Beiträge von pbrixius

    Zitat

    Original von Padre
    Ich weis nicht, ob die Frage schon erörtert wurde, was Constanze wohl bewogen haben mag, das unvollendete Requiem nicht, wie Mozart es, ihrer eigene Aussage vom 1. Januar 1826 nach, ausdrücklich bestimmt hatte, Süßmayr, sondern einem anderen Schüler, Joseph Eybler, zur Vollendung zu übertragen?
    Padre :hello:


    Die Aussage von 1826 (wo finde ich die?) ist auf jeden Fall nicht zuverlässig. Es gab mW keinen Auftrag Mozarts an Süßmayr auf dem Sterbebett. Sophie Haibl (Constanzes Schwester) gibt 1825 an, dass Mozart auf dem Sterbebett Johann Georg Albrechtsberger erwähnte. Auch dies ist nicht unbedingt ein Hinweis auf eine "Beauftragung".


    Nach der mir vorliegenden Literatur ist eher davon auszugehen, dass es keinen Auftrag Mozarts gab. Da nun aus pekuniären Gründen die Vervollständigung des Requiems in kurzer Zeit erfolgen musste, wandte sich Constanze an die Schüler Mozarts. Der erste Ansprechpartner war Franz Jacob Freystädter, den Constanze unter Mozarts Schülern als den erfahrensten ansah. Nach der Ausführung der colla-parte-Begleitung gab Freystädter auf. Vom 30jährigen Freystädter zum 26jährigen Eybler (folgte Constanze dem Prinzip der Seniorität?): Eybler gab nach der Instrumentatation von fünf Sätzen der Sequenz auf. Nun kam möglicherweise noch Abbé Stadler zum Zuge, für dessen Beteiligung Indizien sprechen. Danach erging der Auftrag an Süßmayr.


    Wolff (1991) : "Für die konsequente Verschwiegenheit der Beteiligten bietet sich nur eine plausible Erklärung an: absolute Loyalität gegenüber Constanze im Einklang mit der uneingeschränkten Ehrenbezeugung gegenüber dem Genius Mozart. Man war sich darüber einig, im Requiem Mozarts Werk zu sehen und selbst Süßmayrs führende Rolle als untergeordnet zu sehen; andere Mitarbeiter waren gar nicht erst erwähnenswert." (32)


    Es grüßt Peter


    Liegt schon länger bei mir auf dem Stapel - jetzt läuft sie. Es war eine Empfehlung eines guten Freundes, aber meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Warum? Es ist ein Gluck-Bild, das ich nicht goutiere, weil es mE falsch ist: diese edle Einfalt und stille Größe. Die Ouvertüre gerät zu fröhlich und glatt - und das gilt auch für die erste Szene. Wo Gluck seinem Sänger sagte, er solle "Euridice" schreien, als ob ihm ein Bein abgesägt werde, tönt es hier einfach nur schön. Auch die Unterschiede des schmerzvollen Rezitativs und der stilisierten Arie (hier Mensch, dort göttlicher Sänger) werden durch die Schönsingerei verwischt. Die Trauermusik (die vorgeschriebenen Zinken gehörten zur Beerdigungsmusik dieser Tage) gerät zu swingend - dabei soll das Gefilde der Seligen erst zwei Akte später kommen. Insgesamt ein Beispiel, wie man durch zügiges Tempo über die Abgründe hinweg musizieren kann - meine ich


    Es grüßt Peter

    Zitat

    Sieh an, sieh an! Peter Brixius der Internet-Perlenfischer von forum.klassik.com hat sich nun auch des Themas angenommen. Einer der wenigen, der sich in den Foren mit Ratschlägen äußerte.


    Sehr geehrter Herr Höfer,


    mit wem Sie mich auch immer verwechseln, ein Perlenfischer bin ich, doch nicht
    in einem anderen Forum, außer hier am Ort finden Sie mich in der deutschen Klassik-Newsgroup im Usenet. Insoweit sagen mir Ihre Anspielungen auf andere Foren leider nichts - und können dies auch für andere nichts tun. Ihre Anspielungen müssen Sie deshalb leider ausführen, so dass sie für mich und andere verständlich werden.


    Vielen Dank im Voraus


    Es grüßt Peter

    Zitat

    Original von MarcCologne


    Eine ähnliche Reihe (vielleicht nicht ganz so anspruchsvoll), die Serie "Opern der Welt" von Kurt Pahlen nämlich, mag ich aber auch.


    Gerade wenn man eine Oper noch nicht (oder noch nicht so gut) kennt, kann man sich hier anhand des (zweisprachigen) Librettos plus parallel dazu enthaltenen musiklischen Kommentaren (mit zahlreichen kurzen Notenbeispielen) immerhin einen guten Einstieg verschaffen.
    Auf diesem Weg habe ich gleich beim ersten Anhören einer Oper schon eine Menge Zusatz-Infos und Hintergrundfakten.
    Und in jedem Band ist eine wirklich sehr ausführliche Beschreibung der Entstehungs- und Uraufführungsgeschichte der jeweiligen Oper. Spannend, verständlich und nicht so hochtrabend fremdwortgespickt geschrieben (da hat Herr Pahlen ein echtes Händchen für, man merkt ihm die ehrliche Begeisterung für das Metier "Oper" an!)


    Ich finde die Reihe ganz nützlich, wenn man einen schnellen und nicht besonders intensiven Einstieg in eine Oper haben will. Sieht man genauer hin, so entdeckte man eine Reihe von "Stockfehlern", die einem erfahrenen Dirigenten (in seinem Freischütz-Führer, den ich gerade auf dem Schreibtisch liegen habe, nennt er etwa A-C-Es-Fis einen "verminderten Dreiklang" (S. 14)) nicht unterlaufen dürften. Über einige Ein- und Wertschätzungen kann man sich trefflich streiten, das finde ich auch so in Ordnung, nicht aber darüber, dass seine Kenntnis der Sekundärliteratur allenfalls bis in die 50er reicht, wie man sich etwa anhand seiner Darstellung der "Bruchtheorie" in Mozarts "Zauberflöte" vergewissern kann. Gerade auch der "Anfänger" sollte das Recht auf eine historische Darstellung haben, die vielleicht nicht dem aktuellen, aber doch dem Stand der letzten 10 Jahre entspricht.

    Zitat


    Gerade die Kombination der ausführlichen Hintergrundstories mit dem vollständigen Libretto (wenn erforderlich eben auch in der Originalsprache!) plus die musikalischen Hinweise direkt an Ort und Stelle im Libretto-Teil machen diese Opernbücher derzeit konkurrenzlos in ihrer Art.


    Ich stimme darin überein, dass Opernführer dem von Pahlen gewollten Anspruch (normalsprachliche Diktion, ausführliche Information über Handlung und Musik, über Entstehungs- und Wirkungsgeschichte) entsprechen sollten - und sich nicht auf eine einfache Schilderung der Handlung beschränken sollten.


    Der inzwischen entstehenden Reihe von Bernd Oberhoff ("Psychoanalytische Opernführer") - Beispiel
    ist Pahlen auf jeden Fall vorziehen.


    Es grüßt Peter