Beiträge von Michael_Flaschberger

    Zitat

    Original von Theophilus
    Außerdem scheint es sich um ein Hochsicherheitsmuseum zu handeln, denn es gibt hier auch einen Zug Soldaten, der wohl irgendetwas zu bewachen hat.


    Was man aber nicht zu sehen bekommt, ist eine geschlossene Handlung, ein Operndrama.


    Es wurde mehr schön als leidenschaftlich und dramatisch gespielt.


    Man soll ja eigentlich subektive Meinungen von Zusehern nicht kommentieren aber hier muss ich doch wiedersprechen bzw. richtigstellen:


    1. Kanns sein das du relativ weit links gesessen bist? Wenn ja dann kannst du nicht wissen das die Soldaten ebenso wie die "Zigarettenmacherinnen" aus einem Bild kommen und während dem Kinderchor die "Wachablöse" stattfindet.


    2. Ich weiss nicht so wirklich wo du hier keine "geschlossene Handlung" siehst. Er erzählt die Geschichte mit allen Facetten, nur halt an einem anderen Ort und mit zugefügten Nebenhandlungen bzw. besser gesagt "anderen" Möglichkeiten die sich jedoch durchwegs aus dem ( leicht geänderten ) Text folgen lassen.
    Keine der Textänderungen ist jedoch so gravierend das sich dadurch das Drama verändert. Ganz im Gegenteil, ich empfinde das Drama zwischen Don José und Carmen, insbesondere ab dem Finale 2 absolut glaubhaft und packend geschildert. Dass Jean-Pierre im 1. und 2. Akt den liebeskranken Narren spielt ist wohl nur allzu verständlich, aber dem 3. Akt habe ich aber selten einen packenderen Don José erlebt ( bessere Sänger sicher, aber vom Spiel her ist er mMn nah an einem Shicoff ).
    Die ursprüngliche Handlung ( mit dem "Übersprung" von Don José, hier halt wirklich wörtlich, seine manische Besessenheit zu Carmen [ hier durch die Gleichsetzung mit einem Madonnenbildniss noch verstärkt ], der Freiheitswunsch der "Schmuggler" [ in diesem Fall die Kunstfiguren aus den Bildern inkl. der zu einer solchen gewordenen Putzfau ] durch das zerstören ihrer Bilder und somit dem loslösen von ihren Fesseln, der Faszination des "wilden, freien" [Künstlers] Escamillo usw. ) wird, in diesem neuen Kontext, absolut übertragen.
    Es fehlt kein Wort der Geschichte, ausser den festgefahrenen und faden Gemeinplätzen die mit der Handlung an sich nichts zu tun haben ( warum MUSS Carmen Zigarettenmacherin sein --> Was stellt sie daran höher als eine Putzfrau in einem Museum? Warum MUSS das ganze in Spanien spielen --> Was an der Handlung hält das ganze davon ab in einer Phantasiewelt im verrückten, besessenen Kopf von Don José stattzufinden? )
    Das Argument das das ja so nicht im Libretto steht gilt hier nicht, da der genaue Wortlaut nicht unbedingt die wirkliche Handlung widerspiegelt, sondern immer Spielraum für Interpretation offenlässt die über andersfarbige Kostüme und mehr oder weniger Staub darauf hinausgeht.


    3. Dies solltest du nicht auf die Bühnenhandlung zurückführen sondern eher auf den Dirigenten.



    "Carmen - Die Oper" wird hier sehr wohl und äusserst eindringlich gespielt, nur nicht "Carmen - Die Oper wie sie jeder, der nicht bereit ist sich auf neues einzulassen, sich darin zu vertiefen und darüber nachzudenken, zu sehen erwartet" und das ist gut so!


    LG,
    Michael


    p.S.: Vielleicht sollten wir eine, möglicherweise entstehende, Diskussion eher in einen der betreffenden Threads verschieben? Operninszenierungen - modern vs. "altmodisch"oder Moderne Inszenierungen - Totengräber der Oper ??

    Zur heutigen Premiere von Carmen am Grazer Opernhaus:


    Stefan Herheim ist für mich einer der größten seines Faches der heutigen Zeit.
    Seine Inszenierung beinhaltet eigentlich alles was einen packenden Opernabend garantiert. Ein pompöses Bühnenbild, großartige Personenführung und ein toll durchdachtes Konzept.


    Das Stück spielt in dieser Inszenierung in einem Museum. Carmen ist eine Putzfrau, Don José ein Wärter, Morales sein Vorgesetzter.
    Die Inszenierung beginnt mit einem Sprung in eine phantastische, Fantasievolle Welt hinter den Bildern.
    Sowohl die Soldaten, als auch die Fabriksarbeiterinnen kommen aus denselben, spielen mit Don José der zusehends den Verstand verliert als klar wird das er der einzige in der "normalen" Welt ist der sieht was hinter den Bilder vorgeht.
    Dancairo und Remendado sind die Musen bzw. IMO das Gewissen von Don José ( in den Erscheinungsbildern von Micaela und Carmen ).
    Carmen entwickelt sich über das ganze Stück von der Putzfrau hin zur Kunstfigur bis sie von Don Jose erstochen wird und er zurück in die "normale" Welt kommt und dort ihr Bild als Putzfrau entdeckt und erkennt wen er umgebracht hat.
    Die Inszenierung bebt vor lauter großartigen Bildern die mit viel Feingefühl für die Musik gebaut werden.


    Bei den Sängern muss man vor allem Jean-Pierre Furlan hervorheben der den Don José mit einer Hingabe spielt das man ( selbst auf der Bühne ) Gänsehaut bekommt.
    Die Carmen Kirstin Chávez hat eigentlich die Idealstimme für diese Rolle, dazu noch das passende Äussere nur übertreibt sie es IMO mit den "Stilmitteln" etwas, aber sie ist ein tolles Gegengewicht zum Don José.
    Micaela Kate Ladner Hat eine sehr schöne Stimme, in der höhe vielleicht etwas scharf, aber sehr schön anzuhören.
    Escamillo Luis Ledesma ist optisch eine Idealbesetzung, aber leider stimmlich mit einem Brüllaffen gleichzusetzen :stumm:


    Im gesamten kann ich jedem dem es möglich ist vorschlagen sich eine Vorstellung anzusehen, selbst wenn man beim ersten mal sicher nicht alles versteht, allein die Bildersprache finde ich derart packend das es sich selbst für Erz-Konservative lohnen könnte.



    Weitere Szenenfotos
    LG,
    Michael


    Was du hier aufzählst sind objektive Beobachtungen dir man nur hinnehmen und akzeptieren kann. Diskussionsstoff bieten sie jedoch nicht da IMO eigentlich alles darüber bescheid wissen und es daher keine Diskrepanzen in den Meinungen der Forianer gibt.
    Andererseits sind diese Meinungen bei "heutigen" SängerInnen noch nicht so allgemeingültig und abgesteckt. Bei z.B. einer AN kann man Wochenlang darüber diskutieren ob man ihre Stimme nun "unschlagbar schön" oder "einfach nur langweilig" findet ( auf mehr oder weniger hohem Niveau :evil: ).
    Bei einer Maria Callas wissen alle das ihre Stimme vielleicht nicht die absolute Klangschönheit hatte, aber sie das ohne Frage durch ihren Ausdruck wettmachte.


    Man könnte ja vielleicht einen Thread eröffnen in dem man fundiert über Idealbesetzungen in verschiedenen Opern sprechen kann. Hier könnte man, mMn, äusserst angeregt diskutieren warum man diese/n SängerIn für diese oder jene Rolle passend findet.
    In den Einzelsängerthreads wird es bei Allzeitgrößen IMO nie zu einer Diskussion kommen da über Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Stimmen einfach "zu" viel allgemein Bekannt ist.


    LG,
    Michael

    Jedes Orchester KANN ohne Dirigenten spielen, das ist kein Geheimnis.


    Leider wird die Arbeit eines Dirigenten ( von aussen betrachtet ) oft aufs Taktschlagen und Einsätze geben reduziert, jedoch ist die Hauptaufgabe IMO die Vermittlung einer musikalischen Interpretation.
    Nun ist es eine Frage der Denkweise des Orchesters.


    1. "Wir spielen das seit xx Jahren so, also machen wir nichts anderes, da kann der Hampelmann da vorne machen was er will!"


    Dies ist eine weit verbreitete Meinung, auch bei Spitzenorchestern ( z.B. Wr. Philharmoniker bei Repertoirewerken, bei aussergewöhnlicheren Anlässen sind sie mWn offener ). Für mich ein rotes Tuch, da hier Musik auf routinemäßges herunterspielen von schwarzen Punkten auf Papier reduziert wird und dies nichts mit Kunst zu tun hat, hier kann man den Dirigenten wirklich guten Willens weglassen, nur zum Luftzerteilen ist er rausgeschmissenes Geld und wenn Stücke schon so oft gespielt wurden und vom Orchester so "gut" gekannt werden brauchen sie auch keine Einsätze.


    2. "Hören wir uns mal an was er zu sagen hat, dann kömma immer noch über ihn hinwegspielen!"


    Mein persönlicher Lieblingstyp eines Orchesters, da hier sowohl eigener Wille zum musizieren, als auch der Wunsch nach neuen Interpretationsmöglichkeiten vertreten sind.
    Hier steht die Herausforderung für den Dirigenten darin das Orchester wirklich zu überzeugen. Wenn er den autoritären Sprücheklopfer raushängen lässt wird er vom Orchester niemals akzeptiert, ebensowenig der "Taktschläger", in beiden Fällen wird wieder das Orchester das Zepter übernehmen. Man muss hier mit dem Orchester zusammenarbeiten. Ihre Stärken herausarbeiten, den Willen zur Kunst in ihnen wecken und sie mit immer frischen Ideen füttern, dann kann man aus diesem Orchester wahre Topleistungen ( auch bei nicht-Spitzenorchestern ) herausholen.


    3. "Alles was der Maestro sagt ist uns Gesetz!"


    Für mich genauso unbrauchbar wie Typ 1. Ohne Eigeninitiative des Orchesters wird aus Musik nie Kunst. Stures Befolgen von Anweisungen führt schlicht und ergreifend zu gepflegter Langeweile für den Zuhörer da hier eine intellektuelle Leere entsteht die selbst durch höchste technische Genauigkeit nicht wetzumachen ist.



    Es ist für mich keine grundsätzliche Frage ob ein Orchester ohne Dirigenten auskommen könnte. Es muss immer einen musikalischen Entscheidungsträger geben. Ob der nun am ersten Pult, vor dem Orchester oder ausserhalb sitzt oder steht ist nebensächlich. Einzig und allein entscheidend ist dessen Überzeugungskraft und Wille zur Zusammenarbeit mit den Musikern, mit autoritärem Gehabe wird man nur Angst und möglicherweise Unterwerfung erreichen was im Endeffekt zwar vielleicht eine hübschen Konzertabend bringt, aber niemals ( oder nur in seltensten Fällen ) aussergewöhnliches schafft!


    LG,
    Michael

    Meine ganz subjektiven, eigenen, persönlichen Heiligen Kühe:


    Verdi - La Traviata: Abgesehen vom 4. Akt, sowie dem Spiel im 3. Akt empfinde ich bei dieser Oper irgendwie immer gepflegte Langeweile --> Es gibt einfach so viel besseres von diesem Komponisten.


    Beethoven - Fidelio: S**schwer, interessante Handlung, aber irgendwie zusammenhanglose und stellenweise nichtssagende Musik.


    Beethoven - Missa Solemnis: Mal ehrlich, verglichen mit einer C-Dur Messe kann das Stück einfach nicht mithalten.


    Schubert - Sinfonien 1-3.: Schreibübungen und klingen auch so, ebenso kann ich mit der kleinen C-Dur nicht wirklich viel anfangen.


    Ravel - Bolero: Auch wenn das Stück ein technisches Wunderwerk ist ( aus den oben von Edwin beschriebenen Gründen ), so hat mich der Zauber dieses Werks doch irgendwie noch nie gepackt, auch wenn es mWn keine wirklich vergleichbaren Stücke gibt, so schneidet es IMO doch gegenüber Werken die zumindest ein ähnliches Ziel verfolgen eher schwach ab.


    Das wars erstmal, mir fällt sicher noch mehr ein.


    LG

    Zitat

    Original von Siegfried
    Weder die eine noch die andere Zahl scheint mir glaubwürdig zu sein, es dürfte auch kaum mehr als ein Promotion-Gag sein, um auf jemand aufmerksam zu machen,der es aus eigener Kraft nicht mehr schafft. :)


    Natürlich könnte es ein Promotiongag sein. Jedoch sind 50 Noten in der Sekunde vielleicht mit einem sehr schnellen Triller zu schaffen, nur das das jemand 2 Minuten durchhält ist wirklich schwer zu glauben.


    Ganz ehrlich, musikalisch könnte ich ohne das Vermächtnis eines HvK sehr gut leben, nicht zuletzt weil für mich seine Leseart schlicht und ergreifend Nichtssagend ist. Bevor wieder das Argument mit dem "Zeitgeist" u.ä. kommt, ich verstehe diesen Thread als Analyse der Auswirkungen HvKs auf die heutige Zeit, was auch seine musikalischen Ansichten mit in den Vergleich zieht, immerhin sind diese das Hauptkriterium bei einem Musiker.
    Sein großes Erbe liegt in der Massenaufbereitung ( sprich CD ) von klassischer Musik, welche sowohl Segen als auch Fluch für die Branche ist da dadurch das musikalische Niveau hinter der Massentauglichkeit zurückdrängt, andererseits Leuten wie uns die Möglichkeit gegeben wird viele unterschiedliche Interpretationen und ein großes Werkspektrum kennenzulernen, aber "wir" sind halt eine Minderheit, insofern muss man sich die Frage stellen ob es wirtschaftlich und künstlerisch wirklich von Vorteil war was Karajan geleistet hat.


    p.S. Es wäre mal schön wirkliche Argumente der "Karajan-Befürworter" zu lesen, sprich: WARUM soll er der letzte "bedeutende" (chef?-)Dirigent der B.Ph. gewesen sein?


    Das kommt jetzt auf deine Definition von "bedeutend" an, immerhin standen bzw. stehen so ziemlich alle großen Dirigenten dieser Welt irgendwann mal vor diesem Klangkörper.


    Für mich ist ein Rattle aufgrund seines Einsatzes für zeitgenössische Musik und der Aufführung derselben mit den Berliner Ph., sowie seiner ( wenn auch eigenwilligen ) Leseart der "Standard-Repertoires" musikalisch genauso bedeutend, nur halt nicht so Massenwirksam, genauso wie ein Abbado ( nur um mal auf die Chefdirigenten seit HvK einzugehen ).


    Wenn du "bedeutend" mit "massenwirksam" gleichsetzt sollte man sich wirklich Gedanken oder sogar Sorgen über den Sinn der Kunst im Allgemeinen und der Musik im Speziellen machen.

    Als ich gestern nach der Heimkehr durch die Programme zappte blieb ich bei 3 Sat hängen und war faszieniert.


    Ich habe schon lange keine so perfekte, homegene, absolut passende Besetzung gesehen und gehört.


    Abgesehen von diversen Horngicksern in der Sifare-Arie war der Orchesterklang der "Musiciens du Louvre" unter Marc Minkowski ein absoluter Traum.


    Die Inszenierung war einfach, stilisierend und packend. Den Spiegel an der Decke fand ich eine faszinierende Idee der die verzerrte Familiensituation noch bildlicher darstellte.
    Wunderbare Bilder, tolle Sänger, einen besseren Opernabend kann ich mir kaum vorstellen.


    LG,
    Michael

    Nachdem ich ihn jetzt zum 3. mal begonnen habe, aber irgendwie nicht die richten Worte finde möchte ich fragen ob Interesse an einem Thread über "weltliche Oratorien" im Sinne von Schumann's "Der Rose Pilgerfahrt" oder "Das Alexanderfest" von Händel/Mozart besteht.
    Mir ginge es in erster Linie um den Begriff "weltliches Oratorium" bzw. "Märchen-Oratorium" welcher ja eigentlich einen Widerspruch in sich birgt aber auch um die Werke dieser Gattung welche mitunter wirklich himmlische Musik in sich bergen.


    Besteht Interesse? Oder hätte vielleicht sogar jemand die Muse den Thread zu eröffnen? Wie gesagt, ich finde einfach nicht die passenden Worte ;(


    LG,
    Michael

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Hallo,


    ich habe dein Eindruck, es waren Lieblings-ARIEN gefragt - den entspechenden Spezialfächern zugeordner t -> siehe Threadeinleitung !!


    mit freundlichen Grüßen aus Wien
    Alfred


    Du weisst ja selbst das sich Threads immer in eigene Richtungen entwickeln. Das die Ansprüche die ich gestellt habe, nicht für jederman klar sein würden war mir klar. Bis jetzt gabs 3 Antworten und alle komplett anders, mit einer Auswertung wirds also schwer :D Aber ich finds trotzdem interessant.
    Aber vielleicht könnte man doch versuchen sich an die Regeln ( Je Fach bis zu 3 Arien, wirklich nach Fächern geordnet ) zu halten.

    Als obs noch nicht genug "Sommerthreads" gäbe, ist mir dieser hier gestern Abend eingefallen.
    Wäre ja mal einen Versuch wert. Ich würde sagen jeweils 3 Arien je Stimmfach sind zulässig. Bei der Einteilung der Stimmfächer orientiere ich mich an Wikipedia, fangen wir mal mit dem Tenor an, bei entsprechender Beteiligung könnte man ja nach und nach auch die anderen Stimmgruppen zur Abstimmung freigeben.


    Spieltenor ( Tenorbuffo ) bzw. Charaktertenor würde ich hier als eine Kategorie sehen.


    Lyrischer Tenor ist das weiteste Fach


    Heldentenor und jugendlichen Heldentenor nehme ich auch als eine Kategorie, da der Unterschied dazwischen ja wirklich nur im Alter liegt ( sprich: wer als junger einen Stolzing singen kann, singt später den Tristan o.ä. )


    Man kann, muss aber nicht, natürlich seinen Lieblingssänger zum jeweiligen Fach bzw. zur Arie vorstellen und Begründen.
    Viel Spass, ich hoffe auf rege Beteiligung.


    LG,
    Michael

    Heute in der Wiener Kammeroper:


    Sarastros Traum von der
    Zauberflöte-gekürzt


    Fassung für Kammeroper nach Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberflöte“
    Holger Bleck (Idee), Gabriel Barylli (Text-Arrangement), Wolfgang Liebhart (Instrumentation)


    Musikalische Leitung: Daniel Hoyem-Cavazza
    Inszenierung: Gabriel Barylli
    Ausstattung: Thomas Goerge
    Licht: Lukas Kaltenbäck


    Alles in allem ein interessanter (Kammer-)Opernabend der aber doch einige Fragen und Wünsche offen lies.


    Man darf sich das Stück eigentlich nur ansehen wenn man das Original von der Handlung her nicht kennt, oder es zumindest schafft sie zu ignorieren.
    Denn schon der Anfangsansatz mit Tamino als Sohn der Königin der Nacht und Sarastros und Pamina als Findelkind der Königin ist, nach Schikaneder, schlicht und ergreifend falsch.
    Die Handlung wird, in der Reihenfolge, stark umgeschichtet. Das absolute Schwergewicht liegt auf Pamina-Tamino, Papagena-Papageno wird im ersten Teil an einem Stück abgetan, praktisch als Lehrbeispiel für Pamina wie Liebe funktionieren kann. Sarastro und Königin der Nacht ( während der Ouvertüre, nach Verschwinden des Sohnes Tamino, zerstritten ) finden am Ende wieder zusammen, also absolutes Happy End.
    Die Inszenierung ist einfach, immer im selben Bühnenbild, praktisch befinden sich alle Darsteller auf einer ständigen Prüfung. Der Regisseur versteht es aber mit einfachen Mitteln und Bildern zu packen, insbesondere "Ach, ich fühls" und die Prüfungsszene empfand ich als äusserst packend, nicht zuletzt wegen sehr guter Beleuchtung und guten Schauspielerischen Leistungen der Protagonisten.


    Musikalisch fand ich die Instrumentation für 11 Soloinstrumente sehr gut. Insbesondere die Chorstellen und die "Geharnischten"-Szene hatten ihren speziellen Reiz mit dieser dünnen und transparenten Orchestrierung.
    Bei den Sängern stachen insbesondere Pamina Judith Halasz und Tamino Thomas Tischler heraus. Beide gaben sowohl schauspielerisch als auch sängerisch ihr bestes und konnten, ob der minimal-Instrumentation und der Akustik, auch alle musikalischen Freiheiten geniessen und sich voll ausfalten.
    Den Papageno Bryan Rothfuss würde ich gerne mal in einer "normalen" Zauberflöte erleben, ich glaube das er absolut das nötige darstellerische Talent für diese Rolle hat, jedoch kann er dies in dieser auf Tami-Pami fokussierten Fassung nicht wirklich zur Geltung bringen.
    Papagena Berit Barfred-Jensen hat eine sehr schöne Stimme, singt auch die Partien des 1. Geharnischten sowie einige andere Sätze die in dieser Fassung nicht von den Original-Partien gesungen werden und kann hier sängerisch absolut glänzen, jedoch ist es alles in allem zu wenig um wirklich urteilen zu können.
    Dem Sarastro Arno Weinländer fehlt es leider an tiefe, hat eine sehr schöne Mittellage, die beiden Arien haben mich ehrlich nicht wirklich überzeugt.
    Königin Claudia Camie war für mich ( sängerisch ) der Schwachpunkt der Produktion. Sie hat zwar die nötige Höhe, war auch vom Ausdruck her sehr gut, jedoch konnte ich keinen einzigen Lauf der beiden Arien auch nur annähernd deutlich verstehen und man merkte ihr eindeutig die Probleme mit den Staccati der 2. Arie an.


    Fazit: Interessante Variante. Insbesondere die Orchestrierung könnte sich ( wenn Arrangeur Wolfgang Liebhart sie auf das ganze Stück umsetzen würde ) für kleinere Opernproduktionen als sehr nützlich erweisen.


    LG,
    Michael

    Nachdem ich meine Fricsay-Aufnahme scheinbar in Klagenfurt vergessen habe, aber heute bei der Sitzprobe eine solche Lust dazu kriegte es anzuhören jetzt folgende Aufnahme:



    Keine schlechte Alternative, zeitweise sehr hübsch, negativ ist mir bis jetzt vor allem die Siciliana im Quartett aufgefallen die viel zu langsam ist ;(
    Aber ein solche geniale Oper ( insbesondere das :jubel: Quartett ), wundere mich das ich die schon so lange nicht mehr gehört habe.


    LG,
    Michael