Beiträge von Joseph II.

    Die Ablehnung des Cembaloklangs in weiten Kreisen hat mich selbst stets gewundert. Beechams berüchtigt-dreister Ausspruch steht für diese Geisteshaltung, die auch in Musikerkreisen verbreitet scheint. Persönlich verbinde ich mit dem Klang eines Cembalos einen Hauch vom Ancien Régime. Wie dieses war das Cembalo im ausgehenden 18. Jahrhundert ein Auslaufmodell, als alte Gewissheiten endgültig in Frage gestellt wurden und die seit undenklichen Zeiten bestehende Weltordnung zusammenstürzte.


    Gerade gestern Abend erklang - wenn auch eher als Beifang - das hübsche Konzert g-Moll für Cembalo und Streichorchester eines anonym gebliebenen Komponisten aus der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Manuskript befindet sich in der prächtigen Bibliothek der Universität von Coimbra. Die bis heute offenbar einzige Einspielung besorgte 1969 die Archiv Produktion des Musikhistorischen Studios der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Eine CD-Übernahme steht nach wie vor aus.


    91oIin02FRL._SL500_.jpg


    Nichts für ungut, lieber Alfred. Gerade hörte ich via Stream den Finalsatz von KV 338 (seit langem ein persönlicher Favorit) und muss konstatieren, dass das Dargebotene keine Vergleiche zu scheuen braucht, im Gegenteil. Wer moderne Instrumente und nicht zu schmächtige (aber auch nicht ansatzweise aufgeblähte) Besetzung zu schätzen weiß, dürfte hier - gepaart mit labeltypisch exzellentem Klang - auf seine Kosten kommen. Ja, die klassischen großen Sinfonieorchester können auch heutzutage noch ausgezeichneten Mozart spielen. :thumbup:


    w7h6d6pa5r3sa_300.jpg


    Reinhard Keiser
    "Croesus" (Ausschnitte)


    H. Prey, L. Otto, M. Schmidt, Th. Adam, K.-E. Mercker, U. Schirrmacher


    Günther Arndt-Chor

    Ein Kinderchor

    Berliner Philharmoniker

    Dirigent: Wilhelm Brückner-Rüggeberg


    Aufnahme: Studio Zehlendorf, Berlin, 3/1961











    So prachtvoll zelebriert lässt sich diese barocke deutschsprachige Oper wunderbar genießen. Allein die siebenminütige Ouvertüre mit Trompeten und Pauken ist ein Labsal (René Jacobs jagt in weniger als fünf Minuten durch). Leider wurde keine Gesamtaufnahme daraus. Abgesehen von den beiden Arien mit Prey fehlt bis heute eine CD-Übernahme.

    w7h6d6pa5r3sa_300.jpg


    Wassili Kalinnikow
    Sinfonie Nr. 1 g-Moll


    Sinfonieorchester des Südwestfunks

    Dirigent: Juri Aronowitsch (Ahronovitch)


    Aufnahme: 28./29. Mai 1992 (Produktion des SWF)








    Als 5-CD-Box des Labels Ermitage ab 24. Mai zu haben (wenn auch bisher nicht bei jpc gelistet), im Stream bereits jetzt komplett abrufbar. Die Erste von Kalinnikow scheint Aronowitsch besonders geschätzt zu haben; mir liegt noch eine frühere Aufnahme unter seinem Dirigat vom Bayerischen Rundfunk vor, die ich zu den besten Interpretationen zählen würde. Hier enthalten u. a. auch eine fulminante Fünfte von Tschaikowski in einer BR-Produktion von 1981. Mehr Details hier.

    w7h6d6pa5r3sa_300.jpg


    Joaquim Casimiro Júnior

    "Stabat Mater"; "Credo"; "Ave Maria e Glória Patri"; "Miserere"; "Libera me"


    Coro Gulbenkian

    Grupo Instrumental

    Dirigent: Jorge Matta


    Aufnahme: Igreja de São Roque, Lissabon, 1996







    Neben seiner sakralen Musik war Joaquim Casimiro Júnior (1808-1862) vor allem für seine Opern und Operetten bekannt.

    Hallo, Joseph II.!


    Die vier Arien auf der ‚Hör ZU‘-LP „Im Gedenken an Wolfgang Anheisser“ entstanden in Zusammenhang mit der oben genannten Fernsehsendung „Ein spanisches Capriccio“. Die Arien aus „Der Barbier von Sevilla“ und „Der Troubadour“ sind auf dem LP-Doppelalbum der ‚Electrola‘ SME 2220/21 von 1970 enthalten; „Don Giovanni“ und „Der Zigeunerbaron“ gibt es nur auf der ‚Hör Zu‘-Platte SHZE 402 von 1974.


    Die WDR-Produktionen von „Der König hat’s gesagt“ (‚Le roi l‘a dit’) von Leo Délibes und „Anna Boleyn“ von Gaetano Donizetti sind beide in Stereo aufgenommen worden. Meines Wissens gibt es sie nicht auf Tonträgern.

    Lieber Carlo,


    auch ich habe noch einmal ganz herzlich zu danken für die kundigen Präzisierungen. Es wäre zu hoffen, dass Rechteinhaber Warner beizeiten noch eine gebündelte Box mit sämtlichen Tondokumenten, die Wolfgang Anheisser für EMI Electrola eingespielt hat, herausbringt. Es gibt doch entschieden mehr, als ich auf dem Schirm hatte. Der Wunsch ist Vater des Gedankens.


    Dass der WDR die besagten deutschsprachigen Opernproduktionen als CD auf den Markt bringt, dürfte noch weit illusorischer sein. Selbst habe ich keine Erfahrung mit dem WDR-Tonarchiv (anders als beim DRA). Vielleicht aber ließe sich in der Sache doch noch etwas für den privaten Gebrauch bewerkstelligen. Speziell der Delibes wäre schon sehr reizvoll.


    Beste Grüße

    Na sowas, das muss ich bis dato überlesen haben. Vielen Dank, lieber Carlo, für diese Fülle an Details!


    Ich vermute, weder "Der König hat's gesagt" noch "Anna Boleyn" sind jemals in einer offiziellen Form erschienen.


    Wurden diese Rundfunkproduktionen bereits in Stereo gemacht? 1967 würde ich es beim WDR bereits stark annehmen wollen.

    Soeben entdeckte ich - ebenfalls bei archive.org - eine Platte mit mir bis dato teils unbekannten Einspielungen von Wolfgang Anheisser:


    lp_im-gedenken-an-wolfgang-anheisser_rossini-mozart-verdi-lortzing-bizet-nes_0001.jp2&id=lp_im-gedenken-an-wolfgang-anheisser_rossini-mozart-verdi-lortzing-bizet-nes&scale=10&rotate=0&scale=10&rotate=0


    Speziell die Stücke, die mit dem Symphonie-Orchester Graunke unter Franz Allers aufgenommen wurden, sind mir neu.


    Seltsamerweise finde ich nur diese "Hör zu"-Ausgabe (EMI Electrola SHZE 402). Sollte es tatsächlich keine "reguläre" LP gegeben haben?

    Meine ohnehin recht große Händel-Sammlung wurde in den letzten Tagen erweitert:


    Eine meiner Lieblingsopern: Riccardo primo mit Paul Goodwin gebraucht erstanden (ich besaß nur die in meinen Augen schlechtere Rousset-Aufnahme):

    Genauso sah ich das seinerzeit auch. ;) Mir wurde dann von einem Barockopern-Kenner bescheinigt, den Countertenor Zazzo könne man sich doch kaum antun, was die ganze Aufnahme herunterziehe. :/ Ich finde sie trotzdem besser als jene unter Rousset.

    Ich frage mich, haben die Kandidaten keine Allgemeinbildung?

    Einerseits ist es aus unserer Sicht als Mitglieder in einem renommierten Klassikforum natürlich verlockend, hier despektierlich die Nase zu rümpfen. Anderseits ist die Frage in der Tat, wie man Allgemeinbildung definiert. Wir sollten nicht vergessen, dass auch wir in einer Blase, eben der Klassikblase, leben und eine Minderheit darstellen. Für das Gros der Bevölkerung gehört zur Allgemeinbildung vielleicht eher, diverse Pop- und Rockgruppen der 1980er Jahre richtig benennen zu können. Was ich mich hier auch frage, ob das um die Kenntnis derartiger Dinge früher wirklich besser bestellt war. Ganz konkret die Frage zum Streichquartett. Hätte das ein anständiger Handwerker oder eine emsige Hausfrau vor 50 Jahren wirklich problemlos beantworten können? Ich habe da so meine ernsthaften Zweifel. Eher hätte man alle Hits von Peter Alexander und Heintje aufzählen können, worauf unsereins - vielleicht völlig zu Unrecht - wiederum gerne herabblickt.

    Während das "Requiem" von João Domingos Bomtempo relativ geläufig ist, sind seine weiteren Sakralwerke außerhalb Portugals heute nahezu vergessen. Neben dem "Kyrie e Gloria" (1818, rev. 1821) und dem "Te Deum" (1818) sind besonders die "Quatro Absolvições" [Vier Absolutionen] (1822) und das "Libera me" (1835) hervorzuheben. Die "Quatro Absolvições" entstanden - wie die "Mattutini de' Morti" - anlässlich der feierlichen Überführung der sterblichen Überreste der Königin D. Maria I. (1777-1816) von Rio de Janeiro (wo sie während des durch die Napoleonischen Kriege bedingten Exils des portugiesischen Hofes verstorben war) nach Lissabon in die dortige Basílica da Estrela (Real Basílica e Convento do Santíssimo Coração de Jesus). Eine Rezension in der "Allgemeinen musikalischen Zeitung" vom 1. Jänner 1823 bescheinigt dem Werk eine gewisse Nähe zu Mozart. Gleichzeitig strebe der Komponist keine Theatralik á la Rossini an. Das "Libera me" schließlich entstand 1835 anlässlich des ersten Jahrestages des Todes des Herzogs von Bragança, der vor seinen Abdankungen als D. Pedro I. Kaiser von Brasilien (1822-1831) und als D. Pedro IV. König von Portugal (1826) gewesen war. Eine strenge Erhabenheit kennzeichnet das Werk, da und dort mit Reminiszenzen an den Trauermarsch aus Beethovens "Eroica". Dieselbe "Allgemeine musikalische Zeitung" erkennt zurecht eine Abwendung Bomtempos vom bis dahin in Portugal starken italienischen Einfluss.



    b9c81bcbec503c04f4a8318f3076a652

    Domingos Sequeira: "Das Jüngste Gericht" (1830)


    Die einzige existente Einspielung lässt eigentlich keine Wünsche offen. Sie entstand zwischen 15. und 19. Oktober 1988 in den Hungaroton-Studios in Kooperation mit Portugalsom. Es zeichnen verantwortlich die Budapester Chorvereinigung und das Philharmonische Orchester Budapest unter Mátyás Antal sowie die Solisten Mária Zádori, Judith Németh, Gábor Kállay und János Tóth.


    500px-Estrela_April_2014-8a.jpg

    Basílica da Estrela, Lissabon


    640px-Tomb_of_Maria_I_-_Bas%C3%ADlica_da_Estrela_-_Lisbon.JPG

    Grabmal Marias I. in der Basílica da Estrela, Lissabon



    Auf Mendelssohns Erste kam ich vor einiger Zeit auch wieder. Ich pflichte meinem Vorredner bei, sie wird unter Wert gehandelt.


    Auf eine besonders überzeugende Einspielung, die auch das alternative Scherzo als Bonus berücksichtigt, möchte ich in diesem Zusammenhang noch verweisen:


    51WxfaRdKEL._AC_._SL400_.jpg eyJidWNrZXQiOiJwcmVzdG8tY292ZXItaW1hZ2VzIiwia2V5IjoiOTUxNDczMy4xLmpwZyIsImVkaXRzIjp7InRvRm9ybWF0Ijoid2VicCJ9LCJ0aW1lc3RhbXAiOjE2OTA0NjIwNzh9


    Cleveland Orchestra

    Dirigent: Louis Lane

    Aufnahme: Severance Hall, Cleveland, Oktober 1966


    George Szell stellte sein Orchester seinem langjährigen Assistenzdirigenten Louis Lane (1923-2016) zur Verfügung, der eine spürbare Ader für das Werk besitzt. Die ursprüngliche LP beinhaltete auch die wenig gespielte 1. Sinfonie von Schubert. Auf CD ist diese CBS-Produktion später auch bei Sony erschienen (Barcode 074646325124), wenngleich sie auf dem Frontcover unverständlicherweise gar nicht genannt wird. Eine Neuauflage täte dringend not.

    Auf den Aufnahmeort "Simmeringer Hof" stieß ich bereits vor vielen Jahren und konnte damit wenig anfangen. Hier findet man dazu ein wenig mehr. Zwei Aufnahmen aus Karl Böhms Beethoven-Zyklus mit den Wiener Philharmonikern wurden dort eingespielt: Die Sinfonie Nr. 9 (mit Jones, Troyanos, Thomas und Ridderbusch) im April 1970 und die Sinfonie Nr. 5 im April 1975. Über die Gründe kann man spekulieren, die sieben anderen entstanden nämlich im Großen Musikvereinssaal.


    Die Achtundachtzigste dürfte schon seit Anbeginn der elektrischen Tonaufnahme eine der populärsten Haydn-Sinfonien gewesen sein. Zumindest gibt es sie auch von einigen der "großen Alten", die ansonsten sehr wenig Haydn aufführten. Wilhelm Furtwängler wurde schon genannt. Mein Erstkontakt mit dem Werk erfolgte mit ziemlicher Gewissheit über einen Dirigenten, bei dem man bestimmt nicht als erstes an Haydn denkt: Hans Knappertsbusch. Laut Diskographie haben sich tatsächlich vier Aufnahmen unter seinem Dirigat erhalten, allesamt zwischen 1958 und 1962 entstanden. Die mir damals geläufige entstand im November 1959 in Dresden mit der dortigen Staatskapelle, also tatsächlich für den DDR-Rundfunk. Knappertsbusch trat in der "Ostzone" in den Jahren 1958 und 1959 durchaus noch auf und dirigierte an der Deutschen Staatsoper sogar einen kompletten "Ring"-Zyklus von Wagner. Die Haydn 88 jedenfalls erschien beim auf historische Aufnahmen spezialisierten Label Tahra. Die Interpretation, die ich seit Jahren nicht mehr hörte, wird heutzutage gewiss wirklich unter "historisch" laufen. Der nicht gerade ideale Monoklang unterstreicht das natürlich. Wohl eher etwas für Fans des "Kna" als für Haydn-Begeisterte.


    Wikipedia schreibt - nach Abhören der entsprechenden Stelle für meine Begriffe nicht unplausibel - Folgendes:


    "Krautmanns Auftrittslied Ein Doktor ist, bei meiner Ehr, der größte Mann im Staate!, bei dem er sich selbst lobt (ein Vorläufer von van Betts Arie O sancta Justitia aus Albert Lortzings Zar und Zimmermann)"


    Zu meiner Überraschung führt jpc die einzige vollständige und hochkarätig besetzte Gesamtaufnahme z. Zt. noch im Angebot:



    Carl Ditters von Dittersorf

    "Doktor und Apotheker"

    Komische Oper in zwei Aufzügen

    Libretto von Stephanie dem Jüngeren


    Stößel, ein Apotheker: Harald Stamm, Bass (Wolfgang Reinsch, Sprecher)

    Claudia, dessen Frau: Waltraud Meier, Mezzosopran (Margarete Salbach, Sprecherin)

    Leonore, beider Tochter: Hildegard Uhrmacher, Sopran (Erika Gross, Sprecherin)

    Rosalia, Stößels Nichte: Donna Woodward, Sopran (Heidi Vogel, Sprecherin)

    Krautmann, ein Doktor: Wolfgang Schöne, Bariton (Christopher Lukas, Sprecher)

    Gotthold, dessen Sohn: Frieder Lang, Tenor (Friedrich Briesemeister, Sprecher)

    Sturmwald, ein invalider Hauptmann: Gerhard Unger, Tenor (Rolf Dienewald, Sprecher)

    Sichel, ein Feldscherer: Martin Finke, Tenor (Rolf Dienewald, Sprecher)

    Gallus, Bedienter eines Patienten: Alois Perl, Tenor (Claus Berlinghof, Sprecher)

    Ein Polizeikommissär: Thomas Pfeffer, Bariton


    Dialogregie: Peter Folken


    Staatsorchester Rheinische Philharmonie

    Dirigent: James Lockhart


    Aufnahme: Rhein-Mosel-Halle Koblenz, 20.-26. Juni 1981


    CD Bayer Records 100 238/39


    Ansonsten scheint es nur noch einen stark gekürzten Querschnitt zu geben:


    Ni05NTU1LmpwZWc.jpeg


    Apotheker Stößel: Hans von Welz, Bass

    Claudia: Thea Lawrencewic, Alt

    Leonore: Eva Brinck, Sopran

    Rosalia: Maria Harvey, Sopran

    Doktor Krautmann: Wladimir Smid-Kowar, Bariton

    Gotthold: Richard van Vrooman, Tenor

    Sturmwald: Erich Zureck, Tenor

    Sichel: Alois Perl, Tenor


    Camerata Academica des Mozarteums Salzburg

    Dirigent: Uli Weder


    Aufnahme: 1960


    LP Turnabout TV 34311


    Interessant, dass Alois Perl in beiden Einspielungen mitwirkte.

    Ein spannendes Thema. Über die Jahre ließen sich die meisten seltenen Aufnahmen, derer ich habhaft werden wollte, irgendwann auftreiben, ohne dass das Portemonnaie allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Tatsächlich wurde im Internetzeitalter einiges erheblich einfacher, kann man im Prinzip doch weltweit Ausschau halten. In wenigen hartnäckigen Fällen ist indes Contenance gefragt. Bei einem bekannten globalen Schallplatten-Umschlagplatz kann man anhand der Verkaufshistorie erahnen, wie rar diese und jene Aufnahme in etwa ist. Wurde sie seit Jahren nicht mehr oder gar noch nie dort verkauft und taucht dann irgendwann unerwartet doch noch auf, so bin ich in solchen Ausnahmefällen auch bereit, die eigene noch vertretbare Preisobergrenze höher anzusetzen. Es gibt nach wie vor Beispiele, wo ersichtlich ist, dass diese Platte in den nächsten fünf oder gar zehn Jahren wohl kein zweites Mal auftauchen wird und eine anderweitige Veröffentlichung (sei es als CD, sei es digital) höchst unwahrscheinlich ist. Nach meiner Erfahrung wurde selbst in diesen Fällen nie ein astronomischer Preis verlangt, auch wenn sich mancher Verkäufer schon bewusst zu sein scheint, welches Schätzchen er da im Angebot hat.

    Ganz aus der Luft gegriffen ist die Selbsteinschätzung Londons zu Haydns Lebzeiten ja nicht. Zwischen 1700 und 1750 überholte es Konstantinopel als größte Stadt Europas (und sollte es für gut 200 Jahre bleiben) und war als bedeutendes musikalisches Zentrum im 18. Jahrhundert mit Anziehungskraft für ausländische Komponisten gewiss nicht zu unterschätzen. Man denke nur an Händel und Johann Christian Bach oder auch an Muzio Clementi.

    Hier A-cappella-Werke aus dem Jahre 1621 in Weltersteinspielungen:



    Duarte Lobo
    "Missa Sancta Maria"
    "Missa Elisabeth Zachariae"


    Cupertinos

    Dirigent: Luís Toscano


    Aufnahme: Basílica do Bom Jesus, Braga, 24.-26. Juli 2019







    Wie üblich bei Hyperion, höchste Güte hinsichtlich künstlerischer und klanglicher Qualität.

    Am vergangenen Mittwoch hat unser neues Mitglied "Leisetreter" einen Thread über den Münchner Bürgerbräukeller eröffnet.

    Auch diese Aufnahme der Sinfonien Nr. 31 und 73 ist dort entstanden:

    Haydn: Sinfonien Nr. 31 'Auf dem Anstand' und Nr. 73 'Die Jagd'

    Leopold Ludwig und das Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks (Aufnahme: 4/1966).

    Um noch einmal kurz darauf zurückzukommen: Die exzellent erhaltene LP traf dieser Tage ein und wurde bereits digitalisiert und abgehört. Vom warmen, ansprechenden Klangbild kann sich sogar manche moderne Aufnahme eine Scheibe abschneiden. Wie zu erwarten, ein großorchestraler Ansatz, aber keinesfalls dickflüssig aufgetragen. Am Solohorn ganz hervorragend Kurt Richter, zwischen 1950 und 1978 Solohornist beim BR-Sinfonieorchester und auch im Münchener Bach-Orchester seines Namensvetters Karl Richter in einigen Schallplattenaufnahmen eingesetzt. Sowohl "Mit dem Hornsignal/Auf dem Anstand" (Nr. 31) als auch "Die Jagd" (Nr. 73), um die es in diesem Thread geht, stellen eine bedeutsame Erweiterung der eigenen Haydn-Diskographie dar. Der einzige Wermutstropfen ist, dass Leopold Ludwig von der "Jagd"-Sinfonie die Fassung ohne Pauken wählt (die andere Sinfonie sieht ohnehin keine vor). Das hemmt zumal im Finalsatz den Waidwerkcharakter ein wenig. Gleichwohl bereue ich den Kauf keinesfalls und danke abermals nemorino für seinen wichtigen Tipp.

    Danke für die Vorstellung dieses berühmten Konzertsaales. Akustisch bürgt der Herkulessaal in der ehemaligen Münchner Königsresidenz nach meiner Erfahrung stets für ein hohes Maß an Qualität, bei Studioproduktionen ohnehin (Legionen wären hier wohl aufzuzählen), aber durchaus auch bei Live-Aufnahmen. Meine vielleicht allerliebste Bruckner-Aufnahme überhaupt, die Sinfonie Nr. 5 mit dem Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Eugen Jochum, wurde hier von 8. bis 15. Februar 1958 als erste Einspielung des bereits abgebildeten späteren Zyklus der Deutschen Grammophon Gesellschaft aufgenommen. Die Erstausgabe der Fünften aus demselben Jahr war sogar auf zwei separat erschienen Langspielplatten verteilt (ergänzt um Vorspiel und Karfreitagszauber aus "Parsifal").


    NS0xMTc3LmpwZWc.jpeg NC02NTUxLmpwZWc.jpeg

    Nun meine ich selbst draufgekommen zu sein, was das besagte Motiv im Kopfsatz angeht: In der kriegerischen Arie mit Chor "The trumpet's loud clangour" aus Händels "Ode for St. Cecilia's Day" (1739) gibt es eine gewisse, zumindest oberflächliche Ähnlichkeit, wenn der Chor am Ende mehrfach wiederholt "'tis too late to retreat". Rein theoretisch könnte Haydn dieses Werk durchaus gekannt haben.

    In der tollen alten Bernstein-Einspielung bei ca. 3:55:


    Ab 7. Juni



    Naxos setzt seine "The Music of Brazil"-Serie wiederum interessant fort. Oscar Lorenzo Fernández (1897-1948) - der Name verrät die spanischen Wurzeln seiner Eltern - war einer der wichtigsten brasilianischen Komponisten der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Den mitreißenden "Batuque"-Tanz aus "Reisado do Pastoreio" spielten schon Toscanini, Stokowski und Bernstein ein, hier nun das komplette Werk. Ergänzt wird das auf der neuen Scheibe durch die beiden Sinfonien des Komponisten.

    Wenn hier die Sinfonie Nr. 70 als die vielleicht interessanteste der 70er-Gruppe bezeichnet wird, so will ich dem nicht widersprechen.


    Im Kopfsatz gibt es ein markantes Motiv, das mich an irgendeine Arie (?) erinnert, doch komme ich partout nicht drauf. Am Ende doch nur Einbildung.



    Hier bei 0:31. Insgesamt eine wirklich schöne Lesart von Ernest Bour, wenn man moderne Instrumente nicht verschmäht (SWR-Produktion von 1984).



    Hier besagte Stelle bei 0:47. Wobei man sich fragen könnte, ob Dennis Russell Davies eine bewusste Karikatur des Vivace con brio macht, beinahe "klemperesk".

    w7h6d6pa5r3sa_300.jpg


    Joseph Haydn
    Sinfonie Nr. 89 F-Dur Hob. I:89


    Japan Century Symphony Orchestra

    Dirigent: Norichika Iimori


    Aufnahme: Izumi Hall, Osaka, 9. August 2019








    Die vermutlich am wenigsten geläufige und am seltensten eingespielte Haydn-Sinfonie unter denjenigen ab den "Parisern".

    Es hat mich gefreut, lieber Joseph II., daß ich Dir einen brauchbaren Tip geben konnte. Hoffentlich war er nicht zu teuer.

    Keine Bange, lieber nemorino, die Platte ließ sich preiswert und fast neuwertig finden (10 EUR inkl. Versand), was nach meiner Erfahrung in aller Regel dann auch so zutrifft.


    Die Sinfonie Nr. 73 "La Chasse" dürfte schon früher zu den populäreren von Haydn gezählt haben. Jetzt bei der Recherche stieß ich auf eine weitere alte Nicht-HIP-Studioeinspielung mit großem Orchester: Josef Zilch nahm das Werk 1974 mit den Nürnberger Symphonikern für das auch durch seine Zusammenarbeit mit der betagten Elly Ney bekannt gewordene Nürnberger Label Colosseum auf. Anders als bei der EMI-Einspielung von Leopold Ludwig gab es später eine CD-Neuauflage. Auf dem Gebrauchtmarkt wird man noch fündig (Barcode 4005939056629).


    MzAtMjA2OC5qcGVn.jpeg MzAtNzExNi5qcGVn.jpeg

    Eine Regelmäßigkeit bei Flotows "Martha" halte ich zumindest in Österreich für euphemistisch. An der Wiener Staatsoper erklang sie zuletzt 1955, an der Wiener Volksoper war sie noch einmal zwischen 2003 und 2006 zu hören. Zuletzt versuchte man es 2019 in Graz, inszeniert als "[t]ristes Trauerspiel im Irrenhaus" ("Kronen Zeitung"). So kann das aber auch nichts werden.


    João Domingos Bomtempo

    Requiem "À memória de Camões" op. 23


    Ana Pusar, Heidi Rieß, Christian Vogel, Hermann Christian Polster


    Rundfunkchor Berlin

    Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin

    Dirigent: Heinz Rögner


    Aufnahme: Christuskirche, Berlin, 12/1980





    Diese Einspielung hatte ich schon lange in der Ausgabe von Strauss Portugalsom vorliegen. Nun habe ich mir auch die Edition von Berlin Classics (Nachfolger von Eterna; der VEB Deutsche Schallplatten Berlin, DDR, machte das seinerzeit als Koproduktion) zugelegt in der Hoffnung, dass die leichten Übersteuerungstendenzen an den lauten Stellen dort nicht aufträten. Und tatsächlich, das hier vorliegende Remastering konnte das offenbar korrigieren. Über die Darbietung braucht man nicht viel sagen: ausgezeichnet.