Beiträge von Ulrica


    • ....Sitzt ihr da gerade jetzt? Was inspiriert euch?


    Es wird immer bekloppter…..


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    Unterforum: Bin klamm – Wer nimmt mich auf?
    • Ulrica kommt nach Berlin, Dresden, Wien, Ulan – Bator, Timbuktu…


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    • Ulrica besucht Blackadder
    • Ulrica besucht Alfred


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    Unterforum: Die schönsten Kolateralschäden der Oper
    • Der unschuldige Drache: Warum die drei Damen Tamino in Wirklichkeit flachlegten
    (obwohl: Sowas würde ich sogar lesen)


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    • Folgen langer Einsatzpausen: Entenfamilie in der Pauke
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    • Krrrreiiiisch!!!! Springspinne zwischen den Harfensaiten
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    • Alle sprechen über ein bestimmtes Mitglied IV – Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt
    • Alle sprechen über ein bestimmtes Mitglied V – Restschuldbefreiung nicht bewilligt
    • Alle sprechen über ein bestimmtes Mitglied VI – Schlechte Drogen erwischt? Ulrica sang gestern grottenfalsch
    • Alle sprechen über ein bestimmtes Mitglied VII - Schlechte Drogen erwischt? Michael Schlechtriem spielt gestern grottenfalsch




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    • Come on, Baby, let´s do the locomotion: HIP – Dancing


    Forum Barockmusik:
    • HIP – Dancing Partitur von JS – Bach in der Mongolei ausgegraben!




    So, jetzt wird es mal Zeit, aufzuhören damit :angel:



    :hello:


    Ulrica

    Fortsetzung:


    Opernforum:
    • Die lebensmittelrechtliche Beurteilung der Inhalte von Hexenkesseln in der Oper
    • Die baurechtliche Beurteilung von Balkonen und Burgzinnen auf der Opernbühne
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    Allgemeines Klassikforum:
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    :baeh01::hello:

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    • Die Fadenstimme im großen Haus - Hochgenuss ab der 3. Reihe mit Hören durch Imaginieren
    • Die Quintenschaukel im Kammermusiksaal - Hochgenuss durch Spezifizierung der richtigen Tönhöhe: Hören durch Imaginieren macht´s möglich!



    Viel Spaß!
    :hello:
    Ulrica

    Zitat

    Original von Ulli


    Am besten wäre es natürlich, wenn sich der Gesangs-Interpret dem Fach widmet, das er am überzeugendsten herüberbringen kann. Ein lyrischer Sopran sollte also auch für lyrische Rollen eingesetzt werden - in diesem Fall muß ich einen Sänger oder eine Sängerin leider zu einem Instrument degradieren, denn nach wie vor ist für mich die Intention des Komponisten am wichtigsten [sofern sie sich feststellen lässt].



    Gebe ich dir völlig Recht. Stimmen und somit der Sängerkörper sind Instrumente, die zu der Musik passen müssen, für die sie eingesetzt werden. Interpretatorisch steckt jedoch genau wie bei den Instrumentalisten ein Hirn dahinter.


    LG


    :hello:


    Ulrica

    Grübel, grübel, hierzu kann man viel schreiben, wo anfangen???


    Mir ist der Gebrauch des Begriffes "Analyse" direkt in der Aufführung bzw. durch die Aufführung/Einspielung durchgeführt (?) nicht recht verständlich. Werksanalysen durch die Ausübenden finden doch auf jeden Fall davor und meistens auch danach statt und während der Aufführung allenfalls durch die Außenwelt, aber während des Darbietens analysiert keiner mehr, sondern legt/lässt los, folgt dem Dirigat oder, wie z. B. oft im Sologesang, der eigenen erarbeiteten Interpretation.


    Wenn gemeint ist, dass die Aufführung Werks-, Kompositionsaufbau- oder Figurcharakteranalysen durch Publikum zulässt, dann, so finde ich, macht dies einen guten Teil einer Aufführung/Aufnahme der Spitzenklasse aus. Dazu zählt für mich z. B. Klangtransparenz trotz Klangfülle, klare Aussprache beim Gesang u. ä. als Ergebnisse entsprechender Vorbereitung.


    All dies geht m. E. ohne Emotion nicht, nach meiner Erfahrung steigt die Qualität eines Konzertes, wenn es den Aufführenden gelingt, Freude und motivierte Intensität zu transportieren, egal ob solistisch oder im Kollektiv. Dies landet dann bei Publikum/Hörerschaft als emotionale Berührung.


    Die Begriffe "analysierbar/ exakt/ durchschaubar" und "mit Emotion" Musikzieren stehen einander nicht entgegen, sondern ergänzen sich, wobei ich nicht leugnen will, dass die Gewichtung beider Elemente unterschiedlich sein kann, was m. E. sowohl an der Persönlichkeit der (dirigierenden) MusikerInnen/ SängerInnen liegt und desgleichen den jeweiligen Geschmack verschiedener Adressaten trifft, der sich auch u. a. durch deren Subjektivität gebildet hat.


    Wer eine der beiden Komponenten bewusst völlig außer Acht lassen will, hat m. E. entweder ein sehr eingeschränkte oder komplett laienhafte (gemeint sind beileibe nicht Amateure generell) Vorstellung vom Musizieren. Ich kenne Überbetonungen genug einerseits von manchen Kirchechören (wir singen mit Herz, ob richtig ist zweitrangig) und andererseits von begleitenden Instrumentalisten, die ihr Handwerk zwar perfekt beherrschen, aber keinen Sensus für die Eigenheiten von Stimmen haben (beides Extrembeispiele).


    Abschließend noch zur "Werktreue": Die würde ich definieren als: So nah wie -noch- nachvollziehbar und vermittelbar an den Werksschöpfern. Der kleinste gemeinsame Nenner bleibt wohl die Notation in Form von Tönhöhen und Notenwerten.



    LG


    :hello:


    Ulrica

    Nach dem Lesen des gesamten Threads kam mir zunächst der Gedanke, dass man kritisch Eingestellte sicher nicht damit überzeugt, dass man seine Lieblinge mit dem schweren Säbel verteidigt, wo höchstens ein zierliches Florett angemessen wäre. X(


    Weiter blieb ich daran hängen, dass offensichtlich ein vages Gefühl des Nichmögens in der Luft hängt.


    Vielleicht liegt das daran, WIE sie zur Karajan - Zeit vermarktet wurde. Das ging mir seinerzeit gehörig auf den Keks. Was für ein Hascherl haben die denn da, das hier in einer vergreisten Schnöselwelt durchreicht wird! Das absolute Anti - Idol für alle, die damals weiblich, zwischen 20 und 30 und durchaus der Klassik und der Geige zugetan waren. Und, ehrlich gesagt, diese Deutsche Grammophon - Covers regen mich auch jetzt noch mächtig auf. So vertreibt man zielsicher junge Leute von der klassischen Musik. Wenn man SO werden muss dabei, dann doch wohl lieber Madonna und Co.


    Nachdem ich, die mal Geige angefangen, aber wegen einer zu dehnbaren Sehne an den Daumen das beenden musste, die perfekte Beherrschung dieses Instruments bewundere, lasse ich es mit doch nicht nehmen, immer wieder mal reinzuhören, wenn sie spielt. Dass sie sich sowohl karitativ als auch für zeitgenössische Musik engagiert, freut mich und zeigt, dass sie sich aus diesem unsäglich doofen Weichspül - Schwiegerpappasliebling - Image gelöst hat. Das beginnt mich zu interessieren. Sicher hat sich die Spielweise auch entsprechend verändert, düfte für eine Geigerin dieses Könnens sicher ganz organisch entwickelt worden sein.


    LG
    :hello:


    Ulrica

    Hallo. zusammen,


    ich mal wieder :hello: Endlich habe ich wieder mal bisschen Zeit 8)


    Lieber Alfred, Chef des Hauses :jubel:



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ich halte von all diesen Projekten nichts, wo mit Krampf junge Leute zur "klassischen Musik" (zumeist noch zur Zeitgenössischen !!!) umerzogen werden (sollen) -


    Krampf? Umerzogen? :no: Warum so negativ? Was ist daran schlecht? Es blieb sicher mehr hängen als bei einem reingepaukten Mathe - Unterricht ohne Hirn oder irgendeinem Abhängen mit Ghetto - Bluster. Und falls sich, wie du weiter unten sagst, die Natur damit Bahn brechen sollte - umso besser



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    auch "klassische Musik in Strafanstalten" erzeugt bei mir allenfalls ein Nasenrümpfen. Der Wert letzterer Aktion isl schwer evaluierbar - haben die armen Teufel doch wenig Wahl - sie müssen das Konsumieren was angeboten wird.
    The "worst case" wäre dann ein Taschendieb, welcher zwar in musikalischer Hinsicht geschmacklich trainiert und aufgewertet würde - aber nach seiner Haftentlassung seine neue gewonnene musikalische Vorliebe mit seiner Profession verbände...


    Nunja, der Wert eines Knastaufenthalts an sich ist immer schwer evaluierbar
    :D :D



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Das eigentliche Problem ist ja an sich nicht, daß der Klassikanteil der Hörer signifikant zurückgeht - sonmdern daß heute jede Beschäftigung der Menschen von einer "Wirtschaftsmafia" nach Kriterien der Vermarktbarkeit - und zwar der "Massentauglichkeit" eingestuft wird.
    Was nicht unmittelbar in riesige Summen umgesetzt werden kann ist in deren Augen uninteressant.


    Damit hast du zweifellos Recht, und gerade für den klassischen Musikmarkt trifft das haargenau zu. SängerInnen (ich bleibe bei der Gender - ei, was ich hier kürzen kann, kann ich anderweitig mehr schreiben ;) ) müssen sich als Gesamtprodukt anbieten, das als solches vermarktet werden kann X(



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Sollte dereinst der Turbokapitalismus zu Fall kommen bedeutet das aller Voraussicht nach auch das Ende der "Klassikkrise"


    Kommt auf die Art der Alternative zum Kapitalismus an. Wenn ich jetzt sage, dass die ehemaligen sozialistischen Staaten viel Wert auf Kulturzugang für alle gelegt haben und Theater, Museen und dergl. stark subventioniert haben, dann hältst du das wahrscheinlich für linksradikalen Schweinskram :D :D (Medienkauf war für die Leute dort jedoch teuer und nicht immer möglich, sollten wohl lieber in die Oper selber gehen; hat was :D, nervte aber nachvollziehbarerweise oft).


    Orwells "1984" - Gesellschaft hingegen fütterte die sog. Unterschicht mit Unterhaltungsmüll zweck Dummerhaltung im Slum ab und die mittleren und höheren Chargen befassten sie hauptsächlich mit dem Aufrechterhalten der Kultur- und anderer Unterdrückung. In diesem Fall sähe es schlecht aus.


    Ich glaube, die Überfülle an Konsumramsch macht es für viele schwer, gerade für Kinder und Jugendliche, sich herauszufiltern, was wirklich Qualität und Wert hat. Man wird berieselt und zugemüllt, und, wie der "Zeit" - Artikel sagt, verlernt, differenziert zuzuhören. Sollte mal durch irgendwelche Ereignisse eine deutliche Reduzierung des Überangebots jeglicher Art eintreten, dann kann ich mir auch vorstellen, dass viele einen Opernabend live ohne Technik mehr zu schätzen wüßten als vielleicht derzeit, und sei es, weil sonst nichts los ist.



    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Ob Tamino einen veritablen Anteil an einer Wiederbelebung der klassischen Musik zu leisten imstande ist - das vermag ich im Augenblick noch nicht zu sagen.....


    Na, jedenfalls ist es schon mal sicher dazu geeignet, UNSEREN Spassfaktor zu heben. Die Facetten sind vielfältig: Von der engagiert bis erhitzt geführten Debatte über Operninszenierungen bis zum Legen vor Ameisen - Eiern. :hahahaha: Also: Wer hat solches schon zu bieten? :D :D


    Liebe Grüße,
    :hello:
    Ulrica

    Idiotische "Erziehungs- (Ausbildungs-) ziele" á la "Abhärten" durch Brechen der Persönlichkeit gibt es wahrlich nicht nur im künstlerischen Bereich und Chefs, deren "Führungsqualitäten" sich aus zweifelhaften Motiven nähren, treiben in meinem Hauptberuf gerade genug ihr Unwesen.


    Nur: Mit den Zeiten ändern sich auch die Sitten. In meinem Studium vor ewigen Zeiten war es durchaus noch Gang und Gäbe, dass in den Amtsstuben übelste Schlüpfrigkeit zum Zwecke der Machtausübung (und Geilheit sicher auch) gegen die Azubis und Beamtenanwärter/Innen als schwächstes Glied in der Kette der Hierarchie fröhliche Urstände feierte. Beim Praktikumsdurchlauf in der verrufensten Horde hatte ich allerdings das Glück, dem einzigen Büro zugeteilt zu werden, in dem die beiden Herren sich gesittet benahmen. Aber: Der Rest ist ja auch noch da. Als der Schmierigste aus einem Nachbarbüro meinte, mir sagen zu müssen, mein BH sitze nicht richtig und versuchte, da auch hinzulangen, konterte ich, - physisch ausweichend, Hand schlagbereit - dass ich ihm schon lange mal sagen wollte, dass in seiner Hose auch was nicht richtig sitzt. Riesengelächter - Thema - erstmal - erledigt. Nur zum Beispiel, dass kein Beruf frei ist von A……..


    Heute könnten unflätige Menschen dieser Art mit dem Einsatz des AGG (Allgemeines Gleichstellungsgesetz) rechnen, (vielleicht ich mit meiner frechen Gosch´n auch, aber das war Notwehr) und das ist gut so. Sexistische Attacken im Büro sind verpönt geworden.


    Der besagte Professor hat sich alles andere als richtig verhalten; wer das leugnet, verkennt, was Recht und Unrecht ist. Das hat mit solider Vorbereitung der Studenten auf einen harten Beruf nichts zu tun, sondern hier suchte ein Täter zum Ausgleich eigener Defizite ein Opfer. Die Studentin hat es leider zugelassen, voll Opfer zu werden und auch zu bleiben, anstatt sich ein geeignetes Repertoire der Gegenstrategie - was sich keineswegs in der Anwendung frecher Retoursprüche erschöpft, diese sind hier nur ein Randbereich, meist ohne Dauerwirkung und zudem nicht immer parat - zu überlegen. Und, ich meine nach wie vor, die Fähigkeiten zur Ziehung von Grenzen in angemessener Weise und damit der Aufbau eines - gesunden! - Selbstwertgefühls sind nun mal unabdingbar Voraussetzung, um in jedem Beruf bestehen zu können. Auch gehört m. E. die Zivilcourage - von der wir alle nie wissen, ob wir sie im entscheidenden Moment aufbringen können - dazu, jemandem auch den Rücken zu stärken, was leider hier wohl auch die Mitstudenten vermissen ließen.


    Ich frage mich allerdings manchmal wirklich, warum Mobbingfirmen, Ausbeutersysteme und andere psychisch ungesunde Arbeitsverhältnisse trotzdem immer ziemlich lange weiter funktionieren.


    @waldi: tolles Gedicht :jubel:


    LG
    :hello:
    Ulrica

    Zitat

    Original von Fairy QueenDas Auseinanderhören ist für Leute mit Chor oder Orchestererfahrung natürlich wesentlich leichter. vor allem, wenn sie mittlere Stimmen singen. Altistinnen und Violas haben da eindeutig bessere Karten als Soprane und 1. Violinen...... ;).
    F.Q.


    Beim Gehört - Werden verhält es sich allerdings entschieden anders. Alt und Viola haben in diesem Punkt vollumfänglich die A....-Karte gezogen! man hört nur, wenn sie fehlen.


    So ein Melodiediktat erscheint mir ja wirklich fies und eklig. ALLE Stimmen notieren? Wie soll das denn gehen? Ab besten noch bei "Vivace"?! bei Chorwerk mit Orchester? :no: Wäre sicher was für irgendwelche Rekorde - Shows :D


    Also: Obwohl ich Chorerfahrung bis zu 20 - stimmig habe, höre ich bei fremden Stücken und großen Chören, die nicht optimal transparent singen, nicht unbedingt durchgehend die Mittelstimmen ohne Partitur zum Mitlesen raus, ja manchmal nicht einmal, wie viele Stimmen gerade gleichzeitig unterwegs sind. Beim Melodiediktat hätte ich sicher eine volle 6 und außerdem frage ich mich, wozu man das braucht, denn beim Einstudieren lernt man eh mit der Partitur und gleichzeitig setzt sich die gesamte Musik sukzessive ins Gedächtnis.


    Natürlich hören erfahrene Chor- oder (Solo) Ensemblesänger sowas leichter, denn neben der musikalischen Gesetzmäßigkeit kann man sich an den stimmlichen Färbungen orientieren. Gerade, um Choralt und -tenor zu unterscheiden, ist dies hilfreich.


    Ferner sind auch die eingesetztem Kompositionsmittel ein Kriterium. Musikgeschulte hören Fugenlinien sicher genauer als die Mittelstimmen der Choralsätze und auch Laien hören, dass bei Fugen was besonderes passiert.


    Solistische Ensembles machen die Stimmenunterscheidung auch leichter als Chöre, aber bei großen Verdi - Quartetten mit Riesenstimmen verschwimmen die Linien oft auch.


    Je ähnlicher Stimmen oder Instrumente klingen, desto schwieriger dürfte das einzelne Hören der Stimmen sein.


    Zum Abschluss ein Erklärungsversuch, warum man "Randstimmen"(Sopran (I)/tenor I - Alt II/ Bass (II) besser hört als die "Mittelstimmen":


    Stimmphysiologisch liegt es einfach daran, dass die Schwingungsspektren der höchsten und tiefsten Stimme im oberen bzw. unteren Bereich keine Einengung mehr durch andere Stimmen haben, also dorthin aussschwingen können. In der Mitte mischt sich permanent etwas anderes ein und absorbiert die Eigenschwingung. Ferner unterscheiden sich die Klangfarben zwischen ganz oben und ganz unter erheblich.


    Kompositorisch haben die Mittelstimmen dementsprechend eine Funktion der zweiten Reihe: Musikalisch anspruchsvoll und harmoniebildend, aber nicht klangprägend. Das übernehmen Melodie und - im geringeren Maße - Fundament.


    LG


    :hello:
    Ulrica

    Zum Thema (dass ich schon eine Weile verfolge, ohne die Zeit gehabt zu haben, mich zum Schreiben hinzusetzen):


    Vorurteil - Pauschalierung - Differenzierung:


    Darüber kann man wohl Bücher schreiben, aber: - keine Angst :D
    Pauschaleinschätzungen sind schon deshalb nicht vermeidbar, weil die Fähigkeit, Dinge gerastert wahrzunehmen, seit Menschenbeginn überlebenswichtig ist. Zunächst ist es etwas, was man in sich hat, Gedanken und Einschätzungen, die einfach da sind, ohne Kontrolle.


    Was damit dann zu tun ist, erfordert Entscheidung. Ist diese eilig zu treffen, ziehe ich die Schlussfolgerungen naturgemäß aus dem wenig oder gar nicht reflektierten Raster, ich pauschaliere. Das kann gut-, aber auch gehörig schiefgehen, mich im Ergebnis befriedigen oder nicht. Je mehr Zeit ich habe, desto mehr Muse zur Reflexion habe ich und den größte Gewinn ist wahrscheinlich, wenn ich soviel wie möglich reflektiere und differenziere.


    Wenn ich in der Auslage eine Opernaufnahme mit vielen asiatischen Namen sehe, kann mir zwar eine Menge durch den Kopf gehen zur Frage, ob hier Stimmen und Spiel "auf gleich" getrimmt sind, weil ich vielleicht ein wenig Bescheid weiß über kulturspezifische Erziehungsziele oder musikalische Schulen, aber letztlich erfahre ich das nur wirklich, wenn ich mich davon überzeuge, was speziell Herr Park und Frau Li mir auf der CD zu bieten haben.


    Soviel zum rationalen Vorgehen. Wer sich jedoch z. B. nur auf Aufnahmen mit Karajan oder Bernstein (ich nenne hier Gegensätze, um niemandem zu nahe zu treten) beschränken mag, bringt sich ggf. um andere Genüsse, aber entscheidend ist, dass dies so glücklich macht.


    Streitträchtig wird es, wenn andere Künstler und deren Fangemeinde herabgewertet werden. Ziemlich unnötig, aber meist noch einigermaßen harmlos


    Asozial wird es m. E., wenn sich Beobachtungen als Vor - Urteil verfestigen. Urteil ohne sachliche Prüfung, ein Unding für das allgemeine Rechtsempfinden, ungerecht. Schlussfolgerungen werden als zwingend logisch betrachtet, die dies eben nicht sind und gefährlich wird es, wenn ganze Bevölkerungen einem Vorurteil (Bespiel Antisemitismus) frönen, wobei, wie wir wissen, beispielsweise die Entfernung von Mendelsohns Werk aus dem Kanon des deutschen Kulturerbes noch eher eine der "unschädlicheren" Maßnahmen war.



    LG :hello:
    Ulrica

    Wer hat sie nicht schon selber ab- oder mitgekriegt, jene Millionen Übergrifflichkeiten lehrender Personen weltweit (und die Retourkutschen, wobei man das Machtgefälle trotzdem nicht außen Augen lassen darf)?


    Jedoch: Diese Feststellung macht zwar das geschilderte Professorenverhalten nicht weniger unverschämt, aber m. E. trifft es zu, dass der beste Schutz gegen langfristige seelische Schädigungen dadurch immer noch dann gegeben ist, wenn man sich angemessen zu wehren weiß, sei es durch eine gezielt platzierte "maulstopfende" Antwort oder ggf. auch durch weitergehende Maßnahmen.


    Erwachsene StudentInnen sollten in der jetzigen Zeit i. d. R. im Gegensatz zu Schulkindern durchaus gerüstet sein, in einer solchen Situation angemessen ihren Standpunkt und Standort zu behaupten und es tut mir für die Betreffende Leid, dass sie offensichtlich dies nicht vermittelt bekam, sondern wie in früheren Zeiten wohl speziell als Frau die Schuld bei sich sucht, was so weit geht, dass sie ihre Fähigkeiten für das Studium einbüßt.


    Sich hiergegen abzuhärten und auch die eigenen Grenzen aufzuzeigen, fordert dieser Beruf wohl wirklich (und nicht nur dieser). Das hat wohl M. S. - auch? - gemeint.



    LG :hello:
    Ulrica

    Also, Leute,


    dass dieser ziemlich sangesunkundige Mr. Potts die halbe Tamino - Mannschaft klassikbewandereter "Schwergewichte" dermaßen ausrutschen lässt, wundert mich doch sehr.... :no: :no:Tststs, meine Herrn aber auch :D!! Gibt es eine neue Tamino - Olympiade, wer es am besten mit wem und gleich mit allen aufnimmt? :hahahaha: Klingt nach Testosteron - Überschuß in den Tasten:-)


    Klar, wer sich so blöd präsentiert wie der Mister, bekommt entsprechende Kommentare und mein Mitleid hält sich da auch in Grenzen, aber bissl strange formuliert ist das mit dem "Nicht - Menschen" und dem Weg, weg, weg schon, auch wenn es mir trotz Herkunft aus einem bayerischen, bierbrauenden Landkreis geistig nachvollziehbar war, was gemeint ist (welche Auswirkungen hat denn die Berliner Weiße u. U. auf die Bewohner der gleichnamigen Metropole? :baeh01:, Wie war das mit dem Glashaus?)


    Mr. Potts hat sich wahrscheinlich jegliche Entwicklungsmöglichkeiten mit dem Quatsch da verbaut und da ich der Meinung bin, Künstler sind erheblich für ihre Vermarktung selbst verantwortlich, muss er auch mit den Folgen klarkommen. Wahrscheinlich hat die Kohle gut gestimmt und Mr. Potts ist es wohl von Herzen wurscht, was hier über ihn gesagt wird, falls er es überhaupt je erfahren sollte.


    Ich denke, dass bei der ganzen Dödelshow kaum Wert auf ernstahftes klassisches Tiefenerlebnis gelegt wurde und es selbstverständlich klar ist, dass man, wenn man selbiges für sich sucht, es dort nicht findet. Vielleicht ein hoffnungsvolles Material, aber das ist es ja beim klassischen Gesang nicht allein, und wer sich zum Ei macht, der bleibt eben eins.


    Es bleibt einem überlassen, ob man neidisch darauf ist, dass der Kerl für das - entweder dauerhafte oder noch anfängerische - Gekrähe (so genau weiß man das ja nicht, interessiert mich auch nicht) gut Kies einsackt oder aber zufrieden ist, dass man es besser kann oder besseres hört, auch wenn keine Penunze fließt.


    Mehr fällt mir zu diesem Sangeserguss eigentlich auch nicht mehr ein...


    LG
    :hello:
    Ulrica

    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:
    UUUUAAAAAAAAA!!!!


    Do drahts oam jo glei an Mong um und d´Fuassnägl AUFI!!!!!!
    Hier bedarf es dringend mundartlicher Intervention, denn:


    Unser Bergbauern - Bua ausm "Watzmann" kraxlt zwar gern zum Kammafensterl NAUF und mecht des am liaban bei da G(e)ailtalerin (die mit de feierrodn Untaröckkkk), aba die lasstn hoid erst, wenn a davor an Watzmann AUFI is.


    Aufi zua de Schnadahipfin,
    Aufi zua de Bergesgipfen,
    Muaß i nauf, i muaß!
    Mit de Fiaß und mit de Händ
    Muaß i kraxln in die Wänd


    Schon schwerst testosterongesteuert, und drum "duats a koa Guats nit",
    dass de Gailtalerin wieder da ist, meinen die Knechte.


    Wo der Bursche dann "eini" oder "nei" will, darüber lasse ich mich hier nicht weiter aus, sonst kommt noch der Moderator:-)


    Dieses "Rustikal" ist schwer zu empfehlen, Wahnsinns - Sound und kultige Sprüche, auch heute noch.




    Servus mtanand,


    Ulrica


    Übrigens treffen Österreich und Bayern am Watzmann ja drekt auseinander, auch "dialektisch":-)!

    Nun, das Unterfangen, eine griffige Gesamtdefinition zu erstellen oder, mit anderen Worten, eine einfache Antwort auf eine - scheinbar - einfache Frage zu geben, erscheint hier fast aussichtslos. Ich besinne mich daher auf den Titel und befasse mich mit zwei Aspekten bloßer Annäherung:


    Vorweg: Eine Beschränkung des Klassischen in der Musik auf Europa halte ich für unzulässig. Um zu dokumentieren, was ich damit meine, nenne ich die Peking - Oper, die auf jeden Fall klassisch zu nennen ist.


    Dimension der "Haltbarkeit":


    Die gemeinhin klassisch genannten Werke der Vergangenheit kennen wir ja nur, weil sie auf Dauer gespielt wurden und werden und daher überliefert sind. Gemeinsam ist diesen Werken die uns als klassisch bekannte Art der Instrumentierung. Gleichzeitig gibt es aber auch Volks- oder folkloristische Musik, die uns überliefert ist, die wir auch spielen und ggf. verändern. Von beiden Formen ging aber auch das verloren, was eben Strohfeuer war, keinen langfristigen Anklang fand. Heute gibt es das ja auch zu Genüge, meist zu Recht. In diesem Sinn sind auch schon viele Stücke aus der Popmusik Klassiker, Evergreens geworden und verdienen es, auf jeden Fall als "höhere Kunst" betrachtet zu werden, auch wenn die Instrumentierung auf Bandelementen aufbaut.


    Gesang:


    Hier, denke ich, kann man den Aspekt "klassisch" einer bestimmten Technik zuordnen, wobei auch hier weltweite Dimensionen eine Rolle spielen. Auch z. B. das asiatische Obertonsingen ist eine nach klaren Regeln zu lernende Singweise. Alternativ gibt es andere Techniken und Musik der Naturstimme. Hier sehe ich eine Entwicklung, die Jazz und Pop auf ein Niveau bringt, das zunehmend auch einer Ausbildung bedarf, um als solides musikalisches Handwerk und Schaffen dauerhaft weiterzuleben.


    Manche Werke der Jazz-, Pop-, und Bandmusik haben dies bereits geschafft und werden es künftig schaffen. Vielleicht sind wir in hundert Jahren soweit, mehrere "Klassiken" nebeneinander her zu besitzen.


    Nur eine kleine Annäherung…..


    LG
    :hello:
    Ulrica

    Lieber J. Rideamus und die anderen MitschreiberInnen,


    in eine ähnliche Argumentationsschiene wollte ich mich auch gerade bewegen.


    Ergänzen möchte ich vielleicht noch, dass man durchaus die Sozialisierung von Mitgliedern der Herrscherfamilien der Renaissance hier mit hineinspielen lassen kann, was sich mir nach der Lektüre einiger Abhandlungen, u.a. zu den "gesammelten" Nachkommenschaften der damaligen Päpste, die sich ja auch auf die Fürstenhäuser verteilt haben, den Medici und Borgia etc, einfach aufdrängt.


    M. E. handelt es sich um Entwurzelte, die im Gegensatz zu denselben auf der Landstrasse zwar materiell völlig abgesichert und im Luxus leben, aber überhaupt keinen Sinn im Leben erkennen können. Was noch mit Arbeit hochgezogen wurde (z. B. die Geldimperien wie die Medici - Bank oder erstarkte Fürstentümer als Machtfaktoren etc.) ist bereits durch irgendeinen Urahn geschaffen worden und die Nachkommen setzten sich ins gemachte Nest, kombiniert mit dem Wissen, dass von ihnen eigentlich nichts mehr Bedeutendes gefordert wird.


    So in etwa kommt mir der Duca auch vor. Der "Laden" des Fürstentum läuft offenbar von alleine (sonst hätte er sicher nicht die Zeit, einen "Aufriss" nach dem anderen zu tätigen), er ist eigentlich überflüssig und langweilt sich luxuriös fast zu Tode. Das macht zynisch und geneigt, nur noch aus Egoismus und oft hochkriminell zu handeln, überhaupt keine Verantwortung mehr zu übernehmen, und dies schon gar nicht für die verführten Frauen.


    Was Romantisches hat das alles wirklich nicht, was allerdings für ein Naturell wie Gilda gar nicht auf den ersten Blick durchschaubar sein kann bzw., falls ihr Verstand dies doch täte, so hat sie einfach dadurch, dass sie unvorbereitet und mit voller Wucht Verliebtheit kennengelernt hat, kaum eine Wahl, die überwältigende Emotion zu beherrschen. Es ist hier m. E. auch völlig unnötig, irgendwelche Männer "in Schutz" zu nehmen oder Gilda für bekloppt zu erklären (was sie überhaupt nicht ist), denn das trifft nicht den Kern.


    Die Sinnenfreude der Renaissance hat in diesen Geschichten ihre dunkle Kehrseite, die meist Menschen aus der eher zweiten oder dritten Reihe der Gesellschaft wie Rigoletto - der als Vater einiges falsch gemacht hat und wohl kaum eine Chance hatte, es richtig zu machen - und Gilda auszubaden hatten.


    Und doch hat dieser Stoff etwas Zeitloses. Diese Zeitgeister sind nicht ausgestorben, sodass eine modernisierte Interpretation uns heute sogar besser in diese Gefühlswelten mitnehmen dürfte als das unbedingte Festhalten an historisierendem Ambiente.


    LG :hello:


    Ulrica

    Ich muss zugeben, dass mir wohl entgangen ist, dass Gilda Spuren von Gewalt an sich trug, was ich wahrscheinlich auf eine rüde Behandlung durch die Entführer zurückgeführt hätte.


    Was den Umgang des Duca mit ihr zumindest in der Zeit, in der er sich für sie interessiert hat, betrifft, gehe ich auch nicht davon aus, dass er Gewalt angewendet hat. Wie schon erwähnt, ist er m. E, ein fieser Charakter mit Stil und ein attraktiver und Cavaliere, der sich einen kultivierten Anstrich gibt, denn sonst hätte sich das Mädel nicht so nachhaltig verknallt. Trotzdem klebt einem solchen Typen was "Versautes" an und das fehlt Florez, (was durchaus sehr für ihn spricht). Er kam nach meinem Dafürhalten als recht leichtsinniges Windei ohne größeren Tiefgang daher, aber nicht richtig skrupellos - bösartig; als einer, der genau weiß, was er auslöst und dem das egal ist.


    Zur Stimme, auch im Zusammenhang mit den eigenartigen akustischen Verhältnissen, möchte ich anmerken, dass es nich auf die Phonstärken ankommt.(Gerade D. Damrau hat hinreissende Piani gesungen). Sie und Z. Lucic als ziemlich gereifte Sänger sind in der Lage, sehr viele Resonanzen zu aktivieren, die die Stimmen auch im hinteren Teil der Bühne so tragfähig machten.


    Florez konnte das in dieser Form (noch) nicht, weil er das wohl auch noch nicht hat. Das wundert mich bei einem jungen Rossini - Tenor nicht. Verdi hat sich ja verdient darum gemacht, sehr viele Stimmtypen in sein Schaffen einzubeziehen und auch der Duca ist sicher kein Spinto oder gar Heldentenor, aber ein wenig gewichtiger ist die Stimme, die es für diese Rolle braucht, schon. Florez musste in dieser Situation zum Teil anwenden, was gar nicht guttut: Druck ausüben, was ganz gefährlich auf die Spitzentöne geht und was es z. B. nötig machte, "allzu vorzeitig" das hohe des wieder zu verlassen. Die Stimme hat sich festgesungen, was unweigerlich in Partien passiert, die noch nicht ausgefüllt werden können ("über Fach").


    Schade, nachdem ich sonst wirklich begeistert bin von seinem Können in seinem Fach, aber er sollte sich diese Rolle besser für ein paar Jährchen später überlegen. Hoffentlich bemerkt er dies und lässt sich nicht wieder in solche Rollen jagen, denn es wäre vorprogrammiert, dass dies endet wie bei Villazon.


    LG
    :hello:
    Ulrica

    Ich muss zugeben, dass mir wohl entgangen ist, dass Gilda Spuren von Gewalt an sich trug, was ich wahrscheinlich auf eine rüde Behandlung durch die Entführer zurückgeführt hätte.


    Was den Umgang des Duca mit ihr zumindest in der Zeit, in der er sich für sie interessiert hat, betrifft, gehe ich auch nicht davon aus, dass er Gewalt angewendet hat. Wie schon erwähnt, ist er m. E, ein fieser Charakter mit Stil und ein attraktiver und Cavaliere, der sich einen kultivierten Anstrich gibt, denn sonst hätte sich das Mädel nicht so nachhaltig verknallt. Trotzdem klebt einem solchen Typen was "Versautes" an und das fehlt Florez, (was durchaus sehr für ihn spricht). Er kam nach meinem Dafürhalten als recht leichtsinniges Windei ohne größeren Tiefgang daher, aber nicht richtig skrupellos - bösartig; als einer, der genau weiß, was er auslöst und dem das egal ist.


    Zur Stimme, auch im Zusammenhang mit den eigenartigen akustischen Verhältnissen, möchte ich anmerken, dass es nich auf die Phonstärken ankommt.(Gerade D. Damrau hat hinreissende Piani gesungen). Sie und Z. Lucic als ziemlich gereifte Sänger sind in der Lage, sehr viele Resonanzen zu aktivieren, die die Stimmen auch im hinteren Teil der Bühne so tragfähig machten.


    Florez konnte das in dieser Form (noch) nicht, weil er das wohl auch noch nicht hat. Das wundert mich bei einem jungen Rossini - Tenor nicht. Verdi hat sich ja verdient darum gemacht, sehr viele Stimmtypen in sein Schaffen einzubeziehen und auch der Duca ist sicher kein Spinto oder gar Heldentenor, aber ein wenig gewichtiger ist die Stimme, die es für diese Rolle braucht, schon. Florez musste in dieser Situation zum Teil anwenden, was gar nicht guttut: Druck ausüben, was ganz gefährlich auf die Spitzentöne geht und was es z. B. nötig machte, "allzu vorzeitig" das hohe des wieder zu verlassen. Die Stimme hat sich festgesungen, was unweigerlich in Partien passiert, die noch nicht ausgefüllt werden können ("über Fach").


    Schade, nachdem ich sonst wirklich begeistert bin von seinem Können in seinem Fach, aber er sollte sich diese Rolle besser für ein paar Jährchen später überlegen. Hoffentlich bemerkt er dies und lässt sich nicht wieder in solche Rollen jagen, denn es wäre vorprogrammiert, dass dies endet wie bei Villazon.


    LG
    :hello:
    Ulrica

    Die Inszenierung hat mich gefesselt bis zum Schluss. Ich finde zwar auch, dass Gilda am Ende zu gesund aussah, aber Damraus Gesang und ihre Intensität haben dies ausgeglichen.


    Obwohl ihr Lukic nicht irgenwie nachstand, war sie für mich doch das Top - Erlebnis des Abends. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich sie schon öfter gehört habe und diese Partie jetzt als Steigerung ansehe.


    Ich bin grundsätzlich von Florez sehr angetan, aber er kam da, mit Verlaub nicht so komplett durchgängig heran, obwohl er O donna e momile ganz vorzüglich (aus einer ziemlich schwierigen Szenenhaltung heraus) interpretiert hat.


    Dass man Lukic und sein mächtiges Organ noch öfter als Rigoletto hören wird, davon bin ich überzeugt. Wenn ich richtig gehört habe, war dies sein erster Rigoletto(?) :jubel:


    Ich schließe mich auch der Meinung, dass der tolle Bass des Spafucile unbedingt der Erwähnung bedarf. Ein klasse Typ für diese Rolle.


    Kann es sein, dass eine Tonübertragung aus der Semper - Oper so ihre Tücken hat? Der Unterschied der Übertragung des Gesangs weiter im Bühneninneren unterschied sich erheblich von der Rampe. Das ist natürlich immer ein wenig so, aber hier war das auffällig. Oder liegt es an meinem Fernseher?


    LG
    :hello:


    Ulrica

    Danke für eure Antworten :hello:


    Ich habe die Frage mit dem Hintersinn gestellt, mir ein Bild darüber zu machen, warum Bach eine "Rehabilitierung" wegen seiner vorübergehenden Zwangsbeherbergung benötigen soll und finde das nun immer zweifelhafter, denn wirklich was verbrochen hat er nach heutigem verständnis eh nichts und auch nach damaligem grundsätzlich auch nicht, denn die Auseinandersetzung war rein zivilrechtlicher Natur und wurde allenfalls nur aufgrund eines obrigkeitstaatlichen Denkens heraus in diesem Fall als strafbar gesehen, weil seine Arbeitgeber hohe Ränge bekleideten bzw. es der Prinz selber war.


    Ich finde nicht, dass hier eine Rehabilitierung, die ich eher mit einer Anschuldigung einer Straftat auch im heutigen Sinn verbinden würde, nötig ist, denn eine solche hat er nicht begangen.


    Der Mann (Bach) hatte jedenfalls Zivilcourage, auch wenn er in der Jugend nach den Schilderungen wohl etwas über die Stränge geschlagen hat mit dem eigenmächtigen Urlaub (weniger wegen der Jungfrauen) :angel:


    LG
    :hello:


    Ulrica

    Ja, was hat er denn nun eigentlich angestellt??? ?(



    Sich auf dem Dirigentenpult festgekettet? Den Dienstherren ein A...geheißen? Einen Taktstock oder den Orgelschlüssel mitgehen lassen?


    Oder "schlimmer": Einfach wiedergekommen zu Arbeit? :D


    Oder was rechtfertigte da wohl einen Monat Knast? Das zeitalter der Aufklärung?


    LG
    :hello:
    Ulrica



    Jetzt sehe ich das gerade und kann vielleicht als Sängerin der Partie was dazu sagen.


    Ich meine, sie gehört ins dramatische Altfach, weil die Tessitur ziemlich tief liegt, also, die "Durchschnittshöhe". Die Tatsache, dass der höchste Ton ein a2 ist, ändert daran nichts, das kommt ja nicht dauernd vor und ist bei einer dramatischen Partie einfach vorgesehen. Der Klang muss sehr dunkel sein, was diese allgemeine Lage zwar inpliztiert, aber ein Alt trägt da besser als ein Mezzo. Die meisten Mezzi mit dramatischer Stimmanlage, die kenne, empfinden die Partie als unbequem.


    Zum Thema Mezzo oder Alt wurde u. a. ziemlich ausführlich im Thread "Alt, aber gut" diskutiert.


    LG


    Ulrica

    Dieses Zitat (von Fairy in lila geschrieben) zeigt m. E. die Problematik im psychologischen Bereich mit stringenter Schlüssigkeit auf. Vielen Dank dafür. Der Gralsbund, ein "geschlossenes" Weltanschauungssystem, das Realitäten beseite schiebt, die nicht ins Konzept passen und der daher in sich instabil, leicht erschütterbar ist und auch erheblich erschüttert wird, bis letztlich die verschiedenen Aspekte der Realität (gleiche Existenzberechtigung von Männer und Frauen, Seele, Geist UND Leib) sich quasi einbringen in den Weg der Erlösung. Die Figuren sind hierfür zu einem großen Anteil auch Archetypen.


    Beide Extreme, die hier zunächst gegenüberstehen als scheinbar unumstössliche Prinzipien (Klingsors offener Nihilismus und die ebenso destruktiv wirkende Weltflucht der Grals - Klosterbrüder) sind zwei Seiten einer Medaille, die beide in die Sackgasse führen. Heraus kommt man, indem man die konstruktivien Elemente der jeweils "Anderen" zulässt. Ohne Erkennen dieser Notwendigkeit überleben beide nicht.


    Warum könnte man die Erlösung hier nicht in dieser Weise herauslesen und sozusagen "zeitgemäß" interpretieren, in einer Zeit, wo man bereit wäre, Weltsnschauungen nicht mehr erstarren zu lassen?


    Entschuldigt, dass ich nun drastisch werde mit einem Beispiel: Amfortas musste etwas erleiden, was Frauen in regelmäßigen Abständen oft ziemlich heftig durchmachen müssen, bei einer Geburt allemal. Einen Mann, der das normalerweise nicht selbst erlebt, muss das halbwegs umbringen. Auch er hat, denke ich, daraus gelernt und wird Frauen künftig anders respektieren (wenn er erlöst werden will). Insofern fange ich allmählich an, mich mit der zunächst ziemlich eklig daherkommende Interpretation dieser Verwundung anzufreunden.


    Ich habe selbst noch einmal zur Sache nachgelesen und auch beim Durchlesen hier sehr lange über die Bedeutung der religiösen Elemente nachgedacht, gesucht, ob eine Grundrichtung Wagners auszumachen ist, jedoch: ich finde diese hier nicht so recht. Dazu ist zuviel verpackt in der Geschichte, die nur in Grundzügen mit Wolfram von Eschenbachs Gralsepos oder gar christlicher Orthodoxie noch zu tun hat.


    Es finden sich die schon genannten buddhismusähnlichen Elemente, Manichäismus, sehr deutlich gnostische Elemente. Offensichtlich hat er sich bei den sog. Häresien des Mittelalters bedient (ich nenne das Bestreben der damaligen Menschen, in Freiheit so beten zu wollen, wie sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren konnten, sehr ungerne so), um auch hier aufzuzeigen, dass die Grundströmungen der Transzendenz alle eine Historie haben, die sich aus elementaren Wahrheiten entwickelt hat und die man somit auch verstehen kann und nicht als Angriff auf die eigene sehen muss.


    Schade eigentlich, dass der kulturelle Nihilismus von Antisemiten und Nazis diese Inhalte wohl völlig verdreht haben mit ihrem Gift.



    LG


    :hello:
    Ulrica


    (Fairy: Die Gralsritter werden zum Fussballergebnis SEHR geteilter Meinung sein - Zurückhaltung ist angebracht, wir sind in einem österreichischen Forum :stumm:

    Aaaalso,


    ob ich nun Zugang finde zu einer Oper, hängt sicher von mehreren Faktoren ab und der Hauptfaktor bleibt die Musik bzw. allenfalls ein Sujet, das mich besonders fesselt. Opern bedienen zwar durchaus allgemeinpolitische Segmente, aber ich fände es suspekt, wenn jemand seine politische Weltsicht von einen Oper bestimmen lässt. Dies sollte und kann das Genre nicht leisten.


    Dein Beitrag, lieber J. R. hat eigentlich recht plastisch aufgezeigt, dass auch der Aspekt des Frauenbildes, das über Kundry transportierbar ist, mehrere Deutungsstränge zulässt. Ich sehe es nicht ganz so wie du, denn mir ist beispielsweise dieses "Dienen, dienen" doch zu nahe an dem Erwartungsmuster an Frauen der damaligen Zeit dran, um hier eine völlige Trennung von diesem "kulturellen" Hintergrund annehmen zu können, aber Interpretationsweisen in deine Richtung durch entsprechende Regie sind denkbar.


    Wenn man genau hinschaut, lässt sich oft erkennen, dass Wagner destruktive Handlingen gegen jedermann/frau mit umfassenden Folgen belegt und den Täter in der Regel nicht als (moralischen) Sieger dastehen lässt. Auch die Edelmenschen bekommen im Laufe der Zeit Flecken.


    Umso fassungsloser macht einen dann das antisemitische Geschreibsel!!!



    LG
    :hello:


    Ulrica

    Zitat

    Original von Fairy Queen Ich dachte wirklch nciht, dass das in einem "Männerforum" inmitten vieler Wagnerianer für mich möglich sein würde :angel:


    Liebe Fairy
    zum "Männerforum" wird, wo Frauen nicht mitschreiben. Was hindert uns? Uns beide offensichtlich nichts, aber ich würde mir durchaus mehr weibliche Forenmitglieder wünschen, die hier "mitreden".


    Ausserdem finde ich, dass unsere Herren sich in einer sehr emanziperten Weise zu den immer wieder gestreiften frauenspezifischen Aspekten in Wagners Werk äußern. Was will man mehr? :D :angel:


    Wäre dem nicht so, würde ich mir erlauben, mich erst recht hier hineinzubevölkern und bei Bedarf ordentlich zu streiten. 8)


    LG


    :hello:


    Ulrica