Beiträge von Joseph II.

    Die maßstäblichen Aufnahmen dieses Wahnsinnswerkes sind für mich die beiden folgenden:



    Maria Stader, Sopran I

    Hertha Töpper, Sopran II

    Ernst Haefliger, Tenor

    Ivan Sardi, Bass

    Chor der St.-Hedwigs-Kathedrale

    Radio-Symphonie-Orchester Berlin

    Ferenc Fricsay

    Aufnahme: Haus des Rundfunks, Berlin, 9 & 10/1959



    Helen Donath, Sopran I

    Heather Harper, Sopran II

    Ryland Davies, Tenor

    Stafford Dean, Bass

    London Symphony Chorus
    London Symphony Orchestra

    Sir Colin Davis

    Aufnahme: Westminster Cathedral, London, 2/1971


    Sowohl Fricsay als auch Davis haben das richtige Tempogespür mit breitem Zeitmaß, wie es für ein solch festliches geistliches Werk angemessen erscheint. Klanglich ist die neuere Philips-Einspielung etwas überlegen; dort kommt das Orchester noch größer herüber. Die schmalbrüstigen HIP-Interpretationen, die in diesem Thread teils sehr beworben wurden, geben mir persönlich wenig.

    Soeben bestellt:



    Mir war bekannt, dass Ludwig van Beethoven nicht der erste Komponist war, der der Natur eine Sinfonie widmete. In dieser CD bietet sich erstmals die Möglichkeit, Justin Heinrich Knechts (1752-1817) "Le Portrait Muscial de La Nature" und Beethovens "Pastorale" zu hören. Ich bin schon sehr gespannt...

    Gute Wahl, lieber Norbert! Eine ausgezeichnete Aufnahme, auch der "Pastorale". Hätte ich gar nicht gedacht, da es von diesem Werk wahrlich unüberschaubar viel Konkurrenz gibt.

    Levine erhielt Abfindung in Millionenhöhe

    Wie die New York Times berichtet und u. a. der SWR nun zitiert, erhielt James Levine von der Met, der er Jahrzehnte als musikalischer und künstlerischer Leiter vorstand, außergerichtlich offenbar eine Abfindung in Höhe von 3,5 Mio. US-Dollar. Der Schuss ging für die Met ganz offensichtlich also nach hinten los. Levine debütierte im Juni 1971 am Metropolitan Opera House in New York und wurde bereits im Februar 1972 zum Ersten Dirigenten berufen. Zwischen 1976 und 2016 amtierte er als musikalischer Direktor, zwischen 1986 und 2004 zudem als künstlerischer Direktor. Nach seinem krankheitsbedingten Rückzug wurde er 2016 zum Music Director Emeritus ernannt; dieser Ehrentitel wurde ihm im Zuge der aufkommenden Vorwürfe Ende 2017 wieder entzogen.


    Quelle: https://www.swr.de/swr2/musik-…lionen-abfindung-100.html

    Anscheinend sind die Aufnahmen doch zumindest ziemlich aktuell: Als Aufnahmedatum für diese erste CD zeigt jpc 2019 an.
    Es ist nicht so, dass ich keinen älteren Mitschnitt der Ersten von Brahms unter Blomstedt hätte (übrigens ganz großartig), aber eine offizielle CD-Veröffentlichung gab es bisher nicht.

    Nach meinen Recherchen sind die drei anderen Symphonien früher durchaus schon eingespielt worden, aber die Pentatone-Produktionen sind sicherlich von anderer Provenienz.


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    Am Freitag erscheint der erste Teil des geplanten Brahms-Zyklus sämtlicher Symphonien und Ouvertüren mit dem Gewandhausorchester unter seinem Ehrendirigenten Herbert Blomstedt bei Pentatone.


    Ich wage mal die Prognose: das dürfte erstklassig ausfallen. Hoffentlich kann Blomstedt, 93, das wirklich alles noch einspielen. Es dürfte der Zyklus des ältesten Dirigenten aller Zeiten werden.

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    Der großartige französisch-britische Schauspieler Michael Lonsdale ist heute im Alter von 89 Jahren in Paris verstorben. Dort wurde er am 24. Mai 1931 als Sohn einer französischen Mutter und eines britischen Offiziers geboren. Sein Durchbruch gelang ihm Ende der 1960er Jahre in Filmen von François Truffaut (Die Braut trug schwarz und Geraubte Küsse, beide 1968). Für seine Darstellung des Inspektor Lebel in Der Schakal von Fred Zinnemann erhielt er 1973 eine Nominierung als bester Nebendarsteller für den BAFTA Award. 1979 übernahm er im James-Bond-Film Moonraker mit dem größenwahnsinnigen Milliardär Hugo Drax einen der markantesten Bösewichte der gesamten Reihe. Als Abt in Der Name der Rose von Jean-Jacques Annaud lieferte er 1986 ein weiteres unverwechselbares Charakterportrait ab. Er trat später u. a. in den Actionfilmen Ronin (1998) und München (2005) sowie in den Historienfilmen Goyas Geister (2006), Die letzte Mätresse (2007) und Agora - Die Säulen des Himmels (2009) auf. Seinen letzten Film, Das Ende ist erst der Anfang, drehte er 2016.


    Quelle: ORF und Wikipedia


    R. I. P.

    Im übrigen finde ich es bemerkenswert, daß Beethoven in seinem Jubiläumsjahr in diesem Forum doch recht wenig Anklang findet. Selbst die "gefiederten Freunde" und der Amateur-Tenor Mario Lanza erfreuen sich lebhafteren Zuspruchs. Wenn ich es richtig sehe, sind wir hier nur eine Handvoll Teilnehmer.

    Ich glaube, lieber nemorino, dass das nicht an mangelhafter Beethoven-Begeisterung liegt, sondern an diesem doch unspezifischen Sammelthread, wo es leider mittlerweile einigermaßen "drunter und drüber" zugeht (was bitte nicht als direkte Kritik am Ersteller gesehen werden soll). Jemand schreibt etwas zu einer Symphonie, der nächste zu einer Klaviersonate, der übernächste zu einem Klavierkonzert usw. usf. Zumindest ich verliere da den Überblick. Es wäre vielleicht zweckmäßiger gewesen, die Lieblingsinterpretationen diverser Werke in jeweils eigenen Themen gesondert zu behandeln.

    Dieser Fall erinnert mich an einen anderen bei Preiser. Es gab von Wilhelm Rode ebenfalls eine LP mit Stücken von Carl Loewe. Bei der späteren CD-Übernahme wurden diese aber leider gestrichen. Rudolf Holtenau schaffte es dem Vernehmen nach noch nicht einmal auf CD. Eine kurze Recherche lieferte nichts zutage. Sollte es am Ende am heutzutage wenig gehörten Loewe liegen? Diese 3-LP-Kollektion müsste es doch wert sein, zumindest digital verfügbar gemacht zu werden. Der ansonsten verbildliche Preiser Online-Shop liefert indes keinen Treffer.

    Man muß beim Kauf der Karten bereits alle Daten angeben, egal ob online, Vorverkauf, Abendkasse und dann nochmals für jeden Platz einen Zettel handschriftlich ausfüllen, um überhaupt in den Zuschauerbereich zu gelangen.

    Ich weiß nicht, vielleicht bin ich wirklich altmodisch für mein Alter, aber das verdirbt mir persönlich die Lust bereits im Voraus. Weniger aus Angst, sich das Virus einzufangen, als wegen der Komplikationen. Angenommen, es gibt dann später auch nur einen einzigen bestätigten Corona-Fall bei der Veranstaltung im Opern- oder Konzerthaus, dann ist man ja noch zwangsweise für 14 Tage unter Quarantäne. Dann doch lieber die sichere Tonkonserve zu Hause.

    Kurz angemerkt: Rudolf Schock war auch in meinem Elternhause, das mir die Liebe zur klassischen Musik nicht unbedingt in die Wiege legte, immer ein Begriff. Vielleicht auch wegen seiner nichtklassischen Ausflüge, die ich gar nicht so blamabel empfinde, wie andere es hier tun. Das muss man doch immer aus seiner Zeit heraus betrachten. Man tickte in den 1960er bis 80er Jahren völlig anders. Auf Totalverrisse großer Kritiker gebe ich wenig. Namen wurden hier einige genannt. Die Geschichte lehrt, wie oft auch sie völlig daneben lagen. Am Threadtitel, den Herbert Henn vor über 14 Jahren wählte, ändert all dies nichts. Er bringt es kurz und knapp auf den Punkt.

    Persönlich bin ich ein großer Bewunderer von Rudolf Schock.
    Diese Grenzziehung seiner großen Aufnahmen bis 1960 oder gar nur bis 1955 halte ich für sehr fragwürdig.



    Gerade vor ein paar Wochen hörte ich Schock mit der Gralserzählung aus dem Jahre 1963 live unter Horst Stein (enthalten auf der abgebildeten CD).

    Ich würde das ohne mit der Wimper zu zucken unter die allerbesten Interpretationen einreihen wollen und sehe darin nun wirklich nichts "Peinliches".


    Norbert schrieb zu Beginn dieses Threads sogar, dass er Schock auch in der späteren Matacic-Aufnahme (1967) als Max im "Freischütz" noch schätze.

    Interessant, dass hier hinsichtlich Windgassens Auftritten im "Ring" die doch recht späten Aufnahmen unter Böhm (1966/67) genannt werden. Da würde ich dann doch eher zu seinen 50er-Jahre-Auftritten unter Keilberth und Knappertsbusch neigen, unter klanglichen Gesichtspunkten natürlich besonders zum noch heute konkurrenzfähigen Stereo-"Ring" von 1955, in dem Windgassens Siegfried für mein Dafürhalten noch wirklich jugendlich herüberkommt. Den Loge hat er in Bayreuth hingegen tatsächlich erst ab 1965 überhaupt gesungen (1969 zum letzten Mal).

    Wie man auf der einen Seite Wolfgang Windgassen abwerten und auf der anderen Seite ausgerechnet Jess Thomas als Musterbeispiel benennen kann, werde ich auch nicht verstehen. Letzterer ist bekanntlich bereits der Schwachpunkt in der Kempe-Einspielung des "Lohengrin", jedoch besonders als Siegfried und Tristan heillos überfordert, was man bei Windgassen, bei aller denkbaren Kritik im Detail, nicht behaupten kann. Aber suum cuique.

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    Die diesjährige Last Night of the Proms, der Abschluss der berühmten von der BBC ausgestrahlten Proms-Konzerte in der Royal Albert Hall in London, wird ohne die Texte zu den patriotischen Hymnen auskommen müssen. "Rule, Britannia", "Land of Hope and Glory", "Jerusalem" und "God Save the Queen" beim Proms-Finale ohne Text? Bisher unvorstellbar.


    Die BBC knickt angesichts der Kritik einiger Universitäts-Professoren nun sofort ein und will die Corona-bedingt publikumslose Veranstaltung am 12. September dazu nutzen, alles politisch korrekt, sprich: rein instrumental musizieren zu lassen. Dahinter steht auch die Erste Gastdirigentin des derzeit führungslosen BBC Symphony Orchestra, eine gewisse Dalia Stasevska, die selbst in diesem Klassikforum bisher wohl niemand kannte.


    Der Aufschrei bei den Briten ist groß, und auch Premierminister Johnson setzt sich dafür ein, dass sich an der Tradition nichts ändern soll. Doch die Dynamik der sog. "Black-Lives-Matter"-Bewegung hält dagegen.


    Laut einer BBC-Produzentin sei die "historische Sklavenhalterei" ja auch das "Auschwitz Britanniens" (sic). Geflissentlich wird unter den Teppich gekehrt, dass gerade Großbritannien weltweit viel getan hat, um erst dem Sklavenhandel (1807) und dann der Sklaverei insgesamt (1833) den Garaus zu machen. Eine sklavereikritische Diskussion gab es dort seit dem späten 17. Jahrhundert. Dem mittlerweile nicht mehr wohl gelittenen jahrelangen "Haushistoriker" der BBC, Prof. Dr. David Starkey, zufolge, hat das Empire gar mehr Mittel dazu aufgewandt, die Sklaverei aus der Welt zu schaffen, als es zuvor an derselben verdiente. Natürlich alles geschenkt, man bedient sich alternativer Fakten.


    Man mag von Manuel Brug von der "Welt" halten, was man will, aber hier trifft er den Nagel auf den Kopf:


    https://www.welt.de/kultur/art…e-Briten-ihren-Humor.html


    Selbst im "Spiegel" ungewohnt kritische Töne dazu:


    https://www.spiegel.de/kultur/…54-44c8-8e80-a7982d6e13cc

    Darauf will ich nur erwidern: Rule, Britannia! Und zwar gesungen vom großartigen Benjamin Luxon, bei der Last Night of the Proms 1982, kurz nach dem britischen Sieg im Falklandkrieg. :thumbup: Damals hatte die BBC noch keine Gewissensbisse, die patriotische Sogwirkung auf die Massen unzensiert auszustrahlen.


    Irrtum, lieber Joseph II., es gibt sie bei Amazon noch, "gebraucht, gut" ab € 2,42 bzw. "neu" ab € 18,69, + Versandspesen.

    Lieber nemorino,


    das ist mir nicht entgangen, nur ist A****n seit einiger Zeit nach Willen des Forenbetreibers kein offizieller Werbepartner mehr und sollten Verlinkungen zu demselben nach dieser Richtlinie tunlichst vermieden werden. Man mag dazu stehen, wie man will.


    Danke für die zumindest für mich wertvollen Hinweise auf Siegfried Jerusalem und insbesondere Josef Traxel. Rienzis Gebet habe ich bisher mit keinem der beiden, erhoffe mir aber besonders von letzterem einiges.


    Beste Grüße



    Diese beim nun mehr einzigen Werbepartner leider nicht mehr erhältliche CD enthält u. a. das Gebet des Rienzi, dargeboten von Wolfgang Windgassen und begleitet von den Bamberger Symphonikern unter Ferdinand Leitner. Eine, wie ich finde, ganz vorbildliche Darbietung, die mir nach sehr viel Vergleichshören in den letzten Monaten geradezu mustergültig erscheinen will und mich an die uralte Aufnahme von Franz Völker gemahnt. Einziger Wermutstropfen, dass diese 1956 entstandene Einspielung leider noch in Mono produziert wurde, aber das ist angesichts der hohen Gestaltungskunst Windgassens nebensächlich. Ihm gelingt ein Portrait, das die für mich ideale Balance zwischen Kantabilität und Heroik findet (etwa bei "... du liehest mir erhabne Eigenschaft ..."), zudem jugendlich-frisch herüberkommt und somit glaubhaft wirkt.


    Die Wesendonck-Lieder gibt es auch in Fremdsprachen gesungen. Dieses Album enthält eine Version in Russisch, vorgetragen von Maria Maksakova Sr. (1902-1974)

    Danke für den Hinweis auf Maria Maksakova, die ich hörenswert fand, da die Lieder ihrer wunderbaren Stimme sehr entgegen kommen. Ihre lyrische Interpretation finde ich auch durchaus ansprechend, weil sie sehr hingebungsvoll gesungen ist. Da stört mich auch die fremde Sprache nicht!

    Mit einiger zeitlicher Verzögerung gelangte ich an das besagte Album, das ich hier nochmal in darstellbarer Form abbilde:




    Den Einschätzungen schließe ich mich gerne an. Eine sehr hörenswerte Einspielung. Russisch funktioniert bei Wagner meiner bescheidenen Einschätzung nach erstaunlich gut, wie ich ja bereits durch Iwan Koslowskis russischsprachigen Lohengrin weiß.

    Den online durchsuchbaren Archiven der Wiener Philharmoniker und Wiener Symphoniker zufolge trat Alexander Jenner mit beiden Orchestern auf: Mit den Philharmonikern immerhin achtmal (1961, 1968, 1981), mit den Symphonikern sogar 65-mal (hauptsächlich in den 1950ern bis 70ern). Gut möglich, dass im ORF-Archiv einiges vorhanden ist.

    Die ansonsten (gerade orchestral) sehr beachtliche (zweite) Meistersinger-Einspielung von Sir Georg Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra wird mir persönlich durch den Hans Sachs von José van Dam verleidet. Das war wohl so ziemlich die unschlüssigste Rollenbesetzung, die man 1995 auftreiben konnte. Der große Name zählte da wohl primär. Sein Deutsch lässt zudem zu wünschen übrig. Überhaupt sagt mir van Dam in Wagner-Partien leider herzlich wenig. Am ehesten noch als Amfortas.

    Das wäre ein Thema für sich (das die Moderation am besten auch aus diesem Thread ausgliedert).

    Die Rundfunkübertragungen von den Bayreuther Festspielen in Stereo setzten mit dem Jahre 1967 leider etwas spät für uns Bewunderer der gesanglich besten Jahre von Neu-Bayreuth ein. Zurecht wurde angemerkt, dass die Met sogar erst in der Spielzeit 1973/74 auf Stereo-Übertragungen setzte - erst musste der legendäre Sir Rudolf Bing 1972 abtreten, der von der neuen Technik nicht viel zu halten schien. Wie ich schon andernorts anmerkte, wurden die Konzerte des amerikanischen Boston Symphony Orchestra hingegen bereits seit 1957 (!) regelmäßig in Stereophonie im Rundfunk gesendet. Auf diese Weise hat sich beispielsweise ein konzertanter Lohengrin unter Erich Leinsdorf von 1965, verteilt auf drei Tage, in Stereo erhalten, der parallel zur RCA-Einspielung aufgeführt wurde.

    Nicht undenkbar, allerdings scheint Currentzis eher nicht der Dirigent zu sein, der Gesamtaufnahmen macht. So kam ja auch in Sachen Tschaikowski (Pathétique und Violinkonzert) und Schostakowitsch (Symphonie Nr. 14, Klavierkonzerte Nr. 1 & 2) diskographisch bisher nichts nach, obwohl er Tschaikowskis Fünfte und Schostakowitschs Siebte und Fünfzehnte im Konzert durchaus schon dirigierte.