Beiträge von Joseph II.

    Kürzlich in kurzer Abfolge hintereinander gehört:


    Edvard Grieg
    Klavierkonzert a-Moll op. 16


    Claudio Arrau, Klavier

    Concertgebouw-Orchester Amsterdam
    Christoph von Dohnáyni

    Aufnahme: 1963









    Edvard Grieg

    Klavierkonzert a-Moll op. 16


    Claudio Arrau, Klavier

    Boston Symphony Orchestra
    Sir Colin Davis

    Aufnahme: 1980









    Gänzlich überzeugt hat mich weder Arraus Einspielung mit 60 noch jene mit 77 Jahren. Er geht das Werk sehr lyrisch an, wodurch es eine Weichheit bekommt, die zwar im langsamen Satz betörend ist, aber im Kopf- und Finalsatz weniger meinem Ideal entspricht. Die ältere Einspielung aus Amsterdam ist klanglich sehr ordentliches Stereo, hat aber eine flache Dynamik und verschluckt manches Detail. Die (interessanterweise noch nicht digitale) Einspielung aus Boston ist in der Hinsicht überzeugender. Allerdings sind mir zwei Unsauberkeiten des Pianisten aufgefallen, die man hätte korrigieren müssen, so gleich zu Beginn des Kopfsatzes (wie konnte das stehen bleiben?) und am Ende des Finalsatzes. Vielleicht ist dieses Werk mit fast achtzig dann doch zu anspruchsvoll (außer man heißt Rubinstein). Dohnányi und Davis begleiten sehr gediegen, ohne echte Begeisterungsstürme entfachen zu können. Hie und da ertappte ich mich bei beiden Aufnahmen, Längen zu verspüren, wo ich normalerweise doch getragenere Tempi durchaus bevorzuge. Läuft beides also in Sachen Grieg'sches Klavierkonzert m. E. unter ferner. Kann interpretatorisch und klanglich nicht mit der brandaktuellen Einspielung von Tabe/Kobayashi mithalten.

    Grieg: Klavierkonzert - Tabe; Tokyo SO/Kobayashi (2018)

    HQ-Download

    Mir ist bewusst, dass die Interpreten dieser Aufnahme den meisten hier nichts sagen dürften, doch ist die künstlerische und auch klangliche Qualität so exzeptionell, dass sie mir als erstes in den Sinn kam für diesen Thread. In Japan sind die Pianistin Kyoko Tabe (geb. 1967) und der Dirigent Ken-ichiro Kobayashi (geb. 1940) seit Jahrzehnten feste Größen. Tabe spielte u. a. für die Labels Chandos und Denon ein. Kobayashi ist meist bei Exton zu finden. Die vorliegende Aufnahme entstand für das Label Triton, das sich auf besonders gut klingende Einspielungen spezialisiert hat. Aufgenommen im Juni 2018 (Klavierkonzert) und April 2018 (übrige Stücke) in Japan, lässt sie tontechnisch keine Wünsche offen. Aber gerade auch interpretatorisch. Ich habe in der letzten Zeit wirklich viele Darbietungen des Klavierkonzerts von Grieg gehört, doch würde ich Tabe/Kobayashi ohne mit der Wimper zu zucken unter die TOP-Interpreten rechnen. Frau Tabe hat ein stellenweise einen Anschlag wie mit einer Löwenpranke, was man der zierlichen Dame optisch gar nicht zutrauen würde. Gerade die solistischen Momente habe ich selten so fesselnd gehört. Absolut formidabel auch die orchestrale Seite, die hier nicht zur bloßen Begleitung verkommt, sondern sehr markante Akzente setzt und durch das hervorragende Klangbild bestens herüberkommt (Pauken). Die Spielzeiten: 14:53 - 7:08 - 11:25. Mit über 33 Minuten ist das eine monumentale Lesart. Entdeckt habe ich die Einspielung durch Zufall bei Deezer. Es gibt sie als HQ-Download und auch in Hybdrid-SACD-Form (Triton OVCT-150). Für mich die überzeugendste Neuaufnahme seit langem, die sich auch vor den großen Alten nicht verstecken muss.

    Kürzlich nach vielen Jahren mal wieder komplett gesehen (erstmals im englischen Original):


    506px-Ben_hur_1959_poster.jpg



    Ben Hur von William Wyler, mit Charlton Heston, Stephen Boyd, Jack Hawkins, Haya Harareet, Hugh Griffith, Martha Scott u. a.

    Es ist schon erstaunlich, wie gut dieser Monumentalfilm von 1959 restauriert wurde und in Blu-ray-Qualität erstrahlt. Da erkennt man viele Details, die früher völlig untergingen. Der Klang ist für das enorme Alter geradezu spektakulär (Dolby Digital 5.1). Das Cover der Blu-ray ist recht einfallslos ausgefallen, aber das ist auch schon der einzige Kritikpunkt.


    Zum Film selber muss wohl nicht mehr allzu viel gesagt werden. Trotz beinahe vier Stunden Laufzeit keine langweilige Minute. Zuerst sah ich ihn in der Kindheit, sicherlich mindestens fünfmal. Die grandiose Filmmusik von Miklós Rózsa, die qualitativ der "echten" klassischen Musik nicht nachsteht, trägt ihren Anteil daran. Elf Oscars waren der Lohn, was bis zum heutigen Tage nicht übertroffen und erst mit Titanic Ende der 90er Jahre erreicht wurde. Trotz mancher Vorbehalte gegen Heston in späteren Jahren, hier in der Titelrolle ist er wirklich ausgezeichnet. Die wahren Highlights aber für mich Boyd als durchaus vielschichtiger und auf seine Art nicht unlogisch handelnder Messala, Hawkins als autoritärer, aber gerechter Consul Quintus Arrius und Griffith als verschlagen-amüsanter Scheich Ilderim. Zukunftsweisend auch die Christus-Darstellung im Film, die niemals sein Gesicht zeigt, was die Wirkung fraglos ganz nachhaltig verstärkt. Dann natürlich die bombastische Seeschlacht, der pompöse Einzug in Rom vor Kaiser Tiberius und das legendäre Wagenrennen, das in dieser Form so heute gar nicht mehr gedreht werden könnte. Der Film vermeidet m. E. trotz der prochristlichen Grundaussage gleichwohl Sentimentalität und Kitsch. Die Läuterung am Ende infolge des Wunders kommt glaubhaft herüber. Ein Film-Monument für die Ewigkeit.



    Frederick Delius
    Klavierkonzert c-Moll (Fassung 1907)


    Jean-Rodolphe Kars, Klavier

    London Symphony Orchestra

    Sir Alexander Gibson
    Aufnahme: 1969








    Ein wirklich hübsches Werk. Wüsste man es nicht besser, könnte man es für ein norwegisches Werk in der Nachfolge von Grieg halten.


    Ludwig van Beethoven
    Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73


    Elly Ney, Klavier
    Nürnberger Symphoniker

    Willem van Hoogstraten

    Aufnahme: 1960








    Eine wahrlich kaiserwürdige Interpretation dieses Schlachtrosses. Zudem wirklich sehr guter, natürlicher und räumlicher Klang für das hohe Alter, den das kleine Nürnberger Label Colosseum da eingefangen hat.

    Von Karl Böhm gibt es übrigens noch einen Fidelio:




    Eines seiner späten Dirigate, live aus der Bayerischen Staatsoper vom 30. Jänner 1978. Insgesamt sicherlich eine Aufnahme dieser Oper, die vorne mitspielen kann.

    Beethoven: Symphonie Nr. 9 "Ode an die Freiheit" - Bernstein (1989)



    Objektiv betrachtet würde diese Aufnahme der Neunten wohl nicht unbedingt dergestalt herausragen, wie sie es gleichwohl tut. Dies hat nicht unbedingt künstlerische, sondern vornehmlich historische Gründe. Die Begleitumstände sind derart legendär, dass ich mir erspare, sie hier auszuführen. Nur zu den Eckdaten: Schauspielhaus, (Ost-)Berlin, 25. Dezember 1989, wenige Wochen nach dem Mauerfall.


    Die Besetzung sagt mehr als tausend Worte:


    June Anderson, Sopran (USA)

    Sarah Walker, Mezzosopran (UK)

    Klaus König, Tenor (DDR)

    Jan-Hendrik Rootering, Bass (BRD)


    Chor des Bayerischen Rundfunks (BRD)

    Mitglieder des Rundfunkchors Berlin (DDR)

    Kinderchor der Philharmonie in Dresden (DDR)


    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRD)

    und Mitglieder folgender Orchester:

    Staatskapelle Dresden (DDR)

    Orchester des Kirow-Theaters Leningrad (UdSSR)

    London Symphony Orchestra (UK)

    New York Philharmonic (USA)

    Orchestre de Paris (Frankreich)


    LEONARD BERNSTEIN


    Das ist der ganz späte Bernstein, entsprechend exzentrisch kommt es herüber. Aber welcher Dirigent außer ihm wäre zu so einer symbolischen Großtat fähig gewesen? Ich bin mir sicher, Beethoven hätte die Abänderung des Textes ("Freiheit" statt "Freude") goutiert. Solistisch ragt die Aufführung nicht sonderlich heraus, aber das tut dem Gesamtergebnis keinen Abbruch. Sollte man zumindest einmal im Leben gehört haben.

    Elly Neys späte Beethoven-Aufnahmen (1960-1968)

    Ich nannte diese Edition bereits andernorts, aber hier ist sie womöglich sogar noch besser aufgehoben.



    Elly Ney: Gesamtausgabe aller späten Aufnahmen

    Nürnberger Symphoniker / Willem van Hoogstraten
    Colosseum Schallplatten, 1960-1968


    Beethoven dominiert die 12-CD-Box ganz deutlich. Konkret enthalten sind:


    - Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37 (1961, Stereo)*

    - Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58 (1961, Stereo)*

    - Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 (1960, Stereo)*

    - Sonate Nr. 4 Es-Dur op. 7 (1962, Mono)

    - Sonate Nr. 8 c-Moll op. 13 "Pathétique" (1967, Stereo)

    - Sonate Nr. 12 As-Dur op. 26 (1962, Mono)

    - Sonate Nr. 14 cis-Moll op. 27,2 "Mondscheinsonate" (1967, Stereo)

    - Sonate Nr. 17 d-Moll op. 31,2 "Der Sturm" (1964, Stereo)

    - Sonate Nr. 18 Es-Dur op. 31,3 (1964, Mono)

    - Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 "Waldstein" (1960, Mono)

    - Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57 "Appassionata" (1967, Stereo)

    - Sonate Nr. 30 E-Dur op. 109 (1962, Mono)

    - Sonate Nr. 31 As-Dur op. 110 (1968, Stereo)

    - Sonate Nr. 32 c-Moll op. 111 (1965, Mono)**

    - Sonate Nr. 32 c-Moll op. 111 (1968, Stereo)

    - Adagio aus der Sonate Nr. 29 B-Dur op. 106 "Hammerklaviersonate" (1968, Stereo)

    - Andante favori F-Dur WoO 57 (1965, Mono)**

    - Albumblatt "Für Elise" a-Moll WoO 59 (1965, Mono)**

    - Sechs Variationen über "Nel cor più non mi sento" WoO 70 (1965, Mono)**

    - Variationen F-Dur op. 34 (1960, Mono)

    - 32 Variationen c-Moll WoO 80 (1960, Mono)

    - Rondo a capriccio G-Dur op. 129 "Die Wut über den verlorenen Groschen" (1960, Mono)

    - Sechs Ecossaisen WoO 83 (1960, Mono)


    * Nürnberger Symphoniker / Willem van Hoogstraten

    ** auf dem originalen Graf-Flügel im Beethoven-Haus Bonn


    Ferner von Elly Ney gesprochen "Wie ich zu Beethoven kam" sowie das "Heiligenstädter Testament" Beethovens.

    Beethoven: Klaviersonaten Nr. 8 & 14 / Elly Ney (1967)

    Pro Mitspieler (derzeit) drei Nominierungen, zwei habe ich schon verbraucht mit Symphonik. Nun muss ich mich entscheiden, ob ich die dritte für eine Oper oder anderweitiges aufwende. Da schon etliche Opern genannt wurden, entscheide ich mich für Klaviermusik.




    Elly Ney: Gesamtausgabe aller späten Aufnahmen

    Nürnberger Symphoniker / Willem van Hoogstraten
    Colosseum Schallplatten, 1960-1968


    Da die Gesamtbox wohl gegen die Spielregeln verstößt, wähle ich die Mondscheinsonate und die Pathétique von Beethoven.


    Zur Bedeutung dieser Aufnahmen, die ich als stellvertretend ansehe für die hohe Kunst von Elly Ney, folgendes Zitat, das es auf den Punkt bringt:


    "Dabei verkörpert sie die Klavierkunst vom Kaliber eines Kempff, Backhaus oder Fischer. Gewicht und Pathos, musikalische Weitsicht und Nachdenklichkeit, Prägnanz bis zur Wildheit [...]" (Süddeutsche Zeitung, Oktober 2002)


    Die Ney, das ist für mich seit vielen Jahren die Referenz für Beethovens Klavierwerke. Sie lässt erahnen, wie das Franz Liszt gespielt hat. Natürlich ist das hochromantisch und pathetisch - Dinge, die man heutzutage nicht mehr schätzt. Im besten Sinne altmodisch und doch zeitlos. Im hohen Alter um die achtzig bekam sie vom Nürnberger Label Colosseum nochmal die Chance, die wichtigsten Stücke aus ihrem Repertoire einzuspielen, das Meiste glücklicherweise in Stereo. Die großen Schallplattenfirmen ignorierten sie zu jener Zeit bereits, was indes keine künstlerischen Gründe hatte.

    Schostakowitsch: Symphonie Nr. 7 - Staatl. Akad. SO d. UdSSR / Swetlanow (1978)



    Wieder habe ich lange überlegt. Es gibt ein paar Werke, wo es für mich einfach die definitive Aufnahme gibt, quasi die "Jahrhundert-Interpretation". So ein Fall ist m. E. Schostakowitschs Leningrader Symphonie. Da kommen m. M. n. für diese Liste ohnehin nur echt russische Aufnahmen in Frage. Jewgeni Swetlanow spielte leider nicht sämtliche Symphonien seines Landsmannes Schostakowitsch ein, aber die Siebente gehörte zu seinem fixen Repertoire. Es gibt mindestens vier Aufnahmen unter seine Leitung, 1968 die erste im Studio, zehn Jahre später darauf live, jeweils mit "seinem" Staatlichen Akademischen Symphonieorchester der UdSSR. In den 90er Jahren folgten noch zwei weitere Einspielungen mit den beiden Orchestern, denen er zeitweise als Chefdirigent vorstand: Schwedisches RSO sowie Residentie-Orchester Den Haag. Die bedeutendste und künstlerisch wertvollste ist für meine Begriffe jene von 1978, die Swetlanow auf der Höhe seines Schaffens zeigt (ursprünglich bei Melodija erschienen, später auch bei Warner). Packender habe ich den "Boléro des Todes" im Kopfsatz nie gehört. Und keiner zeigt ganz am Ende überzeugender, dass der Triumph erzwungen ist, als Swetlanow. Für meine Begriffe die beste Leningrader aller Zeiten.

    Nicht minder bedeutend finde ich allerdings auch die Hammeraufnahme mit Jean Martinon / Chicago SO (RCA, 1966)

    An die dachte ich auch kurz, entschied mich dann letztlich aber doch für Bernstein. Sicher wäre es diskutabel, welche der beiden die bedeutendere ist - vermutlich waren das über viele Jahre schlichtweg die naheliegendsten Einspielungen des Werkes überhaupt. Recht viel mehr gab es ja gar nicht. Gut, Barbirolli mit dem Hallé Orchestra (EMI, 1959) wäre noch unbedingt zu erwähnen.


    Lebrecht hat - wenn ich nichts übersehen habe - keine einzige Aufnahme unter Bernstein in seine Liste genommen

    Norman Lebrecht ist allerdings generell für seine teils kuriosen Auslassungen bekannt und, gelinde gesagt, ja auch nicht unumstritten. Ich habe mir angewöhnt, den Mann mit Vorsicht zu genießen.

    Ewig nicht gehört:



    Jean Sibelius
    Symphonie Nr. 2 D-Dur op. 43


    Concertgebouw-Orchester Amsterdam
    George Szell
    Aufnahme: Concertgebouw, Amsterdam, 26. November 1964









    Dieser gut klingende Live-Rundfunkmitschnitt in Stereo entstand wenige Tage vor der offiziellen Studio-Einspielung für Philips und ist mir in noch weitaus besserer Erinnerung als letztere.

    Nielsen: Symphonie Nr. 4 - New York Philharmonic / Bernstein (1970)

    Ich finde die Idee an und für sich sehr gut und interessant. Sicherlich sind wir nicht die ersten, die sich daran versuchen (selbst im Forum gab es mindestens einen ähnlichen Thread bereits), aber der Beginn der Zwanziger Jahre (man gewöhnt sich schwer daran) ist vielleicht ein guter Zeitpunkt zu einer neuen Bestandsaufnahme.


    Gleichwohl muss ich gestehen, dass es mir außerordentlich schwerfällt, hier auch nur EINE "Schallplatte" zu nominieren. Gewiss gäbe es unzählige Möglichkeiten. Und doch: Vieles, was mir auf den ersten Moment in den Sinn kam, werde ich hier aus diversen Gründen nicht nominieren. Zum einen handelt es sich oft um Mitschnitte, also gar keine "offiziellen" Einspielungen, was die Sache nicht leicht macht. Kommerziell erhältlich (gewesen) sollte die entsprechende Aufnahme ja doch sein, was dort häufig nicht zutrifft. Also fokussiere ich Studioproduktionen.


    Nach weiterem Überlegen ringe ich mich mal dazu durch, folgende Einspielung ins Rennen zu schicken:



    Carl Nielsen: Symphonie Nr. 4 op. 29 "Das Unauslöschliche"

    New York Philharmonic

    Leonard Bernstein

    Aufnahme: Philharmonic Hall, New York City, 9. Februar 1970 (Columbia/CBS)


    Original-Cover der LP:


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    Wieso gerade diese?


    Zum einen handelt es sich um eine der frühesten Stereo-Aufnahmen dieses Werkes (daher noch heute konkurrenzfähig), feiert in wenigen Tagen ihren 50. Geburtstag und war über Jahrzehnte wohl mit die erste Anlaufstelle - soviel zur historischen Bedeutung. Zum anderen handelt es sich um das wohl bekannteste Werk von Nielsen, der noch immer im Schatten von Grieg und Sibelius steht und es verdient, mehr Aufmerksamkeit zu erhalten. Mit seiner Vierten wählt der Einsteiger gleich seinen "Superhit". Zum dritten finde ich diese Aufnahme schlicht und ergreifend überwältigend und trotz zahlreicher Alternativen, die ich in den letzten Jahren angesammelt habe, auf eine Art unerreicht. Bernstein wählt gemessenere Tempi als üblich, was die Intensität noch verstärkt. Das Paukenduell am Ende ist schlicht und ergreifend "filmreif". Klanglich braucht sich die Aufnahme zudem nicht verstecken und kommt natürlicher herüber als manche weit neuere Produktion.

    Lieber Reinhard,


    eine bessere Aufnahme der König Stephan-Ouvertüre ist zumindest mir nie über den Weg gelaufen. Und auch die Vierte ist erste Sahne. Man bekommt das Album mittlerweile als digitalen Download (in Stereo natürlich). ;)

    Großartige Einspielung eines der großartigsten Requien:



    Maurice Duruflé

    Requiem op. 9


    Hélène Bouvier, Mezzosopran

    Xavier Depraz, Bass

    Marie-Madeleine Duruflé-Chevalier, Orgel

    Chorales Philippe Caillard et Stéphane Caillat

    Orchestre de l'Association des Concerts Lamoureux
    Maurice Duruflé

    Aufnahme: 1959





    Idiomatischer geht es nicht. Noch dazu in für das hohe Alter sehr gutem Stereo-Klang.

    Klemperers beste Neunte:



    Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125


    Aase Nordmo-Løvberg, Sopran
    Christa Ludwig, Alt

    Waldemar Kmentt, Tenor

    Hans Hotter, Bass


    Philharmonia Chorus & Orchestra

    Otto Klemperer
    Aufnahme: Royal Festival Hall, London, 15. November 1957




    Astreines Stereo, besserer Klang als die fast zeitgleich entstandene, etwas sterile Studio-Einspielung für EMI - und was für eine Wucht der Pauken! :hail:

    Vor fünfzehn Jahren etwa war ich ziemlich begeistert von der Bartoli. Heute kann ich die Haltung von nemorino hingegen durchaus verstehen. Wenn "BaRock-Lady", dann schon lieber Frau Kermes (bei der gäbe es natürlich auch einiges zu kritisieren).

    Auch wenn es oberflächlich ist, aber die Cover-Gestaltung diverser Bartoli-CDs ist auch für meine Begriffe gelinde gesagt suboptimal gelungen.

    Welche Aufnahme soll denn besser sein?

    Der recht dröge und trockene Rilling? Der völlig verhetzte und viel zu dünn besetzte Gardiner? Ähnliches könnte zu Koopman gesagt werden. Furchtbar schmalbrüstig. Am besten bei HIP finde ich noch Suzuki (der auch nicht wie ein ICE durchrast).


    Thamm nimmt es angemessen feierlich, man hört die Pauken wenigstens mal. Und auch sängerisch: Toll die Windsbacher. Und wer übertrifft Peter Schreier und Franz Crass?


    Ich bleibe also bis auf Weiteres dabei. ;)

    LG

    Der Name Hertha Töpper lief mir in meiner "Klassiklaufbahn" sehr früh über den Weg, Karl Richter sei Dank. Es schmerzt, dass ich hier lesen muss, dass die nun fast 96-Jährige offenbar gesundheitlich stark angeschlagen ist. Gewiss, in diesem Alter nichts, was einen schocken sollte, aber trotzdem. Ich habe sie immer noch in dem mittlerweile legendären Film der h-Moll-Messe aus dem Marienmünster Dießen am Ammersee vor Augen, wo sie den Alt-Part übernimmt. Oh mein Gott, das ist jetzt über ein halbes Jahrhundert her (1969), kaum zu fassen. Diese Interpretation ist für mich so etwas wie der Gipfel der h-Moll-Messe. Vielleicht auch Prägung. Auch noch gelungener als die offizielle Studio-Einspielung Richters auf CD.


    RCA Victor SO / Stokowski (RCA, 1961)

    :?: Oder würde mir jemand eine empfehlen wollen, die mich total vom Hocker hauen könnte ... müsste aber dann bei mir aber schon was ganz Aussergewöhnliches sein ?

    Wer keine Angst vor Bearbeitungen hat, dem sei das Stokowski-Arrangement mit Pauken und sonstigen Orchester-Raffinessen ans Herz gelegt:


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    Ausgezeichnetes Stereo von April 1961 (inkl. Feuerwerksmusik). Ich höre die Wassermusik eigentlich nur noch in dieser Bearbeitung, da der paukenlose Klang des Originals nicht das Meine ist.


    "Mr. Stokowski's orchestra for this recording included 24 oboes and 12 bassoons and enlarged body of strings; one of the largest ever assembled for studio recording."

    Gebraucht günstig zu erstehen.

    Das heurige Neujahrskonzert scheint deutlich weniger Aufmerksamkeit zu erregen als jenes von 2019 mit Thielemann. Ich habe es teilweise im Fernsehen verfolgt. Mittlerweile ist es auch auf CD erschienen und bei diversen Streaming-Diensten komplett abrufbar. Bei den jährlich vorkommenden Stücken schlägt sich Nelsons m. E. nicht schlecht. Das war sicher eine der besseren Interpretationen des Donauwalzers der letzten Jahrzehnte. Insgesamt erschien mir die Programmauswahl 2020 aber ein wenig unterdurchschnittlich. Da gab es im vorigen Jahr schon Stücke, die mich mehr ansprachen (etwa der tolle Walzer Nordseebilder). Wirklich irritierend aber (und das ist nun vielleicht etwas oberflächlich) der merkwürdige, viel zu große "Samtschlafanzug", den Andris Nelsons trug. Wenn er damit seine zugenommene Körperfülle kaschieren wollte, ging das gründlich nach hinten los. Das lenkte mich sogar von der Musik ab. Schon deswegen höre ich das Neujahrskonzert auch lieber ohne Bild.



    Vorläufiges Fazit: Es gab weit Schlimmeres ("Frankly Worse Than Most"), aber in der Spitzengruppe der Neujahrskonzerte war es nun auch nicht. Die großartigsten dieses Jahrtausend für meine Begriffe bisher Prêtre, Harnoncourt und Thielemann.

    Ich hoffe, Dir hat es ähnlich gefallen wie mir, lieber Garaguly.


    Ludwig van Beethoven
    Chorfantasie c-Moll op. 80


    Peter Rösel, Klavier

    Margot Stejskal, Sopran; Elvira Puschkarova, Mezzosopran; Annette Jahns, Alt

    Ekkehard Wagner, Tenor; Matthias Henneberg, Bariton; Olaf Bär, Bass


    Rundfunkchor Leipzig

    Dresdner Philharmonie
    Herbert Kegel
    Aufnahme: 1985




    Eine ungemein gelungene Einspielung der Textfassung von Johannes R. Becher.


    Ludwig van Beethoven
    Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67


    Concentus Musicus Wien
    Nikolaus Harnoncourt
    Aufnahme: 2015









    Eine der exzentrischsten, radikalsten und (m. E.) überzeugendsten Interpretationen dieses Meisterwerkes überhaupt. Und Harnoncourts Vermächtnis in Sachen Beethoven. So komisch es klingt: aber "furtwänglerischer" hat man die Fünfte seit Furtwängler selten gehört.