Beiträge von Joseph II.

    (betreffend Carmina Burana/Ozawa)

    Dieses LP/CD Cover gehört zu der (ziemlich umfangreichen) Anzahl fürchterlichsten :-)

    Ueber die Aufnahme äussere ich mich nicht

    Ich habe bei diesem Werk in den letzten Jahren besonders zwei Aufnahmen schätzen gelernt:


    - London Symphony Orchestra unter André Previn (nicht die spätere aus Wien)


    - London Symphony Orchestra unter Richard Hickox (die ältere Aufnahme auf IMP bzw. Alto noch mehr als die neuere auf Chandos)


    Beide Dirigenten verleihen etwa dem zu Tode gehörten O Fortuna durch gemessene Tempi eine mysteriöse Atmosphäre sondergleichen. Das LSO hat offenbar ein Händchen für dieses Werk.

    Würdest Du der Einschätzung folgen, lieber adriano? :D

    Giulinis Beispiel machte übrigens Schule: Nur wenig später kam die Aufnahme von Sir Colin Davis mit dem Boston Symphony Orchestra (Philips) heraus, die einen ganz ähnlichen Interpretationsansatz aufwies (später hat Davis mit der Staatskapelle Dresden eine weitere Aufnahme vorgelegt, die mir aber nicht bekannt ist). Die Bostoner Aufnahme wurde von Ulrich Schreiber noch enthusiastischer begrüßt: " …. Giulini war in seiner Chicagoer DG-Einspielung wohl der erste Dirigent, der auf Platte die heikle Temporelation zwischen Einleitung und Hauptsatz im Kopfsatz von Schuberts großer C-dur-Sinfonie richtig gelöst hat. Giulini hatte diese innere Gleichheit des Bewegungsgestus überzeugend in Klang umgesetzt, und wenn man nun die Bostoner Davis-Aufnahme hört, klingt diese Lösung eher noch überzeugender: befreit vom Durchsetzungspathos, das bei Giulini noch eine gewisse Rolle spielte. Davis gelingt es, den Klassizismus dieses Werkes mit der größten Gelassenheit seinem Orchester zu vermitteln, und diese Entspanntheit zieht sich bis zum Vivace des letzten Satzes hin, das (hier wie in den anderen Sätzen wird wirklich jedes Wiederholungszeichen beachtet) ohne jede Hektik musiziert wird."

    Wie es der Zufall will, hörte ich diese Bostoner Aufnahme von Davis vor einigen Monaten, auch aus Interesse, da jede Wiederholung gespielt wird. Ich müsste lügen, aber ich fand sie völlig nichtssagend und ausdruckslos, eine der wenigen schwachen Aufnahmen, die ich von diesem von mir eigentlich sehr geschätzten Dirigenten kenne. Die Interpretation ist allzu akademisch, ohne das rechte Feuer und ziemlich fad. Mann kann das auch sehr euphemistisch "Entspanntheit" nennen.


    Wenn komplett, dann kann ich hingegen die Einspielung von Sir Charles Groves empfehlen, der übrigens auch einen kompletten Zyklus mit der English Sinfonia vorgelegt hat, den man aber nur mehr mit Müh' und Not gebraucht erwerben kann.


    Wolfgang Amadeus Mozart
    Symphonie Nr. 38 D-Dur KV 504 Prager
    Symphonie Nr. 41 C-Dur KV 551 Jupiter*

    Camerata Academica Salzburg
    Sándor Végh

    Aufnahme: 1992* & 1996








    Ausgezeichnete Darbietungen, künstlerisch und auch klanglich. Gemessene Tempi, aber nicht verschleppt. Orchestral wie bei Végh üblich sehr detailreich und paukenstark.

    Pavel Kogan

    Leider gibt es sehr wenig Repertoire auf CD mit diesem Dirigenten.

    Interessant: Er ist der Sohn der berühmten Musiker Leonid Kogan und Elisaveta Gilels !


    Wenn ich nicht schon mit allen Swetlanow-Aufnahmen, Ashkenazy, Ormandy, Maazel, Kondraschin, Roshdestwensky (1.), Jansons bestens mit den Rach - Sinfonien eingedeckt wäre, würde ich mir die zulegen ...

    Kogan finde ich absolut umwerfend bei Rachmaninow! Auch wenn ich bisher nur die genannte Einspielung der 2. Symphonie kenne, aber diese toppt so ziemlich alles mir Bekannte und zieht mit Swetlanow gleich. Der alte russische Orchesterklang, den wir so lieben, plus ausgezeichneter Klang und zupackender Zugriff - dürfte Dir eigentlich liegen, Wolfgang!

    Von Willem Mengelberg habe ich die 4. und 5. - die 6. scheint es leider nicht zu geben.

    Es gibt mindestens eine Pathétique von Mengelberg, lieber Holger, scheinbar sogar zwei. Auf den hätte ich jetzt völlig vergessen, obwohl einer meiner liebsten Dirigenten. Ich habe besonders seine exzentrische Fünfte im Ohr. Die Aufnahmen sind natürlich historisch. Die links gezeigte Sechste mit dem Concertgebouw-Orchester datiert auf 1941, die mir vorliegende rechts mit dem Grand Orchestre de Radio-Paris auf 1944.




    Spielzeiten (1944): 19:23 - 8:27 - 8:52 - 13:36


    1941 offenbar besonders im Finalsatz flotter.

    Die Pathétique zwischenzeitlich schon wieder gehört, lieber Norbert? ;)

    Je länger man nachdenkt, desto mehr nennenswerte Aufnahmen des Werkes fallen einem ein. Ich pflichte Dir bei, lieber nemorino, dass auch Karl Böhms Tschaikowski angeführt werden sollte. Dies gilt für alle drei späten Symphonien, die in seinen allerletzten Lebensjahren eingespielt wurden.


    Zumindest erwähnt haben möchte ich, dass selbst Hans Knappertsbusch dieses Werk in seinem Repertoire hatte (neben der Fünften). Leider hat sich kein Mitschnitt erhalten. Zuletzt dirigierte er die Pathétique am 14., 15. und 17. April 1957 mit den Berliner Philharmonikern an der Berliner Hochschule für Musik. Dies waren zugleich seine letzten Konzertauftritte mit diesem Orchester, denn Knappertsbusch und der neue Chefdirigent Karajan standen sich bekanntlich sehr distanziert gegenüber. Gerne hätte ich die Lesart des Kna gehört.

    Eine großartige Aufnahme, die ich noch unbedingt nennen möchte, ist folgende:



    Otto Klemperer dirigiert das Philharmonia Orchestra, Einspielung für EMI, Kingsway Hall, London, 18.-20. Oktober 1961. Mittlerweile am einfachsten in der sehr preiswerten 10-CD-Box erhältlich (wo auch die Vierte und Fünfte von Tschaikowski dabei sind).


    Klemperer und Tschaikowski? Klingt erstmal seltsam, klappt aber erstaunlich gut. Das ist eine sehr nüchterne Aufnahme, die sich jeder Romantisierung enthält und schon deswegen aus der Masse heraussticht.

    Von Interesse ist ein Blick auf die Spielzeiten: 18:25 - 8:41 - 10:54 - 9:32

    Klemperer nimmt also alle Sätze bis auf den dritten ziemlich geschwind, im Finale am extremsten, wo er sich jeder Sentimentalität verweigert. Das ist selbst bei "Old Klemp" noch charakteristisch, dass er gerade die langsamen Sätze im Verhältnis schnell dirigiert. Wirklich aus der Reihe tanzt das Scherzo mit beinahe elf Minuten. Seltsamerweise funktioniert das aber trotzdem, es ist ungemein detailreich und ausgelotet bis zum Gehtnichtmehr.


    Hallo Wolfgang,


    ja, von den Salzburger Festspielen wurde bis circa 1973 oder 74 vom ORF meist nur in Mono übertragen. Aber die späteren Mitschnitte sind natürlich in Stereo - so auch der Végh (1987 bis 1996). Da habe ich insofern keine Bedenken. Interpretatorisch dürfte das auch eine hochspannende Angelegenheit werden. Ich werde beizeiten berichten!

    Ich glaube, ausgerechnet diese späte Bernstein-Aufnahme war seinerzeit mein Einstieg in die Pathétique (vor etwa zehn Jahren). Mir fehlte also gewissermaßen die Vorprägung, selbst wenn ich die Mrawinski-Aufnahme ebenfalls sehr früh kennenlernte. teleton nannte sie (Bernstein) 2005 eine "Wahnsinnsaufnahme" und ich war auch ungemein angetan davon beim Erstkontakt. Ich habe die Einspielung allerdings bestimmt mindestens fünf Jahre nicht mehr komplett gehört. Vielleicht wäre mein Höreindruck heute nicht mehr so günstig. Selbst wenn sie also verfehlt sein sollte, dann doch wohl auf höchstem Niveau. Der ganz späte Bernstein ist ja ein sehr eigener Fall, den viele ablehnen. Mir sagten seine Letztdeutungen fast ausnahmslos zu.

    Sándor Végh

    Eine nachdrückliche Empfehlung in Sachen Gesamtaufnahme der Symphonien von Franz Schubert möchte ich an dieser Stelle aussprechen:

    Der heute etwas in den Hintergrund gerückte Sándor Végh hat in seinen letzten Lebensjahren diesen Zyklus grandios eingespielt, den ich in den letzten Tagen komplett durchhörte:




    Die Symphonien Nr. 5 bis 9 wurden schon vor 20 Jahren von Capriccio auf den Markt gebracht. Kürzlich komplettierte BMC (Budapest Music Center Records) in Zusammenarbeit mit dem WDR den unvollständigen Zyklus, indem man Rundfunkproduktionen der Symphonien Nr. 1 bis 4 von Mai 1996 auf den Markt brachte. Végh dirigierte damals kurz vor seinem Tode einen Schubert-Zyklus in Köln. Man konzentrierte sich zurecht auf die bisher nicht vorliegenden Symphonien; es wäre natürlich toll, wenn auch die restlichen erscheinen würden.


    Kurz gesagt: Ein ganz großer Wurf! Die ersten vier Symphonien sind phänomenal gelungen, gerade die Zweite und Vierte referenzträchtig. Von den alten Capriccio-Veröffentlichungen stechen besonders die Unvollendete und die von mir eigentlich wenig geschätzte Fünfte heraus. Einzig bei der Großen C-Dur ist die Konkurrenz schier überwältigend, da ist Véghs Zugang etwas zu wenig gewichtig. Bei den frühen Werken trifft sein Ansatz aber den Nagel auf den Kopf: Sehr fein dynamisch abgestuft, alle Nebenstimmen zum Vorschein kommen lassend, knallige Pauken.


    Kurzes Tonbeispiel (Finalsatz der Zweiten):


    Sándor Végh ist einer der Dirigenten, die ich aus unerfindlichem Grunde jahrelang mit Missachtung strafte. Ich könnte noch nicht einmal einen Grund anführen, wieso. Vielleicht nahm ich ihn lange gar nicht als Dirigenten wahr – der Threadtitel deutet das ja auch an. Er bezeichnete sich wohl selbst zeitlebens schlicht als Musiker, ganz salomonisch.


    Nach meinem Eindruck ist Végh gut zwanzig Jahre nach seinem Tode etwas in Vergessenheit geraten, was auch daran liegen mag, dass er sich nie in den Mittelpunkt stellte. Andererseits gab es in der letzten Zeit einige Veröffentlichungen, die seinen hohen Rang als Dirigent unterstreichen. So liegt nun endlich ein kompletter (!) Zyklus der Schubert-Symphonien mit der Camerata Salzburg vor.


    Nr. 5 bis 9 wurden von Capriccio bereits in den 90er Jahren veröffentlicht:



    Das Label BMC hat in Zusammenarbeit mit dem WDR nun auch Nr. 1-4 in Rundfunkproduktionen von 1996 auf den Mark gebracht:



    Es handelt sich um Mitschnitte von Véghs letztem Schubert-Zyklus aus Köln, praktisch ohne Publikumsgeräusche und Applaus, nur wenige Monate vor seinem Tode aufgenommen. Ich habe sie mir geleistet und die Erste und Zweite bereits mit großem Gewinn gehört. Er fördert viele Details zu Tage, die meist auf der Strecke bleiben.


    Mit den Wiener Philharmonikern arbeitete Végh in seinen späten Jahren ebenfalls zusammen. Man spielte einige Symphonien von Mozart. Hier ein künstlerisch ausgezeichneter, dynamisch fein abgestufter Mitschnitt der "Prager Symphonie" aus dem Wiener Konzerthaus von 1991:


    :!: Bei Mrawinsky gibt es übrigens fast nur LIVE-Aufnahmen ... er begab sich höchst selten ins "Studio".

    Wenn ich mich nicht irre, lieber Wolfgang, entstand seine letzte Studioeinspielung im Jahre 1961 – danach wirklich nur mehr live.


    Mrawinski war einer der Dirigenten, die die Fünfte deutlich höher schätzten als die Sechste. Ich habe vor Jahren mal recherchiert und bin auf sicher drei- bis viermal so viele Aufnahmen der Fünften gestoßen. Die Vierte dirigierte er nach der DG-Aufnahme m. W. sogar überhaupt nicht mehr.

    Da hört man von Anfang an wie gebannt zu und es gibt kein Vertun: Das ist eine exemplarische Aufnahme! [...] Was diese Aufnahme so bemerkenswert macht ist aber die Verbindung von russischem Expressivo mit sehr moderner, französischer clarté.

    Oh ja! Markevitch hat eine absolute "Hammeraufnahme" eingespielt (was für den ganzen Zyklus gilt, sicher einer der TOP-Favoriten). Sehr interessant, lieber Holger, finde ich Deine nachvollziehbare Anmerkung der russisch-französischen Verbindung – das würde Sinn machen. Beide Länder waren im Fin de siècle ja tatsächlich kulturell eng miteinander verflochten. Auch bei mir eine meiner meistgehörten Interpretationen dieses Werkes.

    Meine liebste Aufnahme des Nessun dorma von Pavarotti ist mittlerweile die vom Konzert "Music for Life" vom 8. November 1987 aus der Carnegie Hall in New York. Es dirigiert James Levine (bei anderen Stücken auch Leonard Bernstein). Es war eines der ersten Benefizkonzerte zur Bekämpfung von AIDS - damals noch alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Neben Pavarotti wirkten mit: Marilyn Horne, Yo-Yo Ma, Murray Perahia, Leontyne Price und Samuel Ramey.


    Die Doppel-CD erschien bei der DG:


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    Die Aufnahme habe ich mir damals besorgt, lieber Joseph, weil sie hier so gelobt wurde, und es gibt auch eine Besprechung glaube ich von mir in diesem Thread (ich bin jetzt zu faul durchzugucken). Oistrach beweist in der Tat finde ich, dass die Berliner Philharmoniker russisch klingen können. Eine ideale Aufnahme ist das allerdings auch nicht - aber besser vielleicht als Petrenko? ^^

    Ich entsinne mich an Deine spannende Besprechung, lieber Holger. Du hast die Aufnahme ja, trotz der Einschränkung, soweit ich mich entsinne, doch in weiten Teilen gewürdigt. Das freute mich natürlich. :thumbup:


    David Oistrach als Dirigent ist bei mir nur mit den Mozart-Violinkonzerten (+ Sinf.concertante KV 364), wo er auch der Solist ist, als Dirigent vertreten (EMI), ebenfalls mit den Berliner Philharmonikern. Den 1972er Tschaikowsky (Im Takt der Zeit) habe ich nicht, überlege jetzt aber, ob ich - trotz erheblicher Platzprobleme - des Spottpreises wegen zugreifen sollte ....

    Oistrach ist als Dirigent maßlos unterschätzt und ich wage zu behaupten, hätte er länger gelebt, er hätte sich auch in der Hinsicht einen Namen gemacht. Seine dirigentischen Ausflüge fanden in seinem letzten Lebensjahrzehnt, verstärkt nach 1970, statt. Ich kann in dem Zusammenhang auch nochmal auf Harold en Italie von Berlioz verweisen, wo er dirigiert (Solist: Rudolf Barschai). Diese Melodija-Produktion ist absolut referenzträchtig. Und sagen wir bzgl. seiner Pathétique mal so: 50 Cent kann man definitiv sinnfreier anlegen als für dieses hochinteressante Tondokument. ;)

    Wenn man mehr als ein Dutzend Aufnahmen des Werks hat, von Furtwängler 1936 bis Karajan 1984, muß ich mir nicht noch den Petrenko unbedingt dazu stellen.

    Verständlich, zumal es grad mit den Berliner Philharmonikern überzeugendere Deutungen gibt: Furtwängler 1951 (da ziehe ich die spätere Aufnahme aus Kairo vor), Karajan 1964 und Oistrach 1972.


    Furtwängler 1951


    Die Furtwängler'sche Deutung ist natürlich sehr eigenwillig. Der Klang ist nicht übermäßig schlecht, aber eben doch nur Mono. Wer sich darauf einlässt, bekommt eine wirklich ungemein packende Darbietung abgeliefert. Im Scherzo klingt es stellenweise wie eine langsam anfahrende Schnellzugdampflokomotive.


    Oistrach 1972


    Die ziemlich unbekannt gebliebene Oistrach-Aufnahme empfehle ich ganz nachdrücklich. Eines der relativ wenigen Tondokumente seiner ganz erheblichen dirigentischen Fähigkeiten. Zudem derzeit spottbillig für 50 Cent beim Werbepartner zu erstehen - bis Sonntag sogar ohne Versand! Es handelt sich um einen Mitschnitt in sehr gut klingendem Stereo und fast ohne Publikumsgeräusche, der von den Berliner Philharmonikern selbst herausgebracht wurde in der Reihe Im Takt der Zeit.

    Ich will mal einige jpc-Rezensionen zu Petrenko zitieren:


    "Wenig inspiriert", "Überbewertet [...] Fazit: völlig verzichtbar" und "Zunächst mal muss gesagt werden, dass die PR Maschinerie diese Aufnahme in den höchsten Tönen lobt. Hört man diese Aufnahme genau und vergleicht sie mit Konkurrenzaufnahmen (Mrawinsky, Karajan, Markevitch, Bernstein) so fällt leider zunächst das sehr uninspirierte Dirigat eines Herrn Petrenko auf. Er schafft es nicht die großen Bögen der Partitur zu spannen und schon gar nicht die zweifelsohne russische Seele der Musik hörbar zu machen."


    Empfinde ich, wie gesagt, ganz ähnlich. Ja, man hätte besser die Thielemann-Aufnahme mit den Berlinern auf CD herausgebracht, die es in der Digital Concert Hall gibt.

    in der links gezeigten Box sind definitiv die Sinfonien aus den 1970er Jahren enthalten

    Dachte ich auch erst, aber man hat hier aus irgendeinem Grund tatsächlich die aus den 60ern genommen. Diese Wahl finde ich aber nachvollziehbar und würde die Box jedem empfehlen, der den kompletten Tschaikowski von Karajan erwerben möchte.


    Hier die genauen Aufnahmedaten der Box "Karajan conducts Tchaikovsky" (8 CDs):


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    Du wirst es kaum glauben, aber genau das wollte ich ursprünglich auch schreiben, fand es dann aber ein wenig zu euphorisch. Aber es trifft im Kern die Sache.

    Das freut mich, dass wir nun schon einige sind, die das genauso empfinden.

    Sind das diese Aufnahmen?

    Hallo Christian,


    also die links abgebildete Ausgabe enthält die Symphonien Nr. 4-6 in den vorzuziehenden 60er-Jahre-Aufnahmen (Vierte 1966, Fünfte 1965, Sechste 1964). Die ersten drei Symphonien spielte Karajan nur ein einziges Mal ein, so dass man diese aus den späten 70ern hinzunahm – und ich möchte mir die persönliche Anmerkung erlauben, dass die zwar nicht schlecht sind, aber nicht in der Spitzenklasse mitspielen können.


    Die rechts abgebildete Eloquence-Ausgabe enthält die Vierte bis Sechste offenbar in der 70er-Jahre-Einspielung. Die schließe ich zumindest aus den Spielzeiten. Die sind schon auch nicht zu verachten, unterliegen aber im direkten Vergleich.


    Wenn Du einzig an den Symphonien Nr. 4-6 von 1964 bis 1966 interessiert bist, empfiehlt sich diese Einzelausgabe auf zwei CDs:


    Ich bin begeistert! Dagegen verblaßt selbst seine 1976er DGG-Aufnahme mit dem gleichen Orchester (die mit dem mangelnden "homo-erotischen Gefühlsklima"), von der späten Wiener Aufführung gar nicht zu reden! Die EMI-Aufnahme von 1955 aus London ist ihr in manchen Dingen ähnlich, kann aber klangtechnisch nicht mithalten.

    Lieber nemorino


    ich bin zwar nicht Wolfgang, aber ich glaube, er hat auch mich damals auf die Einspielung von 1964 gebracht. Ich kann das von Dir Gesagte nur unterstreichen. Ich kenne die meisten der vielen Aufnahmen der Pathétique Karajans zwischen 1939 und 1988, aber die von 1964 steht singulär da und kann sich m. E. auch in der Spitzengruppe von Aufnahmen dieses Werkes ganz vorn behaupten. Ihr am nächsten kommt wohl noch die auf DVD erhältliche Aufnahme von 1973, die auch ganz exquisit ist. Bisher nicht genannt wurde die EMI-Produktion von 1971, die aber unter suboptimalem Klang leidet (sehr verwaschen). Ich möchte sogar soweit gehen und behaupten: Die DG-Produktion von 1964 ist eine der besten Karajan-Aufnahmen überhaupt. (Auch die Vierte und die Fünfte gelangen ihm für mein Dafürhalten nie besser als Mitte der 60er Jahre für die DG.)


    Am Rande: Mittlerweile listet jpc auch die neue Aufnahme unter Kirill Petrenko:



    Ganz so allein scheine ich mit meinem Höreindruck jedenfalls nicht zu stehen, wie neulich andernorts suggeriert wurde, wenn ich mir die dortigen Bewertungen ansehe (z. Zt. 2,8 von 5 Punkten).


    Beim Wiederhören als erstaunlich stark empfunden habe ich kürzlich die Zweite unter Sir Georg Solti mit den Wiener Philharmonikern. Der Zyklus wurde 1967 ("Rheinische" und Vierte) und 1969 ("Frühlingssymphonie"; Zweite; Ouvertüre, Scherzo und Finale; Ouvertüre "Julius Caesar") eingespielt für Decca. Solti ist insbesondere im furiosen Finalsatz erwartungsgemäß knallig, aber das ist mir bei Schumann allemal lieber als allzu lyrisch.

    Vielen scheint die Zweite ja nach wie vor die problematischste der vier Symphonien zu sein. Ich kann mir nicht helfen, sie war mir von Anfang an diejenige, die mich am meisten in ihren Bann zog (aber ich schätze alle). Für Bernstein war sie sogar seine erklärte Lieblingssymphonie. Gerade weil sie so ein zerrissenes Werk ist, steht sie mir nahe. Sie hat einen der schönsten Anfänge in der Symphonik überhaupt, den vermutlich stärksten langsamen Satz Schumanns und den feurigsten Abschluss. Erzwungener Jubel freilich, den man nicht als einseitig hohl missverstehen sollte (da fast schon an Schostakowitschs Hintergründigkeit erinnernd).

    Dieses Werk ist wirklich ein eigener Fall. Weder ist es eine richtige Symphonie, noch ist es eine Suite oder einfach eine Ouvertüre. Symphonette ist schon eine passende Bezeichnung.

    Zwei wirklich gelungene Einspielungen sind folgende:



    Staatskapelle Dresden unter Wolfgang Sawallisch (EMI, 1972)



    Philharmonia Orchestra unter Christian Thielemann (DG, 1998)

    Ich habe mir die Aufnahmen gestern mehrmals hintereinander angehört, was aufgrund der Kürze des Werkes problemlos geht. Sawallisch (6:36 - 3:54 - 6:36) entwickelt ein enormes Feuer und eine zupackende Gangart, die mitreißt. Thielemann (7:10 - 4:36 - 8:18) hat einen völlig anderen Ansatz. Er versucht mehr als jeder andere mir bekannte Dirigent, eine wirkliche Symphonie aus diesem Werk zu machen und kommt auf eine Spielzeit von 20 Minuten. Besonders der Finalsatz erhält größeres Gewicht. Das klappt erstaunlich gut. Ich möchte keine der beiden Deutungen missen.

    Danke, lieber nemorino, für den Hinweis auf die auch mir bisher völlig unbekannte Gesamteinspielung von Eliahu Inbal von 1970/71. Kurios, dass das New Philharmonia Orchestra gerade ein Jahr nach Vollendung des Zyklus unter Klemperer schon wieder einen solchen vorlegte (wenn auch für Philips und nicht für EMI).

    Es erschien 1990 übrigens auch eine 3 CDs umfassende Box, in der auch die "Zwickauer" Symphonie und Ouvertüre, Scherzo und Finale enthalten sind:


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    Ein Neuauflage wäre wirklich mal an der Zeit.

    Manches gelingt ihm ausgezeichnet (z.B. Tschaikowski), manches (noch) weniger gut (Mozart nach den Stücken, die ich gehört habe).

    Das finde ich interessant. Mir gefiel nämlich die "Haffner"-Symphonie, die im selben Konzert gespielt wurde, sehr gut. Leider kam die nicht offiziell heraus. Sie ist aber wohl in der Digital Concert Hall abrufbar.

    Petrenkos Interpretation der "Pathétique" mit den Berlinern kenne ich seit zwei Jahren. Genauso kenne ich den Mitschnitt der Fünften von diesem Jahr.

    Bereits in meinem Beitrag oben, der aus irgendeinem Grunde Stein des Anstoßes wurde, steht klar zu lesen, dass ich die gesamte Aufnahme der "Pathétique" bereits durch den Rundfunk kannte. Den Mitschnitt habe ich sogar noch auf der Festplatte (es wurde daneben Mozarts "Haffner"-Symphonie gespielt).

    Das "Reinhören" in die jetzt offizielle Aufnahme gestern hat mir jedenfalls gereicht, um diesen Eindruck von damals bestätigt zu sehen. Wieso sollte ich mir das nochmal komplett anhören?

    Wenn das jetzt "unseriös" und "obszön" ist, na meinetwegen. Vielleicht ist alles, was Herr Petrenko in Berlin macht, eben sakrosankt. Wir in Wien sehen das jedenfalls nicht so.

    Im Übrigen schrieb ich auch keinen "Verriss", denn "gediegen und orchestral sehr gut" war durchaus positiv gemeint. Es ist eine gute Aufnahme, derer gibt es aber so viele, dass sie für mich nicht herausragt. Eine "Pathétique", die das Pathos um jeden Preis vermeidet, liegt mir eben nicht. Das wird ja noch erlaubt sein.