Beiträge von Ulrica

    hallo,zusammen,


    bei allem Verständnis dafür, dass man als Kunde (Festspielbesucher) das erwartete Produkt haben will: Eine Stimme kommt aus dem menschlichen Körper, und der ist eben krankheitanfällig. Die Kehle macht eben bei Kehlkopfentzündung nicht mehr mit, und dagegen hilft auch nicht, dass viel Geld damit verdient wird in diesen speziellen Fällen.


    Aus fachlicher Sicht kann AN gar nichts anderes tun als nicht singen, wenn sie ihre Stimme und somit ihren Lebensunterhalt nicht für ihr ganzes Leben aufs Spiel setzen will. Wenn das Instrument angeschlagen ist, funktioniert es eben nicht, aus, basta!


    Und es ist im Gegensatz zu einer Geige oder einem Flügel eben nicht ersetzbar, sondern man muss die gesamten Akteure austauschen.


    Kein Verständnis habe ich für Gemecker darüber, dass man jetzt eben die Ersatzleute hören muss!! Ja, gehts noch?!! Das Risiko, dass SängerInnen krank werden, ist doch immer gegeben und wenn ich in die Oper gehe, weiß ich genau, dass Dinge passieren können, die die Zweitbesetzung erfordern. SängerInnen sind keine Maschinen und daher auch nicht mit dem bestellten Audi zu vergleichen.



    LG


    Ulrica

    Hallo,


    ich bin auch nicht überzeugt, dass das Konzept Dealer und Junkies abschreckt. Ein mächtig geschmetterter Walkürenritt lässt den Trip doch gewaltig abgehen!!! :beatnik: :beatnik:


    Hier in München gibt es das tatsächlich, allerdings ohne Walkürenritt - schade -, und überdies eher ziemlich gedudelt und kakophonisch gemischt mit quietschenden Bahnbremsen, quäkenden Lautspechern und Fussballgejohle. Und die Junkies sind erwartungsgemäß gebleiben.


    Wenn mal Ruhe ist im Untergrund, dann ist das eigentlich ganz schön. Was solls auch? Ich sehe hier keinen Grund, mich aufzuregen. Wenn ich eine gute Aufnahme hören will, weiß ich, dass ich die nicht in der U - Bahn finden kann...


    LG


    Ulrica
    (leider im Moment nur phasenweise PC - zugänglich)

    Liebe Fairy,


    da muss ich dir teilweise widersprechen. Es kommt auch bei Wagner auf die Rollenbesetzungen an. Nicht jede Partie ist hochdramatisch - genausowenig bei Verdi, aber diejenigen, die es sind, müssen für meinen Geschmack auch entsprechend stimmlich besetzt sein. Es gibt eben einen Siegfried und einen Loge, beides Tenöre, aber niemals austauschbar.


    Zu Ben Heppner und warum er ausgebuht wurde, kann ich nichts sagen, aber ich denke, dass es sehr grundsätzlich zu hören ist, ob eine Stimme das aushält oder nicht. Es haben sich leider schon viele ganz hervorragende leichte Stimmen an solchen Partien übernommen, und das ist an sich schade. Wagner bietet dem Orchester viele Differenzierungsmöglichkeit und er setzt die Intrumentierung sowie die Dynamik meist ganz bewust zu den Stimmen und Rollentypen passend ein. Aber: es ist keine Kammermusik und es wäre ein Unding, die wuchtigen und auch lauten Stellen, die das auch sein sollen - dirigentische Fehlinterpretationen mal weggelassen - künstlich herunterzufahren, weil es vielleicht eine Stimme nicht packt. Sowas macht niemand.


    Und: Wer Wagner gut singt, brüllt explizit nicht.


    LG


    Ulrica

    Hallo, Holger,


    da war sicher mehr Statik. Wie schon mal irgendwo gesagt, ab einer gewissen Anforderung an die Stimme legt sich zwangsläufig der Bewegungsdrang (flapsig ausgedrückt), was aber nicht heißt, dass man sich als SängerIn weniger körperlich anstrengen muss. Das "Herumstehen" hat also keinesfalls damit zu tun, dass die kompakt gebauten SängerInnen in Verona etwa bewegungsunfähig seien.


    Die aufzuwendende Energie muss eben voll in die Stimmgebung fliessen, was wiederum enorm präsent wirkt.


    LG


    Ulrica

    Interessant, wo man hier gelandet ist.... 8)


    Zu den SängerInnen, speziell aus dem Wagnerfach und den Umgang mit dem "Objekt der Begierde": Ich durfte einen langjährig in Bayreuth agierenden Sänger im Rahmen eines Meisterkurses kennenlernen, der uns am Abend im Wirtshaus erzählt hat, dass es - ich gebe es in meinen Worten wieder - eine regelrechte Tradition gab, ziemlich kurz vor der Aufführung von seiten der Agierenden einen strategisch geplanten Streich zu inszenieren in der Gestalt etwa, dass gestandene Bässe bei geeigneten kostümierten Proben als Blumenmädchen auftauchten und ähnliche Kaliber. Irgendwann muss das mal etwas entglitten sein, sodass dies nun - leider - ausdrücklich untersagt wurde.


    Man sieht, gerade bei den eigentlich Aktiven ist das Sujet ergiebigst :P =) :hahahaha:


    Egal, auf welcher Ebene es stattfindet: Wir müssen zwangsläufig bei der Auseinandersetzung mit der Rolle eine Aussenperspektive einnehmen, um die Figur zu betrachten, was in der Psycholologie schon als recht gesunde Haltung gilt. Und: Welcher menschliche Charakter hat nicht irgendwo eine komische Seite, wenn auch zuweilen unfreiwillig?


    Noch ein Wort zum einem vorigen Argumentationsstrang (Stichwort hirntote Antisemiten):
    Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass die Musik der Wagneropern während der Nazizeit bzw. auch schon der Weimarer Republik "national" begeisterte Jugendliche hochgepusht hat, weil sie von den Nazis und auch deren Vorläufern entsprechend eingesetzt wurde. Es war nicht ohne Zweck, dass man z. B. beurlaubte oder rekonvaleszierende Soldaten nach Bayreuth geschickt hat.


    Ich bin überzeugt davon, dass auch in der Gegenwart noch so manche intellektuell geprägte Jung - Deutschnationale und Korpsstudenten Bayreuth zwecks "neuer deutscher Erbauung" aufsuchen.


    Jedoch übernehmen wohl heute häufiger verhängnisvolle "Rechts - Rocker" die Begleitmusik bei der einschlägigen Szene, was das Ganze wahrlich nicht ungefährlicher macht.


    LG


    Ulrica

    @Lieber Holger,


    du magst hier zu einem Gutteil Recht haben. Die Seebühne an sich und eine entsprechende Inszenierung lohnen sicher das Hinfahren, aber ich habe dort auch schon Übertragungen gesehen, bei denen besser gesungen wurde (Bsp. Maskenball, Carmen).


    @Lieber lenski,


    die Tempi im Nabucco fand ich teilweise auch zu schnell. Die schweren Stimmen dort hatten durchaus zuweilen ihre Not damit. Da kommt Hektik auf, die nicht komplett zu verhehlen ist.


    @Lieber Siegfried,


    darüber gibt es im Tosca - Thread verschiedenen Auffassungen. Ich persönlich fand den Gesang - ich rede jetzt nur hiervon - in Verona durchgehend besser.


    LG


    Ulrica

    Zitat

    Original von Liebestraum
    Da fahre ich lieber nach Verona :yes:



    Ganz meine Meinung!!!


    Vielleicht mag das altmodisch sein, aber ich will in einer Oper in erster Linie Stimme und Musik. Eine gute Inszenierung wünsche ich mir auch, aber wenn diese erstrangig wird, genauso wie irgendeine "zeitgeistgerechte" Optik der SängerInnen und DarstellerInnen, dann ziehe ich es vor, ins Sprechtheater bzw. ins Kino zu gehen.


    Ab einer gewissen Anforderung an die Stimme, einen großen Raum zu füllen, ist es eben nicht mehr möglich, über die Maßen zu rennen oder zu tanzen. Und diese Stimmen in Verona waren einfach denen aus der Tosca um einiges überlegen (haben ja auch kein Micro)


    LG


    Ulrica

    Lieber Draugur,


    ich glaube auch nicht, dass in einer Aufführung des Werkes selbst Lustigkeit entsteht und das wäre auch nicht Sinn der Sache. Die Parodien finden ja auch nicht während der Aufführung statt, sondern haben ihr eigenes Podium.


    Über Regieeinfälle und Inszenierungen kann man ja bekanntlich trefflich streiten, aber ich sehe gerade in dem reichen Inhalt der Werke ein großes Potential für gute moderne Inszenierung und Übertragbarkeit auf gegenwärtige Lebenssachverhalte, Fehlgriffe inclusive. Genialität drückt sich u.a. durch Zeitlosigkeit aus. Warum sollten wir das Werk durch überholte Aufführungspraxis mit Schwulst, Pathos, Knorke -Eichen und blondgelocktem Fellburschen ersticken?


    Allzuoft schiebt man das alles auf den "Zeitgeschmack". Aber dass dieser kritiklos nur wie beschrieben gewesen sein soll und von ganzen Volk so getragen gewesen sein soll, bezweifle ich doch erheblich. Es war bis zu den zwanziger Jahren längst eine kulturelle Entwicklung der Moderne etabliert. Die Nazis brauchten Gewaltmaßnahmen und eine Riesen - Propagandamaschine, um die Räder unorganisch zurückzudrehen, und das bekanntlich nicht nur im kulturellen Bereich. Ich sehe eher eine Überheblichkeit von Gegenwärtigen, wenn man die Fähigkeiten der "Altvorderen" unterschätzt.


    Die Wagner - Enkel Wieland und und Wolfgang tragen durchaus das Verdienst, moderne Inszenierung einkehren gelassen zu haben und es so vielleicht dem einen oder anderen in zeitgemäßem Ambiente den Genuss der Musik zu steigern.


    Und - um z. B. den lustigen Nibelungen u. ä auch wirklich was abgewinnen zu können, muss man ja schließlich Bescheid wissen über das, was parodiert wird.


    @all:
    Abschließend nich zwei Geschichten zur politischen Bandbreite des Wagnerianertums:


    Kurz bevor Grace Bumbry als erste schwarze Venus auf dem Hügel einzog (auch begleitet von unsäglichen Aufregern), wurde der erste schwarze Chorsänger engagiert, den ich einmal kennengelernt habe. Was da an rassistischem Dreck aus der Bayreuther Szene - NICHT von der Festspielleitung oder gar den Kollegen - und allen Bewahrern der Erhabenheit hochkam, kann nur noch als beschämend bezeichnet werden. Spätestens da werde ich einfach nur sauer :angry: Wie sagte Brecht doch? "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch".


    Weiter gab es in meinem Bekanntenkreis mal einen kommunistischen Journalisten und begeisteren Wagner - Fan, der in einer Kolumne der Parteizeitung eine umfassende und hochinteressante Abhandlung über den Ring aus marxistischer Sicht verfasst hatte. Dahinter steckte eine intensive Kenntnis der Thematik. Also befasst man sich von "links" sehr wohl mit Wagner.


    In diesem Sinne,


    Ulrica

    Tja, ich bin auch nicht drangeblieben, was aber auch damit zu tun hat, dass ich an den PC muss. Gespielt finde ich es auch gut, die meisten Sänger jedoch nicht.


    Die Tosca - Stimme kommt mir auch nicht groß genug vor. Dass sie aus dem Mezzofach kam, kann ich mir durchaus vorstellen und sie klingt auch schön, aber eben zu leicht, warum auch immer. Mir ist die Frau auch viel zu wenig ausladend (was nicht durch Körperfülle hergestellt werden MUSS, damit wir uns nicht falsch verstehen) für die doch sehr starke Figur Tosca.


    Die Stimme des Cavaradossi gefällt mir auch nicht, klingt oft nicht wirklich , kommt nicht hoch. Der Scarpia ist m. E. noch o.k.


    LG


    Ulrica

    Lieber Forianer/innen,


    diverse Beiträge zuletzt, seien es die "lustigen Nibelungen" oder auch der Aus :kotz: (Sorry, der "böse" Smilie; er sei hier ein Stilmittel) über die Bayreuther Szenerie, haben mich zu dieser Themengründung animiert.


    Wagner und Humor scheinen sich ja auszuschließen. Seine umfangreichen Schriften über Dies und Das - mal diejenigen hier ausgenommen, die er hätte wirklich völlig bleibenlassen sollen - und vor allem auch darüber, wie er sein Werk interpretiert wissen will, zeugen ja nicht gerade davon, dass es erwünscht gewesen wäre, sich etwa darüber lustig zu machen. Es liegt durchaus die Vermutung nahe, dass er über Verballhorung beleidigt gewesen wäre, ganz anders als z. B. Mozart, den ich gegenteilig einschätzen würde.


    Es liesse sich beliebig viel noch anführen - die Schwere der Musik, die Nazi - Verbandelung, der sich niemals ändernde Betriebsablauf, die unversöhnlichen Familienkräche -, was jegliche Assoziation mit Spass schließlich völlig abtötet :faint:


    Aber: Kann man es sich denn wirklich verkneifen, dass einem allerhand abseitiges Wähnen durch die Windungen des Geistes wabert, wenn man sich z. B. fragt, ob der Meister wirklich an alles gedacht hat, als er sein Haus "Wahnfried" genannt hat? Meinte er wirklich, dass jede/r dabei nur an des Wähnens Frieden erinnert wird? Oder dass beim Erklingen von "Weia, woga, woge, du Welle" alles ob der hehren Dichtung in Ehrfurcht erstarrt? Oder auch nur, was die niedere Menschheit vom "hohen Paar" hält?


    Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die Gesamtheit der "Ring" - Dichtung hat allen Respekt verdient, aber Beispiele unfreiwilliger Komik finden sich zuhauf, die Stoff für Qualitätsparodien allemal liefern.


    Ich finde einfach, dass ein geniales Werk Parodien auf jeden Fall aushält und dass im Parodieren die Auseinandersetzung mit dem Werk genussvoll fortlebt.


    Rechts schwenkt!?


    Dass der Gesamtkomplex Wagner immer die Auseinandersetzung mit der Verbindung zum Faschismus während und auch noch nach dem NS - Regime wachhält, wird und soll sich auch nicht ändern. Teile der ziemlich mächtigen Wagnerianer - Verbände spielen z. B. immer noch eine unrühmliche Rolle. Aber, die vielen Facetten des Herangehens an das Werk bringen immer wieder Wagnerianer aus der ganzen politischen Bandbreite hervor, bis ganz links.


    Ich selbst halte mich für einen kritischen Fan, und somit irgendwie schon für eine Wagnerianerin, aber ich bin auch ein Fan der dazugehörigen Parodie. Und politisch rechts muss man auch ganz und gar nicht sein, um Wagner zu mögen, das wäre echt fatal.


    Ich habe jetzt nur mal die Thematik grob angerissen. Eure Meinungen würden mich brennend interessieren.


    LG


    Ulrica

    Azucena ist in der Tat eine von schwersten Traumata gebeutelte Figur und Verdi arbeitet, finde ich, mit seiner Musik heraus, dass sie nicht böse ist, sondern nur bis ins Tiefste verzweifelt. Sie kann sich nichts anderes mehr vorstellen, als durch die Rache eine Art Gleichgewicht der Verhältnisse und damit vermeintlich innere Ruhe zu erreichen. Gerade mit Stride la Vampa und dem Kontrast zwischen der locker - flockigen Musik und dem schauerlichen Text wird der Umgang mit dem Trauma hervorragned dargestellt, finde ich.


    Einiges ist an dieser Oper unlogisch, (wie z. B. der Krach, den Luna macht, um sich vermeintlich an das Kloster heranzuschleichen), aber die Figuren stimmen, gerade die Azucena.


    LG


    Ulrica

    Lieber Harald Kral,


    leider hatte ich noch nicht das Vergnügen des optischen Eindrucks, der zu diesen Aufnahmen gehört. Spannend wäre ja allmählich schon, zu sehen, wie es von diesen Interpreten gemacht wird.Wir ernten jedenfalls iimmer die Lacher 8)


    LG


    Ulrica

    Aaaalso,


    nachdem ich bei den Belcantisten der weibliche Teil des "Ja, was nun?" - Duetts bin (Zöglinge? Hmja, *grummel*), kann ich nur bestätigen, wie schwierig das ist, aber auch, wie lustig, vor allem, weil es mal ein attraktives Potential für die Tieftöner im Stück hergibt und zudem ein heiteres dazu. =) :]


    Man kann gar nicht anders, als dieses Sujet amüsant darstellen. Eine komplette Nancy bin ich allerdings nicht, das ist ein anderes Fach. Manchmal weicht die Anforderung für einen Teil einer Partie von der durchschnittlichen der Gesamtpartie ab.


    Die beiden genannten Aufnahmen sind mir geläufig (Fassbaender/Prey etc sowie Rothenberger, Wunderlich u.a.). Es sind individuell sehr verschiedene Stimmfarben und -kombinationen, die aber alle diese Oper sehr reizvoll bedienen.


    Für den eigenen Bau des Duetts inspirierte mich die Kombination Fassbaender/Prey mehr, weil diese unserer Stimmgebung näher kommt (ohne dass ich uns auch nur annäherd hier vergleichen will :O)



    LG


    Ulrica

    Zitat

    Original von Siegfried
    Wer war denn nun mit wem verwandt? :pfeif:



    Hmmm, lass es mich rekonstruieren:


    Azucena wollte den jüngeren Nachwuchs von Luna sen. hinterherschmeißen ins Feuer und erwischte ihren. Behalten hat sie den Luna - Nachwuchs. Also ist Manrico der Bruder von Luna jun. = der derzeit amtierende). Andere Verwandtschaften in der Oper finde ich momentan nicht, denn Leonora ist ja nicht mit den Herrn verwandt (zumindest nicht allzu nah), es haben sich nur beide in sie verliebt.


    Es ist wirklich eine schauerliche Geschichte. Ich könnte mir nicht vorstellen, die Azucena auf deutsch zu singen :untertauch:


    Grüße,


    Ulrica

    Hallo,



    es ist ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Stück und spricht mich musikalisch zudem sehr an. Ich habe es vor ziemlich langer Zeit beim Münchner PhilChor mitgesungen und kann mich noch gut erinnern, dass es dem ganzen Chor wirklich Laune gemacht hat; sei es aufgrund der Verteilung der "wackeren Maänner hier in diesem ganzen Waldrevier" zwecks der Erfüllung ihrer Pflicht in aller Stille ;) und/oder dem anschließenden Rabatz mit Gabeln, Zacken und dem "Rundgeheule der Eule" (ich zitiere gerade aus meiner Partitur).


    Es ist m. E. unbestreitbar der Fall, dass sich Goethe als "Librettist" und Mendelsohn als Komponist einem sehr ernsten historischen Thema, das weitreichende Folgen aud die gesamte deutsche und europäische Kulturgeschichte hatte, u.a. mit Humor genähert haben. Ich habe gerade gelesen, dass sich die beiden Herrn sogar kennengelernt haben.


    Über diese überraschende Parteinahme deutscher Klassiker - im weiteren Sinn - aus christlich - europäischer Prägung für die in der Christianisierungszeit unterlegenen Anhänger der germanischen und keltischen Religionen habe ich während der Erarbeitung des Stückes immer wieder nachgedacht. Überraschend deshalb, weil die damals entstandene totlitäre Macht des Katholizismus - tut mir Leid, ich komme nicht umhin, dem institutionalisiertem Christentum dies zu unterstellen - es ja geschafft hat, Geschichte umzudeuten und es zu verhindern, dass diese alten Kulturen ideologiefrei und differenziert als Entwicklungsbestandteil europäischer Kultur gewürdigt werden. Es ist nun mal erwiesen, dass in den Epochen Spätantike/Frühmittelalter das Christentum bereits Staatsreligion mit aggressivem Expansionsanspruch war den selbigen auch rücksichtslos betrieb.


    Diese Bemühungen, die Perspektive der "Verliererseite" einzunehmen und die Sachverhalte aus deren Blickwinkel darzulegen, ja, sogar eine phantasievolle Form des Widerstandes (Erschrecken und nicht das übliche Totschlagen) zur Wahrung einer letzten Kernintegrität für die Durchführung eines Rituals darzustellen und letztendlich die bedrängte Seite die Quintessenz allen Glaubens,"das Licht, das keiner mehr rauben kann" finden zu lassen, ist psychologisch stimmig und erweckt in mir größte Sympathie. Es ist eigentlich ein sehr "ur"christlicher Gedankengang, der sich hier entwickelt.


    Wohl wissend, dass meine inhaltliche Interpretation wahrscheinlich keiner historisch - wissenschaftlichen Analyse stanhält, kam die Aussage des Strückes so bei mir an und all dies musikalisch so attraktiv transportiert wie hier bringt mich dazu, die Walpurgisnacht für ein echtes Kleinod zu halten.


    LG


    Ulrica

    Ich liebe Brahms´Musik sehr, habe aber meine Schlagseite dahingehend ähnlich wie musika. Fast nichts täte ich lieber als mal die Altrhapsodie singen :angel: *schmacht*


    Man kann sicher über den romantischen Klang der meisten Lieder streiten, ob einem das liegt oder nicht; ich sehe es von Hörer - und Sängerseite. Zum Hören ist es einfach "Musik pur" und zu Singen liegt es mir persönlich sehr in der Kehle, anders als z. B. Schuberts Lieder.


    Bei Schubert reizt mich, dass über interpretatorische Fragen oft intensiv nachgedacht werden muss. Brahms hat, finde ich, durch die Tonsetzung einen gewissen Automatismus des Stimmeinsatzes vorgegeben, der der sängerischen Tongestaltung kaum Variationen lässt. Ich finde, man kann sich als Stimme darauf verlassen, dass bei richtiger Technik das ertönt, was er sich vorgestellt haben dürfte (eine Einschränkung, die bei nicht mehr lebenden Komponisten wohl immer zu machen ist.)


    LG


    Ulrica


    Liebe Fairy Queen,


    gerade weil ich meine, dich doch inzwischen recht gut zu kennen, wäre ich jetzt fast vor Lachen von meinem Stuhl gefallen :hahahaha: :hahahaha: Das kannst nur du bringen!!!Gelungene Hypothesen. Ich finde, Edwins Zeitung sollte dich einstellen!!



    Zum Thema:


    Ich bin der Meinung, der Grat ist schmal. Eine Kritik mag gut durchdacht sein und sich, gerade beim Gesang, genau auf das beziehen, was eben subjektiv zu hören war, und trotzdem kann sich der Kritisierte gehörig auf den Schlips getreten fühlen. Manchmal mag da sogar gesteuertes Marktkalkül dahinterstecken. Wenn eine prominente Person als überzogen beleidigt in der Zeitung steht, ist es besser, als wenn sie gar nicht mehr in der Zeitung steht.


    Wichtig finde ich es eher dabei, ob man sich nach einem eigenen öffentlichen Geschreibsel noch selber in die Augen schauen kann, oder ob sich doch herausstellt, dass ein gewisser Schaum vor dem Mund überreagieren ließ oder ein unlauteres Motiv hinter der Kritik stand.


    Die Fettnäpfchenparade dürfte immer eröffnet sein, vor allem, wenn man mit ungehobeltem Prolltum einerseits oder pseudoreligiös - unkritischem Verehrungsschwulst zusammenprallt. Nur, geht sowas nicht eher hinten vorbei? Da gehöre ich eher zu denen, die sich, um mit Luther zu reden, das Maul nicht verbieten lassen.


    Ein Beispiel: mir geht es mit Agnes Baltsa sehr ambivalent. Wenn ich die Stimme höre, habe ich das Gefühl, alle meine verfügbaren Haare werden in Nickel eingehüllt und anschließend mit dem Rasenmäher gekürzt, aber ich habe gewaltigen Respekt vor ihrem Können.


    So, das war den Senf zum Abend von der Eule der ollen Ulrica.

    Hallo, Siegfried,


    zum Verdi - Requiem:



    In der Tat, die Sopranistin war wirklich ein Genuss mit ihren runden, kultivierten Tönen oben, aber auch unheimlich tragfähiger Tiefe, die das Libera me ja erfordert (tragfähiger als bei der Mezzosopranistin). Diese Frau sollte man sich merken.


    Der Mezzo hielt m. E. in der Tiefe gar nicht, schade z. B. bei Recordare und Agnus Dei, wo ich mir die untere Stimme stärker vorstelle als die obere (habe ich auch schon so gehört). Ich finde auch, dass das eher eine Altpartie ist, auch wenn es zu as2 geht. Bei Lux Aeterna wurde sie von den Männern fast übertönt; Ich glaube, dass sie nicht ganz in Form war.


    Der Tenor gefiel mir gar nicht. Er war nur laut, finde ich und oben teilweise forciert. Gerade die schöne "Hostias" - Stelle war richtig greislig. Ich stehe eh nicht so auf Tenor, es sei den, er singt wirlich schön, und hier war mein Vorurteil bestätigt.


    Der Bass hatte eine total störende Vokalgebung bei einer sonst recht schönen Stimme, vielleicht eine sprachliche Eigenheit?


    Der Chor, fand ich, hat sehr gut dynamisch differenziert. Zum Orchester kann ich jetzt nicht so viel sagen, weil mein Fernseher nicht so besonders gut klingt.


    LG


    Ulrica

    Schubert, Die junge Nonne.


    Es braust durch die Wipfel der heulende Sturm
    Es klirren die Balken, es zittert das Haus!
    Es rollen die Donner, es leuchtet der Blitz!
    Und finster die Nacht, wie das Grab.


    Immerhin! Immerhin, so tobt es auch jüngst noch in mir.
    Es brauste das Leben wie jetzo der Sturm,
    Es bebten die Glieder wie jetzo das Haus!
    Es flammte die Liebe wie jetzo der Blitz!
    Und finster die Brust wie das Grab.


    Nun tobe, du wilder, gewaltger Sturm!
    Im Herzen ist Friede, im Herzen ist Ruh!
    Des Bräutigams harret die liebende Braus,
    Gereinigt in prüfender Glut der ewigen Liebe getraut.


    Ich harre, mein Heiland, mit sehnendem Blick,
    Komm, himmlischer Bräutigam, hole die Braut!
    Erlöse die Seele von irdischer Haft!
    Horch! Friedlich ertönet das Glöcklein vom Turm:
    Es lockt mich das süsse Getön
    Allmächtig zu ewigen Höhn!
    Alleluja!


    Ein Wahnsinnsteil, das ich Schubert vom Stil her nie zugeordnet hätte. Das Klavier groovt richtig und der Gesang hat eine enorme Spannung, bis er verklärt und immer leiser in das Alleluja übergeht. Zu empfehlen eine DECCA - Aufnahme mit Kathleen Ferrier.



    LG


    Ulrica

    Hallo,


    ich weiß wohl, dass ich hier an einen älteren Thread anknüpfe, aber ich bin noch nicht so lange im Forum und diese Sache hier beschäftigt mich.


    Wie ich sehe, gelingt auch hier keine eindeutige Abgrenzung zum Mezzo und wahrscheinlich kann man dieses Thema wohl nicht in geschriebener, sondern nur gehörter Form einfangen. Auch wenn es zunächst nicht so relevant klingt, was eine tiefe Sängeriin mal ist oder wird, weil man ja durchaus im jeweils anderen Terrain auch vieles ordentlich singen kann, hat eine Fehleinstufung Folgen. Ein Lehrer meinte wegen meiner Höhenausdehnung - die allerdings kaum die Ausdauer eines Soprans je erreichen wird - alles an Liedern in die mittlere Lage ziehen zu müssen. Damit kam ich überhaupt nicht zurecht, das ganze klang einfach viel zu angestrengt. :no: In der Oper sind m. E. die Unterschiede im dramatischen Fach wesentlich geringer. Alle drei Gruppen brauchen vollendete Höhen und Tiefen. Es ist mir daher gut nachvollziehbar, dass gut trainierte Stimmen sich auch mal an eine Sopranpartie machen.


    Es ist wirklich eine Frage des Timbres in der Tiefe und der Tessitur, der sog. durchschnittlichen Wohlfühl- und Wohlklanglage, mit Spitzentönen hat das wenig zu tun.


    Ewa Podles ist wirklich ganz klasse. Ich habe ihre Rossiniaufnahmen auch und höre da immer wieder wegen Genuss, aber auch zur Anregung hinein. Zu erwähnen ist auch ihre "Voce di donna" aus La Cioconda von Ponchielli.


    Super, dass auch jemand Clara Butt gefunden hat. Ich besitze die Aufnahmen "Abide with me" und bin, obwohl eine solche Singweise wohl heute jaum mehr zum Tragen käme (sehr urig 8), sehr fasziniert davon.


    Zum Schluss noch zu den "Erdas":


    Das kurze, aber wirkungsvolle Intermezzo im Rheingold ist weder besonders hoch noch tief, kann aber genau deswegen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es wird erwartet, dass jeder Ton wie eine Statue steht und vollstimmig klingt. Die Partie im Siegfried (Dialog mit Wanderer - Wotan) ist durchgängig tief gelegt, steigt aber im vorletzten Teil unerwartet auf ein a2, ziemlich heftig und klingt selten schön. Die Gaia von Strauß liegt ähnlich.



    LG


    Ulrica

    [quote]Original von Fairy QueenLieber Mengelberg, meine Lehrerin hatte mal das "Vergnügen" einen Meisterkurs des besagten Tenors zu besuchen. Was sie über seine Gesangstechnik dort gelernt hat, will sie keinem ihrer Schüler weitergeben.... wir werden wohl alle dumm sterben....... ;):[quote]



    Dear Fairy,


    zuletzt genanntes brauchst du nicht. Obwohl der "besagte Tenor" bereits seit 25 Jahren tot ist, kann man seine Technik sehr wohl noch lernen. Ich betreibe dies seit einiger Zeit mit großer Zufriedenheit.


    Ob man dabei richtig laut wird, kommt auch auf das Stimmfach des/der jeweils Lernenden an, und aushalten sollte man etwas können (wobei die Beanspruchung, wie bei jedem guten Unterricht, der jeweiligen Konstitution und dem Ausbildungsstand angepasst wird), aber jemand, dessen Stimme trotz einer vierstelligen Anzahl von Konzerten und Opernauftritte gesund blieb, kann es so falsch nicht machen.


    LG


    Ulrica

    Zitat

    Original von Siegfried
    Insbesondere im Opernbetrieb sehe ich heute die schlanken, beweglichen Stimmen - möglichst auch in den passenden Körpern - auf dem Vormarsch. Die schweren, statischen "Rampensäue" (im positiven Sinne) haben wohl ausgedient bzw. sterben mangels Nachwuchs aus.
    Dadurch profitieren das Singspiel, die Commedia dell'Arte, die Belcanto-Opern.
    Das schwere, heldische Fach, ja auch die sog. Zwischenfachpartien werden deshalb aber oft mangels Masse mit "Leichtgewichten" besetzt. Das verschleisst die Stimmen vorzeitig, weil kein Stimmband andauerndem Forcieren gewachsen ist.
    Hier stehen die Gesangslehrer vor der schwierigen Aufgabe, mit ausgewogener Balance die Stimmen zu schulen, die auch in schweren Partien bestehen können.


    Sehe das überwiegend auch so. Die schweren Fächer auszubilden, benötigt Geduld, sowohl bei Schülern als auch Lehrern. Zunahme an Alter ist in der Regel für Sportler ungünstig, aber nicht für Stimmen, wenn diese nicht schon vorher durch unsinnige Besetzungen und schlechte Technik verschlissen sind.


    LG


    ulrica (Schlachtschiff :D)

    hallo,


    da erst kurz hier dazugestossen, kann ich diesen Thread auch erst spät wiederbeleben.


    Ich habe Liedrepertoire mit e und d (Schlusston von Der Tod und das Mädchen). Die Töne tragen, jedoch muss ich sie sehr bewosst ansetzen, sonst kommen sie gepresst.


    Ich kenne nicht wenige, die so einen Ton treffen, allerdings ist er nicht bei allen brauchbar, zu hell, zu dünn o. ä.


    Ich sehe auch hier: keiner wird so recht schlau aus der Mezzo/Alt - Abgrenzung. Allerdings kennt man schon in Chören die zweiten Soprane und 1. Alti und im Frauenchor sind sie eigene Stimmgruppen, während wir ganz unten immer für die Basslinie zuständug sind, hat mir seinerzeit Spass gemacht, während einige aufgrund der raren Besetzungsauswahl zwangsverdonnert waren und ziemlich bald über die Dauertiefe geklagt haben.


    Es geht m. E. um die Tessitur, die durchschnittliche Lagenhöhe, nicht um Spitzentöne in beide Richtungen. Ich merke es auch am deutlichsten, wenn die zu hoch ist. Solche Partien lege ich wieder weg.


    Der Kloiber trifft das schon recht sicher, aber auch nicht immer und er lässt auch Varianten zu, speziell ob dram. Mezzo oder dram. Alt. Und, wie er richtig bemerkt, meine nicknamegebende Rolle ist dort eindeutig zu Recht als Alt qualifiziert, auch wenn es zuweilen hoch wird, aber die Tessitur passt.



    LG



    Ulrica

    Hallo,


    ich favorisiere von dem, was ich kenne, auch die Aufnahme unter Alessandrini, wobei ich eben auch Sara Mingardo sehr schätzte. Die Aufnahme mit Natalie Stutzman kenne ich allerdings nicht.



    Ich habe mich selbst singend dem Werk inzwischen angenähert. Letztes Jahr habe ich die Altsoloarien gesungen im Rahmen eines Gründonnerstag - Gottesdienstes und heuer zur Passionszeit sang ich den Altpart in einem Konzert (drei Stücke fehlten).


    Das Werk hat für mich sowohl als Hörerin als auch als Sängerin einen besonderen Reiz. Optimal ist natürlich, es in der Gesamtheit aufzuführen, aber die Art, wie jedes Einzelstück doch die Gesamtthematik sowohl im Text als auch in der Musik abdeckt, lässt im geeigneten Fall eine Teildarbietung zu.


    Es besteht vielleicht eine gewisse Hoffnung, es zur nächsten Passionszeit ganz aufzuführen.


    LG


    Ulrica