Beiträge von klingsor

    Luftspiel



    Zephyr fange ich ein,
    und den Ton in der Luft,
    den spiel ich uns zu


    Ich greife in Klänge,
    bin Girlanden im Flug


    Auch Amor bezwing’ ich,
    und alles
    will ich mit Kreuzen bemal’n:


    Aus dem Köcher die Noten,
    sechs Pfeile am Stück!


    Es schnell’n die Saiten -


    und dieses Herz
    trifft sich gut!




    (c) 7.VII.2007
    J. B.

    Lot


    Warum Glas in den Brauen,
    warum ein verschliffener Traum?


    Aus dem Lot sind die Flanken -
    zwei Pendel, gefror’n


    Rauch ist zerschlissen,
    und ein Winkel liegt brach


    Ein Scheitel,
    gegossen:


    Bloß Blei
    folgt auf’s Wort





    (c) 21.XII.2008
    J. B.

    diesmal ein wenig werbung in eigener Sache:


    91 meiner gedichte und ein widmungsgedicht sind nun gedruckt worden und können z.zt. bei mir erworben werden. statt 19,90 euro zum vorzugspreis von 15 euro. also, falls jemand interesse hat: gerne eine mail an mich: apollos1@gmx.de.


    lg
    jb

    Tierkreis



    Wie Du erscheinst


    Ein Tierkreis
    als Geste,
    und Sterne
    werden vom Handstreich bedrängt


    Aus Stunden tritt Erde,
    und Dein Tuch
    ist aus Brettern gewirkt


    Sphären verlaufen -
    selbst ein Gürtel
    scheint zur Strecke gebracht


    Alle Böden,
    zerrissen,
    und als Stehgreif


    huscht ein Stigma
    hinweg




    (c) 12.X.2012
    J. B.


    Streifen ...



    ... Deine Wimpern teilen die Nacht -
    sie streifen als Sand


    Bald schließen sie Daunen,
    und ihr Joch
    trägt Helle am Herz


    Noch reifen die Schwärme,
    doch ein Haar


    schlägt uns


    ihren Schlaf zurecht



    (c) 2005
    J.B.

    Laute!



    O, wär ich Morpheus
    und lägest Du in meiner Brust,
    so stürb’
    ich jede Nacht in Dir


    Doch Du,
    mein Freund,
    bist licht
    und wie ein Lautenruf


    Ich lass’ Dich denn
    und fass’ nur
    in den Morgenkuß


    So bleibt mir kaum,
    Gebet zu sein -
    bloß stille,


    ewigliche Lust




    (c) 4.IX.2004
    J.B.

    ja, die geste ist schön. traurigerweise ist die cd wie auch die im letzten jahr ein reinfall. hatte das schon jeweils vermutet, als ich das cover sah.
    diesmal wirklich leider belangloseste , drittklassige musik. warum muss eigentlich jeder mist aufgenommen werden????


    schade. aber die geste zählt. und so sage ich: danke, jpc!

    hallo, ich hoffe, dass hier der richtige platz für mein anliegen ist:


    vor einigen wochen sendete der hr den mitschnitt der genialen oper von weinberger aus dem opernhaus dresden. hat den jemand mitgeschnitten und könnte ihn mir zur verfügung stellen? der hr hat leider die rechte zur verfielfältigung nicht ... :-(


    und solange es die herrvorragende alte aufnahme nicht mehr gibt, würde ich mich gerne an dieser aufnahme erfreuen. die naxox-einspielung ist ja nun so leider gar nicht zu empfehlen ....



    besten dank im voraus (hoffentlich)


    ;):P

    Leichtes



    Alles läßt früh
    wie frisch gefallenes Licht
    nichts scheint mehr leicht


    Kein Reif erträgt Erde
    selbst ein ‚Ja’
    wiegt zu viel


    Schon löst man Federn
    und ein Docht
    trennt Seelen entzwei


    Alles wird schwer


    Nur ein Schwur


    beschreibt noch die Luft




    (c) 29.VI.2003
    J. B.

    Laß uns



    Laß uns glauben,


    wir wären wie Schnee,
    und das Glück reichte fast
    an die Himmel heran


    wir wären ein Band,
    verschlungen um Klang,
    und Lerchen
    schenkten uns Körper dazu


    wir wären wie Hauch,
    und eine Nacht
    verspräche die Welt


    ja, selbst der Wächter am Tor,
    der spielte uns auf -
    nichts trennte Gräber


    weder Himmel
    noch Tod




    (c) 30.V.2007
    J. B.

    Kinderlied



    Sag’ mir,
    wie schnell irren Lichter,
    und wie faltet man Klee?


    Wen rufen Sirenen,
    und hört man,
    wenn ein Moorteppich fliegt?


    Locken auch Elfen,
    und geh’n wir noch weit
    auf den Zinnen entlang?


    Wann greif’ ich Kometen,
    und wie steig’ ich
    als Papier hoch hinauf?


    Nun, sag’,
    wer faßt mir ins Genick,


    und wer malt mir den Schweif
    so lichterloh an?




    (c) 25.III.2007

    J. B.

    Kouros



    Nachtschalen,
    gesenkt


    Geronnene Worte -
    Blick
    aus zerschlagenem Bann


    Mund um die Jahre,
    Kerben -
    fast ein Blatt als Gesicht


    Ein Bild noch,
    verletzt:


    Sturmlos die Augen -


    nur Spalt,


    wie eine Windhaut
    singt




    (c) 13.VII.2009
    J. B.

    Weihnachtsstern



    Du wirfst Dein Rot
    fast unverschämt
    ins Haus,
    sagst Flammenblätter
    und die Milch
    aus kaum verdecktem Grün


    Und die Scheu,
    die alle Liebe zwingt,
    die prangst Du
    tief hinein ins Herz,
    das niemals


    nur Dein eignes ist



    (c) 27.XI.2004
    J.B.

    In meiner Hand



    In meiner Hand ruhen Träume -
    keinen laß ich mehr frei


    Ich bau ihnen Schlösser
    aus geschorenem Haar,
    und ihre Haut
    verstreu’ ich zu Luft


    Selbst Rauch schicht’ ich auf
    und ein Vlies,
    so trocken wie Spreu


    Allein die Striemen
    will ich befrei’n
    und die Furcht,
    viel leichter als Staub


    Doch sie bitten um nichts


    So werd’ ich singen,
    bis die Mienen zerfall’n:


    In meiner Hand liegen Träume,


    und alles bleibt stumm




    (c) 8.VII.2007
    J. B.

    In Deinem Herz



    Geliebte, lausch’,
    in Deinem Herz
    tanzen Schollen -
    ja, meine Liebe ist groß


    Denn erdsüße Brüste
    will ich verführ’n,
    und tausend Morgen
    wenden die Grasschleier um


    Sieh, mein Mund fährt durch Ähren,
    und der Gang
    gleicht strohblondem Haar


    Sogar das Kleid schmeckt nach Moos,
    denn auch Dich
    wähl' ich aus


    Ich küss’ Dich wie Beeren,


    ja,
    meine Liebe ist groß!



    (c) 13.V.2007
    J. B.

    Im Bann


    Träume im Kreis


    Ein Raunen aus Malven;
    ein Abendstern weicht


    Tränen verschwingen,
    und Weiden
    haben Schultern berührt


    Den Hals lösen Blüten -
    wie Duft
    streift der Mohn


    Bloß Tasten nach Seiten,
    bis alles verwaist


    Aus dem Bann treten Kreise -
    und unser Ruf


    scheint staudengeküßt




    (c) 1.V.2007
    J. B.

    Ich habe



    Ich habe Augen
    in ein Tuch gelegt
    und aus dem Blick
    ein Braun gemischt


    Ich habe einem Tag
    ein ‚Nein’ gesagt,
    das wie ein Grab verlischt,
    doch eine Welt beschreibt:


    Ein Schmerz,
    der wie ein Flor vergeht
    und kaum
    als eine Traumschicht bleibt




    (c) 10.VI.2009
    J. B.

    Hexenlied



    Rattenlust und Todesnest,
    Drudenfuß und fahler Schleim:


    Ich bin Liebe,
    die ist alt!


    Fliegenhatz und Eiterbett,
    Rachefluch und graue Scham,
    Abendlefzen, Iltisschwanz:


    Wir sind Liebe,
    die sei kalt!


    Zaubersprüche, über Kreuz,
    Pentagramme, ausgebeint,
    Leichenrücken, braune Mähr,
    Krötenfetzen, todestot:


    Nun, Kindlein, trink’ -


    Du bist Liebe
    und warst falsch!




    (c) 2006
    J. B.

    Heimat



    Bei den Tieren bin ich zuhause,
    bei den Schritten aus Schnee


    Im Fell wohnt der Regen,
    und Eichen
    wurzeln im Schopf


    So pflücke ich Wipfel
    oder belausche,
    was sich die Mispeln erzähl’n


    Aber manchmal, da lieg’ ich
    bei den Wolken im Horst:
    Dort bin ich frei
    und kämme dem Mond
    den fuchsschweren Pelz


    Doch bald trink’ ich Harz
    und das Dunkel der Rinde,
    das zieh’ ich mir an


    Denn gesät hab’ ich nichts:


    Es lohnt keine Ernte -


    allein die Tiere
    bitten für mich!



    (c) 27.I.2007
    J. B.

    Gott


    Verwester Efeu
    aus dem Schlund,
    Farbe schlachten,
    ausgetiefter Flor


    Jetzt stimmt die Nacht,
    singt Saat Dich süßlich an


    Die Augenrose gellt:


    Dort wartet Er -


    fast wahr
    und aufgebracht




    (c) 16.X.2004
    J. B.

    Purpur


    Du gehst
    und schenkst mir
    Deine Lider ein,
    und Dein Geschenk:
    ein ‚Ja’
    aus Zeit und Mund
    und Fragen,
    die verzeih’n


    Du gehst,
    und aus dem Schlaf,
    der immer bleibt:
    Ein Raum,
    ein Atem,
    der verschweigt,
    der einen Traum betritt


    und meinen Tod befreit




    (c) V.2009
    J. B.

    Tierlaut



    Wie Tannen
    ein Laut


    Nichts hält im Zaum


    Ein Schlagen der Zapfen,
    und das Horn
    wird in Lerchen gebannt


    Waid scheint ein Grund,
    und der Harn
    hat alle Böden entblößt


    Der Abend ist roh;
    nur ein Stern
    schärft den Lauf


    Selbst der Salzstein verfehlt:


    Schwärme,
    Mäuler -


    und drei Äste
    als Saitengestrüpp



    (c) 22.X.2012
    J. B.

    Orte



    I.


    Moritzburg


    Beschwören will ich Kuppeln
    und die grauen Farben
    und aus den Blättern
    Herzen bilden
    wie ein Grab


    Und Fäden wirken,
    tausend Seiten binden
    wie den Mond
    und all’ die Schichten
    von den Wolken nehmen


    Doch keinen Rahmen will ich stör’n,
    nur Stiche schwärzen
    und uns


    wie einen Augenschlag
    erhör’n




    (c) 21.V.2012
    J. B.