Hallo Hildebrandt,
Zuerst mal, mir gefällt sowohl der Klang eines historischen Instrumentes, wie auch der eines modernen INstrumentes, wenn es gut gespielt wird. Ich seh da jetzt keinen Konflikt für mich. Wenn Du allerdings etwas von "Selbsthypnose" schreibst, dann spitzt Du hier einen entweder-oder-Konflikt zu, der irgendwie unnötig ist. Auch kannst Du im Gespräch mit einem Musiker, der auf Stahlsaiten spielt, nicht erwarten dass er bei Deiner Bemerkung (Silbermannorgel mit Pressluft) darüber nicht etwas pickiert ist.
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Seriöser formuliert: Wenn sich ein Klangbild erst einmal als alleiniges etabliert hat, ist der Weg zum Schönheitsideal nicht mehr weit. Dass es dann für einen anderen Klang schwer ist, auf Wohlgefallen zu stoßen und ebenfalls als schön anerkannt zu werden, ist verständlich. Dabei ist es doch eher unwichtig, was früher oder später war.
Das kann ja sein, nur hat sich dieses Klangideal ja auch nicht per Verordnung durchgesetzt, sondern einfach, weil es den Leuten besser gefallen hat. Dafür gibt es auch Gründe, genauso für HIP.
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Mich stört dabei aber, dass mit zum Teil seltsamen Argumenten eine quasi objektive Auf- oder Abwertung versucht wird. Es muss doch einleuchten, dass derart tiefgreifende Veränderungen, wie sie oben zur Sprache kamen, nicht viel von dem übrig lassen, was den ursprünglichen Klang ausgemacht hat. Folglich kann ich auch kaum mehr von einer Stradivari oder sonstwas sprechen, geschweige denn eine spielen oder hören.
Trotzdem klingen auch umgebaute Stradivaris ausgezeichnet. Ob sich der Kern des Originalklangs bewahrt hat, kann ich nicht beurteilen- es sollte aber zu Denken geben, dass diese Instrumente sowohl zu Lebzeiten, wie auch Heute geschätzt werden.
Ich bin wie schon erwähnt, selber kein Streicher, spiele aber mit vielen zusammen. Einer meiner Kammermusikpartner hat eine Zeit lang nach, nach einer neuen Geige gesucht, kam also fast zu jeder Probe mit einem anderen. Da waren sowohl alte Instrumente, wie auch neue dabei. Schlussendlich hat mein Kollege sich dann für einen alten Italiener für 230000 DM entschieden. Diese Entscheidung war für mich absolut nachvollziehbar und wir standen nicht unter Hypnose.
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Und wenn Michael schreibt Zitat: Ein erstklassiges altes Instrument gibt dem Spieler wesentlich mehr Inspiration und Möglichkeiten. glaube ich ihm das, gleichzeitig stellen sich mir aber zwei Fragen: 1. Wieso bekomme ich solche Aussagen fast ausschließlich von Streichern zu hören? 2. Lasse ich das "alt" einmal weg, sollte der Satz im Sinne von "ein erstklassiges gegenüber einem minderwertigen" immer noch stimmen. Nur habe ich dann das Problem, an zahlreichen Instrumenten im Wandel der Zeit jeweils andere Ideale vorzufinden. Hätten die einen dann inspiriert gespielt und die anderen nicht? Oder umgekehrt? Was sind "mehr Möglichkeiten"?
1.Die Aussage wirst Du ohne das alt, auch von Nichstreichern hören, z.B. von mir. Bei den Streichern gibt es diese alten Instrumente, bei vielen anderen Instrumenten ist dies aufgrund des Materials oder einer völlig veränderten Bauweise anders.
2. Ein erstklassiges Instrument erweitert das Spektrum jedes Musikers so zu spielen, wie dieser sich das vorstellt. Bzgl der Ideale im Wandel der Zeit: Wenn die Instrumentalideale anders waren, dann bedeutet das auch das die Spielweise eine andere war, also hatte auch "inspiriertes Spiel" im Kern die gleiche Bedeutung, aber möglicherweise ein anderes Ergebnis- das ist ja eine wesentliche Idee der historischen Aufführungspraxis. "Mehr Möglichkeiten" bedeutet das Gefühl besser seine Vorstellungen umsetzen zu können, z.B. im Bereich der Klangfarben, der Dynamik, der Technik etc.
Grundsätzlich bekommt auch das Publikum eines Konzert mindestens unterschwellig mit ob sich ein Instrumentalist auf seinem Instrument wohlfühlt.
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Da kann einer offenbar selbst auf einem Schuhkarton meisterlich brillieren, wohingegen er später ein erstklassiges und altes Instrument zur Inspiration benötigt. Das mag im Allgemeinen ja ein Licht werfen, im Einzelnen ist es eine nicht überprüfbare Aussage und hilft nicht weiter.
Die technischen und geistig/emotionalen Anforderungen an einen Musiker sind so hoch, dass man das beste Material benötigt, um zu bestehen, gerade in der Entwicklungsphase.
Und was die unüberprüfbare Aussage betrifft. Glaubst Du nicht, dass man Menschen, die ihr ganzes Leben mit dem Instrument verbringen das einfach glauben kann. Man könnte Dir das auch einfach vorführen, aber das geht über das Internet leider nicht.
Schöne Grüsse aus der Schweiz 
Syrinx