Beiträge von Joseph II.


    Richard Wagner

    Wesendonck-Lieder


    Helena Braun, Sopran

    Orchester des Reichssenders München

    Hans Rosbaud

    Aufnahme: München, 17. Dezember 1944








    Für mich auch nach fast 80 Jahren die Referenz. Welch prachtvoll-üppige Stimme! Welch Textverständlichkeit und Werkdurchdringung! :hail:

    Da kommen wir ja alle zu ähnlichen Ergebnissen. Die mangelnde textliche Durchdringung kann man als Muttersprachler kaum überhören (ich beziehe mich, wie gesagt, auf die Wesendonck-Lieder; der Rest der CD interessiert mich, ehrlich gesagt, nicht besonders und ich fühle mich nicht kompetent genug für eine Wertung). Es mag natürlich sein, dass englischsprachige Rezensenten dies nicht so hoch (zu) gewichten (imstande sind) und auch deswegen positiver urteilen.


    Diese häufig bemühten Vergleiche mit vergangenen Größen, die schwerlich von den jeweiligen heutigen Sängerinnen und Sängern selbst in die Welt gesetzt werden, schaden diesen m. E. auch vielmehr als dass sie nützen. Denn zumindest der Kenner wird dem Vergleich ja auf den Zahn fühlen - und in den meisten Fällen dürfte dann das Urteil eher zu Ungunsten der vermeintlichen Reinkarnationen ausfallen. Natürlich muss das nicht heißen, dass "die Neuen" nichts drauf hätten. Aber man sollte die Kirche schon besser im Dorf lassen.

    Ich habe mir auf Deezer soeben die Wesendonck-Lieder dieser Neuerscheinung angehört (die moderne Technik macht's möglich) und muss Fiesco, wenn auch nicht in dieser Schärfe, doch insofern beipflichten, als mich das Gehörte erstaunlich kaltgelassen hat. Nanu? Die Wesendonck-Lieder liebe ich eigentlich sehr. Ein kurzer Vergleich mit Kirsten Flagstad unter Knappertsbusch (1956) rückte das dann wieder zurecht. Also ehrlich gesagt, da gehört schon viel Phantasie dazu, hier eine neue Flagstad hören zu wollen. Der von Sommeregger gebrachte Vergleich hinkt aber ohnehin, da die Flagstad in der Einspielung bereits über 60 war, während Frau Davidsen Mitte 30 ist. Vom Ausdruck her überzeugt mich das nur bedingt, und auch die Wortdeutlichkeit stellt mich nicht zufrieden. Ich muss gestehen, dass bei diesem Liederzyklus auch Flagstad nicht meine persönliche Favoritin ist, sondern Helena Braun unter Hans Rosbaud (1944), die für mich persönlich unerreicht ist, was Ausdruck und Textverständlichkeit angeht. Die Orchesterbegleitung von Sir Mark Elder in der Neueinspielung reicht m. E. übrigens auch nicht an Kna und Rosbaud heran.

    Den Musikjournalisten pauschal kollektive Lobhudelei zu unterstellen, ist allerdings schon starker Tobak. Zumal gar nicht jede der verlinkten Rezensionen derart überschwänglich ausfällt.

    Andererseits mag Peter Sommereggers Feststellung von einer neuen Flagstad (ebenfalls Norwegerin, ähnliches Repertoire, gleiche Plattenfirma) auch etwas überzogen sein.

    Aus aktuellem Anlass:



    Wolfgang Amadeus Mozart
    Requiem d-Moll KV 626


    Gundula Janowitz, Sopran

    Christa Ludwig, Alt

    Peter Schreier, Tenor

    Walter Berry, Bass
    Chor der Wiener Staatsoper

    Wiener Symphoniker

    Karl Böhm
    Aufnahme: Piaristenkirche, Wien, 12/1971










    Für mich die beste Interpretation aller Zeiten.


    "Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
    Den Vorhang zu und alle Fragen offen."
    (Bertolt Brecht)

    Ich muss ergänzen: Hier ist eine offenbar vollständige Diskographie des Werkes.


    Bereits 1928 (!) gab es demnach eine Einspielung mit Chor:


    Kitschin, Alexander (conductor) / Berlin Philharmonic / Ural Cossack Choir

    Arranged for male chorus and orchestra. Recorded 1928 in Berlin. Matrix 857/60 bm.

    78 (12") — Decca CA 8019/20 [1932]
    78 (12") — Deutsche Grammophon B 21009/12
    78 (12") — Polydor 95054/5
    78 (12") — Polydor BM 857/860
    33 (12") — Russian Disc R 10 01225/6 [1992]
    CD — Pristine Audio PASC 268 [2011]

    Hier käuflich zu erwerben.


    51ahQmdQ0uL._SL300_.jpg


    Manchmal liest man, dass es Igor Buketoff gewesen sein soll, der die Chorfassung erstmals erstellte (sehr fragwürdig - siehe unten). In der Literatur ist zuweilen die Rede von einer Rekonstruktion, was insofern so klingt, als würde es eine von Tschaikowski zumindest erwogene Möglichkeit aufgreifen. Einen wirklichen Quellenbeweis habe ich aber auch nicht. Buketoff setzt den Chor am Anfang, in der Mitte und am Ende ein, wo auch die alte Zarenhymne erklingt. Eingespielt wurde die Aufnahme mit dem New Philharmonia Orchestra sowie dem Cathedral Choir and Children's Choir of St. Ambrose (RCA, 1968).



    Herbert von Karajan spielte das Werk 1966 mit den Berliner Philharmonikern und dem Don Kosaken Chor Serge Jaroff ebenfalls in Chorfassung ein (DG), doch singt der Chor hier nur anfangs.


    61TeUTvDZnL._SL300_.jpg (russ.) 71uPdGUme3L._SL300_.jpg (engl.)


    Eugene Ormandy spielte die 1812-Ouvertüre mehrfach ein, darunter einmal mit russisch singendem Chor (Temple University Choirs/Philadelphia Orchestra; RCA, 1970), aber auch mit englisch singendem Chor (Mormon Tabernacle Choir/Philadelphia Orchestra; Columbia, 1959). Allerdings kommt der Chor auch hier in beiden Fällen nur am Anfang vor.

    Wranitzky: Orchesterwerke Vol. 1 (Naxos)



    Morgen bringt das umtriebige Label Naxos diese Neuerscheinung heraus, offenbar der erste Teil einer größer angelegten Reihe mit Orchesterwerken des Komponisten Paul Wranitzky, der im Wien der 2. Hälfte der 1790er Jahre als bedeutendster Symphoniker galt (Mozart war bereits tot, Haydn komponierte keine Symphonien mehr und Beethoven noch nicht).

    Enthalten sind folgende Werke:


    - "Die Poststation" - Ouvertüre (1794)

    - "Grosse Sinfonie bei Gelegenheit der Erhebung Franzens zum Deutschen Kaiser" (1792)*

    - Sinfonie B-Dur op. 33 Nr. 1 (veröffentlicht 1798)

    - "Das Fest der Lazzaroni" - Ouvertüre (1794)

    - "Das Fest der Lazzaroni" - Serenate (1794)


    Es handelt sich sämtlich um Weltersteinspielungen.


    Es spielt das bereits bewährte Tschechische Philharmonische Kammerorchester Pardubice unter Marek Štilec.


    * gemeint ist die Wahl von Franz II. zum letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1792

    NEODAI-74086.jpg
    Anton Bruckner
    Symphonie Nr. 1 c-Moll (Linzer Fassung 1877, Edition Haas)


    Wiener Philharmoniker

    Claudio Abbado
    Aufnahme: Musikverein, Wien, 11. Juni 1972








    Neben den drei offiziellen Einspielungen gibt es noch ein paar Live-Mitschnitte von Bruckners 1. Symphonie unter dem Dirigat Abbados. Dieser hier erschien sogar auf einer Melodia-Platte. Er klingt erstaunlich gut, präsent und voll. Der Zugriff des damals noch jungen Dirigenten ist sehr zupackend, seine Liebe zum Werk spürbar.

    Auf CD sieht das folgendermaßen aus:



    Anton Bruckner
    Symphonie Nr. 1 c-Moll (Linzer Fassung 1877, Edition Haas)


    Wiener Philharmoniker
    Claudio Abbado
    Aufnahme: Sofiensäle, Wien, 30. November - 2. Dezember 1969









    Bruckners Erste lag Abbado stets am Herzen (Nr. 2, 3, 6 und 8 dirigierte er hingegen nie). Er spielte sie dreimal in drei verschiedenen Editionen ein: 1969 für Decca in der gezeigten Haas-Edition, 1996 für die DG in der Nowak-Edition (beides Linzer Fassung) sowie nochmal 2012 für Accentus in der Brosche-Edition (Wiener Fassung). In meiner persönlichen Beliebtheit hat die Erste sehr stark zugelegt.

    Weiß eventuell jemand, welches die allererste Einspielung der „Rheinischen“ war?

    Lieber hasiewicz,


    nach meinen Informationen ist die allererste Einspielung der "Rheinischen" folgende Aufnahme:


    PASC335_530x.jpg


    Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire

    Piero Coppola

    Aufnahme: Salle Rameau, Paris, 7.-8. November 1933

    Disque Gramophone DB 4926-28


    Erschienen bei Pristine Audio.


    Danach kommen Bruno Walter (1941), Dimitri Mitropoulos (1947) und Arturo Toscanini (1949).

    Liebe Freunde,


    die Exton-Aufnahme der Fünften von Tschaikowski wurde von Manfred Honeck und dem Pittsburgh Symphony Orchestra, dessen Emblem sich im Booklet findet, nicht unwillkürlich zur Veröffentlichung freigegeben, stellt also gewissermaßen bis heute die offizielle Lesart dieses Dirgenten in seiner Diskographie dar. Honeck, der sich auch im Booklet kurz äußert, hat die Fünfte später nicht neu eingespielt, weswegen ich davon ausgehe, dass er auch heute noch mit seiner Interpretation zufrieden ist. Sie findet sich sogar noch bei jpc, ist also nicht vergriffen. Um den Versuch zu unternehmen, die Faszination, die dieser Dirigent auf das US-Orchester damals ausgeübt haben muss, nachzuvollziehen, ist sie wohl schlechterdings die erste Wahl. Vielleicht hört ja jemand hier auch noch in dieselbe hinein. Man findet sich nicht nur im Handel, sondern auch bei diversen Streaming-Diensten.



    Manfred Honeck hat mittlerweile die drei späten Symphonien von Tschaikowski mit den Pittsburghern vorgelegt. Nr. 5 war sogar sein erstes Konzert mit diesem Orchester, datiert auf 2006 und erschien noch bei Exton. Nr. 4 und 6 wurden 2015/16 bei Reference Recordings eingespielt.


    Die Fünfte habe ich mir vorhin komplett angehört. In den Kritiken kam die Interpretation überwiegend sehr gut weg und galt im Nachhinein sogar mit als Grund für die Wahl zum Chefdirigenten in Pittsburgh. Tatsächlich hat Honeck ein sehr eigen(willig)es Konzept der Auslegung. Ich glaube, op. 64 von den Tschaikowski-Symphonien am besten zu kennen, aber derart piano habe ich das Stück wohl noch nicht vernommen. Ob das auch auf die Tontechnik zurückzuführen ist, will ich nicht endgültig entscheiden. Das Orchester klingt bei den leisen Stellen schon weit entfernt, was gewöhnungsbedürftig ist. Vielleicht bin ich bei Tschaikowski einfach zu stark durch Dirigenten wie Swetlanow, Bernstein und Stokowski geprägt, aber man könnte das, was die Kritiken als besonders filigran und ausgeleuchtet bezeichnen, auch für leicht unterkühlt halten. Ich muss gestehen, dass mich die ersten drei Sätze emotional überhaupt nicht erreicht haben. Das Pittsburgh Symphony Orchestra spielt großartig, besonders die Blechbläser fielen mir positiv auf (erinnert gar an den Klang des CSO), doch erlaubt Honeck dem Paukisten stellenweise scheinbar nur eine Art "Antippen", so dass hier nicht mit voller Ekstase ausgespielt wird. Es fehlt mir das Pathos. Das änderte sich erst im Finalsatz, den ich auch als den gelungensten empfand. Hier wird man dann doch noch wachgerüttelt, auch wenn nicht die Gluthitze meiner bevorzugten Interpreten erreicht wird. Alles in allem eine ziemlich sonderbare Einspielung, die zumindest bei mir doch einige Fragezeichen hinterlässt.

    Nach Passion ist mir nicht zumute. Stattdessen:



    Pjotr Iljitsch Tschaikowski
    Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64


    Pittsburgh Symphony Orchestra

    Manfred Honeck
    Aufnahme: Heinz Hall, Pittsburgh, 12. & 14. Mai 2006









    Diese Aufführungen spielten angeblich eine nicht unwichtige Rolle bei der kurz darauf erfolgten Wahl Honecks zum Chefdirigenten des PSO.

    Werter Caruso,


    wir müssen ja nicht sarkastisch werden. Ich wollte das mit dem Purismus nicht verletzend herüberbringen. Es ist natürlich legitim, wenn man die Partiturvorgaben als maßgeblich ansieht und jedwede dirigentische Freiheit kritisiert. Mein eigener Zugang ist das zwar nicht, aber Dirigenten wie Honeck können gut begründet behaupten, den Willen des Komponisten möglichst genau erfüllen zu wollen. Und damit wir uns nicht falsch verstehen: Honeck macht das handwerklich sehr gut, und ich wollte sein dirigentisches Können mitnichten anzweifeln. Wenn mich andere Dirigenten noch mehr ansprechen, so bedeutet es nicht zwangsläufig, dass ich damit "richtig" liege. Ich bin gerne offen und werde mir beizeiten weitere Aufnahmen Honecks zu Gemüte führen. Mit einem Live-Erlebnis wird das auf absehbare Zeit ja wohl eher nichts werden.

    Beste vorösterliche Grüße

    Das war mir tatsächlich nicht bekannt. Ich schaue aber auch nur sehr selten mal einen "Tatort", und wenn, dann sind das eigentlich nur Fälle aus Wien, Köln, München oder Münster (auch wenn letzteres m. E. stark an Qualität einbüßte).


    Man müsste heutzutage wohl auch die sog. "Influencer" (furchtbarer Begriff, ich weiß, der mich zudem an Influenza erinnert) denken. Diverse "YouTube-Berühmtheiten" oder "Instagram-Stars" hätten da wohl durchaus einen gewissen Einfluss. Nun verfolge ich diese Szene überhaupt nicht. Vielleicht gibt es das ja stellenweise sogar bereits.

    Es braucht bekannte Gesichter, um die Masse für die klassische Musik zu begeistern.

    Die Schauspieler Devid Striesow und Axel Ranisch

    Bin ich der einzige, der erst nach den beiden Namen googeln musste? Striesow meine ich zumindest schon in irgendeinem Film gesehen zu haben.

    Da bräuchte es wohl schon andere Kaliber, um die breite Masse für Klassik zu begeistern (sofern dieses Konzept Erfolg verspricht). Ich denke an die Liga Tom Cruise oder Daniel Craig. :D Wenn Ethan Hunt ("Mission: Impossible") und James Bond Klassik propagierten, könnte das ja plötzlich "cool" sein bei der Jugend.

    Dass Honeck, der ja in der Tradition des nüchternen, seriösen, werkdienlichen Kapellmeisters zu stehen scheint, keine Begeisterungsstürme entfacht wie diverse andere "Pultstars", die vielleicht nicht immer partiturgetreu, dafür aber mit höchster Ekstase und erkennbarer eigener Handschrift durchaus streitbar zu Werke gehen, verwundert mich nun wahrhaftig überhaupt nicht. Für Puristen ist ein Honeck freilich ein Labsal.

    Ich denke, wir neigen dazu zu übersehen, dass klassische Musik für einen Großteil der Bevölkerung schlichtweg überhaupt keine Rolle spielt. Das war aber vor 50 und 100 Jahren auch nicht viel anders. Das Problem ist eher, dass die klassikaffinen und zahlungskräftigen Eliten wegbrechen bzw. bereits weggebrochen sind. Elite definiert sich heutzutage längst anders. Da ist es nicht mehr zwingend notwendig, ein Interesse für Klassik zumindest vorzugaukeln. Es ist insofern keine allzu überraschende Entwicklung, dass nun alles zusammengespart wird. Mit Klassik kann man die Masse ohnehin nicht gewinnen, es dürfte daher auch kein wahlentscheidendes Thema sein.

    NEODAI-74086.jpg
    Anton Bruckner
    Symphonie Nr. 5 B-Dur (Fassung 1878, Edition Haas)


    NHK Symphony Orchestra

    Günter Wand
    Aufnahme: NHK Hall, Tokio, 14. November 1979








    Die NHK-Aufnahmen Günter Wands sind echte Geheimtipps. Mit dem Orchester des Japanischen Rundfunks hat er regelmäßig großartige Ergebnisse erzielt. Der Mitschnitt klingt zudem sehr überzeugend.

    PROKOFJEW, Sergei: Lieutenant Kijé (Leutnant Kische) op. 60

    Kije1934.jpg


    Ursprünglich handelt es sich bei Sergei Prokofjews "Lieutenant Kijé" um Filmmusik zur satirischen Novelle "Secondelieutenant Kische" von Juri Nikolajewitsch Tynjanow von 1927, die von der ausufernden Bürokratie unter Zar Paul I. (reg. 1796-1801), dem Sohn und Nachfolger Katharinas der Großen, handelt.


    Die Suite mit der Opuszahl 60 von Prokofjew existiert in zwei Fassungen: Einmal mit Baritonstimme (in den Sätzen 2 und 4) sowie mit Saxophon. Letztere diente auch als Musik für das gleichnamige Ballett und konnte sich allgemein durchsetzen. Die Erstaufführung der Suite fand am 21. Dezember 1934 unter Leitung des Komponisten in Paris statt. Auch daher bürgerte sich die französische Schreibweise des Namens Kijé ein.


    Die Musik wurde später in zahlreichen anderen Filmen zitiert.


    Die Suite gliedert sich wie folgt:


    I. Kijés Geburt (Allegro)

    II. Romanze (Andante)

    III. Kijés Hochzeit (Allegro fastoso)

    IV. Troika (Moderato)

    V. Kijés Begräbnis (Andante assai)


    Einspielungen der Fassung mit Saxophon:



    Einspielungen der Fassung mit Bariton:


    coverroj83.png

    Ich habe soeben mal kurz in die beiden Aufnahmen hineingehört. Klanglich ist das schon hart an der Grenze des mir mittlerweile Erträglichen. Der Kölner Mitschnitt datiert vor Klemperers Brandunfall, als er allgemein noch deutlich flotter unterwegs war. Es ist schon recht bedauerlich, dass er die Achte (und Neunte) für EMI erst 1970 in Stereo einspielen konnte, als seine Kräfte merklich am Ende waren. Dieses Manko tritt bei den zuvor eingespielten Bruckner-Symphonien (Nr. 7 1960, Nr. 4 1963, Nr. 6 1964, Nr. 5 1967) noch weit weniger zu Tage. Die Fünfte hörte ich gerade heute. Sie ist vielleicht ein wenig steif, aber selbst in den späten Aufnahmen sieht man die typische Klemperer-Tendenz, die langsamen Sätze in Relation flott zu nehmen. Lediglich in seinen allerletzten Tondokumenten (ab etwa 1970) sind einfach alle Sätze langsam, was sicher Klemperers Gebrechlichkeit zuzuschreiben ist.

    NEODAI-74086.jpg
    Anton Bruckner
    Symphonie Nr. 5 B-Dur (Fassung 1878, Edition Nowak)


    New Philharmonia Orchestra

    Otto Klemperer
    Aufnahme: Kingsway Hall, London, 9.-11., 14. & 15. März 1967








    Traf heute bereits als japanische HQCD ein (gebraucht, aber quasi neuwertig). Die im Vergleich zur Standard-CD verbesserte Klangqualität fällt sofort auf.