Beiträge von Norbert

    Hallo Joseph :-)

    Dachte immer, die ETERNA- (später von Telefunken übernommene) Einspielung von Vaclav Neumann von 1965 (erschienen 1966) sei die Ersteinspielung.... Hast Du davon ein genaueres Aufnahmedatum? Als CD kam sie übrigens wieder 2005 auf Berlin (Eterna) Classics heraus.

    Lieber Adriano,


    Joseph II. wird mir sicherlich verzeihen, wenn ich für ihn antworte. ;)


    Vaclav Neumanns Aufnahme entstand am 13. und 14.12.1965 in der Heilandskirche Leipzig.


    Das hast Du treffend in Worte gefasst, lieber Norbert. Ich habe mir jetzt die ersten drei Symphonien angehört und würde sie sämtlich unter der höchsten Kategorie verbuchen. Järvi weiß diese frühe(re)n Werke mit Leben zu füllen, ohne sie aufzublähen. Das hr-Sinfonieorchester erweist sich hier als vorzüglicher Klangkörper und hat unter seiner Leitung ja auch andernorts sehr Beachtliches geleistet. Seine Interpretation der Dritten war die erste, die mich von Anfang bis Ende fesseln konnte (wobei ich hinzufügen muss, dass ich das Werk bisher vergleichsweise selten hörte). Wieso der Zyklus seit fast einem Jahrzehnt unvollendet bleibt, weiß vielleicht nicht einmal RCA. Die Achte hat er jedenfalls durchaus gemacht und das hr-SO hat sie sogar als Video auf seinem YT-Kanal (wie auch Nr. 0, 1 und 3).

    Lieber Joseph,


    in drei Jahren ist ein runder Geburtstag, vielleicht passiert ja etwas. Zum Beispiel beim Preis für die 2. Sinfonie, denn der ist bös hoch...


    In den nächsten Tagen folgen dann die 7. und 9. Sinfonie, bei denen Järvi mit ca. 67 und 65 Minuten nicht mehr so zügig unterwegs ist. Ich erinnere mich, dass ich seinerzeit bei der 9. Sinfonie etwas enttäuscht war (was ich in einem Thread über die 9. Sinfonie auch kundtat) und bin entsprechend gespannt, zu welchen Höreindrücken ich nach etlichen Jahren kommen werde...


    Bis dahin überbrücke ich ein wenig die Zeit mit Bruckner... ;) :



    Michael Gielen bleibt meine "Referenz" bei dieser Sinfonie, aber Philippe Herreweghe reiht sich in die Spitzengruppe knapp dahinter ein (mit z.B. Jascha Horenstein, Riccardo Chailly, Günter Wand, Eugen Jochum (Ottobeuren), Bernard Haitink, Wolfgang Sawallisch, bestimmt habe ich noch jemanden vergessen...)

    Derzeit im CD-Spieler:



    Järvis Bruckner Aufnahmen (von denen ich die 4. - 7. und die 9. besitze) rangierten bei mir bisher unter "ferner liefen", aber das scheint sich als Fehleinschätzung herauszustellen. Schon die Interpretation der 6. Sinfonie, die ich gestern hörte, gefiel mir sehr gut, und auch das, was ich bisher von der "Romantischen" höre, beeindruckt mich.

    Stimmige, bisweilen zügige Tempi im Kopfsatz ohne "Weichzeichner", flüssiges, fließendes Tempo im zweiten Satz, den ich gerade höre. Keine "Erdenschwere", sondern eine fast schon heitere, beschwingte Grundstimmung. Die Satzbezeichnung "Andante quasi Allegretto" wird hier exemplarisch beachtet.

    Hinzu kommt ein erstklassig besetztes, engagiertes Orchester...

    Zur 8. Sinfonie kann ich lediglich anmerken, dass Carl Schuricht grundsätzlich die Nowak-Fassung spielte, diese aber im Finale um einige Takte kürzte oder in einigen Passagen durch Noten aus der Haas-Fassung ersetzte. In wieweit sich das deutlich hörbar auf die Sinfonie auswirkt oder wie mir die Aufnahme gefiel, kann ich aus dem Gedächtnis leider nicht sagen.


    Die 9. Sinfonie hat auch nach fast 60 Jahren (aufgenommen 20.-22.11.1961) nichts von ihrem "Ausnahmerang" verloren. Besonders das Adagio (mit 20:17 sehr flott gespielt) lässt durch die komplett unsentimentale, fast aggressive (zu Beginn des Satzes) Herangehensweise aufhorchen.


    Näheres, wenn ich beide Aufnahmen gehört habe...


    Nachdem ich mir beide Aufnahmen zweimal angehört habe, komme ich zu dem Schluss: Die 8. Sinfonie kann man gerne besitzen, die 9. Sinfonie sollte man auf jeden Fall besitzen.


    Zur 8.: Die von mir oben erwähnten Kürzungen und Vermischungen von Haas und Nowak scheinen mir gängige Praxis bei Carl Schuricht gewesen zu sein, die aber in der vorliegenden Aufnahme nicht zum Tragen gekommen sind. Im Beiheft ist zu lesen, "In der vorliegenden Einspielung der Achten folgte er der Ausgabe der 1890-er Fassung von Leopold Nowak, zugegebenermaßen mit Bedenken."


    Im ersten Satz ist auffällig, dass Carl Schuricht eine gewisse Flexibilität im Tempo bevorzugte, die allerdings nicht störend wirkten, im Gegenteil, gut gemachte Rubati empfinde ich als durchaus hörenswert, weil sie einzelne Satzstellen neu betonen und ihnen ein anderes Gewicht verleihen.

    Schuricht wusste, was er dirigiert und was er vermitteln wollte. Die recht zügigen Tempi (15.40, 14.03, 21.47 und 19.45) lassen keine falsche Gemütlichkeit aufkommen, lassen aber trotzdem "Raum für Größe" (insbesondere in den sehr gelungenen Sätzen drei und vier). Der stets gewahrte musikalische Fluss widerspricht nicht dem großen Detailreichtum der Partitur. Nichts wirkt beiläufig oder "unterbelichtet".


    Es ist unterm Strich eine Aufnahme der Spitzenklasse, die leicht unter einem etwas "topfigen Klang" leidet. Aufnahmen von 1963 können besser klingen.


    Das ist erstaunlicher Weise bei der 9. Sinfonie der Fall, die 1961 und somit fast zwei Jahre früher aufgenommen wurde. Ich habe die SACDs gehört



    und kann dem Remastering von 2012 ein großes Plus in Bezug auf die Abbildung der Instrumente, der Räumlichkeit und der Transparenz gegenüber der CD-Ausgabe von 1990 machen, die ich ebenfalls seit Jahren besitze



    Es sind zwei wunderbar musizierte Sätze zu hören, in denen Schuricht "größe Bögen" spannt, aber niemals ein Detail aus dem Auge verliert (Spielzeiten 25.37, 10.28 und 20.17). Auch hier lassen sehr gelungene Rubati aufhorchen, auch hier spielt das Orchester mit Engagement und Klangschönheit, scheut sich aber im Adagio nicht vor etwas raueren Tönen. Das Adagio nimmt nicht nur wegen des schnellen Tempos einen Ausnahmerang ein. So atemlos suchend, Kämpfe durchführend, Spannung aufbauend, Konflikte lösend, bis hin zum ruhig fließenden, friedlichen Ende, habe ich den Satz bisher in keiner anderen Interpretation gehört. Da ist null "Weihrauch", der Friede am Ende ist hart umkämpft (ausgehend davon, dass dieser letzte vollendete Satz von Bruckner im Bewusstsein geschrieben wurde, dass der Tod nicht fern ist).


    Das ist für mich unterm Strich eine der gelungensten Aufnahmen der 9. Sinfonie, die man insbesondere wegen des Adagios unbedingt kennen sollte.

    Das glaube ich sofort, lieber Norbert. Ich habe mir dieselbe kürzlich ja ebenfalls zugelegt (als digitaler Download, wie auch Nr. 1-4 und 6). Bisher kam ich nur dazu, die Erste (in der Linzer Fassung) zu hören, die mich in Järvis Lesart aber restlos begeisterte. Das "kecke Beserl" stand bisher bei mir im Hintergrund. Nun merke ich, wieso es diesen Beinamen erhielt. Die späte Wiener Fassung des Werkes ist vergleichsweise handzahm. Ich verstehe nicht, wieso RCA den Järvi-Bruckner hierzulande so mangelhaft bewirbt - und wieso die Achte noch immer nicht erschienen ist. Man könnte doch längst den ganzen Zyklus (plus die von ihm auch aufgeführte "Nullte") in einer Box herausbringen.

    Ich bin da ganz auf Deiner Seite, lieber Joseph, zumal ja gefühlt alles und jeder mit einer eigenen Box bedacht wird.


    Die 1. Sinfonie nimmt bei mir auch keinen großen Stellenwert ein, im Gegensatz zu der "Annullierten" und der 2. Sinfonie, die ich sehr gerne höre.


    Und da ich gerade unschlüssig bin, welche Bruckner-Sinfonie in welcher Einspielung ich als nächste hören will, überbrücke ich die Denkzeit mit dieser sehr gelungenen CD:

    Danke der Nachfrage, lieber Norbert.


    Sehr positiv insgesamt. Herreweghe hat ein Händchen für dieses Monumentalwerk. Er übertreibt es an keiner Stelle mit den Tempovorstellungen und bringt die Schlussdoppelfuge in geradezu Bach'scher Manier ohne zu versuchen, sie gewollt zu "entmonumentalisieren". Wohl keine Erstempfehlung, aber ein heißer Tipp für Fortgeschrittene.


    Waren Deine Höreindrucke mit Paavo Järvi ähnlich positiv?


    In der Tat, lieber Joseph, hat mir Järvis Interpretation auch sehr gut gefallen.


    Er bietet eine sehr gut gelungene Kombination aus "Struktur" und "Gefühl". Er weiß, was er dirigiert und er weiß, was er dirigieren will. Er beweist einen gutem "Atem" in der Bewältigung des riesigen Werkes, ohne vor der Größe zu erstarren.


    Die einzige kleine Einschränkung mache ich beim zweiten Satz, der mit 14'57 etwas zu schnell geriet. 15 Minuten sind da tatsächlich meine "Schmerzgrenze", wie sich in den vielen Aufnahmen, die ich besitze, herausgestellt hat. Zu Beginn ist er mir etwas zu zügig, findet aber später doch noch zu beeindruckenden Klangerlebnissen.


    Philippe Herreweghes Aufnahme schätze ich auch sehr. Ich mag die Farbigkeit im Orchesterspiel und auch den Ausdruck, den er an den Tag legt. Er ist ja eher der "zurückhaltende Typ", aber hier hat er den Mut, das Orchester zu großartigem Spiel zu animieren.

    Lieber Novalis,


    Du hast die Vorzüge der Aufnahme mit Hartmut Haenchen gut beschrieben. Auch wenn ich andere Einspielungen über alle Maßen schätze, halte ich seine Interpretation für eine der gelungensten und wichtigsten der letzten Jahre, eben weil er auf den "Einheitsbruckner" mit langsamen Tempi und viel Pathos verzichtet.


    Unterm Strich ist Hartmut Haenchen von allen Aufnahmen, die ich kenne, am schnellsten unterwegs (14'13, 13'30, 21'47 und 19'49), wenngleich es Dirigenten gab, die in einzelnen Sätzen noch schneller spielen ließen (z.B. Karl Böhm in den ersten beiden Sätzen in der Haas-Fassung) oder in etwa gleich schnell waren (z.B. Carl Schuricht im dritten und vierten Satz oder Klaus Tennstedt im Finalsatz -beide Edition Nowak).


    Die "nackten Zahlen" beeindrucken nicht so sehr wie die Herangehensweise. Alle Tempi sind stimmig, keine Phrase wirkt "unterbelichtet" oder beiläufig verhuscht, das Adagio klingt auch hier "feierlich langsam", allerdings in Relation zu den ebenfalls vergleichsweise schnellen ersten beiden Sätzen.


    Und, lieber Joseph, wie fiel der Höreindruck aus?


    Bruckners 5. erklingt auch gerade bei mir:


    Lieber Garaguly,


    es gibt einiges sehr schönes in der Box zu entdecken... Ich bin sicher, Du wirst den Kauf nicht bereuen.

    Wie sieht man heute eigentlich die Aufnahmen von Schuricht der 9ten (auch der 8ten)? Immer noch ein Muss, oder mittlerweile angesichts der vielen anderen Aufnahmen nicht mehr kanonisch?


    Herzliche Grüße


    Christian


    Lieber Christian,


    ich nehme Deine Frage zum Anlass, mich nach langer Zeit mal wieder mit dieser Doppel-CD zu beschäftigen:



    Auch in dieser (mir ebenfalls vorliegenden) Box erhältlich:



    Zur 8. Sinfonie kann ich lediglich anmerken, dass Carl Schuricht grundsätzlich die Nowak-Fassung spielte, diese aber im Finale um einige Takte kürzte oder in einigen Passagen durch Noten aus der Haas-Fassung ersetzte. In wieweit sich das deutlich hörbar auf die Sinfonie auswirkt oder wie mir die Aufnahme gefiel, kann ich aus dem Gedächtnis leider nicht sagen.


    Die 9. Sinfonie hat auch nach fast 60 Jahren (aufgenommen 20.-22.11.1961) nichts von ihrem "Ausnahmerang" verloren. Besonders das Adagio (mit 20:17 sehr flott gespielt) lässt durch die komplett unsentimentale, fast aggressive (zu Beginn des Satzes) Herangehensweise aufhorchen.


    Näheres, wenn ich beide Aufnahmen gehört habe...

    Lieber Norbert,


    ich habe diesen Zyklus (den ich mir wahrlich umständlich zusammengekauft habe) insgesamt als sehr, sehr gut in Erinnerung, was künstlerische als auch klangliche Qualität angeht.

    Ja, lieber Joseph,


    ich war auch sehr angetan von der Interpretation. Fedoseyev dirigiert "seinen" Tschaikowski gefühlvoll, aber nicht sentimental.

    Inspiriert durch Freund Rolo, der sich durch die Sinfonien Tschaikowskis hört, beginne ich den musikalischen Tag mit:


    -Tschaikowski, Sinfonie Nr. 1 und "Das Schneemädchen"; Vladimir Fedoseyev dirigiert das Große Tschaikowski Symphonie Orchester des Moskauer Radios


    Eine Neuerwerbung, die mir preisgünstig über den Weg lief...

    Lieber Norbert,


    die Angabe zur Nowak-Edition entnahm ich der Diskographie bei abruckner.com. Tatsächlich unterscheidet sie sich ja angeblich nicht wirklich von der Haas-Edition. Wobei mir noch nie jemand die genauen minimalen Unterschiede offenlegte.


    Bzgl. Matačić und Bruckner 5 ließe sich wohl einiges sagen. Es scheint ihm die persönlich wichtigste Bruckner-Symphonie gewesen zu sein. Immerhin vier offizielle CD-Erscheinungen gibt es. Neben den genannten noch zwei vom Label Altus, die Konzerte mit vom NHK (1967) und RAI (1983) festhalten. Auch die genannte Aufnahme von 1979 ist ja, wie gesagt, vom Rundfunk. Einzig 1970 ging er ins Studio. Die Schlusscoda bringt Matačić 1979 nach meiner Erinnerung eher wie Jochum bei der DG, also mit verdoppelten Blechbläsern, aber ohne die sonstigen Zutaten von Schalk. Er scheint dies also im hohen Alter noch einmal variiert zu haben. Wenn ich mich recht entsinne, ist das französische Orchester am Ende aber heillos überfordert, was mir diese Aufnahme verleidet, die an sich hörenswert wäre.

    Lieber Joseph,


    ich würde, denke ich, auch keine Unterschiede hören können.


    Bei Gelegenheit werde ich mir die beiden genannten Aufnahme zu Gemüte führen und, wenn ich schon dabei bin, auch diese, die ich ebenfalls mein Eigen nenne:



    Interessant ist es, was Benjamin Cohrs in der zitierten Rezension schreibt: "... Lovro von Matacic blieb auch in dieser Einspielung von 1967 seiner Sitte treu, Bruckner stets nur in den bearbeitenden Erstdrucken aufzuführen; von den kritischen Urtextausgaben hielt er wenig..."

    Ich weiß nicht, aber mit der Dritten werde ich nicht so warm wie mit anderen Bruckner-Werken. Egal, welcher Dirigent am Pult steht. Muss an mir liegen ...

    Lieber Joseph,


    ich würde sagen, das liegt eher am Werk. ;) Mir geht es genau so, zumindest bei der immer noch favorisierten dritten Fassung von 1889.




    Sehr interessant, denn in der mir vorliegenden Aufnahme



    heißt es, dass er die Haas-Fassung dirigierte.


    Dann besitze ich noch diese:


    ,


    ein Live-Mitschnitt vom 21. Mai 1979, bei dem allerdings nicht angegeben ist, welche Fassung dort dirigiert wurde. Im Beiheft wird auf Schalks Bearbeitungen verwiesen, aber nicht darauf, ob sie auch hier verwendet wurden.


    Aus dem Gedächtnis weiß ich es nicht mehr, denn ich habe beide Aufnahmen seit Ewigkeiten nicht mehr gehört, werde es aber demnächst nachholen.


    Derweil höre ich auch eine 5. Sinfonie und zwar die von Carl Nielsen:


    Lieber Norbert,


    auch für mich, der ich bekanntlich eher von der "Jochum-Fraktion" komme, war das eine Aufnahme, die ich mit Gewinn gehört habe. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Hartmut Haenchen hat in Sachen Bruckner etwas mitzuteilen, was ihn schon von nicht wenigen anderen Dirigenten unterscheidet. Übrigens hat er die Symphonien Nr. 3, 7 und 9 vor etwa 30 Jahren schon mit dem Niederländischen Philharmonischen Orchester bei Laserlight vorgelegt (Strichcode 4006408140023, 018111409629 und 018111413824). Wenn mich die Erinnerung nicht trügt, verwendet Haenchen auch den umstrittenen Beckenschlag im Adagio der Siebten, was mich doch ein wenig erstaunt hat (nicht negativ, will ich dazu sagen). ;) Daneben hat er auch die Fünfte in Repertoire, doch ist bislang leider keine offizielle Einspielung erschienen.


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    Lieber Joseph,


    Deine Erinnerung trügt Dich nicht. Auf "Classcia" ist derzeit ein Konzertmitschnitt der 7. Sinfonie von 2018 oder 19 mit einem niederländischen Orchester (es könnte auch das Netherlands Ph O gewesen sein) zu sehen, bei dem er mit Beckenschlag und Co spielen ließ.

    Lieber Joseph,


    für mich ist das, bezogen auf Bruckner, eine der erfreulichsten Neuveröffentlichungen der letzten Jahre. Endlich traut sich ein Dirigent, gegen das "weihrauchgeschwängerte Pathosbild" Bruckners anzudirigieren. Die Tempowahl überrascht, nicht nur durch die kurze Spielzeit, sondern auch durch die Stimmigkeit. Es wirkt in der Tat nichts verhetzt oder "beiläufig".


    Ich bleibe in der Musikauswahl bei Carl Nielsen:



    und höre die erste CD mit den ersten beiden Sinfonien und der "Helios"-Ouvertüre.

    Jochum hat Bruckner ja zweimal eingespielt, zuerst auf DGG (1958-66) mit den Berlinern und dem BRO, dann (1975-80) mit der Staatskapelle Dresden. Seine "natürlich-spontanen" Interpretationen mag ich immer noch sehr - es waren meine ersten Begegnungen mit Bruckners Musik. Gebe jedoch doch zu (ohne schlechtes Gewissen - und bin mir bewusst, dass ich hier drin für Empörung sorgen werde), dass Herbert von Karajan auch in Sachen Bruckner Grossartiges geleistet hat. Dafür stehe ich auch nachdem Bruckners Orchesterkonzeption in den letzten Jahren von der Musikwissenschaft regelrecht "entschlackt" worden ist.


    Lieber Adriano,


    warum sollte man sich empören? Ich bekenne, dass ich mit den "chromblitzenden" Interpretationen der 3. und 4. Sinfonie von Karajan nichts (mehr) anfangen kann, aber seine Aufnahme der 6. Sinfonie zählte für mich immer zu den liebsten, ebenso wie seine letzte getätigte Aufnahme der 7. Sinfonie von 1989, der frühen, monumentalen Einspielung der 8. von 1957, der wesentlich "filigraneren" mit den Wiener Philharmonikern von 1988 oder die Live-Aufnahme der 9., auch mit den Wiener Philharmonikern von 1976.

    Wie fällt die Qualitätsbewertung aus?

    Beste Grüße

    Christian

    Lieber Christian,


    ich besitze die Gesamtaufnahme seit Jahrzehnten in dieser Aufmachung:



    und bin von Jochums Interpretationen insgesamt sehr angetan. Sehr wenige Dirigenten vermochten es, die 4. Sinfonie, die "Romantische", so sehr zum "strahlen" zu bringen wie Eugen Jochum. Man fühlt sich im ersten Satz in die Naturstimmung, die Bruckner beschrieb, sehr gut hineinversetzt.

    Auch in der 6. Sinfonie ist Hingabe zu spüren, so wie auch im Kopfsatz der 7., den ich gerade höre. Die 9. Sinfonie zählt seit Jeher zu meinen Favoriten. Jochum zog zu Beginn der Sinfonie das Tempo an und ließ, nach einer kurzen Generalpause, machtvoll das Hauptthema erklingen. Das ist alles so nicht in der Partitur verzeichnet, gefällt mir aber sehr gut.


    In sehr vielen Sinfonien fällt die flexible Tempogestaltung auf. Ich habe gegen Rubati, wenn sie gut gemacht sind, nichts einzuwenden und kann insgesamt mit Jochums "subjektiven" Interpretationen sehr viel anfangen, mit zwei Ausnahmen: Bei der 5. Sinfonie, der ältesten Aufnahme von 1958 (die anderen entstanden zwischen 1964 und 1967 und sind klanglich alle sehr zufriedenstellend), setzte Jochum in der Schlusscoda des Finalsatzes elf Zusatzbläser ein, was sich, für mich, sehr gekünstelt und unpassend anhört (und von Jochum in späteren Aufnahmen nicht mehr gemacht wurde). Mit der Tempogestaltung der 8. Sinfonie konnte ich mich nie so recht anfreunden. Die Tempi wirken auf mich insgesamt unruhig, fahrig.


    Ansonsten kann ich die Aufnahmen jedem empfehlen, der Bruckner mit Gefühl und Hingabe, stellenweise auch mit "Weihrauch", mag.