Beiträge von Musikprofessor

    Habe mich vor kurzem in die Stimme des Tenors Michael Spyres verliebt

    Das kann ich bestätigen. Habe ihn zuletzt in 2 sehr konträren Rollen an der Wiener Staatsoper gehört, Florestan und Nemorino, beide perfekt gesungen.

    Er ist zwar keine "neue Stimme", geht auf die 50 zu, ist in den USA schon länger eine große Nummer, hat aber in Europa eine eher späte Karriere gestartet, an der WSO regelmäßig und häufiger erst seit 2024.

    Er bezeichnet sich übrigens auf Grund seines dunklen Tenors als "BariTenor".

    Franz Liszt. Darin verarbeitet er Tänze Franz Schuberts. Ich erinnerte mich an den Thread und ich nahm mir vor nachzuschauen, wie sich der ungarische Komponisten

    "Franz Liszt. Darin verarbeitet er Tänze Franz Schuberts. ......wie sich der ungarische Komponist....."


    Sorry, aber Liszt gilt als Österreicher, geboren in Raiding, Komitat Ödenburg, Kaiserreich Österreich-Ungarn.

    Raiding ist heute eine Gemeinde im Bezirk Oberpullendorf, Bundesland Burgenland, Österreich.

    Man kann ihn als relativierend als "Österreich-Ungar" bezeichnen.

    Nach der Live-Carmen in Salzburg vergangene Woche: Musikalisch noch besser als nach der TV-Übertragung erwartet. Ein perfekt eingespieltes Team ohne leichte Anlaufprobleme wie wie bei der Premiere. Alle 4 Hauptpersonen brillant vertreten, mit der Ausnahme, dass die perfekt singende und auch spielende Grigorian eben ein Sopran und kein rollenspezifischer Mezzo ist. Auch Dirigat, Orchester und Chor höchstes Niveau.

    Szenisch noch schlimmer als befürchtet. Ständig dunkel und ununterbrochen torkelt oder kriecht eine Nebenfigur über die Bühne. Das hat den musikalischen Ablauf vehement gestört, denn man hört auch mit den Augen.

    Den Trovatore im Teatro-Real in Madrid in Glanzbesetzung angesehen.

    Die Inszenierung war nüchtern, aber nicht störend. Die Bühne ist praktisch leer, bis auf einen gelegentlichen Holzquader, einen bunkerähnlichen Turm und eine schmale Säule mit Neonstreifen, die gelegentlich hin und her geschoben wird. Hineininterpretieren darf man hier nicht viel, aber die Kostüme waren wenigstens authentisch.

    Die musikalische Seite war überzeugend, wobei Beczala die Erwartungen als Manrico nicht ganz erfüllen konnte. Insgesamt eine solide Leistung, aber kein wirklicher Glanz, dafür ist er zu alt, obwohl er mit jugendlicher Eleganz im ersten Akt aus dem Stand auf den Quader gesprungen ist. Gelegentlich klingt er etwas spröde. Und ausgerechnet die Stretta ist ihm nicht ganz gelungen, am Schluss wurde er ziemlich zugedeckt, auch ein Verschulden des Dirigats, und die Spitzentöne hat er nach wenigen Sekunden abgebrochen.

    Die beste Leistung des Abend erbrachte Marina Rebeka als Leonore, in allen Belangen Spitze. Auch Artur Rucinsky, Landsmann von Beczala, sang überzeugend die Baritonrolle des Luna und die mir unbekannte Ksenia Dudnikova eine Acuzena auf Augenhöhe mit den drei Vorgenannten.

    Ausgezeichnet die Chöre und sehr gut Dirigat, Nicola Luisetti, und Orchester, vielleicht mit einigen wenigen kleinen Schönheitsfehlern.

    Wieder eine Bestätigung, dass man nicht nur in Wien große Oper macht.

    In der Grazer Oper den Hoffmann angesehen und es war in allen Bereichen durchaus überzeugend.

    Musikalisch sowieso und die Sängerriege, mehr oder weniger aus internationalen No-Names bestehend, war ganz hervorragend, allen voran M. Koziorowsky in der Titelrolle und Anna Brull als Muse auf Augenhöhe. Dirigent Johannes Braun hatte alles bestens im Griff und Chor und Orchester waren ebenfalls auf gutem Niveau, wenngleich die Grazer Philharmoniker gelegentlich etwas scharf klingen.

    Überraschend sehenswert war auch die Inszenierung, eine Ko-Produktion mit der Deutschen Oper Rhein/Düsseldorf aus 2023. Modern mit teilweiser Videoproduktion, aber nie geschmacklos oder abwertend, gelegentlich vielleicht etwas sexistisch.

    Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Opernabend, wie er sein soll.

    vorzugsweise Österreichisch-Deutsch-Italienisch-Französisch ausgerichtet. Allerdings je nach Zeitalter unterschiedlich. Ich haber weder zu russischer Musik, noch zu skandinavischer eine besondere Zuneigung, das gilt auch für deren Küche oder Parfüms etc.

    Dem kann ich mich anschließen, wobei, wie immer, Ausnahmen die Regel bestätigen, und die sind in diesem Fall Tschaikowsky und Grieg. Bei der Küche auch, denn da liegt Italien deutlich vor Frankreich und Peru.

    Aber über Geschmack lässt sich nicht streiten.

    Die beiden Spiele, die ich bisher gesehen, Eröffnung und Can - Bih, waren spielerisch unter den Erwartungen und durch übertriebene Härte geprägt.

    Werde mich in der Vorrunde zurückhalten und, wie Dr. Pingel richtigerweise meint, auf Zusammenfassungen beschränken.

    Prokofjew schon! Nach einer KI-Anfrage war er mit etwa 190 cm eine sehr auffällige und hochgewachsene Erscheinung. Schostakowitsch hingegen ist diesen Angaben zugolge mit geschätzten 168 cm bis 170 cm deutlich kleiner, was auch in der physischen Größe zu einem starken Kontrast zwischen den beiden Komponisten führte

    Na dann ist Beethoven ein ganz kleiner, war ja angeblich nur ca. 1,60 groß

    Jordan wurde ja nicht zuletzt wegen seiner kritischen Einstellung zum Regietheater, die er auch öffentlich kolportiert hat, von Rosic "abgeschossen."

    Ist zwar ein Aderlass, aber in der Oper ist Jordan nicht ganz so effizient wie im Konzertsaal, wenn man z. B. an seine großartigen Beethoven-Zyklen mit allen Symphonien denkt, zuerst Paris, dann Wien

    Das musikalische Niveau kann man dem Wiener Operndirektor nicht vorwerfen, das ist großartig, aber die Szene ist sanierungsbedürftig, da hat Jordan völlig recht.

    Und der Ring von Kosky ist nicht "wenig gelungen", sondern völlig misslungen.

    Wien hat sich erst 22 Jahre nach der Erstaufführung und 5 Jahre nach Venedig entschlossen,

    Trotzdem wird die Inszenierung ziemlich inflationär gehandhabt und ist alles andere als authentisch, ganz gleich, wo sie zuerst war.

    Wie gesagt, mir geht es primär um den musikalischen Ablauf und ich bin froh, wenn die Szene nicht stört, alles andere ist sekundär.

    Da spricht der Musikprofessor. Kann man wohl so sehen, wenn man die Entwicklungen in der klassischen Musik ab etwa 1920 ignoriert

    Schon was von Geschmack gehört? Ich ignoriere diese Entwicklung nicht, sondern vieles gefällt mir nicht, und das ist mein gutes Recht. Turandot, ein Meilenstein der Operngeschichte, wurde 2 Jahre nach Puccinis Tod teilweise aus Skizzen 1926 von Alfano finalisiert, eine für mich hervorragende Musik. Oder etliche Werke von R. Strauß auch deutlich nach ihrem Datum vollendet.

    Und wenn Sie sich jeden Schas anhören, sorry, ist das auch Ihr gutes Recht.


    Unpassende Reaktion; bitte mässigen Sie sich. TP

    Der Lokalpatriotismus in dem obigen Bericht zu Carmen ist vollkommen fehl am Platz

    Warum? Der musikalische Ablauf hat ja nichts mit der Inszenierung zu tun und der war komparativ in Wien besser als in Venedig.

    Waren sie dort?

    Ich war in beiden Häusern und weiß, wovon ich schreibe.

    Außerdem ist Wien auch objektiv zur Zeit das weltweit erste Haus was die Musik betrifft, über die Szene kann man diskutieren und da ist man nicht im Spitzenfeld.

    Bei seinem letzten Auftritt im Konzerthaus konnte er mich nicht wirklich überzeugen. Vor allem die Pathetique, Beethovens Meistersonate, hatte Defizite in der Umsetzung und der wunderbare 2. Satz viel Luft nach oben. Das gilt auch für Opus 110, wobei ich Mozarts Rondo nicht wirklich beurteilen kann, weil ich das Werk zu wenig kenne, was aber vor allem für den Rest gilt, Albinez und Granados. Wirklich überzeugend war er bei Liszt und einer Draufgabe von Chopin.

    Vor allem bei Beethoven habe ich da mehr Präferenzen für Igor Levit, wobei auch die "Alten", etwa Argerich oder Buchbinder, zu überzeugen wissen.

    Was allerdings bei Lang-Lang einmalig ist, ist das Showelement, das er wie kein anderer beherrscht, und das ja auch zu einem Klavierabend gehört.

    Weniger unbeliebt als überrepräsentiert, zumindest in vielen Konzertsälen.

    Damit meine ich nicht Tschaikowsky oder Rachmaninow, gehören zu den ganz großen, sondern Schostakowitsch, sein Jubiläumsjahr ist längst vorbei, und Prokofiev, beide in der aktuellen Dosierung absolut entbehrlich.

    Die Nationalhymnen lassen sich durch Wegzappen umgehen

    Für manche gilt das, aber einige sind großartig. Die deutsche sowieso, Haydn, die wir damals weggeworfen haben, die Marseillaise oder die amerikanische, beliebig fortsetzbar. Die italienische, angeblich von Donizetti, wird mir jedenfalls abgehen.

    ihrer kaum zu überbietenden Arroganz

    Ist nicht mehr so arg wie früher, da haben sie dazugelernt, wirklich schlimm ist die Überheblichkeit der Engländer geworden.

    Hatte bei meinem letzten London-Besuch ein kurzes Gespräch mit einem Opernbesucher, der meinte, Purcell und Britten sind überhaupt die Größten, weit über Beethoven, Mozart und Tschaikowsky. Selten so gelacht.:jubel:

    Aber trotzdem finde ich, dass die französische Musik deutlich unterbewertet wird.

    Stiffelio, Verdis Frühwerk der mittleren oder Spätwerk der frühen Schaffensperiode, je nach Perspektive, wurde im TaW aufgeführt, insgesamt etwas durchwachsen.

    Die Handlung wurde vom evangelischen Deutschland in die Welt der Amish verlegt, keine wirklich schlechte Idee, weil stimmig, und auch nicht störend. Die sich "ständig rasch rotierende und schwindlig machende" Bühne, so sinngemäß eine Kritik, dreht sich allerdings mit überschaubarer Geschwindigkeit und zeigt jeweils den Raum, wo die Handlung gerade spielt, vor allem Gebetsraum, Schlafzimmer, Küche, Wohnraum und ist nicht wirklich beeinträchtigend.

    Musikalisch war es ein Wettbewerb zwischen Orchester und Sänger, hatte man den Eindruck. Dirigent Rhorer versuchte offenbar, die Sänger zuzudecken, was ihm aber nie wirklich gelungen ist, denn die waren ausnahmslos noch lauter, aber durchaus überzeugend. Die Stimmen sind allerdings für das relativ kleine Haus zu groß und passen mehr in die WSO, Met, Scala oder gleich nach Verona.

    Technisch durchaus überzeugend, wobei alle drei Hauptprotagonisten gleichwertig agierten: Tenor Ganci in der Titelrolle, Bariton Vasallo als sein Gegenspieler und dazwischen Joyce El-Khoury, alle sehr lautstark, aber durchaus überzeugend.

    Man nimmt zwar nicht viel mit und Verdi hat melodiösere Opern komponiert, aber auch dieses Werk kann man musikalisch subtiler inszenieren.