Beiträge von Fugato

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    Original von Caesar73
    Könntest Du präzisieren, was Dich an Bartos Antwort stört?


    Der letzte Satz. Welcher ernstzunehmende Pianist würde in einem Interviev so etwas über sich sagen? Im übrigen habe ich in einer der letzten Ausgaben von FonoForum ein ausführliches Interviev mit ihm gelesen, das zur Urteilsfindung beigetragen hat.


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    Aber mein Spiel ist nicht eine Sache der Imitation. Ich nehme den modernen Flügel, mein Instrument und versuche dem Geist Rameaus nach zuspüren.


    Das sind die beiden Sätze, die noch einigermassen gehaltvoll sind. Ein Pianist, der nur ein Cembalo imitieren will, würde sich ohnehin lächerlich machen. Aber was bitteschön ist der "Geist Rameaus"?


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    Rameau äußert sich noch detaillierter


    Du meinst wahrscheinlich Tharaud - hast Du keinen Scanner mit OCR?


    :hello: Andreas

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    Original von der Lullist
    ich denke ja - es ist alles erlaubt was gefällt.


    Wenn dem so wäre, dann wäre diese Diskussion überflüssig :wacky:


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    Denn wenn ich an die vielen Bearbeitungen denke, die schon zu Lebzeiten der Komponisten entstanden - dann kann es nur so sein.


    Ich wiederhole mich: Es ist ein Unterschied, ob ein Komponist sein eigenes Stück bearbeitet, ob dies ein Zeitgenosse tut oder ob wir das heute tun. Deswegen können zeitgenössische Bearbeitungen kein Freibrief für beliebige Veränderungen in der Gegenwart sein.


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    Lully schrieb seine Musik für eines der größten Orchester Europas - und das nur weil er die Möglichkeit dafür hatte, Kammermusik oder Soloinstrumente interessierten ihn nicht.
    Heißt das nun dass man seine Werke nur so spielen darf?


    Gegenfrage: Welche Ansprüche würdest Du an eine Interpretation dieser Werke stellen, die Du Dir auf CD kaufst? Möglichst dicht am Original oder darf es auch ein Akkordeonorchester sein?


    :hello: Andreas

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    Original von der Lullist
    Desweiteren gibt es einige seiner Stücke in Bearbeitung für Gitarre und Theorbe von Robert de Visée, der wie d'Anglebert bei Lully, viele Werke Couperins für seine Instrumente umgearbeitet hat.


    Das war mir nicht bekannt, vielen Dank für die Information.


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    Dieser Dogmatismus "NUR CEMBALO" hat mit dem Willen des Komponisten überhaupt nichts zu tun und erst recht nichts mit dem Grundgedanken der Kompositionen.


    Hier stellen sich mir zwei Fragen: Was ist der Wille des Komponisten, wenn er nicht von einem bestimmten Instrument ausgeht? Was ist der Grundgedanke der Kompositionen - ist er instrumentenunabhängig?


    :hello: Andreas

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    Original von Wulf
    Ich verstehe nicht recht, obwohl ich auch Befürworter der Cembalo-Fraktion bin, warum die Frage Klavier oder Cembalo so zu einem "Glaubenskrieg" hochstilisiert wird.


    Du bist spät dran - die Diskussion ist erstens umgezogen und zweitens eigentlich schon vorbei. Von "Glaubenskrieg" kann keine Rede sein.


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    Tharaud beantwortet die Frage, warum er Rameau gesamt, bei Couperin aber nur eine Auswahl getroffen hat mit der Feststellung Rameau lasse sich im Ganzen wie Bach vom Cembalo lösen und auf dem modernen Klavier spielen. Bei Couperin ist er der Ansicht gelingt das nur mit einigen Werken.


    Der Mann ist mir ausgesprochen sympathisch, denn er hat bezüglich Couperin und Rameau eine ähnliche Meinung wie ich. Ich habe es schon im Rameau-Thread angedeutet: Couperins Musik ist für mich dichter am Cembalo als Rameau, vor allem wegen der vielen Verzierungen. Im Vergleich zu Couperin konzentriert Rameau die Musik auf das Wesentliche.


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    Schon mal darüber nachgedacht, daß es Chopoin-Walzer auf Akkordeon gibt


    Habe ich erst neulich in der Fussgängerzone gehört :D


    :hello: Andreas

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    Original von pfuetz
    Da kann ich nur sagen:


    GENAU!


    Da kann ich nur sagen:


    KOMMT DARAUF AN!


    Im Konzert stört mich sowas nicht. Mein Musiklehrer hat immer gesagt: "Musikmachen ist harte Arbeit!" Das darf man auch ruhig mal hören, sonst denken die Zuhörer noch, dass sich die Musiker nicht anstrengen :D


    Bei Aufnahmen stört's mich dann aber doch - weil da jedesmal an der gleichen Stelle gestöhnt/nach Luft geschnappt/mitgesungen wird. Aufnahmen von Gould höre ich deshalb nicht so gern, und meistens singt er auch noch falsch...


    :hello: Andreas

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    Original von Michael Schlechtriem
    Mein Trainer :D hat mich auch immer darauf hingewiesen, immerhin habe ich trotzdem nicht gedopt.


    Testosteron vor dem Konzert wäre auch nicht zielführend, dann doch eher Epo oder etwas Fremdblut. Gibt es im Orchester eigentlich das grüne Trikot für den schnellsten Cellisten? :D


    Spass beiseite - das Schnaufen ist mir bisher immer nur bei cellospielenden Männern aufgefallen, nicht jedoch bei Frauen (z. B. du Pré, Kliegel). Woran liegt das? Haben Frauen die bessere Kondition? Spielen sie unverkrampfter?


    :hello: Andreas

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    Original von Hildebrandt
    Bauer kann ich gut verstehen, denn Landowskas Cembalo ist ja auch ein gusseisenbewehrtes Schlachtschiff von Pleyel gewesen, ein Anfang jener unseligen neuen Cembalobauweise.


    Die Versuche, Cembali mit den Hilfsmitteln des modernen Klavierbaus zu "verbessern", sind allesamt gescheitert. In Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren kann man derartige Instrumente noch hören (in Deutschland z. B. von Ammer oder Neupert hergestellt, zu hören beispielsweise in Aufnahmen mit Helmut Walcha oder Karl Richter). Heute würde niemand mehr mit einer solchen instrumentalen Missgeburt eine Aufnahme machen, und Walcha verwendete bereits Anfang der 70er für seine Aufnahme des "Wohltemperierten Claviers" ein historisches Instrument.


    Eine der ersten Aufnahmen mit einem "richtigen" Cembalo war allerdings in den 60er Jahren Bachs Goldbergvariationen, gespielt von Gustav Leonhardt auf einer Dulcken-Kopie des Bremer Instrumentenbauers Martin Skowroneck. Diese Aufnahme war eine Revolution: So wunderschön kann ein Cembalo klingen, wenn man den ganzen modernen Kram beiseitelässt und sich daran orientiert, wie früher Cembali gebaut wurden.


    Ich bin etwas abgeschweift, um deutlich zu machen: Cembalo ist nicht gleich Cembalo, und die ersten Fehlversuche des Cembalonachbaus sollte man nicht als Kronzeugen für eine Ablehnung des Cembaloklangs heranziehen.


    :hello: Andreas

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    Original von Caesar73
    Eben so wie es "den Cembaloklang" an sich nicht gibt, gibt des den "Klang des modernen Flügels". Das moderne Flügel mehr oder weniger gleich klingen trifft genau so wenig zu. Ein Steinway klingt anders als ein Bechstein, ein Bechstein anders als ein Börsendorfer, ein Börsendorfer anders als ein Fazioli.


    Hallo Christian,


    heißt die Firma nicht Bösendorfer (ohne "r")? Wie auch immer - ich kann bei einer Klavieraufnahme definitiv nicht hören, von welcher Firma der verwendete Flügel stammt, sofern es sich um ein modernes Instrument handelt; die Unterschiede scheinen sehr marginal zu sein. Bei Cembaloaufnahmen dagegen höre ich sofort, ob es sich um ein italienisches, flämisches, französisches oder deutsches Instrument handelt. Ich erkenne sogar einzelne original erhaltene Instrumente, wenn sie häufiger in Aufnahmen verwendet werden.


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    Ein Steinway D von 1905 (wie ihn Dabringhaus und Grimm häufig verwendet) klingt anders als ein moderner Steinway. Ein Pleyel Flügel von 1895 und besagter Steinway von 1905 unterscheiden sich im Klang ebenso.


    Völlig richtig - historische Flügel sind dann wieder etwas anderes. Ich habe beispielsweise eine Aufnahme der Nocturnes von Chopin, gespielt auf einem Pleyel von 1842 und einem Érard von 1837 - das klingt deutlich anders als ein moderner Flügel, auch die beiden Instrumente untereinander unterscheiden sich deutlich. Auch ein Steinway von 1900 unterscheidet sich gut hörbar von modernen Instrumenten, aber bei modernen Flügeln höre ich keine Unterschiede (was mit Sicherheit an mir liegt).


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    Und das das ideale Instrument für Couperins Musik, dasjenige ist für das der Komponist seine Musik komponiert hat, bestreite nicht mal ich :D :D


    :jubel: :jubel: :jubel:


    :hello: Andreas

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    Original von Robert Stuhr
    Ein solches Argument wäre zB, daß schon zu Lebzeiten Werke für andere Instrumente umgeschrieben wurden. Man denke da etwa an J.S.Bach. Zwar bleibt es ein Unterschied, ob der Komponist sein Werk für ein zeitgenössisches Werk umschreibt, oder ob eines benutzt wird, das es damals noch nicht gegeben hat. Aber prinzipiell ist die Möglichkeit gegeben.


    Hallo Robert,


    die barocke Bearbeitungspraxis wird immer wieder gerne herangezogen, wenn es darum geht, die angebliche Austauschbarkeit des Instrumentariums zu belegen. Nur ist es halt etwas anderes, wenn der Komponist selbst oder ein Zeitgenosse ein Stück bearbeitet und diese Bearbeitung für zeitgenössische Instrumente erfolgt. Von Couperin sind mir keine zeitgenössischen Bearbeitungen für andere Instrumente bekannt, weder von ihm selbst noch von anderen Komponisten. Und das bedeutet für mich: Schon seine Zeitgenossen müssen erkannt haben, dass diese Musik nur auf dem Cembalo angemessen darstellbar ist.


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    Weiter kann man auch den Standpunkt vertreten, daß der Wille des Komponisten nicht ausschlaggebend ist, zumal dann, wenn man gar nicht 100% weiß, wie dieser Wille bei Rameau ausgesehen haben könnte.


    Zumindest weiss man, dass es nicht sein Wille gewesen sein kann, dass diese Musik auf einem Flügel gespielt wird - ganz einfach deswegen, weil es dieses Instrument damals noch nicht gab. :D


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    Hat er vielleicht selbst Verzierungen bei einer konzertanten Aufführung weggelassen? Oder zusätzliche improvisiert?


    Hier würde die Diskussion jetzt in eine andere Richtung gehen, nämlich: Wie freizügig wurde in französischer Barockmusik mit Verzierungen umgegangen? Da die Verzierungen von Couperin sehr exakt notiert wurden, behaupte ich: Weniger freizügig, als mancher Pianist das heute gerne hätte. Wenn er eine Verzierung weglässt, die vom Komponisten eindeutig notiert wurde, und dies nur deswegen tut, weil sie auf dem Flügel nicht klingt, dann ist das für mich eine Verstümmelung des Notentextes. "Verzierung" klingt nach "Zutat, die man auch weglassen kann" - dem ist aber ganz und gar nicht so, vor allem nicht in der französischen Barockmusik.


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    Ausschlaggebend ist meiner Meinung nach eher das Stück selbst. Welche Substanz hat es, was kann ein Pianist interpretatorisch oder durch Verwendung eines anderen Instruments herausholen? Überzeugt das Stück dann noch oder ist es eine Karikatur?


    Eine Frage fehlt bezeichnenderweise noch: Was nimmt er diesem Stück, wenn er es auf einem anderen Instrument spielt, was geht verloren? Diese Fragen sind sicher von Komponist zu Komponist und von Stück zu Stück unterschiedlich zu beantworten: Die "Substanz" einer Bach-Fuge ist weniger mit dem Cembaloklang verbunden als diejenige eines Stückes von Couperin - da wird man sehr genau unterscheiden müssen.


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    Und da muß ich im Falle Tharauds (Hewitt kenne ich noch nicht) sagen, daß mir de Klang seines Flügels sehr gefällt. Viel besser als der Klang eines Cembalos.


    Das sagt etwas über Deinen Geschmack und Deine Hörgewohnheiten aus - ich vermute, dass Du Dich bisher kaum mit Cembalomusik beschäftigt hast. "Eines Cembalos" ist übrigens eine Pauschalisierung, denn den Cembaloklang "an sich" gibt es nicht. Anders als die modernen Flügel, die mehr oder weniger alle gleich klingen, gibt es bei Cembali erhebliche Unterschiede im Klang.


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    Aber trotzdem bleibt die Feststellung, daß Rameaus Stücke auch auf einem modernen Flügel fabelhaft klingen!


    Für Dich jedenfalls - das ist auch völlig in Ordnung; ich möchte hier niemandem die Freude am Hören nehmen. Dennoch solltest Du Dir dabei der Tatsache bewusst bleibst, dass das, was Du da hörst, nur noch sehr wenig damit zu tun hat, was der Komponist wollte - und dass durch die Verwendung eines modernen Instruments etwas verlorengeht.


    :hello: Andreas

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    Original von der Lullist
    Mir ist keine gelungenere Aufnahme von Cembalomusik bekannt als diese Aufnahmen von Rousset.


    Na, wenn Du das schon sagst - ich kenne niemanden hier im Forum, der sich intensiver mit französischer Barockmusik auseinandergesetzt hat.


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    Ich bin so froh, dass ich sie damals gekauft habe.


    Ich ebenso, zumal es damals auch noch ein Sonderangebot war. :D


    :hello: Andreas

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    Original von Hildebrandt
    Da muss ich Borgstede aber ein bisschen in Schutz nehmen.


    Damit wir uns nicht missverstehen: Ich finde die Aufnahme von Borgstede nicht pauschal schlecht, aber im Vergleich zu Rousset fällt sie nach meinem Empfinden doch deutlich ab. Wie heisst es so schön: Das Bessere ist der Feind des Guten!


    :hello: Andreas

    Hallo Christian,


    zunächst eine Vorbemerkung: Ich bin froh und dankbar, dass abseits der Opern- und Operettenthreads mal etwas Leben ins Forum kommt und ein Thema diskutiert wird, mit dem ich mich schon recht lange beschäftige. Meine Meinung, auch wenn sie sehr bestimmt geäußert wird, möchte ich dabei niemals als absolute Wahrheit verstanden wissen, sondern als Anregung zum gemeinsamen Weiterdiskutieren.


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    Original von Caesar73
    denn wenn man darüber diskutiert ob man Couperin stilecht auf dem modernen Flügel interpretieren kann, muss man sich bei Rameaus Kompositionen für das Clavecin diese Frage ebeno stellen


    Prinzipiell schon, allerdings sollte man dabei nicht beide unkritisch in einen Topf werfen. Im Vergleich zu Couperin erkenne ich bei Rameau eine Tendenz zur Vereinfachung, zur Konzentration auf das Wesentliche und zu weniger üppiger Ornamentik - eine Tendenz, die für mich bei Couperin erst in den letzten Ordres erkennbar ist. Anders formuliert: Die Verzierungen sind nach meinem Empfinden bei Rameau weniger essentiell als bei Couperin. Ist das für Dich nachvollziehbar?


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    Es steht außer Frage, dass Rameau und Couperin beide ursprünglich für das Clavecin komponiert haben.


    Das einschränkende "ursprünglich" würde ich gerne weglassen wollen - beide haben für das Cembalo komponiert, ohne Wenn und Aber. Der Klang des modernen Flügels war ihnen völlig unbekannt.


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    Müssen deswegen aber Interpretationen auf dem modernen Flügel per se minderwertig sein?


    Das Wort "minderwertig" gefällt mir hier nicht - es trifft nicht den Kern der Sache. Für mich geht es bei der Bewertung einer Interpretation darum, ob der Wille des Komponisten respektiert wurde. Sowohl Couperin als auch Rameau sind beim Komponieren von den spezifischen klanglichen Möglichkeiten französischer Cembali ausgegangen. Aus welchen Grund sollte man dies einfach missachten und ihre Musik auf einem Instrument spielen, das diese spezifischen Möglichkeiten nicht hat und für das sie nicht komponiert wurde? Um dem "modernen" Hörer entgegenzukommen, dem der Klang des Cembalos fremd ist? Oder gibt es hier möglicherweise tiefergehende Argumente, etwa in der Richtung, dass der Interpret die Musik als vom Klang des Cembalos unabhängig empfindet?


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    Selbstverständlich zwingt einen ja niemand, diese Deutungen zu mögen


    Es geht hier nicht um Geschmacksfragen, sondern um objektive Kriterien. Eine Interpretation, die ganz bewusst den Willen den Komponisten missachtet und ein anderes als das von ihm vorgesehene Instrument verwendet, würde ich immer zuerst mit einem Fragezeichen versehen und sehr kritisch hinterfragen.


    Stell Dir mal als Gegenbeispiel ein typisches Klavierstück auf dem Cembalo vor, meinetwegen ein Nocturne von Chopin. Da würde sofort jeder aufschreien und sagen: Das Cembalo wird dieser Komposition nicht gerecht, Chopin hat sie für Klavier geschrieben! Gleiches gilt aber auch umgekehrt: Das Klavier wird einem Stück von Couperin nicht gerecht, denn er hat es für Cembalo geschrieben. Der Aufschrei dürfte hier allerdings wesentlich verhaltener ausfallen, denn erstens hat nicht jeder das feine Gespür für französische Barockmusik (das erwirbt man sich nur durch jahre- und jahrzehntelange Beschäftigung mit dieser Musik), und zweitens wird oft genug das Cembalo als ein technisch unvollkommener Vorläufer des modernen Klavieres angesehen und nicht als vollwertiges Musikinstrument.


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    bloß kann es ja nicht schaden den eigenen Standpunkt an einer Aufnahme Angela Hewitts oder Alexandre Thrarauds zu überprüfen


    Ich kenne zumindest Vol. 1 der Couperin-Aufnahmen von Frau Hewitt und finde die Verzierungen dort unerträglich. Mit dem falschen Instrument wird man dieser Musik nicht gerecht, auch wenn man eine so überragende Pianistin wie Angela Hewitt ist.


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    Ob man die Aufnahmen auf dem Flügel mag ist Geschmackssache


    Ob man etwas mag, ist immer Geschmackssache :D


    Man kann auch völlig abwegige Interpretationen mögen, das sagt nichts über deren Qualität aus.


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    Wenn ich mir die Aufnahmen Rameaus und Couperins von Hewitt und Co anhöre, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass die Verzierungen sehr wohl auf dem Flügel darstellbar sind


    Sie mögen darstellbar sein, klingen aber wegen der im Vergleich zum Cembalo völlig unterschiedlichen klanglichen Eigenschaften für mich einfach nur scheusslich.


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    Vielleicht hört sich einer unserer Barock-Spezialisten einfach mal eine Aufnahme von Tharaud oder Hewitt an und berichtet seine Erfahrungen?


    Das habe ich längst getan - ich schreibe hier nicht wie der Blinde über die Farbe. Ergebnis siehe oben - zumindest für Couperin.


    Ich möchte noch einmal kurz die Standpunkte zusammenfassen: Deiner Meinung nach ist es eine Geschmacksfrage, ob man Couperin auf dem Klavier spielt oder nicht. Es gibt Leute, die lieber Klavier mögen, es gibt Leute, die lieber Cembalo mögen, es gibt Leute, die beides mögen. Meiner Meinung nach ist es eine Frage, ob man den Willen des Komponisten und seine Intentionen respektiert und adäquat umsetzt - dazu gehört auch das richtige, vom Komponisten vorgesehene Instrument, und das hat mit dem Geschmack des Hörers zunächst einmal gar nichts zu tun. Natürlich steht es dem Interpreten frei, von den Vorgaben des Komponisten abzuweichen, aber dann sollte er die Gründe dafür nennen.


    :hello: Andreas

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    Original von Gentilhombre
    Deine Beschreibung klingt vielversprechend. Das dürfte sie sein, oder?


    Das Design passt schon (Schwarzweiss-Fotografien auf dem Cover), wobei es bei mir wie gesagt vier einzelne Boxen sind.


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    Auf eine Wiederveröffentlichung durch Harmonia Mundi zu hoffen, lasse ich lieber. Die kriegen ihren Cembalodeckel 'eh nicht hoch...


    Vielleicht gibt's eine Wiederveröffentlichung in der Reihe "Musique d'abord"? Auf diesem Wege habe ich mal eine Gesamtaufnahme der Cembalowerke von Louis Couperin (Onkel von Francois) mit Davitt Moroney erstanden.


    :hello:[/quote]

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    Original von Frank1970
    Wie sind denn eure Erfahrungen mit Gesamtausgaben? Kann ich z.B. fest davon ausgehen, dass eine Box mit allen Sonaten für Violine & Klavier Regers erscheinen wird?


    Bei den Bach-Orgelwerken weiss ich definitiv, dass noch in diesem Jahr eine Gesamtausgabe geplant ist - es lohnt sich also zu warten. Wie es bei Reger aussieht, kann ich nicht sagen - im Zweifelsfall einfach mal bei jpc per E-Mail anfragen (wenn Du schon Kunde bist, am besten über das Kontaktformular bei "my jpc", das geht nach meiner Erfahrung am schnellsten). Und dann natürlich das Ergebnis der Anfrage hier im Forum posten, damit die anderen Reger-Begeisterten auch informiert sind :)


    :hello: Andreas

    1. cpo
    2. Brilliant
    3. Capriccio


    Letzteres wurde erstaunlicherweise überhaupt noch nicht genannt, obwohl auch hier preisgünstig gute Aufnahmen zu haben sind und Lücken geschlossen werden. Beispielsweise ist vor kurzem eine Zusammenstellung barocker Blockflötensonaten mit dem Blockflötisten Michael Schneider (Mitglied der Camerata Köln) auf 8 CD's erschienen (in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur). Erwähnenswert sind auch die Aufnahmen von Klaviertrios (Haydn, Mozart, Schubert) mit dem Haydn Trio Eisenstadt, das den Liebhabern der Haydnschen Volksliedbearbeitungen bestens bekannt ist. :D


    :hello: Andreas

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    Original von Johannes Roehl
    Ich muß auch ein Quartett von Dittersdorf nicht so genau kennen wie eins von Beethoven, um es zu bewerten


    Das nicht, aber die Bewertung wäre dann glaubwürdiger und überzeugender. :D


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    Bei op.4 bin ich unsicher. Ist das das Stück, wo es eine spätere Bearbeitung für Cello & Klavier gibt?


    Zwielicht hat das Geheimnis mittlerweile gelüftet, vielen Dank. Wieder etwas dazugelernt!


    Ich finde auch, dass op. 29 "einfacher" konzipiert ist als die Quartette op. 18 und mehr in Richtung Divertimento geht, aber ich würde es deswegen nicht als "weniger interessant" und "oberflächlich brilliant" beurteilen wollen - vor allem dann nicht, wenn ich einen Satz vorher schreibe, dass ich das Stück nicht besonders gut kenne.


    :hello: Andreas

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    Original von Hildebrandt
    Schon gut, wir hören ja schon auf. :rolleyes:


    Nix da - ich möchte jetzt von einem Klavier-Befürworter wissen, warum ich mir ausgerechnet Couperin auf einem modernen Flügel antun soll, wo es doch gute Aufnahmen mit Cembalo gibt. Auf die Argumente bin ich schon sehr gespannt!


    :hello: Andreas

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    Original von Johannes Roehl
    Ich kenne nur das einzige "richtige" und bekannteste (die anderen sind meines Wissens beide Bearbeitungen, jedenfalls das c-moll) Quintett op. 29. Und das nicht besonders gut und nur in einer historischen Aufnahme mit dem Budapester Quartett.
    Es ist natürlich kein schlechtes Stück, ich finde es aber weniger interessant als das meiste aus op.18, ein wenig in Richtung oberflächliche Brillanz (ähnlich wie das Septett).


    Worauf gründet sich Dein abwertendes Urteil, wenn Du nach eigener Aussage op. 29 "nicht besonders gut" kennst?


    Das Quintett op. 104 ist eine Bearbeitung des Klaviertrios op. 1 Nr. 3, bei den anderen beiden ist mir nicht bekannt, dass es sich um Bearbeitungen handelt. Falls da jemand mehr weiss, bitte Opuszahl des Originals nennen.


    Die Auswahl bei den Aufnahmen ist eher mager. Ich habe eine Aufnahme mit dem Züricher Streichquintett (Brilliant), die allerdings nicht mehr lieferbar zu sein scheint.


    :hello: Andreas

    Hallo allerseits,


    da ich jetzt auch am Urlaubsort einen Internetzugang habe, werde ich auch von hier gelegentlich schreiben - aber nur dann, wenn das Wetter so schlecht ist wie heute. ;)


    Zunächst einmal zu den Aufnahmen: Ich habe - obwohl kein ausgesprochen Couperin-Begeisterter - sowohl Rousset als auch Borgstede. Nach meinem Eindruck ist die Aufnahme mit Rousset um Längen besser - sowohl, was Aufnahmetechnik und die verwendeten Instrumente angeht als auch was die Interpretation betrifft. Bei Borgstede wirkt für mich das Spezifische dieser Musik mit grosser Geste aufgesetzt, schon fast dick aufgetragen, während bei Rousset alles ganz natürlich klingt, als wäre diese Musik sozusagen seine Muttersprache. Leider scheint die Rousset-Aufnahme nicht mehr im Katalog zu sein. Die Ausgabe, die ich habe, besteht aus vier CD-Boxen (pro Livre eine Box), wobei die Apotheoses nicht enthalten sind, wohl aber die Concerts royaux als Cembaloduette. Der zweite Mann ist hier eine Frau: Blandine Ranou.


    Zur Frage, ob man diese Werke auch auf dem Klavier spielen kann: Jede ernstzunehmende Interpretation sollte den Willen des Komponisten respektieren. Genausowenig wie Bruckner seine Sinfonien für Blockflötenquartett mit Kinderschlagzeug komponiert hat, hat Couperin seine Stücke für ein modernes Klavier komponiert. Sie sind definitiv für Cembalo geschrieben, und Couperin ging beim Komponieren vom besonderen Klang der französischen Cembali aus. Daraus folgt, dass Couperin auf dem Klavier für mich keine ernstzunehmende Interpretation ist, weil der Wille des Komponisten ganz bewusst missachtet wird. Solche Aufnahmen würde ich allenfalls als "Einstiegsdroge" für Hörer akzeptieren, die sich für Couperin interessieren, für die aber ein Cembalo sehr ungewohnt klingt.


    Natürlich gibt es immer wieder Pianisten, die behaupten: Ja, wenn Couperin einen modernen Flügel gehabt hätte, dann wäre er damit natürlich viel zufriedener gewesen als mit seinem kümmerlichen Cembalo. Das ist eine pure Vermutung, eine Hypothese, die sich durch nichts beweisen lässt - wir können Couperin ja nicht befragen, wie ihm ein Steinway oder Bösendorfer zusagt und ob er mit seinem Cembalo unzufrieden ist (möglicherweise würde ihn diese Frage sehr verwundern oder gar amüsieren). Hinter dieser Hypothese steht ein positivistisches Denken, das aus Wissenschaft und Technik übernommen und unkritisch auf die Kunst übertragen wird: Das Cembalo wird als ein technisch unvollkommener Vorläufer des heutigen Flügels angesehen, und deswegen hat man selbstverständlich das Recht, ein unvollkommenes Instrument durch ein vollkommeneres zu ersetzen. Schliesslich handelt es sich ja in beiden Fällen um Tasteninstrumente (auch wenn sie vom Klang her kaum etwas gemeinsam haben). Bezeichnenderweise würde man den umgekehrten Weg - nämlich beispielsweise Chopin auf dem Cembalo zu spielen - sofort vehement ablehnen, denn: Das Instrument wird dieser Musik ja überhaupt nicht gerecht! Stimmt genau, nur gilt Gleiches eben auch für Couperin und den modernen Flügel.


    Couperins Cembalomusik lebt ganz wesentlich von den vielen Verzierungen. Wer wenig Hörerfahrung mit französischer Barockmusik hat, kann geradezu den Eindruck bekommen: Die Musik ist von Verzierungen überwuchert. Gerade diese Verzierungen sind aber auf einem modernen Flügel kaum angemessen darstellbar. Was tun die Pianisten in ihrer Not? Sie lassen die Verzierungen einfach weg - entweder einige, die auf dem Flügel besonders "störend" wirken, oder gleich alle. Im Sinne des oben skizzierten positivistischen Denkens sind die Verzierungen ja nichts weiter als ein Hilfsmittel, um den "mageren" Klang des Cembalos etwas voller zu bekommen; auf einem modernen Instrument hat man derlei nicht nötig. Und schon wieder wird der Wille des Komponisten ganz bewusst missachtet.


    Wie lächerlich sich dann das Ergebnis anhört, habe ich vor längerer Zeit exemplarisch in einer älteren Aufnahme hören können: Wilhelm Kempff spielte Bachs Goldberg-Variationen auf dem Klavier und liess bei der Aria konsequent alle Verzierungen weg - mit dem Ergebnis, dass nur noch eine simple, banale Melodie zu hören war.


    Warum ich das Ergebnis einer derartigen klanglichen und interpretatorischen Verstümmelung als gleichwertig mit einer Aufnahme ansehen soll, wo das vom Komponisten intendierte Instrument verwendet wird und wo das gespielt wird, was von ihm notiert wurde, will mir nicht so recht einleuchten, aber vielleicht erklärt mir das ein Klavier-Befürworter.


    :hello: Andreas

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    Original von Ulli


    Die Antwort ist richtig - die Erklärung leider falsch.


    Die Antwort ist auch falsch - die Dame heisst mit Vornamen Michala und nicht Michaele. Ausserdem kann Wolfgang als Deutscher nur auf Blockflöten mit deutscher Griffweise spielen - und das auch nur in C-dur und nicht chromatisch wie Michala (die übrigens Dänin ist und in Hannover studiert hat).


    :hello: Andreas

    Von Nikolai Rimski-Korsakow gibt es einen Opern-Einakter "Mozart und Salieri", der kaum bekannt ist:



    Ich habe diese Aufnahme vor längerer Zeit im Rundfunk gehört - soweit ich mich erinnere, werden in dieser Oper auch einige Melodien von Mozart zitiert. Die Handlung orientiert sich an der Hypothese, dass Mozart von Salieri vergiftet wurde, und der Hörer (bzw. Zuschauer) erlebt Mozarts Vergiftung und Tod musikalisch sehr eindringlich gestaltet mit. Das tieftraurige Schlussmotiv des sterbenden Mozart habe ich auch heute noch in meinem inneren Ohr, obwohl ich die Oper nur einmal gehört habe...


    :hello: Andreas

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    Original von kleinershredder
    Also ich suche einfach eine Gesamtaufnahme von Regers Orgelwerk. WOher ist mir egal und wie teuer ist mir auch egal. Ich muss sie einfach haben. Das einzig wichtige ist, dass ich die CDs bei einem Händler bestellen kann und sie mir nicht bei hunderten von Händlern zusammensuchen muss.


    Hallo,


    die meines Wissens einzige Gesamtaufnahme von Regers Orgelwerken, die zur Zeit vollständig verfügbar ist, wurde von Rosalinde Haas eingespielt und ist beim Label MDG auf 12 CD's erschienen. Die CD's können z. B. bei jpc bestellt werden. Hier das Cover von Vol. 12:



    Leider handelt es sich um Hochpreis-CD's, die Anschaffung dürfte also nicht ganz preiswert werden. :wacky:


    Deine Faszination bezüglich Regers Orgelmusik kann ich übrigens sehr gut nachvollziehen! :yes:


    :hello: Andreas

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    Original von Michael
    Na ja lieber Andreas, im Französischen geht es besser mit einer Klammer an der Nase


    Am besten geht's, wenn man stark erkältet ist ;)


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    Im Englischen mit einem Knödel im Mund........=)


    Das scheint mir eher auf das Amerikanische zuzutreffen - man achte beispielsweise auf die Aussprache von Tony Blair (oder einem anderen englischen Politiker) in den Nachrichten im Vergleich zum breiten Texanisch von George Dabbelju Bush.


    Übrigens gibt es auch bei lateinischen Texten eine erstaunliche Bandbreite bei der Aussprache. "Agnus Dei" wird mitunter wie "Anjus Dei" ausgesprochen und "ascendit in coelo" wie "aschkendit in tschölo".


    :hello: Andreas