Beiträge von Orffeus

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    Diese Air verwendet Weber tatsächlich und schreibt ebenfalls nebst Piccoloflöte eine kleine sowie große Trommel, Triangel und Becken vor:

    Dazu auch wieder ein Zitat aus o.g. Essay:

    Allerdings gibt es in der Ouvertüre einen tanzartigen Teil (e-moll), der bei Koopman mit Schellen unterlegt wurde

    Zitat aus dem Essay von Gisela Probst:

    Zitat

    Vor dem 18. Jahrhundert fanden sich in der Musik der Chinesenopern keinerlei chinesische Elemente. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts wuchs die Lust auf musikalische Exotismen. Das einfachste Mittel war dabei die Verwendung von exotischen Instrumenten, insbesondere Schlaginstrumenten. Oftmals wurde das türkische Instrumentarium einfach auf chinesische Sujets übertragen, „denn in der Musik der exotischen Opern waren die Grenzen zwischen nahöstlichem, indianischem und fernöstlichem Kolorit fließend“ (Tzu-Kuang Chen 2006, S. 38). Zum türkisch-chinesischen Instrumentarium gehörten Becken, Tamburin, Trian­gel, Schellen, Glöckchen, kleine und große Trommel, Pauken, Trompeten, Piccoloflöten, Hackbrett und Schellenbaum.


    Karl Ditters von Dittersdorf, der als Konzertmeister an der Wiener Aufführung von Glucks „Le Cinesi“ teilnahm, berichtete von kleinen Glöckchen, Triangeln, kleinen Handpauken und Schellen u. dgl. Instrumenten im Orchester, durch die in dieser Oper ein chinesisches Flair erzeugt werden sollte (Gradenwitz 1977, S. 171). Diese Instrumente sind in der Partitur nicht vermerkt, wurden demnach improvisiert. Auch Jean-Baptiste Lully gab in seiner Musik zu „Le Bourgeois gentilhomme“ (1670) das exotische Instrumentarium nicht an. „Die erhaltenen Partituren früher Opern mit chinesischen Sujets geben (...) nicht immer ein genaues Bild des beabsichtigten Kolorits; zeitgenössische Berichte von Theater- und Ballettaufführungen be­lehren uns, dass ‚exotische Instrumente‘ an bestimmten Stellen eingesetzt wurden, um solches Kolorit anzudeuten, doch in den Partituren sind diese Instrumente nicht eingezeichnet“ (Gra­denwitz 1977, S. 171).


    Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden einige chinesische Melodien von Europäern aufge­zeichnet und in Europa bekannt gemacht. Meist jedoch griffen die Komponisten keine origi­nal chinesischen Melodien auf, sondern sie erfanden eigene, pseudo-chinesische Melodien

    Sie müssen also doch auf die eine oder andere Weise bekannt gewesen sein

    Sieht nach Hörensagen aus, bei der Pipa, so es denn eine sein soll, fehlen zwei Knebel, und die Guzheng wurde eindeutig zu heiß gewaschen. Und selbst wenn die Instrumente ihren Weg nach Europa gefunden haben (was sogar wahrscheinlich ist) fehlt immer noch ein handelsüblicher Chinese der damit auch umgehen kann.

    Ich glaube, es wurde irgendetwas am Griffbrett erneuert oder justiert

    Die Griffbretter selbst müssen von Zeit zu Zeit plan geschliffen werden, auch löst sich der Leim am Korpus nach einigen Jahrzehnten gern mal ein wenig, aber das sind reine Instandhaltungen, die Umbauten in den 1800ern waren gravierender Natur, andere Baßbalken, andere Hälse, andere Pfosten, eigentlich blieb nur der Korpus unangetastet.

    Man hat diese berühmten und wertvollen Instrumente tatsächlich 'aufgebohrt'?

    Unglaublich aber wahr. Der dramatischste Umbau soll wohl Paganinis "Kanone" aus dem Hause Guarnieri sein, die langen Hälse wurden angeflanscht aus weitgehend den gleichen Gründen warum der "moderne" Flügel gebaut wurde, mehr Umfang, größere Dynamik, mehr Projektion. Siehe dazu auch hier:

    https://www.geigenbauonline.de…ris-zeiten-und-heute.html

    und es entsteht dafür eine andere Ästhetik

    Ohne reingehört zu haben: Was aber wohl an der Spielweise liegt, Darmsaiten sind wie gesagt nicht ungewöhnlich. Die Violine ist für HIP-Aufnahmen auch ein denkbar undankbares Instrument, die größten Veränderungen fanden Anfang des 19. Jahrhunderts statt, als zum Beispiel reihenweise die Griffbretter verlängert wurden, auch an Stradivaris oder Guarnieris und Amatos. Kein Mensch würde die heutzutage wieder zurückbauen. Und nachbauen bei identischem Klang ist auch erwiesenermaßen unmöglich.

    Es wäre interessant herauszufinden, ob es in der portugiesischen klassischen Musik etwaige chinesische Einflüsse gibt.

    Ich vermute eher das da arabisches zu finden sein wird, aufgrund der langen arabischen Herrschaftszeit, der Fado zum Beispiel ist arabischen Ursprungs, auch die Gitarre ist eine Weiterentwicklung der arabischen Kurzhalslaute.

    Und die fremden Völker wurden im 18. Jahrhundert nicht als "Wilde" gesehen

    Das kommt nicht von mir:

    Zitat


    Noch 1851, zu einer Zeit, als man sich in Europa intensiver mit chinesischer Musik auseinanderzusetzen begann, schrieb Hector Berlioz, dass „die Chinesen und die Inder ... noch in der tiefsten Barbarei stecken und in einer geradezu kindlichen Un­wissenheit befangen sind ... und die Orientalen von Musik da sprechen, wo wir höchstens von Katzenmusik sprechen ..., für sie ist ... das Scheußlichste das Schöne“ (zit. nach Gradenwitz 1977, S. 12).

    Noch ein interessanter Zusammenhang:

    Zitat

    Chinesen traten erstmals gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf abendländischen Bühnen auf. Die namentlich erste bekannte Oper mit chinesischem Sujet war die 1707 in Venedig uraufge­führte „Taican, Re della Cina“ (Libretto: Urbano Rizzi; Musik: Francesco Gasparini).


    Seit 1750 verbreitete sich die Chinamode in Opern und Balletten. Allerdings spielte die „Chi­nesenoper“ gegenüber der Oper „alla turca“ eine untergeordnete Rolle, was sich auch darin ausdrückte, dass sie deren „exotische“ Stilmittel z.Tl. übernahm. In Frankreich endete sie ab­rupt mit der Französischen Revolution, denn die Chinoiserie war ein Statussymbol des Adels und Besitzbürgertums.

    Chai ( :/ ) Kowski zum Beispiel:

    Da waren die Herren Russen schon viel weiter (wohnten ja auch näher dran), auch die Herren Borodin und Rimsky-Korsakoff hatten da schon ein paar Töne zu zu spucken. Die waren aber

    a) Russen und

    b) viel später dran, nur wenige Jahre später gab es echte javanische Gamelanmusik auf der Weltausstellung in Chicago ;)

    es geht nicht um echte Stilkopien

    Ich versteh schon. Es sollte so klingen, das sich der Pöbel vorstellen konnte wie die Wilden musizieren. Hat aber nicht funktioniert, sondern wurde bestenfalls verklärend dargestellt, und hatte mit der echten türkischen Musik so viel zu tun wie eine Pizza Hawaii mit eine Margherita, nur eine ist echt, die andere versucht das echte als Vehikel für etwas anderes zu nutzen.

    Zum einen gab es das Problem der Notation und der Notensysteme, die chinesisch / fernöstlich meist eher mündlich überliefert wurde, ganz zu schweigen vom Instrumentarium, das bis heute keine authentische chinesische Musik darstellen kann (in entsprechend symbiotischen Einspielungen werden klassische Orchester immer von traditionellen Instrumenten begleitet, die zumeist auch die Melodieführung übernehmen, ich zumindest kenne keine Ausnahmen).

    Dazu kommt ein Eurozentrismus, die europäische Musik war natürlich der Musik der Wilden überlegen, warum also sollte man sich die Mühe machen sich damit auseinanderzusetzen? Türkisch, und mit Einschränkungen, ägyptisch war doch schon exotisch genug, warum also noch so einen Quatsch wie Pentatonik in die gewohnte und allgefällige Form des Dur/Moll-Systems quetschen?

    Interessant dazu sind:

    https://www.researchgate.net/p…tern_Classical_Music#read

    und

    https://hub.hku.hk/bitstream/10722/141071/1/Content.pdf


    Ergänzung: Wann und warum es sich änderte, und ein Abriss der Entwicklung des Imports fremdländischer Töne von der Uni Köln: https://www.hf.uni-koeln.de/file/7494

    Ich stelle gerade fest das dieser Link zu dem Essay von Gisela Probst nur auf das downloadbare html-file verweist, ist aber gefahrlos möglich und lohnt sich mMn, da sehr aufschlussreich.