Beiträge von Joseph II.

    Ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, kann ich es verstehen, wenn man den berühmten Karajan-Zyklus von 1961/62 heutzutage nicht mehr als das Nonplusultra ansehen mag, der er in den 60er Jahren gewesen sein mag. Die Konkurrenz ist mittlerweile unüberschaubar. Für praktisch jede der Aufnahmen gibt es irgendwo eine, die gleichwertig gelungen oder gar besser ist. Das nimmt dieser Gesamtaufnahme nicht zwingend etwas von ihrer Güte. Ich höre nur noch ganz selten in diese Einspielungen. Die Fünfte war für mich jahrelang das A und O. Aber seit einigen Jahren greife ich kaum mehr zu ihr, da mir doch Aufnahmen untergekommen sind, die mir persönlich mehr geben. Eine der besten Beethoven-Aufnahmen Karajans stellt für mich die "Eroica" anlässlich des Festkonzerts zum 100. Jubiläum der Berliner Philharmoniker dar, das unter Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Schmidt auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Besser hat er das Werk für meine Betrachtung auch im Studio zuvor nicht vorgelegt. Ansonsten würde ich heute eher dem Live-Zyklus von der Japan-Tournee 1966 den Vorzug geben, wenn es unbedingt ein Karajan'scher Zyklus sein muss.

    Ja, den Punkt mit dem "Besitzen" verstehe ich durchaus. Aufnahmen, die mir zusagen, füge ich auch gern der Sammlung zu. Ich wollte das Streaming ja nicht zum allein Seligmachenden verklären. Es ist indes eben eine sehr gute Möglichkeit, diese und jene Aufnahme anzutesten. Nun kann man das zwar auch via YouTube in vielen Fällen, aber eben nicht in CD-Qualität. Ein HiFi-Abo kostet bei Deezer übrigens gerade einmal EUR 14,99/Monat. Ohne dafür offensiv Werbung machen zu wollen, muss ich dann schon sagen, dass ich für dasselbe Geld allenfalls zwei, drei CDs bekomme, eventuell gar nur eine bei Neuerscheinungen.

    Heute aus Japan gekommen

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    Darf ich fragen, lieber Klassikfan1, wie Du das mit den Importgebühren machst? Ab ca. 22 EUR muss ja wohl die Umsatzsteuer nachbezahlt werden, ab 150 EUR fällt sogar Zollgebühr an. Die gezeigte Box war wohl über 22 EUR. ;) Entfällt die Gebühr dann nachträglich oder bezahlt man die dem Postboten? Ich bestellte schon häufig aus Japan, aber achtete immer darauf, nicht über 22 EUR zu kommen, was leider schwierig ist, da der Versand inkludiert wird. jpc bietet immerhin einige japanische CDs mittlerweile an, so dass jpc den Import besorgt und einem dies erspart bleibt.

    Da bereits die Rede von Spotify und Co. war: Sehr empfehlenswert für meine Begriffe Deezer, da hier auch in High Fidelity, also verlustfrei (CD-Qualität), gestreamt werden kann. Spotify hat wohl mp3 320 kb/s bislang als Höchststufe, was bei Deezer lediglich die mittlere Qualität darstellt. Neue Alben, die gewöhnlich freitags erscheinen, sind bereits jeweils ab 0 Uhr Mitternacht online komplett im besten Klang verfügbar. Vermutlich wird auf absehbare Zeit auch ein Streaming im SACD-artigen Klang (24/96 oder gar 24/192) möglich werden, das ich persönlich nicht unbedingt benötige, aber ebenfalls seine Fans hat. Dass diese Streaming-Portale, die durchaus ein extrem reichhaltiges Klassikangebot haben, teils so abgewertet werden, kann nur auf Vorurteilen beruhen. Wieso sollte ich mir jede Aufnahme in CD-Form kaufen, tagelang darauf warten und dann nur feststellen, dass ich es mir sowieso hätte sparen können? Im HiFi-Stream kann man jede Aufnahme beliebig antesten und merkt oft schon nach wenigen Minuten, ob man die braucht oder eben eher nicht. Zudem ist es schlechterdings ideal für vergleichendes Hören. Das ist fraglos die Zukunft und im Grunde auch bereits die Gegenwart. Das kann man gut finden, das kann man schlecht finden, aber es ist mittlerweile ein Faktum. Zur wirklich jungen Generation gehöre ich auch nicht mehr (Ü30), wurde noch mit CDs sozialisiert, aber heute 14- oder 16-Jährige kennen das ja gar nicht mehr anders.

    Hier wurde auch darauf hingewiesen, daß Thielemann jetzt auch für ein INDEPENDIENT Label aufnimmt.

    Hier ist wirklich das Wörtchen auch wichtig. Denn Thielemann steht doch bei der Deutschen Grammophon und Sony parallel unter Vertrag. Dort erscheinen durchaus auch ab und zu Aufnahmen mit der Staatskapelle Dresden, die also offensichtlich nicht nur für Hänssler aufnimmt. Teils erscheinen auch manche (ältere) Sachen noch auf dem Eigenlabel der Münchner Philharmoniker. Welcher deutsche Dirigent ist derzeit auf dem Tonträgermarkt besser repräsentiert als Thielemann? Bestimmt nicht Kirill Petrenko, der durch dieses Quasi-Monopol des Eigenlabels der Berliner Philharmoniker mit dessen eigenwilligen Veröffentlichungspolitik (inkl. seltsamen Formaten) m. E. eher ins Hintertreffen geraten ist.

    Aber zu behaupten, Vinyl oder Tapes hätten eine höhere Qualität als digitale Formaten (ob nun auf physischen Datenträgern wie CD oder als Download oder Stream), entbehrt jeder Grundlage, wenn wir jetzt mal mp3 etc. außen vor lassen.

    D'accord, lieber Bertarido. Die verlustfreien digitalen Audioformate (wav, flac, ape etc.) sind schon seit langem kein Geheimtipp mehr. Das verlustbehaftete mp3-Format, das ich meide wie der Teufel das Weihwasser, trägt aber offenbar noch immer zum Vorurteil bei, das sei unterlegen. Die Faszination für alte LPs kann ich durchaus irgendwie verstehen, auch wenn ich diese persönlich so schnell wie möglich digitalisiert und somit qualitativ gewissermaßen konserviert haben will. Eine LP nutzt sich doch mit jedem Abspielen ab, wenn auch vielleicht lange unmerklich. Und dieser Boom von Neuerscheinungen auf LP ist mir ganz unerklärlich, aber es stößt offenbar wirklich auf ein gewisses Interesse.

    Und, wie ist er ausgefallen, lieber Joseph?


    Ich hatte mir die Aufnahme im Oktober 2020 für günstig Geld erworben, zweimal angehört und dort musikalisch unterm Strich nichts gefunden, was mich zwingend dazu bewegt, es öfter zu tun...

    Da muss ich Dir leider (für Franz Schmidt ;)) zustimmen, lieber Norbert. Das Werk hat mich überhaupt nicht berührt. Stellenweise war ich kurz davor abzubrechen. Und es liegt bestimmt nicht an den Wiener Philharmonikern oder Bychkov, gilt diese Aufnahme doch sogar als referenzträchtig, glaubt man diversen Besprechungen. Es soll sich bei der zweiten Symphonie um Schmidts bestes symphonisches Werk neben der vierten handeln. Na denn. Dann kann ich mir den Rest ja gleich sparen. Es reichen eben ein paar nette Anklänge an Richard Strauss mitnichten, um ein Meisterwerk zu kreieren.

    Guten Morgen, nun höre Brahms an

    Brahms Sinfonie Nr.2 D-Dur op.73

    Günter Wand mit dem NDR Sinfonieorchester

    Live 1.12.1990

    Ein "Hammer-Zyklus".

    Dagegen sieht die an sich gute RCA-Studioeinspielung (wohl eine der letzten von Wand überhaupt) bieder aus.

    Evtl. ist dieser bei Hänssler erschienene Live-Zyklus sogar noch ein Quäntchen besser als der Live-Zyklus bei RCA einige Jahre später (der indes schon viel länger im Handel ist).


    RCA Studio 1982/83 RCA live 1995-1997

    Eine Mono-Live-Aufnahme von 1944 ohne den Finalsatz dürfte bzgl. teletons Nachfrage nach einer Einspielung mit Finalsatz freilich nur sehr bedingt behilflich sein, zumal er Mono-Aufnahmen fast durchgängig ablehnt.

    Wie ich sehe, bekam die EMI-Aufnahme von Rattle tatsächlich künstlerisch und klanglich bei Hurwitz tatsächlich jeweils 9/10 Punkten. :thumbup:


    Hallo Wolfgang,


    meine Empfehlung geht hier sehr stark in Richtung Rattle. Vielleicht für mich sogar seine überzeugendste Einspielung mit den Berliner Philharmonikern. Der Finalsatz, der mich zuvor stets recht kalt gelassen hat, packte mich hier wirklich. Es spricht für Rattle, dass er diese Vervollständigung mit der Aufnahme "geadelt" hat. Trotzdem wir sie seither kaum komplett im Konzert gespielt.

    Hat Harnoncourt überhaupt dieselbe Fassung aufgenommen? Wohl kaum. Rattle bedient sich der erst 2012 vorliegenden finalen Edition Samale, Phillips, Cohrs und Mazzuca. Harnoncourts Aufnahme ist neun Jahre älter.

    Auch seine Zeitgenossen haben Sinfonien und Konzerte geschrieben, aber nie in so einer Meisterschaft wie Mozart.

    Das klingt mir ein wenig sehr nach dem im 19. Jahrhundert aufgekommenen Mythos vom Übermenschen Mozart. Es soll da einen gewissen Joseph Haydn gegeben haben, der für die Entwicklung der Symphonik angeblich bedeutender war, zumindest aber ebenbürtig.

    Lieber Caruso,


    hätte ich um die Aufregung gewusst, die es auslöst, hätte ich die Formulierung vermieden. Nun wird gar schon der "GröFaZ" erwähnt.

    Im Feuilleton hat man offenbar kein Problem damit:


    "Und so ist Sir Simon unter den großen Dirigenten unserer Zeit derjenige mit der gewiss steilsten, schnellsten und buntesten Karriere." (Eleonore Büning, FAZ)


    "Sir Simon Rattle - er ist einer der ganz großen Dirigenten - und er kommt nach München zum BR." (BR)


    "[Einer der] ganz, ganz großen Dirigenten, der viel Frischluft in unsere Stadt gebracht hat." (Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrates und Geschäftsführer des Deutschen Musikrates, Deutschlandfunk Kultur)


    "Rattle, einer der großen Dirigenten unserer Zeit [...]" (Jürgen Kanold, Südwest Presse)


    "Mit Zuckerbrot und Peitsche, so machen es alle großen Dirigenten." (Manuel Brug, Die Welt)

    Gut, dass das nochmal betont wird: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist ja wirklich ein Rundfunkorchester. Irgendwie nehme ich dieses aber am wenigsten von allen deutschen Rundfunkorchestern als solches wahr. Es hatte bereits unter Jochum den besseren Ruf als die Münchner Philharmoniker, die in derselben Stadt sitzen und lange als zweitrangig galten. Daran konnte auch die Ära Celibidache nicht arg viel ändern, da man die Aufnahmen nach meiner Wahrnehmung primär wegen ihm, nicht wegen des Orchesters hört.

    Weil hier die Rede von fast nur mehr angepasst-freundlichen Dirigenten ist: Was ist mit Thielemann bei der Staatskapelle Dresden? Was mit Muti beim Chicago Symphony Orchestra? Die stehen doch durchaus im Rufe, "schwierig" zu sein und sind trotzdem weltweit begehrt. Der eine amtiert seit neun, der andere seit elf Jahren bei diesen Weltklasseorchestern. Hört man die Aufnahmen, so fallen sie gegenüber ihren Vorgängern insgesamt wohl schwerlich ab. Sollte man nicht auch langsam von einer Ära Thielemann in Dresden und einer Ära Muti in Chicago sprechen?

    Bei aller berechtigten kritischen Betrachtung dieser Personalie, ist doch nicht zu leugnen, dass Rattle einer der großen Dirigenten unserer Zeit ist. Ich bin auch nicht sein größter Fan, aber 16 Jahre Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, derzeit Chefdirigent des London Symphony Orchestra und beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks designiert - das soll ihm erst einmal einer nachmachen. Ich finde daher auch die häufig im Feuilleton zu lesende, abwertende Bezeichnung als "Lockenkopf" oder "Wuschelkopf" völlig unangebracht. Diese Reduzierung auf eine Äußerlichkeit ist unschicklich. Der Mann ist bereits seit 1994 zum Ritter Ihrer Majestät geadelt und seit 2014 sogar Mitglied des Order of Merit (OM), eine der höchsten Auszeichnungen überhaupt, die auch bei weitem nicht jeder Dirigent bekam, der es zum Sir brachte. Es ist auch beruhigend zu sehen, dass spätestens mit Rattle der Beweis erbracht wurde, dass ein Dirigentenleben nach Beendigung der musikalischen Führung der Berliner Philharmoniker nicht zu Ende sein muss. Schon Claudio Abbado übernahm nach seiner Berliner Zeit das Lucerne Festival Orchestra. Rattle ging noch einen Schritt weiter. Diese besonders in der deutschen Presse gern bediente Überhöhung der Berliner Philharmoniker ist heutzutage schlichtweg absurd und übernimmt unhinterfragt den von diesem Orchester gepflegten Mythos. Wieso sollte es Rattles Lebensplanung nicht erlauben, dass er mit dann 68 Jahren nochmal einen Chefdirigentenposten übernimmt? Christoph Eschenbach übernahm mit beinahe 80 noch das Konzerthausorchester Berlin.


    Rattles Debüt beim BR-Symphonieorchester erfolgte 2010 erstaunlicherweise mit Schumanns "Das Paradies und die Peri". Die Zusammenarbeit hat sich offenkundig bewährt. Insofern begrüße ich es letztlich, dass man nun den logischen Schritt gesetzt hat. Und schaut man sich sonstwo um, so haben ja auch andernorts die Spitzenorchester Probleme, heutzutage überhaupt noch Chefdirigenten-Nachfolger zu finden. Erinnern wir uns etwa zurück an das Jahr 2018, als das Chicago Symphony Orchestra niemanden Adäquaten aufbieten konnte, so dass Riccardo Muti seinen eigentlich 2020 auslaufenden Vertrag nochmal um zwei Jahre verlängerte. Nun sind drei Jahre ins Land gegangen und noch immer ist die Muti-Nachfolge ungeklärt. Und auch das Concertgebouw-Orchester hat scheinbar noch niemanden gefunden.

    Wahrlich ein Klassiker, den ich mir schon lange als Buch vorgenommen habe, ihn mir vor Jahren auch zulegte, aber nicht sehr weit mit dem Vorhaben kam.


    In Folge 2 des Literarischen Quartetts vom 3. Juni 1988 wurde Ecos Roman besprochen. Leider ist das eine der wenigen Folgen dieser Reihe, die mir nie über den Weg liefen. Zu gerne hätte ich Marcel Reich-Ranickis Meinung dazu gehört.

    Die beiden genannten Verfilmungen haben für sich genommen durchaus ihre Meriten. Die ältere mit Sean Connery und F. Murray Abraham ist als reine Adaption schon Klasse. Die neuere ist als Serie länger und ausführlicher, in diesem und jenem Punkt sogar überzeugender, in anderen dann wiederum nicht.



    Was ist von der Hörbuch-Fassung mit Gert Heidenreich (26 h 10 m) zu halten? Scheinbar die einzige wirklich komplette auf Deutsch. Da ich mit Hörbüchern bisher ausnahmslos nur gute Erfahrungen machte (wobei ich im Vorab immer testete, ob ich mit dem Sprecher klarkomme), würde mich das evtl. durchaus reizen.

    OperaDepot ist wirklich teils kurios bei der Beurteilung der Klangqualität. Was da manchmal unter "sehr guter Klang" läuft, ist - in den Worten des geschätzten teleton - "Monoschrott" der untersten Schublade. Aber ab und an gibt es da auch echte Entdeckungen zu machen, wie die frühe "Walküre" in Stereo mit der Nilsson unter Gielen aus Stockholm. Das Klangbeispiel des hier genannten Wiener "Holländers" von 1966 lässt mich nicht unbedingt zum Kauf schreiten.

    Mit der Überschrift bin ich nicht ganz glücklich, denn sie suggeriert, dass Rattle aus Deutschland weg war. Sein Wohnsitz blieb meines Wissens in den letzten Jahren Berlin und gastiert/dirigiert hat er in den letzten Jahren in Deutschland auch, mindestens in Berlin und München. Und der Umfang dieser Chefdirigentenverträge ist ja nicht mehr so, dass man sie nicht in zehn bis zwölf Wochen abreißen könnte...

    Guter Punkt. Habe es abgeändert.

    Wenn ich richtig informiert bin, wurde Rattle bei seinem Wechsel an die Spitze des LSO seinerzeit mehr oder weniger zugesichert, dass er diesen neuen Konzertsaal bekommen würde. Das Geld sitzt indes nicht mehr so locker, seitdem der Brexit immer chaotischer abläuft und jetzt auch noch die Pandemie hinzukommt. Da ist vielleicht auch persönliche Frust darob im Spiel, wenn er jetzt wirklich hinschmeißt.

    Der üblicherweise gut informierte Manfred Brug von der "Welt" teilt in einem aktuellen Artikel mit, dass Sir Simon Rattle unverhofft offenbar kurz vor einer Rückkehr nach Deutschland stehe. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks sucht seit dem Ableben von Mariss Jansons vor gut einem Jahr einen neuen Chefdirigenten. Rattle hat bereits häufig in München dirigiert und dort auch einige seiner besten kommerziellen Einspielungen vorgelegt (der sich im Entstehen befindliche "Ring"). Dies hieße folgerichtig, dass Rattles Amtszeit als musikalischer Leiter des London Symphony Orchestra mitten im Brexit- und Corona-Chaos sang- und klanglos enden würde. In London hatte man sich viel vom wohl berühmtesten lebenden britischen Dirigenten erhofft, doch nicht einmal Sir Simon gelang es, einen neuen, endlich den akustischen Erfordernissen gerecht werdenden Londoner Konzertsaal durchzusetzen. Auch deswegen, so Brug, wäre ein Wechsel Rattles zum Bayerischen RSO nach München, wo ein solcher Konzertsaalneubau ansteht, nur folgerichtig. Die offizielle Verlautbarung durch den scheidenden BR-Intendanten steht noch aus, allerdings spricht tatsächlich einiges für diese Meldung.

    Sehr richtig, die Schlacht bei Riade 933 hätte Heinrich wohl kaum im Zustand, den uns C. B. vorgaukeln will, gewonnen.

    Aber vielleicht sollten noch einige Worte zu dieser Weimarer Urfassung von 1850 fallen, anstatt wieder dem Inszenator ungewollt unnötig viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.


    Das Vorspiel hörte ich mir gestern konzentriert an. Für sich genommen mag diese Lesart das Ihre haben. Wenn man gleich anschließend aber Otto Klemperers EMI-Einspielung auflegt, erkennt man erst den Qualitätsunterschied. Pintscher hat vergleichsweise gar nichts Überirdisches. Welche Expertise hat er eigentlich in Sachen Wagner? Mir kam er nie zuvor unter und scheint wohl vornehmlich Komponist zu sein.

    Noch ein Punkt hierzu: Ein offenkundig körperlich versehrter Herrscher wäre im frühen Mittelalter wohl die längste Zeit auf dem Thron gesessen. Die Fürsten, Grafen und Edlen hätten ihm schwerlich mehr die schwere Bürde der Königsgewalt mit allen damit verbundenen Strapazen zugetraut. Seine Autorität wäre dahin gewesen, seine Herrschaft durch ein Zeichen des Himmels gleichsam delegitimiert worden. Man hätte ihn wohl abgesetzt und durch einen starken Nachfolger ersetzt (genauso erging es etwa Karl dem Dicken ein paar Jahrzehnte vor Heinrich I.).


    Nun ertönen in Wagners "Lohengrin" indes bekanntlich die akklamierenden Rufe "Heil König Heinrich!", die man in dieser feierlichen Intensität keinem Gebrechlichen entgegengebracht hätte. Und wenn der König wörtlich davon spricht, dass er "des Reiches Feind [...] tapfer [...] empfahn" will mit dem "deutsche[n] Schwert", so verstärkt sich der Eindruck nachhaltig, dass hier ein Herrscher in seiner vollen Manneskraft spricht, der seinen Worten auch Taten folgen lassen wird.

    Verlegt man die Szenerie nun natürlich in die Jetztzeit, so gehen all diese fein herausgearbeiteten Hintergründe, die so einfach nur ins Frühmittelalter passen, verloren.