Beiträge von Syrinx

    Zitat

    klassische Musik mit Pop Elementen zu verbinden. Mögen muss man es nicht, aber verspotten auch nicht. Denn auch diese Musik hat ihre Fans die daran viel Freude haben. Und mit solchem Spott muss man ja nicht unbedingt anders denkende / fühlende Menschen mutwillig verletzen.


    Liebe Leute,
    Ich finde nicht, dass bei "Rondo Veniziano" in irgend einer Form Klassik mit Popelementen verbunden wird. Er werden bestenfalls klassische Themen sprich Ohrwürmer verwendet, was mit dem Wesen der klassischen Musik nicht viel gemein hat, da es ja bekanntermassen nicht nur um hübsche Melodien geht sondern auch um deren Verarbeitung. Das unterlegte maschinelle Discoschlagzeug verhindert leider jede menschliche Regung, was auch mit guter Popmusik nicht viel zu tun hat. So könnte man es vielleicht ausdrücken: Klassische Klischees werden mit Pop a la Dieter Bohlen verbunden. Und da in diesem Forum zum Glück auch sonst kein Blatt vor den Mund genommen wird, sehe ich auch nicht ein auf die Gefühle der Rondo-Veneziano Freunde Rücksicht zu nehmen. Dieses Zeichen habe ich noch nie verwendet, aber bei Rondo Veneziano mach ich mal eine Ausnahme: :kotz:


    Gruss :angel:
    Syrinx

    Zitat

    Liebe Severina, diese CD Richard Strauss (1864-1949) Lieder Lieder op. 10 Nr. 1-3, 6,8;op. 19 Nr. 1-6;op. 21 Nr. 1-5; op. 27 Nr. 1-4;op. 29 Nr. 1 & 3;op. 32 Nr. 1 & 2;op. 37, 2; op. 39, 4;op. 48, 1;op. 69, 5 Jonas Kaufmann, Helmut Deutsch Label: HMF , DDD, 2005 ist mir jetzt schon öfter in die Hände gefallen - kannst Du bitte etwas mehr dazu sagen? LG, Elisabeth


    Hallo Elisabeth,
    Sorry, ich antworte jetzt mal, damit es nicht ganz untergeht. Die CD ist grossartig, sozusagen meine Lieblingsentdeckung 2007, wir haben sie aber auf Seite 2 dieses threads schon etwas besprochen.


    Gruss :hello:
    Syrinx

    Hallo zusammen,
    Ich denke das zur Zeit der solide aufgebaute Höhepunkt seiner Karriere stattfindet. Ich denke nicht das Kaufmann demnächst in "Wetten dass" auftritt oder ähnliches. Dazu ist er einfach als Person, nicht als Sänger, nicht extrovertiert genug, sozusagen vom Typ her das genaue Gegenteil zu Villazon. Hier hat sich Qualität einfach einmal langsam, aber sicher durchgesetzt. Das Gerede über sein tolles Aussehen ist da wohl schon noch eine Folge des Netrebko/villazon-Hypes, dürfte sich auf Dauer aber schnell abnutzen.
    Grundsätzlich glaube ich auch, dass es ein deutscher Tenor es zur Zeit weitaus schwerer hat eine grosse populäre Weltkarriere zu machen, als seine Kollegen aus südlicheren Ländern, es sei denn er singt Wagner. Bei Wunderlich war das etwas anderes, da er auch viel Schlager sang und dieser damals äusserst populär war. Das erklärt vielleicht warum es bei ihm etwas länger gedauert hat.


    Gruss :hello:
    Syrinx

    Zitat

    .. räusper:


    Sollte es in diesem thread nicht um Jonas Kaufmann gehen?


    Genau !
    Also ich habe mal verschiedene Nummern der neuen Kaufmann-Recital CD bei itunes gekauft (bevor die ganze dann per Post eintrudelt):
    Das Meistersinger Preislied
    Che gelida manina
    e lucevan e stelle
    und Cäcilie von Strauss mit Orchesterbegleitung


    Nachdem man sich kurz an die wirklich unglaublich baritonale Stimme gewöhnt hat kann man einen intelligent gestaltenden, leidenschaftlichen und kraftvollen Tenor geniessen.
    Ich habe das Preislied aus den Meistersingern bisher noch nie so differnziert gehört. Ich habs zur Sicherheit mal mit dem live von mir durchaus geschätzten Herrn Botha verglichen, der leider im Vergleich kaum gestaltet.
    Bei den Italienern habe ich Villazon herangezogen. Kaufmann geht noch ein bisschen jugendlicher zur Sache, aber was besser ist, lässt sich ab dem Niveau kaum sagen. Vielleicht klingt Villazons Stimme noch etwas "edler", aber da sind wir dann schon in winetasting Kategorien :D Man merkt bei Kaufmann für meine Begriffe etwas zu deutlich das Vorbild Wunderlich (siehe "Aspekte" Interview). er macht die gleichen Schluchzer und diese vielleicht ein bisschen zu oft und er schmettert sehr ähnlich. Seine Stimme ist natürlich viel baritonaler.
    Mit Verlaub :"Der Hammer" ist aber die Cäcilie, die wohl auch nicht ohne Grund am Ende der CD steht, da passt alles, der jugendliche Überschwang, das Baritonale, die differenziert ,liedhafte Gestaltung- wirklich wunderbar. :jubel:


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Hallo Michael,
    Ja, ich meinte dynamische Kompression, davon war aber auch schon vorher im Beitrag von Theophilius und helmutandres die Rede.

    Zitat

    Eine dynamische Kompression kann den Klang "fetter" machen und durchaus positive Effekte mit sich bringen.


    stimmt, drum habe ich ja auch eine leichte Kompression bei meinen Aufnahmen zugelassen. :yes:


    Beste Grüsse


    Syrinx

    Um nochmal auf das Thema der Komprimierung zurück zu kommen: Jede CD ist auch etwas komprimiert. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich bei einer Aufnahme, die ich noch unkomprimiert verschickt habe, KOmmentare bekommen habe, wie: "Irgend was ist bei Deiner CD komisch, manchmal muss ich extrem laut drehen um was zu hören und dann wieder aufspringen, damit die Kinder im Nachbarraum nicht aufwachen", das von einem Musiker.
    Ansonsten muss man sagen, dass eine objektive Tonaufzeichnung auch bei Liveaufnahmen eine Illusion ist. Das fängt schon bei der Auswahl der Mikros an, die alle ihren eigenen Charakter haben, sowie deren Aufstellung und Aussteuerung, bishin eben zur NAchbearbeitung. Übrigens kann man auch das Gegenteil zur Komprimierung machen, die Dynamik nachträglich verstärken, was auch viel gemacht wird.


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Hallo Maexl,


    Zitat

    Weiterhin denke ich nicht, dass Du die beiden CDs vergleichen kanns, da Vieauxs Cd keine reine Barrios-CD ist. Ich kann zumindest bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen, dass Du Russells Cd musikalisch als langweilig empfindest, das hängt schwer davon ab, wie Du Barrios siehst. Du solltest nicht vergessen, dass Russell bei den meisten seiner Cd-Aufnahmen intensive Recherche zum Komponisten betreibt, bei der Barrios-Cd Kontakt mit ehemaligen Schülern und Freunden von Barrios gesucht hat. Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass ich Barrios auch nicht als besonders "aufregenden" Komponist verstehe. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass er kein guter Komponist war.


    Möglicherweise kannst Du nicht die ganze CD vergleichen, aber die Barriosstücke die Vieax spielt, sind bei David Russell auch drauf, und im Vergleich lässt sich gut ableiten,was mich bei David Russell stört.
    Und wie ich Barrios sehe: Barrios ist ein durch und durch spätromantischer Komponist, der sich stark an der Ästhetik von Chopin orientiert, obwohl er viel später lebte. Das ist eigentlich keine Neoromantik sondern hat wohl eher mit der kontinentalen Verschiebung zu tun. Ob man die Musik gut oder schlecht findet, sie ist von grosser Emotionalität, und genau das fehlt mir bei David Russell.
    Ich kenne David Russell schon seit 20 Jahren und er ist ein grossartiger Mensch, Pädagoge und zweifellos ein hervorragender Gitarrist und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die folgenden Generationen der Gitarristen sich technisch und musikalisch auf noch höherem Niveau bewegen. Im Übrigen ist er live auch einiges besser als auf den CD´s.


    Und was die "intensive Recherche" betrifft. Das mag wohl sein und das spricht sicherlich für ihn, aber meine Ohren kannst Du damit nun doch nicht überzeugen.


    Zitat

    Die Cd von Russell zeichnet sich durch eine technische Sauberkeit aus, die auch bei Aufnahmen nur wenige erreichen. Außerdem sehe ich diese CD als eine komplette, holistische Interpretation des Werkes von Barrios.


    Bei der technischen Sauberkeit, hätte ich Dir vor 15 Jahren sofort zugestimmt, inzwischen stimmt das nicht mehr, da gibt es viele die das können- im Übrigen ist dies nicht mehr als eine solide Grundlage für eine Interpretation. Die Barrios-CD ist mit Sicherheit nicht komplett, es gibt tonnenweise Noten von Barrios.


    Um nochmal auf die Sauberkeit auf CD zurück zu kommen. Ein grosses Problem bei Gitarrenaufnahmen ist, dass man durch die Aufnahmeverstärkung und die Nähe des Mikros plötzlich Sachen hört, die auf der Bühne kaum störend sind. Dies erklärt ein bisschen,warum die Gitarristen fast nur noch darauf hören und die Musikalität in vielen Aufnahmen, auch denen neueren Datums bachab geht. Dies gilt auch für viele Naxosaufnahmen.


    Beste Grüsse :hello:


    Syrinx

    Hallo Maexl


    Zitat

    empfehlung: der name von david russel ist hier noch gar nicht gefallen, besonders zu empfehlen 2 CDs:


    Dazu muss ich mich mal selbst zitieren


    Zitat

    In der gleichen Generation ist David Russell, ein äusserst solider Gitarrist, der auch als Lehrer die folgende Generation entscheidend beeinflusst hat.(und extrem viel CD´s auf dem Markt hat)

    Zitat

    für die, die barrios mangoré mögen: die mit abstand beste cd mit stücken von barrios ist (David Russell)

    Sorry, aber wie viele Barriosaufnahmen kennst Du ?
    David Russells Aufnahmen sind tonlich technisch und musikalisch sehr solide, aufregend sind sie hingegen nicht. Wenn Du etwas spannenderen Barrios hören willst, kann ich Dir z.B. diese empfehlen



    Übrigens gibt es bei Naxos tonnenweise Gitarrenaufnahmen der jüngsten Generation der Gitarristen. Nur ist das Angebot an Gitarrenaufnahmen so unüberschaubar, dass es schwierig ist, da einen Überblick zu bewahren und die Sachen sind musikalisch von sehr unterschiedlicher Qualität.


    Viele :hello:Grüsse


    Syrinx

    Hallo,
    Wie Michael schon sagte, mit Rostro und den Rococo-Variationen kann man prinzipiell nichts falsch machen- das war eines seiner Paradestücke, und vermutlich gab und gibt es niemanden, der dieses Stück öfter als er gespielt hat. Ich hab ihn mal damit in Montpellier open air gehört- Rostro hat die Zeit des Orchesterthemas genutzt um seinen Bogen zu spannen und das Cello ein wenig zu putzen :pfeif:- hat aber trotzdem gut gespielt.
    Es gibt auch noch eine sehr gute Aufnahme mit Perenyi und dem Budapest Festival Orchester unter Fischer und dann noch diese hier:



    Sicher nicht jedermanns Geschmack, da wie üblich bei Wispelwey unglaublich intensiv, aber ich finde es sehr spannend und natürlich technisch auch von den Tempi her auf einem Wahnsinnsniveau.


    Gruss
    Syrinx

    Hallo zusammen,
    Ich habe Kaufmannn bisher nur mit Nina von Paisello, Strauss Liedern, und vor kurzem in den Königskindern gehört- das fand ich alles hervorragend.
    Was ich mich nach den Königskindern gefagt habe: Wäre Kaufmann nicht der ideale Wagnertenor ? Eine baritonale, kräftige flexible Tenorstimme. rein stilistsich ist doch Humperdinck auch nicht weit weg von Wagner.
    Ist das vielleicht ein Traum der uns noch bevorsteht, oder ist das aus sängerischer Sicht unwahrscheinlich ?


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Zitat

    Ein beachtenswerter "Aufsteiger" ist in meinen Augen die Radiophilharmonie Hannover des NDR, die früher ein wenig den Ruf des "NDR-Salonorchesters" zu haben schien, aber inzwischen mehr und mehr "ernstzunehmende" Vorstellungen abliefert.


    Die Radiophilharmonie Hannover ist schon immer zweigleisig gefahren. "seriöse Abonemmentskonzerte" und Popkonzerte mit Grönemeyer und co. Nur treten sie inzwischen bei den Popveranstaltungen unter dem Namen NDR Pop Orchester oder so .ä. auf.


    Das letzte Konzert was ich hier in Zürich von diesem Orchester auf Tournee gehört habe, war schlicht grauenhaft. Laut und undifferenziert, allerdings war das auch nicht unter ihrem Chef Eiji Oue sondern unter Kristian Järvi.


    Gruss Syrinx

    Hallo Achim,


    Zitat

    Ich meine, irgendwo die Meinung gelesen zu haben, daß Dowland, wenn er heute leben würde, seine Freude an der Aufnahme gehabt hätte, schließlich war er ja quasi ein Schöpfer von Popmusik in seiner Zeit. Gewagte These.


    Das hat Sting glaube ich in einem Interview gesagt.
    Aber das ist natürlich offensichtlicher Blödsinn- kein Mensch weiss, wie die Komponisten Ihre Werke in der einen oder andern Form finden würden, wenn sie schon lange tot sind.
    So ähnlich hat es auch schon Jaque Loussier mit seinem "Play BAch" formuliert auch von Vanessa Mae, habe ich schon mal ähnliches gehört.
    Wobei ich Sting durchaus einiges höher schätze als die Letztgenannten.
    Da Dowland übrigens meist am Hof gearbeitet hat, kann man da wohl kaum von Popmusik sprechen, da wär dann noch eher "La donna e mobile" in einer Technofassung zu vertreten :pfeif:


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Zitat

    Ich möchte noch auf Nigel Kennedy hinweisen, der mit den blue note sessions eine durchaus ernstzunehmende Jazzplatte aufgenommen hat.


    Zitat

    Ich habe mir die Platte sehr günstig gekauft und muß nach mehrfachem Hören sagen, daß sie als Konzeptalbum eines Popsängers sehr gut verträglich ist. Man sollte nur nicht die üblichen gesangstechnischen Maßstäbe anlegen.



    Hallo Achim,
    Bei Kennedy kann ich mir ein Jazzalbum sehr gut vorstellen (möglicherweise sogar besser als Vivaldi :D). Aber auch da frag ich mich, was ein echter Jazzmusiker dazu sagen würde.
    Die Frage nach den Massstäben ist eben eine sehr interessante in diesem Zusammenhang. Bei Stings Dowland-CD stellt sich schon die Frage wie man es denn beurteilen soll, wenn nicht nach klassischen Massstäben, schliesslich ist es ja Rennaissancemusik.
    Ich habe mal einen (klassischen) Trompeter nach Wynton Marsalis gefragt. er sagte die klassischen Trompeter sagen, er sei ein guter Jazzer, die Jazzer sagen, er sei ein guter Klassiktrompeter. :D


    Gruss Syrinx :hello:

    Hallo,
    Falls jemand irgendwie Zweifel haben sollte, dass Barenboim zu den ganz grossen Pianisten gehört, dem empfehle ich diese CD



    Da wird wirklich gezaubert !


    Ansonsten gibts natürlich auch Sachen von Barenboim, die mir nicht gefallen- z.B. Albeniz :faint:, Piazzolla :faint: :faint: und auch Beethoven.


    Um nochmal kurz auf die Gerüchteküche um den Umgang mit Jaqueline Du Pre zurück zu kommen- selbst wenn man mit Barenboim und JdP darüber sprechen könnte, würde man zu keinem objektivem Bild kommen. Letztendlich sind da sogenannte Insiderinformationen auch nichts anderes als ein Synonym für Gerüchte.
    Schlussendlich ist ein Zusammenhang zu seinen musikalischen Qualitäten nicht wirklich ersichtlich.


    Gruss :hello:


    Syrinx




    Hallo Sascha,
    Der Verdacht gründet sich darauf, dass es Barenboim erst dann eingefallen ist, dass er in Buenos aires aufgewachsen ist, als der Piazzolla-Hype auf seinem Höhepunkt war, und natürlich auf den Höreindruck- wenn er wirklich mit Tango aufgewachsen wäre, würde er es anders spielen.


    Gruss


    Syrinx :hello:

    Hallo zusammen,
    es wundert mich eigentlich, dass Siegfried noch nicht einen der geglücktesten Crossoverprojekte der Vergangenheit genannt hat: Fritz Wunderlich hat jede Menge Schlager etc gesungen, aber eben richtig gut, man denke nur an Granada.
    Ein weiteres geglücktes Crossoverprojekt sind die Piazzolla- Einspielungen von Gidon Kremer. Das ist authentisch, da mag jemand diese Musik und spielt sie auch so. Grauenhaft finde ich hingegegen die Piazzolla-Aufnahmen mit Barenboim. Da gehts dann wohl doch eher um die Kohle. Sehr geglückt finde ich auch wiederum die Klezmer-CD mit Perlman, aber da besteht vielleicht auch wirklich ein echtes Interesse an dieser Musik und ein Bezug, durch seine Herkunft.
    Auffällig wird es bei Crossover dann, wenn die Künstler am Ende Ihrer meist sängerischen Karriere stehen (3 Tenöre, Caballe) und dann solche Projekte machen um dort möglicherweise den Erfolg einzuheimsen den sie in ihrem Bussiness nicht mehr haben.
    Übrigens gibt es ja auch seriösere Beispiele von Jazzern und Popleuten als Lotti und co, die sich an Klassik versuchen, was aber trotzdem nicht funktioniert, beispielsweise wenn Keith Jarreth Bach spielt, da hat man doch immer das Gefühl dass in seinem Kopf ein Schlagzeug im Hintergrund läuft.
    Oder eben die Dowland-CD von Sting, die wohl nicht aus Geldgier entstand aber trotzdem nicht ganz hinkommt.
    Ein positives Beispiel, dass man dem Reiz des Massenerfolges und Geldes auch wiederstehen kann war übrigens Rattle, der sich beim Amtsantritt geweigert hat, ein Projekt mit den Philharmonikern und den Scorpions zu dirigieren, Hut ab.
    Konzerte mit Popsternchen und Orchester sind ja inzwischen sowieso inflationär geworden, manche Orchester, wie die Radiophilharmonie Hannover sind sogar darauf spezialisiert, aber ich habe noch kein einziges Orchestermitglied gehört, der sagte, mit Grönmeyer spielen hätte ihm Spass gemacht.


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Hallo zusammen,
    Ich hatte das Vergnügen den Tristan am 11.11. zu erleben mit einer fantastischen Waltraud Meier, die sowohl das Ensemble wie auch das Publikum zu erstaunlichen Höhenflügen geführt hat. Schade, dass sie offenbar eine Woche später krank war.
    Es war eine der wenigen Opernaufführungen, die ich erlebt habe, bei der nun wirklich alles gestimmt hat, für mich auch von der Inszenierung her.- Gut, Treleaven hatte manchmal etwas Mühe, aber es stellt sich schon die Frage wer es zur Zeit besser machen kann. (Im nächsten Jahr seh ich den Tristan in Berlin mit Seiffert, mal sehen)
    Meier und Pape waren an diesem Abend einfach eine Klasse für sich. Meier hat so wundervoll mühelose grosse Linien gesungen, dass man nur noch staunen bzw. geniessen konnte. Darum ist das voll besetzte Haus beim Schlussapplaus regelerecht von den Stühlen gesprungen, als sie sich verbeugte.
    Aber auch Holle war grandios und die Brangäne sehr sehr gut.
    Selbst Naganos Dirigat, den ich normalerweise nicht sonderlich schätze, hat mir sehr gut gefallen. Das Orchester war an dem Abend hervorragend- von schlechten Einsätzen und Intonationsproblemen keine Spur.


    Gruss Syrinx :hello:

    Zitat

    Ich weiss nciht genau ob das hier der passende Ort ist, aber ich frage einfach mal: weiss jemand von euch, ob man Dowlands Lautenbegleitung mit einer Gitarre spielen kann, ohne grossartige Transkriptionen vorzunehmen? Oder muss man alles komplett umschreiben, weil vollkomen andere Stimmung, Tabulatur oder was auch immer? Und wie sähe das mit einer Harfe aus?


    Hallo Fairy Queen,


    Die Dowlandlieder existieren in vielen Bearbeitungen mit Gitarre. Schau mal unter http://www.trekel.de. Auch "If my complaints" und "flow my tears" gibt es. Die Bearbeitungen klingen recht gut auf der Gitarre- vor allen Dingen ist es für die Gesangsstimme angenehmer, was die Dynamik betrifft- da eine Laute doch einiges leiser ist als eine Gitarre.


    Beste Grüsse


    :hello:Syrinx

    Hallo Koebi,


    Zitat

    Viele Streicher wie auch Instrumentenbauer sind natürlich interessiert was den an den "Alten" so besonders ist, bzw. die große Frage nach dem oder den Geheimnissen, und ob sie optisch wie akustisch in neuen Instrumenten reproduzierbar sind. Bevor ich jetzt einen ellenlangen Text verfasse, denke ich daß ich größtenteils auf eure Fragen und Kommentare warte, bzw meine stelle.


    Ja das wär ja eigentlich meine Frage schon. Bist Du der Meinung, dass die grossen Geigenbauer überschätzt werden bzw, dass sich der Klang eines grossen Instrumentes reproduzieren lässt ?


    Gruss


    Syrinx

    Hallo,
    Ich sehe das eher zwiespältig- Natürlich ist das eine schöne Idee aus Sicht des Zuhörers.
    Auf der anderen Seite sollte man als Musiker schon Gelegenheit haben, die Sache wenigstens einmal gegen zu hören. Wenns direkt nach dem Konzert verkauft wird, finde ich das dann all zu überstürzt. OK- das ist bei Liveradioaufnahmen auch so, aber live im Radio zu spielen ist normalerweise eher die Ausnahme (und auch ziemlich stressig).


    Ich finde es manchmal auch schön zu wissen, dass ein grosser Moment den man als Zuhörer oder als aktiver Musiker erlebt eine unwiderbringliche Sternstunde war.


    Zitat

    Ich besorg' das meist gleich selbst mit meinem MiniDisc-Recorder. Das Ding selbst und auch die Mikros sind so unauffällig und klein, dass kaum jemand Notiz davon nehmen kann. Die Qualität der Aufnahme kann sich aber trotzdem hören lassen.


    Hallo salisburgensis
    Ähm, Du weisst aber schon, dass das normalerweise nicht wirklich legal ist und das viele Musiker auch ein Problem damit haben. Ich habe mal Heinrich Schiff ein Konzert unterbrechen sehen, weil er jemanden im Publikum gesehen hat, der aufgenommen hat.


    Gruss
    Syrinx

    Zitat

    Original von flotan


    :wacky:
    Nach 2l Weißwein fällt mir so ein Quark bestimmt auch ein.
    Gebt mir ein paar Tage :rolleyes: zum üben ...


    Hi Flotan,
    MAch doch mal, vielleicht gibts dann auch noch einen BAchmannpreis für Dich ;) :stumm:


    Nachdem ich die Callas mal auf DVD im Konzert gesehen habe, kann ich mir durchaus vorstellen, das ein Liveerlebnis mit Frau Callas zu solch euphorischen Kommentaren führen kann, wie hier geschehen. Tatsächlich möchte ich behaupten, noch nie eine Sängerin mit einer solch grossen Ausstrahlung und Ausdruckskraft gesehen zu haben


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Hallo Hildebrandt,


    Zuerst mal, mir gefällt sowohl der Klang eines historischen Instrumentes, wie auch der eines modernen INstrumentes, wenn es gut gespielt wird. Ich seh da jetzt keinen Konflikt für mich. Wenn Du allerdings etwas von "Selbsthypnose" schreibst, dann spitzt Du hier einen entweder-oder-Konflikt zu, der irgendwie unnötig ist. Auch kannst Du im Gespräch mit einem Musiker, der auf Stahlsaiten spielt, nicht erwarten dass er bei Deiner Bemerkung (Silbermannorgel mit Pressluft) darüber nicht etwas pickiert ist.


    Zitat

    Seriöser formuliert: Wenn sich ein Klangbild erst einmal als alleiniges etabliert hat, ist der Weg zum Schönheitsideal nicht mehr weit. Dass es dann für einen anderen Klang schwer ist, auf Wohlgefallen zu stoßen und ebenfalls als schön anerkannt zu werden, ist verständlich. Dabei ist es doch eher unwichtig, was früher oder später war.


    Das kann ja sein, nur hat sich dieses Klangideal ja auch nicht per Verordnung durchgesetzt, sondern einfach, weil es den Leuten besser gefallen hat. Dafür gibt es auch Gründe, genauso für HIP.


    Zitat

    Mich stört dabei aber, dass mit zum Teil seltsamen Argumenten eine quasi objektive Auf- oder Abwertung versucht wird. Es muss doch einleuchten, dass derart tiefgreifende Veränderungen, wie sie oben zur Sprache kamen, nicht viel von dem übrig lassen, was den ursprünglichen Klang ausgemacht hat. Folglich kann ich auch kaum mehr von einer Stradivari oder sonstwas sprechen, geschweige denn eine spielen oder hören.


    Trotzdem klingen auch umgebaute Stradivaris ausgezeichnet. Ob sich der Kern des Originalklangs bewahrt hat, kann ich nicht beurteilen- es sollte aber zu Denken geben, dass diese Instrumente sowohl zu Lebzeiten, wie auch Heute geschätzt werden.
    Ich bin wie schon erwähnt, selber kein Streicher, spiele aber mit vielen zusammen. Einer meiner Kammermusikpartner hat eine Zeit lang nach, nach einer neuen Geige gesucht, kam also fast zu jeder Probe mit einem anderen. Da waren sowohl alte Instrumente, wie auch neue dabei. Schlussendlich hat mein Kollege sich dann für einen alten Italiener für 230000 DM entschieden. Diese Entscheidung war für mich absolut nachvollziehbar und wir standen nicht unter Hypnose.


    Zitat

    Und wenn Michael schreibt Zitat: Ein erstklassiges altes Instrument gibt dem Spieler wesentlich mehr Inspiration und Möglichkeiten. glaube ich ihm das, gleichzeitig stellen sich mir aber zwei Fragen: 1. Wieso bekomme ich solche Aussagen fast ausschließlich von Streichern zu hören? 2. Lasse ich das "alt" einmal weg, sollte der Satz im Sinne von "ein erstklassiges gegenüber einem minderwertigen" immer noch stimmen. Nur habe ich dann das Problem, an zahlreichen Instrumenten im Wandel der Zeit jeweils andere Ideale vorzufinden. Hätten die einen dann inspiriert gespielt und die anderen nicht? Oder umgekehrt? Was sind "mehr Möglichkeiten"?


    1.Die Aussage wirst Du ohne das alt, auch von Nichstreichern hören, z.B. von mir. Bei den Streichern gibt es diese alten Instrumente, bei vielen anderen Instrumenten ist dies aufgrund des Materials oder einer völlig veränderten Bauweise anders.
    2. Ein erstklassiges Instrument erweitert das Spektrum jedes Musikers so zu spielen, wie dieser sich das vorstellt. Bzgl der Ideale im Wandel der Zeit: Wenn die Instrumentalideale anders waren, dann bedeutet das auch das die Spielweise eine andere war, also hatte auch "inspiriertes Spiel" im Kern die gleiche Bedeutung, aber möglicherweise ein anderes Ergebnis- das ist ja eine wesentliche Idee der historischen Aufführungspraxis. "Mehr Möglichkeiten" bedeutet das Gefühl besser seine Vorstellungen umsetzen zu können, z.B. im Bereich der Klangfarben, der Dynamik, der Technik etc.
    Grundsätzlich bekommt auch das Publikum eines Konzert mindestens unterschwellig mit ob sich ein Instrumentalist auf seinem Instrument wohlfühlt.


    Zitat

    Da kann einer offenbar selbst auf einem Schuhkarton meisterlich brillieren, wohingegen er später ein erstklassiges und altes Instrument zur Inspiration benötigt. Das mag im Allgemeinen ja ein Licht werfen, im Einzelnen ist es eine nicht überprüfbare Aussage und hilft nicht weiter.


    Die technischen und geistig/emotionalen Anforderungen an einen Musiker sind so hoch, dass man das beste Material benötigt, um zu bestehen, gerade in der Entwicklungsphase.


    Und was die unüberprüfbare Aussage betrifft. Glaubst Du nicht, dass man Menschen, die ihr ganzes Leben mit dem Instrument verbringen das einfach glauben kann. Man könnte Dir das auch einfach vorführen, aber das geht über das Internet leider nicht.


    Schöne Grüsse aus der Schweiz :hello:


    Syrinx

    Zitat

    Nur dass ich frech behaupte, dass es sich im Fall der "alten" umgebauten Instrumente wohl oft um so etwas wie Selbsthypnose handeln muss. Beim Hören so mancher hochgepriesener "Stradivari" führt mich die Inspiration jedenfalls eher in Richtung Kaminholz.


    Zitat

    Ich finde, sie klingen so, als ob man eine Silbermannorgel mit Pressluft betriebe. Da hilft auch kein Steg nie nicht.


    Was denn, Du willst behaupten, dass fast alle Geiger von Heifetz bis Hahn würden nichts hören bzw. so wie Dus beschreibst klingen, denn darauf läuft es ja wohl hinaus ? :wacky:


    Gruss


    Syrinx

    Zitat

    Mich würde interessieren, wie sich für Dich persönlich der Klang Deiner Wahlgitarre über die Zeit verändert hat. Mir selbst ist nämlich aufgefallen, dass mein Instrument (ich liess es 1990 bei Tebbi - Gitarrenbauer in Saarbrücken/Saarland bauen) über die Jahre hinweg eindeutig die Klangfarbe in Richtung eines dunkleren Timbre entwickelt hat. Und das waren nun gerade einmal 17 Jahre...


    Hallo Jaan,
    Wir sind zwar völlig OT, aber ich beantworte Dir trotzdem mal die Frage.
    17 Jahre ist eine relativ lange ZEit für eine Gitarre, da die Deckenspannung viel höher ist, als bei einem Streichinstrument. Grundsätzlich sind da Fichtendecken langlebiger als ZEdern- Fichten brauchen aber auch die längere Einspielzeit. (nix Voodoo)
    NAch 15-20 Jahren muss man bei den meisten Gitarren die Decken erneuern, da sie nicht mehr genügend Spannung besitzen und zu leise werden.


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Zitat

    Mit der Einspielzeit ist das so eine Sache. 50 % Voodoo und 50 % Tatsachen. Und schließlich hat man auch im 17. und 18. Jh. bei Stainer, Amati & Co gekauft, weil man auf die Qualität geachtet hat. Wie lange damals die Einspielzeiten angesetzt worden sind, kann ich allerdings nicht sagen


    Vielleicht meinen wir da etwas anderes. Ich meine die Zeit, in der die Geige gespielt wurde, hat das Holz durch das Spielen verändert- also eine 300 JAhre alte Geige ist eben 300 JAhre lang gespielt worden, im Idealfall. Mir hat mal ein Geiger erzählt, dass dadurch winzige Risse im Holz entstehen, die man nur unter dem Mikroskop sieht, und die machens dann wohl aus, sagte er.


    Und noch mal was zum Thema Kopien: Ich bin Gitarrist von Beruf- es gibt ein paar Gitarrenbauer, die weit höhrere Preise als andere haben und lange Lieferzeiten (teilweise 10-20 Jahre). Als da wären Fleta, Friedrich und Damann. Natürlich versuchen viele Gitarrenbauer diese zu kopieren- bei Fleta werden schon seit 30 Jahren Kopien gebaut- ich habe noch nie eine Kopie gesehen bzw. gehört und gespielt, die einem guten Original (auch da gibt es massive Schwankungen) ebenbürtig wäre. Es gehört eben offenbar eine Menge Talent zum Instrumentenbau.


    Übrigens bei Lauten, werden meines Wissens nach nur Kopien gespielt.


    Gruss :hello:


    Syrinx

    Zitat

    Ja, und es klappt mit einiger Treffsicherheit. Wobei heute niemand mehr sagen kann, wie eine neue Stradivari exakt geklungen hat. Am ehesten aber wohl so wie die wirklich guten Kopien.


    Hallo Hildebrandt


    Nur spielt meines Wissens kaum ein Weltklassestreicher neue Instrumente. Liegt es dann doch eher an der Einspielzeit des Instrumentes, als am Alter des Holzes ?
    Ausserdem habe ich mal gelesen, dass man nicht wirklich in der Lage ist den Lack einer Strad nach zu machen.


    Gruss :hello:


    Syrinx