Beiträge von mcy

    Meine Unbekannten sind:


    9 Billy, Bertrand de
    13 Brunner, Eduard
    15 Cambreling, Sylvain
    20 Corti, Alessio
    22 Endres, Michael
    23 Engerer, Brigitte
    26 Florez, Juan Diego
    32 Grubinger, Martin
    50 Kehrer, Rudolf
    54 Kopatchinskaja, Patricia
    56 Kühmeier, Genia
    65 Montero, Gabriela
    71 Nevel, Paul van
    76 Petibon, Patricia
    79 Podles, Ewa
    89 Schirmer, Markus
    91 Scholz, Katrin
    92 Schornsheim, Christine
    96 Suwanai, Akiko
    104 Wilson, Roland
    105 Yinon, Israel
    107 Zagrosek, Lothar


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo,


    eine Ergänzung zu meinem obigen Posting bzw. zum Buch "Mara" über das gleichnamige Cello von Stradivari:
    Wie gesagt es ist ein nettes Büchlein, an dem aber auch ich einiges zu kritisieren habe. Das von Michael weiter oben verwendete Adjektiv "kitschig" finde ich in dem Zusammenhang aber nicht zutreffend.


    Die Idee des Buches, eine Geschichte aus Sicht eines Instruments zu schreiben ist gut, wenn auch nicht neu. Die Umsetzung ist meiner Meinung vor allem in zwei Punkten nicht gelungen:


    Erstens mangeld es dem Buch an weiteren Ideen und überraschenden Wendungen. Alles ist vorhersehbar und irgendwann werden die Beschreibungen der diversen Besitzer des Instruments und der Legenden zu den Stradivaris langweilig.


    Zweitens sagt mir die Sprache von Wolf Wondratschek nicht zu. Ich habe kein Problem mit den teilweise verschachtelten Sätzen, nur erscheinen sie mir unmotiviert verwendet. An manchen Stellen eine spritzigere Sprache an, anderen Stellen etwas mehr Sinnlichkeit oder eine liebevollere Beschreibung, hätten dem Textfluss gut getan.


    Das Büchlein ist nicht direkt eine Zeitverschwendung, aber leider auch kein großer Wurf, der nachhaltig in Erinnerung bleibt. Als Lektüre zum Thema Geschichten rund um ein Cello empfehle ich Piatigorsky :D


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo,


    vor kurzem habe ich von Wolf Wondratschek das Buch "Mara" gelesen. Es handelt sich um eine Autobiographie aus Sicht des Stradivari Cellos "The Mara" Das Buch enthält eine Fülle von Legenden rund um die Instrumente Stradivaris. Erzählt wird die Geschichte des Instruments "The Mara" von den Erlebnissen, die es mit seinem ersten Besitzer hatte, bis heute. Am gelungensten finde ich die Abschnitte, in denen Mara von den Schicksalen seiner Geschwister erzählt oder sich über Celli anderer Instrumentenbauer äußert. Insgesamt ein nettes Büchlein, für mich persönlich aber auch nicht mehr. The Mara wird übrigens derzeit von Heinrich Schiff gespielt.



    Meine persönliche Begegnung mit einer Stradivari, and die ich micht gerne zurück erinnere, war ein Konzert von Maria Kliegel. Es stand glaube ich sogar im Programmheft, dass sie eine Stradivari spielt. Der Klang des Instruments z.B. im Vergleich zu den anderen Celli im Orchester war deutlich besser. Ich meine damit keine Nuancen sondern einen auffälligen Unterschied in Volumen und Fülle des Klangs und im Klangfarbenreichtum. Es ist schwierig als Zuhörer eindeutig zu entscheiden in wie fern die Unterschiede von der Spieltechnik der Interpretin oder vom Instrument stammen. Mein persönlicher Eindruck war, dass das Instrument, unabhängig vom wundervollen Spiel von Frau Kliegel, auch einen Beitrag zu dem schönen Konzerterlebnis geleistet hat.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo,


    auch ich habe versucht eine Liste meiner 5 meistgehörten CDs zu erstellen:


    1. C. Debussy "Trois Nocturnes et.al." E. Ansermet, Orchestre de la Suisse Romande (Decca)
    Die CD ist so nicht mehr erhältlich. Obwohl mir die gesamte CD sehr gut gefällt, habe ich doch meist nur die Nocturnes gehört, da sie zu meinen absoluten Lieblingsstücken gehören, und ich sie in dieser Aufnahme kennen gelernt habe. Inzwischen habe ich natürlich auch andere Aufnahmen (z.B. Boulez) zum Vergleich. Subjektiv ist Ansermet aber mein Favorit. Eine objektive Bewertung kann ich aus nostalgischen Gründen hier nicht abgeben.


    2. I. Stravinsky "Feuervogel, Pulcinella Suite" L. Bernstein, Israel Philharmonic Orchestra (DG)
    Eine meiner ersten CDs mit klassischer Musik, die ich exzessive gehört habe. Inzwischen habe ich beide Stücke in Aufnahmen, die mir besser gefallen. Deswegen habe ich die CD in der Bucht versenkt. Ab und zu würde ich sie aber in einer nostalgischen Stunde mal wieder gerne hören.


    3. L. Janacek "In the Mists / From the Street / On the Overgrown Path 1" L.O. Andsnes (Virgin)
    Auf Janacek und speziell auch diese CD bin ich durch Zufall gekommen: Eines Tages stand ich in meinem Lieblings CD Laden in Karlsruhe (den es leider nicht mehr gibt). Während ich am Stöbern war lief im Hintergrund diese CD. Ich blieb länger als geplant und war völlig fasziniert von der Musik. Natürlich habe ich die CD dann gekauft. Lustigerweise hat sie mir der Verkäufer nur widerwillig gegeben, da es sein einziges Exemplar war und er offensichtlich von der Musik genauso fasziniert war. Das Verkaufsgespräch endete mit dem Satz des endtäuschten Verkäufers: "Schade, und was soll ich jetzt hören?"


    4. G.B. Pergolesi "Stabat Mater / Salve Regina" Ch. Hogwood, E. Kirkby, J. Bowman, Academy of Ancient Music (Decca)
    Die Musik ist einfach unglaublich schön und berührend. Die CD ist für mich eine Einladung zum Entspannen und Genießen, die ich immer wieder gerne annehme.


    5. G. Mahler "Das Lied von der Erde" O. Klemperer, Ch. Ludwig, F. Wunderlich, New Philharmonia Orchestra (EMI)
    Diese CD war für mich Ausgangspunkt meiner Begeisterung für die Musik Gustav Mahlers. Auch wenn ich inzwischen viele Aufnahmen der Lieder und Sinfonien Mahlers habe und speziell auch einige Aufnahmen der Lieder
    von der Erde, so komme ich doch immer wieder gerne auf diese Aufnahme zurück.


    In meiner obigen Liste habe ich Opernaufnahmen ausgeklammert. Ich kann einfach nicht entscheiden, welche der folgenden Opern ich am häufigsten gehört habe: Puccinis "Turandot" unter Metha, Puccinis "La Boheme" unter Karajan, Mozarts "Entführung aus dem Serail" unter Fricsay oder Mozarts "Don Giovanni" unter Giulini.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo,


    Meine Antwort auf die anfangs gestellte Frage, ob es zuviele Mahler Sinfonie-Zyklen gibt:
    Das ist mir eigentlich egal.


    Meine Antwort auf die Frage, ob es zuviele Aufnahmen von Mahler Sinfonien gibt:
    Nein, ich würde mir z.B. wünschen, dass Herreweghe 2, 4 und 8 aufnimmt. Auf eine 6. von z.B. Minkowski wäre ich auch neugierig.


    Mich persönlich interessiert stärker, wie ein Interpret an ein bestimmtes Werk herangegangen ist, weniger, wie alle Sinfonien des Komponisten von einem bestimmten Interpreten umgesetzt wurden.



    Nun zur Frage, warum es so viele Mahler Zyklen gibt. Eine einfache, wenn auch vordergründige Antwort:


    Es sind die Gesetze des Marktes. Welches Repertoire auf den Markt kommt entscheiden zu einem großen Teil die Plattenfirmen. Hier handelt es sich um Firmen, die z.B. mittels Marktuntersuchungen den Bedarf der Kunden ermitteln, und dann ihr Angebot danach ausrichten. Legitimes Ziel einer Plattenfirma ist es Gewinne zu machen.


    Dahinter liegt natürlich die Frage, warum sich der Markt so und nicht
    anders verhält. Eine Reihe von interessanten Erklärungsansätzen kann man hier im Thread lesen. Zum Vergleich wäre es interessant die Ergebnisse einer Marktuntersuchung zu kennen, wie sie z.B. die Plattenfirmen sicherlich regelmäßig durchführen.



    Ergänzend möchte ich noch anmerken, das die Vielfalt auf dem Tonträger-Markt in den letzten Jahren meiner Meinung zugenommen hat. Einige Beispiele:


    1) Kleine Label, die auch ausgefalleneres Repertoire führen, z.B. ECM, MDG, CPO.
    2) Preiswerte Label, die uns auch viele Dinge (wieder) zugänglich gemacht haben, z.B. Naxos, Brilliant Classics.
    3) Rundfunkanstalten oder Orchester, die ihre Aufnahmen zum Teil selbst vermarkten, z.B. BBC-Legends, LSO.
    4) Label, die alte und teilweise ausgefallene Aufnahmen wieder auf den Markt bringen (oftmals in erstaunlich gutem Remastering), z.B. Dutton.
    5) Das Internet ermöglicht einem den Kauf neuer und gebrauchter (teils nicht mehr im Handel befindlicher) CDs weltweit


    Natürlich gibt es immer Interpreten und Stücke, die nicht erhältlich sind. Ich würde aber sagen, dass die Situation bei ausgefallenem Repertoire aktuell besser ist, als etwa vor 15 Jahren. Überspitzt formuliert: Jammern wir hier vielleicht auf hohem Niveau?



    Beste Grüße
    Wolfgang

    Aquarius


    Deinem Thread über aktuelle Filmkomponisten finde ich spannend. Allerdings kann ich hier kaum aktiv beitragen, da ich diese Komponisten kaum kenne. Zu Deinen Aussagen über atonale oder Zwölftonmusik möchte ich aber einen Kommentar abgeben.


    Zitat

    Hand aufs Herz: Wenn man just die Wahl zwischen einem Zwölftonwerk von Anton Webern und beispielsweise der Alpensymphonie von Richard Strauss hat. Was wird man wohl von beiden Werken – rein emotional gesehen – bevorzugen: Ich glaube, da fällt die Wahl nicht schwer.


    Mag sein, dass Dir die Wahl hier nicht schwer fällt. Bei mir fiel sie neulich erst auf Webern (Passacaglia für Orchester, Aufnahme mit Boulez und den Berliner Philharmonikern).
    Überhaupt, war es nicht so, dass Strauss gerade in der Alpensinfonie im Satz "von der Wissenschaft" Zwölftonreihen benutzt hat.


    Dass Zwölftonmusik auch äußerst emotional sein kann, hört man meiner Meinung z.B. bei Bergs Violinkonzert. Für mich gibt es keine eindeutige Zuordnung der Art: Zwölftonmusik = emotional nicht ansprechend.


    Zitat

    Überwiegend tonale Musik spricht einfach mehr Leute an. ... Atonale Musik ist in erster Linie etwas für Intellektuelle sprich für Avantgardisten.


    Na hoffentlich werde ich nach diesem Posting nicht als intellektueller Außenseiter abgestempelt. ;)


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Lieber Edwin,


    herzlichen Dank für Deine Ausführung zu den Tempi bei Bernsteins Mahler Interpretationen.


    Zitat

    Und damit zurück zu Mahler, bei dem durch Bernstein etwas Ähnliches passierte: Bernstein tendierte dazu, Tempi extrem zu nehmen: Langsames etwas langsamer, Schnelles etwas schneller.
    Bei Bernstein selbst funktioniert das, weil er nicht nur die Tempi im Sinn hat, sondern wirklich eine Interpretation versucht, eine wenn man will nicht nur musikalische, sondern auch emotionelle und sogar philosophische Auslegung der Partitur anstrebt.


    Dies deckt sich auch mit meinen Erfahrungen aus drei Mahler Aufnahmen, die ich besser kenne. Neben der 5. Sinfonie mit den Wienern finde ich auch, dass die Aufnahme der 6. Sinfonie mit den New Yorkern ein sehr gutes Beispiel für Deine obige Aussage ist.
    Allerdings finde ich, dass auch bei Bernstein sein Konzept nicht immer aufgegangen ist, wenigstens habe ich den Eindruck wenn ich seine Aufnahme des Liedes von der Erde mit Fischer-Dieskau und King höre. Meiner Meinung bemüht sich Bernstein hier ständig jede Stelle mit Emotionen aufzuladen und dabei bleibt der natürliche Fluss der Musik auf der Strecke.



    @ Austria


    Zitat

    ......Viscontis Film »Der Tod in Venedig« eingegangen ist, -wird es regelmäßig als Klagelied, zudem als sentimentales, mißhandelt.


    Hier würde ich gerne Ergänzen, dass diese Aussage aus Sicht einer Person, die an Mahlers Sinfonien interessiert ist richtig sein mag. Aus Sicht eines Regisseurs der primär an dem Film interessiert ist stellt sich das aber anders dar. Hier sollte man dem Regisseur durchaus die Freiheit zugestehen, einen Satz aus der Sinfonie zu reißen und in Zusammenhang mit dem Film anders zu deuten. Meiner Meinung nach ist dies Visconti gelungen.


    Insgesamt sollte das Adagietto nicht isoliert betrachtet werden. Wenn es einem Dirigenten gelingt es durch ein passendes Tempo, ob langsam oder schnell, stimmig in seine Interpretation zu integrieren, so ist mir das wichtiger, als die losgelöste Aussage zum Tempo des Satzes. Und wenn sich jemand eines Bruchstückes einer Sinfonie als Filmmusik bedient und dies gut umgesetzt wird, so sollte man hier ebenfalls das Musikstück im Zusammenhang mit dem Film betrachten. Von einer "Misshandlung" würde ich bei Viscontis Film jedenfalls nicht sprechen.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Wie schon mehrfach bemerkt wurde, gibt es diverse Hinweise, das Adagietto zügig zu spielen. Trotzdem wird es in verschiedenen Aufnahmen teilweise extrem langsam gespielt. Ich denke, dass dies auch daran liegt, dass einen das Stück dazu "verleitet". Es ist ein sehr intensives und schönes Stück und manche Dirigenten erliegen wohl der Versuchung diesen Charakter durch ein langsames Tempo noch weiter zu betonen oder auch zu übertreiben. Die Gefahr ist dann, dass das Adagietto als einzelnes hübsches Musik-Stück da steht, aber nicht als Satz in die Sinfonie integriert ist.


    Den obigen Kommentar von Edwin Baumgartner, dass die Mahler-Verlangsamung Bernstein zugeschrieben werden sollte, kann ich so leider nicht nachvollziehen. Vielleicht ist hier auch gemeint, dass Bernstein teilweise bei einzelnen Sätzen extreme (oft langsame) Tempi gewählt hat. Eine weiterführende Erleuterung fände ich hier interessant.


    Von Bernstein kenne ich die Live Aufnahme mit den Wienern von 1988. Auch wenn das Adagietto hier langsam ist (11:13 min), so finde ich die Aufnahme insgesamt sehr gut und stimmig. Auch ein langsames Adagietto kann in eine Interpretation der Sinfonie gut integriert werden; auch wenn dieses Tempo der ursprünglichen Intention des Komponisten widersprechen mag.


    Nachdem es sich um einen Thread zum Adagietto der 5. handelt, will ich noch einen Kommentar zu Viscontis Film abgeben. Ich finde es handelt sich um eine sehr gute Literaturverfilmung mit einem herausragenden Hauptdarsteller. Meine Empfehlung ist, sich den Film bei Gelegenheit in einem Programm-Kino anzusehen. Der Film lebt von der Stimmung die erzeugt wird und ich kann mir nicht vorstellen, das man ihn z.B. mit Werbeunterbrechungen im Fernsehen genießen kann.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Zitat

    Original von Christian B.
    Danke für den Hinweis, der Klang der EMI-Edition ist nicht besonders und ich würde mir die Aufnahme unter dem Dutton Label durchaus zusätzlich zulegen (die Einspielung ist es wert), wenn sie klanglich wirklich besser ist.


    Hallo Christian,


    kurz zum Unterschied Dutton bzw. EMI Remastering der Bruno Walter Aufnahme von 1938: Bei der älteren EMI CD (die aktuelle CD Veröffentlichung bei EMI kenne ich nicht) wurde beim Remastering, d.h. der Restaurierung der alten Aufnahme, das Rauschen stärker unterdrückt, als bei Dutton. Dadurch wirkt die EMI CD etwas dumpfer im Klang und Dutton etwas spritziger. Dafür hört man die ganzen Knackser und Kratzer der Aufnahme bei Dutton auch deutlicher. Was man bevorzugt ist hier auch eine Frage des persönlichen Geschmacks.


    Es handelt sich um eine fast 70 Jahre alte Aufnahme, die gemessen an der Zeit der Entstehung gut sein mag. Verglichen mit modernen Aufnahmen ist die Aufnahmequalität aber leider einfach schlecht, egal ob von EMI oder von Dutton remastered.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Ich habe gerade im Booklet der Dutton Aufnahme nachgelesen:


    Man hat für die Aufnahme mit zwei Aufnahme Maschinen gearbeitet. Das Signal wurde jeweils in Wachs-Scheiben (Platten) aufgezeichnet. Wenn die eine Maschine aufgezeichnet hat, wurde bei der anderen jeweils die Wachs-Scheibe erneuert. Dadurch war es natürlich im Prinzip möglich beliebig lange Takes aufzunehmen, auch wenn diese dann auf mehrere Wachs-Scheiben verteilt waren.


    Hätte ich auch eher darauf kommen können mal wieder in das Booklet der Aufnahme zu schauen :untertauch:

    Hallo Christian,


    zwei Anmerkungen zu den von Dir gerade genannten Aufnahmen:


    Von Abbado gibt es auch eine ältere Studio Einspielung von 1988 ebenfalls mit den Berlinern. Diese gefällt mir außerordentlich gut. Die ältere Aufnahme bietet außerdem den Vorteil, dass sie mit einer ebenfalls interessanten Aufnahme des Adagios der 10. Sinfonie gekoppelt ist. Da ich die neuere Aufnahme noch nicht gehört habe kann ich hier keinen weiteren Vergleich ziehen. Zu der von Dir genannten live Aufnahme erinnere ich mich lediglich gelesen zu haben, dass die Klangbalance zwischen den einzelnen Instrumenten teilweise schlecht sei. Kannst Du diesen Eindruck bestätigen?


    Zur Walter Einspielung: Die Umschreibung von Edwin: "Walter: Intensive Darstellung von Emotion" ist hier wirklich sehr passend. Interessant finde ich hier die Frage, ob die sehr raschen Tempi von Walter immer frei gewählt wurden oder doch mit der damaligen Aufnahmetechnik in Zusammenhang standen. Ich glaube, dass die zeitliche Dauer für einen einzelnen Take damals relativ eng begrenzt war. Vielleicht kann sich hier einer der Experten äußern?


    Neben der oben angegebenen Veröffentlichung der Walter Sinfonie bei EMI gibt es noch eine weitere Veröffentlichung der gleichen Aufnahme, jedoch in einem anderen Remastering auf dem "Dutton" Label. Von EMI habe ich nur eine ältere Veröffentlichung auf CD (nicht in der "Great Artists of the Century" Reihe) gehört und mir hat damals die Dutton Restaurierung besser gefallen. Ob EMI inzwischen neu remastered hat weiss ich nicht.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo zusammen,


    mit dem Violinkonzert von Berg wollte ich mich schon seit längerem befassen. Durch Stöbern im Forum bin ich auf diesen Thread gestoßen, und habe beschlossen mir endlich eine Aufnahme des Stücks zu kaufen. Diese hat der Postbote heute gebracht und ich habe mir das Konzert gleich angehört. Für mich ging von dem Konzert sofort eine eigentümliche Faszination aus. Für ein Werk der 12-Ton Technik ist es sehr melodiös und emotional. Gängige Vorurteile über eine kalte kopflastige 12-Ton Musik lassen sich hier wunderbar widerlegen. Wenn zum Beispiel der Bach Choral zitiert wird, so empfinde ich das einfach als „schöne Musik“. Andererseits empfinde ich das Stück auch nach dem ersten hören auch als sperrig und es hat sich mir noch nicht recht erschlossen. Gefallen hat es mir aber auf jeden Fall und wird somit in nächster Zeit noch öfter im CD Player landen.8jpc



    Die Aufnahme, die ich besitze wurde hier im Thread noch nicht erwähnt. Es ist eine Live Aufnahme aus dem Teatro Comunale di Ferrara von 2003, Claudio Abbado dirigiert das Mahler Chamber Orchestra, der Solist ist Kolja Blacher. Die CD ist bei DGG erschienen und derzeit z.B. über jpc günstig erhältlich. Die Leistung aller beteiligten finde ich sehr gelungen, allerdings fehlt mir natürlich eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Aufnahmen. Da es sich um eine Live Aufnahme handelt sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass die Aufnahmequalität sehr gut ist und keine Störungen durch Huster oder ähnliches vorhanden sind.


    Auf der CD ist das Berg Konzert mit dem Violinkonzert von Stravinsky gekoppelt. Letzteres habe ich aber noch nicht angehört.


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Hallo Norbert, Siegfried und die anderen im Forum,


    angeregt durch den interssanten Thread zum Lied von der Erde habe ich in meinem letzten Post fünf Aufnahmen verglichen. Die Auswahl der Aufnahmen ist vordergründig einfach, es sind die fünf die ich auf CD habe. Nummer sechs (Herreweghe) ist aber bereits auf dem Weg von jpc zu mir.


    Für mich war die Klemperer/Wunderlich/Ludwig Aufnahme, die erste Aufnahme, welche ich gehört habe. Die Anregung mich mit dem Lied von der Erde zu befassen und auch konkret zu dieser Aufnahme, stammt aus einem Artikel über Orchesterlieder, der vor längerem in image-hifi erschienen ist. Author ist Heinz Gelking, der auch hier im Forum postet.


    Wenn man sich mit dem Lied von der Erde befasst, stößt man zwangsläufig auf die Walter/Ferrier/Patzak Aufnahme. Die Gründe stehen in meinem ersten Posting hier. Ich hatte mir die Aufnahme damals zunächst in einem CD Geschäft teilweise angehört und wieder zurück gelegt. Meine Erwartungen waren hoch und wurden von Ferrier doch sehr enttäuscht. Gekauft habe ich die Aufnahme dann schließlich wesentlich später doch, als meine insgesamt fünfte Aufnahme.


    Auf die Giulini/Fassbaender/Araiza Aufnahme wurde ich aufmerksam, als ich mich stärker mit Bruckners späten Sinfonien befasst habe. Da gefiel mir Giulini sehr gut und als ich dann zufällig die CD gesehen habe, musste ich nicht lange überlegen. Die Aufnahme hat mich beim ersten hören nicht besonders beeindruckt. Je öfter sie im CD Spieler landet, desto besser gefällt sie mir aber, und ich möchte sie nicht mehr missen.


    Bernstein/Fischer-Dieskau/King kam irgendwann auf den Einkaufzettel, da es eine der wenigen Aufnahmen mit zwei Sängern ist, und Bernstein und Fischer-Dieskau mich bereits als Mahler Interpreten in anderen Aufnahmen begeistert hatten.


    Auf Horenstein/Hodgson/Mitchinson bin ich durch das www aufmerksam geworden. Auf verschiedenen, speziell britischen, Seiten werden die Horenstein Aufnahmen von Werken Mahlers immer wieder begeistert rezensiert. Damit war meine Neugier geweckt, und ich hatte wieder eine Aufnahme mehr.


    Eine große Lücke in meiner Diskographie zum Lied von der Erde liegt sicherlich bei den neueren Aufnahmen. Giulinis Aufnahme ist auch schon über 20 Jahre alt. Mit interesse habe ich deswegen Norberts Ausführungen zur Maazel Aufnahme gelesen. Boulez Aufnahme könnte auch reizvoll sein, auch wenn ich seiner Aufnahme der 1. Sinfonie gespalten gegenüber stehe. Ist eigentlich bekannt, ob Chailly oder Abbado im Rahmen ihrer Mahler Zyklen auch das Lied von der Erde aufnehmen werden?


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Gustav Mahler „Das Lied von der Erde“ – fünf Interpretationen im Vergleich:



    Das Lied von der Erde ist ein faszinierendes Werk zwischen Orchesterlied und Sinfonie. In Mahlers Werk gehört es zu dem Spätwerk, wie auch die 9. Sinfonie, und wurde erst nach Mahlers Tod durch Bruno Walter 1911 uraufgeführt.


    Mit dem Tod seiner älteren Tochter 1907 hatte Mahler als er das Lied von der Erde komponierte (1907-1909) einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften. Auch eine Herzkrankheit wurde in dieser Zeit von den Ärzten bei Mahler diagnostiziert. Es verwundert also nicht, dass sich Mahler auch musikalisch besonders mit Tod, Abschied Nehmen, Vergänglichkeit befasst. Damit eine Todesahnung Mahlers zu verknüpfen, wie sie immer wieder im Zusammenhang mit dem Lied von der Erde und der 9. Sinfonie gesehen wird, halte ich aber für eine zu weitgehende Interpretation.


    Inspiriert zum Lied von der Erde wurde Mahler durch ein Buch von Hans Bethge, einer freien Übersetzung alter chinesischer Verse. Das Werk ist neben dem Text auch in seiner Anlage von östlicher Philosophie, also der Dualität von Yin und Yang, beeinflusst. Dieses Prinzip hat Mahler in seiner Komposition aufgegriffen und durch Einflüsse von asiatischer Musik ergänzt.


    Das Werk besteht aus 6 Sätzen/Liedern:
    „Das Trinklied vom Jammer der Erde“: Ein Trinker sucht dem Schmerz des Lebens durch das Trinken zu entkommen. Ein Lied, welches voller Energie eine Genusssucht darstellt, die eigentlich eine Flucht vor dem Leben ist.
    „Der Einsame im Herbst“: Eine ruhiges Stück über den Herbst, Sinnbild für Einsamkeit und Vergänglichkeit des Lebens.
    „Von der Jugend“, „Von der Schönheit“, „Der Trunkene im Frühling“: Beschreibungen sorgloser Jugendtage, der Schönheit und Leichtigkeit der Jugend und der Unbekümmertheit.
    „Der Abschied“: Eine wundervolle und tröstliche Meditation über den Abschied, Vergänglichkeit und Ewigkeit:
    „Die liebe Erde allüberall
    Blüht auf im Lenz und grünt aus neu!
    Allüberall und ewig blauen licht die Fernen!
    Ewig… ewig…“



    Die Interpretationen, besprochen in chronologischer Reihenfolge:



    Bruno Walter, Wiener Philharmoniker
    Kathleen Ferrier (Contralato), Julius Patzak (Tenor)
    DECCA 1952 Mono


    Zu Anfang gleich die legendärste Aufnahme. Mit Bruno Walter dirigiert der Dirigent der Uraufführung, der zudem mit Mahler zeitlebens engen Kontakt und Austausch zu dessen Kompositionen hatte. Zur Legende wurde die Aufnahme aber aus einem anderen Grund: Kathleen Ferrier war bei der Aufnahme bereits todkrank, was ihren Worten, speziell im Abschied, eine besondere Bedeutung gibt.
    Im Gegensatz zu den späteren Mahler Aufnahmen für CBS (jetzt Sony) bevorzugt Walter hier raschere Tempi und scharfe Kontraste in seiner Interpretation. Walter benötigt fast zehn Minuten weniger als Horenstein für seine Interpretation und ca. 5 Minuten weniger als die anderen hier besprochenen Aufnahmen.
    Die beiden Sänger hatten zum Zeitpunkt der Aufnahme ihren Zenit bereits überschritten. Bei Ferrier muss man außerdem in Kauf nehmen, dass ihr deutsch nicht frei von einem englischen Akzent ist. Für mich ist das Highlight der Aufnahme aber weder Walter noch Ferrier sondern Julius Patzak. Auch wenn man gesangstechnisch Abstriche machen muss, finde ich ihn interpretatorisch herausragend. Seine Interpretation ist betont liedhaft und wenn er z.B. am Ende „Von der Jugend“ bei „Schön gekleidet, trinken, plaudern.“ vom Singen ins sprechen (plaudern) übergeht, ergänzt sich diese Art des Singens mit der lautmalerischen Musik wundervoll.
    Insgesamt bleibt nach dem Hören ein gemischter Eindruck zurück. Rasche tempi und expressives Orchesterspiel, leider aber nicht auf höchstem technischem Niveau. Auch bei den Sängern sehr interessante Momente einerseits, und gesangstechnische Probleme auf der anderen Seite.



    Leonard Bernstein, Wiener Philharmoniker
    Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton), James King (Tenor)
    DECCA 1966 Stereo


    Bernstein und Mahler oder sollte man sagen Bernsteins Mahler? Eine sehr emotionsgeladene persönliche Angelegenheit. Auch wenn die Aufnahme nicht so extrem ist, wie etwa die 6. Sinfonie von Bernstein mit den New Yorker Philharmonikern, so merkt man doch bei jedem ruhigeren Moment in der Aufnahme, wie Bernstein versucht die Spannung zum nächsten Höhepunkt und Ausbruch aufzubauen. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, und ich muss sagen, dass das Konzept in dieser Aufnahme für mich nicht so gut aufgeht, wie etwa in oben genannter Aufnahme der 6. Sinfonie. Trotzdem, eine interessante und auch polarisierende Interpretation.
    Das besondere an der Aufnahme ist, dass es sich um eine der verhältnismäßig wenigen Aufnahme mit zwei männlichen Sängern handelt. Wohl um bei der Kopplung zweier männlicher Stimmen noch einen guten Kontrast zu schaffen, wurden mit James King und Dietrich Fischer-Dieskau zwei unterschiedliche Sängertypen ausgewählt, hier der Heldentenor und dort der Liedsänger. Mein persönliches Urteil über beide Sänger fällt dann auch sehr unterschiedlich aus. Die Interpretation von King ist mir zu opernhaft, und zu undeutlich schwammig. Fischer-Dieskau ist dagegen ein absolutes Highlight für mich. Wie bei ihm das liedhafte mit dem symphonischen Orchester verschmilzt ist großartig. Sein „Abschied“ ist für mich einer der schönsten.



    Otto Klemperer, Philharmonia Orchestra, New Philharmonia Orchestra
    Christa Ludwig (Mezzosopran), Fritz Wunderlich (Tenor)
    EMI 1967 Stereo


    Bereits der Blick auf die Protagonisten der Aufnahme lässt die Erwartungen in die Höhe schnellen: Klemperer, Zeitgenosse und hoch geachteter Interpret der Musik Mahlers, dazu Wunderlich, der viel zu früh verstorbene Tenor, und die Ludwig.
    Vor allem bei den Sängern muss ich sagen, dass meine Erwartungen voll erfüllt, eigentlich sogar übertroffen wurden. Wunderlichs strahlende Stimme und sein Ausdruck machen auch die oft unterschätzten Tenor-Lieder zu Höhepunkten. Die klare Stimme der Ludwig, die über den gesamten Spielraum der Dynamik und Tonhöhe immer wunderbar verständlich ist, lässt nicht nur den Abschied unvergesslich werden.
    Bei diesen Höchstleistungen der Sänger ist es natürlich schwer für Dirigent und Orchester im Vergleich zu bestehen, aber auch Klemperer weis durchaus zu beeindrucken. Highlight der Aufnahme bleiben aber Wunderlich und Ludwig.



    Jascha Horenstein, BBC Northern Symphony Orchestra
    Alfreda Hodgson (Alt), John Mitchinson (Tenor)
    BBC Music 1972 Live Stereo


    Vor allem im angelsächsischen Bereich ist Horenstein ein bekannter Mahler Interpret. Die vorliegende live Aufnahme entstand für eine Übertragung der BBC und ist inzwischen auch in der BBC-Legends Reihe erschienen.
    Mit Hodgson und Michinson hat Horenstein zwei weniger bekannte Sänger, die aber eine sehr ansprechende Darbietung geben. Dies liegt zum Teil auch an Horenstein, der sehr langsame Tempi wählt und damit auch den Sängern die Möglichkeit zur Entfaltung und Gestaltung gibt. Für den Trunkenen im Frühling benötigt Horenstein fast fünfeinhalb Minuten. Die meisten anderen Interpreten kommen hier etwa eine Minute früher zum Ende.
    Insgesamt handelt es sich um eine tiefgründige, nicht Effekt haschende und schlüssige Interpretation. Auch die teilweise langsamen Tempi wirken hier nicht schleppend. Leider kann die Qualität des Orchesterspiels und der Aufnahme nicht ganz das Niveau der Interpretation erreichen.



    Carlo Maria Giulini, Berliner Philharmoniker
    Brigitte Fassbaender (Alt), Francisco Araiza (Tenor)
    DGG 1984 Stereo


    Giulini, für mich und manch anderen wohl auch bekannt und sehr geschätzt für seinen „Don Giovanni“ und die späten Bruckner Sinfonien. Mahlers Musik wird hier einmal nicht als ins 20. Jahrhundert weisende Achterbahn der Gefühle dargestellt, sondern die Verwurzelung in der Musik des 19. Jahhunders wird deutlich. Giulini versucht die großen Bögen offen zulegen und hält sich von Effekten fern. Die Interpretation und ihre unspektakuläre Klangkultur erinnert mich von der Anlage her an die Bruckner Interpretationen Giulinis.
    Mit Fassbaender und Araiza hat Giulini zwar nicht die absolut herausragenden Namen auf dem Cover der CD, doch beide liefern eine sehr gute sängerische Leistung ab. Insgesamt handelt es sich um eine im besten Sinne unspektakuläre Aufnahme, die ihre Qualitäten nicht beim ersten flüchtigen Anhören gleich Preis gibt.



    Sicherlich gibt es noch viele weitere interessante Aufnahmen dieser faszinierenden Symbiose aus Lied und Sinfonie. So hat Herreweghe die Schönberg Version des Liedes für Kammerorchester aufgenommen und jpc liefert diese hoffentlich in den nächsten Tagen an mich. Auch Kubelik mit Janet Baker live, bei audite erschienen, ist sicherlich reizvoll. Vielleicht fühlt sich jemand durch meinen Beitrag inspiriert etwas zu den neueren Interpretationen auf Tonträger (z.B. Boulez, Salonen, Maazel, Rattle) zu schreiben?


    Beste Grüße
    Wolfgang