Beiträge von m.joho

    Ich habe mir lange überlegt, warum diese RT-Auffassung des Lohengrin bei mir und anderen nicht den üblichen Ablehnungseffekt hervorruft. Selbstverständlich ist dieser Lohengrin RT in Reinkultur, da häufig gegen das Libretto inszeniert wird.
    Aber erstens ist die musikalischen Gestaltung eine Sternstunde, wie man sie seit Jahren in Bayreuth vermisst hat. Dass Koniezny brüllt und Waltraud Meier in ihrem Alter mit den Spitzentönen Schwierigkeiten hat,ist neben den restlichen Protagonisten und dem Dirigat unwesentlich.
    Was zweitens jedoch die Regie betrifft ist der entscheidende Unterschied zu Neuenfeld, Castorf oder gar Konwitschny der folgende:
    Die Bühnenaesthetik ist wunderschön und in seiner (nicht immer einleuchtenden) Art wurde das Werk trotzdem ernst genommen und nicht verhöhnt. Es wurde mit grosser Intelligenz ein anderes Märchen erzählt und den Figuren wurde ihr Würde gelassen.
    Auch hier wurde z.B. der König als nicht sehr intelligent gezeichnet, ohne dass er, wie bei Neuenfels als besoffener Alkoholiker rumtaumeln muss.
    Jedenfalls hat Bayreuth nach den Kosky-Meistersingern ein zweites Werk, das man sich auch als RTphober Opernliebhaber durchaus zu Gemüte führen kann.
    Schön wäre es, wenn man nächstes Jahr mit dem Tannhäuser auf dieser Schiene weiterfahren würde.

    Da ich das Glück hatte Beczala als Lohengrin in Zürich (stimmlich) zu erleben wie auch die Dresdener-DVD habe, freue ich mich auf Mittwoch. Wenn die Inszenierung nicht alles versemmelt, wird das ein echter Glücksfall. Seit Völker, Konya und Windgasssen hat es keinen Lohengrin gegeben, der ihm das Wasser reichen könnte!

    Lieber Alfred,
    Dein letzter Beitrag hat mich sehr erfreut. Die "Einfalt des Publikums" und der Kritiker kann man genau so sehr in meinem Spezialgebiet konstatieren:
    Wenn ich die Beiträge in diversen Foren und Zeitungen über das letzte Konzert mit Kaufmann in der Waldbühne lese, wundert mich gar nichts mehr:
    Da jubeln mittelalltriche Groupies dem (zugegebenermassen gutaussehenden) Kaufmann zu, obwohl dieses weitgehende heisere, in der Kehle sitzende Gebrülle mit Gesang, wie ich es verstehe, nichts nichts zu tun hat. Man muss nicht bis Jussi Björling zurück gehen, auch Bergonzi, Gedda und andere haben gezeigt, was Singen heisst. Davon sind wir bei Kaufmann weit entfernt. Aber wenn wir es nicht mehr durch die Ohren empfinden können, wie soll die momentane in jeder Beziehung ungeschulte Gesellschaft es durch die Augen und den Intellekt wahrnehmen? Und damit sind wir wieder beim Regietheater...

    Hallo Amfortas, Du bist offensichtlich zu jung, um noch einen der vor mir genannten Sängerdarsteller live erlebt zu haben und dafür kannst Du nichts.
    Aber Du wirfst hier alles durcheinander.
    Ein Beispiel: Piotr Beczala ist der momentan beste lyrische Tenor, der mit (2!) Partien (Lohengrin, Don José) eben daran ist, sich das Zwischenfach zu erobern. Aber vom schweren Fach ist er klugerweise weit entfernt. Und wie all die von Dir erwähnten sehr guten Sänger ist er (vielleicht mit Ausnahme von Jaho) von einem packenden Darsteller weit entfernt.

    Ein wohl nicht bestreitbares Faktum bleibt aber die Tatsache, dass es heutzutage viel weniger Sängerpersönlichkeiten (zumindest für das schwere Fach) gibt, als noch vor 30/40 Jahren. Dohmen begründet es mit dem Regietheater, es können aber zugegebenermassen auch andere Gründe sein. Vielleicht hat sich für bestimmte Fächer die Ausbildung verbessert, aber ich vermisse heute Sängerdarsteller wie Varnay, Hotter, Windgassen, Greindl, Gobbi, Christoff usw., usw..

    Hier ein neueres Video von Ermonela Jaho als Suor Angelica aus München unter Petrenko, das beweist, was für ein Solitaire diese Künstlerin ist.
    Wer davon ungerührt bleibt, den kann ich nur bedauern.
    ttps://www.youtube.com/watch?v=Xdky0sfHwKg

    Die NZZ von heute befasst sich mit dem Zürcher Opernhaus und Andreas Homokis Intendanz.
    Da es ein Bezahlartikel ist, hier die wesentlichsten Punkte:
    Es ist zu befürchten, dass Homokis Vertrag nach 2022 verlängert wird.
    Das Haus mit seinen exorbitanten Kartenpreisen (trotz 80 mio Subventionen) hat massiv an Renommee verloren. Die Sängerbilanz ist durchzogen. Zürich ist ein Haus der Regisseure geworden. Der Tiefpunkt der laufenden Saison war Homokis "Forza"-Regie, der Höhepunkt eine konzertante Aufführung der "Fille du régiment". Der Musikchef Fabio Luisi dirigiert lieber anderswo.
    Der einzige Pluspunkt ist das Ballet.

    :jubel:

    Da hat Amfortas in der Schule nicht gut aufgepasst. Solche Scheusslichkeiten, wie im Agamemnon geschildert, fanden nie auf der Bühne statt, sondern wurden nur erzählt.
    Es blieb unserer Zeit vorbehalten alles zu zeigen, bis zum Kettensägenmassaker in Freiburg, bei welchem die Zuschauer in Mengen das Theater verlassen..
    Von Drahdiwabel habe ich nie was gehört, solche sogenannten "Konzerte" gehören für mich nicht zur Kultur!

    Am Bedauerlichsten ist für mich, dass von seinen Operninszenierungen mit unübertroffen Besetzungen in den 50ern in Wien weder Ton- noch gar Filmaufnahmen erhalten sind, insbesondere was die Wagnerschen Werke betrifft. Später waren leider die Sänger nicht mehr vorhanden, als er es in Salzburg wieder versucht hat!

    Keiner hier hat die Nazi-Diktatur auch nur mit einem Wort verteidigt, bzw. die DDR-Diktatur als das grössere Unglück bezeichnet. Diese Behauptung wird durch ewige Wiederholung nicht richtiger. Dass aber trotz den Erfahrungen mit den Nazis auf Deutschem Boden nachher eine weitere Diktatur errichtet wurde, ist zumindest für mich ein Problem.

    Lieber Carlos,
    Ich verneige mich vor Deinen Kenntnissen! Könntest Du mich vielleicht bei Gelegenheit infomieren, welche Dokumente , seien es Tondokumente oder Fernsehenaufnahmen mit Wolfgang Windgassen existieren, damit ich meine Sammlung erweitern kann?

    http://www.musik-heute.de/1791…ine-wegen-rufschaedigung/


    Die Causa wird immer absurder. Jetzt verlangt die Met Schadenersatz in Millionenhöhe, weil Levine durch sein Verhalten in sieben Fällen, die man bestenfalls als Belästigung bezeichnen kann, dem Renommé geschadet habe. Merkwürdig, dass die verlangte Summe dem entspricht, was er als Wiedergutmachung verlangt hat. Übrigens stand die Met in den Jahren 1979-1999 im Gegensatz zu heute finanziell gesichert da. Honit soit, qui mal y pense... ;)

    Wenn man sich wirklich seriös mit Wagners Ring beschäftigen will, kann ich hier eine Buchempfehlung geben:
    Torsten Meiwald: Randbemerkungen zur Richard Wagners "Ring des Nibelungen".
    (Nebenbei gesagt, das Buch ist im Gegensatz zu den Beiträgen von Amfortas in leicht verständlichem Deutsch, ohne umgangssprachliche Ausdrücke, verfasst ;) ).

    Bewusst stelle ich in diesem Beitrag kein Foto, sondern ein Video ein, deshalb, weil man diese packende Sängerin nicht auf ihre Stimme reduzieren darf, sondern sie ebenfalls agieren lassen sollte, um den Eindruck zu vervollkommnen.
    Ermonela Jaho wurde am 18.07.1974 in Tirana (Albanien) geboren, wo sie im zarten Alter von sechs Jahren ihren ersten Gesangsunterricht bekam. Weitere Studien führten sie schliesslich an die Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom. Ihr Début fand mit 17 Jahren (!) als Violetta in Tirana statt und mit der Traviata gastierte sie auch mit grossem Erfolg an den führenden Opernhäusern in Europa und Amerika. Eine weitere Starrolle von ihr ist die ergreifende Butterfly, die sie auch in Freilichttaufführungen in Frankreich sang, dann die Antonia, Desdemona, Massenets und Puccinis Manon, Liu, usw. usw..
    Leider gibt es nur eine offizielle CD-Aufnahme mit ihr in Leoncavallos unbekannter Oper Zaza, die auf Opera rara erschienen ist. Dieser Umstand lässt sich aber glücklicherweise dadurch verschmerzen, dass neben zwei offiziellen DVD's (Traviata aus Verona, Suor Angelica aus Covent Garden), eine Fülle von Dokumenten (einiges davon auf Youtube) den Ausnahmerang dieser Sängerin bezeugen.
    Gerade für die Frauengestalten Puccinis ist der helle, kopfige Klang ihres Soprans für mich das überzeugendste, was ich seit Victoria de los Angeles gehört habe. Dazu kommt eine Darstellung, die im Dienst der jeweiligen Partie bis zur Selbstaufgabe und manchmal auch etwas auf Kosten der Stimmbeherrschung geht. Wer ihre Suor Angelica vor allem aus München kennt, wird mir damit wohl Recht geben.
    Ich hoffe, dass sie den eingeschlagenen Weg weitergeht und sich nicht im dramatischeren Verdi-Fach versucht.
    [media][https://www.youtube.com/watch?v=GvvMZdYlqCo/youtube]

    Die heutige Vorstellung, war zumindest teilweise, eine Sternstunde, wie man sie heute viel zu selten erlebt.
    Piotr Beczala ist heute in der Titelpartie (dies trotz Leuten wie Kaufmann, Alvarez etc.) nicht zu übertreffen. Man muss weit in die Vergangenheit zurückgehen, um mit Kraus eine ebenbürtige Leistung zu finden. Beczala ist moemetan in der Form seines Lebens: Die notwendigen Lyrismen gelingen ihm ebenso gut, wie auch die strahlenden Spitzentöne, in welchen er metallische Klänge findet. Ich würde ihm raten, nicht zu sehr ins Verismo-Fach zu streben (was er ja jetzt nach Don José und Cavaradossi immer mehr vor hat) und stattdessen seine wunderschöne Stimme zu pflegen und vielleicht trotz seinen Reserven endlich den Hoffmann anzugehen..).
    Die heutige Vorstellung wurde noch dadurch etwas Besonderes, dass er auf der Bühne den International Opera Award 2018 bekam.
    Auch die sonstige Besetzung war durchaus erfreulich: Anaik Morel als Charlotte, sei ebenso positiv hervorgehoben, wie Melissa Petit als Sophie.
    Das Dirigat von Lorenzo Viotti fand ich im ersten Akt ziemlich zähflüssig, aber er wurde im Laufe der Vorstellung immer besser.
    Der Negativpunkt war (einmal mehr!) die Regie. Ich will mich über Frau Gürbacas Leistung gar nicht gross verbreiten (selbstverständlich wurde sie im Feuilleton hochgelobt!).
    Nach Aida,Zauberflöte und kürzlich dem Parsifal hat sie 2017 versucht, ein weiteres Werk zu meucheln! Dank der hervorragenden Besetzung mit Beczala, der die Regie auch sehr skeptisch sieht, ist es ihr glücklicherweise nicht gelungen.
    Und Caruso, als kleiner Seitenhieb, ich war in der Vorstellung und würde mich freuen, wenn man mehr Beiträge von Deiner Seite über namhafte Sänger, wie auch Maestri, Tézier, Kunde, Jaho etc. fände, wie Du sie früher schriebst, bevor dein Interesse sich ganz auf die "neuen Stimmen" verlagert hat.

    Ich freue mich auf Donnerstag, wo ich die Gelegenheit habe, meinen Lieblingstenor Beczala als Werther zu erleben! Leider in einer Gürbaca-Inszenierung.. :love: Je nun, man kann heutzutage nicht alles haben und die Sänger sind mir immer noch das Wichtigste....