Klangliche Unterschiede bei Verstärkern gibt es seit es Verstärker gibt. Jeder Verstärker - und sei er noch so aufwendig konstruiert - beeinflusst das Ursprungssignal. Einen "neutralen" Verstärker, im Sinne von "ohne Störeinfluss" gibt es nicht und wird es wohl auch nie geben.
Bereits das Durchfließen eines Stücks Draht beeinträchtigt den Klang. HiFi-Puristen investieren deshalb mitunter mehr Geld in diverse Strippen als so mancher Durchschnitts-HiFiist in seine ganze Anlage. Ob es sich auszahlt oder ob man besser in andere Komponenten investiert, muss jeder mit seinem eigenen Portemonnaie ausmachen.
Technisch ist es schon lange möglich, Verstärker zu bauen, die tadellose meßtechnische Werte liefern. Ein glatter Frequenzgang über den gesamten Hörbereich, ein kaum hörbares Grundrauschen und ein niedriger Klirrfaktor, gehören heutzutage selbst bei kostengünstigen Verstärkern zur Selbstverständlichkeit. So gesehen sind die Unterschiede zwischen einem – sagen wir mal – 500 Euro und 3000 Euro teuren Verstärker minimal.
Die klanglichen Unterschiede sind aber viel größer als die messtechnischen. Das erkennt man schon daran, dass Röhrenverstärker anders klingen als Transistor- oder Digitalverstärker. Allerdings kann man auch nicht einfach behaupten, je teuer umso besser. Letztendlich muss man Probehören, was gute Händler gerne tun. Wer von der Stange kauft und nur auf möglichst viel Watt aus ist, liegt klanglich häufig daneben.
Wer sich lediglich einen Verstärker zulegen möchte, der achte beim Probehören darauf, dass hier sehr wahrscheinlich andere Lautsprecher als die eigenen verwendet werden. Möglicherweise haben die Lautsprecher einen viel größeren Einfluss auf den Klang als der/die Verstärker. Gerade die Verträglichkeit zwischen Verstärker und Lautsprechern muss passen. Es gibt Lautsprecher mit kritischen Impendanzen, die dann hohe Anforderungen an den Dämpfungsfaktor eines Verstärkers stellen. Deshalb ist es sinnvoller, den Verstärker mit neuen Boxen Probe zu hören und diese Kombination dann zu erstehen. Andernfalls kann man zu Hause mit den eigenen Lautsprechern negative Überraschungen erleben.
Vor 7 Jahren habe ich meine alte Anlage komplett ausgetauscht. Der alte Receiver, Marke Universum von 1976, hatte die typischen Alterungserscheinungen wie nachlassende Elkos und kratzende Potis. UKW-Empfang war kaum mehr möglich, weil die Empfangsfrequenz nicht gehalten wurde. An den alten Boxen, Eigenbau mit insgesamt je 6 Lautsprechern, lösten sich die Sicken der Basslautsprecher allmählich auf. Der CD-Player, ein alter Philips von 1984, produzierte immer mehr Aussetzer und hatte ohnehin Probleme mit Selbstgebrannten. Lediglich mein Plattenspieler, ein DUAL von 1980, blieb übrig und kommt auch immer mal wieder zu Ehren.
Nach Probehören beim Händler mit eigenen CDs entschieden wir (meine bessere Hälfte war selbstverständlich auch dabei) uns für
- Marantz SR5000 AV Surround Receiver
- Marantz CD6000 OSE CD-Player
- 2 Standboxen (vorn rechts u. links) B&W DM 605 S2, 3-Wege-Baßreflex mit aktivem Bassmodul. Durch die eingebauten Verstärker, ähnlich wie beim Subwoofer, lässt sich der Bassbereich an die Raumakustik anpassen und der Bass geht wirklich ganz tief in den Keller.
- 1 Center B&W CC6 S2
- 2 Kompaktboxen (hinten rechts u. links) B&W DM 601 S2.
Der Händler machte einen guten Paketpreis und hat die Anlage aufgebaut und eingemessen.
Den Surround-Bereich lasse ich hier bewusst heraus und betrachte nur den Höreindruck in Stereo.
Zunächst ist der Klangeindruck ungewohnt, so wie Alfred es auch schon beschrieben hat. Gewisse Schmeicheleien der alten Anlage fehlten. So hatte der alte Verstärker eine sehr ausgeprägte Loudness-Schaltung, die bei geringen Lautstärken einen sehr warmen Klang erzeugte, der allerdings übertrieben war. Bei größeren Lautstärken klang der alte dann sehr schlank und spitz, also genau das Gegenteil, und wurde dadurch auch nervig. Man musste dann durch die Klangregler ausgleichen. Der Marantz hat keine Loudness-Schaltung. Daran habe ich mich schnell gewöhnt und eigentlich empfinde ich den Klangeindruck beim Wechsel zwischen laut und leise so auch richtiger. Ingesamt ist der Marantz analytischer und trotzdem ist der Klang warm, kraftvoll und lässig. Bei meinen Hörgewohnheiten – ich drehe auch schon mal ordentlich auf – wird er nie lästig und wirkt nie angestrengt.
Natürlich spielen auch hier die Lautsprecher eine große Rolle. Sie passen sehr gut zum Verstärker und haben genügend Lautstärke-Reserven. Der Frequenzbereich ist sehr breit, die Klangfarben sehr schön. Ingesamt sind die Boxen sowohl für kleines als auch großes Orchester sehr gut geeignet und klingen auch bei Stereo sehr räumlich in der Breite und Tiefe.
Warum ich die Lautsprecher in das Thema „Verstärker“ mit eingebunden habe, das hat folgenden Grund. Verstärker und Lautsprecher bilden zusammen eine Einheit und müssen zueinander passen. Wer das nicht beachtet, kann große Enttäuschungen erleben. Ein guter Verstärker und gute Lautsprecher können zusammen unbefriedigend klingen, wenn sie nicht zueinander passen!
Insgesamt halte ich den klanglichen Einfluss von Verstärkern für geringer als den von Lautsprechern. Bei begrenztem Budget – und das dürfte ja meistens der Fall sein – sollte man nicht zuviel in den Verstärker und zu wenig in die Lautsprecher investieren. Bei der Aufteilung des Budgets empfehle ich ¼ für den Verstärker und ¾ für die Lautsprecher.
Gruß
Tresor