Beiträge von Mengelberg

    Lieber Theophilus,


    freilich meine ich es ernst! :]


    Du wirst ja meine E-Post-Adresse hier finden. Wer eine Kopie möchte, kann sich gerne bei mir melden. Ich bin jetzt allerdings für drei Wochen nicht zu Hause, so daß es noch etwas dauern kann. Aber im Prinzip gerne. Ich habe auch noch andere Aufnahmen von Björling, die man im Handel nicht bekommen kann, und ich teile gerne! Alles weitere dann aber per E-Post, denn hier geht es ja schließlich um gute Tosca-Aufnahmen, an die man auch ohne das Begehen obskurer Wege herankommen kann (wenn ich mich nicht irre!) ;)


    Beste Grüße!

    Björling hat den Cavaradossi außerdem noch einmal 1959 an der Met gesungen. Die entstandene Aufnahme mit einem sehr dunklen und zugegebenermaßen sehr bösen MacNeil und der bestens aufgelegten Curtis Verna halte ich für die beste Tosca-Aufnahme. Mitropoulos ist wie immer inspiriert und elektrisiert vom ersten Takt an. Björling war in absoluter Bestform. Ich habe auch noch einen Privatmitschnitt von 1956 mit Björling und Milanov (auch unter Mitropoulos), der ist auch mit Worten kaum zu beschreiben. Schade, daß man an diese wirklich hervorragenden Aufnahmen so schlecht herankommt... (aber vielleicht könnte man für die JB-Fans unter Euch ja mal eine CD zusammenstellen... :rolleyes: )


    Das "hervorragend" bezieht sich aber auch nur auf das Musizieren. Wer eine tolle Aufnahmetechnik will, sollte die Pfoten davon lassen...


    Tosca, finde ich übrigens, braucht unbedingt live-Atmosphäre. Wenn's denn unbedingt eine Studio-Aufnahme sein soll, dann würde ich immer noch die alte mit Apollo Granforte empfehlen, weil der so einen wunderbar bösen und schwarz-timbrierten Scarpia gibt.

    Zitat

    Dazu ein Zitat von Dmitri Schostakowitsch: "Ich hasse Toscanini. Ich hörte auch seine Platten - sie taugen nichts!"


    Was für ein wundervolles Zitat! :D Kannst Du genau sagen, wo es zu finden ist?


    Dirigenten, die ich nicht besonders leiden kann:


    Toscanini. Seine Aufnahmen - dieser trockene, steife Klang - finde ich fürchterlich. Einzige Ausnahme ist eine Aufnahme des Respighi-Triptychons vom Anfang der 1950er Jahre.


    Solti. Da klingt alles so hart und kantig, es mag zu Bartók passen, aber nicht zu Verdi und nicht einmal zu Wagner.


    Barenboim. Da mangelt es für mich an Spannung und präzision.


    Ashkenazy. War schon als Pianist eher glanzlos, und es hätte nicht Not getan, diesen stumpfen, uninspirierten Klang auf ein Orchester zu übertragen. Bei ihm fehlen mir immer die großen Linien.


    Thielemann. Habe Bruckners Fünfte neulich live gehört, und ich dachte: Was ist denn das für fürchterliche Musik. Ich mußte dann zu Hause Furtwängler hören um zu begreifen, daß es nicht an Bruckner, sondern am Dirigenten lag... :rolleyes:


    Erede. Der killt so ziemlich jede Aufnahme mit seinem biederen, schulmäßig-langweiligen Abspielen.


    Damit es nicht ganz so destruktiv ist, sage ich noch, wen ich sehr mag:
    Mengelberg (ach wirklich? :rolleyes: ), Furtwängler, de Sabata, Kabasta und Klemperer.


    Schöne Grüße an alle (und nichts für ungut, falls sich jemand durch meine Kritik auf den Schlips getreten fühlen sollte...)!

    La Bohème habe ich geliebt, bevor ich Italienisch gelernt habe. Als ich wußte, was da gesungen wird, war ich schon ein wenig enttäuscht (soviel zum Thema: Wie wichtig ist Euch das Libretto). Ich mag Björling (1956) sehr, aber Beecham scheint die Musik zu sehr zu mögen, da er alles in für mich zu langsamen Tempi alles etwas zu genußvoll ausbreitet. Als Rodolfo gefallen mir auch Gedda (wegen des Timbres) und Wunderlich (wegen mangelnder Italianità) nicht besonders. Pavarottis Stimme klang im Theater ziemlich klein, deshalb finde ich auch ihn nicht überzeugend. Zu Gianni Poggi kann ich nur sagen, daß er mit seiner Trägheit (mangelnde Musikalität) nichts Positives zur Aufnahme beitrug, meiner Meinung nach jedenfalls. Tebaldi fand ich für Mimì immer ein wenig zu schwer. Frühe Aufnahmen (San Carlo 1951) sind allerdings doch sehr schön. Freni als Mimì war wirklich gut - ich wünschte mir nur, sie wäre bei diesen Rollen (himmlisch: Suzel) geblieben und hätte sich nicht in Partien wie Aida verstiegen.


    Das hohe C finde ich sehr wichtig. Es ist ein Ton mit einer ganz besonderen Spannung, ganz anders als ein H - und Puccini hat die Arie außerdem gewiß nicht ohne Grund in C-Dur geschrieben. Transponieren ist meiner Meinung nach eine Unart, da der Charakter des Stückes durch eine andere Tonart ein ganz andere wird - literarisch gesprochen: ein ganz anderes Register. Ich kann sofort hören, wenn eine Arie transponiert ist. Die Gelida verliert derart an Spannung, daß sie regelrecht langweilig wird.


    Kennt jemand von Euch Giuseppe Lugo? Der hatte ein herrliches hohes C und hat einige wunderschöne Aufnahmen der Gelida gemacht (Preiser), leider aber keine Gesamtaufnahme. Oder Francesco Albanese, der war als Rodolfo auch großartig. Auch mit dem Aragall der 1960er Jahre bin ich einverstanden, wenn er denn mal in Form war. Ansonsten gibt es für den Rodolfo für mich nur einen Tenor, und das ist Gianni Raimondi.


    Schöne Grüße an alle!

    Liebe Freunde,


    ich bin auf der Suche nach Informationen über den Tenor Pompeo Greotti, der in den 1960er und 1970er Jahren wohl in Deutschland und der Schweiz aktiv war. Wer kennt ihn?


    Schöne Grüße!

    Also die besten Aufnahmen dieser Opern sind m.E. die folgenden:


    CAVALLERIA
    Metropolitan Opera 1959
    Turiddu: Jussi Björling
    Santa: Giulietta Simionato
    Aflio: Walter Cassel
    Dimitri Mitropoulos


    Das ist vielleicht Björlings allerbeste Aufnahme, sie dürfte allerdings schwer zu bekommen sein.


    außerdem:
    CAVALLERIA
    RAI 1959
    Turiddu: Daniele Barioni
    Santuzza: Mara Coleva
    Alfio: Giulio Fioravanti
    Franco Mannino


    Eine wundervolle Aufnahme des RAI-Archivs.


    PAGLIACCI
    Rom 1946
    Canio: Galliano Masini
    Nedda: Corradi
    Tonio/Silvio: Tito Gobbi
    Giuseppe Morelli


    Diese Aufnahme ist als Film mit Gina Lollobrigida erschienen. Ob es sie auf CD gibt, ist mir nicht bekannt.


    PS: Die Oper heißt außerdem Pagliacci und nicht I Pagliacci.

    Zitat

    Original von heldenbariton
    Was sagt ihr zu dem "Met"-Mitschnitt mit Björling, Söderström, Siepi unter Morel ?


    Die Protagonisten sind (meine Meinung) rollendeckend eingesetzt, allerdings kämpft Siepi mit der französischen Sprache, die unterschätzte und unterrepräsentierte Söderström ist fantastisch.


    Da finde ich die Aufnahme von 1950 mit Björling, Siepi und Kirsten besser. Björlings Stimme war in der Aufnahme von 1950 besser in Schuß, und auch Siepi hat noch nicht so gewackelt. Der Valentin von Merrill ist freilich besser als der von Guarrera.
    Faust ist eine Oper, die ich überhaupt nicht leiden kann. Es gibt eigentlich nur zwei Aufnahmen, die ich hören mag, und die sind beide leider nicht auf Französisch. Ich mag die 1938-er Produktion mit Rosvaenge, Bohnen und Singenstreu (hauptsächlich wegen Bohnen) und vor allem die Aufnahme des RAI mit einem überragenden Nicola Rossi Lemeni als Mephisto, Eugenio Fernandi als Faust und Renata Scotto als Marguerite. Armando La Rosa Parodi formt diese Oper zu etwas, das selbst einen gestandenen Faust-Verächter (wie mich) überzeugt hat.

    Zitat

    Original von severina
    Also gerade auf den Schweiß verzichte ich gerne! Was die opulente Zeffirelli-Ausstattung betrifft: Warst du schon einmal in St.Agatha, Verdis Landhaus? Ich denke, dass ihm die "Traviata"-Verfilmung seeeehr gefallen hätte. ;)
    lg Severina


    Nein, da war ich tatsächlich noch nicht. Aber was hat denn sein Landhaus mit der Oper zu tun? Ich denke, die spielt in Paris.

    Opernfilmen (die mit Kinomitteln und mit Playback arbeiten) stehe ich mit grundsätzlicher Skepsis gegenüber. Kaum ein Theatermann des 19. Jahrhunderts dürfte in Kinoästhetik gedacht haben, und das Element des schwitzenden, kämpfenden, alles gebenden Sängers fehlt mir unendlich. Es gehört für mich jedenfalls zur Oper dazu und macht einen großen Teil der Faszination der Oper auf der Bühne aus. In diesem Zusammenhang kann ich nur sagen, daß ich ganz besonders die Filme von Franco Zeffirelli unerträglich finde. Das ist meiner Meinung nach musealer italienischer Kitsch vermengt mit Hollywood-Pathos und ganz gewiß nicht das, was etwa ein Verdi wollte (das behauptet nämlich Zeffirelli). Ich breche keine Lanze für Herrn Neuenfels, aber etwas interessanter als bei Signor Zeffirelli darf Oper dann doch sein.

    Meine Auswahl:


    12 Lotte Lehmann
    11 Kirsten Flagstad (vor 1945)
    10 Frida Leider
    09 Meta Seinemeyer
    08 Kerstin Torborg
    07 Margarethe Teschemacher
    06 Licia Albanese
    05 Maria Pedrini
    04 Gina Cigna
    03 Nellie Melba
    02 Gré Brouwenstijn
    01 Soile Isokoski (wegen der schönen Aufnahme der Rautavaara-Lieder)


    Beste Grüße

    Zitat

    Original von Theophilus
    Über die Bosheit des Duca wurde schon ausreichend diskutiert. Er ist auch nicht vulgär, sondern kann den Leuten nach ihrem Mund reden. So gibt er sich unter vulgären Leuten eben vulgär, und das ist ein großer Unterschied.


    Also, auch wenn Du meinst, daß es da nichts mehr zu sagen gibt: ein Mensch, der glaubt, daß er sich unter vulgären Menschen vulgär, bzw. unter Bösen böse benehmen darf, ist nicht nur moralisch unterentwickelt, sondern deshalb selber vulgär und böse. Das finde ich jedenfalls.


    Zitat

    Original von TheophilusIst Turridu böse? Er ist vielleicht rücksichts- und verantwortungslos gegenüber Santuzza, aber er kommt einfach nicht von seiner großen Liebe los.


    Welcher Stelle im Libretto entnimmst Du, daß Lola die "große Liebe" Turiddus sei? Das finde ich sehr fragwürdig. Turiddu lügt und betrügt, wo er kann (Alfio ist ein anderer Betrogener), und ich würde ihm nicht über den Weg trauen. Zu "großer Liebe" scheint er mir schon deshalb von vornherein unfähig. Überhaupt: Warum sollte ein "Nicht-Loskommen" von der froßen Liebe schändliches Verhalten rechtfertigen?


    Zitat

    Original von TheophilusIn Summe wahrscheinlich ein eher negativer Charakter, aber vermutlich dennoch ein charmanter Typ, der gut bei Frauen ankommt.


    Wie Don Giovanni und B. F. Pinkerton, der kommt bei den Frauen auch gut an! Was ihn aber kaum rehabilitiert, oder? [warum gibt es kein Augenzwinker-Emoticon, das hätte hier hin gesollt!]


    Zitat

    Original von TheophilusDie Rache der Santuzza ist aber auch nicht ohne. Sie weiß, dass sie einen der beiden Männer ans Messer liefert...


    Vollkommen einverstanden. Es gibt in dieser ganzen Kurzoper eigentlich niemanden, der wirklich sympathisch ist.


    Zitat

    Original von TheophilusWarum aber Calaf der böseste aller Tenöre sein soll, will sich mir überhaupt nicht erschließen...


    Er läßt seinen blinden Vater im Stich. Er läßt Liù für sich sterben. Ihm ist "die ganze Welt egal" ("crollasse il mondo, voglio Turandot"), wenn er denn nur Turandot bekommt. Der Chor der vor Todesangst zitternden läßt ihn vollkommen kalt. Dann ehelicht er die, die für all das Grauen verantworlich ist. Kein Wunder, daß Puccini so etwas nicht zu Ende schreiben konnte (und kein Wunder, daß er Liù für Adami und Simoni erfinden mußte, weil er sonst keine Autorenfigur in der gesamten Oper gehabt hätte.)


    Zitat

    Original von TheophilusGounods Faust wurde nach der Walküre komponiert. Ich höre vor Hunding aber auch in der Szene Rigoletto-Sparafucile im 1. Akt


    Faust UA 1859, Walküre UA 1870 dachte ich. Daß Wagner schon früher Skizzen für seine Musik hatte halte ich für irrelevant, da sie ja so keinen Einfluß auf Zeitgenossen ausüben konnte. Spielt aber eigentlich eh' keine Rolle.
    Die Musik Verdis scheint mir noch immer zu glatt und zu cantabile als daß sie an diese nahezu angsteinflößenden Momente der Walküre (und des Lohengrin) herankommen könnte. Selbst Jago scheint mir musikalisch gegenüber gewissen Wagner-Gestalten ein echtes Leichtgewicht zu sein. Das ist (mir ist es klar) natürlich äußerst subjektiv.


    Viele Grüße!

    Also, wenn Alagna in der Scala eine Rolle singt, die ihm (freundlich ausgedrückt) nun wirklich nicht auf den Leib geschneidert ist, muß er sich nicht wundern (und wenn man daran denkt, wie er am Schluß so divenhaft die Arme ausbreitet, schon gar nicht.).


    Aber was anderes: Ich finde dieses Thema (Bösewichte) sehr interessant, und ich halte es für etwas weiter spinnbar. Ich finde den Duca böse und vulgär (kurz vor "La donna è mobile" verlangt er im Originaltext "tua sorella e del vino"). Andere böse Tenöre sind z. B. Turiddu und vor allem Calaf, der m.E. alle anderen Kollegen in seiner Stimmgattung übertrifft.


    Was mich aber besonders fasziniert, ist, wie das Böse dieser Gestalten musikalisch umgesetzt wird. So richtig "böse" Musik gibt es meiner Meinung nach erst bei Hunding. Alles davor (z.B. Freischütz oder Faust) kann unheimlich wirken, aber nicht böse. Figuren, die Wagner in der Hunding-Musik geschrieben hat, sind dann später bei einigen sehr gruseligen Stücken von Bartók wiedergekehrt und sogar im Soundtrack des Dracula Movies von Coppola.
    Wo sonst findet sich Eurer Meinung nach "böser" Sound?

    Zitat


    PS: ähem, dieses Voting gilt doch allein den Sängern, oder?


    Richtig. Und da ich's jetzt nach Zeitüberschreitung nicht mehr ändern konnte, schreib' ich's nochmal - und diesmal ohne die Frauen:


    12 Set Svanholm
    11 Jussi Björling
    10 Rudolf Laubenthal
    09 Heinrich Schlusnus
    08 Helge Rosvaenge
    07 Francesco Albanese
    06 Torsten Ralf
    05 John Forsell
    04 Carl Martin Öhman
    03 Lauritz Melchior
    02 Gianni Raimondi
    01 Ettore Bastianini

    Ja, Schlusnus war großartig!


    Meine momentane Liste:


    12 Set Svanholm
    11 Jussi Björling
    10 Lotte Lehmann
    09 Rudolf Laubenthal
    08 Heinrich Schlusnus
    07 Helge Rosvaenge
    06 Kirsten Flagstad
    05 Francesco Albanese
    04 Licia Albanese
    03 Gianni Raimondi
    02 Ettore Bastianini
    01 Maria Pedrini


    Gut, daß es nur für ein halbes Jahr gilt! Wahtrscheinlich schaue ich heut' abend nochmal drauf und denke :motz:

    Ich weiß nicht, ob ich es übersehen habe, aber der Komponist meines Lieblingsrequiems wurde hier noch gar nicht genannt:


    Ildebrando Pizzetti.


    Wer es nicht kennt, dem sei es wärmstens empfohlen. An zweiter Stelle würde bei mir Mozart kommen, über den Rest der Reihe bin ich mir nicht sicher. Verdis Requiem mag ich nicht besonders, einige Stellen sind mir einfach zu grob und andere etwas zu opernhaft.

    Set Svanholm ist mein Lieblingssänger, und ich habe mich gefreut zu sehen, daß man sich hier an ihn erinnert. M.E. verdient er mehr Aufmerksamkeit, natürlich als Wagner-Interpret, aber auch für seine Leistungen im italienischen Fach. Ich besitze eine wundervolle Aufnahme seines Otello aus dem Jahre 1947 von der San Francisco Opera (mit L. Albanese) und eine Aida (mit S. Roman) von der Metropolitan, die ich nur weiterempfehlen kann. Bluebell hat eine schönes Portrait in der Serie "Great Swedish Singers" herausgebracht, auf dem Svanholm kurioserweise auch als Bariton im Largo al Factotum zu hören ist. Ich kann mich, was das Lied von der Erde angeht, nur den Anderen anschließen: eine wundervolle Aufnahme. Sehr imposant ist auch sein Siegfried (Götterdämmerung) in einem Bayreuther Mitschnitt aus dem Jahre 1942 (Preiser). Die Aufnahme ist technisch ausgezeichnet, etwas schwach ist nur die Brünnhilde von Martha Fuchs.
    Was Das Lied von der Erde betrifft: Es gibt eine Aufnahme mit einem anderen schwedischen Tenor, nämlich Carl Martin Öhman, die sehr zu empfehlen ist (unter Schuricht, Concertgebouw 1939).


    Schöne Grüße aus Berlin.