. Beim Menuett war es dann schon wieder aus. Bis heute ist die Romanze mein liebster Satz der Kleinen Nachtmusik. Die selbe Überraschung erlebte ich später als Vater auch: Die üblichen „Klassik Schlager“ wie die Kleine Nachtmusik oder die vier Jahreszeiten ließen meinen Sohn kalt, aber Schostakowitschs erstes Cellokonzert und Sibelius dritte Sinfonie sprachen ihn sofort an.

    Ah, der Fluch und Segen der Boxen! Ich habe in meiner Sammlung etliche Boxen, die ich natürlich nicht alle durchgehört habe. Ist auch eine Frage der Zeit. Viele Komponisten haben und unendlich viel herrliche Musik hinterlassen, so dass man garnicht mit dem anhören nachkommt. Trotzdem bin ich froh die Möglichkeit zu haben alle Werke eines bestimmten Komponisten anhören zu können. Ob man es dann tut ist eine andere Sache. Das war nicht immer so. Ich kann mich erinnern als ich begann klassische Musik zu hören, war es oft mühsam Aufnahmen von bestimmten Werken abseits der ganz berühmten zu bekommen. Jetzt ist das kein Problem mehr wenn jemand zum Beispiel Bachs Kantate Nr. 162 oder Mozarts Sinfonie Nr. 12 hören möchte. Aber es bleibt dann doch das Problem, dass man oft zu einer Box greifen muss, wenn man eine CD von einem bestimmten Werk oder Werken haben möchte. Mir passierte das vor einiger Zeit als ich zufällig eines von Haydns Barytontrios hörte. Ich war von der Musik fasziniert und als ich erfuhr, dass es davon 7 (plus ein Quintett) gab, wollte ich sie auf CD haben. Es gab drei Aufnahmen. Eine Doppel CD von Ricercar, zwei Einzel CDs von Koch und einen Klotz mit allen Barytonwerken von Haydn von Brilliant. Seltsamerweise war die Brilliant Box mit ihren 20 irgendwas CDs günstiger als die CDs von Koch oder Ricercar. Also besitze ich jetzt alle Barytontrios, Duos, Solostücke und natürlich die Oktette. Die zwei CDs mit den Oktetten höre ich ständig, die anderen habe ich bis heute nicht durch.


    Aber OK, das Thema hier war ja welche Gesamtaufnahme mir die meiste Freude macht. Eine Box die ich sehr schätze ist leider nicht eine Gesamtaufnahme geworden, war aber als solche geplant. Die Rede ist von Hogwoods Aufnahme der Haydn Sinfonien. Er ist bis Nr. 77 gekommen (die Box geht aber nur bis Nr. 75), also doch eine gute Anzahl. Man bekommt fast alle Esterhazy (und Morzin) Sinfonien toll musiziert und bei den Pariser und Londoner Sinfonien gibt es eine gute Auswahl anderer Aufnahmen. Leider ist diese Box zur Zeit nicht verfügbar, man kann nur hoffen, dass sie wieder kommt.

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