Beiträge von Kapellmeister Storch

    Lieber Caruso41,

    lieber Stimmenliebhaber,


    Ich fand die Produktion in der Premiere damals auch eher langweilig. Ich entdecke heute noch Details, die ich früher nicht wahrgenommen habe. Inzwischen gehört sie für mich zu den besten Produktionen des Hauses. Ich denke schon, dass noch viel von der alten Personenregie geblieben ist. Ich habe viele Leute gesprochen, die ebenfalls begeistert sind und sehr traurig waren als es hieß, die Produktion würde verschwinden.



    Viele Grüße


    Kapellmeister Storch

    Lieber Kapellmeister Storch!

    Sechsmal Andrea Chenier (Vielleicht sogar in wenigen Monaten?) ist schon eine Leistung!

    Der Chénier gehört zu meinen Lieblingsopern. Ich habe die Oper zwischen März 2017 und Dezember 2018 sogar neunmal erlebt, da ich sie auch in München, Mailand und Barcelona gehört habe. Und glücklicherweise hat die Deutsche Oper die Dew-Inszenierung doch nicht verabschiedet, sondern führt sie in der kommenden Spielzeit wieder auf.

    Siri wirkt zu Beginn einer Aufführung oft recht hausbacken, kommt dann aber enorm auf Touren. Ich habe sie sechsmal als Maddalena erlebt, da hat sie insbesondere zusammen mit Muehle überragende Leistungen geboten. Ihr Vibrato stört mich live eher nicht, dafür schätze ich, wie sie auf der Bühne einfach alles gibt. Das mag auf CD oder DVD anders rüberkommen. Darüber hinaus habe ich sie noch als Tosca (stand wegen der stimmlichen Absage von Antonenko unter keinem gutem Stern), Butterfly und Manon Lescaut gehört.

    Ich kann mich den Worten des Melomanen und des Stimmenliebhabers nur anschließen. Wer möchte, kann sich gerne an Salminens Aussprache stören oder andere Kritikpunkte anführen. Mir geht es weniger um die Perfektion eines Sängers als viel mehr um das Gesamtpaket. Und das war bei Salminen einzigartig. Ich habe seit 1986 keinen besseren Hagen gehört und bin glücklich, ihn bis zu seinem Pogner im April in sehr vielen Rollen live erlebt zu haben.

    Was soll ungewöhnlich daran sein, dass Anna Netrebko mehr Seiten füllt als Stars vergangener Tage? Sie liefert halt immer wieder aktuelle Anlässe, egal ob im positiven oder im negativen Sinn. Seien wir doch froh, dass es den einen oder anderen Star gibt, der polarisiert, auch wenn es hier und da manchmal nervt. Bitter ist die aktuelle Absage in erster Linie für die Leute, die viel Geld für in eine Karte und in die damit verbundene Logistik investiert haben. Es ist mir lieber, jemand zieht zwischendurch mal die Notbremse und bleibt uns eine Weile länger erhalten, als dass ihn ein Schicksal wie das von Villazón ereilt. Ich selbst bin zwar auch schon von Absagen von A. N. betroffen gewesen, hatte aber in der Regel großes Glück und habe sie in mindestens 8 Rollen live erlebt. Spätestens seit ihrer in Elsa in Dresden sollte jeder anerkennen, wie professionell die Sängerin arbeitet (das ist keine Steilvorlage für die Teleprompter-Diskussion...). Sie hat auch immer wieder bewiesen, dass sie sich im Laufe der Zeit in einer Rolle deutlich steigern kann. Ich hoffe, ich kann sie im September gut erholt in der Adriana in Berlin erleben.

    Lieber Kapellmeister, Du bist meinem Bericht, den ich mit ein bißchen Spannung um kurzfristige Absagen würzen wollte, zuvorgekommen. Ein paar Zeilen werde ich dennoch schreiben. Es grüßt Hans


    Lieber Hans,


    vielen Dank für Deinen Bericht. Vogt hatte im 2. Akt ein paar Töne, die er forciert hat, aber insgesamt habe ich ihn noch nie so gut gehört. Ich mag seine Stimme nicht, muss ihn aber dennoch loben. Eine gute Elsa zu finden, ist gar nicht so leicht. Ich bin jedenfalls froh, dass nicht Dasch gesungen hat. Nylund gehört sicher zusammen mit Willis-Sorensen und Harteros zu den besten Elsas, die derzeit im Angebot sind. Schade, dass Dir Elena Zhidkova nicht so gefallen hat. Mir hat gerade die Noblesse in ihrem Vortag gefallen. Da sie die Partie ein Jahr lang nicht gesungen hatte, sind ohnehin Abstriche zu machen.



    Viele Grüße


    Kapellmeister Storch

    Da fährt man nach Bayreuth zur vermeintlichen B-Besetzung, Synthese aus den Besetzungen in Berlin und Dresden, bekommt dann aber eine ungewöhnliche Aufführung auf recht hohem Niveau geboten. Zunächst hatte Elena Pankratova recht kurzfristig abgesagt. In der aktuellen Venus stand jedoch in Elena Zhidkova, die ich noch aus ihrer Anfangszeit in Berlin in guter Erinnerung habe, ein hochwertiger Ersatz parat. Sie hat die Partie zuletzt vor einem Jahr in Wien gesungen und davor auch schon in Oslo und Kopenhagen. Sie besitzt zwar nicht das Organ einer Smirnova, hat aber keine nennenswerte Mühe mit der Partie. Sie hat die Ortrud sehr nobel mit einem leichten Flirren in der Stimme gesungen. So war die anfängliche Enttäuschung über die Absage Pankratovas schnell verschwunden. Merklich indisponiert mit großen Problemen in der Höhe hat sich Tomasz Konieczny solange gequält, bis es zu Beginn des 2. Aktes nicht mehr weiter gegangen ist. Mir war in der Folge aufgefallen, dass die gerollten "Rs" plötzlich gefehlt haben. Hier hatte kurzfristig Egils Silins von der Seite singend übernommen, der darüber hinaus auch den Heerrufer gesungen hat. Auch wenn ich Silins nicht besonders mag, verdient er für die Rettung der Vorstellung den allergrößten Respekt. Gefreut hatte ich mich ursprünglich auf Krassimira Stoyanova. Sie wurde ja bereits vor einiger Zeit durch Camilla Nylund ersetzt, die nach ihrer Absage vor ein paar Tagen wieder an Bord gewesen ist. Wie schon im Juni in Berlin hat sie die Elsa sehr innig gesungen. Den größten Beifall unter den Sängern hat Klaus-Florian Vogt gesungen, der sehr gut zu Nylund und Thielemann gepasst hat. Auch wenn ich kein Vogt-Fan bin, war das wohl der beste Vogt, den ich je gehört habe. Eine gewohnt überragende Leistung hat Georg Zeppenfeld als König Heinrich geboten. Seine Höhe scheint deutlich an Power gewonnen zu haben. Zeppenfeld ist ein Glücksfall für jede Aufführung. Nicht das mir das Dirigat von Christian Thielemann nicht gefallen hätte, aber wenn ich mich nicht täusche, war sein Lohengrin Anno 2019 langsamer und breiter als im Vorjahr oder in Dresden. Die Rahmenbedingungen waren übrigens bei Temperaturen zwischen 19 und 22 Grad recht erträglich. Außer meiner eigenen Personalausweiskontrolle habe ich übrigens keine weiteren Kontollen gesehen.

    In Dresden hat er den Cavaradossi auch schon im Mai gesungen. Mir ist berichtet worden, dass er zwar eine ordentliche Höhe hätte, aber alles sehr gepresst geklungen hätte. Noch schlimmer soll allerdings seine Bühnenpräsenz gewesen sein. Aber vielleicht steigt er dort ja auch demnächst aufs Dach der Semperoper und holt die Kastanien aus dem Feuer.

    Lieber Caruso41,


    Ich freue mich für Dich, dass Du für ein Oper Magazin schreiben wirst und für uns, dass Du dem Forum erhalten bleibst. Von mir kommen bei Gelegenheit auch wieder Vorstellungen aus meiner Sicht interessanter Stimmen.



    Herzliche Grüße


    Kapellmeister Storch

    Unter den gut 60 besuchten Vorstellungen waren viele schöne und gute Aufführungen. Ich picke spontan diese heraus:

    • Andrea Chénier
    • La Rondine
    • Hamet, konzertant, alle DOB
    • Elektra, Staatsoper
    • La Fanciulla del West, München


    Einzelne Sänger-Highlights:

    • Erwin Schrott als Scarpia (DOB)
    • Ludovic Tézier als Rigoletto (Wiesbaden)
    • John Lundgren als Telramund (DOB)
    • Angela Gheorghiu als Mimi und Tosca (Dresden)
    • Günther Groissböck als Gurnemanz (DOB)


    Mein Konzert-Highlight:


    Die 7. Symphonie von Bruckner unter Riccardo Muti (Wiener Philharmoniker, Konzerthaus Berlin)

    ... den Rodolfo aus Luisa Miller habe ich zweimal von Calleja gehört. In Hamburg. Davon habe ich hier im Forum auch kurz berichtet.

    Nach den Aufführungen war ich durchaus begeistert. Trotzdem bin ich skeptisch, ob Calleja wirklich die angekündigten Partien alle in sein Repertoire nehmen wird.schon im Rodolfo wurden Grenzen hörbar.


    Caruso41

    Da stimme ich Caruso zu. Calleja wird aber hoffentlich so klug sein, auf Rollen die seiner Stimme am Ende ehr schaden, zu verzichten. Mehr französisches Repertoire nehme ich gerne mit. Sein Faust vor 14 Jahren war grandios.

    Lieber Fiesco,


    das ist eine berechtigte und gute Frage. Vor 15 Jahren habe ich Stephen Gould in der Partie gehört. Den fand ich damals hervorragend. Seine Stimme war 2004 natürlich nicht so schwer wie heute. James King habe ich als Paul leider nicht mehr live erlebt. Es wäre sicher interessant gewesen, wenn Botha die Rolle gesungen hätte. Aktuell wären vielleicht Beczala und Ventris interessante Kandidaten. Zumindest Beczala wird sich das Vielleicht nie antun. So wird auch Seiffert die Rolle aus gutem Grund nie gesungen haben. Schade...

    Ich war auch in der Vorstellung am Freitag (und zuvor am 31.10.). Die letzte Aufführung in der Spielzeit der Premiere war für mich eine angenehme Überraschung. Sowohl die Inszenierung als auch die Besetzung haben mir viel besser als bei meinem Besuch im Herbst gefallen. Damals bin ich mit Ales Briscein nicht richtig warm geworden, am Freitag fand ich ihn ausgezeichnet, auch wenn die Stimme nicht unbedingt meiner Idealvorstellung für den Paul entspricht. Er zeigte auch keinerlei Ermüdungserscheinungen und passte hervorragend in die Inszenierung. Sein Tenor ist zwar schmal, aber sehr robust. Das Dirigat von Rubikis hat mir gefallen. Ich finde es bemerkenswert, dass ich in den vergangenen Tagen in der Komischen Oper zwei Werke hervorragend aufgeführt erlebt habe, die eigentlich eher in die DOB oder Staatsoper gehören. Sehr erfreulich war auch die Leistung des Orchesters.

    Lieber Rheingold1876,


    es freut mich, dass Du ähnlich begeistert warst.


    Was die Spielpläne betrifft, bin ich beim Stimmenliebhaber, die ist so schlecht nicht. Natürlich vermisse ich das eine oder andere Stück. Man kann auch kritisieren, dass jedes Haus für sich plant und dass die drei Häuser es nicht schaffen mal ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. Was die Auslastung betrifft findet man diverse Erklärungen, aber keine Regel.

    Konzertante Aufführungen in der Deutschen Oper haben inzwischen eine schöne Tradition und garantieren fast immer aller höchstes Niveau, jedoch keine vollen Häuser. Warum man von der Thomas-Oper Hamlet gleich drei Aufführungen angesetzt hat, ist mir ein Rätsel. In München hätte man das Haus vermutlich dreimal ausverkauft, in Berlin war schon die Premiere am 24.06.2019 nicht sonderlich gut verkauft. Alle die gekommen waren, mussten ihren Besuch nicht bereuen, denn es wurde eine grandiose Aufführung geboten. Das Zugpferd der Aufführung war, wie schon mehrfach in der Vergangenheit, Diana Damrau, die hier als Ophélie allerdings von der Rolle her nicht die erste Geige gespielt hat. Obwohl sie ihre beste Zeit hinter sich haben dürfte und ihr die Höhe Mühen bereitet, die sie aber hervorragend zu kaschieren versteht, hat sie mir am Montag besser gefallen als in anderen Rollen. Trotz reifer Stimme klang ihr Vortag sehr mädchenhaft und nicht so aufgesetzt wie in früheren Jahren. Neben der Oper an sich war der Sänger der Titelpartie, Florian Sempey, der Hauptgrund für meinen Besuch. Er hat vor ein paar Jahren als Alphonse in La Favorite für Furore gesorgt. Sein Material hatte ich ein wenig nobler in Erinnerung, aber dennoch war er mit seinem kräftigem, farbenreichem Bariton der Star des Abends. Das war wirklich überragend! Eine ebenfalls überragende Leistung bot Eve-Maud Hubeaux als Gertrude. Vor knapp zwei Jahren habe ich sie an der Bastille-Oper als Thibault in Don Carlos gehört. Sie singt aber durchaus schon Rollen wie Eboli, Brangäne oder Léonor (Favorite). Sie besitzt einen farbenreichen, schlanken, aber durchschlagskräftigen Mezzo und wirkte in ihrem Kleid wie eine Film-Diva aus den 50er Jahren. Damrau-Gatte Nicolas Testé hat den Claudius akkurat, aber ohne besondere Farben in der Stimme und mit fehlender Tiefe gesungen. Als Laërte hat mir Philippe Talbot mit schlankem, angenehmem Tenor gefallen. In weiteren kleineren Rollen waren u.a. Thomas Lehman (Horatio), Andrew Dickinson (Marcellus) und Andrew Harris (Geist des verstorbenen Königs) aufgeboten. Die Aufführung wurde sehr umsichtig und bravourös von Yves Abel geleitet. Sein Dirigier-Stil wirkte zwar merkwürdig hölzern, im Ergebnis spielte das Orchester aber auf hohem Niveau, und er hatte den Laden bestens im Griff. Ich freue mich auf die nächste Aufführung am Donnerstag.

    20.06.2019


    Manchmal hat man beim zweiten Anlauf weniger zu meckern. Bei dieser Otello-Serie ist das allerdings anders. Mein wohlwollendes Urteil über Russel Thomas muss ich leider revidieren. Viele hohe Töne hat er gestemmt oder unschön gesungen, außerdem fehlt es ihm an Ausstrahlung für die Rolle. Keine guten Vorzeichen für den Don Alvaro. Auch Guanqun Yu hat mir nicht mehr so gefallen wie 12 Tage zuvor. Sie hat zwar überwiegend wunderschön gesungen, ist aber im 3. Akt ebenfalls an Grenzen gestoßen und ohne große Ausstrahlung geblieben. Paolo Arrivabeni hat mehrfach Thomas oder/ und Gagnidze nach vorne getrieben, weil sie geschleppt haben. Als gut habe ich diesen Otello dann nicht mehr empfunden

    Den Besuch der relativ neuen Carmen-Produktion von Ole Anders Tandberg habe ich mir bis gestern (19.06.2019) aufgespart. Trotz der Mitwirkung von Joseph Calleja gab es viele freie Plätze. Der Tenor hat sich in guter Verfassung präsentiert, seine wunderschöne Stimme strömen lassen und der Aufführung seinen Stempel aufgedrückt. Ebenfalls sehr gut hat mir Ramona Zaharia von der DOR in der Titelpartie gefallen, die für die ursprünglich geplante Stéphanie D´Oustrac übernommen hatte. Ihr Mezzo sprach in allen Lagen wunderbar an ohne jemals aufgesetzt zu klingen. Etwas anders stand es da um die Ensemblemitglieder. Sowohl Meechot Marrero als auch Samuel Dale Johnson sind ohne Zweifel hoch veranlagte Talente. Marrero hat gestern ihr Rollendebüt als Micaëla gegeben. Sie ist eine bildhübsche Sängerin mit ebenso schönem Sopran, nur leider ist entweder das Haus zu groß für ihre Stimme oder die Stimme (noch) zu klein für Rollen wie Micaela oder Liu oder gar beides. Sie hat überwiegend sehr schön gesungen, ist aber auch deutlich an ihre Grenzen gestoßen. Auch für Johnson war der Escamillo (noch) eine Nummer zu groß. Letztendlich fehlt es der Stimme noch an der notwendigen Kraft und Tiefe für die Partie. Von den Sängern der kleineren Partien konnte insbesondere wieder Thomas Lehman überzeugen. Recht blass sind Cornelia Kim als Frasquita und Amber Fasquelle als Mercédès geblieben. Beim umsichtigen und zündendem Dirigat von Jacques Lacombe sind keine Wünsche offen geblieben.

    Gestern (18.06.2019) habe ich mir den Rosenkavalier gegönnt, der auf ausdrücklichen Wunsch von Ainars Rubikis in der Inszenierung von Andreas Homoki aus dem Jahr 2006 zur Wiederaufnahme gelangt ist. Ich habe in meinem Leben schon viele starke Rosenkavalier-Vorstellungen erlebt, aber der Chef der KOB muss sich da nicht verstecken und war ein Garant für eine insgesamt sehr erfreuliche Aufführung. Wirkliches Format hatte die Marschallin von Johanni van Oostrum: kunstvoll, scheinbar mühelos und mit wunderbaren piani sorgte sie für großes Strauss-Glück. Ebenfalls gut, aber leider ohne süßliche piani, gab Vera-Lotte Böcker eine recht kratzbürstige Sophie. In Karolina Gumos stand der vielleicht hübscheste Octavian auf der Bühne, den ich seit Jeanne Piland erlebt habe. Sie konnte aber auch gesanglich und darstellerisch hat sie mir gut gefallen. Auch wenn er Schüler von Kurt Moll gewesen ist, war ich nie ein großer Freund von Jens Larsen. Allerdings muss ich zugeben, dass die Komische Oper froh sein kann, diesen Sänger am Haus zu haben. Sein Ochs gehört sicher auch zu den besseren Rollen, die ich von ihm gehört habe. Und so viele gute Rollenvertreter fallen mir da momentan auch gar nicht ein. Als italienischer Sänger war Timothy Richards eine mehr als erfreuliche Besetzung. In den weiteren Rollen sind mir insbesondere Mirka Wagner als Leitmetzerin und Michaela Selinger als Annina positiv aufgefallen. Am 23.06. steht die Oper nochmal auf dem Spielplan.

    Zwei Wochen nach der Premiere habe ich es gestern geschafft mir die neue Rigoletto-Produktion anzusehen. Ein großes Plus dürfte die recht belanglose Inszenierung von Bartlett Sher gegenüber der Bosse-Produktion der DOB haben: es dürfte leichter sein prominente Sänger für Auftritte zu gewinnen. Gesanglich war der Abend nichts für Feinschmecker der italienischen Oper. Als Christopher Maltman (Rigoletto) seine ersten Töne gesungen hat hörte sich das an, als würde er mit einem Megaphon in der Hand singen. Auch wenn er zu differenziertem Gesang durchaus in der Lage war, hat er sich so durch den ganzen Abend gepoltert. Insgesamt fand ich ihn als Rigoletto durchaus interessant, weil er ein interessanter Darsteller ist, bevorzuge jedoch Sänger wie Tézier, die schönen und kernigen Gesang vereinen. Michael Fabiano (Herzog)besitzt eine durchaus schöne Tenorstimme. Leider führt er diese recht unbändig. Trotz erheblicher Defizite in der Höhe geht er jeden noch so hohen Ton mit voller Bruststimme an. Das ist wie bei einem Springreiter, der mit seinem Pferd alle Hindernisse mit Bravour angeht und abräumt. So ging sein Auftritt insgesamt ziemlich in die Hose. Eigentlich schade um das Material. Einen zwiespältigen, wenn auch deutlich besseren Eindruck, hat Nadine Sierra als Gilda hinterlassen. Sie hatte sehr starke Momente und ist eine durchaus attraktive Sängerin, aber insgesamt war mir ihr Vortrag zu unpersönlich und zu uneinheitlich. Da sind Tonsprünge nicht richtig gelungen und in schön gesungene Passagen haben sich merkwürdig harte Töne eingeschlichen, die man so nicht unbedingt erwartet hat. Mir hat Cristina Pasaroiu zuletzt in Wiesbaden deutlich besser gefallen. Etwas enttäuscht war ich auch von Elena Maximova als Maddalena, die sich routiniert ordentlich gesungen hat und hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben ist. Jan Martiník hatte als Sparafucile gegen den übermächtigen Bariton von Maltman einen schweren Stand. Ehrlich gesagt sind mir nur zwei Sängerinnen aus dem Opernstudio positiv aufgefallen: Corinna Scheuerle als Giovanna mit noblem Mezzo und die erst 25-jährige Serena Sáenz mit flirrendem Sopran, den sie im September dem Waldvogel im Siegfried leihen wird. Auch das Dirigat von Andrés Orozco-Estrada gehörte für mich nicht zu den aufregendsten Opernmomenten. Jetzt hat Berlin drei Rigoletto-Produktionen zur Auswahl. Übrigens war das Haus gut besucht. Wie schon öfter sind viele Karten erst wenige Tage vor der Aufführung verkauft worden. Ohne den Standort-Vorteil würde es wohl manchmal recht leer im Haus sein.