Beiträge von Mengelberg

    Ich möchte meine Auswahl erweitern und sie diesmal auch begründen. Ich hatte das versäumt.


    Nr. 1: Joseph Calleja
    Nr. 2: Anna Netrebko
    Nr. 3: Joan Sutherland
    Nr. 4: Paolo Gavanelli
    Nr. 5: David Hobson


    Ich zähle noch dazu:


    Nr. 6: Zinka Milanov
    Nr. 7: Kurt Baum


    Begründung: Was Calleja betrifft, siehe die Diskussion im Calleja-Thread. Da ging allerdings sofort das Hick-Hack mit einem beleidigten Fan los (an dieser Stelle :jubel: für Steffens Hinweis auf die Doppeldeutigkeit dieses Wortes).
    Netrebko mag ich nicht, weil sie unrein singt, sehr schlecht artikuliert (oft brauche ich mindestens 10 Sekunden, um die Sprache zu identifizieren) und einfach alles gleich klingt. Ich finde, daß AN eine sehr schöne Stimme hat. Aber ich habe das Gefühl, daß sie überhaupt nicht weiß, was sie damit machen soll. Ich finde ihren Gesang äußerst langweilig. Der von ihr mitorganisierte, nervige Medienhype tut sein übriges dazu.
    Sutherland ist ein ähnlicher Fall für mich. Sängerisch ist sie natürlich eine Klasse höher anzusiedeln als AN, denn Sutherland hatte Höhe und sang normalerweise nicht falsch. Aber sie artikulierte sehr schlecht - man konnte oft nicht ein Wort verstehen. Dann mag ich ihre Stimme und dieses langsame Wobble-Vibrato nicht. Für mich ist die Sutherland ein negativ-Kriterium beim CD-Kauf: Wenn sie dabei ist, bleibt die CD im Regal.
    Gavanelli singt mit einer wirklich amateurhaften Technik, hat m.E. eine wirklich unschöne Stimme und ist dazu noch unerträglich arrogant. Ich habe so manche Aufführung erlebt, wo sich Gavanelli innerhalb der ersten 10 Minuten heiser gebrüllt hat, um sich dann die folgenden 120 Minuten piano hauchend durch die Aufführung zu schleichen (Rigoletto in München). Einige Kritiker mißverstanden das dann als kultiviertes Singen und vergaben Höchstnoten. Für mich ist die gesamte Karriere dieses Mannes ein großes Mißverständnis.
    Hobson kann sicherlich besser singen als die meisten auf der Liste vor ihm. Es ist das Timbre: Es klingt, Fans mögen mir verzeihen, wie Alvin von den Chipmunks - oder Mickey Mouse nach der Inhalation von Helium.
    Milanov hat einen großen Namen, aber ich frage mich, warum. Man höre ihre Aufnahmen genau an: Kaum eine andere Diva mit einem solch großen Namen singt derart schlampig. Die Intonation ist oft schlecht, schwierige Stellen übergeht sie durch simples Deklamieren oder singt ganz einfach falsch. Dazu kommt eine absolut horrende Aussprache, die das Gemurmel von Sutherland und Netrebko noch in den Schatten stellt. Ihre Stimme mag man als schön empfinden - was sie damit macht, finde ich katastrophal.
    Baum konnte singen, kein Zweifel. Es ist wie im Fall Hobson: ich finde seine Stimme wirklich sehr häßlich.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von musicophil
    Ich meinte gelesen/gehört zu haben, das Callejas ehemaliger Gesanglehrer behauptete, daß er manchmal Spuren von Verschleiß hörte.


    Lieber Paul,


    genau das würde mich nicht wundern. Ich glaube, wenn er so weitermacht, ist bald nicht mehr viel Stimme übrig. Sein ehemaliger Lehrer, das müßte doch Paul Asciak sein? Ich meine, wenn er so etwas schon in der Öffentlichkeit sagt, dann muß schon einiges dahinter sein.


    Schönen Gruß


    M.

    Lieber Herbert,


    ich dachte, daß es Dir generell nicht gefällt, wenn man über ungeliebte Sänger schreibt. Und diesbezüglich ist ja schon der Threadtitel ziemlich aussagekräftig. Und a priori kannst Du im Leben sowieso kaum etwas wissen...


    Aber mal ganz generell: Kritik ist entweder positiv oder negativ. Warum in allen Herrgotsnamen soll denn hier nur die eine Seite der Kritik zugelassen werden, aber nicht die andere? Ein Lob ist ebenso eine Meinung wie eine Ablehnung.


    Raum geben muß es für beides. Dieses ist kein Haß-Thread. Und diesem einen Negativ-Thread stehen wie oben gesagt eine Unzahl von Positiv-Threads gegenüber.


    Kritik ja, aber bitte nur positiv? Das ist mir zu hoch...


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Kristel
    Fischer-Dieskau, oh Mann, der Philosoph der Töne, furchtbar. Alles muss er bis ins Kleinste analysieren und vergisst dabei ganz die "Herztöne".


    Ganz genau so sehe ich das auch. Das, was er macht, ist Singen vom Kopf aus und nicht vom Körper. Ich glaube, Kesting hat ihn Prof. Dr. Rigoletto genannt - das trifft es ganz gut.


    @Paul:
    Du hast recht, DiFiDi hat eine hervorragende Aussprache. Auch die Intonation ist über jeden Zweifel erhaben - und Volumen hatte seine Stimme übrigens auch. Das ist wohl der Grund, warum man ihn Partien wie Rigoletto, Scarpia und sogar Amonasro (hier in Berlin) hat singen lassen.
    Mir gefällt nur einfach dieses kopflastige Singen nicht. Timbre und Stimmbildung/-führung können für meinen Geschmack unattraktiver nicht sein. Aber ich rede auch hauptsächlich für Opernliteratur, in der man oft das "Tier" braucht, den ganzen Körper. Für gewisse Lieder mag DiFiDi eine Klasse für sich sein.


    :hello:
    M.

    Daß man mit Herrn Bonisolli seine Probleme haben kann, kann ich ganz gut nachvollziehen, obwohl er es nicht ganz auf meine Liste geschafft hat. Denn wenn er Dirigenten hatte, die ihn zügeln konnten (dasselbe gilt für Del Monaco), dann konnte er Beachtliches leisten.


    Hier kommt die Neuauflage meiner Negativliste:


    Nr. 1: Joseph Calleja
    Nr. 2: Anna Netrebko
    Nr. 3: Joan Sutherland
    Nr. 4: Paolo Gavanelli
    Nr. 5: David Hobson


    Eigentlich wollte ich wieder Warren und DiFiDi auf die Liste nehmen (weil sie mich inzwischen in JEDER Aufnahme nerven), aber verglichen mit Gavanelli und Hobson... naja.


    :hello:
    M.

    Verdi ein Trittbrettfahrer? Ist das ernst gemeint?
    Vor allem der frühe Verdi benutzt die allgemein übliche musikalische Grammatik seiner Zeit - das hat nichts mit Trittbrettfahren zu tun.
    Auf den späten Verdi bezogen kann ich das Statement schon gar nicht mehr nachvollziehen. Man muß sich nicht mal den Satz vor allem des Otello und des Falstaff anschauen - die hohe Qualität dieser absolut neuen Musik springt einem ja direkt ins Ohr.


    Wenn Verdi ein Trittbrettfahrer war, dann möchte ich die großen Werke der Maestri genannt haben, die da imitiert und plagiiert wurden. Am besten ein wenig detaillierter als "das klingt genauso". Und dann auch mit Begründung, warum sich diese Werke gegenüber Verdi nicht durchgesetzt haben (und bitte nicht sagen, es lag am "Va, pensiero").


    Schönen Dank!


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von musicophil


    Optimist. Mit 18 und 21 auch noch.


    Lieber Paul,


    ja, das stimmt natürlich. Aber ich denke doch, daß es mit zunehmendem Alter abnimmt...? Normalerweise jedenfalls?


    Was das Thema betrifft: So ganz habe ich noch nicht verstanden, warum man die Kastraten wiederhaben will, wenn man gar nicht weiß, wie sie klangen und wenn man daher gar nicht so richtig weiß, ob man sie, auch angesichts der Existenz der Counter-Tenöre, überhaupt missen will.


    Schönen Gruß!


    M.

    Zitat

    Original von Ulli
    Geschätzte Streitsüchtige


    :D


    Zitat

    Original von Ulli Heute gibt es die Castraten nicht mehr - ich würde durchaus eine Wiedereinführung gutheißen, man müßte zu diesem Zwecke allerdings das zweckgebundene Alter der Majorennität herabsetzen, was sicherlich auch Banken, Versicherungen und vor allem Mobilfunkanbieter begrüßen würden.


    Du hast bestimmte politische Parteien vergessen... aber im Ernst: eben dieses wäre eben absolut unethisch. Und meiner Meinung nach wäre diese von den meisten wahrscheinlich als höchst zweifelhaft betrachtete "Aufwertung" eines ohnehin anachronistischen und, auf die Gesamtbevölkerung bezogen, ziemlich unpopulären Spektakels eine derartige Maßnahme nicht wert.


    Und dann sind da noch all die Frauen, die deinetwegen auch noch arbeitslos werden würden. Zieh Dich warm an...


    Ich kann ehrlich gesagt auch mit Countertenören ganz gut leben - ich brauch' keine Kastraten. Was das Visuelle angeht... da müßte man mindestens 50% aller Sänger rausschmeißen, wenn man daran denkt, daß die meisten dargestellten Charaktere eben nicht übergewichtig und über 50 sind...


    Was also schlägst Du vor, wenn Du Deine Meinung nicht ändern willst? Konsequenterweise dann wohl FDH für alle Sänger jenseits der 90 Kg und trotz ethischer Bedenken Heintje forever? :D


    :hello:
    M.

    Mir ist dieser Thread auch irgendwie entgangen. Bei mir wechseln die Lieblingskomponisten auch ständig, aber es gibt einen, der immer oben steht:


    Béla Bartók


    Bartók ist der Komponist, der am stärksten zu mir spricht. Ihm verdanke ich meine ersten klassischen Schlüsselerlebnisse. Ich liebe ihn unter anderem für sein Violinkonzert, die Musik für Streicher, Schlagzeug und Celesta, für das Orchesterkonzert, für den Wunderbaren Mandarin, natürlich für den Blaubart und seinen Mikrokosmos.


    Darunter tummeln sich zur Zeit: Kodály, der Niederländer Dopper, Malipiero und Mascagni.


    :hello:
    M.

    Verdi ist nicht gleich Verdi. Der frühe ist vom Stil vollkommen anders als der späte.
    Fällt der anfängliche Verdi noch relativ leicht in das Schema der italienischen Tradition, so kommt danach eine sehr an die französische Grand Opéra angelehnte Phase. Man erkennt das auch an der Wahl der Stoffe. Erst mit Aida beginnt der Wagnerismus.


    Ich denke, das Verdienst Verdis liegt gerade in der Modernisierung der italienischen Oper, in der Überführung von traditionellem Melodramma zum italienischen Musikdrama. Natürlich geschah dies unter dem Einfluß Wagners. Alles, was in dieser Zeit mit Musik zu tun hatte und modern sein wollte, hatte etwas mit Wagner zu tun.


    Mit Verismo hat Verdi nichts am Hut. Die Cavalleria war drei Jahre vor dem Falstaff entstanden - ganz zu schweigen von Gounods Mireille. Es ist übrigens ebenso gewagt, Puccini als Verismokomponisten zu bezeichnen. Die einzige Puccini-Oper, die man als Verismo durchgehen lassen könnte, ist Il Tabarro, obwohl der nicht einmal in Italien und schon gar nicht in Süd-Italien spielt.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Knusperhexe


    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    Fasziniert mich immer wieder: diese typische Kombination aus dem Ruf nach Respekt und Law-and-order im Opernbetrieb einerseits und diesem Stammtisch-Geholze andererseits.


    Ich frage mich immer öfter, ob beides nicht doch desselben Geistes Kind sind. :no:


    M.

    Zitat

    Amfortas könnte auch so ein Fall sein.


    Sicher gab es die Namen Woglinde, Wellgunde und Floßhilde nicht vor Wagners "Ring".


    Naja, aber so nennt auch keiner seine Kinder... (hoffe ich)...


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Ulli



    Welche kreierten Namen von Opernfiguren haben sich denn noch als Vornamen der heutigen Zeit durchgesetzt?


    Damit meinst Du also Namen, die es vor der Oper nicht gab? Wenn das so ist, fallen ja die meisten oben genannten schon wieder raus.


    Der Name Aida ist ein Phantasiename, der in der Oper meines Wissens zuerst vorkam. Heute heißen viele Frauen so.
    In Italien heißen übrigens einige Männer auch Otello (in der italienischen Opern-Version ohne "th").


    :hello:
    M.

    Bei mir sieht das momentan so aus:


    01 (12 P.) Mascagni - für Iris, Ratcliff, Isabeau, Parisina
    02 (11 P.) Puccini - für die Fanciulla, Turandot, Trittico
    03 (10 P.) Leoni - für L'Oracolo, eine ganz starke Oper
    04 (09 P.) Malipiero - für die Sette Canzoni und vieles andere
    05 (08 P.) Kodály - für das Spinnzimmer und Hary Janos
    06 (07 P.) Mozart - für den Giovanni


    Den Rest muß ich mir noch überlegen.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Knusperhexe
    Ich habe aber ein Problem damit, wenn ich diese Gedankenspiele nicht anzweifeln bzw. ablehnen darf ohne gleich in eine Schublade verbannt zu werden.


    Wer anderer Leute Gedankenspiele durch den Hinweis auf "Übersättigung" von uninteressantem "Regietheaterunsinn" abtut, der braucht sich kaum wundern, in eine Schublade gesteckt zu werden.


    Übrigens, die Gleichung "Regietheater=respektlos" kann ich nicht nachvollziehen. Das ist eine Platitüde. Sachliche Argumente wären interessanter!


    :hello:
    M.

    Schau an... da meldet sich mal wieder die Radikalfraktion zu Wort, die am liebsten überhaupt keine Interpretationen zulassen will - es sei denn, es ist eine, die "im Sinne der Intention des Autors" ist, welche die Angehörigen dieser Fraktion natürlich genau kennen. Die haben nämlich, scheints, einen direkten Draht zu verstorbenen Maestri und können auf Grund dieses Wissensvorteils immer ganz genau sagen, welche Interpretation nun zu weit geht und welche nicht - immer, versteht sich, unter Berufung auf die verstorbene Autorität.


    Verdammt nochmal, wie gerne würde auch ich so unglaublich gut darüber informiert sein, was Mozart gefallen hätte und über welche Interpretationen er, der Verfasser der modernsten Musik, der schrägsten, lustigsten und auch vulgärsten Komponistenbriefe, die ich kenne, gelacht hätte...!


    :angry:
    M.

    Wahrscheinlich gab es damals mehr Stimmen von hoher Qualität und überhaupt mehr Sänger mit mehr Charakter und Profil in der Stimme.
    Heute wird uns oft ein Hochglanz-Einheitsbrei angedreht, der sich überall gut vermarkten läßt. Ich habe es schon in einem anderen Thread geschrieben: dort, wo viel verkauft werden soll, leidet nun eben die Qualität - und letztenendes auch das Individuelle.


    Ich bin mir sicher, daß Leute wie Helge Rosvaenge oder Max Lorenz heute große Schwierigkeiten haben würden.


    :hello:
    M.

    Auf ein weiteres interessantes Beispiel machte mich neulich ein Bekannter aufmerksam: Die Bacchanale aus Saint-Saens' Samson und Dalila ist wohl nordafrikanische Folklore, die der Komponist Saint-Saens lediglich Orchestriert hat. Die Originalfolklore (ich kenne das Stück nicht) sei wohl sehr leicht wiederzuerkennen.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Luis.Keuco
    Das bringt uns in der Diskussion zu folgender Frage:
    Wer hat wieviele CDs von Thielemann zu Hause?


    Auch die größten Barenboim-Kritiker und Pavarotti-Ablehner haben doch ein paar sog. Referenzaufnahmen mit den beiden im Regal, oder?
    Barenboim: Veilleicht was Kammermusikalisches mit du Pré, eine Wagneroper oder eine Violinkonzerteinspielung mit den -mans.
    Pavarotti: 3 Tenöre in Rom 1990? (kommt schon, traut euch! Das Nessun dorma ist doch wirklich zum Niederknien) Turandot mit Mehta? La Bohème?


    Ich antworte mal auf alle drei, weil ich tatsächlich auch Barenboim und Pavarotti nicht leiden kann.


    Barenboim: Sämtliche Mozart-Klavierkonzerte (EMI LP-Box)
    Pavarotti: Seine erste Solo-LP - die war von 1971, glaube ich, da ist er noch ohne Bart auf dem Cover abgebildet (Decca)
    Thielemann: Schönberg/Wagner: P und M, Sigfried-Idyll (DG)


    Zum "Erwerb" dieser CD: Als ich sie mir besorgte, war das risikolos - sie kam aus der Bibliothek. Meine Vorbehalte gegenüber Thielemann habe ich hauptsächlich nach seiner Bruckner 5 in Berlin entwickelt - und da war die CD schon lange kopiert. Sie hat inzwischen etwas Staub angesetzt, aber gelegentlich höre ich sie doch. Ich finde sie besser gelungen als das meiste andere, was ich mit ihm gehört habe.
    Aber trotzem... besonders großartig finde ich sie nicht.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Joseph II.
    Versuch ich mich auch mal am Regietheater. :D


    "Rienzi"-Finale:
    Ort: Berlin, Reichskanzlei
    Zeit: 1945
    Hitler als Rienzi, Eva Braun als Irene, Bormann als Adriano ( :O). Das Volk von Rom könnte das deutsche Volk sein, das doch noch einen Aufstand macht.


    Warum denn dann nicht gleich Mussolini...?

    ...das mag sein! Ich habe nicht daran gedacht, daß man Star Trek eventuell gar nicht kennen kann. Ich sehe ein, daß die Sache witzlos ist, wenn man nichts mit Star Trek am Hut hat. Aber für die, die damit was anfangen können, wäre es bestimmt lustig!


    :hello:
    M.

    Also, Folklore in der Oper ist für mich präexistente Originalfolklore, die in der Oper als solche erkennbar ist.


    Puccini hat bei der Bohème keine Folklore verwandt, dennoch aber "Paris so gut beschrieben wie niemand sonst" (Debussy). Das würde ich als Exostismus bezeichnen. Hier wird Folklore, bzw. Atmosphäre imitiert.


    Einige Passagen aus Turandot oder La Fanciulla del West sind hingegen eingebaute Folklore. Die Originale sind kaum verändert und klar identifizierbar. Hier wird die Atmosphäre nicht durch imitierte Folklore sondern durch echte erzeugt.


    Die unterscheidung ist in der Tat wichtig, weil die Technik, präexistente Originalmusiken zwecks Atmosphärenerzeugung einzubauen, erst gegen Ende des 19. Jh. aufkam.


    :hello:
    M.

    Zitat

    Original von Basti
    Zum Thema "Asbach-Uralt"-Inszenierungen erinnere ich nur an das unsägliche MET-Rheingold von Otto Schenk oder den Giovanni von Herbert Graf (Helden in Strumpfhosen- superspannendes Rumstehtheater!). Meine Lieblingsstelle ist das Sextett. Im Hintergrund stehen zwei Wachen mit kapitalen Laternen in der Hand. Warum? Das hat Graf offenbar eingesehen und lässt sie ebenso sinnfrei mitten im Sextett wieder abgehen :hahahaha:.


    Derlei schreckliche Beispiele gibt es ja viele, weshalb dieser Thread ja eine willkommene Abwechslung bietet. Ich finde auch nicht, daß die Hinweise auf Wagners Regieanweisungen wirklich hierher passen. Ich denke, daß Wagners Dramen auch sehr gut Sinn machen, wenn man sie anders in Szene setzt. Nur dann nicht, wenn man es so sinnentleert macht wie Freund Schenk.


    Eine Oper, deren Inszenierung mir andauernd Bauchschmerzen bereitet, ist Aida. Eine komplett ahistorische Geschichte mit einem wirklich altmodischen Konflikt, durchzogen von typisch italienischem Orient-Kitsch. Nun ist ja der historisch unrealistische Hintergrund sowie die Ägypten-Romantik Beiwerk und Rahmenhandlung, die man getrost ändern kann. Nicht so der altmodische Konflikt des Radames: Liebe oder Vaterland? Dieses war im damaligen Italien der Einigung und des allgemeinen patriotischen Hochgefühls sehr wohl ein interessantes Thema, aber heute?


    Eines der wenigen aktuellen und populären Genres, wo solche Konflikte behandelt und sogar ernst genommen werden, scheint mir das Science-Fiction-Genre zu sein. Ich habe das schon an anderer Stelle geschrieben (und prompt Haue bekommen), aber ich würde Aida gerne in die ferne Zukunft verpflanzen und die Ägypter durch die Föderation und die Äthiopier durch die Klingonen ersetzen. Ich finde, die Machtinszenierungen der Ägypter (so wie sie in der oper dargestellt werden) passen zum Gehabe der Föderation. Ich möchte Kirk als Radames, der sich in eine klingonische Sklavin verliebt und sich dann zwischen Föderation und Desertieren entschließen muß. In italienischen Kitsch-Inszenierungen sieht Amonasro ohnehin meistens fast schon aus wie ein Klingone... er ist auch ähnlich aggressiv...



    Auf die Idee bin ich gekommen, als ich den Aida-Film mit Sofia Loren schaute. Radames wird da von Luciano della Marra gespielt, der Data zum Verwechseln ähnlich sieht... :D


    :hello:
    M.