Ich höre gerade die letzten Takte von

Richard Wagner (1813-1883)
Der Fliegende Holländer
Brian Mulligan, Jennifer Holloway, Bryan Register, Ain Anger, Netherlands Radio Choir, Hong Kong Philharmonic Orchestra, Jaap van Zweden
Naxos, 2024
Klassikfan1 fragte, ob die Aufnahme empfehlenswert sei.
Ich möchte mit einem "Jein" antworten.
Auf der Haben-Seite stehen das temperamentvolle Dirigat, die sehr guten Chöre sowie Jennifer Holloway als Senta und Bryan Register als Erik.
Der jugendlich-dramatische Sopran von Jennifer Holloway gefällt mir sehr gut. Sie verkörpert gut die Leidenschaft des jungen Mädchens für die Geschichte des Holländers, auch und gerade in den "leiseren Passagen".
Für Bryan Register gilt im Prinzip das Gleiche. Er stemmt sich mit all seiner Kraft gegen das "Schicksal" und verdeutlicht stimmlich sehr gut, dass auch er ein geeigneter Heiratskandidat für Senta wäre.
Etwas ambivalent sehe ich Brian Mulligan in der Titelrolle. Ich bin mir nicht immer, ob er weiß, was er singt. Es gibt einen groben textlichen Ausreißer ("wurchtbar eit Wahn", statt "furchtbar eitler Wahn"), einige kleinere Intonationsprobleme, aber auch das stimmliche Material, um diese Rolle bewältigen zu können.
Ain Anger als Daland ist für mich "Durchschnitt", sowohl stimmlich als auch gestalterisch. Bei Richard Trey Smagur als Steuermann empfinde ich das Timbre als nicht sehr attraktiv, es gibt einige Vokalverfärbungen und das Gefühl, zu "reif" für diese Partie zu sein.