Beiträge von john_lackland

    herzlichen gruß in die runde,


    bin ebenfalls sehr neugierig auf einige nähere bemerkungen zur einspielung von vitalij margulis, insbesondere zum zweiten satz.


    die mir bei op111 besonders lieben einspielungen zeichnen sich jeweils durch sehr langsam gespielte zweite sätze aus - dies wären zum einen:


    a. anatol ugorski:




    1. satz: 11'12'' 2. satz: 26'54'' - ugorski hat dafür z.B. im "gramophone" strenge zensuren des rezensenten bekommen - man kennt freilich die vorlieben der englischen musikpresse im klassikbereich, bei der radikale interpretationen leicht in die ecke der exzentrik geschoben werden.
    und auch wenn man z.B. die joachim kaiser'schen apodiktischen äußerungen a la "op111 verlangt hier jedoch..." rundheraus ablehnt, in einem hat er recht, wenn er in seiner aus den 70ern stammenden rundfunksendungen zu beethovens klaviersonaten beim beispiel op111 sinngemäß sagt: "es wird verschiedene möglichkeiten geben, op111 zu spielen - aber diese musik verlangt das extreme, niemals das mittlere" . und hier liegt, gerade wenn man inzwischen dutzende op111 versionen kennt, die faszination einer solchen einspielung. "himmlische längen" - der zweite satz scheint hier ins unendliche auszugreifen.



    das andere beispiel:


    b. ivo pogorelich live
    während er in seiner studioeinspielung von 1982 noch vergleichsweise "rasche" tempi bevorzugt (1. satz 9'49''; 2. satz: 19'40''), spielt er op 111 in den letzten jahren im konzertsaal nun doch wesentlich langsamer - in den u.s.a. 2002 etwa benötigte er für den ersten satz 11'27'', den zweiten 22'20''.
    habe pogorelich seinerzeit beim klavierfestival ruhr mit op111 erlebt, es mag vier jahre her sein: ein erlebnis, welches ich nie vergessen werde.



    wer sich auf die radikale, jegliche "ideenumsetzung" vermeidende, zeit aufhebende musik gerade des zweiten satzes in derartigen interpretationen einlässt, dem fehlt dann z.B. bei anderen "rascheren" einspielungen etwas (backhaus, kempff, gulda).
    (wer mit ein wenig langsameren zweiten sätzen beginnen möchte, dem seien empfohlen: pogorelich im studio 1982 (deutsche grammophon), youra guller (apex/ warner classics; bekommt man fast hinterhergeschmissen!), nicholas angelich (mirare) oder der hervorragende deutsche yorck kronenberg (bei sony erschienen); alle benötigen ca. 19'30'' für den zweiten satz).



    mehr als für anderer (klavier)werke gilt für mich persönlich bei op111 im übrigen, dass der ästhetische wert einer interpretation nicht von ihrer "korrektheit" oder der nähe zu irgendeinem ideal abhängt, sondern eben das ergebnis der kreativen d.h. notwendigerweise schöpferischen leistung des interpreten ist - also in etwa: interpretation ist ohnehin unvermeidbar, es ist unmöglich, ein passiv "ausführender" zu sein; siehe dazu das wunderbare, für jeden (klavier)musikfreund unbedingt bereichernde buch von kevin bazzana "glenn gould oder die kunst der interpretation".


    herzlicher gruß
    john lackland

    hallo in die runde,


    kennt jemand von Euch die neuerschienene fleisher-aufnahme mit schuberts b-dur klaviersonate, die hier und da wie das nonplusultra gefeiert wurde?



    herzlicher gruß, john

    ... sorry, dass ich noch ein klein wenig wasser in den wein des laut "bubba" "tatsächlich vollkommenen" (wahrlich ein großes wort) pianisten gießen muss.
    auch wenn die 2cd collection aus der philips-"great pianists"-reihe mit chopin und scriabin hervorragendes, aufregendes und souveränes klavierspiel zeigt, so war ich doch etwas erstaunt über die zweite aufnahme mit sofronitzky, die mir unterkam:



    Label Urania
    BEETHOVEN PIANO SONATAS Op.27/2, 28, 57, 32, Andante Wo O57. SCHUMANN, PIANO SONATA No.1, PAPILLONS Op.2, CARNAVAL Op.9. Aufnahmen 1946 - 1953
    gerade der beethoven ist schlichtweg enttäuschend - das andante favori harmlos (nun gut..), die wundervolle pastorale geheimnislos "absolviert", das eingeschlagene tempo des dritten satzes der 27/2 kann sofronitzky technisch nicht bewältigen und v.a. das op 111 leidet unter zahlreichen unsauberen stellen, viele phrasen-schlüsse sind einfach lieblos hingeschmiert im ersten satz und der zweite wird durch viele "effekte" derart ins profane gezogen, dass man sich doch sehr ärgert.
    alles in allem: ich erwarte sehnlichst die brilliant-box und hoffe, dass sich da einiges korrigiert.
    gruß, john

    zur post von a.b. nochmals das, was ich bereits im wtk-thread schrieb:


    lud vor einigen wochen aus dem netz eine dort frei verfügbare aufnahme des wohltemperierten klaviers band 1 und 2 mit feinberg herunter, die ich seither intensiv herauf- und herunter- und vergleichs-gehört habe (ich habe sonst noch: barenboim, gould, henck, fischer, schiff, gulda, richter, tureck) -
    und muss sagen: unglaublich gut!!
    wie bereits im wtk-thread zu feinberg gesagt: romantische tradition, aber "russisch" d.h. freier und letztlich spannungsvoller und mir daher besser gefallend als der z.T. ähnliche (und ganz klar: hervorragende) edwin fischer - v.a. in der agogik ist feinberg variabler und mutiger - was die stücke sehr gut vertragen. sehr intensiv sind v.a. die langsameren stücke; der ganze zyklus wirkt wie vom licht einer dunklen sonne bestrahlt.
    ganz wundervoll ist feinberg beim herausarbeiten einzelner stimmen, so dass sich eine ganz eigene mischung aus romantischer intensität und analytischem zugriff und durchhörbarkeit ergibt: fast so etwas wie die quadratur des kreises (bisherige favoriten: so ein "dreick" aus richter, fischer und gould)


    alles in allem: ein erlebnis! - kann ich jedem nur empfehlen, geht sehr zu herzen (wenn ich das so klischeehaft sagen darf..)
    herzlicher gruß
    john lackland

    mein derzeitiges lieblings-impromptu ist das in as-dur (d 935 no.2), bei der mir zwei einspielungen sehr gefallen:
    - edwin fischer und v.a.
    krystian zimerman, der wunderbar "singt", manchmal vielleicht einen tick zu "weich" und romantisch spielt



    noch immer aber bin ich auf der suche nach weiteren einspielungen dieses stücks (kenne sonst nur noch: schnabel, firkusny) - gibt es empfehlungen gerade für das as-dur impromptu? (lupu? kenne den nur mit 960, 959, 958, 894, 784 und moments musicaux)


    mein ideal wäre wahrscheinlich gulda, leider hat der meines wissens nach aber nur die op 90, D899 eingespielt. doch WIE!
    meine absolute liebste schubert cd und eine einspielung, die für mich zu den top ten meiner gesamten sammlung gehört, ist die cd "gulda plays schubert", erschienen als eine seiner letzten veröffentlichungen auf dem eigenen label "paradise productions",die via amazon leider s**teuer ist (auch wenn sie jeden einzelnen penny wert ist, versprochen...):


    genau diese aufnahme, die gulda im booklet-text als unlängst eingespielt darstellt (".. war ich ein letztes mal auf 'visit' ") und die dort mit den aufnahmeinformationen "aufgenommen im paradise studio, recorded at weissenbach 1999" versehen ist, birgt aber ein wirklich spannendes rätsel:
    ein guter freund schickte mir, nachdem er diese aufnahme sich zugelegt hatte, eine von ihm von lp nach cd transferierte gulda-aufnahme mit eben diesem programm, erschienen in der serie "festival classique" irgendwann in den 60ern !! - mit genau denselben tracklängen, phrasierungen etc. - als geübte hörer sind wir uns sicher, dass es identische einspielungen sind.


    ich habe bei einem meiner besuche in münchen im plattengeschäft "ludwig beck" (am rathauseck) den entsprechenden fachverkäufer darauf angesprochen, der für den kontakt zu "paradise productions" zuständig ist und dabei den kontakt zur witwe guldas hält: er hat diese darauf angesprochen, sie hatte aber wohl keine erklärung dafür.
    nun gibt es, so entdeckte ich unlängst, via jpc die cd "friedrich gulda -the concert hall recordings"-



    , die eben jene impomptus op 90 & moments musicaux op. 94 enthält - evtl. ist dies die dritte veröffentlichung einundderselben gulda-schubert aufnahmen?
    evtl. lebt da draußen irgendein gulda-spezialist, der eine erklärung hat? vielleicht gibt es ja einen gulda-thread, muss gleich mal nachsehen..


    da ich dieen den thread hier aber sowieso schon fast mit text gesprengt habe, lasse ich es lieber gut sein jetzt...
    herzlicher gruß!
    john lackland

    .. lud gestern aus dem netz eine dort frei verfügbare aufnahme des wohltemperierten klaviers band 1 und 2 mit samuel feinberg herunter, die ich seither intensiv herauf- und herunter- und vergleichs-gehört habe (ich habe sonst noch: barenboim, gould, henck, fischer, schiff, gulda, richter, tureck) -
    und muss sagen: unglaublich gut!!
    wie bereits in diesem thread gesagt: romantische tradition, aber "russisch" d.h. freier und letztlich spannungsvoller wie der z.T. ähnliche (und ganz klar: hervorragende) edwin fischer - v.a. in der agogik ist feinberg variabler und mutiger - was die stücke sehr gut vertragen. sehr intensiv sind v.a. die langsameren stücke; der ganze zyklus wirkt wie vom licht einer dunklen sonne bestrahlt.
    ganz wundervoll ist feinberg beim herausarbeiten einzelner stimmen, so dass sich eine ganz eigene mischung aus romantischer intensität und analytischem zugriff ergibt: fast so etwas wie die quadratur des kreises (bisherige favoriten: so ein "dreick" aus richter, fischer und gould)


    alles in allem: ein erlebnis! - kann ich jedem nur empfehlen, geht sehr zu herzen (wenn ich das so klischeehaft sagen darf..)
    herzlicher gruß
    john lackland

    habe mir unlängst, nachdem ich ein hochinteressantes radiointerview mit dem chef der steingraeber-klaviermanufaktur aus bayreuth im radio hörte, eine dort kurz angespielte cd mit klaviertranskriptionen von mozart mit dem famosen und hier bereits im zusammenhang mit dem mark allen -flügel erwähnten famosen CYPRIEN KATSARIS gekauft: eine hochspannende, sehr luzide einspielung, in der allerdings der steingraeber-klang, der sehr charakteristisch ist (sehr klar, transparent, kernig), für meinen geschmack aber nicht optimal aufgenommen wurde:




    cd kann ich gleichwohl empfehlen
    - für mozart-liebhaber,
    - transkriptionen-liebhaber,
    - komplettisten mit sinn für welt-ersteinspielungen und
    - klavierklang-/ alternativenzusteinway-liebhaber.
    - fans von katsaris


    gruß
    john lackland


    Durch den Einsatz des JPC Befehles (siehe "Features in diesem Forum") ist es möglich direkt auf jpc zu verlinken und somit auch die Tonbeispiele den Lesern zugänglich zu machen - Von der Moderation hinzugefügt MOD 001 Alfred

    ich oute mich gerne - meine liebst aufnahme (ich kenne sonst: richter, gilels, fray) ist von :


    ivo pogorelich



    - der einspielung wird ja gerne eine "fehlende gesamtarchitektur" und "manieriertheit" bzw. ein "auseinanderfallen" nachgesagt - vielleicht ist es gerade dieser ansatz, der mich bei der h-moll-sonate überzeugt, die ich stets weniger strukturell, eher dramatisch und episch "gelesen", vielleicht sogar als ergebnis einer virtuosen "schnittechnik" (die vielleicht heute ihre entsprechung in der elektronischen musik hat) gesehen habe.
    eine aufregende, im positiven extravagant-manierierte aufnahme (längst an der zeit, dass man den manierismus als kunstform auch in der interpretation wieder mehr wertschätzt!). und schließlich rein klanglich/ pianistisch herausragend!
    gruß
    john lackland

    auch wenn bislang kaum cd-veröffentlichungen erschienen sind:
    mein "lebendiger" favorit bei beethoven (und nicht nur dort..) ist sicherlich


    GRIGoRY SOKOLOV


    erlebt habe ich ihn live mit opp. 14/1 & /2, op. 111, op. 22, über radioaufnahmen kenne ich noch op. 27/2; op. 31/1, op. 109, op. 110 sowie op. 106 (diese auf CD) - fast jedesmal bestechend lebendig und zupackend (seltsamerweise hat mich op. 111 am wenigsten überzeugt - vielleicht bin ich da auch am kritischsten)


    gruß aus freiburg
    john lackland

    ... und schließlich oute ich mich noch in bezug auf brendel & die frage nach den interpretatorischen freiheiten: wir leben in der klassischen musik in einer interpretationskultur, zumindest nimmt diese einen großen raum ein: neben der aufführung neuer musik geht es heutigen künstler darum, musik von früher für/ in unsere/r zeit zu interpretieren.


    wir hören also nicht nur die eine version der apassionata wieder und wieder und ausschließlich, sondern uns interessiert der jeweils neue zugriff auf den (cum grano salis) immer gleichen notentext - um auch hier "neues" und "unerhörtes" zu erleben. unser gehör hat sich dabei mehr und mehr verfeinert und richtet sich auf nuancen - viele mögen es dann dekadent finden, wenn manche zuhause die 14. version der schubert'schen b-dur sonate stehen haben. unter dem mikroskopischen blick (oder dem stetoskopischen hören?) entfaltet sich dann eine ungeahnt farbige, vielgestaltige, komplexe welt - und einzelne interpretationen beginnen sich plötzlich fundamental von anderen zu unterscheiden.


    meinem geschmack nach hat für mich die suche nach der definitiven interpretation und das pochen auf den notentext etwas merkwürdig verkniffenes, unfreies, das das wesen von musik als etwas im konkreten momentanen höreindruck real werdendes einschränkt. die "definitive interpretation" ist ein widerspruch in sich.
    insofern ist interpretation immer etwas, das neben dem notentext eine eigenständige realität beansprucht. und hier muss es freiräume geben, machen abweichungen auch vom notentext gerade das reizvolle der beschäftigung mit der 15. b-dur-sonaten einspielung aus.


    wann die grenzen überschritten ist, ist wie sonst in der kunst eine frage zwischen mir selbst und dem gehörten: mal reagiere ich recht empfindlich auf freiheiten bei der interpretation (ein klavierabend von pletnev, der bach missbrauchte), dann wiederum scheint mein bewußtsein erweitert (sorry :)...; ein klavierabend von pogorelich mit beethovens op111) .


    also: im zweifelsfall für die freiheitliche haltung von brendel, gegen den schriftgelehrten korstick - im zweifelsfall aber für die (farbige) korstick'sche interpretation von beethoven-sonaten gegen die brendel'sche ;).


    herzlicher gruß
    john lackland

    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem


    Von einem nicht Klavierspielenden Kritiker hätte ich den Tonfall als anmaßend empfunden.


    Gruß,
    Michael


    hallo,


    es macht dieser letzte satz stutzig: an und für sich sollte es doch um die sache / das argument gehen - und nicht um denjenigen, der sie/ es äußert.
    zuende gedacht hieße das sonst, dass nur die kritik keine anmaßung ist, die von einem künstler geäußert wird. und warum sollte die kollegenkritik ausgerechnet keine anmaßung sein? ab welchem "niveau" des klavierspiels dürfte man dann z.B. brendel kritisieren? schon als john lackland? oder erst als justus frantz? oder muss es mindestens ein korstick-kaliber sein?


    kritik ist kritik - und als solche immer anmaßend: jemand gibt a) einen maßstab aus und b) beurteilt das werk eines anderen vor diesem hintergrund.
    wenn man kritik (bzw. das "amt" des kritikers) zulässt, so ist jedermann gleichermaßen "anmaßend", ob klavier-kollege oder unmusikalischer kritikaster. was mich interessiert sind die angelegten maßstäbe (überhaupt vorhanden? offengelegt? passend?) und die beurteilung (höre ich das auch, was der kritiker hört?).


    der tonfall schließlich ist eine ebene der kritik, die mit dem inhalt und mit dem autor zunächst garnichts zu tun hat (und mich zumindest erst sekundär interessiert): er verstößt entweder gegen die höflichkeit, oder nicht. selbst wenn der tonfall harsch ist: der inhalt bleibt davon unberührt. ich entscheide mich nur, ob ich trotz des tonfalls weiterlese oder nicht. ich habe schon aus manch bösartiger kritik viel gelernt.


    herzlicher gruß
    john lackland

    hallo,


    hier meine lieblingsaufnahme (im vergleich kenne ich "nur" sokolov, leonskaja, katchen, richter) mit ugorski (s.u.) - wird bei amazon derzeit auch verramscht.
    farbiges, aufregendes, subjektives klavierspiel. interessant ist die kopplung mit der bach-chaconne f.d. linke hand und v.a. den händel-variationen !! - letztere in einer ganz großartigen einspielung.
    schade, dass ugorski lange nichts mehr aufgenommen hat & wohl auch derzeit keinen plattenvertrag besitzt .
    es grüßt
    john lackland


    hallo,


    das gesamte korstick-"interview" ist sogar online verfügbar! - voila:
    http://www.partituren.org/de/a…1/blindgehoert/index.html


    der passus zu brendel ist:


    ZITAT:
    Franz Schubert: Sonate A-Dur D 959
    Paul Lewis 2002. harmonia mundi HMC 901800


    (nach zehn Takten) O.k., das Feindbild ist klar. Das ist mein bestgehasster Kollege: Alfred Brendel ...
    ... nein ...
    ... und wenn er es nicht selber ist, einer seiner Schüler: Paul Lewis?
    Was ist daran so schlimm?
    Allein die Sachen, die in den ersten zwei Zeilen nicht stimmen! Warum ist diese Note so lang? Warum wird das durchpedalisiert? Warum ist das hier staccato? Wenn ich in fünf Takten acht Sachen höre, mit denen ich nicht leben kann, muss ich nicht weiter diskutieren. Das ist absoluter Analphabetismus, da wird nur etwas übergestülpt: Das bedeutet dieses und deswegen spiele ich das ... Brendel könnte Ihnen bestimmt eine tolle Erklärung geben, was die ersten zwei Takte „bedeuten“. Aber das interessiert mich zunächst einmal gar nicht. Es gibt diese wunderbare Geschichte über Toscanini, wo er nach der Bedeutung der Eroica gefragt wird und antwortet: „Für einige ist es Mussolini, für andere Hitler.
    Für mich ist es allegro con brio“. So auch hier. Was muss ich denn hier spielen? Hier sind die Noten sehr genau bezeichnet. Und wenn Schubert das gewollt hätte, was Herr Lewis da spielt, hätte er sich den ganzen Notationsaufwand sparen können. Er hat sich aber die Mühe gemacht, das alles hinzuschreiben, und einfach so zu tun, als ob das da nicht stünde, ist Schlamperei.
    ZITAT ENDE


    herzlicher gruß,
    john lackland

    ..,
    hatte am wochenende gelegenheit, in ein aktuelles heft der zeitschrift PARTITUREN hereinzulesen, das schubert gewidmet ist. darin unterzieht sich der pianist michael korstick einem blind-hörtest mit klavieraufnahmen von schubert-stücken, zu denen er stellung nimmt. u.a. sind volodos, perahia, würtz, gulda - und paul lewis zu hören: bei letzterem tippt korstick nach kurzer zeit auf brendel und (nachdem ihm mitgeteilt wird, dass es sich nicht um brendel handelt) kommt dann sofort auf den brendel-schüler lewis: korstick macht keinen hehl aus einer deutlichen ablehnung von brendel, dem er recht radikal komplette willkürlichkeit bei der umsetzung der noten und ein "überstülpen" von interpretationkonzepten unterstellt - und sinngemäß sagt: der brendel könne jetzt sicherlich ausführlich darüber reden, was denn diese beiden takte bedeuten würden... - allein nichts von dem gespielten stünde in der partitur - und wenn schubert das tatsächlich so intendiert habe, so hätte er dies durchaus niederschreiben können.


    starker tobak, zumal brendel ja sehr häufig als ein "sachwalter" der partituren genannt wird- und selbst sehr gerne harsche urteile über seiner meinung nach allzu "freie" interpretationen von kollegen (z.b. pogorelich) fällt
    was denkt ihr?
    gruß
    john lackland

    hallo,


    die händel-variationen liebe auch ich ganz besonders - und die ugorski-aufnahme ist mir hier die liebste - ich mag sie um einiges lieber als die katchen-aufnahme (andere versionen, die ich kenne: wilhelm kempff, yves nat, nikolai tokarew)
    besonder die kempff-aufnahme (die es in die kempff-auswahl in der joachim-kaiser box "geschafft" hat..) möchte ich empfehlen.


    frage zu gelber: auch ich habe ihn 'mal mit einigen händel-variationen im radio gehört: hervorragend.
    mein problem: welche aufnahme das war, konnte ich leider nicht in erfahrung bringen - welche würdet ihr denn empfehlen`denon? oder die frühere?
    gruß
    john lackland

    hallo,


    in der tat: herausragende scarlatti-interpretationen gibt es zuhauf: pogorelich! sudbin, weissenberg, zacharias (späte aufnahme bei mdg !!) - auch sehr gut: tipo, long, perahia, scherbakov, queffelec...(kenne leider noch nicht: pletnev)


    meine mir vielleicht "herzensliebste" aufnahme von sonaten: die von clara haskil - 1950 eingespielt, erschienen einst bei westminster, dann vergriffen, dann als kostenlose (!) cd zur promotion der "great pianists"-reihe als perlen unters volk geworfen - und nun wiederveröffentlicht

    ein im vergleich mit den genannetn aufnahmen ungewohnt leichter, schlanker, oft rascher scarlatti - aber sehr "wach" und unprätentiös gespielt.
    sehr empfehlenswert, gerade für haskil liebhaberInnen
    gruß
    john lackland



    - bitte um verzeihung: entdeckte im nachhineien, dass es im zweiten thread zu scarlatti bereits hinweise auf die aufnahme gibt (den z.T. kritischen meinungen dazu kann ich mich nicht unbedingt anschließen)

    kleine korrektur: volodos spielt die op. 33 no. 3 unter diesem "op. postum"-titel - nicht die no. 5.
    übrigens ganz phänomenales klavierspiel auf dieser cd: die drei rachmaninov sind das wundervollste, was man sich vorstellen kann. insbesondere die etude tableau op 39 no. 8 - magisch (lohnt allein den kauf der cd - daneben ist auch der schumann wunderbar gespielt).
    gruß
    john lackland

    .... na warum wohl ;-)



    meine fünf:, in rangfolge:


    1. ivo pogorelich !


    2. grigory sokolov
    3. ivan moravec
    4. arcadi volodos
    5. tzimon barto
    gruß
    john lackland


    p.s. who else? korstick, ugorski, henck, scherbakov, koroliov, kamenz, zacharias, mustonen - was für eine fülle an spannenden pianisten es doch gibt -! je länger man darüber nachdenkt, umso absurder scheint so ein "spiel". aber reizvoll ist es immer wieder, seine eigene "top-liste" zusammenzustellen

    für mich die liebste naxos-aufnahme:
    rel. neu erschienen als re-issue: zum heulen schön - und passend zum buxtehude-jahr;
    mit der sängerin emma kirkby! & john holloway:



    allein der letzte track, "Herr, wenn ich nur dich hab" (BuxWV 38 ), ist den doppelten kaufpreis wert.
    gruß
    john lackland

    hallo,


    oute mich gerne als olli-fan und besitze hier die alkan/schost., die hindemith/ prokoffjew-kopplungen, die beethoven-variationen-cd & beide bach/ schost.-präludien & fugen-kopplungen.
    gebe zu: z.T. extremes klavierspiel - va.a wegen des "spitzen" staccato-spiels und der "über-nuanciertheit", die hier und da gegenwärtig ist. aber: wenn man die werke andersartig kennt (und nicht auf der ewigen suche nach der referenzaufnahme ist): niemals langweilig, allermeistens mitreissend, immer engagiert -oft erhellnd.


    ganz neu, darauf wollte ich hinweisen: bei ondine erschienen:


    das "nervöse" ist hier nicht so gegenwärtig. kann nicht allzuviel zur einordnung seiner interpretation sagen, da ich nur beim rachmaninov eine vergleichseinspielung kenn (weissenberg: dieser ist wesetlich zupackender, herrischer..). aber: begeister mich derzeit, die aufnahme.


    herzlichst,
    john lackland

    hallo,


    für alle, die sich bereits auf pogorelich beim ruhr-klavierfestival freuen: ich erlebte ihn vor ca. 2 wochen in baden-baden mit einem im vorfeld mehrfach geänderten programm:


    brahms intermezzo op. 118/ 2
    prokoffjew: sonate no. 6
    granados: drei spanische tänze
    ravel: gaspard de la nuit
    zugabe: balakirew: islamey


    alles in allem: begeisterung (und erleichterung, kann ich nicht verhehlen).
    ich erlebte ihn das dritte mal live: das erste mal, vielleicht vier jahre mag es her sein, in mülheim/ ruhr beim klavierfestival ruhr: damals phänomenal (mit rachmaninov & beethoven, v.a. op 111 - meine bleibendste konzerterfahrung überhaupt).


    dann vor 2 jahren in heidelberg mit chopin (3. sonate), rachmaninov (2. sonate) und scriabin (sonate no. 4) - eine sehr zwiespältige erfahrung: pogorelich wirkte seelisch sehr angegriffen, die allesamt auf "dekonstruktion" angelegten interpretationen zeugten davon - und man bekam den eindruck, in einen dunklen abgrund zu schauen.


    die gute nachricht: von einer nahezu greifbaren seelischen krise scheint sich pogorelich erholt zu haben: phänomenales klavierspiel, sowohl technisch (sehr sicher und extrem virtuos: scarbo & islamey), als auch bez. des farbenreichtums im anschlag (wie differenziert pogorelich unterschiedliche ausdrucksgehalte in den kleinsten nuancen ausgestaltet, wie er abschattiert und heraushebt - dabei ein werk, bestimmt individualistisch, wie aus dem augenblick heraus neuschafft, obwohl alles, das wird ganz klar, einem konzept gehorcht,.... ich wüsst wenige, die ihm so etwas nachmachen können) und v.a. der tiefgründigkeit seiner interpretationen.


    insgesamt wirkte pogorelich, trotz eines verschlossenen, undurchschaubaren äußeren, in guter stimmung, "zugewandter", "heller.." als vor jahren.
    er spielte vom blatt, kurzgeschoren nach wie vor, wenig emotionen in gestik und mimik zeigend - alles geschah in der musik.
    der höhepunkt für mich gleich am anfang mit brahms' intermezzo: gespielt als trauriges "lied ohne worte", nicht gesungen, eher gespielt im nachsinnen, gleichsam als traurige erinnerung.


    der granados ebenfalls nicht direkt tänzerisch - eher als reflexion über vergangene, längst verklungene tänze.


    der prokoffjew war nicht so scharf und perkussiv wie auf cd eingespielt, dafür wesentlich reicher in den emotionalen gehalten: mochte ich diese sonate bislang eigentlich nie so recht, so habe ich hier erstmals zugang zu ihr gefunden.


    der ravel: sehr farbenreich, kleinste nuancen ausspielend interpretiert: ein fahler "gibet" - ein dämonischer "scarbo" - und dann, fast attacca, ohne beim applaus aufzustehen: die islamey - virtuosenstoff, gewiss, aber phänomenal virtuos (u.das heisst nicht: bloss schnell und donnernd) in den saal hinausgeschleudert (was ich auch vorher nicht wusste: die verbindung zw. ravel und islamey besteht durchaus, wollte ravel doch mit seinem scarbo das bis dahin als das spieltechnisch anspruchvollste geltende stück: die islamey überbieten... merkwürdige motive haben manche komponisten..)



    alles in allem: pogorelich scheint wieder voll da zu sein: bestimmt nicht "der alte" (denn die interpretationen sind meiner meinung nach deutlich elaborierter als früher), sondern eher "so gut wie nie".
    bei allem gilt: man muss sich darauf einlassen und darf nicht mit der normierenden erwartung in das konzert hineingehen - man folge einfach dem, was zu hören ist - und wird mit bislang unerhörtem belohnt.
    bleibt zu hoffen, dass aus den angekündigten aufnahmeprojekten (beethoven, rachmaninov) auch tatsächlich etwas wird.
    viel vergnügen also auf dem ruhr-klavierfestival (wäre sehr an einem bericht darüber interssiert)
    gruß,
    jiohn lackland

    hallo,
    zum thema ugorski und beethoven nur kurz: die diabelli-variationen gefallen mir nach wie vor sehr gut und ich denke, dass man sie kaum als "gedonnert" empfinden kann: whar ist, dass hier ausdrucksgehalte ins extrem gesteigert werden und ein sehr individualistischer stil erkennbar ist, der aber dem werk keine gewalt angehört. im gegenteil: wer sich daruf einlässt, wird mit großem farben- un danschlagsreichtum (und v.a. auch vielen "leisen" tönen) belohnt.


    evtl. extremer fällt die letzte beethoven sonate aus: ich gebe zu, das ich dafür eine schwäche besitze, da ich bei op 11 sowieso inzwioschen der meinung bin, dass sie im allgemeinen viel zu schnell gespielt wird : und ugorski ist hier ein extremist der langsamkeit: 11'12'' der erste, 26'54'' (!) der zweite satz - ich kenne hier niemanden, der sich mehr zeit nimmt (und ihr?).
    dennoch: sehr spannungsreiches klavierspiel, kein manierismus, kein pseudo-tiefsinn, den man mit langsamkeit zu erreichen versucht. unbedingt hörenswert, vielleicht für den/die, der/die schon andere aufnahmen von op111 besitzt.
    mit auf der cd: bagatellen op. 126, "für elise" und "wut über den verlorenen..."


    bleibt zu hoffen, dass er nochmal einen plattenvertrag bekommt und aufnahmen von ihm erscheinen: ich hörte ihn seinerzeit live in freiburg u.a. mit scarlatti, von dem ich mir eine aufnahme mit ihm wünschen würde


    gruß,
    john lackland

    hallo,


    hmm - stehe derzeit vor der frage, ob ich mir den allerorten gepriesenen couperin mit tharaud besorgen soll. zweifel habe ich vor allem bekommen, weil mich sein rameau so garnicht überzeugen konnt. nach dem kauf hatte ich seinerzeit nur den direkten vergleich mit den rameau-interpretationen von grigory sokolov (aus live-konzerten): und da wirkt ein tharaud doch vergleichsweise farblos, z.T. sogar "dickfingrig" dagegen. bestätigung erhielt ich dann, als in der folge zwei weitere, diesmal wie ich finde sehr gelungene rameau-aufnahmen erschienen: einmal die von tzimon barto bei ondine (sehr individualistische anverwandlungen - aber unendlich spannend und raffiniert; hier gehen die meinungen aber sicher auseinander.... ;-)), dann die aufnahme von deny proshayev bei sony: sehr lebendig, farbenreich, gewitzt z.t.: und hier geht eben tharaud für mich klar als dritter sieger ins ziel.
    frage: kann das jemand so nachempfinden - und mir dennoch zum couperin raten (hier konnte ich noch nicht "hereinhören")?


    gruß
    john lackland

    liebe leute,


    ebenfalls: große enttäuschung nach dem hören der cd - für mich gibt es eigentlich nichts an den interpretationen, was einen kauf rechtfertigt: bestenfalls "ordentliche", insgesamt aber spannungsarmes (und das bei einem cd-debut: man höre das dg-debut von pogorelich mit der chopin-sonate im vergleich!) und kaum tief- oder feinsinniges klavierspiel. am ehesten wird man die Paganini Variationen von Rosenblatt (virtuosenfutter) "interessant" finden (ein zweifelhaftes attribut). der schubert hat mich schlichtweg geärgert - man höre hier einen gulda oder einen koroliov oder einen schnabel oder .... um zu erleben, wie wundervoll diese musik sein kann.


    ich erlebte tokarew im letzten jahr übrigens im rahmen des klavierfestivals ruhr - ein seinerzeit von der presse sehr umjubeltes festivaldebut (mit beethoven und schumann und brahms und rosenblatt), das mir und meinem ebenfalls sehr klavierinteressierten begleiter als zwar technisch makellos, ja fulminant erschien - aber, prüfstein beethoven, doch letztlich der innenspannung, der musikalität entbehrte.


    enttäuscht war ich seinerzeit v.a. von den mir sehr lieben händel-variationen von brahms: verglichen mit einem ugorski oder kempff war das enttäuschend eindimensional und geradezu monochrom gespielt: dazu viel zu schnell& hastig, die klanglichen & charakterlichen facetten gar nicht wahrgenommen (im fono forum war seinerzeit eine tokarew-cd beigelegt, die z.B. die händel-variationen enthält).
    alles in allem: wenig spannend und nicht authentisch: die frischgekauften und ungetragenen "szene-turnschuhe" vom cd-cover dürfen als warnung dienen.
    gruß
    roderich

    liebe leute,
    als erstes "posting" darf ich fast klischeeverdächtig antworten:
    - schubert B-Dur-sonate D 960 (in der interpretation von sv. richter)
    - beethoven op 111 ( in der live-version von pogorelich, im studio: korstick, gerne auch (bitte keine prügel): ugorski)
    also die beiden berühmtesten "letzten" sonaten


    dann, ganz aktuell: rachmaninov, sonate no. 1 - in einer phantastischen neuaufnahme mit olli mustonen


    es grüßt
    john lackland