Beiträge von Joseph II.

    Diese Schauspielmusik entdecke ich auch erst jetzt so wirklich für mich. Die berühmte Ouvertüre (op. 21), deutlich früher entstanden als der Rest (op. 61), ist m. E. mit das Beste, was Mendelssohn überhaupt geschrieben hat. Eine hochromantische Sogwirkung sondergleichen entfaltet dieses Meisterstück. Den noch berühmteren Hochzeitsmarsch werden viele zu Tode gehört haben, aber sogar dort kann man Neues entdecken. Gerade dieser Tage erklang die Einspielung von Jean Martinon mit dem Chicago Symphony Orchestra (RCA), die wirklich splendid ausfällt. Leider hat Martinon neben der Ouvertüre und dem Hochzeitsmarsch nur das Scherzo und das Notturno eingespielt. Mitunter findet auch das Intermezzo bei solchen Teileinspielungen Berücksichtigung. Es fällt mir auch schwer, bei diesem Werk eine absolute Lieblingsaufnahme zu nominieren. Als wirklich misslungen fiele mir keine aus dem Stegreif ein. Vielleicht ist diese wunderbare Musik auch einfach zu genial, um jemals medioker zu klingen.

    Wiener Johann Strauss Orchester

    Das Wiener Johann Strauss Orchester (WJSO) ist ein 1966 gegründetes Symphonieorchester in Nachfolge der Strauss-Kapelle.


    Den Grundstock bildete eine Gruppe von Wiener Musikern des seinerzeitigen Kleinen Rundfunkorchesters. Das Ensemble hat sich die Pflege der Musik der Strauss-Dynastie zur Aufgabe gemacht, spielt aber auch Werke anderer Komponisten der sogenannten "leichten" Wiener Musik.


    Seine Besetzung mit regulär 42 Musikern entspricht jener der Strauss-Kapelle.


    Dirigenten:


    Eduard Strauss II. (1966-1968)

    Willi Boskovsky (1969-1981)

    Walter Goldschmidt (1973-1979)

    Kurt Wöss (1974-1987)

    Alfred Eschwé (seit 1983)

    Johannes Wildner (seit 2008)


    Daneben dirigierten das WJSO Heinz Sandauer, Franz Zelwecker, Leo Lehner, Max Schönherr, Franz Bauer-Theussl, Wladimir Fedosejew, Martin Sieghart, Rudolf Bibl, Leopold Hager, Rudolf Streicher, Peter Guth und Ola Rudner.


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    Georges Bizet

    Symphonie "Nr. 2" C-Dur "Roma"


    Rundfunk-Symphonieorchester der UdSSR

    Fuat Mansurow (auf dem Cover falsch angegeben)

    Aufnahme: Moskau, 1978








    Ursprünglich eine Melodia-Einspielung, später von Chant du Monde auf CD herausgebracht. Ein sehr eigentümliches aber durchaus sehr ansprechendes Werk, teils auch als Symphonische Suite Nr. 3 bezeichnet.

    So sah die LP aus:


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    hast Du meinen Hinweis auf die Michelangeli CD/Blu Ray gesehen.

    Danke für den Hinweis, lieber astewes. Ja, Blu-ray Audio und auch SACD bieten natürlich diesen hochauflösenden Klang. Problematisch ist nur das Abspielen bzw. "auf die Festplatte" verfrachten (auch wenn es über Umwege möglich ist). Von daher bin ich um die digitalen HiRes-Downloads persönlich eigentlich durchaus froh. Weit nicht jede Aufnahme brauche ich in solcher ultrahohen Auflösung (Gott behüte), aber solche, die mir sehr viel bedeuten, möchte ich schon bestmöglich hören.


    Bezüglich der Sinnhaftigkeit von Remasterings - und damit zurück zum Threadtitel - sind diverse, alle paar Jahre aufkommende, angeblich spektakulär neu gemasterte Ausgaben uralter Mono-Aufnahmen kuriose Beispiele. Da kann ich mittlerweile nur noch schmunzeln. Kürzlich etwa brachte BIS eine schwedische Version der berühmten Beethoven-Neunten unter Furtwängler von 1951 auf den Markt. Was wurde sich da nicht an diversen Orten bereits mit Vorschusslorbeeren euphorisch gegenseitig überboten. Die Ernüchterung trat ein, als das Produkt auf den Markt gelangte. Der Klang soll sogar schlechter sein als in der seit langem bekannten Orfeo-Ausgabe. Und besser wird es auch nicht mehr. Dazu ist das Ausgangsmaterial nicht geeignet. Es ist eben bloß Mono und wird auch durch keinen Trick der Welt jemals zu echtem Stereo mutieren. Das sog. "Ambient Stereo", das Pristine Classical anbietet, ist zwar ganz nett und bringt eine gewisse Verbesserung der Räumlichkeit, aber mit echter Stereophonie hat das nun nichts zu tun. Den echten Aha-Effekt bringen Remasterings meist nur bei Stereo. Auch das beste Mono klingt bei nüchterner Betrachtung nur medioker, wenn man Stereo im Ohr hat, und das haben wir seit Mitte der 1950er Jahre eben und können es nicht mehr ändern. Die einzige Ausnahme tritt ein, wenn es zwei parallele, voneinander unabhängige Mono-Quellen derselben Aufnahme gibt. "Accidental Stereo" ("versehentliches Stereo") nennen das die Angelsachsen. Mit viel Mühe und Können kann man dann daraus ein Quasi-Stereo basteln, indem man die beiden Mono-Kanäle stereophon einsetzt und die Abspielgeschwindigkeit auf die Millisekunde identisch einstellt. Da gab es teilweise wirklich überraschende Ergebnisse. Aber wie gesagt, das ist ein Sonderfall, und leider selten genug gibt es solche historischen Zufälle.


    Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92


    Royal Philharmonic Orchestra
    Sir Thomas Beecham, Bart.

    Aufnahme: Kingsway Hall, London & No. 1 Studio, Abbey Road, London, 10/1958, 4/1959 & 7/1959








    Diese Einspielung hatte seinerzeit einen legendären Ruf, geht heutzutage indes oft in der schieren Masse an Aufnahmen unter. Etwas sonderbar (aber Beecham-typisch) die verschiedenen Aufnahmeorte und der lange Zeitraum der Entstehung.


    Cover der LP:


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    Franz von Suppé

    Ouvertüre zu "Dichter und Bauer"


    Royal Philharmonic Orchestra

    Sir Thomas Beecham, Bart.

    Aufnahme: No. 1 Studio, Abbey Road, London, 26. März 1957












    Für meine Begriffe die definitive Einspielung dieser tollen Ouvertüre. Der Baronet lässt sich Zeit und zelebriert das Werk in zehneinhalb Minuten. Ausgezeichneter Klang, auch wenn Sir Thomas es bekanntlich "stereocomic" nannte.


    Auf CD in diesem Set inkludiert:


    Meine persönliche Erfahrung ist auch, dass die neueren Remasterings die älteren oft (sehr deutlich sogar) übertreffen. Gewiss wird es auch dieses und jenes Gegenbeispiel geben (man denke an die teils missglückte Ancerl-Gold-Edition bei Supraphon). Gute Beispiele sind "The Originals" von Deutsche Grammophon, wo im Vergleich zu den ursprünglichen CD-Ausgaben deutliche Verbesserungen erkennbar sind. Die wunderbaren Remasterings der letzten Jahre, oft noch in hochauflösenden Formaten (teils bis 192 kHz/24 Bit), welche die CD-Qualität (44.1 kHz/16 Bit) weit übertreffen, gibt es teilweise nur mehr als digitale Downloads. Sie sind daher für einen erheblichen Teil dieses Forums leider irrelevant.

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    Philharmonia Promenade Concert

    Waldteufel: "Les Patineurs"

    Joh. Strauss Vater: Radetzky-Marsch

    Joh. Strauss Sohn: Tritsch-Tratsch-Polka; "Unter Donner und Blitz"

    Chabrier: "España"; "Joyeuse marche"

    Suppé: "Leichte Kavallerie" - Ouvertüre

    Weinberger: "Schwanda, der Dudelsackpfeifer" - Polka
    Offenbach: "Orphée aux enfers" - Ouvertüre


    Philharmonia Orchestra
    Herbert von Karajan

    Aufnahme: Kingsway Hall, London, September 1960






    Eine der Karajan-Platten, wo wirklich alles stimmt. Erstklassiger kann man dieses Repertoire nicht darbieten. Das Philharmonia Orchestra lässt keine Wünsche offen und übertrifft in Sachen Spielkultur für meine Begriffe sogar die Berliner und Wiener Philharmoniker in den späteren Lesarten Karajans. Und dann dieser exzellente Klang! Plastisch, räumlich, natürlich - nicht zu toppen. Persönliches Highlight: Die Ouvertüre zur Operette "Leichte Kavallerie" von Franz von Suppé, ein Werk, das Karajan dem Vernehmen nach sehr geschätzt haben soll. Vollmundiger und brillanter habe ich das nie gehört. Fazit: 1A in allen Belangen.



    Franz von Suppé

    Ouvertüren zu "Dichter und Bauer", "Tantulusqualen", "Banditenstreiche", "Die schöne Galathée", "Pique Dame", "Leichte Kavallerie", "Wiener Jubel" & "Ein Morgen, ein Mittag und ein Abend in Wien"

    Wiener Philharmoniker
    Zubin Mehta

    Aufnahme: Musikverein, Wien, 9.-12. Jänner 1989







    Eine schöne Scheibe, künstlerisch und klanglich erstklassig.

    Carl Michael Ziehrer - 100. Todestag

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    2022 jährt sich der Todestag von Carl Michael Ziehrer zum 100. Male.


    Geboren wurde der Sohn eines Hutmachers am 2. Mai 1843 in Wien, gestorben ebendort am 14. November 1922


    Früh vom Verleger Carl Haslinger protegiert, begann er bereits mit 19 Jahren mit eigenen Kompositionen. Mit seiner Kapelle debütierte er 1863 mit ersten eigenen Werken im Dianabad-Saal in Wien-Leopoldstadt. Nachdem er eine Zeitlang auch in Berlin gewirkt hatte, wurde er 1885 Kapellmeister des prestigeträchtigen k. u. k. Infanterie-Regiments Nr. 4 "Hoch- und Deutschmeister", was er bis 1893 blieb. In dieser Zeit erst stieg seine Anerkennung sprungartig auch in seiner Heimatstadt Wien, wo bisher die Strauss-Dynastie in diesem Bereich dominiert hatte. Konzertreisen führten die Militärkapelle durch ganz Europa und 1893 auch nach Chicago im Rahmen der Weltausstellung. Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte Ziehrer als letzter k. u. k. Hofballmusik-Direktor (1908-1918). Gesundheitlich seit einem Schlaganfall 1917 schwer angeschlagen, starb Ziehrer 1922 verarmt (er hatte sein Vermögen im Ersten Weltkrieg durch Kriegsanleihen verloren) und hinterließ seine Witwe Marianne (1857-1932), mit der er seit 1888 verheiratet gewesen war. Die Stadt Wien widmete ihm ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.


    Sein Werkverzeichnis umfasst rund 600 Opus-Zahlen, darunter zahlreiche Walzer, Märsche und Tänze sowie 23 Operetten (darunter "Die Landstreicher", 1899). Er erlangte folgende Ehrungen und Auszeichnungen: Ritter des kaiserl. österreichischen Franz-Josephs-Ordens, Kommandeur des königl. belgischen Ordens Leopold II., Offizier des königl. Ordens der Krone von Rumänien, Ritter des königl. preußischen Kronen-Ordens vierter Klasse, Besitzer des persischen Sonnen- und Löwen-Ordens fünfter Klasse, Ritter zweiter Klasse des königl. hannoveranischen Ernst August-Ordens, Besitzer der königl. dänischen goldenen Verdienst-Medaille, des königl. bayerischen Verdienstkreuzes, des königl. sächsischen Albrecht-Kreuzes, der königl. rumänischen großen goldenen Verdienst-Medaille und der herzogl. sachsen-coburg-gotha'schen Verdienst-Medaille für Kunst und Wissenschaft; k. u. k. Hofballmusik-Direktor (1908); königl. rumänischer Hof-Kapellmeister (1879); Ehrenbürger von Wien (1920).


    Sein bekanntestes Werk ist der Walzer "Wiener Bürger" op. 419 von 1890:


    Werter Joseph II., deine Empfehlungen in letzter Zeit - Carmen Dragon, diese Scheibe hier - erfreulich unkonventionell, und zugleich für meine Ohren echte Treffer. An dieser Stelle aufrichtigen Dank für die Hörinspirationen abseits des ausgetretenen Pfads.


    Herzliche Grüße

    Christian

    Das freut mich zu hören, lieber Christian, wenn es tatsächlich inspirierend war. ;)


    Ja, ich bin da auch sehr offen, was solches Repertoire angeht, das heutzutage sehr stiefmütterlich behandelt wird. Nehmen wir diese Britannia-Platte. In den Zeiten der Immer-und-Überall-Dauerempörten stünde solche urbritische Musik gleich im Rufe des bööösen und vorgestrigen Nationalismus und Imperialismus. Wir erinnern uns an die Diskussion bei der "Last Night of the Proms" im vorigen Jahr, wo "Rule, Britannia" beinahe zensiert worden wäre. Nur da die Reaktion darauf sehr heftig und eindeutig ausfiel (sogar der PM meldete sich zu Wort), blieb uns dies doch noch erspart. Und die Musik ist es m. E. auch künstlerisch wert, gehört zu werden. Waltons Crown Imperial und Elgars Pomp and Circumstance March No. 1 höre ich für mein Leben gern und lasse mich deswegen von der "MeToo"-Generation meinetwegen auch einen erzreaktionären Imperialisten heißen. :pfeif:Fasse ich als Auszeichnung auf. :evil: In diesem Sinne: God save the Queen! 70-jähriges Platin-Jubiläum in weniger als einem Monat. :hail:

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    Britannia: An Official Tribute

    Walton: Crown Imperial

    Sutherland (arr. Davis): Sailing

    Elgar: Nimrod; Pomp and Circumstance March No. 1 "Land of Hope and Glory"

    Coates: Knightsbridge March; By the Sleepy Lagoon

    Ellis (orch. Milner): Coronation Scot

    Binge: Sailing By

    Sullivan: H.M.S. Pinafore - Ouvertüre

    Wood: Fantasia an British Sea Songs

    Parry (orch. Elgar): Jerusalem

    Trad. (arr. Davie): Auld Lang Syne

    Arne (arr. Sargent): Rule, Britannia

    Anon. (arr. Elgar): God Save the Queen


    Royal Philharmonic Orchestra & Chorus
    Carl Davis

    Aufnahme: 1997




    Eine tolle CD mit britischer Musik in exzellenter orchestraler und technischer Qualität (Barcode 5033378000018).

    Aufnahmen von Künstlern, die sich "rar machten" und oft auch nur ein kleines Repertoire aufgenommen haben

    Auf die Gefahr hin, hier eine unpopuläre Meinung zu vertreten, doch verstehe ich bis heute nicht, was den legendären Ruf von Carlos Kleiber nun rechtfertigt. Scherzhaft auch derjenige Dirigent genannt, der circa ein Dutzend Werke dirigierte. Mir ist bewusst, dass viele auf seine Aufnahmen schwören und sie über alle anderen stellen. Aber eigentlich fiele mir kein einziger Fall ein, wo ich dies persönlich uneingeschränkt auch so sehen würde (nein, auch nicht bei den beiden legendären Neujahrskonzerten). In diesem Sinne wäre Kleiber d. J. mein Kandidat für den am meisten überschätzten Dirigenten der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinzu mag noch eine subjektive Abneigung hinzukommen, denn das, was man Karajan oft vorwarf, sehe ich eher bei Kleiber bestätigt. Starallüren en masse bis hin zur Bestechung mit einer Luxuslimousine mit allen Extras für ein Konzert in Ingolstadt Mitte der 90er Jahre. "Audi 8 gegen Opus 98" schrieb "Der Spiegel" seinerzeit (15/1996).

    Denn wenn Lenny etwas nicht konnte, dann war es Rachmaninow dirigieren!

    So pauschal würde ich das zwar nicht stehenlassen (seine Einspielung des 2. Klavierkonzerts mit Philippe Entremont ist absolut hörenswert), aber ich wunderte mich schon immer, wieso Bernstein niemals die 2. Symphonie von Rachmaninow eingespielt hat. Man sollte doch glauben, dieses Genre wäre genau sein Element gewesen. Weiß jemand Näheres darüber, weswegen er dieses Werk nicht im Repertoire hatte?

    Ich hatte diese unsägliche Aufnahme auf einer LP Die Fünften mit dem KK Nr.5. Jedes Werk auf eine Seite gequetscht.

    Trotz intensiver Suche, lieber Wolfgang, ließ sich keine LP finden, wo Previn die 5. Symphonie und das 5. Klavierkonzert dirigiert. Die von mir gemeinte EMI-Aufnahme der 5. Symphonie erschien auf LP nur in der gezeigten Version mit der "Prometheus"-Ouvertüre. Das 5. Klavierkonzert hat Previn für RCA eingespielt, nicht für EMI. Die 5. Symphonie spielte er für RCA später nochmal ein. Reden wir also wirklich von derselben Aufnahme? Ich habe so meine Zweifel daran, denn die von Dir mokierten Orchestermängel konnte ich nun wahrlich nicht feststellen. Ich bleibe also dabei: Gefiel mir besser als C. Kleiber. :pfeif:

    Dieser Thread ist insofern interessant, als es zumindest mir sehr schwer erscheint, hier überhaupt etwas zu benennen. Damit eine Aufnahme überschätzt sein kann, muss sie ja erst einmal überhaupt geschätzt werden. Dadurch fallen die landläufig als medioker oder gar misslungen geltenden Aufnahmen bereits heraus. Und es ist dann ja meistens auch etwas dran, wenn diese und jene Empfehlung explizit ausgesprochen wird.


    Nach längerem Nachdenken fiel mir gleichwohl ein Fall ein, den ich mit gewissen Vorbehalten hier im Thema nennen möchte:




    Wieso benenne ich diese Einspielung der Symphonie fantastique von Berlioz unter Igor Markevitch mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahre 1953? Das Werk liebe ich, der Dirigent zählt zu meinen allerliebsten und auch das Orchester hat bekanntlich Weltrang. Der Grund ist ein anderer: Es gibt für meine Begriffe eine noch gelungenere Neuauflage von 1961, nämlich folgende:




    Nun gibt es bestimmt einigen Widerspruch. In der Kritikerzunft gibt es eine Fraktion, die unbeirrbar an der älteren Aufnahme festhält. Ich frage mich indes, wieso. Erstens einmal klingt sie schlichtweg nicht gut. Mono tut kaum einem symphonischen Werk so weh wie der Phantastischen Symphonie. Zweitens haben die Berliner Philharmoniker bei allen Meriten nicht so einen idiomatisch französischen Klang wie das Orchestre Lamoureux aus Paris, das zumindest seinerzeit noch diesen ganz spezifischen französischen Tonfall hatte, wie ich ihn bei Berlioz schätze. Und drittens scheint mir auch Markevitchs Interpretation ein knappes Jahrzehnt später insgesamt doch noch ausgefeilter und mustergültiger. Eigentlich ist das für mich bis zum heutigen Tage auch die Symphonie fantastique schlechthin geblieben. Die DG hat wohl ganz bewusst die Stereo-Neuauflage bei "The Originals" aufgenommen.

    Der Ziehrer-Walzer "Nachtschwärmer" wurde von der Presse (m. E. zurecht) als ein Höhepunkt benannt. Schön, dass dieser "Neben-Strauss" in den letzten Jahren häufiger beim Neujahrskonzert berücksichtigt wird. Einige seiner Walzer haben wirklich Qualitäten, die manch einen der "Sträusse" übertreffen. Bei Carl Michael Ziehrer kommt zudem für meine Begriffe immer auch der Militärkapellmeister durch. Sein Meisterwerk "Wiener Bürger" erklingt hoffentlich bald mal wieder im Goldenen Musikvereinssaal.


    Die Wahl von FWM für 2023 war wohl irgendwann unvermeidlich, nachdem man ihn jetzt zehn Jahre nicht mehr berücksichtigt hatte. :stumm:

    Nochmal zurück zu Kleiber junior und Beethovens Fünfter:


    Nach dem Wiederhören sehe ich meine damaligen Eindrücke weitgehend bestätigt. Das Hauptproblem stellt m. E. allerdings die Tontechnik dar. Auch in der SACD-Tonspur der Esoteric-Ausgabe ist diese leider alles andere als ideal. Der Klang ist seltsam eng und die Stereophonie klingt ein wenig "seitenlastig", als fehlte in der Mitte etwas. So kenne ich das von ganz frühen Stereoaufnahmen aus den 50er Jahren. Zudem klingen die Wiener Philharmoniker hier für meine Begriffe merkwürdig unterdimensioniert, was aber auch die fehlende Räumlichkeit sein kann. Für eine Einspielung aus dem Jahre 1974 der Deutschen Grammophon Gesellschaft wirklich kein Ruhmesblatt. Über die Interpretation will ich eigentlich gar nicht groß reden. Natürlich ist Kleibers Ansatz, den ich ebenfalls als schlank und federleicht empfinde, völlig legitim und gültig. Mein Beethoven ist das allerdings nicht. Da fehlt mir die Wuchtigkeit, die ich gerade bei der 5. Symphonie nicht missen möchte. Wie gesagt, das darf man freilich anders sehen. Aber die nur mittelmäßige Klangtechnik stört mich, ehrlich gesagt, so deutlich, dass sich gar kein Hörgenuss einstellen will. An den Höhepunkten etwa im Finalsatz gehen Details unter und bleiben Nebenstimmen unterbelichtet. Winzige Unsauberkeiten im Orchester fielen mir diesmal zudem auf, wo ich mich schon fragte, wieso das so stehen geblieben ist. Rubrik "gut, aber nicht herausragend" (Zitat Bertarido) bringt es für mich auf den Punkt. Kurze Hörvergleiche mit etwa zur selben Zeit entstandenen Einspielungen (und ich wählte bewusst nur Studio aus, damit die Vergleichbarkeit gewahrt bleibt), fielen m. M. n. zu Ungunsten Kleibers aus. Unerwartet gut Boulez mit dem New Philharmonia Orchestra Anno 1968 (CBS) und eine echte Überraschung beim Wiederhören Previn mit dem London Symphony Orchestra im Jahre 1973 (EMI). Beide "klemperesk", was mir persönlich entgegenkommt, und klanglich besonders Previn ausgezeichnet, wo zahlreiche oft untergehende Nebensächlichkeiten im Finale sehr gekonnt herausgearbeitet werden, wie ich es diesem bei Beethoven denkbar unwahrscheinlichen Dirigenten gar nicht zugetraut hätte. Kurios auch, dass das LSO mindestens eine Nummer größer herüberkommt als die Wiener, was mir die Einschränkungen der Kleiber-Einspielung nochmal bestätigte.

    Warum ist sie überschätzt?

    Zweifellos ist diese Einspielung sehr gut, aber wie Du schon mutmaßt, lieber hasiewicz, verstand ich noch nie so ganz, wieso sie seit den 70er Jahren als die "Überaufnahme" schlechthin gilt. Bei Carlos Kleiber gibt es in der Musikkritik schon eine gewisse Tendenz zur kultischen Verehrung. Mir persönlich erschließt sich einfach nicht, was genau diese Aufnahme jetzt so exzeptionell machen sollte. Vielleicht höre ich dieser Tage mal nach langem wieder hinein und entdecke es unverhofft doch noch. ;)

    Leider verkörpert er mit dem Format das Klischee der Oberflächlichkeit amerikanischer Musikkritik, welches so pauschal ja wahrscheinlich keineswegs gerechtfertigt ist. Schade.

    David Hurwitz war in der Tat schon immer sehr streitbar, was zu seinem Bekanntheitsgrad sicherlich beitrug. Seitdem er seinen eigenen Kanal betreibt, hat er sogar noch mehr Popularität erlangt. Ich habe mir da auch schon einiges angesehen und war teilweise ziemlich schockiert ob seiner apodiktischen Urteile. Manches ist allerdings auch unterhaltsam. Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Diesen Absolutheitsanspruch bei Hurwitz mag ich indes auch nicht, weshalb ich seinen Kanal nur mehr selten frequentiere. Wenn ihm ein Werk oder ein Dirigent nicht taugt, dann macht er dies gnadenlos nieder. Ich denke da beispielsweise an seine überzogenen Tiraden gegen Bruckners "Nullte" oder seine Kampagne gegen Teodor Currentzis (den ich auch kritisch sehe, aber doch bitte nicht so völlig pauschalisiert). Man muss ihm lassen, dass er mittels YouTube eine weltweit abrufbare Plattform gefunden hat, die sein (vermeintliches) Gewicht in der Klassikszene noch befeuert. Ahnungslos ist der Mann natürlich nicht. Ab und an kommt man durch ihn auf Aufnahmen, die man nicht auf dem Schirm hatte. Aber so wirklich sympathisch ist er mir auch nicht, muss ich gestehen.

    Wands beste und eine der besten Achten aller Zeiten, fürwahr! :jubel:
    Die herausfahrenden Blechbläser in der finalen Coda sind apokalyptisch sondergleichen. :hail:
    Und wie ich gerade sehe, war der unvergessene Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt nebst Gattin ebenfalls anwesend.
    Die Aufnahme ist zurecht auch auf CD erschienen und seit vielen Jahren auch in meiner Kollektion.

    Ich musste erstmal nachlesen, ob dieser total schräge Name Carmen Dragon überhaupt echt ist. Aber laut Wikipedia gibt es da keinerlei Hinweise auf einen total abgefahrenen Künstlernamen - scheint echt zu sein. Seine Tochter hieß dann genauso wie ihr Vater - Carmen Dragon. Crazy, diese Amis. Und das völlig irre Cover der Carmen-Dragon-Box passt irgendwie ins Gesamtbild:S:S


    Grüße

    Garaguly

    Ich dachte mir beim ersten Lesen dasselbe, lieber Garaguly, und war etwas skeptisch. ^^

    Im Englischen (besonders in Amerika) wird "Carmen" tatsächlich auch als männlicher Name verstanden - wusste ich davor auch nicht. Es gibt sogar einige prominente Fälle.


    Jedenfalls halte ich die Güte dieser wirklich etwas schräg anmutenden Box mittlerweile immerhin für so überzeugend, dass ich sie zum "Best Buy"erklärte.:thumbup:

    Best Buy seit langem:



    The Art of Carmen Dragon (1914-1984)


    17 CDs mit Aufnahmen von 1954 bis 1961, beinahe alles schon in sehr gut klingendem Stereo. Ein Sammelsurium, wie es heutzutage nicht mehr entstehen könnte. Neben ernsten Werken findet man viel leichte Klassik und Orchesterarrangements bekannter Klavierstücke und Lieder. Die Orchestrierungen sind fraglos Kinder ihrer Zeit, aber insgesamt doch allermeist geschmackvoll. Aus heutiger Sicht ist manches vielleicht ein wenig "over the top", aber insofern eben auch wieder idiomatisch amerikanisch. Die Leistung der eingesetzten Studio-Orchester (Hollywood Bowl Symphony Orchestra und Capitol Symphony Orchestra) gibt genauso wenig Grund zum Tadel wie die Klangqualität, größtenteils für das Alter erstaunlich gut.


    Sir Edward Elgar, Bart.
    Pomp and Circumstance March No. 1


    Capitol Symphony Orchestra
    Carmen Dragon


    Aufnahme: 1958/59








    Wer hat diesen wohl berühmtesten aller englischen Märsche nicht aller eingespielt? Bestimmt habe ich ihn schon in mindestens dreißig Interpretationen gehört. Und gleichwohl: So gehaltvoll wie hier erklang er selten. Ausgerechnet der unwahrscheinlichste amerikanische Dirigent, der eher für die "leichte Klassik" bekannt wurde, legt hier eine urenglische Lesart der Extraklasse hin. Mit 7 Minuten kostet er den Marsch sogar noch mehr aus als Leonard Bernstein. Bei der "Land of Hope and Glory"-Melodie wird das Tempo majestätisch zurückgenommen, als wäre es ein musikalischer Abgesang auf das British Empire. Ganz fulminante Darbietung mit bestens aufgelegtem Orchester (tolle Blechbläser) und noch dazu in ausgezeichnetem Stereo-Klangbild. Diese Box erweist sich als Best Buy seit langem.