Beiträge von Brangäne

    Mamma,
    Quel vino è generoso, e certo
    Oggi troppi bicchieri
    Ne ho tracannati...



    ... möcht wissen, was die ausschenken in dem Internet-Café - ganz klar kommt mir das nicht mehr vor... Türkischer Wein?...


    Oh! nulla!
    È il vino che mi ha suggerito!



    :D :D :D :hahahaha:


    :D Lieber Peter - naja die Politikerprominenz war bis auf wenige Ausnahmen, die eh nicht mehr zur Wahl stehen, eher NÖ-lokal. Insgesamt hat du natürlich recht: Das hat auch Intendant Neuspiel erkannt und eine Kooperation organisiert. Mein besagtes Welturaufführungs-Programmheft wird auf seine pensionsaufbessernde Versteigerung mit einer rausgerissenen Seite warten! Da ist nämlich ein Gutschein für 50 % Ermäßigung beim Ausstellungseintritt drin. :D :D


    Die traditionellen Ferdinand-Raimund-Festspiele in Gutenstein (Piestingtal, NÖ) gehen heuer neue Wege: Ein Musical mußte her und auch noch eine Welturaufführung. Ich hatte eine Premiereneinladung (Lokalpresse) und pilgerte hin, obwohl ich - ehrlich gesagt bei aller Zuneigung zur Sangeskunst - kein Musicalfan bin.


    Nun das Gute zuerst: Umsetzung schön gemacht und Protagonisten hervorragend. Alle noch sehr jung - das ist schön, verleiht allerdings das Flair einer Schüleraufführung. Sind ja Tutenchamuns Großmutter und seine beiden Minister, die die Geschäfte führen, solange er noch ein Kind ist, tragende Rollen und wenn die auch noch keine 30 sind, ists irgendwie nicht rollendeckend. Dennoch tolle Ensembleleistung!


    Das Werk läßt allerdings zu wünschen übrig. Und die Begeisterung einer Welturaufführung beigewohnt zu haben hält sich in Grenzen. Libretto (Sissi Gruber & Niki Neuspiel) ist platter als ursprünglich befürchtet - ahnte ja schon Schlimmes, obwohl man als Opernfan doch mit singenden und tanzenden Ägyptern beste Erfahrung hat... Gloria in Egitto! :D
    Da wurde krampfhaft gewitzelt und recht seltsamer Humor eingebracht - ich weiß nicht, bin doch dafür bekannt, dass ich leicht mit Lustigem zu unterhalten bin... hier tats keine Wirkung.


    Einfallslos und stets dieselben aus einem Archiv sichtlich übernommenen Musikwendungen wiederholend ist die Komposition beileibe auch keine Meisterleistung (Gerald Gratzer). Das ist Musik, bei der ein meinem Kopf eine schmerzhafte Leere entsteht. Da hatten die Darsteller lange "Arien" zu bewältigen und die hatten einfach weder Melodie noch Rhythmus.


    Den meisten Besuchern hats jedoch gefallen. Es war ja viel Politprominenz anwesend, denen mußte es gefallen. Und vielleicht spielt man ja im nächsten Jahr wieder Raimund (was ja auch nicht grad mein Fall ist).


    Insgesamt steckt natürlich viel Arbeit in dieser Produktion - großteils auch wirklich engagierte und liebevolle Arbeit. Es is halt auch offensichtlich die gleiche Mühe, ein schlechtes Stück aufzuführen wie ein gutes.


    Nun gut - ich heb das Programm auf - vielleicht wirds ja entgegen meinem Eindruck doch ein Welterfolg und ich kanns dann in 30 Jahren zur Aufbesserung meiner Pension im E-Bay versteigern. :D :D :D


    Wen es interessiert, der kann hier nachlesen Festspiele Gutenstein

    Nun eine Zarzuela ist keine Oper - aber wo soll er denn sonst hin der Beitrag. Also liebe Moderatoren, lasst's ihn da...
    Auch nahm mich wunder, dass ich noch keinen Bericht hier fand, wo ich einfach, bequem eine nette Bemerkung hätt dazu schreiben können.
    Nun denn, falls ich den richtigen Thread nicht übersehen hab, ist's wohl an mir:


    Ganz überzeugt war ich nicht, als ich die Karte bestellte. Eine Zarzuela - das ist sicher kitschiger Blödsinn. Und Placido in einer Baritonrolle. Ich sowieso immer Angst vor Auftritten alternder Sänger. Bin nicht einmal beim Galakonzert im Vorjahr gewesen. Will ihn doch so in Erinnerung behalten wie er war - am besten im zerrissenen Hemd auf der Engelsburg. :angel:


    Kam aber ganz anders und wir durften am Montag einen wunderbar, herzerfrischenden Abend erleben. Mit blutvoller, schöner Musik. Jajaja - ist ein bißl "leichte Muse" - aber wenn's doch so schön ist. Eine für meine Begriffe wunderbare Inszenierung. Emilio Sagi hat diese 2003 für die Scala geschaffen und sie war seither in einer Reihe von Opernhäusern zu sehen. Auch im Fernsehen und auf DVD. Eine tolles Ensemble, vor allem zwei sehr gute Damen (Maria José Montiel und Patricia Petibon) und auch ein Tenor mit einer schön geführten hellen, jedoch nicht gerade großen Stimme (Israel Lozano).... und allen voran Domingo.


    Ich dachte kurz auf einer Zeitreise zu sein: Placido nicht nur wunderbar und berührend singend - auch hinreißend und all sein Bühnencharisma versprühend - rein gefühlsmäßig wie in alten Tagen. Natürlich bewegt er sich hier in einem Genre, das ihm leichter fällt als alles andere (er ist als Sohn von Zarzuela-Sängern mit dieser Musik aufgewachsen) und bewegt er sich in einer Stimmlage, die ihm leicht fällt - und spielt er ganz authentisch und rollendeckend einen reifen Mann (also keinen jugendlichen Liebhaber).


    All dies ist jedoch nicht verboten, wenn es so schön und stimmig ausfällt.
    :jubel: :jubel: Ich war jedenfalls hin und weg. Wer ein bißchen davon schnuppern will, kann auf You Tube die schönsten Stellen ansehen (das ist allerdings eine Aufführung von 2006).


    Hin und weg war nicht nur ich - großer Jubel im Theater an der Wien. Viele, viele Vorhänge während derer das Publikum vollzählig da blieb, dann ging ein Drittel etwa und der Rest hat wie in alten Tagen immer wieder so lange applaudiert, im Takt geklatscht und Bravo gerufen bis das Licht wieder anging... Danke Placido.

    Die Wiener Tosca-Inszenierung stammt von Margarethe Wallmann. Eine Karajan-Tosca hatten wir nie. Die Zeit stimmt aber ca. .... ist uralt.
    Naja - samma vielleicht froh - besser noch verstaubt (also nicht dass ich mir auf verstaubt steh :no:) als dass der Cavaradossi z.B. einer Terroristen-Bande angehört, Floria am Ende ein Selbstmordattentat begeht und Scarpia viele Kinderpornos im Computer hat.

    Zitat

    Original von Elisabeth


    PS: erkärst Du mir bitte, was es mit dem "Meldezettel" auf sich hat?


    ;) Der "Meldezettel" ist in Österreich das Dokument über die amtliche Anmeldung am offiziellen Wohnsitz. Heute ist man natürlich EDV-mäßig bei der Gemeinde registriert und kriegt einen Ausdruck mit Stempel.


    Damals hab ich - die Zeiten, wo wir uns für die Stehplatzkarten angestellt haben eingerechnet - mehr Zeit in der Staatsoper verbracht als zu Hause.

    Weil es mich seit vergangenem Samstag, wo ich den Tristan aus der MET gesehen und gehört hab, beschäftigt, würde ich mich freuen, zu folgendem Thema Eure Meinung zu hören:


    Also ich weiß überhaupt nicht, ob es allen so geht - oder ob eben ich halt eher emotional an das Thema Musik, Gesang und Oper herangehe. Und es andere gibt, die auch Freude an der Oper haben, solche Süchte jedoch nicht erleben.


    1. Tatsache ist, dass es für mich Sänger gibt, die aufgrund ihrer Stimme, aufgrund spezieller Nuancen in ihrem Timbre, ihrer Diktion, Ihrer Art zu Singen sich ganz tief in mein Herz einprägen, deren Gesang mich in spezieller Weise tief berührt.


    2. Dann gibt es die, die toll singen, die ich aber nur mit dem Verstand begreifen kann.


    3. Und es gibt die, die auch gut singen, deren Gesang mir aber dennoch Unbehagen bereitet.


    Objektiv schlechte Sänger sind von dieser ganzen Diskussion ausgenommen.


    Ich nenne für mich persönlich gültige Beispiele:
    Zu Punkt 1
    Die Zeit, wo ich den "Meldezettel" in der Oper hatte, waren die 70er Jahre. Der Sänger, der sich damals in mein Herz ganz tief eingeprägt hat war Piero Cappuccilli. Ich war süchtig nach "Per me giunto" und nach Posas Tod, nach dem so zärtlich gesungenen "Piangi fanciulla" im Rigoletto und dem "Vendetta", wo auch mal ein Bühnensessel dran glauben mußte. Nach "Il Balen", wo ich sogern die Zeit angehalten hätte und nach "Plebeji, patrizi!" in Simone, wo ich immer gelgaubt hab der Luster zittert ein bißchen.


    Ein anderes Beispiel: Gianni Raimondi. Erst kürzlich hat mir jemand gesagt: "Che Gelida singen andere auch so gut" - NEiiiiin - nur bei ihm geht mir in dieser Weise das Herz auf.


    Und natürlich Placido - aber der hat es ja in so viele Herzen geschafft.


    Dann war nach so vielen Jahren der vergangene Samstag mit dem MET-Kino im Cineplexx. Tristan. Diesen Robert Dean Smith krieg ich nicht aus mir raus. Ich war hin und weg. Klar Wagner, Tristan, das ist sowieso wunderbar. Aber der Kerl ist für mich ganz persönlich eindeutig ein Fall für Punkt 1 :angel:
    Auch ist nicht allein der Wagner schuld: Da war ich einfach ganz ergriffen, sodaß mir beim letzen "Isolde" die Tränen kamen - und "Debbie"s Liebestod war dann eher "cool down" - obwohl's musikalisch ja da erst ans Eingemachte geht.
    (Natürlich hab ich Sorge, dass es stimmt, dass Smith's Stimme nur im Kino so toll geklungen hat und er im Lohengrin, den er in Wien im Herbst singen wird, nicht so toll sein wird... ich werd sehen.)


    Beispiel zu Punkt 2
    Hier nenne ich Joan Botha. "Mein Gott singt der schön" - sagt mein Kopf. Aber eben nur der Kopf.


    Beispiel zu Punkt 3
    Franco Bonisolli - er hat ein C nach dem anderen rausgeschoben, aber ich kann ihn nicht leiden - sein Gesang ist mir unangenehm. Meine Freundin ist ganz verrückt nach ihm... seltsam.


    Es würde mich also freuen, wenn Ihr hier schreibt, ob es euch auch so geht, ob ihr Sänger kennt, die Euch ganz besonders tief berühren, die sich in Eure Herzen eingebrannt haben.


    Und andere, die Ihr nur mit dem Kopf gut findet sowie jene, die - obwohl objektiv toll - irgendwie zuwider sind.


    Oder bin ich einfach ein bißchen crazy?

    Meine Lieblingsoper ist Don Carlos und ich wünsche mir folgende Besetzung:


    Carlos - Franco Corelli
    Elisabeth - Mirella Freni
    Posa - Piero Cappuccilli
    Phillipp - Nicolai Ghiaurov
    Eboli - Grace Bumbry
    Großinquisitor - Hans Hotter


    Dirigent: Carlos Kleiber


    Zumindest Freni, Cappuccilli, Ghiaurov gibts ja gemeinsam auf einer wunderbaren Aufnahme - dazu Carreras, Baltsa und R.Raimondi, die natürlich auch grad noch durchgehen 8)


    Kleiber ist eine coole Idee - hab keine Ahnung, ob er diese Oper je dirigiert hat.


    Denn Hotter hab ich noch mehrmals als Großinquisitor gesehen - da hat man die Szene erst verstanden, wo er singt: "Vi prostrate!" - da haben sich wirklich alle geduckt.

    Nun hat in der 5. Tristan-Vorstellung an der Met am Dienstag Heppner gesungen - aber Voigt war wieder krank. Die hatten also 5 x Tristan und das Pärchen war immer anders zusammengesetzt, hatte alle noch nie miteinander gesungen und manche kannten einander überhaut nicht.


    Grund genug ein wenig darüber zu witzeln. In einem amerikanischen Blog haben wir dieses Bild gefunden:


    (Ben Heppner und Janice Baird am Dienstag, 25.2.)

    :D :D

    Ah sorry - hab nicht gesehen, dass innerhalb dieses Kino-Themas schon über den Tristan geschrieben wurde - so gesehen war mein Beitrag, den ich als eigenes Thema erstellt habe - ja nicht gerade neu (-: Wurde hier rein verschoben.


    Aber fein zu lesen, dass Robert Dean Smith allen so gut gefallen hat!

    Samstag, 22.3. wurde ja der Tristan aus der Met in den Cineplexx-Kinos übertragen.
    Ich weiß nicht, ob ihr die Vorgeschichten verfolgt habt - diese waren jedenfalls dramatisch.
    Die Übertragung war die 4. Vorstellung der Neuaufnahme.
    Ben Heppner sollte mit Deborah Voigth singen. Heppner wurde krank und bei der ersten Vorstellung kam ein Ersatz-Tenor (John Mac Master - er war angeblich nicht sehr gut, aber ist ja keine Kleinigkeit einfach so einzuspringen).
    Für die nächste Vorstellung fand man einen neuen Tristan: Gery Lehmann. Im 2. Akt nahm das Drama seine Fortsetzung: Auch D. Voigth war vom Darmvirus befallen und mußte während des Liebesduettes rapidalmente die Bühne verlassen. Der Vorhang fiel.
    Janice Baird, die als Cover-Sängering bereit war, wurde in Voigts Kostüm gesteckt und die beiden "Debütanten" hatten weiter zu singen. Wurden allerdings am Ende vom MET-Publikum begeistert gefeiert - vielleicht auch wegen "Tapferkeit".
    Dann kam die dritte Vorstellung: Voigt war wieder auf der Bühne, wieder mit Lehmann.
    Und es gab eine neue "Einlage": Anfang des 3. Aktes, Tristan liegt schwer verletzt auf der Bühne. Nun weiß ich nicht was genau passiert ist - aber irgendwie ist er plötzlich kopfüber in den Souffleurkasten gefallen !!!!! Levine winkte ab, der Vorhang fiel. Lehmann wurde geborgen, verarztet und ... sang nach einem Glas Wasser ..tapfer weiter.


    So war ich natürlich auf die Live-Übertragung gespannt. Heppner noch immer krank und es gelang in einer Nacht und Nebel-Aktion Robert Dean Smith aus Deutschland einzufliegen (er hat im Vorjahr in Bayreuth Tristan gesungen und in Wien Stolzing etc.) - und er war am Samtag einfach wunderbar! Ich hab eigentlich noch nie einen so "ergreifenden" und berührenden Tristan gesehen. Die meisten waren im Dritten Akt so mit dem eigenen stimmlichen Überleben beschäftigt, dass für Ausdruck wenig Kraft blieb. Mr. Smith jedoch wachte im dritten Akt erst richtig auf. Einfach wunderschön!


    Vorerst aber zu den allgemeinen Dingen: Inszenierung ist von Dieter Dorn - einige Jahre alt - und von ein paar Details abgesehen - eine sehr schöne stimmige Inszenierung. Abstrakt, mit viel stimmungsvollen Lichteffekten.


    Levine am Pult. Für mich sehr schön! Sehr emotionsgeladen und einfühlsam! (Ich mag z.B. Tielemanns Tristan nicht - zu pathetisch und etwas maniriert) - Am Samstag war's einfach "sehr lebendig" - das war schön.


    Voigt stimmgewaltig, sehr sicher - vielleicht am Ende etwas kühl (sie ist nicht ganz mein Fall - aber zweifelsfrei sehr gut).


    Michelle DeYoung als Brangaene - nicht immer ganz ebenmäßig aber doch sehr gut.


    Salminen - herrlich wie immer als Marke. So ergreifend sein Monolog!


    Und eben R.D.Smith als Tristan! Vielleicht braucht er den hohen Adrenalinspiegel?! Bisher hab ich nämlich nicht solche Lobeshymnen über ihn gehört. Aber an diesem Abend war er unvergleichlich! Vielleicht hat auch die Tonregie etwas geholfen - im Haus vor Ort war die Stimme angelblich ein Deut zu wenig "heldenhaft".
    Aber das war ja das Schöne - kein Gebrüll - einfach wunderbar gesungen und mit so viel Einfühlungsvermögen!
    In der Pause sah man, wie eine Regie-Tante ihm vorm Dritten Akt auf der Bühne die Regie erklärte - er hatte keine Probe!


    Hoffentlich kommt die Aufnahme bald als DVD raus oder wird von einem TV-Sender übertragen!


    Insgesamt hab ich vom Met-Kino einen guten Eindruch. Die Tontechnik war allerdings mit Wagner knapp schon überfordert - da klang manches etwas "schwankend". Bei uns direkt im Saal war zu laut aufgedreht - leider.
    Schön fand ich die Kameratechnik, die manchmal mehrere Bilder mit Nahaufnahmen zeigte.


    Robert Dean Smith als Tristan an der MET - 22.3.2008 (Foto MET)


    Gelegentlich hab ich nun meine Homepage wieder einmal aktualisiert. Ich hab hier eine Seite "Operamania", wo sieben Lieblingssänger vorgestellt werden. Allesamt - bei mir "natürlich" - mehr oder weniger Helden der Vergangenheit und Helden dieses Hauses:



    Sind jedoch keine klassischen Sängerportraits (Lebenläufe gibts im Internet viele, die möcht ich nicht abschreiben), sondern eben jeweils
    * ein Foto
    * ein Soundbeispiel sowie
    * mein persönlicher Text.


    So lade ich euch gerne ein, die entsprechende Seite meine Homepage zu besuchen.


    Ewie's Homepage - Operamania


    Ihr trefft hier:
    - Birgit Nilsson
    - Placido Domingo
    - Piero Cappuccilli
    - Gianni Raimondi
    - Nikolaj Ghiaruov
    - Theo Adam
    und - Franco Corelli


    Ich lade euch ein, euch mit mir zu erinnern, mit mir gemeinsam zu freuen an - gottlob jeweils zahlreichen - noch existenten Aufnahmen sowie vielleicht den einen oder anderen Kommentar, den einen oder anderen persönlichen Eindruck hinzuzufügen.


    Und weil die Geschmäcker verschieden sind, darf natürlich auch gemeckert werden :D

    Was für ein interessantes Thema!
    Um meinem Nick gerecht zu werden, möcht ich mich ein wenig des Tristan-Themas annehmen.



    Die Tristan-Sage ist sehr alt - noch vormittelalterlich. In Cornwall soll es eine Stele aus dem 6. Jahrhundert mit der Aufschrift „DRVSTANVS“ geben.
    Ähnlich der Parzifal-Sage gibt es über Tristan mehrere frühmittelalterliche Französische "Romane". Einer davon von Crétien de Troyes, der ja auch sozusagen einen der "Urparsizfal"-Romane verfaßt hat.


    Das berühmteste (vorwagnerische) litararische Werk ist die althochdeutsche Dichtung von Gottfried von Straßburg, die allerdings nicht vollendet ist. Also nicht mit dem Tod der Liebenden endet.


    Sowohl die Sagen als auch Gottfried von Straßburgs Dichtung sind viel komplizierter in der Handlung und umfangreicher als Wagners Libretto.
    Da ist etwa die Geschichte mit der anderen Isolde - Isolde Weißhand, die Tristan ehelicht. Und auch die Sache, dass Brangäne verkleidet in Isoldes Brautkleid die Hochzeitsnacht mit Marke verbringt.


    Wagner hat meiner Meinung nach in diesem Fall sehr schön die Essenz der Geschichte herausgeholt. Ich schreibe "in diesem Fall", denn beim Ring ist ja doch viel selber dazugedichtet und wurden viele Quellen bemüht - ähnlich beim Parzifal.


    Die so starke Mystifizierung des Liebestodes gibt es eigentlich auch nur bei Wagner:


    ... in des Welt-Atems
    wehendem All
    ertrinken,
    versinken
    unbewußt
    höchste Lust!



    In der Sage klingt das Ende etwa so:


    <<In einem Streit war nämlich Tristan in die alte Wunde getroffen worden, die Isolde schon einmal geheilt hat und die auch diesmal wieder nur Isolde heilen kann. Er sendet einen Boten mit einem Ringe als Wahrzeichen zu ihr und befiehlt ihm, ein weißes Segel auszuspannen, wenn er sie mitbringe, ein schwarzes, wenn sie daheim bleibe. Isolde folgt dem Boten: das weiße Segel weht von dem Schiffe; aber aus Eifersucht bringt die andere Isold, die weißhändige, dem Tristan die falsche Botschaft, ein schwarzes Segel sei aufgezogen. Bei dieser Nachricht sinkt Tristan trostlos zurück, sein Herz bricht, und das seiner herbeieilenden Geliebten über seiner Leiche. Beide wurden in ein Grab gelegt, und über Tristans Leichnam pflanzte man eine Weinrebe, über Isoldens einen Rosenstock, und diese wuchsen ineinander und konnten nicht wieder geschieden werden.>>


    Die Intensität von Wagners herrlicher Tristan-Musik verdanken wir nicht zuletzt seiner unerfüllten Beziehung zu Mathilde Wesendonck, der ja auch der berühmte Liedzyklus gewidmet ist. Hier sind, hört man genauer hin, z.B. im "Treibhaus" schon etliche Tristan-Klänge vorweggenommen.


    Beeinflußt war seine Dichtung nicht nur von Gottfried von Straßburg, sondern auch von romantischen Dichtern, wie August von Platen sowie vor allem ein Drama von Karl Ritter, die sich des Stoffes angenommen hatten.


    Übrigens hat angeblich auch Schumann eine Tristan-Oper geplant. Wurde aber nie verwirklicht.


    PS: Bin gespannt, wer sich des Parsifal-Themas annimmt... 8)

    Pu - Tamino ist doch eine lehrreiche Gegend im Netz! 8) Den Herrn Forzano hab ich gar nicht gekannt, daher den Namen gegoogelt.
    Hier werden übrigens Texte angeboten:
    www.antiquario.de


    Papier-Libretti: Ich hab eine ganze Schachtel von meinen Eltern noch. Richtig alte Ausgaben. Wagner und vieles andere. Da schau ich zwar kaum rein, da ich, wie sichtlich fast alle, meine Weisheiten aus dem Internet beziehe, aber ich häng an den alten Heftln :]


    Lange gesucht hab ich nach russischen Original-Textbüchern zu den Tschaikovsky-Opern. Sogar in Moskau in Buchhandlungen gefragt. Inzwischen haben die Russen aufgeholt und diese Ausgaben sind ebenfalls online.

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Mich stört weniger das "hysterische Geschrei", das paßt schon. Mich stört der Kitsch bei der Orest-Elektra-Szene. Brav an der Oberfläche dahinkomponiert. Wie schön ist doch der Muttermord!
    :hello:


    Ah Edwin, da bist du mir ja zuvor gekommen. Wollte hier schon letztens posten, dass sich Fairy Queen doch aus der Elektra einmal nur die Szene Elektra-Orest anhören soll.


    Mir alten "Kitsch-Indianerin" gefällt diese Szene natürlich unendlich gut. Fairy Queen im Ernst - das ist mein Tipp!


    Am wunderbarsten in Erinnerung live mit Nilsson und Adam unter Böhm - Sternstunde! Aber keine Angst, ich mag auch die schroffen Teile der Elektra. Das ist Oper, wo ich immer froh, war, wenn ich auf Stehplatz war. Sitzen kann man da nicht.


    Der Muttermord wird hier wohl nicht glorfiziert. Im Gegenteil, das komplexe Problem der Tantaliden-Story ist gut empfunden und rübergebracht. Die momentane Euphorie endet ja dann auch recht abrupt.


    Dass ich ein besonderer Strauss-Fan bin und der Edwin Baumgartner im Gegensatz dazu gar nicht haben wir schon öfters festgestellt - also in dieser Hinsicht: "ein fremder Mensch" 8)


    <Elektra: (kaum ihrer mächtig)
    Wer bist du denn? Ich fürchte mich.


    Orest: (sanft)
    Die Hunde auf dem Hof erkennen mich,
    und meine Schwester nicht?


    Elektra: (aufschreiend)
    Orest!
    (Ganz leise, bebend)
    Orest! Orest! Orest!
    Es rührt sich niemand! O laß deine Augen
    mich sehen, Traumbild, mir geschenktes
    Traumbild, schöner als alle Träume!
    Hehres, unbegreifliches, erhabenes Gesicht,
    o bleib bei mir! Lös' nicht
    in Luft dich auf, vergeh mir nicht,
    es sei denn, daß ich jetzt gleich
    sterben muß und du dich anzeigst
    und mich holen kommst. dann sterbe ich
    seliger, als ich gelebt! Orest! Orest!


    Orest neigt sich zu ihr, sie zu umarmen. >


    Wunderschöön. :angel:

    Zitat

    Original von Theophilus
    Hallo Edwin



    Du solltest etwas gegen deine Gedächtnislücken unternehmen!


    :hahahaha:


    die meldung ist echt gut. vielleicht ists ja keine gedächtnislücke. er schreibt "dirigent von rang" nicht einfach "dirigent" - und der edwin hat ja öfter recht exklusive ansichten. :hahahaha:

    OK, der Thread ist unbenannt. Mein Posting wurde dabei auch gleich gelöscht, dabei war es gar nicht so böse... Macht nix - einerseits ehrt es mich irgendwie, wenn meine Postings zensuriert werden. Und: Hauptsache es hat mitgewirkt an der Metamorphose des Themas.


    So kann ich es auch nicht lassen, hier mitzumachen und meine "Anti"-Lieblinge hier zu nennen:


    Franco Bonisolli (-5)
    Deborah Voigt (-4)
    Roberto Alagna (-3)
    Giuseppe Sabatini (-2)
    Mara Zampieri (-1)


    Keith Ikaya-Purdi (irgendwie psychologisch, dass ich mir den Namen nicht korrekt merke), der oben schon mal genannt wurde kommt nicht in die Wertung - ich halte ihn nicht für einen Sänger. Der hat mir in den letzten Jahren (vor allem als Carlos) den größten Schrecken eingejagt. Da würd ich glatt das verpönte Kotz-TAG wieder einsetzen wollen. :stumm:

    Zitat

    Original von Philhellene
    Jetzt sitze ich da und versuche eine Antwort zu geben, schön nach Stimmfächern geordnet, drei Arien pro Stimmfach... und komme immer mehr drauf, dass es offensichtlich keine einzige echte Tenorarie aus einer Oper gibt, die mir wirklich gefällt - "La fleur que tu m'avais jetée" ist ja nur eine etwas längere Solostelle in einem Duett, die Solostelle des Laca fast ganz am Anfang von "Jenufa" ist auch keine Arie im engeren Sinne... "E lucevan le stelle", vielleicht. Aber ist das eine Arie? Was ist überhaupt eine Arie? :D


    Also ich glaub sowohl "La fleur..." als auch "E lucevan.." sind Arien. Nicht im strengen Stile des 18./19. Jahrhunderts - aber sie sind es ganz sicher. Wird doch die erste auch im Volksmund als "Blumerlarie" bezeichnet. :D


    Meine Favoriten (mit Favoriten-Interpret in der Klammer):


    Lyrischer Tenor: Dalla sua pace - Don Giovanni (Anton Dermota)

    Jugendlicher Held: Un di al azurro spazio - Andrea Chenier (Franco Corelli)


    Charaktertenor: Lied des Schwachsinnigen aus Boris Godunov (Aljeksej Masljennikov)


    lg Eva

    Zitat

    Original von observator


    keine sorge, schau mal da rein.


    puuuu - da bin ich aber erleichtert :D :D
    ich kenn ja auch ein paar ganz strenge Klassikfreaks... ist auch OK - aber Musik bleibt eben Musik und wie Alfred so schön oben schreibt, ist davon auszugehen, dass "klassisch" ein willkürlicher Begriff ist.

    Ein interessanter Thread, der mich zum Nachdenken angeregt hat.


    Ich gehöre nämlich zu jenen, die keineswegs nur Klassik hören. Aber wann höre ich was, ist die Frage, die zu stellen war?


    Bei kürzeren Autofahrten überkommt mich sichtlich manchmal ein Bedüfnis nach gewisser Belanglosigkeit, Anspruchslosigkeit, Leichtigkeit. Ich dreh Ö3 auf und da wird ein bißchen geblödelt, ein bißchen Musik gespielt, dann gibts noch Nachrichten und den Wetterbericht. Ja dann bin ich eh schon am Ziel.


    Also da haben wir etwas, was mir Klassik nicht bieten kann :D


    Gerade Ö3 ist natürlich ein nahezu dramatisches Beispiel. 90 % der Musik geht bei mir beim einen Ohr rein und beim andern raus. Zugegebenermaßen stoße ich dann und wann auf einen Song, der mich anspricht und interessiere mich dann auch, wer den da der Interpret sei.


    Das ist die eine Seite meiner Begegnung mit "NICHT-Klassik". Und endet mit der Aussage, dass ich eigentlich die sogenannte POP-Musik nicht mag. Mit Rock sieht es da schon anders aus und da ist die Begegnung auch anspruchsvoller. Da gibt es glatt Interpreten, Gruppen etc. die mir wirklich gefallen. (Wahrscheinlich werd ich jetzt gleich aus dem Forum exkommuniziert. 8))


    Allen voran "Queen" - wobei ich mich dabei ertappe, das diese Stücke tatsächlich etwas sehr opernhaftes an sich haben. Ist inzwischen ja auch schon historische Musik.


    Oder "U2" - die sind doch einfach wirklich toll! Man muß nur näher hinhören und sich ein wenig beschäftigen.


    Oder "Nightwish" - da hat mich mein Sohn drauf gebracht - wieder eine opernhafte Gruppe (die Lead-Sängerin hat auch eine klassische Sängerausbildung).


    Mir fallen noch andere Namen ein... Ja und was haben die, was klassische Musik nicht hat? Mitunter etwas ungeheuer Blutvolles, Kraftvolles. Nicht, dass es das in der klassischen Musik nicht gäbe.


    Es sind für mich eben Parallel-Welten. Wie sagen wir ... z.B. Bach und Richard Strauss. Beide verehre ich abgöttisch. Was hat Strauss, das Bach nicht hat - was hat Bach, das Strauss nicht hat. Auf beide Fragen fallen mir ganze Listen ein und doch existieren beiden in meinem Muskleben glücklich nebeneinander und dabei auch noch neben Queen, Nightwish, Mike Oldfield und was weiß noch...


    Auch bei der weiter oben so sehr geschmähten Richtung "Heavy Metal" findet man übrigens beim Näher-Hinhören interressante Stücke. Hab mit meinem Sohn manchmal einen inpirierenden Musikaustausch. Und keiner sagt von vornherein gleich "brr - das kann ja nix sein".


    Wenn mich Musik anspricht ist es mir übrigens wurscht, ob das Stück als "klassisch" gilt oder nicht. Und wer schon einmal in der Früh Ö1 gehört hat (also vielleicht ist es besser geworden...) - der weiß, was es alles für fade Klassik-Stücke gibt :P


    Ui - da hast du aber recht! :untertauch: Da sind wirklich in meinem Kopf die zwei Aufnahmen durcheinander gekommen.

    Hier auch meine persönliche Antwort:


    Grundsätzlich identifiziere ich mich nicht leicht mit anderen und schon gar nicht mit Kunstfiguren. Dennoch:


    1. Leonore in Fidelio: Sie ist loyal, mutig, konsequent, kreativ, freiheitsliebend.


    2. Cho-cho-san - Butterfly: Undenkbar das eigene Kind herzugeben, wegen der Ehre zu sterben. Das A...l... kriegt einen Tritt und das Kind wird ordentlich aufgezogen.


    3. Keine wirklich - vielleicht ein bißchen Kaiserin in Frau ohne Schatten, weil durch persönliche Erfahrungen und Entwicklung gelernt, dass innere Werte und inneres "Licht" weitaus wichtiger als der äußere Schatten. Und dass man eigentlich immer durch Ruhe, Geduld und Zuneigung mehr erreicht als durch Wollen und Streben.


    LG Eva ;)


    Hallo lieber Alfred!


    das wollen wir aber jetzt genauer wissen! :D
    Zu welchem Punkt gehört nun der Großiquisitor:
    1. Identifizierst du dich mit ihm - ist das eine idealistische Figur für dich ? oder
    3. bist du`s im wirklichen Leben? Realistisch!


    ... womöglich wissen wir die Antwort :hahahaha: :stumm:
    Sei nicht bös - wir schätzen, glaub ich alle, deine Arbeit und auch deine inquisitorische Strenge :boese2:


    Ich bin übrigens Marquis Posa, wenns drauf an kommt:
    Geben Sie Gedankenfreiheit - Sire!

    Zitat

    Original von ThomasNorderstedt
    Hallo Thomas,


    "Gibt es einen Haken?", fragst du. Nein, es gibt keinen. Kaufe die Oper. Du wirst reich belohnt werden.


    Gruß, Thomas


    Dem kann ich nur von Herzen beipflichten. Simone ist eine der herrlichsten Verdi-Opern. Springt nicht so ins Ohr wie Traviata und hat keine herzzerreissende Liebesgeschichte als Haupthandlung.


    Das turbulente Schicksal dieses intelligenten und immer der Humanität verpflichteten Genuesen berührt mich jedoch sehr.
    Der Background ist übrigens historisch, obwohl natürlich viel dazu erfunden ist (es gab da eine wunderbare TV-Sendung von Marcel Prawy zu dem Thema).


    Ja der Bariton hat keine abgegrenzte Arie, aber mehrere wunderbare Szenen und auch Duette (letzeres auch in ungewöhnlichen Konstellationen z.B. im Schlussakt mit dem Bass). Ist aber eine der herrlichsten Partien für die Meister des Faches. Wobei sowohl Stimmkultur als auch donnerndes Volumen gefragt ist. Die Szene wo er im Parlement zu Ordnung und Frieden ruft und jene, wo er - schon dem Tod nahe - nachdenklich auf das Meer blickt. Herrlich!


    Meine Lieblingsaufnahmen:


    Karajan; Cappuccilli, Freni, Carreras, Ghiaurov.
    Santini; Gobbi, Christoff, De los Angeles


    Wünsch dir eine inspirierende Genua-Reise und viel Freude mit Simone Boccanegra.

    ... also ich würd mitnehmen:


    Tristan - Böhm, Nilsson, Windgassen
    Don Carlos - Karajan, Freni, Carreras, Cappuccili, Ghiaurov
    Don Giovanni - Furtwängler, Siepi, Schwarzkopf, Dermota
    Turandot - Nilsson, Corelli
    Andrea Chenier - Corelli, Stella, Bastianini
    Aida - Nilsson, Corelli
    Rigoletto - Cappuccilli, Cotrubas
    Otello - Karajan, Vickers, Freni
    Boris Godunov - Ermler, Nesterenko, Atlantov
    Frau ohne Schatten - Böhm, Rysanek, King, Nilsson


    was noch?
    Doch den Böhm-Ring, damit ich ordentlich was zum Anhören hab.
    und zusätzlich die
    Walküre Leinsdorf, Nilsson, Vickers, London


    wenn dann noch Platz im Koffer ist:
    Fidelio - Böhm, Jones, King
    Macbeth - Leinsdorf, Rysanek, Warren
    Tosca - Karajan; Price, Di Stefano, Taddei
    Bajazzo - Gobbi, Callas, Di Stefano
    Hoffmann - Domingo, Sutherland


    :hello: Eva