Beiträge von Walter Krause

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    Original von Musikkristin
    Jetzt mag ich aber den Karlheinz Hackl besonders und wollte fragen, ob es da mal eine Aufzeichnung in Bild oder Ton gab. Wahrscheinlich wieder mal nicht, aber fragen kostet ja nichts. Ist Dir was bekannt?


    Liebe Kristin,


    Bekannt ist mir nichts, ich habe ihn nur auf der Bühne erlebt. Der ORF hat sich meines Wissens mit dem Meinradschen Mann begnügt; trotzdem halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß eine Hackl-Aufführung zumindest teilweise aufgezeichnet wurde. Ob aber archiviert wurde?


    LG


    Waldi

    Meine Lieben,


    Rise Stevens ist in der Aufnahme unter Fritz Reiner für mich eine ideale Carmen, daher war ich neugierig, wie sie unter Mitropoulos wirkt:


    Für eine Repertoirevorstellung der MET (12.Jänner 1957) gibt es hier zum Teil eine großartige Besetzung. Das Ergebnis kann mit Reiner allerdings bei weitem nicht mithalten.
    Dimitri Mitropoulos dirigiert zwar fabelhaft, klar und sauber, aber irgendwie zu akademisch. Erst allmählich wird sein Blut heiß (und im Finale hört es sich plötzlich so an, wie man es sich vorher gewünscht hat).
    Irgendwie färbt das ein bißchen auch auf die Sänger ab. Rise Stevens ist natürlich nach wie vor ausgezeichnet, aber nicht so toll wie unter Reiner. Ihr Don José Mario del Monaco ist kein lyrisches Weichei, sondern ein kräftiger Soldat mit Wohlklang, der auch nicht brüllt (abgesehen vom letzten Akt, wo er manchmal ein bißchen schlampig wird) - als Gegentyp zu di Stefano und anderen ist das interessant und wirkt gut als Gegengewicht zum korrekten, aber zunächst beinahe anämischen Dirigat.
    Frank Guarrera paßt als Escamillo recht gut, recht viril und ein bißchen schmierig. Technisch ist er allerdings nicht erste Wahl. Ein ausgezeichneter Repertoire-Torero. Eher enttäuschend hingegen Lucine Amara, die die Micaela nicht in den Griff bekommt. Das wirkt zu heroisch-dramatisch, dem Rollencharakter nicht entsprechend und ist auch nicht immer ganz rein gesungen. Vielleicht bloß schlechte Tagesform? Der Rest verläßlich und lobenswert (Cehanovsky, Scott etc.).


    Dieser Dirigent könnte mit diesem Ensemble eine absolute Spitzen-"Carmen" produzieren, so empfinde ich es. Beim Repertoire muß man natürlich Abstriche machen, aber es bleibt eine beeindruckende Aufnahme. Einige Schluchzer und ähnliches entsprechen dem damaligen Geschmack, halten sich auch in Grenzen.


    LG


    Waldi


    Live-Mitschnitt Metropolitan Opera New York 1957
    MYTO 2007



    Dimitri MITROPOULOS, Orchester der MET: 4 (braucht Anlaufzeit und findet erst im Lauf der Oper vom Akademischen zur Dramatik)


    Rise STEVENS (Carmen): 4,5 (nicht ganz so gut wie unter Reiner, aber noch immer Spitze)


    Mario del MONACO: 4 (sein Stimmtyp entspricht dem Soldatischen und nicht dem Lyrischen, was gar nicht so schlecht ist; erst auch um Differenzierung bemüht, zum Schluß teilweise etwas grob, die outrierenden Laute entsprachen dem damaligen Stil)


    Lucine AMARA (Micaela): 3 (nicht überzeugend, teilweise klingt es nach Heroine, hatte vielleicht einen nicht so guten Tag)


    Frank GUARRERA (Escamillo): 4- (vom Typus her schon richtig, aber sängerisch doch etwas hinter der ersten Reihe, trotzdem sehr anhörbar)


    Rest: 4,5



    Gesamturteil: 24 : 6 = 4


    Tonqualität: 3,5


    Klarerweise blendend musiziert, aber etwas zu spät auch das Feuer entzündend, wirkt lange Zeit fast zu "brav". Natürlich dennoch zu empfehlen.

    Das Stück lief jahrelang mit großem Erfolg in Wien, erst mit Josef Meinrad, später dann mit Karlheinz Hackl - beide primär großartige Schauspieler mit passablen Stimmen. Aber auf Ohrenschmaus war das auch nicht ausgerichtet, sondern auf Eindringlichkeit und psychologische Verdichtung. Dagmar Koller fand hier die Rolle ihres Lebens. Die drei haben die allgemeine Vorstellung von diesem Musical so stark geprägt, daß es wohl schwer sein wird, es in absehbarer Zeit wieder in Wien zu präsentieren.


    LG


    Waldi

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    Original von Walter Heggendorn
    ...auf dass sich dem ketzerischen Protestanten aus den fernen barbarischen Bankenlanden endlich der Hlg. Dvorak offenbaren möge...( :hello:Waldi)


    Der Ketzer (ohne P) zündet eh gerade vor jeder Dvorak-Symphonie dutzende Kerzen an. Ich hab' schon probiert, jeden Tag eine zu hören, nur samstags drei, damit der Sonntag allein der 9. gehört (die nicht umsonst nach einem Prager Vergnügungsviertel benannt wurde - nur Naive denken bei der Neuen Welt an Amerika). Aber der blöde Beruf kommt mir immer dazwischen. Und ich kann meinen Kummer darüber auch nicht in der Moldau ersäufen, weil für Smetana bleibt auch keine Zeit, und zur Original-Vltava fährt an diesem Wochenende leider nur meine Weiblichkeit (beruflich!) und läßt mich hier sitzen. Hoffentlich bleiben wenigstens ein paar Stundengebete für die Taminne machbar.


    Liebe Grüße an den Bärenhautwälzer (übrigens haben die Heiligen bekanntlich alle Genüsse, vor allem die weiblichen, erst gründlich durchgekostet, bevor sie ihnen entsagten. Also nur Mut, o Heckendorner, schiele ruhig nach Dornröschen [Plural]; wenn alle Stricke reißen, gibt's für Euch Katholen ja auch noch den Ablaß, dagegen sind wir Häretiker arm dran...) :hello:


    Waldi

    Lieber Wolfgang,


    Nach mehrfachem Anhören der Koslerschen 1.Symphonie ("Die Glocken von Zlonice") kann ich Dir im wesentlichen nur recht geben: Wirklich schön musiziert, mit sehr viel Gefühl für Rhythmus und das Musikantisch-Tänzerische, aber auch dem Pathos nachgebend, wo es vorkommt (Dvorak hat in diesen Jugend-Geniestreich ja allerhand hineingepackt und bedient sozusagen allerhand Erwartungen, aber es ist doch eine vollgültige, runde Leistung geworden, nicht bloß eine Talentprobe).


    Auszusetzen ist nur die etwas billige Tonqualität. Ich weiß nicht, wann diese Einspielung entstanden ist (zu vermuten sind die 1970er Jahre), aber es hört sich fast mehr nach verbessertem Mono an als nach dem Standard dieser Jahre. Wahrscheinlich war die technische Ausrüstung bei der Aufnahme eher von bescheidenem Zuschnitt. Trotzdem macht sie mir viel Freude. Außerdem ist auf der CD noch die "Waldtaube" angefügt, also ein spätes Werk, das für mich zu den schönsten Eingebungen Dvoraks gehört (und auch tontechnisch ein wenig besser klingt).


    LG


    Waldi

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    Original von Fairy Queen


    Wer Musik wie Mozart und Bellini schreibt, kann doch keine Bestie sein! :no:


    Liebe Fairy,


    Menschen sind wir/sie alle. Um nicht Dein musikalisches Empfinden zu sehr zu betrüben: Schau hinüber zur Literatur oder zur bildenden Kunst. Wie einer schafft, sagt überhaupt nichts aus über seinen Charakter. Francois Villon... Agostino Tassi...


    Und Mäzene, Kunstförderer, Sammler waren oft Bestien.


    LG


    Waldi

    Lieber Joschi,


    Du bist eben nicht repräsentativ für den Durchschnitt. Man macht sich keinen Begriff davon, was vielfach auch von sogenannten Fortgeschrittenen nicht gewußt wird. Wieviele Teilnehmer eines Proseminars lesen denn die Pflichtlektüre wirklich? Rossinis Welten entsprachen seinerzeit durchaus dem Bildungshorizont, aber heute?


    Im Unterricht spielt Geschichte jetzt eine viel geringere Rolle als früher. Bildung bleibt oft der Selbstinitiative überlassen. Lernst Du im Gymnasium noch ausführlich Opernkunde? Na eben!


    Das Fernsehen könnte hier viel helfen und bewirken, aber schau Dir doch das Programm an:
    Zu den Hauptfernsehzeiten sind in ORF 1 und 2 üblicherweise keine anspruchsvolleren Filme angesetzt. Wo ein bisserl Geschichte mitschwingt, geschieht es schon so, daß es die Ganglien der Zuseher niucht übermäßig fordert.
    Programme wie arte, 3sat oder BBC sind hierzulande Minderheitsbeschäftigung und nicht zu verallgemeinern.


    Zwar meine ich optimistischerweise, daß grundsätzlich Bedarf besteht, daß viele Fernsehverantwortliche aber lieber zum Publikum heruntersteigen, als es auf höhere Stufen zu heben (außer zu Zeiten, wo der normale Mensch im Bett liegt und schläft). Ausnahmen kommen vor, aber immer seltener, will mir scheinen.


    Mach eine Umfrage auf der Straße, wer Greta Garbo kennt. Wenn mehr als zehn Prozent überdurchschnittlich Bescheid wissen, sähe ich das als Bombenresultat an. Bei Christine von Schweden schon bei zwei Promille.


    LG


    Waldi

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    Original von Joschi Krakhofer


    ...aber die Handlungen bei der Armida,Otello oder beim Mosé sollten dem Interessierten Operngeher doch ein Begriff sein, oder stelle ich da etwas zu hohe Ansprüche?


    Liebe Joschi,


    Ja, das tust Du sicher. Rinaldo und Armida, einst eines der klassischen Liebespaare, kennt fast niemand mehr außer ein paar Literaturspezialisten und bemoosten Kunsthistorikern. Bibelkenntnis, einst in den Grundzügen von der Schule vermittelt, ist heute für die jungen Studierenden meist ein Fremdwort (auch wenn man denkt, sie brauchen es für das Studium). Den Namen Otello kennen fast alle, aber die Geschichte dazu höchstens in Fragmenten.
    Wer liest bei uns noch Walter Scott (vielleicht noch den "Ivanhoe", aber sicher nicht "The Lady of the Lake")?
    Wer sind interessierte Operngeher? Leute wie Severina! Also wirklich nicht typisch, nicht einmal für den Durcnschnittsbildungsbürger, der sowieso vom Aussterben bedroht wird.


    LG


    Waldi

    Lieber Joschi,


    Die ernsten Opern bzw. sind, nur auf CD genossen, nicht ohne ziemliches Einarbeiten verständlich; Inszenierungen verraten nicht selten Längen. Da wird im 20./21.Jahrhundert mehr der Kenner angesprochen. Das kann sich vielleicht ändern, aber bei den sinkenden Anforderungen an die Allgemeinbildung sehe ich momentan eher schwarz. Oder glaubst Du, "La donna del lago" sei leichte Kost?


    An Komödien wie dem "Barbiere" ist zudem das moderne Regietheater eher weniger interessiert, für einen begabten "Staubi"-Regisseur bedeutet er aber eine echte Herausforderung.
    Wenn man sich die alten MET-Mitschnitte anhört, spürt man förmlich, mit welcher Lust die Mitwirkenden zu Werke gehen und wie prächtig das beim Publikum ankommt. Und wie man einen guten "Barbiere" macht, ohne gleich in staubige Fadesse zu verfallen, hat Zürich sehr gut vorexerziert. Man kann sicher sagen, daß die heitere Oberflächlichkeit beim breiten Publikum eben das bessere Echo findet, aber beim "Barbiere" brauche ich keinen Holzhammer; die klugen mitschwingenden Gedanken stellen sich so allmählich ein, sie belasten den Hörer/Seher nicht so.


    LG


    Waldi

    Lieber Joschi,


    Nur so ganz spontan beim Lesen Deiner Ausführungen: Liegt der Erfolg des "Barbiere" nicht vielleicht gerade daran, daß er verhältnismäßig nahe an der Realität liegt und keiner Exotik bedarf? Abgesehen davon, daß er einfach phantastische Musik ohne Hänger bietet: Wie Du richtig sagst, sind es nicht nur die Soloarien, sondern die Ensembles, die ihm so gut gelingen und gar keiner so ausgefallenen stimmakrobatischen Extras bedürfen. Dafür sind genügend Elemente aus der populären Komödie enthalten, sodaß man sich Inhalt und Gags relativ leicht merkt. Dann hat Rossini so hübsche Steigerungen drin: Wiederholungen sind nie gleich (Pace e goia; Buona sera, mio signore). Ich kenne Leute, denen Mozart zu "paraktaktisch" klingt, die sich beim "Barbiere" aber nie langweilen. Außerdem fordert er mehr als Sangeskunst; Sängerschauspieler können hier voll loslegen, und der Erfolg ist sicher.


    LG


    Waldi


    Trotz des anderen Labels (Membran 2004) ist das die berühmte Aufnahme von 1953


    Victor de SABATA, Scala di Milano: 5 (sicher eine Modelleinspielung, aber nicht einzigartig)


    Maria CALLAS (Tosca): 5 (fast mehr die dramatisch Empfindende und Liebende, weniger die berühmte Sängerin verkörpernd - das aber traumhaft)


    Giuseppe di STEFANO (Cavaradossi): 5 (als Typus ein bißchen zu wenig Tatmensch, mehr der Lyrist, aber phantastisch bei Stimme und total intensiv)


    Tito GOBBI (Scarpia): 5 (der absolute Teufel, freilich täte ein wenig mehr Schillern nicht schlecht, doch wozu an einer so phantastischen Leistung herummäkeln?)


    Rest: 4,5 (einfach, weil es teilweise noch bessere Beispiele gibt)



    Gesamturteil: 24,5 = 5 = 4,9


    Tonqualität: 4

    Es schadet vielleicht nicht, darauf hinzuweisen, daß die berühmte Sabata-Callas-di Stefano-Gobbi-Aufnahme 2004 auch bei Membran erschienen ist:



    Sogar ein nettes kleines Booklet ist dabei. Die Tonqualität ist verglichen mit der seinerzeitigen LP nicht irgendwie markant schlechter.


    Zweifellos ist das eine begeisternde "Tosca", wenn auch vielleicht in manchem etweas eindimensional. Tito Gobbi ist als Scarpia der Teufel schlechthin, nur ohne die elegante Note, die einem bösen Scarpia so gut tut. Di Stefano ist für mich zwar zu lyrisch für den Cavaradossi, aber macht mit seiner Intensität alles wett.


    LG


    Waldi

    Meine Lieben,


    Es muß nicht immer gleich Mord sein (immerhin könnte die Kunstgeschichte etwa mit Caravaggio "aushelfen"). Der opernmäßig so verklärte Alessandro Stradella führte nicht nur ein heftiges und variables Liebesleben (das nach damaligen Anschauungen - abgesehen von den betroffenen Ehemännern etc. - wohl eher als läßliche Sünde verstanden wurde), sondern soll auch zumindest versucht haben, Geld zu veruntreuen. Als die Sache aufflog, rettete er sich durch schleunige Flucht.
    Flucht war auch im 19.Jahrhundert immer ein weitverbreitetes, von manchen Leuten fast als standesgemäß angesehenes Mittel, um dem Zahlen von Schulden zu entgehen - siehe Richard Wagner. Heute würde er dafür verurteilt (es sei denn, irgendwelche Verehrer würden subventionierend einspringen).


    LG


    Waldi

    Zitat

    Original von pbrixius


    War da Thomas Schippers gemeint?


    Liebe Grüße Peter


    Bitte um Entschuldigung für das Datendurcheinander, das ich schon ausgebessert habe. Das kommt davon, wenn man ein paar Tage weg ist und dann nicht aufpaßt, auf welche Zettel man schaut. Wie gut, daß Ihr so aufmerksame Leser seid. Pflichtgemäß begebe ich mich dorthin, wohin ich gehöre: :untertauch:



    LG


    Waldi

    Meine Lieben,


    Bei mir war es wohl Anton Dermota, den ich 1986 näher kennenlernte, und bei dem ich gemeinsam mit dem Germanisten Herbert Zeman (wir bearbeiteten zusammen Dermotas Autographen-Sammlung) auch in seine Villa eingeladen war. Er war ganz reizend und gar nicht abgehoben, noch herzlicher war seine Frau, die Pianistin Hilda Berger-Weyerwald. Mit Dermota unterhielten wir uns längere Zeit über eine Platte, die ihm ein britischer Schüler als erste selbständige Edition geschickt hatte, und die er für mein damaliges Empfinden recht menschlich-milde beurteilte. Er schien es aber für wichtig zu halten, dem Nachwuchs Ermunterung und Selbstvertrauen zu geben.


    LG


    Waldi

    Vorerst ein dickes Dankeschön an Harald, der zu meinen Notizen die Bilder selbst suchen mußte!


    Dann ein Nachtrag zum 7.März:


    + 7.März 2001 Rom
    Paolo SILVERI, Sänger (Bariton)





    Und jetzt der 8.März:


    * 1876 Posillipo
    Franco ALFANO, Komponist (bekannt in erster Linie durch seinen "Turandot"-Schluß)





    + 1988 Kassel
    Henryk SZERYNG, Geiger



    Live-Mitschnitt Mailänder Scala 1953
    URANIA 2003



    Antonino VOTTO, Orchestra di Scala di Milano: 4 (recht plakativ, aber zündend)


    Gino PENNO (Manrico): 3,5 (ein braver, teilweise sogar sympathisch wirkender Mittelklassetenor, der in der Höhe gerade noch genügend Kraft besitzt, um die Partie zu schaffen, aber nur in den tieferen Lagen auch gestaltet - vielleicht hätte ein guter Gesangslehrer mehr aus ihm machen können)


    Maria CALLAS (Leonora): 4 (wirkt im Vergleich zu dem, was man von ihr gewöhnt ist, vielfach etwas steif und distanziert, läßt die jugendlich-lyrische Note zu sehr vermissen; trotzdem noch immer eindrucksvoll, aber eben nicht außerordentlich)


    Carlo TAGLIABUE (Luna): 4,5 (legt sich hier mächtig ins Zeug und versucht teilweise erfolgreich, seine dramatischen Defizite zu kaschieren; an sich ist er stimmlich an diesem Abend offenbar sehr gut disponiert gewesen)


    Ebe STIGNANI (Azucena): 4 (sehr gut,. aber nicht ganz gleichmäßig, manchmal paßt sie sich ein wenig der Veräußerlichung an)



    Gesamturteil: 20: 5 = 4


    Rest: 4,5 (vor allem Giuseppe Modesti als Ferrando verdient 5 Punkte!)


    Tonqualität: 2,5 (die Verzerrungen und das teilweise die Stimmen fast zudeckende Orchester mindern das Hörvergnügen)


    Eine historisch nicht uninteressante solide Repertoirevorstellung, die sich teilweise zu sehr auf erprobte Effekte verläßt und einen zwiespältigen Eindruck hinterläßt.

    Wohl nicht die Brille, o Cassiodor, eher noch der venezianische Weinnebel, nicht wahr? :pfeif:


    Bei Leonard Warren möchte ich noch die zwar altbekannte, aber doch von vielen noch nicht gewußte traurige Tatsache erwähnen, daß er auf der Bühne der MET während einer Vorstellung von "La forza del destino" nach der Stelle Morir tremenda cosa zusammenbrach und starb.




    * 1904 Davideny
    Joseph SCHMIDT, Sänger (Tenor)





    * 1905 Budapest
    Lili KRAUS, Pianistin





    * 1912 Berlin
    Ferdinand LEITNER, Dirigent





    * 1932 Township
    Miriam MAKEBA, Sängerin, bekannt als "Mama Africa"





    + 1997 Budapest
    József SIMANDY, Sänger (Tenor), er übertraf in meinen Ohren manchmal sogar Fritz Wunderlich





    + 2005 Bath
    Una HALE, Sängerin (Sopran)





    Jetzt werde ich einige Tage offline sein!

    + 1706 Nürnberg (der Tag ist allerdings nicht gesichert, es könnte auch der 6. oder 7.sein)
    Johann PACHELBEL, Komponist





    + 1824 London
    Giovanni Battista VIOTTI, Komponist und Geiger






    * 1874 Tarraville
    Ada CROSSLEY, Sängerin (Alt)





    * 1908 Budapest
    Júlia OROSZ, Sängerin (Sopran)






    * 1937 Mainz
    Edith PEINEMANN, Geigerin





    + 1961 Manhasset, NY
    Paul WITTGENSTEIN, Pianist (verlor im Ersten Weltkrieg den rechten Arm und setzte seine Karriere dennoch fort; tlw. wurden Stücke speziell für ihn komponiert)





    + 1964 Los Angeles
    Kálmán von PATAKY, Sänger (Tenor)





    + 2003 Rom
    Goffredo PETRASSI, Komponist





    + 2008 Santa Maria Hoè
    Giuseppe DI STEFANO, Sänger (Tenor)


    Lieber Walter,


    Das Böhmisch-Volkstümliche kann man mögen oder nicht, das ist nun einmal so. Falls nicht, was kann man tun? Zum Beispiel Dir in großen Mengen köstlichen böhmischen Gerstensaft einflößen, bis der Zustand der Erkenntnis eintritt!
    Ratsamer wäre aber vielleicht, andere Interpretationen von Dvoraks Musik zu wählen, die weniger "böhmisch" klingen (mein Problem ist, daß Dvorak für mich gar nicht übermäßig folkloristisch angehaucht ist, und selbst wenn er es wäre, würde mich das nicht stören - schließlich bin ich Wiener; die haben bekanntlich schon eine halb böhmische Seele...). Daher die Frage, welche konkreten Dvorak-Einspielungen lösen bei Dir die beschriebenen Gefühle aus? Oder tritt der Effekt generell ein? Wieviel Wiedergaben z.B. der Neunten kennst Du?


    LG


    Waldi

    * CASSIODOR - Herzlichen Glückwunsch!



    * 1815 Wien
    Jakob DONT, Geiger und Komponist, Violinschülern wohlbekannt




    * 1824 Litomysl
    Bedrich SMETANA, Komponist





    + 1899 Berlin
    Marie Louise DUSTMANN-MEYER, Sängerin (Sopran); Richard Wagner nannte sie seine Sängerin.




    * 1961 Sydney
    Simone YOUNG, Dirigentin





    + 1972 Mainz
    Erna SACK, Sängerin (Sopran)


    Meine Lieben,


    Soeben habe ich die gestern entstandene Aufnahme unter Paavo Järmi gehört und bin ganz hingerissen.


    Sie ist sowohl einzeln als auch in einer Gesamtaufnahme von Dvoráks Symphonien (die anderen Symphonien sind da Einspielungen von Zdenek Kosler und Yehudi Menuhin),von RCA bzw. Centurion und Brilliant stammend, erhältlich:



    Was mich unter anderem fasziniert hat: Das teilweise sehr langsame Tempo bei meisterhaft vermittelter Stimmung. Ich habe gleich mit zwei anderen Lieblingseinspielungen von mir verglichen. Das Largo bei Karel Ancerl dauert 10.27, bei Otmar Suitner 11.23, bei Järvi aber 15.21. Dabei hängt er nie durch, sondern hält die verträumte Spannung (klingt paradox, ist aber so) so durch, daß man es sich im Moment gar nicht anders vorstellen will. Im dritten Satz ist Järvi interessanterweise schon nach 7.33 fertig, Ancerl braucht eine Sekunde länger, Suitner 7.49. Im vierten Satz sind beide wieder deutlich schneller als Järvi, dem dafür die Aufnahme mit Henry Adolph (wer immer das ist) und der Slawischen Philharmonie exakt entspricht: Beide enden nach 11.13. Adolph ist im Largo Järvi auch näher (12.09).


    Wie schon mehrfach bemerkt, gibt es von der Neunten etliche wunderbare Wiedergaben. Paavo Järvi gehört für mich aber sicher in die absolute Spitzengruppe. So sauber und deutlich und doch so viel Seele - mehr amerikanisch als slawisch würde ich sagen, aber darauf kommt es nicht an. Das Ergebnis hört sich jedenfalls himmlisch an.


    LG


    Waldi