Beiträge von klingsor

    Nänie



    auf einer Urne


    zwei Linien
    angerissen
    Leben
    schwarz-
    und lehmgeführt


    Staublicht
    Griffel
    handverwittert


    Ton
    und Seelen


    halbvermalt




    (c) 16.IV.2003
    J. B.

    Nachtgebet



    Wir irr’n in Schwingen
    und klauben Bußsohlen auf


    Wir fall’n als Söhne
    und trennen Laub von der Scham


    Schemen sind wir,
    ein Stückwerk aus Rauch


    Nichts wendet sich um,
    und ein Segen
    scheint als ‚Nein’ gesagt:


    So streu’n wir Ruß auf die Schritte,


    denn spurlos
    sollen wir sein




    (c) 22.VII.2007
    J. B.

    und ja, den römischen brunnen, den liebe ich ...
    und das ähnliche von rilke ebenso.
    ein genuss, das ähnliche in zweifacher art gespiegelt zu sehen...

    ja, der dialog freut mich sehr. zumal er 'tiefe' hat. die 'stillen' wasser sind nunmal (zumeist) tief. vielen dank dafür!


    du kennst schloß born? sehr ungewöhnlich. ein herrliches bachdurchflossenes und waldumsäumtes tal, in dem der sommer sich so richtig wohlzufühlen und zugleich zu füllen vermag. und für mich noch viel mehr ... aber das bleibt im 'stillen' . :-)


    es grüßt nun wieder aus des schlosses nächster nähe
    klingsor

    vielen lieben dank für deine worte. ich freue mich. zumal ich deiner interpretation nur beipflichten kann :-)


    wie schön, dass meine intentionen so aufgefasst wurden und auf fruchtbaren boden fielen.


    das erwähnte schloss ist ein ganz spezielles :-). wichtig war aber auch - und es passte ganz wunderbar bzw. wurde deswegen auch ausgewählt, dass hier im namen direkt der 'born' vorkommt. der quell, der mich immer auch gleich an märchenhaftes, verwunschenes denken lässt. eine für mich zumindest 'ideale' symbiose mit dem gedicht.



    sei vielmals gegrüßt - jetzt aus dem herrlichen rheingau


    Orte


    III.


    Schloß Born



    Auf einer Haut
    ein Flüstern –
    ein gelber Tag
    als Mund


    Pappeln schlafen


    Im Hauch
    flirren Steine,
    versonnen,
    genug


    Kronen scheinen


    Sie ruhen als Sommer,


    mit Fabeln
    aus Licht




    (c) 21.VII.2013
    J.B.

    selbstverständlich werde ich reagieren, lieber helmut.
    ich freue mich! und danke für deinen 'zuspruch'
    sei gegrüßt

    höre seit ca. 2 stunden höchst begeistert aufnahmen des dirigenten
    konstantin silvestri auf klassikradio, den ich bislang nur dem namen
    nach kannte.




    ich bin vollkommen überwältigt.




    grandiose interpretationen. fast offenbarungen.






    die nun erschienene emi-gesamtaufnahme seiner werke wurde soeben bestellt ....

    lieber helmut, sei bedankt für deine ausführliche antwort, der ich leider aus gründen des umzugs und des renovierens nicht so viel 'zeitliches' 'entgegenzustellen' vermag, wie ich es eigentlich möchte.
    doch sehe ich bei hesse nun 'klarer'. ich denke, dieser klingsor muß leider noch ein wenig warten ... aber er ist 'gespeichert'.


    was das schwärmen anbetrifft, so ließe sich hirüber sicherlich trefflich streiten. ist staunen nicht voraussetzung fürs schwärmen? und geht diesem voran? ersteres vermag ich noch oft, letzteres zum glück immer noch. aber ich glaube, ich weiß, worauf du hinauswillst.


    zudem freue ich mich auf deine weiteren kommentare. sie sind herzlich willkommen. schreib dazu,w as du magst, positive, negative kritik, kommentare, gedanken sind willkommen - auch interpretationen :-) keine zurückhaltung. es wäre schön, wenn sich hier wieder etwas entspönne :-)


    sei herzlich gegrüßt

    o, das ist aber schade, dass du nicht mehr schwärmen kannst. eine gabe, wenn ,man es sich auch im fortgeschritteneren alter bewahren kann :-)


    deine assoziationen lösten auch bei mir angenehme vorstellung aus ... der süden, der herrliche ..alte zeiten .. schwärm :-)


    ist hesses klingsor denn lesenswert? mir sagte es bislang nichts. ich habe mich bislang hesse meist fast immer verweigert - sicherlich ein vorurteil?!?


    zu dne liedern - ich habe da kein spezielles. eher die rachmaninowsche gesamtheit. aber immer wieder kommt da der begriff vesna vor. viell. gibt es sogar auch eines mit diesem titel. ich vermute es sehr stark, bin aber nicht im zugang meiner cds z.zt. wg. umzugs .. so kann ich nicht nachschlagen. aber ich denke, es war vor allem ein gleichnamiges lied.
    generell sind die lieder äußerst zu empfehlen. es gibt ja eine sehr billige gesamtaufnhame.


    ein sonniges we wünscht jörg

    hallo, alle zusammen,
    zur zeit bin ich kaum online, deshalb um so überraschter über die vielen rückmeldungen. ich freue mich. auch über die positiven kommentare!
    :P vielleicht entspannt sich ja eine kontinuierliche diskussion. ich danke helmut hofmann für die initiative! :)


    zur rätsels lösung: vesna ist nicht nur ein slawischer vorname, sondern heißt im russischen 'frühling'. auch die göttin des frühlings heisst so.
    beides bzw. alles drei war mir hier wichtig. zudem wurde das gedicht von einem bzw. mehreren liedern rachmaninows angeregt, die ich heiß und innig liebe.
    sonnige grüße erstmal von der kontinuierlichen haus-baustelle

    Vesna


    Frühlingsräume


    Zwei Stimmen,
    baumlos verschlungen


    Augenhaut blüht
    und auf Köpfe
    scheint die Erde gestützt


    Lust in den Trauben,
    doch aus dem Kern
    wird ein Bogen geschnitzt


    Es duftet nach Mörtel,
    und alle Brüste
    reißen sich los


    Auf dem Absatz
    glühen Gestirne:


    Nur ein Rock


    als Wolken-
    unterpfand




    (c) 27.X.2012
    J. B.

    wenn auch verspätet (ich rechnete nicht mit einer antwort), so doch vielen dank für die freundlichen worte und die intensivere auseinandersetzung!! :-) ich freue mich sehr. zudem scheinen sich deine bemerkungen mit meinen intentionen durchaus zu decken :-)


    doch weitere kommentare, geschweige denn ein diskurs scheinen hier leider utopisch. wenn ich da an die anfangszeit denke ... schade. aber so ist es wohl. dennoch werde ich hier weiter veröffentlichen, einige interssierte leser scheint es ja doch zu geben. vielen dank nochmals und einen sonnigen sonntag
    :)

    Erwacht!



    Aus Dir


    brechen
    alle Engel aus:


    Du bist verblickt,


    und Deine Lippen
    tauft man Salz
    und Ewigkeit


    Dir bleibt keine Statt,


    und Dein Herz
    wirft sich an Rosenkränze an


    Vom Alp reiß’ die Kiele -


    die Rotte
    singt sich ein ...



    (c) 7.X.1983
    J.B.

    Der Zeichner



    Mit einem Strich,
    der Tode zeichnet,
    brach er Dir die Zeit


    Sein Zirkel schlägt


    und mit dem Weiß,
    das Augen löscht,


    legt er
    Deine Kreise frei




    (c) VIII.2003
    J.B.



    Blaukuß



    Silber, brüchig,
    aus Flöten ein Ton


    Zart windet Atem -
    kaum Rosen,
    vernetzt


    Uns weiden Bögen,
    bis ein Anfang
    verfällt


    Es singen die Trauben


    Blaukuß,


    in zwei Lippen verspannt



    (c) 24.XI.2009
    J.B.

    Myrrhe



    Worthure, komm’,
    löse mich aus!


    Leg’ Dich auf Kiele,
    und über die Seiten
    streiche Myrrhe und Rauch


    Denn blank sind die Federn,
    und an den Lippen
    mangelt’s Dir nicht


    Auf, Nachtmetze, komm’:
    Jetzt nimm mich zu Dir!


    Ich beginne zu beten,
    doch als Psalm


    ersteht meine Zunge nicht auf!




    (c) 29. IV. 2007
    J. B.

    Manchmal



    Manchmal
    sprechen die Engel,
    und in den Schößen
    kommt ein Sterben zur Ruh’


    Wangen mischen ein Flüstern,
    und zuweilen
    durchstoßen Amseln das Licht


    Auch Wimpern zerfall’n,
    und manchmal
    verlieren Gesichter den Grund


    Dann betäuben die Stimmen -
    doch in mir


    ruht selbst ein Sterben nicht aus




    (c) 29. IV. 2007
    J. B.

    Orte



    II.


    Eibingen


    Ein Staunen


    Blütenwunder,
    Welten schreiten


    Fast Weben von Sonnen,
    und Reben
    schneien uns ein


    Als Lehen
    zwei Vögel
    und Schleier
    streifen die Stirn


    Ein Wand’rer geht


    Der Teppich,
    geöffnet:


    Atem


    eines Flügelschlags



    (c)18.V.2013
    J.B.

    Urwort


    Stimme,
    Urwort,
    Nachttiefe wandert


    Schlüssel bilden,
    Zungenfäden,
    Erdkokon


    Gottgestammel,
    erstes,
    Rachentier


    Silben
    winden,
    Gespinst aus Tönen:


    Der Kanon


    wächst sich ein




    (c) 10.II.2003
    J.B.

    Aria IV: Deine Locke



    Abgeschoren


    tote Rose
    eines Kopfs


    Pfand aus Strähnen
    und den Spuren
    einer Nacht


    Wunden legst Du


    Mantel
    aus verfrühtem Grau




    (c) 2003
    J.B.

    Abendsegen


    Nun neige das Herz -
    Dein Traum
    hat mir vertraut


    Ich schließ’ denn Dein Haar,
    das jung
    und warm
    wie eine Antwort bleibt


    Es hüllt uns fast ein,
    doch wir
    stehen noch aus:


    An Deine Schulter
    heft’ ich mir Flügel -
    bloß einen,
    nachtschwarz


    Doch den and’ren
    verwahr’ich in Tüchern
    und halte
    zwei Amseln im Zaum


    Sag’,
    trau’ ich den Träumen?,
    denn Dein Tod


    steht mir gut



    (c) 25.V.2003
    J.B.

    Ophelia



    Wasserreime:


    Ein Gefühl von Schmerz -
    so wie Rot
    zerläuft ins Blau


    Zur Brust
    winden sich Träume;
    ein Weidenbaum singt


    Im Licht
    spielen Nesseln,
    und ein Grün
    streicht das Kleid


    Denn das Haupt
    bilden Zweige -
    wie ein Fließen
    aus Stoff


    Alles treibt still,
    und jede Lippe
    atmet sich aus


    Nur Wolken
    zähmt nichts:


    Wasserspiegel,


    so wie Körper
    aus Laub




    (c) 2002
    J.B.

    Unter Sternen



    Wir geh’n in Sternen,
    und unser Mund
    endet weiß


    Doch kein Blick
    scheint verloren -
    zwei Wangen als Welt


    Uns binden die Augen,
    gleich Silben
    aus Salz


    Denn in Schalen
    legen wir Träume,
    und ein Lid


    verbrennt uns
    als Kuß



    (c) 30.X.2007
    J.B.

    Anders



    Dieser Abschied ist anders -


    er bewacht
    die Worte nicht mehr


    Von der Hand
    gleitet Schnee


    Sieh’, meine Augen,


    sie richten nichts aus



    (c) 17.VIII.1999
    J.B.

    Engel am Kamin



    Alles ist Schlaf,
    und alles scheint,
    als lägen Stunden
    - so ab und zu -
    auf schweren Uhren am Kamin


    Kein Blatt teilt die Luft,
    und kein Himmel
    wirft Zeit in den Raum


    Eine Schrift schmeckt nach Ruß,
    und Ziffern gleichen
    - so ab und zu -
    zwei Engeln


    am Kamin



    (c) 30.V.2004
    J.B.

    Malven



    Ein Letztes noch,
    dann laß’ ich
    diese Strophen auf -
    ein Duft,
    der eine Stirn berührt
    und doch
    nur einen Reif besingt


    Denn fremd,
    so werd’ ich
    von den Saiten geh’n -
    als Staunen,
    stumm,
    das jenen Reim bezwingt


    Und an ein Schweigen
    werd’ ich rühr’n,
    zwei Malven
    auf die Feder streu’n,
    die einen Schmerz verführt
    und wie ein Gott verklingt


    Ein Letztes nun,
    dann will ich
    nur noch Abschied sein,
    ein Klang,
    der hundert Morgen spürt,
    der wieder
    einen Rausch begreift,


    doch ewig
    eine Ampel schwingt




    (c) 15.V.2009
    J. B.