...herrlich!
Hallo Michael,
Danke für deinen langen Beitrag. Irgendwie fühle ich mich besonders von deinen Worten angepflaumt (ohne das persönlich übelzunehmen) und sehe mich daher im Zugzwang! 
Es ist sehr löblich, dass du fast allen hier kritisierten Komponisten die Ehre zu retten versuchst und ich habe ja selbst bei jeden meiner Punkte versucht objektiv zu bleiben und jeweils auch meine gelegentliche Freude an den Krandidaten zum ausdruck gebracht.
Ich würde dir fast überall bei deinen Fingerzeigen recht geben, aber gerade du, der sich stets für Raritäten interessiert und einsetzt müsstest doch zugestehen, dass es ungerecht und damit meine ich auch "überbewertet" ist wenn Mendelssohns "Italienische", "Schottische", das Violinkonzert und Hebriden sowie Puccinis Opern jede Saison bis zum erbrechen gespielt werden, während andere - durchaus auch großartige Komponisten oder Werke - ein jämmerliches Schattendasein in Archiven fristen und nicht einmal davon träumen brauchen jemals wieder gespielt zu werden.
Das mag schlicht daran liegen, weil es bequem ist die populären Reisser zu spielen.
Man ist doch auf der sicheren Seite: Jeder Sänger und jeder Orchestermusika kann Tosca warscheinlich im Schlaf und das Haus ist garantiert voll und am Ende begeistert. Wenn man was Unbekanntes machen will, muss man alles von der Pike auf organisieren und einstudieren - das Haus ist warschelich nach der 3. Vorstellung nur noch halbvoll und die Begeisterung hält sich im allgemeinen eher im Rahmen.
Vielleicht ist also der Kulturbetrieb einfach nur aus bequemlichkeit Festgefahren - aber daraus resultiert bei ganz vielen doch sicher die Meinung: "Aha! Puccini wird aber oft gespielt und der Verdi und Strauss - DAS sind wichtige Komponisten, alle Namen die wir nicht kennen, sind unwichtig und eines Besuchs daher unwürdig."
Ich finde Überbewertung liegt bei vielen Komponisten darin begründet, dass sie ZU oft gespielt werden, im Vergleich zu einem großen Heer durchaus auch "Spielplan-berechtigter" Komponisten. Wieso spielt man nicht einfach MAL nicht die "Schottische" sondern IRGENDwas anderes, exotischeres?! Ist das alles zu schlecht?
Sehr nervig finde ich auch die Tatsache, dass von "berühmten und bedeutsamen" Komponisten alles, wirklich ALLES gespielt wird...selbst das noch so unbedeutende und belanglose Früh- oder Gelegenheitswerk von Komponist XY wird irgendwann man im Konzert aufgeführt oder im Radio gesendet, weil es ja von XY ist. Das mag ja bei Frühwerken musikwissenschaftlich vielleicht noch interessant sein, aber dem unkundigen Hörer wird doch hier, allein durch den großen Namen, die Bagatelle in x-moll als Bedeutsam suggeriert, wenn nicht weiter erläutert.
Dies als nächtliche Denkanstösse - Gute Nacht,
Raphael