Beiträge von Rosenkavalier

    Ich habe zwei Jahre ein Projekt in Tschechien betreut und war deswegen oft in Prag. Die Stadt ist absolut eine Reise wert und mit Deutsch oder auch Englisch kommt man igut zurecht. Allerdings nur in den touristischen Zentren, wo das Bier dann eben auch 3 Euro kostet (und nicht 1 Euro oder drunter wie abseits des Rummels). Ein paar Höflichkeitsfloskeln auf Tschechisch werden aber von den Einheimischen mit Wohlwollen gutiert.
    Ich war einmal im Narodni divadlo, in einer ziemlich schlechten Aufführung von La Bohème. Die Hälfte der Sänger war echt zum Abgewöhnen!! Irgendwie konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man da mal schnell eine Vorstellung für sowieso nicht gerade kundige Touristen abliefert (die Tschechen können sich i.d.R. nämlich selbst die in unseren Augen günstigen Tickets nicht leisten).
    Lohnenswert ist auf jeden Fall ein Besuch im Rudolfinum, die Tschechische Philharmonie und der Tschechische Philharmonische Chor sind großartig.
    Es gibt dann immer auch noch zahlreiche Angebote im Obecni dum mit seinem Smetana-Saal und den zahlreichen Kirchen der Stadt.


    Kleiner Tipp für eine schöne Pension, die ich sehr empfehlen kann (man spricht dort auch Deutsch):
    http://www.kern.cz


    Gruß
    Rosenkavalier
    (die immer wieder gerne in "ihr" Prag reist)

    Ganz spontan und aus aktuellem Anlass :]
    Nr. 30 (ist eh unheilbar!)


    Gustav Mahler / Friedrich Rückert


    Liebst du um Schönheit,
    O nicht mich liebe!
    Liebe die Sonne,
    Sie trägt ein gold'nes Haar.
    Liebst du um Jugend,
    O nicht mich liebe!
    Liebe den Frühling,
    Der jung ist jedes Jahr.
    Liebst du um Schätze,
    O nicht mich liebe!
    Liebe die Meerfrau,
    Die hat viel Perlen klar.
    Liebst du um Liebe,
    O ja mich liebe!
    Liebe mich immer,
    Dich lieb ich immerdar!



    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Fairy Queen


    Wie sieht es eigentlich mit den Tamino- Damen aus? Haben die es schwerer mit Beethoven?


    Fairy Queen


    Ich für meinen Teil "musste" mit der Neunten einsteigen, als mir damals die Altpartie angeboten wurde. Eine in meinen Ohren schöne Aufnahme habe ich erst im dritten Anlauf gefunden und - da ich vom Gesang komme - ging es mir vorrangig um den vierten Satz. Wenn Du also einen tollen Chor in der Neunten hören willst, dann nimmt diese (oder lass' sie Dir von mir mal ausleihen)



    Mittlerweile besitze ich alle Beethoven-Symphonien unter Barenboim, muss aber gestehen, dass ich diese noch nicht wirklich intensiv hören konnte. Mit der Neunten gefällt mir Rattle besser.


    LG
    Rosenkavalier

    Leider ist sich auch die Staatsoper Berlin nicht zu schade, auf der Welle mitzureiten. Nachstehend ein Auszug aus der Ankündigung zur Bohème im Februar:


    Pavarotti sah nie so gut aus, und so schöne dunkle Locken hatten weder Domingo noch Carreras jemals. Der in München geborene Tenor Jonas Kaufmann gilt als einer der Großen seines Faches. Zur Zeit ist Kaufmann in der Londoner Covent Garden Opera als Alfedo und Liebhaber von Anna Netrebko zu erleben.


    Ist er nun ein Großer, weil er so schöne dunkel Locken hat?!?!! Und ist er Alfredo oder Liebhaber von A.N. oder beides oder was :rolleyes: .........? Und dabei ist A.N. noch keine 49 :D....


    :no:
    Rosenkavalier

    Also erstmal würde ich nicht alle Laienchöre über einen Kamm scheren. Es gibt durchaus welche, die wirklich gut sind und die große Oratorienliteratur im Griff haben. Ich habe früher in einem solchen gesungen, in dem den Mitglieder neben einem SINNVOLLEN Einsinge auch die Möglichkeit geboten wurde, Stimmbildung wahrzunehmen und "Vom-Blatt-Singen" zu lernen. Es ist nämlich schonmal ein großer Vorteil, wenn der Großteil der Beteiligten mit den schwarzen Punkten und Strichen, die über dem Text stehen, etwas anfangen können :D....


    Das Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Stimmgruppen, wie es hier angesprochen wurde, ist tatsächlich ein Problem. Zu viele Soprane (wer geht schon freiwillig in den Alt, da sind doch nur die, die nicht hoch singen können :evil: ), Tenöre "die nicht gelernt haben, wie Männer zu singen" (der Spruch ist nicht von mir, sondern vom Chorleiter des Extrachores der Staatsoper Berlin...) usw. usw.


    Grundsätzlich würde ich sagen, die Konzertlandschaft wäre ärmer ohne ambitionierte Laienchöre. Allerdings gibt es tatsächlich ziemlich gruselige Aufführungen - aber auch diese machen vielen Zuhören Freude und man sollte nicht allzu hart mit dem uns eigenen geschulten Ohr darüber urteilen. Und auch professionelle Chöre liefern nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse ab.


    LG
    Rosenkavalier

    Da ich gestern an dem Hauskonzert von F.Q. beteiligt war, kann ich nur bestätigen, dass ein Hauskonzert eine besondere Atmosphäre hat. Man singt in einem "intimen" Rahmen, vor kundigen Freunden. Das Feedback ist enorm, da man die Gelegenheit hat, mit jedem Zuhörer kurz zu plaudern. Auch die Nähe zum Publikum ist ein zusätzlich verstärkendes Element.
    Die Organisation ist natürlich aufwändig - man muss schon ziemlich enthusiatisch sein (oder "verrückt") , um sich neben der muskalischen Vorbereitung auch noch das Drumherum aufzubürden.... :D


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Ihr seid echt Klasse! :jubel:
    ¨
    Gerade die Modernen haben ja besonders spannende Besetzungen-Harfe und vier Celli-allein beim Lesen schwebt man da ja schon ab..... :angel:


    Lieber Chevalier à la rose, falls Du diese CD besitzt........ :] :hello:



    Die Stücke müssten Dir übrigens gut liegen.... Auf der CD singt u.a. Sandrine Piau.


    Ich würde die CD natürlich auch mitbringen, aber der Chevalier ohne Rose hat ja beschlossen, mir die Schau zu stehlen :D... Dann muss ich also doch wieder singenderweise bei Dir punkten :lips:


    LG
    Rosenkavalier

    Dass ich mal was zur Kammermusik schreiben, hätte ich ja auch nicht gedacht..... :D


    André Caplet hat Kammermusik mit Gesang geschrieben, zu finden u.a. hier:


    [AM] B000E3J3QA[/AM]


    Deux sonnets für Sopran und Harfe
    Les Prières für Gesang, Harfe und Streichquartett


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Hildebrandt


    Betrachtet man sich die instrumentale Spieltechnik, kann man mit moderner Klaviertechnik auf einem Cembalo z. B. nichts anfangen. Ebensowenig lässt sich eine Laute wie eine Gitarre spielen und auch eine Barocktraverse wird bei moderner Querflötentechnik ihren Dienst versagen. Im Grunde gilt das für alle Instrumente. Das Argument mit der Entwicklung bereitet mir bei der Musik – und nicht nur da – jedenfalls Schmerzen. Jedenfalls wären wir damit nie zu einer historisch orientierten Aufführungspraxis gekommen.


    Die Behandlung der Stimme ist aber nunmal nicht mit instrumentaler Spieltechnik zu vergleichen! Es dürfte doch jetzt hinreichend klargeworden sein, und Eponine hat es nochmal deutlich gemacht, dass man der Stimme mit den "alten" Gesangstechniken schaden kann. Und jetzt bitte nicht das Argument "früher ging es doch auch"....Es dürfte genügend Beispiele geben, dass "übliche" Dinge und Verfahrensweisen von früher erst in neuerer Zeit als schädlich erkannt wurden (man denke nur an das Rauchen...).


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Eponine
    Es ist dennoch m.E. nicht wegzdiskutieren, dass verschiedene stimmliche Veranlagungen auch unterschiedlich gross- oder kleinamplitudige Vibrati haben. Daran sollte man nicht dauerhaft rumpfuschen ...


    Und da liegt wohl auch der Hase im Pfeffer. Lasse ich eine Stimme sich frei entwickeln, ohne sie zu irgendetwas zu zwingen, dann ist das eine gesunde Entwicklung. Und es ist auch völlig egal, ob ich eine Stimme künstlich klein und vibratoarm halte oder eine Stimme mit Vehemenz versuche, auf groß zu trimmen. Am Ende leidet die Stimme und das kann nicht Sinn der Sache sein. Deswegen auch mein hier bereits geäußerter Zweifel, wann denn klar sein soll, ob eine Stimme für Barockgesang wie ihn sich einige hier vorstellen, geeignet ist. Dazu muss sie erstmal einige Zeit grundlegend ausgebildet werden - erst dann ist erkennbar, wohin der Weg geht bzw. gehen kann. Und dann kann man nur noch hoffen, dass diese Stimme einem verantwortungsvollen Gesangslehrer in die Hände fällt, der sie ausbildet und nicht aufgrund eines eigenen Klangideals verbildet.


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von GiselherHH
    Die Stimmkrise und der erste, verhalten absolvierte Bühnenauftritt an der WSO zeigen aber wohl eines: so offen, auf Risiko und mit künstlich vergrößertem Stimmvolumen wird RV wohl so bald nicht mehr singen. Ich glaube, dass er eingesehen hat, dass seine Stimme mit der Zeit organisch wachsen muss und er nicht einfach das singen kann, wozu er gerade Lust hat. Der Überdruck, mit dem er seine Spitzentöne emphatisch herausgehauen hat, hatte seiner Stimme erkennbar geschadet und das Timbre matt und stumpf werden lassen. Dass seine Stimme jetzt wieder die alten Farbvaleurs zeigt, halte ich für ein physiologisch gutes Zeichen. Die Fans müssen ihm halt Zeit geben, damit er seine Stimme wieder vollständig aufbauen kann, auch wenn sie den alten "Draufgänger" vermissen. R.V. ist ein lyrischer Tenor und ob er je ins lirico-spinto-Fach hineinwachsen wird, das bleibt abzuwarten.


    Lieber GiselherHH,
    danke, das endlich mal einer auf die stimmlichen Ursachen der Krise eingeht. Die Vehemenz, mit der Villanzon an fast jeden Ton, insbesondere die Spitzentöne herangeht, konnte im Zusammenhang mit der Masse an Vorstellungen nicht gut gehen. Bei aller Begeisterung für den Enthusiasmus, der dadurch auf der Bühne vermittelt wird - eine Stimme muss reifen und sie muss eine solide Technik besitzen. Anscheinend hat Villazon erkannt, dass man das empfindliche Instrument Stimme nicht jeden Abend zwingen kann Höchstleistungen zu bringen. Insofern ist es durchaus verständlich, wenn er jetzt erstmal langsam macht. Ich halte ihn für einen intelligenten Sänger mit großem Potential, wenn er sich ein wenig Zeit lässt und den "Schreckschuss" der letzten Monaten berücksichtigt. Darstellerisch ist er großartig und dieses Urteil hat überhaupt nichts mit Aussehen oder Schwärmerei zu tun!


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Hildebrandt


    Du bist aber halsstarrig. :D
    Wo bringst Du denn dann bitteschön Cembalo, Gambe und Blockflöte im konventionellen Orchester unter? In der Kantine oder an der Garderobe? :D
    Von den Renaissance-Kollegen wollen wir da garnicht erst anfangen.


    Ich zitiere mal eine frühere Vorgesetzte von mir, die mir ins Zeugnis schrieb: "Frau Späth zeigt Änderungswünschen ihrer Arbeit gegenüber ein gewisses Beharrungsvermögen" :D Man könnte auch sagen, ich bin ein harter Verhandler....


    Aber klar, das Zugeständnis mit den "Spezialinstrumenten" wollte ich machen, hab es aber dann vergessen zu schreiben (da muss das Alter sein...). Da hast Du natürlich vollkommen recht. Aber die Gambenspieler, die ich bisher kennen gelernt habe, haben auch alle Cello gespielt....Das Cembalo wurde von Pianisten oder Organisten bedient (OK - waren keine HIP-Ensembles). Und zur Blockflötenmusik schweige ich mich mal höflich aus..... :wacky:


    Aber, verstehe ich Dich richtig: Es soll Deiner Meinung nach eine speziell auf alte Musik abzielende Gesangsgrundausbildung geben, auch auf die Gefahr hin, dass dann der Sänger / die Sängerin gezwungen werden, einen natürlichen Vorgang zu unterdrücken?
    Da stellt sich für mich die Frage, wie der Sänger denn feststellen soll, dass seine Stimme gerade für alte Musik geeignet ist und ob seine Stimme eher vibratoarm ist und bleibt (was ich für eine Grundvoraussetzung hielte, um einen möglichen stimmlichen Schaden zu vermeiden)?


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Hildebrandt


    Ist ja auch – so besehen – völlig in Ordnung, nur sind wir ja hier eh im hypothetischen Raum. Ich glaube jedenfalls kaum, dass eine Tamino-Diskussion eine Umwälzung in der Aufführungspraxis zur Folge haben wird.


    Betrachten wir uns aber die Geschehnisse im Instrumentalsektor, dann bleibt doch anzuerkennen, dass sich da eine Schar Unentwegter auf eine sehr lange Durststrecke begeben hat und mit viel Idealismus, Liebe und Hingabe einen Grad erreicht hat, der es den heutigen hiP-Musikern kaum schwerer macht, ihre Existenz zu sichern, als den Kollegen von der Nicht-hiP-Fraktion.


    D'accord! (Wobei Alfred wahrscheinlich wahnsinnig stolz wäre, wenn so ein Coup gelingen würde :D, ungeachtet des Themas an sich) Und so ganz hypothetisch sind wir ja nicht, es gibt durchaus bereits Möglichkeiten für Sänger, sich für Alte Musik aus- bzw. fortbilden zu lassen.


    Wobei ich weiterhin die These vertrete, dass HIP-Instrumentalisten ihren Lebensunterhalt zur Not auch in einem konventionellen Orchester verdienen können. Ein Sänger mit nicht ausgebildeten Vibrato hat auf dem konventionellen Gesangssektor keine Chance.


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Hildebrandt


    Wir reden jetzt aber nicht übers Geld, denn dann können wirs gleich ganz lassen. Mit Finanzargumenten lässt sich fast alles abwürgen.


    Aber Sänger werden nunmal für den Beruf vorbereitet und damit auf die Sicherung ihres Lebensunterhaltes! Deswegen ist die Forderung, den Unterricht auf alte Gesangstechniken abzustellen, nicht sinnvoll. Als Spezialisierung sag ich ja gar nichts dagegen, aber als Grundausbildung?!?!?


    Sorry, wenn Du das als Nebenkriegsschauplatz siehst, aber Du hast die These aufgestellt, dass die heutige Gesangsausbildung "nicht den Anforderungen entspricht", und dem muss ich einfach widersprechen.


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Carola


    Vor allem für Altistinnen ist es zurzeit sicher keine gute Idee, sich ausgerechnet auf Alte Musik zu spezialisieren, die ja zum großen Teil geistliche Musik ist und mit Altisten besetzt wird. Aber auch da habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass diese Altus-Mode bald wieder abebbt. Ob mit oder ohne Vibrato, ist mir dabei ziemlich egal


    Mit Gruß von Carola


    Das hoffe ich auch. Leider sind richtige Altistinnen rar und auch nicht unbedingt im Opernbetrieb außerhalb der Barockoper gefragt (die einschlägigen Rollen sind überschaubar). Und dann nimmt man ihnen auch noch die Oratorien weg.....
    Denn - bei aller historischen Praxis, wie auch immer sie ausgesehen haben mag - "Schlafe mein Liebster" möchte ich von einer schönen, warmen Frauenstimme hören.... Und gerade bei dieser Arie mit ihren langen Haltetönen am Anfang erscheint mir eine gerade Stimme eher markerschütternd denn beruhigend.


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Hildebrandt


    Bleibt folglich die Frage, warum sich kaum jemand auf die Gesangsschulen der Zeit gestürzt hat und analog zur instrumentalen Welt eine Gesangskultur und -ausbildung entwickelt hat, die den Anforderungen auch wirklich entspricht.


    Weil dem Sänger eben nur EIN Instrument zur Verfügung steht, mit dem er seinen Lebensunterhalt verdienen muss. Ich unterstelle jetzt einfach mal (und lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen), dass ein Geiger zwischen den Spieltechniken und Instrumenten problemlos wechseln kann, indem er einfach mal das "Arbeitsgerät" austauscht.
    Das geht beim Instrument Stimme natürlich im Bereich der Technik nur eingeschränkt und im Bereich des "Arbeitsgeräts" überhaupt nicht.


    Wer sich also als Sänger auf alte Musik beschränkt, nimmt sich einen großen Teil der Verdienstmöglichkeiten. Und das Geschäft ist auch so schon hart genug :wacky:


    Und wer bestimmt eigentlich die Anforderungen? Du schreibst ja selbst, das Publikum ist anscheinend nicht wirklich unglücklich damit, dass Stimmen mit Vibrato auch Barockmusik singen.... Und ich wiederhole gerne - jeder halbwegs musikalische Sänger wird Bach anders singen als Verdi - auch mit Vibrato! Die Musik holt sich die Stimme, die angemessen ist, schon selbst.


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Hildebrandt


    Wer hat hier was verurteilt?


    Nun ja, Formulierungen wie "jammervolle Praxis des Dauerschwankens", "Fliegeralarm", "gejodelt, dass man den notierten Ton nur noch erahnen kann" und "Brutstätten der Sangeskunst" lassen nicht gerade auf eine wertneutrale Betrachtung des Themas schließen....


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von miguel54


    Ich habe hierüber noch einmal nachgedacht und bemerkt, dass für mich die Frage nach der "Wärme" oder "Kälte" einer Stimme sich nach der Klangfarbe richtet, dem Timbre, und nicht nach dem Einsatz von Vibrato.


    Da muss man entgegnen, dass Timbre und Vibrato nicht voneinander zu trennen sind.... Und das sagen nicht nur Gesangslehrer, sondern auch Phoniatriker.
    Das Vibrato schafft nunmal einen komplexeren Ton, der für das Ohr in der Regel aufgrund der mitschwingenden Harmonien angenehmer klingt.


    LG
    Rosenkavalier

    Wenn mich nicht alles täuscht habe ich aus dieser Reihe den Don Giovanni (Allen, Gruberova, Murray, Araiza). Schön gesungen, aber null Inszenierung oder Personenführung. Der Tod des Komtur ist sogar (unfreiwillig) komisch....


    LG
    Rosenkavalier

    Mal sehen, was das Theatre de la Monnaie so zu bieten hat....und ob ich den Wegfall des Luxus' dreier Opernhäuser verkraften werde :wacky:


    Wie F.Q. hoffe ich auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Berliner Ensemble und natürlich auf viele schöne Konzerte mit ihr (das erste ist ja schon am 13.1.). Ich will mein Repertoire im Hinblick auf Lied und Operette erweitern und weiterhin an meiner Stimme arbeiten (man lernt ja schließlich nie aus).


    Beim CD-Kauf öfter mal die Oper links liegen lassen, mehr nach Instrumentalstücken schaun und den einen oder anderen durch Tamino kennengelernten Komponisten näher betrachten.


    F.Q. versuchen, Wagner und Strauss schmackhaft zu machen... :D


    Am 1. Januar gebe ich mir gleich mal Beethovens Neunte unter Barenboim in der Staatsoper (Anna Samuil, Simone Schröder, Burkhard Fritz, Rene Pape) und an Pfingsten die volle Barenboim-Dröhnung mit einem Konzert in der Philharmonie (Mozart Klavierkonzert B-Dur KV 595, Bruckner Sinfonie Nr. 8 c-Moll), Busonis Dr. Faust, Don Giovanni und Tristan und Isolde. Da muss dann Brüssel mal vier Tage auf mich verzichten.....


    LG
    Rosenkavalier

    Frisch gekauft:



    Music for compline mit dem Vokalensemble stile antico


    Kompositionen englischer Komponisten des 16./17. Jhd. für die Komplet, die letzte Hore des Tages, eine Form des Nachtgebets.


    Mir hat bereits das erste Stück die Tränen in die Augen getrieben. Wunderschöne Musik - wunderbar gesungen, schwungvoll und innig zugleich. Das Ensemble stile antico gilt derzeit als eines der interessantesten Vokalensembles für Frühe Musik.


    Das Booklet informiert interessanterweise auch über das historische Umfeld der Komponisten, die in den schweren religiös-politischen Wirren des damaligen England leben und arbeiten mussten.


    Wer sich für Vokalmusik des 16./17. Jhd. interessiert oder sie kennen lernen möchte - KAUFEN!


    LG
    Rosenkavalier


    Nachmeldung? Stand irgendwo eine Deadline? Sollte ich die übersehen haben?!


    Ich singe Eboli in italienisch und find's schön - also - mach nur!!! Auch wenn ich dann nicht als Don Carlos Spezialistin gezählt werde ;( .


    LG
    Rosenkavalier

    Dann ich jetzt...



    Nabucco 3
    Macbeth 8
    I masnadieri 5
    Rigoletto 7
    Il Trovatore 8
    La Traviata 6
    Simon Boccanegra 10
    Un ballo in maschera 5
    La forza del destino 9
    Don Carlo 10 (wobei ich die fünfaktige Version vorziehe, franz.oder it. ist egal)
    Aida 5


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Alviano



    Zu Beginn sitzt vorne rechts ein Mönch, der einstmals Kaiser Karl V. war und liebkost seine Krone. Links sieht man Elisabetta in einem flammendroten Kleid, im Gesicht Unsicherheit und Angst. Im Hintergrund ihr Ehemann, Filippo II., der seine Frau betrachtet. Eboli, ganz in weiss (wie alle anderen Hofdamen auch, in Phantasiekostümen, die spanisches nur als Zitat integrieren) mit schwarzen Schuhen und Strümpfen, wird Elisabeth dieses rote Kleid aus- und ein strenges, schwarzes Kleid, sowie eine schwarze Halskrause anziehen: Elisabeth wird zu einer Gefangenen. Ihr Ehemann, mit einer kühl-sadistischen Ausstrahlung, führt die Gattin hinaus.


    Das "Umziehen" der Königin (oder ist es schon ein "Umerziehen"?) scheint ein beliebtes Bild bei den Regisseuren zu sein. Es findet sich auch in der Inszenierung von Luc Bondy am Theatre du Chatelet...


    LG
    Rosenkavalier

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    Original von Rideamus


    Typisch für Chabrier ist allerdings der humorvolle Ton, der das Ganze durchdringt - vor allem wenn im Finale die Motive einander hetzen.


    Ein orchestrales Prachtstück, das nicht von ungefähr zu den bewährtesten Schlachtrössern großer und weniger großer Orchester und Dirigenten zählt. Chabrier wird übrigens auf dessen rauschaften Charakter in seiner, vier Jahre später uraufgeführten, Oper LE ROI MALGRE LUI, diesmal mit einem polnischen Setting, wieder zurückgreifen.


    Ich habe die Espana gestern das erste Mal gehört und die kachelt - um mal die Worte eines nicht ganz so berühmten Comichelden zu verwenden.


    Zum von Rideamus angemerkten humorvollen Ton will ich Euch nicht meinen Eindruck über die Bläsereinsätze vorenthalten: Mir drängte sich sofort das Bild auf, dass die Bläser jedes Mal an der falschen Stelle einsetzen und vom Dirigenten sofort wieder abgewunken werden - nach dem Motto "Nein, jetzt noch nicht"....


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Rideamus


    Er hat nicht nur die SUOR ANGELICA (nomen est omen) als Engel auf Erden vertont, denn diese wurde von ihrem unehelichen Kind getrennt, das verstarb ohne je seine Mutter gekannt zu haben. Aus Kummer begeht sie Selbstmord und wird im Himmel von Maria UND EINEM ENGELSCHOR mit ihrem Kind vereint. Bravissima. Ich hatte das völlig vergessen.


    Nicht nur das - sie stellt sich in der Arie "Senza mama" ihr totes Kind auch als Engel im Himmel vor (Tu qui sei un angelo nel cielo).


    Cara F.Q., Du solltest Dir den Tannhäuser doch irgendwann einmal antun - oder Dir zumindest die Arie "Allmächtge Jungfrau" anhören, aus der die von Zwielicht zitierte Textpassage "Mach, daß ich rein und engelgleich eingehe in dein selig Reich!" stammt. Großartige Musik!! Ich kann sie am Wochenende ja mal mitbringen :D...


    LG
    Rosenkavalier


    Hallo Hildebrand,
    ich tue mich etwas schwer mit der Bezeichung "Restriktion".
    Wenn jemand sich auf das Singen von Alter Musik spezialisieren will, dann kann er dies doch durchaus machen. Es wurde ja zu Recht darauf hingewiesen, dass es hierfür Fachbereiche an den Universitäten oder Konservatorien gibt. Und ich denke, der Markt für solche Stimme ist auch da. Aber es wird eben ein Spezialgebiet bleiben. Warum sollte sich daher die "Grundausbildung" daran ausrichten? Wenn Pianisten (stattl. geprüfte) Liedbegleiter werden wollen, müssen sie doch auch ein Aufbaustudium absolvieren.....
    Und eine Gesangsausbildung ist sicher kein "enges Konstrukt", sondern wird sich - wenn sie verantwortungsvoll ausgeführt wird - immer an den Fähigkeiten des Stimmmaterials orientieren.
    Auf keinen Fall würde ich die Freude der Zuhörer an und den Wunsch nach einer frei schwingenden Stimme als "bestehende konservative Paradigmata klassischen Singens" bezeichnen. Wie überall, wo ein Produkt verkauft werden soll, ist nunmal Angebot und Nachfrage zu beachten....


    LG
    Rosenkavalier