Beiträge von Joseph II.

    Nun wage ich mich erstmal bewusst an diese schröckliche "Oper" des kommunistischen Monarchisten:



    Michail Glinka
    Bühnenmusik zum Schauspielstück Fürst Cholmski von Nestor Kukolnik (Ouvertüre und vier Entr'actes)


    Staatliches Akademisches Symphonieorchester der UdSSR
    Jewgeni Swetlanow
    Aufnahme: 1984









    (bei mir in älterer Aufmachung, der Inhalt ist identisch)

    Etwas Gutes hat diese mit gefährlichem Halbwissen geführte lächerlich-hysterische Debatte also doch, denn Glinka ging bei mir bisher ziemlich unter.

    Immer noch voller Entsetzen. Letzte Woche wusste kaum jemand mit dem Namen Glinka etwas anzufangen, heute haben wir hunderte neue Glinka-Experten, die alle voneinander abschreiben. Eine bekannte antisemitische "Oper" namens Fürst Cholmski habe er komponiert (in Wahrheit eine kleine unbedeutende Bühnenmusik), Kommunist sei er auch gewesen, der heimtückische Monarchist. Und wir, die wir unsere Kleidung und Elektrotechnik von asiatischen Lohnsklaven herstellen lassen, beklagen uns, dass Glinka Leibeigene besessen hat. Die Welt ist völlig verrückt geworden. Ich halts nicht aus. Gute Nacht.

    Besser kann man diese Berliner Provinzposse wirklich nicht zusammenfassen. :thumbup:

    Danke für die Richtigstellung. Das war mir tatsächlich so gar nicht aus dem Stegreif bekannt. Sehr bedauerlich für solch einen große Heldentenor, so zu enden. Nun gut, dann kam er schon aus diesem Grunde unter Hollreiser nicht mal mehr theoretisch in Frage. Seltsam übrigens, denke ich mir gerade, dass sich Jon Vickers m. W. nicht an die Partie heranwagte, nicht mal an die berühmte Arie (ein Angebot, die Rolle zu singen, lehnte er 1963 ab).

    Was gäbe ich für eine offizielle Gesamteinspielung (Studio) des Rienzi mit Ernst Gruber aus den 1960er Jahren in bestem Stereo-Klang. Die spätere Ost-West-Coproduktion unter Hollreiser lege ich fast überhaupt nicht mehr auf, was nicht zuletzt am ziemlich faden Dirigat liegt (er soll ursprünglich gar nicht vorgesehen gewesen sein). Mit einem Dirigenten wie Franz Konwitschny, Otmar Suitner oder Herbert Kegel hätte da in den 60ern etwas wirklich Bahnbrechendes entstehen können. Eigentlich wäre Gruber selbst 1974/76 noch nicht zu alt gewesen (erste Mitte 50), aber offenbar drängte gerade EMI eben auf Kollo, der sicher alles andere als übel ist, aber für meine Begriffe in dieser Partie nicht im Ansatz gegen Gruber bestehen kann. Dieses Problem teilen freilich fast alle Gesamtaufnahmen dieser Oper, wobei man ja in den seltensten Fällen überhaupt von "gesamt" sprechen kann. Insgesamt würde ich wohl zur BBC-Rundfunkproduktion unter Sir Edward Downes greifen, auch wenn mich John Mitchinson auch nicht absolut zu überzeugen vermag, aber in der Summe ist das für mich nach wie vor die beste Einspielung (Downes bringt ja sogar die absolut ungekürzte Ouvertüre, die man sonst nirgends hört).

    Lieber Stimmenliebhaber,


    besten Dank dafür, dass Du Dich in der Sache an einen der einschlägigen Spezialisten auf diesem Felde gewandt hast. Tatsächlich erhellen diese zusätzlichen Informationen von Herrn Seiferth dieses spannende Thema außerordentlich. Die Problematik der Textfassung gerade beim Rienzi ist einem heute gar nicht mehr so bewusst. Ob sich von dieser Leipziger Produktion oder von einer der anderen in der DDR stattgefundenen Inszenierungen weitere Ausschnitte oder gar ein gesamter Mitschnitt erhalten haben, ist wohl zu verneinen? Wir sprechen ja immerhin von einem Zeitraum von über dreißig Jahren. Mir liegt ansonsten (neben der Eterna/EMI-Coproduktion) aus der DDR wohl nur Rienzis Gebet aus einem Recital mit Reiner Goldberg unter Siegfried Kurz von 1984 vor.


    Beste Grüße und nochmal danke!

    Die gezeigte Wagner-CD hätte ich beinahe vergessen. Diese enthält wirklich einige Kostbarkeiten, eingespielt zwischen 1963 und 1971. Besonders imponiert hat mir Rudolf Schock mit der Gralserzählung aus dem Lohengrin, begleitet von Horst Stein (1963). Dieser oft viel zu stark kritisierte Sänger konnte auch hier, zu einem doch schon späteren Stadium seiner Karriere, durchaus noch überzeugen. Die Aufnahmen vor Dezember 1966 (Umstellung auf Stereosendung durch den BR) sind noch in Mono.

    sie sind in den heutigen Redaktionen im Grunde vergessen.

    Wen sollte das ernsthaft wundern?

    Es ist wirklich eine Schande, wie viel in den Archiven der deutschsprachigen Rundfunkanstalten dahin vegetiert. Da lobe ich mir, wie man in Frankreich damit umgeht, denn dort digitalisieren das Institut national de l'audiovisuel (INA) und die Bibliothèque nationale de France (BnF) seit Jahren sukzessive ihre sämtlichen Bestände und stellen sie der Öffentlichkeit gegen geringen Kostenbeitrag zur Verfügung. Wie viele großartige Rundfunkaufnahmen konnte ich auf diesem Wege schon ergattern. Von den deutschen Rundfunkanstalten scheint bislang nur der SWR ähnliche Wege zu beschreiten. Als SWR Digital sind mittlerweile zahlreiche Aufnahmen in verlustfreiem Audioformat zu erwerben, etwa hier.

    Comeback in der Spielzeit 2020/21 in Florenz

    Unverhofft kommt oft: James Levine steht offenbar vor einem nicht mehr für möglich gehaltenen Comeback. Beim Maggio Musicale Fiorentino soll er dem Vernehmen nach im Jänner 2021 neben Berlioz' La Damnation de Faust (mit Michael Spyres, Marianne Crebassa und Ferruccio Furlanetto) konzertante Aufführungen von Brahms' Deutschem Requiem und die drei letzten Mozart-Symphonien dirigieren. Ich würde es ihm gönnen. :thumbup:


    Quelle: https://operawire.com/james-le…ggio-musicale-fiorentino/ und https://www.maggiofiorentino.c…ggio-musicale-fiorentino/

    P.S. Der reguläre Levine-Thread ist immer noch geschlossen, daher hier.

    Zwischenzeitlich bin ich an diese Aufnahme gelangt. Tatsächlich ist Ernst Gruber ein Rienzi der Spitzenklasse, der so ziemlich alles in den Schatten stellt, was ich bisher gehört habe. Besonders zu Beginn des Gebets hatte ich fast den Eindruck, da singe Max Lorenz. Der fällt mir am ehesten ein, wenn ich Gruber einordnen müsste. Natürlich sind die Stimmen nicht identisch. Lorenz singt noch exaltierter und ist deutlich freier in seinem Vortragsstil, während Gruber sich im Vergleich doch nicht ganz so expressiv gibt und, wenn man so will, kultivierter herüberkommt.


    Auffällig ist die verwendete Textfassung, die offenbar für die Leipziger Oper anlässlich der Inszenierung von 1962 vom dortigen Operndirektor Heinrich Voigt (1895-1968) höchstpersönlich erarbeitet wurde. Es handelt sich um den deutlich erkennbaren Versuch, den Textinhalt in den Dienst des Sozialismus zu stellen, nicht unähnlich derartigen Eingriffen in der Sowjetunion, denkt man an die Streichung der Zarenhymne aus diversen Stücken von Tschaikowski, die durch den Schluss von Glinkas Iwan Sussanin ersetzt wurde. Ob lediglich der Text im Gebet des Rienzi angepasst wurde, konnte ich leider nicht eruieren. Es ist zumindest merkwürdig, dass sich keine Gesamtaufnahme aus Leipzig erhalten zu haben scheint; dies würde die Frage klären.

    Der geänderte Text lautet wie folgt:


    Du Gott im Himmel, blick herab,

    sieh in Verzweiflung mich hier flehn!

    Die Macht, die du mir gnädig gabst,

    lass jetzt noch nicht zugrunde gehn!

    Du stärktest mich, du gabst mir hohe Macht,

    du liehest mir erhabne Eigenschaft,

    zu helfen dem, der niedrig lebt,

    zu heben, was im Staub sich quält.

    Lass wandeln mich des Volkes Schmach

    zu Hoheit, Glanz und Majestät: —

    Mein Gott, vernichte nicht das Werk,

    zu dem du mich erwählet hast!

    Ach, Herr, erhalte mir die Kraft,

    dass ich mein Volk erretten kann!

    Schenk mir den Abglanz deiner Macht,

    die sich in Ewigkeit erstreckt!

    Lass, Gott, mein Volk nicht zugrunde gehn,

    lass es entführen mich zu stolzen Höhn:

    Mein Gott, verlasse jetzt mich nicht,

    erhöre mein tief-inbrünstig, mein so heißes Flehn!


    Rienzi stellt sich hier stärker in den Dienst der Allgemeinheit, versucht denjenigen, die unwürdig leben müssen, zu helfen. Die Errettung des Volkes wird ganz nachdrücklich herausgestellt. Die "Ent-Führung" zu "stolzen Höhn" hat beim Hören durchaus auch einen gewissen anderen Touch, der eher an die "tausend Jahre" erinnert (was wohl kaum intendiert war).


    Ob diese Fassung bei späteren DDR-Inszenierungen des Rienzi (1965 in Dessau, 1981 in Meiningen) zur Anwendung kam, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Ost-West-Coproduktion unter Heinrich Hollreiser (Eterna/EMI), die zwischen 1974 und 1976 entstand, kam sie bekanntlich nicht zum Einsatz.

    Ich habe kürzlich zumindest den Finalsatz in allen der genannten Aufnahmen (plus Ole Kristian Ruud auf Simax) nochmal gehört und verglichen (Deezer macht es möglich in verlustfreiem Stream). An Wyn Morris' Ekstase kommen die anderen m. E. einfach nicht ganz heran. Wirklich schlecht ist aber keine. Eine Schande, dass der Morris derzeit vergriffen ist. Immerhin gibt es also fünf Aufnahmen dieser Fassung.

    Gibt es von Ernst Gruber eigentlich eine Aufnahme von Rienzis Gebet? Ich konnte auf die Schnelle nur recherchieren, dass er die komplette Rolle 1962 in Leipzig auch auf der Bühne sang. Ich stelle mir Gruber so ziemlich als idealen Rienzi vor.

    Folgende Wagner-CD unter Caetani ist wirklich ausnehmend gut:



    Enthalten nicht nur die m. E. beste Einspielung der König Enzio-Ouvertüre (Weltpremiere sogar), sondern auch das selten komplett zu hörende Vorspiel zum dritten Aufzug des Tannhäuser. Ist die derzeit EUR 3,99 allemal wert!

    Die oben gezeigte CD hat mich zwischenzeitlich erreicht. Die Interpretationen sind, wie bei Charles Munch nicht anders zu erwarten, absolut erstklassig und können ganz vorne mitschwimmen. :thumbup:


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    Wirklich ärgerlich ist indes, dass es sich trotz des Aufdrucks "Stéréo" auf der Rückseite (unten, recht weit links) um mäßig klingende Mono-Aufnahmen handelt. :thumbdown:
    Das geht gar nicht, zumal das seriöse INA in Paris an der Ausgabe seinerzeit beteiligt war. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir die Anschaffung wohl erspart.

    Meine liebste Orgel überhaupt ist folgende:


    Normandie_Seine_Rouen19_tango7174.jpg


    Die Orgel in der gotischen Kirche St-Ouen de Rouen in der Normandie von Aristide Cavaillé-Coll, gebaut im Jahre 1890 als letztes großes Werk des wohl wichtigsten Orgelbauers des 19. Jahrhunderts. Charles-Marie Widor soll sie bei der Einweihung mit Michelangelo verglichen haben.


    Die ehemalige Abteikirche des Benediktinerordens wurde ab 1318 errichtet und 1537 im Flamboyant-Stil der Spätgotik vollendet:


    800px-Abbaye_Saint-Ouen_de_Rouen_as_seen_from_Gros_Horloge_140215_3.jpg


    Man kann dieses monströse Instrument u. a. in dieser auch sonst exzellenten Einspielung der "Orgel-Symphonie" von Saint-Saens hören:


    81W6w1798jL._SL300_.jpg [am='B000025XGQ'][/am] (Amazon-Verlinkung geht aus mysteriösem Grunde nicht ...)

    Zurück in England zu sein, scheint Sir Simon Rattle gut zu tun. Gerade entdeckte ich auf dem YT-Kanal des London Symphony Orchestra einen phänomenal exerzierten Finalsatz der 1. Symphonie von Sir William Walton. Eine Wahnsinnssteigerung am Ende, der alten Previn-Aufnahme mit dem LSO ebenbürtig. Hoffentlich kommt das auf CD heraus!


    Danke für die ersten Tipps!


    Ich habe jetzt auch ältere Beiträge durchgeschaut.

    Der Beyerdynamic DT 990 Edition (250 Ohm) klingt verlockend, da er ja besonders bassstark sein und die Pauken exzellent abbilden soll. Außerdem ist mir ein offener Kopfhörer lieber, da ich das jetzt all die Jahre so gewohnt bin. Zudem "Made in Germany".

    AKG scheidet für mich persönlich mittlerweile leider aus, da nicht mehr "Made in Austria", was einige Recherche bestätigte. Dieses Geschäftsmodell möchte ich nicht unterstützen. Mit dem alten K701 war ich jahrelang äußerst zufrieden, nur scheint er in Sachen Bassgewalt ja auch nicht das A und O zu sein.

    Würdiger Nachfolger für den alten AKG K701?

    Vor etwa zehn Jahren legte ich mir, nicht zuletzt dank Anregung hier im Forum, den vielgelobten AKG K701 zu und könnte bis zum heutigen Tage nichts daran bemängeln. :thumbup:


    Vor drei Jahren vielleicht dachte ich mir, aufgrund altersbedingtem Verschleiß (eben täglicher Einsatz) wäre es an der Zeit, sich dasselbe bewährte Modell abermals zuzulegen, bevor es eines Tages aus dem Programm verschwindet. Tatsächlich findet sich der K701 noch heute im Angebot bei Amazon. 2017 zahlte ich noch EUR 166,00 - nun ist er sogar schon auf EUR 126,05 gefallen. Ich bin mir ziemlich sicher, bei meinem ersten musste ich deutlich mehr hinlegen.


    Die Freude mit dem zweiten währte nicht lange. Erst nach dem Kauf musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass nicht mehr "Made in Austria" prominent aufgedruckt ist. Wie sich herausstellte, hat AKG seine Produktion mittlerweile leider nach China verlagert. :thumbdown: Hätte ich das vorher gewusst, wäre mir das Teil nicht mehr ins Haus gekommen. So weit, so gut (oder schlecht). Nach erstem Groll habe ich ihm dann trotzdem eine Chance gegeben. Bedauerlicherweise sollten sich meine bösen Vorahnungen erfüllen, denn nach nur ganz kurzem Einsatz (ein oder zwei Monaten!) fiel einer der beiden Hörer aus. Offenbar ein Kontaktfehler aufgrund mangelhafter Verarbeitung. :no: Immerhin: Der Kopfhörer wurde zu AKG eingeschickt und anstandslos repariert. Mir wäre es trotzdem lieber gewesen, sie hätten mir einen ganz neuen geschickt.


    Zwischenzeitlich hatte ich wieder den alten verwendet, der mich in Details bis heute mehr überzeugt. Neben der besseren Verarbeitung etwa der komfortablere Bügel. Auch erscheint mir der Klang nicht völlig identisch, aber vielleicht ist das Einbildung.


    Wie dem auch sei: Mittlerweile machen sich doch langsam Alterserscheinungen bemerkbar. Der Stecker im Verstärker hat einen Wackelkontakt bekommen, der sich schon seit einiger Zeit ankündigte, nun aber so nicht mehr tragbar ist. Deswegen bin ich nun nach drei Jahren doch widerwillig zum neueren AKG K701 gewechselt.


    Meine Frage nun eigentlich: Welcher Kopfhörer mit in etwa denselben Eigenschaften wie der alte AKG K701 (also von ca. 2010) und einer ähnlich herausragenden Verarbeitungsqualität (Made in Austria, Germany o. ä.) wäre empfehlenswert? Einsatzbereich ist fast ausschließlich Klassik. Der Bass sollte stark sein. Gibt es noch einen Hersteller, der keinen China-Schrott anbietet? Ich wäre gern bereit, lieber 100 oder 200 EUR mehr zu berappen als mir nochmal "Made in China" anzutun. AKG tut sich m. E. keinen Gefallen damit, die einstmals tadellose Qualität aufs Spiel zu setzen. Kriegt man irgendwo gar noch einen originalverpackten K701 "Made in Austria"? :?:Und sind die teureren AKG-Modelle mittlerweile auch schon China-Schrott oder gibt es da noch etwas Einheimisches?


    Hier nochmal beide AKG K701 nebeneinandergestellt. Links der alte "Made in Austria", rechts der China-Schrott:


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    Referenzträchtig: "Alexander Newski" unter Ormandy (RCA/Dutton)



    Wer käme bei Prokofjews Alexander Newski auf Eugene Ormandy und das Philadelphia Orchestra? Zugegebenermaßen auch ich lange Zeit nicht. Der oft doch sehr polierte Philadelphia Sound erscheint zunächst nicht unbedingt ideal für eine solche Komposition. Und doch vollbringt Ormandy ein wahres Feuerwerk und schreckt nicht davor zurück, auch die Dissonanzen in der Partitur auszuleuchten. Das Blech brilliert besonders. Bombastischer habe ich den letzten Satz noch nie gehört (das Schlagwerk ist sensationell). Ich würde diese Einspielung als künstlerisch gleichwertig neben Swetlanows Melodia-Aufnahme stellen. Klanglich ist sie dieser überlegen und stellt so ziemlich alles in den Schatten, was ich bei diesem Werk je hörte (Aufnahme: Scottish Rite Cathedral, Philadelphia, 24.10.1974 & 26.02.1975). Eine echte Überraschung auch der Chor, nämlich der Mendelssohn Club of Philadelphia, einstudiert von Robert Page. Der erzielt eine Wucht, dass es eine wahre Pracht ist und klingt (zumindest für mich) auch idiomatisch. Mezzosopranistin Betty Allen kongenial im kurzen Solo-Gesangspart. Eine absolute Empfehlung. Für mich die beste "West-Aufnahme".


    Francois-Xavier Roth ist ein sehr guter Mahler-Dirigent, und diese Aufnahme des (in meinen Ohren) zu selten zu hörenden Werkes steht den hervorragenden Einspielungen von Hengelbrock und de Vriend in nichts nach.

    Ich mag Mahlers Titan in der Hamburger Urfassung auch lieber. Nicht zu vergessen die grandiose Einspielung von Wyn Morris mit dem New Philharmonia Orchestra von 1970. Das war wohl die Weltpremiere. Die ist noch immer mein Favorit, trotz der genannten anderen (alle gleichwohl sehr gut). Morris war generell ein ausgezeichneter Mahler-Dirigent. Ich habe noch die Zweite und die Achte unter seinem Dirigat.


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    Suk: Asrael-Symphonie

    Das anzunehmende Interesse wäre zumindest sehr berechtigt, lieber Rolo, denn das ist eine sehr gute Neuaufnahme. Mit einer Spielzeit von knappen 63 Minuten ist Hrusa etwas langsamer unterwegs als Karel Ancerl oder Vaclav Neumann, aber nutzt die Zeit, um das Orchester zu einer sehr bewegenden, intensiven Auseinandersetzung mit diesem -für mich- komplett unterschätzen und zu unrecht so unbekannten Werk zu animieren.

    So richtig werde ich mit diesem Werk nicht warm, aber ich fand auch, dass die Neueinspielung von Jakub Hrusa fast in derselben Liga spielt wie jene von Rafael Kubelík, die meinen Favoriten bei diesem Werk darstellt. Keine Ahnung, wieso diese seit einiger Zeit völlig vergriffen scheint. Man sollte meinen, die Aufnahme sei eher bei Orfeo als Panton erschienen (dann wäre sie wohl auch noch verfügbar). Gleichwohl höre ich die Asrael-Symphonie nur sehr selten. So richtig wollte der Funke nicht überspringen.


    Tschechische Philharmonie / Bernstein (Prager Frühling Festival 1990)

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    Ich weiß nicht, wieso dieses zeitgeschichtlich bedeutsame Konzert mit Beethovens Neunter 30 Jahre in der Versenkung verschwunden ist, aber vor ein paar Tagen sendete es der YouTube-Kanal des Prager Frühling Festivals in HD. Das Video ist wohl gar nicht mehr gelistet, aber der Link scheint noch zu funktionieren. Am 2. und 3. Juni 1990 dirigierte Leonard Bernstein die Tschechische Philharmonie und den Prager Philharmonischen Chor (Chorleitung: Lubomír Mátl) mit einem erlesenen Solistenquartett, bestehend aus Lucia Popp, Ute Trekel-Burckhardt, Wiesław Ochman und Sergej Kopčák. Im Publikum anwesend auch der damalige tschechoslowakische Staatspräsident Václav Havel, sichtlich gerührt wie das gesamte, hochkonzentrierte Publikum im berühmten Smetana-Saal des Prager Gemeindehauses. Es ist eine der allerletzten Gelegenheiten, Bernstein beim Dirigieren zuzusehen. Zwei Monate später erfolgte das berühmte letzte Konzert beim Tanglewood Festival des Boston Symphony Orchestra, im Oktober hat er uns für immer verlassen. Erstaunlich vital und kraftvoll wirkt er hier in Prag noch, dabei schon todkrank. Die Interpretation zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Sie übertrifft nach meinem Eindruck sogar das ungleich bekanntere Konzert nach dem Mauerfall in Berlin im Dezember 1989. Die Tempi sind beinahe identisch, im Kopfsatz praktisch gleich (18 Minuten), im Adagio etwas "flotter" (gut 19 Minuten), dafür genehmigt Bernstein sich im Scherzo anderthalb Minuten mehr (über zwölf) und im Finale etwa eine halbe Minute mehr (über 29!). Irgendwie klappt es trotzdem und bleibt mir als eine der packendsten Aufführungen aller Zeiten in Erinnerung. Im Film gibt es nach etwa 10 Minuten im Kopfsatz einen kleinen Aussetzer von etwa 40 Sekunden - verschmerzbar. Ansonsten ist der Klang sehr gut, wechselt im Video beim Beginn der Symphonie (nach etwa 14 Minuten) auch glücklicherweise von Mono zu Stereo. Es wäre hoch an der Zeit, dass dieses Dokument auf DVD oder CD erscheint.

    Dame Vera Lynn (1917-2020)

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    Eine der letzten lebenden Legenden ist heute im biblischen Alter von 103 Jahren verstorben:


    Dame Vera Margaret Lynn CH DBE OStJ, geboren am 20. März 1917 in East Ham, Essex, England, gestorben am 18. Juni 2020 in Ditchling, East Sussex, England, war eine britische Sängerin, Liedschreiberin und Unterhaltungskünsterlin.


    Lynn wurde insbesonders während des Zweiten Weltkrieges populär. Dieser Ruhm hielt bis ins 21. Jahrhundert an. Noch im September 2009 erzielte sie mit seinerzeit 92 Jahren als bis heute älteste Künstlerin überhaupt einen Nummer 1-Hit in den britischen Album-Charts. Noch anlässlich ihres 100. Geburtstages im Jahre 2017 erschien ein letztes neues Album.


    Sie erhielt zahllose Auszeichnungen und Ehrungen und wurde bereits 1975 zur Dame of the Order of the British Empire erhoben.



    Weitere Informationen: https://www.faz.net/aktuell/fe…ynn-ist-tot-16820848.html

    Ich habe grad auch nochmal recherchiert bzgl. Beethoven unter Munch. In diesem Falle gibt es einen sehr ausführlichen Artikel bei Wikipedia über seine Diskographie.


    Auszugsweise daraus:


    Beethoven-Symphonien unter Charles Munch:


    Nr. 1: 1950 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Mono]

    Nr. 2: 1953 Boston Symphony Orchestra (West Hill Radio Archives, live) [Mono]

    Nr. 3: 1957 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Stereo]

    Nr. 4: 1964 Orchestre National de l'ORTF (Disques Montaigne, live) [Stereo]

    Nr. 5: 1955 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Stereo]

    Nr. 6: 1955 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Stereo]

    Nr. 7: 1963 Orchestre National de la RTF (Disques Montaigne, live) [Stereo]

    Nr. 8: 1958 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Stereo]

    Nr. 9: 1958 Boston Symphony Orchestra (RCA Victor, Studio) [Stereo]


    Also doch gewissermaßen ein Zyklus.


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    Die 1989 in Kooperation mit dem INA (Institut national de l'audiovisuel) auf CD herausgegebene Veröffentlichung der Symphonien Nr. 4 und 7 (plus Ouvertüre "Die Weihe des Hauses") in Stereo habe ich mir bei dieser Gelegenheit soeben bestellt (nähere Infos bei Discogs). Ich bin gespannt und werde berichten.

    Danke für das Einstellung dieser alten Rezension, lieber nemorino.

    Ich bleibe dabei, dass mir Walters Beethoven-Zyklus insgesamt ausgezeichnet gefällt. Ich machte ja andernorts schon ein paar Einschränkungen, die das Gesamtbild m. E. aber kaum trüben. Das Gewitter in der sonst sehr guten Pastorale ist mir zu wenig infernal, aber das ist meine persönliche Prägung. Die Kritik an der Orchesterleistung teile ich übrigens nicht. Da schreibt ein Kritiker vom anderen ab. Natürlich gibt es ab und an kleinere Unsauberkeiten, aber in welcher Gesamtaufnahme gibt es die nicht. Mir gefiel das orchestral z. B. besser als im fast zeitgleich eingespielten Zyklus des von mir ebenfalls geschätzten Franz Konwitschny - klanglich ist jener von Bruno Walter dem zudem überlegen. Und wenn wir von Schwächen reden: Die kann man auch bei anderen Zyklen jener Tage ausmachen. Beim ersten Stereo-Zyklus von Karajan gefällt mir auch nicht alles, genauso bei jenem von Klemperer. Ihren historischen Stellenwert nimmt ihnen dies indes nicht im Geringsten. Walters Zyklus ist da sehr konkurrenzfähig und für jene, die die betont spätromantische Lesart bevorzugen, in meinen Augen sogar ein absoluter Top-Favorit. Dass Walter etwa den Schlusssatz der Achten sehr getragen nimmt, fand bei mir begeisterte Aufnahme. Will ich den flotter hören, kann ich zu zwei Dutzend Alternativen greifen. Nein, das macht mir Walters Beethoven nicht madig. Vom Ansatz her ist der eben völlig anders als jener von William Steinberg, den ich als viel moderner charakterisieren würde. Trotzdem schließt das für mich nicht aus, dass ich beide sehr schätze.

    Lieber nemorino und lieber udohasso,


    ich habe ewig nicht mehr hineingehört. Die älteren, jetzt bei Testament aufgelegten Einspielungen derselben Werke, kenne ich gar nicht. Richter-Haaser ist in meiner Sammlung ansonsten nicht vertreten (außer, er ging unter, was durchaus möglich ist, da nicht jeder Pianist extra erfasst ist). Nach meiner Erinnerung waren das für das Alter sehr gut klingende Rundfunkproduktionen des DDR-Rundfunks. Ich habe mir das damals wegen Kegel angeschafft, den ich bei Beethoven für einen der ganz Großen halte.