Beiträge von Norbert

    Mein musikalischer Morgen beginnt mit:



    -klangschöne, dynamisch fein abgestimmte, temperamentvolle Interpretationen der Sinfonien 3 und 4; überhaupt eine sehr gelungene Gesamtaufnahme mit dem großen Wermutstropfen in der 9. Sinfonie, weil, wie so häufig, bei den Gesangssolisten bestenfalls "Durchschnitt" zu hören ist...

    Nun bin ich sehr gespannt auf Deine Auswahl!

    Lieber Nemorino,


    das bin ich auch. ;) Zwei Interpreten sollten bei der 4. Sinfonie "gesetzt" sein (Carlos Kleiber und Philippe Herreweghe), aber das kann sich schnell ändern.


    Bei der 1. Sinfonie hatte ich mich spontan für Otto Klemperer und gegen Jordi Savall entschieden, weil Savalls Interpretation der von John Nelson ähnelt und Klemperer einen eindeutigen Kontrast zu Nelson und Scherchen gesetzt hat.

    Für die Sinfonie Nr. 1 C-dur, Op. 21 nominiere ich:



    In den ersten 88 Sekunden denkt man sich, "Was ist Hermann Scherchen zahm und brav", aber dann wechselt er von der Einleitung "Adagio molto" zum "Allegro con brio" und man begreift, wie radikal Scherchens Beethovens Werkdeutungen 1965 (als diese Aufnahmen entstanden) auf die Hörer gewirkt haben müssen. Kein Nachfolger von "Papa Haydn", sondern ein beginnender Revoluzzer auf dem Gebiet der sinfonischen Komposition.

    Dass Scherchen in den ersten beiden Sätze ohne Wiederholung auskommt, dass das Orchester keine Weltspitze darstellt, nimmt man angesichts der temperamentvollen, teilweise furiosen, Interpretation gerne in Kauf.



    -Ein "moderner Beethoven" (aufgenommen Januar 2006), der keine Fragen aufwirft. John Nelson und das Ensemble orchestral de Paris (heute: Orchestre de chambre de Paris) interpretieren das Werk mit viel Schwung, Spielfreude, Temperament und fein abgestuften Orchesterfarben.



    -Schon im "Erstlingswerk" ist Beethoven ein "Titan". Otto Klemperer dirigierte 1957 das Philharmonia Orchestra mit "klassizistischer Strenge" mit "Größe und Wucht".


    Auch u.a. Jordi Savall, René Leibowitz, Claudio Abbado (live), Herbert Blomstedt, William Steinberg, Leonard Bernstein (beide), Heinrich Schiff oder Günter Wand (live) hätte ich ohne Bedenken nominieren können, aber drei sind halt drei ( ;) ), und auch hier fiel die Auswahl sehr schwer...


    Als nächste nehme ich mir die 4. Sinfonie vor...

    Meine neue musikalische Woche beginnt mit:



    Die Klavierkonzerte von Saint-Saens habe ich erst kürzlich kennengelernt (so wie auch das Violinkonzert Nr. 3), was ich durchaus bedauere, denn so ist mir einiges Hörvergnügen entgangen. Aber das lässt sich ja nachholen...

    Zum Thema Beethoven-Symphonien gäbe es ja noch das "Phänomen" Ansermet. Seine Beethoven-Einspielungen aus den frühen 1960er Jahren wurden damals scharf kritisiert, doch inzwischen bezeichnet man sie als eine Art "Vorboten" der Praxis eines Harnoncourts. Die LPs aus den 1960er Jahren wurden 2009 vom Label Decca-Resonance, innerhalb einer sehr wertvollen (noch nicht vollständigen) "Ansermet Edition" - oder von Decca Japan remastered (wo sie in einem 5CD-Schuber herauskamen). Die Resonance-Ausgabe besteht aus 3 Doppel-CDs; dort befinden sich noch 6 Ouvertüren und die "Grosse Fuge" drin. Diese sind inzwischen beide gestrichen worden.

    Die Interpretationen sind in der Tat hochinteressant, jedoch ist das Orchestre de la Suisse Romande nicht immer auf der Höhe. Die "Neunte" ist z. B. leider ziemlich schlecht gespielt, irgendwie klingt alles, als wäre daran nicht genug geprobt worden, oder es wäre nicht genug Zeit dagewesen, um sie sorgfältiger aufzunehmen. Dann kommen noch die problematischen Gesangssolsten dazu (dies war Joan Sutherlands Decca-Début!). Ich habe Ansermet gekannt und bin erstaunt, dass er, der immer sehr anspruchsvoll war, so was durchgelassen hat.

    Es gibt Kritiker, die meinen übrigens noch heute, dass Ansermets Orchester immer stark überbewertet wurde und dass es eher wegen des damals eingespielten, seltenen Repertoires (russische und französische Musik) und fortschrittlichen Tontechnik gut ankamen. In Japan, wo es auch gastierte, wurde Ansermet hochgejubelt wie ein Karajan...

    Auch Ansermets (ebenfalls gestrichenen) Brahms-Interpretationen - in einer schönen 4-CD-Box von Resonance - betrachte ich als wichtige Dokumente.

    Lieber adriano,


    wie der Zufall es will hatte ich mir die Ansermet Box als nächste vorgenommen, um mir u.a. die 1. Sinfonie anzuhören


    Ich kann nachvollziehen, dass es Ansermets Gesamtaufnahme der Sinfonien seinerzeit schwer hatte. "Sein" Beethoven widersprach dem gängigen Zeitgeist, der stark von Furtwängler oder Mengelberg geprägt war oder, weniger emotional, von Bruno Walter. Nicht umsonst steht im Beiheft "perhaps he was too early in what he did". Dort sieht man ihn in einer Linie mit Toscanini oder Leibowitz, was ich nur zum Teil nachvollziehen kann, da beide letztgenannten Beethoven noch "radikaler" im Sinne der Beachtung der Metronomangaben dirigierten.


    Dem Beiheft ist ebenfalls zu entnehmen, dass Beethoven beim Orchestre de la Suisse Romande zu Zeiten Ansermets sehr selten gespielt wurde. Das, finde ich, ist zu hören, denn die Interpretationen haben nichts "repertoirehaftes", routiniertes. Auch heute, ca. 60 Jahre nach Entstehen, klingen sie durchaus noch frisch und "zeitgemäß".


    Deine Hinweise auf die mangelnde Orchesterqualität bei der 9. Sinfonie finde ich sehr interessant. Bei Gelegenheit werde ich mir die Sinfonie mal wieder zu Gemüte führen...

    Lieber Garaguly,


    Cambrelings Aufnahme der "Pastoralen" hatte ich auch im entsprechenden Thread hoch eingeschätzt. Mir gefiel, dass er zwar, ibs. im Kopfsatz, recht zügige Tempi wählte, aber Beethoven nicht "nur schnell" dirigierte. Das ist dieser imaginäre Spagat zwischen der Beachtung der Metronomangaben auf der einen Seite und der Würdigung des musikalische Aussagegehalts auf der anderen.


    Er ist übrigens ein Dirigent, der durch seine Aufnahmen mit dem SWR Sinfonieorchester, die beim Label "Glor" erschienen sind, sehr viel Reputation bei mir gewonnen hat. Seine Aufnahme von Bruckners 6. Sinfonie z.B. zählt zu meinen liebsten des Werkes (sie ist allerdings beim verbliebenen Werbepartner derzeit nicht erhältlich):



    Rafael Kubeliks Studioaufnahme habe ich ewig nicht mehr gehört, wohl aber seinen Live-Mitschnitt der Sinfonie, die bei "Audite" erschien:



    Bei ihr stellte ich fest, dass mir der Kopfsatz ein wenig zu langsam daherkommt, gar zu behäbig, aber dass die anderen vier Sätze mit sehr viel Gefühl und Wärme erklingen. Hauptsächlich ist die CD aber wegen der feurigen Interpretation der 2. Sinfonie empfehlenswert, was ich auch im Beethovens Werke - Welches sind Eure Lieblingsinterpretationen? -Thread entsprechend würdigte.


    Apropos Bruckner. Derzeit höre ich:



    Das tat ich zwar schon vor einigen Tagen, aber nicht vollständig. Dieses Versäumnis (tatsächlich eins, weil eine hervorragende Einspielung) hole ich hiermit nach...

    Lieber Garaguly,


    warum sollst Du es einfacher haben als ich? ;)


    Ähnliche Schwierigkeiten gibt's auch bei mir, aber sie sind für mich kein Hindernis.


    Höreindrücke kann man sich aufschreiben, alle Aufnahmen kann und muss man nicht hören, das Ergebnis ist und bleibt ein subjektives, das sich jederzeit wieder ändern kann.


    Es bleibt aber natürlich jedem selbst überlassen, ob er seine Eindrücke im entsprechenden Thread hinterlassen mag oder nicht.


    Ich mache weiter mit dem fröhlichen Hörvergleich bei der 1. Sinfonie.


    U.a. waren/sind folgende Aufnahmen an der Reihe:


    Nach dieser sehr gelungenen Aufführung des 2. Klavierkonzerts Beethovens folgt nun des Meisters Pastoralsymphonie. Und zwar in folgender Lesart:

    Lieber Garaguly,


    vielleicht magst Du ja das Ergebnis des Vergleichshörens im Beethovens Werke - Welches sind Eure Lieblingsinterpretationen? - Thread veröffentlichen, auch wenn es sicher sehr schwer werden wird, drei Favoriten zu benennen.


    Bei gibt's auch Beethoven und zwar die ersten beiden Sinfonien, dirigiert von René Leibowitz:



    (ebenfalls "Futter" für den o.g. Thread...)

    Lieber Nemorino,


    danke für Deine Nominierungen. Ja, es stimmt leider, bei jeder Sinfonie fallen einem zig Aufnahmen ein, die man ebenfalls hätte benennen können.


    Man sieht bei unseren nominierten Aufnahmen, wie verschieden die Geschmäcker sind, aber auch das zeichnet die Werke Beethovens aus: Man kann sie mannigfaltig großartig interpretieren.


    Ich habe übrigens gerade damit begonnen, mich durch etliche Aufnahmen der 1. Sinfonie zu hören (derzeit ist einer der Favoriten, René Leibowitz, an der Reihe) und bin gespannt, wie das Resultat des Vergleichshörens ausfallen wird...

    Die ist neu und wird erstmals gehört:



    Ich habe durchaus ein Faible für den Pianisten und für das 2. Klavierkonzert (mit dem 1. kann ich nicht so viel anfangen). Das ist eine angenehm zurückhaltende, pianistisch feinsinnige Interpretation. Leif Ove Andsnes vermeidet jegliche "Pranke" und jeden virtuosen Selbstzweck.

    Lieber Garaguly,


    Danke für den Hinweis. Über diese Aufnahme habe ich viel positives gelesen und sie deswegen sofort auf meinen Wunschzettel gepackt. Leider entspricht das Angebot noch nicht meinen Preisvorstellungen...


    Derweil höre ich:



    Vorzügliche Aufnahmen...

    Für die 7. Sinfonie A-Dur, op.92 nominiere ich mit einem sorry an u.a. Riccardo Chailly, Claudio Abbado (sowohl Wiener als auch Berliner Philharmoniker), Leonard Bernstein (Wien), Philippe Herreweghe, Osmo Vänskä, Hermann Scherchen oder René Leibowitz, die diese Sinfonie ebenfalls außergewöhnlich gut interpretierten, aber, wie auch bei den anderen Sinfonien, gibt es eine Vielzahl hervorragender Aufnahmen, so dass eine Auswahl sehr schwer fällt.


    Wobei: Der "Thron" ist bei mir unangefochten



    -Aufnahme vom November 1975 und vom Januar 1976


    Carlos Kleiber liefert von der ersten bis zur letzten Sekunden Leidenschaft pur und überträgt sein schier überschäumendes Temperament auf das hier einmal hingebungsvoll spielende Orchester, das gerne bereit ist, seinem Interpretationsansatz zu folgen. Eine CD für die einsame Insel...


    Im ersten Duell treten zwei "Altmeister" gegeneinander an:


    vs.


    -aufgenommen 1967 (Kletzki) bzw. 1961


    Beethoven aus einer "anderen Zeit", aber jeweils wunderbar musiziert. Sowohl Paul Kletzki als auch Pierre Monteux ließen die Wiederholungen in den Sätzen 1, 3 und 4 weg und zeigten sich in den Tempi wesentlich flexibler als heutige Dirigenten. Beide bremsten das Tempo im Scherzo stellenweise ab, während Paul Kletzki in der Schlusscoda des FInalsatzes mit einem deutlichen Accelerando überraschte.


    Paul Kletzki agierte im ersten Satz vergleichsweise zurückhaltend mit leicht unterbetonten Blechbläsern. Das Allegretto wird hier so gefühlvoll gestaltet wie in wenigen anderen Aufnahmen, und auch im Scherzo und im Finale steigert sich das fantastische Orchester zu Höchstleistungen und wartet mit einem sehr schönen sonoren Klang auf.


    Das leichte Plus zu Gunsten von Pierre Monteux ist nicht nur in der von ihm präferierten deutschen Orchesteraufstellung zu suchen. Auch die Mischung aus französischer Noblesse und jugendlichem Temperament, gepaart mit einem furiosen Finalsatz, macht diese Aufnahme zu einer meiner liebsten.


    Um Platz drei gibt es sogar einen Dreikampf:


    vs. vs.


    -Aufnahmedaten: Jansons 30.11.2012, Saraste: 26.02.-03.03.2018, Wolff: 19.-23.12.2005


    Drei Aufnahmen mit deutschen Rundfunkorchestern (deswegen habe ich sie gegenübergestellt), bei denen die Metronomangaben ernst genommen, aber nicht sklavisch befolgt werden. Die Sinfonie erklingt frisch, aber auch "organisch". Nirgendwo ensteht der Eindruck des "nur schnell" spielens. Alle drei Orchester gehen mit viel Engagement zu Werke.


    Nuancen lassen mich letztendlich für Hugh Wolff entscheiden. Leider lässt Jukka-Pekka Saraste im Scherzo und im Finale die Wiederholungen weg (in allen anderen Sinfonien werden sie beachtet), während Mariss Jansons sein Orchester zwar rhythmisch präzise, aber nicht ganz so kraftvoll spielen lässt wie Hugh Wolff.

    Danke für die kurze Beschreibung, lieber Garaguly.


    Ich bin noch recht unentschlossen, ob ich mir die Gesamtaufnahme mit Nelsons zulegen werde. Okay, in der Theorie bin ich noch unentschlossen. ;)


    Ich werde mir die Box mit Sicherheit irgendwann zulegen, auch wenn ein "Bedarf" schon lange nicht mehr bei mir existiert.


    Ich bin zwar mit Philippe Jordan nicht mit jeder einzelnen Phrasierung, ibs. mit jedem Sforzato, einverstanden, aber unterm Strich bietet er eine auf- und anregende Sicht auf Beethoven und interpretiert für mich eine der gelungenen Gesamtaufnahmen dieses Jahrzehnts.


    Das erwarte ich mir von Nelsons nicht (okay, "gelungen" vielleicht schon, aber nicht "aufregend" oder "anregend", eher "gediegen"). Ich kenne seine Sichtweise auf die 9. Sinfonie aus Leipzig. Schöne Momente, getragene Tempi, aber wenig, das man nicht andernorten schlüssiger gehört hätte.

    Lieber Garaguly,


    wie schneidet in Deinen Ohren diese Aufnahme, gerade im Vergleich zu der der "Kollegen" aus Wien, ab?


    Es ist eine spannende Angelegenheit, sich durch verschiedene Aufnahmen eines Werkes zu hören. Ich mache das gerade für den Beethovens Werke - Welches sind Eure Lieblingsinterpretationen? -Thread mit der 7. Sinfonie und werde mir als nächste gönnen:


    Lieber Rolo,


    ob das mein "bester Kauf" des Quartals ist, weiß ich nicht, spielt aber auch keine Rolle.


    Was mir an Savalls Beethoven sehr gut gefällt ist, dass die Musik "atmet". Anders als bei vielen anderen "hippen" Aufnahmen habe ich hier nie das Gefühl, dass es um "Geschwindigkeit pur" geht. Die Metronomangaben werden ernst genommen, aber nie sklavisch befolgt. Der Ausdrucksgehalt der Musik kommt nie zu kurz, es ist "Gefühl" vorhanden.


    Deswegen ist das auch für mich zumindest ein sehr guter Kauf.