ZitatOriginal von Theophilus
Außerdem scheint es sich um ein Hochsicherheitsmuseum zu handeln, denn es gibt hier auch einen Zug Soldaten, der wohl irgendetwas zu bewachen hat.
Was man aber nicht zu sehen bekommt, ist eine geschlossene Handlung, ein Operndrama.
Es wurde mehr schön als leidenschaftlich und dramatisch gespielt.
Man soll ja eigentlich subektive Meinungen von Zusehern nicht kommentieren aber hier muss ich doch wiedersprechen bzw. richtigstellen:
1. Kanns sein das du relativ weit links gesessen bist? Wenn ja dann kannst du nicht wissen das die Soldaten ebenso wie die "Zigarettenmacherinnen" aus einem Bild kommen und während dem Kinderchor die "Wachablöse" stattfindet.
2. Ich weiss nicht so wirklich wo du hier keine "geschlossene Handlung" siehst. Er erzählt die Geschichte mit allen Facetten, nur halt an einem anderen Ort und mit zugefügten Nebenhandlungen bzw. besser gesagt "anderen" Möglichkeiten die sich jedoch durchwegs aus dem ( leicht geänderten ) Text folgen lassen.
Keine der Textänderungen ist jedoch so gravierend das sich dadurch das Drama verändert. Ganz im Gegenteil, ich empfinde das Drama zwischen Don José und Carmen, insbesondere ab dem Finale 2 absolut glaubhaft und packend geschildert. Dass Jean-Pierre im 1. und 2. Akt den liebeskranken Narren spielt ist wohl nur allzu verständlich, aber dem 3. Akt habe ich aber selten einen packenderen Don José erlebt ( bessere Sänger sicher, aber vom Spiel her ist er mMn nah an einem Shicoff ).
Die ursprüngliche Handlung ( mit dem "Übersprung" von Don José, hier halt wirklich wörtlich, seine manische Besessenheit zu Carmen [ hier durch die Gleichsetzung mit einem Madonnenbildniss noch verstärkt ], der Freiheitswunsch der "Schmuggler" [ in diesem Fall die Kunstfiguren aus den Bildern inkl. der zu einer solchen gewordenen Putzfau ] durch das zerstören ihrer Bilder und somit dem loslösen von ihren Fesseln, der Faszination des "wilden, freien" [Künstlers] Escamillo usw. ) wird, in diesem neuen Kontext, absolut übertragen.
Es fehlt kein Wort der Geschichte, ausser den festgefahrenen und faden Gemeinplätzen die mit der Handlung an sich nichts zu tun haben ( warum MUSS Carmen Zigarettenmacherin sein --> Was stellt sie daran höher als eine Putzfrau in einem Museum? Warum MUSS das ganze in Spanien spielen --> Was an der Handlung hält das ganze davon ab in einer Phantasiewelt im verrückten, besessenen Kopf von Don José stattzufinden? )
Das Argument das das ja so nicht im Libretto steht gilt hier nicht, da der genaue Wortlaut nicht unbedingt die wirkliche Handlung widerspiegelt, sondern immer Spielraum für Interpretation offenlässt die über andersfarbige Kostüme und mehr oder weniger Staub darauf hinausgeht.
3. Dies solltest du nicht auf die Bühnenhandlung zurückführen sondern eher auf den Dirigenten.
"Carmen - Die Oper" wird hier sehr wohl und äusserst eindringlich gespielt, nur nicht "Carmen - Die Oper wie sie jeder, der nicht bereit ist sich auf neues einzulassen, sich darin zu vertiefen und darüber nachzudenken, zu sehen erwartet" und das ist gut so!
LG,
Michael
p.S.: Vielleicht sollten wir eine, möglicherweise entstehende, Diskussion eher in einen der betreffenden Threads verschieben? Operninszenierungen - modern vs. "altmodisch"oder Moderne Inszenierungen - Totengräber der Oper ??















