Beiträge von m.joho

    Zugegeben: Der Schreibfehler von Gerhard in diesem Thread ist peinlich...
    Was aber noch viel peinlicher ist: Keiner empört sich darüber, dass sich der sogenannte Regisseur nicht nur gegen das Libretto vergangen hat (das sind wir ja leider mittlerweile gewöhnt), aber in sämtlichen Kritiken wird festgehalten, dass er sich am Schluss auch gegen die Partitur vergangen hat. (Man möge das nun nun nicht gegen die minimalen Änderungen von Wieland Wagner vor 50 Jahren aufrechen!),

    Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber ich behaupte kühn, dass niemand diese "Inszenierung" verstanden hat. (Ich zumindest gestehe offen, dass ich dafür zu dumm bin!) Wie ich gelesen habe, hat Castellucci im Programmheft viele Erläuterungen (bis auf Heidegger zurückgehend) gegeben, aber eine Inszenierung, die nicht aus sich selbst erklärbar ist, ist doch verfehlt.
    Was bleibt? Eine umwerfende Grigorian und eine weitgehend packende musikalische Gestaltung.
    Der Rest ist Schweigen!

    Lieber Caruso,
    Dürfte ich eine Anregung, bzw. einen Wunsch äussern?
    Da Deine Erfahrungen rund zehn Jahre weiter zurückgehen, als meine, fände ich es sehr interessant, wenn die heute hoch gehandelte Stimmen mit früheren vergleichen würdest. Beispielsweise hast Du ja Konya mehrfach live gehört: Wie würdest Du Beczalas Lohengrin mit seinem vergleichen? Gleichenfalls liesse sich z. B. Kaufmanns Siegmund mit demjenigen von Vickers vergleichen, Stemmes Brünnhilde mit derjenigen Nilssons etc. etc..

    Ich habe mir lange überlegt, warum diese RT-Auffassung des Lohengrin bei mir und anderen nicht den üblichen Ablehnungseffekt hervorruft. Selbstverständlich ist dieser Lohengrin RT in Reinkultur, da häufig gegen das Libretto inszeniert wird.
    Aber erstens ist die musikalischen Gestaltung eine Sternstunde, wie man sie seit Jahren in Bayreuth vermisst hat. Dass Koniezny brüllt und Waltraud Meier in ihrem Alter mit den Spitzentönen Schwierigkeiten hat,ist neben den restlichen Protagonisten und dem Dirigat unwesentlich.
    Was zweitens jedoch die Regie betrifft ist der entscheidende Unterschied zu Neuenfeld, Castorf oder gar Konwitschny der folgende:
    Die Bühnenaesthetik ist wunderschön und in seiner (nicht immer einleuchtenden) Art wurde das Werk trotzdem ernst genommen und nicht verhöhnt. Es wurde mit grosser Intelligenz ein anderes Märchen erzählt und den Figuren wurde ihr Würde gelassen.
    Auch hier wurde z.B. der König als nicht sehr intelligent gezeichnet, ohne dass er, wie bei Neuenfels als besoffener Alkoholiker rumtaumeln muss.
    Jedenfalls hat Bayreuth nach den Kosky-Meistersingern ein zweites Werk, das man sich auch als RTphober Opernliebhaber durchaus zu Gemüte führen kann.
    Schön wäre es, wenn man nächstes Jahr mit dem Tannhäuser auf dieser Schiene weiterfahren würde.

    Da ich das Glück hatte Beczala als Lohengrin in Zürich (stimmlich) zu erleben wie auch die Dresdener-DVD habe, freue ich mich auf Mittwoch. Wenn die Inszenierung nicht alles versemmelt, wird das ein echter Glücksfall. Seit Völker, Konya und Windgasssen hat es keinen Lohengrin gegeben, der ihm das Wasser reichen könnte!

    Lieber Alfred,
    Dein letzter Beitrag hat mich sehr erfreut. Die "Einfalt des Publikums" und der Kritiker kann man genau so sehr in meinem Spezialgebiet konstatieren:
    Wenn ich die Beiträge in diversen Foren und Zeitungen über das letzte Konzert mit Kaufmann in der Waldbühne lese, wundert mich gar nichts mehr:
    Da jubeln mittelalltriche Groupies dem (zugegebenermassen gutaussehenden) Kaufmann zu, obwohl dieses weitgehende heisere, in der Kehle sitzende Gebrülle mit Gesang, wie ich es verstehe, nichts nichts zu tun hat. Man muss nicht bis Jussi Björling zurück gehen, auch Bergonzi, Gedda und andere haben gezeigt, was Singen heisst. Davon sind wir bei Kaufmann weit entfernt. Aber wenn wir es nicht mehr durch die Ohren empfinden können, wie soll die momentane in jeder Beziehung ungeschulte Gesellschaft es durch die Augen und den Intellekt wahrnehmen? Und damit sind wir wieder beim Regietheater...

    Hallo Amfortas, Du bist offensichtlich zu jung, um noch einen der vor mir genannten Sängerdarsteller live erlebt zu haben und dafür kannst Du nichts.
    Aber Du wirfst hier alles durcheinander.
    Ein Beispiel: Piotr Beczala ist der momentan beste lyrische Tenor, der mit (2!) Partien (Lohengrin, Don José) eben daran ist, sich das Zwischenfach zu erobern. Aber vom schweren Fach ist er klugerweise weit entfernt. Und wie all die von Dir erwähnten sehr guten Sänger ist er (vielleicht mit Ausnahme von Jaho) von einem packenden Darsteller weit entfernt.

    Ein wohl nicht bestreitbares Faktum bleibt aber die Tatsache, dass es heutzutage viel weniger Sängerpersönlichkeiten (zumindest für das schwere Fach) gibt, als noch vor 30/40 Jahren. Dohmen begründet es mit dem Regietheater, es können aber zugegebenermassen auch andere Gründe sein. Vielleicht hat sich für bestimmte Fächer die Ausbildung verbessert, aber ich vermisse heute Sängerdarsteller wie Varnay, Hotter, Windgassen, Greindl, Gobbi, Christoff usw., usw..

    Hier ein neueres Video von Ermonela Jaho als Suor Angelica aus München unter Petrenko, das beweist, was für ein Solitaire diese Künstlerin ist.
    Wer davon ungerührt bleibt, den kann ich nur bedauern.
    ttps://www.youtube.com/watch?v=Xdky0sfHwKg

    Die NZZ von heute befasst sich mit dem Zürcher Opernhaus und Andreas Homokis Intendanz.
    Da es ein Bezahlartikel ist, hier die wesentlichsten Punkte:
    Es ist zu befürchten, dass Homokis Vertrag nach 2022 verlängert wird.
    Das Haus mit seinen exorbitanten Kartenpreisen (trotz 80 mio Subventionen) hat massiv an Renommee verloren. Die Sängerbilanz ist durchzogen. Zürich ist ein Haus der Regisseure geworden. Der Tiefpunkt der laufenden Saison war Homokis "Forza"-Regie, der Höhepunkt eine konzertante Aufführung der "Fille du régiment". Der Musikchef Fabio Luisi dirigiert lieber anderswo.
    Der einzige Pluspunkt ist das Ballet.

    :jubel:

    Da hat Amfortas in der Schule nicht gut aufgepasst. Solche Scheusslichkeiten, wie im Agamemnon geschildert, fanden nie auf der Bühne statt, sondern wurden nur erzählt.
    Es blieb unserer Zeit vorbehalten alles zu zeigen, bis zum Kettensägenmassaker in Freiburg, bei welchem die Zuschauer in Mengen das Theater verlassen..
    Von Drahdiwabel habe ich nie was gehört, solche sogenannten "Konzerte" gehören für mich nicht zur Kultur!

    Am Bedauerlichsten ist für mich, dass von seinen Operninszenierungen mit unübertroffen Besetzungen in den 50ern in Wien weder Ton- noch gar Filmaufnahmen erhalten sind, insbesondere was die Wagnerschen Werke betrifft. Später waren leider die Sänger nicht mehr vorhanden, als er es in Salzburg wieder versucht hat!