Beiträge von Rosenkavalier

    Zitat

    Original von jaaan


    Gibt es irgendwo in diesem Weltweiten Netz umsonst ein Libretto in
    Französischer (vielleicht auch ins Deutsche übersetzt) Sprache???
    Weiss das wer???


    Oder hier:


    "http://www.opera-guide.ch/opern_komponisten.php?uilang=de&first-letter=S"


    LG
    Rosenkavalier


    Das merk ich mir :evil:


    Ich werde dann jetzt jeden Tag mindestens zwei CDs aus meinen Neuerwerbungen in "Was höre ich gerade" posten. Vielleicht auch mehrmals hinter einander, weil da ja durchaus mir bislang völlig unbekannte Werke dabei sind.
    Dann werde ich aus den zwei Opern-CD jeweils Beiträge zu "auf den Leib komponiert" schreiben - hach - und dann hab ich ja auch noch die Callas-Box :D. Dann könnte ich noch einen eigenen Thread aufmachen zu den "geklauten" Pergolesi-Motiven in Stravinskys Ballett "Pulcinella". Wobei das Thema des Motiv-"Diebstahls" ja auch gut in die "Genie-Diskussion" passen würde. Und dann kann ich bestimmt auch noch viel Schlaues zu Wunderlich erzählen - wird ja immer wieder gerne genommen...
    Ach - und dann hab ich ja noch Schütz - da fällt mir beistimmt was zum vibratolosen Barockgesang ein.


    :baeh01:
    Rosenkavalier
    (lernfähig!!)


    Und ich Trottel hab meine 15 Samstag-Vormittag-Dussmann-Schäppchen alle in einem Post "Heute gekauft" zusammengefasst - so komme ich nie auf 1.000 Beiträge.... :wacky: PW - muss ich mir merken :yes:


    ;)
    Rosenkavalier

    Ich lese gerade ein Buch von Jean Starobinski "Die Zauberinnen - Macht und Verführung in der Oper", in der u.a. Melchior Grimm zitiert wird:


    "Die Äußerungen der Musik [...] gehen unmittelbar zu Herzen, ohne sozusagen durch den Verstand zu passieren und erzeugen Wirkungen, die jeder anderen Sprache fremd sind, und selbst das Ungefähre, das die daran hindert, ihren Akzenten die Genauigkeit der Rede zu geben, vertraut unserer Einbildungskraft die Sorge der Deutung an und lässt sie eine Herrschaft spüren, die keine andere Spräche über sie auszuüben vermöchte."


    Der Autor führt dies mit weiter:


    "Die Musik bewirkt emotionale Verstärkung."
    "Die Musik hat den Vorzug, die Gemütsbewegung bis zu ihrer höchsten Stufe zu tragen - wozu die erhabenste Dichtung nicht imstande ist. Sie ist ein von Wörtern befreiter Superlativ"


    Die o.a. Zitate finden sich im Kapitel über Mozarts Don Giovanni, sind also sicher nicht unbedingt an der Frage "Vertonung von Gedichten" orientiert.


    Trotzdem findet sich in meinen Augen etwas wieder, was ich auch so empfinde. Gesungene Sprache spricht mich gewöhnlich emotionaler stärker an als gesprochene Sprache.


    LG
    Rosenkavalier

    Gestern Abend hat mir mein Opern-Abo Vittorino Gnecchis „Cassandra“ und Richard Strauss' „Elektra“ an der DOB beschert.


    Gnecchis „Cassandra“ wurde 1905 unter Toscanini in Bologna uraufgeführt und im Nachgang zur vier Jahre später uraufgeführten „Elektra“ rühren sich Stimmen, die Strauss vorwarfen, bei Gnecchi „geklaut“ zu haben.
    Nun gab es diese beiden thematisch verknüpften Stücke an einem Abend in der DOB.


    Musikalische Leitung: Leopold Hager
    Inszenierung: Kirsten Harms
    Bühne, Kostüme: Bernd Damovsky


    CASSANDRA
    Oper in zwei Akten mit einem Prolog von Vittorio Gnecchi
    Libretto von Luigi Illica und Vittorino Gnecchi


    Agamennone: Gustavo Porta
    Clitennestra: Susan Anthony
    Cassandra: Malgorzata Walewska
    Egisto: Piero Terranova
    Il Prologo: Alfred Walker



    ELEKTRA
    Tragödie in einem Akt von Richard Strauss
    Dichtung von Hugo von Hofmannsthal


    Klytämnestra : Jane Henschel
    Elektra : Jeanne-Michèle Charbonnet
    Chrysothemis : Manuela Uhl
    Aegisth: Reiner Goldberg
    Orest: Alfred Walker


    „Cassandra“ fand fast ausschließlich im vorderen Bühnenbereich vor einer goldfarbenen Wand statt. Der Chor war im ersten Rang bzw. auf Stegen an der Seite des Orchestergrabens platziert. Kostüme waren „jetzt-zeitig“.
    Musikalisch fand ich das Werk insgesamt enttäuschend. Es ist überhaupt nicht zu erkennen, wo die Musik hin will. Es klingt nach Stückwerk, völlig uninspiriert. Einzig die Auftrittsszene Agamemnons erschien mir musikalisch schlüssig. Da steht ein kriegsmüder Mann, der sich sehnlichst Frieden und die Rückkehr zu seinen Kindern und seiner Frau wünscht. Gustavo Porta konnte dies mit kraftvollem, aber auch zu zarten Tönen fähigem Tenor überzeugend rüber bringen.
    Susan Anthony nimmt man ihre Klytemnästra leider weder stimmlich noch darstellerisch ab. Die Stimme ist eher klein und es waren KEINERLEI Klangschattierungen zu hören, einfach nur eine Partie, mit der sie meiner Meinung nach stimmlich überfordert war, runter gesungen. Umso unverständlicher die Bravorufe für sie… :no:
    Die Entdeckung des Abends – die Cassandra Malgorzata Walewskas. Schon ihr erstes Erscheinen mit dem Schrei „Sangue“ lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Mit ihrem umfangreichen, in allen Lagen präsenten Mezzo zeigt sie, dass das Orchester doch nicht zu laut spielt (diesen Eindruck konnte man bei den Auftritten von Susan Anthony und insbesondere Alfred Walker, die über lange Strecken kaum zu hören waren, schon haben). Ihre große Arie ließ die Zuhörer die komplette Seelenpein der Seherin nachvollziehen. Sie wurde zu recht vom Publikum gefeiert.
    Kirsten Harms gönnt dem Werk nicht wirklich eine Inszenierung. Die Szene zwischen Klytämnestra und Aegisth, in der er ihren Hass auf Agamemnon anstachelt, indem er sein Fortgehen vortäuscht, ist aufgrund der darstellerischen Schwächen wenig glaubwürdig (warum Aegisth ständig die Hände in den Hosentaschen hat, erschließt sich mit auch nicht :rolleyes: ). Sehr anrührend jedoch die Szene, in der die kleine Elektra versucht, ihren Vater von ihrer Mutter fern zu halten.
    Am Ende des rund 50minütigen Stückes öffnet sich der Bühnenraum und der ermordete Agamemnon wird auf den Hinterhof des Palastes geworfen – vor die Füße von Cassandra, Elektra sieht dies mit an.


    In diesem Bühnenbild geht es dann nach der Pause mit Elektra weiter, der Boden ist knöcheltief mit schwarzem Sand bedeckt, man sieht Teile eines Gerippes (Agamemnon?). Elektra liegt halb begraben im Sand, um ihrem toten Vater nahe zu sein. Auch das Beil, das Klytämnestra in "Cassandra" ständig hinter sich herschleppt, taucht wieder auf.
    Diesmal interagieren jedoch wenigstens die Beteiligten mit größerer Begeisterung, insbesondere die Duettszenen wirken sehr intensiv (Elektra/Chrysothemis, Elektra/Klytämnestra). Die „Lebenden“ sind in schwarz gewandet, die Toten in Weiß. Ich hab’s aber erst kapiert, als Elektra zum finalen Tanz ihre schwarze Strickweste, die sie über dem weißen Kleid trug, auszog. Orest ist gekleidet wie zuvor sein Vater Agamemnon in „Cassandra“ und nach dem Mord an der Mutter und deren Liebhaber auch ebenso blutüberströmt.
    Sängerisch sind Michaela Uhl und Jane Henschel hervor zu heben. Michaela Uhls Crysothemis beeindruckt mit schöner, durchschlagkräftiger Stimme, deren Wunsch nach „Weiberschicksal“ und deren Liebe zur Schwester man ihr jeden Ton abnimmt. Ich würde mir allerdings Gedanken über die Besetzungspolitik machen, wenn die Sängerin der Crysothemis eine größere Stimme als die der Elektra hat. Die Stimme lässt aufhorchen und ich bin gespannt, welche Partien sie in 10 Jahren singen wird.
    Jane Henschel spielt als Klytämnestra alle Farben aus, die diese beeindruckende Partie beinhaltet; und das sind nicht wenige. Imposant ihre Erscheinung mit schneeweißer Perücke und knallrotem Federumhang.
    Jeanne-Michèle Charbonnet wurde als erkältet angekündigt. Dies mag die nicht allzu große Durchschlagkraft der Stimme an diesem Abend erklären, aber nicht das selbst für mich unerträgliche Wabbern der Stimme. Sie präsentierte genau das, was ich unter Quintenschleuder verstehe! Aber – auch hier wieder Bravo-Rufe…. :wacky:
    Burkard Ulrich und Alfred Walker brachten eine solide Leistung, bei Ulrich ist die überragende Textverständlichkeit hervor zu heben.
    Musikalisch muss ich für mich eingestehen, dass ich das Werk erst etwas ab dem Erscheinen von Orest genießen konnte (mal abgesehen von der 1. Duettszene Elektra/Crystothemis). Vorher sprach mich die Musik nicht an – es war aber auch meine erste Begegnung mit Elektra.
    Am Schluss tosender Applaus (m.E. etwas übertrieben) und – wie gesagt – unverständliche Bravo-Rufe für die Sängerin der Elektra.


    Drei Stunden griechische Tragödie mit dieser Art von Musik sind schon ziemlich anstrengend....


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Antracis


    Allerdings gehe ich mit Kestings Ansicht konform, dass beispielsweise schon ein acurat gebildeter, schöner und/oder charakteristischer Ton einen Akt der musikalischen Interpretation darstellt.


    Aus meiner Sicht benötigt dies eine Präzisierung:
    Die Fähigkeit, einen Ton akkurat zu bilden, ist Grundvoraussetzung, BEVOR man überhaupt an Interpretation denken sollte. Nur wenn die Tonbildung von selbst läuft kann man sich frei machen um Klangnuancen herauszubilden.
    Ein schöner Ton ist nur dann Interpretation, wenn er als Stilmittel gewollt ist. Auch unschöne Töne können Interpretation sein.
    Unter der Charakteristik eines Tons würde ich wiederum das Timbre des Sängers / der Sängerin verstehen.....


    Zitat

    Original von Antracis
    Interpretationen haben immer eine technische Grundlage.


    Sprich, ein Sänger ohne Technik wird nie Singen können, und auch ein Sänger mit schlechter Technik wird sein Publikum nicht überzeugen können.


    Dem würde ich von meiner Warte aus voll zustimmen - allerdings erkennt das Publikum nicht immer technische Mängel. Ich habe schon Bravorufe gehört für Sängerinnen, die keinen einzigen der Spitzentöne ihrer Partie tatsächlich erreicht haben.....und eben in der Elektra gab es Bravorufe für eine typische "Quintenschleuder" (vermutlich, weil sie als erkältet angesagt war :wacky: ).


    Zitat

    Original von Antracis
    Ein Sänger braucht also die Technik, um seine Interpretation zu realisieren.
    Der Einsatz von Klangfarben und dynamischen Schattierungen steht da auf dem selben Niveau, wie eine halsbrecherische Koloratur.


    Nicht ganz d'accord. Ich behaupte mal, jede Stimme hat die Anlage, Klangfarben zu bilden, aber nicht jede Stimme kann halsbrecherische Koloraturen singen. Das hat etwas mit dem Ansprechen der Stimmbänder zu tun, das nicht bei allen Sängern gleich ist und auch nicht bis ins letzte trainiert werden kann. Was Koloraturen angeht, gibt es Begabungen und Nichtbegabungen.


    Zitat

    Original von Antracis
    Es ist mir nur wichtig das zu betonen, weil ich es schade fände, wenn man das Singen an sich auf das Timbre und einen nicht weiter zu fassenden Zauber reduziert.


    Um Himmels willen, wer macht denn sowas?



    LG
    Rosenkavalier

    Ich persönlich finde es etwas schwierig, so unterschiedliche Stimmtypen wie Domingo und Florez zu vergleichen. Ich vergleiche ja auch nicht Jessye Norman mit Edita Gruberova oder Cecilia Bartoli mit Agnes Baltsa. Auch wenn die Einteilung der Fächer nur bei den Sopranen konsequent durchexerziert wird (zumindest in der Nach-Callas-Ära ;) ), unterschiedliche Fächer gibt es auch in allen anderen Stimmgruppen. Mir Domingo mit Rossini vorzustellen, fällt schwer - genauso wie Florez als Verdi-Tenor.
    Beide Stimmen haben ohne Zweifel ihren Reiz, wobei ich mir auch eher bei einem baritonal gefärbten Tenor "die Kleider vom Leib reißen würde" (dies natürlich nur bildlich gesprochen....). Es ist auch klar, dass verschiedene Stimmtypen mehr oder weniger geläufige Gurgeln haben und dass dem einen das hohe C besser gelingt als dem anderen. Daran sollte man aber die Qualität einer Stimme nicht festmachen. Wenn das eine oder das andere nicht klappt, kann man lediglich Zweifel ob der Rollenwahl äußern.


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Alviano


    Nochmal einen Satz zum Autodafé: ich bin gegen jede Verharmlosung dieser Szene – und als solche begreife ich vor allem diese Unterwerfungsnummer der Bilderbuchketzer. Wir wohnen hier der Verbrennung von Menschen bei, die nicht der Norm entsprechen, deren einziges Verbrechen es ist, anders als der Mainstream zu sein, die das vermeintlich falsche glauben und sagen. Das ist eine Szene von unglaublicher Brutalität, die es nicht verdient, verschenkt zu werden.


    Hierzu fällt mir eine Diskussion ein, die ich mit meinem Sitznachbarn anlässlich meines ersten Besuches im Don Carlos an der Staatsoper hatte (mittlerweile hab ich die Inszenierung schon dreimal gesehen). Hier werden die Ketzer nackt an den Füßen gebunden mit Stricken nach oben gezogen, die Augen mit Klebeband verbunden. Die Körper sehen nach sehr viel Dreck und Blut aus, ab und zu bekommen sie von vorbeigehenden Priestern und Henkersknechten Tritte. Dieweil sitzt die königliche Familie beim Essen.
    Mein Sitznachbar war entsetzt, wie man eine derartige Brutalität auf die Bühne bringen könnte, gepaart mit der Kaltblütigkeit einer Familie am Mittagstisch. OK - Mitte 2004 gab es im Fernsehn auch Bilder von entführten und hingerichteten Soldaten im Irak - dieser Assoziation konnte man sich insbesondere angesichts des Klebebands nicht verschließen. Das hat sicher zur Empörung beigetragen und es gab auch spontan wüste Buh-Rufe.
    Mein Argument, er solle sich doch mal ins Bewusstsein rufen, dass die Ketzerverbrennungen tatsächlich eine zutiefst brutale Angelegenheit - und teilweise Volksfeste - waren, brachte ihn jedoch ganz offensichtlich zum Nachdenken....


    LG
    Rosenkavalier

    @F.Q., Gio:
    Es geht doch überhaupt nicht darum, dass das eine besser als das andere sein soll. Natürlich "darf" man auch einfach mal "unbelastet" von den Ideen eines Regisseurs schwelgen.


    Aber: Was hier bemängelt wird ist die Argumentation, mit der diese Haltung untermauert werden soll! Gerade den Don Carlos auf ein Historiendrama zu reduzieren halte ich persönlich für unzulässig. Am besten hat es severina ausgedrückt:


    Zitat

    PS: Das heißt jetzt nicht, dass eine konventionelle Inszenierung von DC absolut unzulässig wäre, aber bitte nicht mit dem Argument: "Mehr ist in dem Stück halt nicht drin!"


    Frankfurt ist übrigens auch nicht unbedingt musikalische Provinz. Ich habe dort durchaus schon sehr gute bis überragende Sängerinnen und Sänger gehört.


    Zitat

    Original von gioachino
    Wir haben zudem festgestellt, dass aktive Musiker, in unserem Fall " nur " Sänger, sich bereitwilliger von einem Projekt wie dem Frankfurter Don Carlo verzaubern lassen als überaus anspruchsvolle " Nur - Konsumenten "
    (Rosenkavalier zählt nicht, weil sie die Aufführung nicht gesehen hat)Übrigens ist es für eine Sängerin, einen Sänger, ein Labsal, weder im Liegen, auf dem Kopf stehend, nach hinten, noch beim Klettern, hüpfend oder gar rennend zu singen.


    Ich werde mir trotzdem erlauben, weiter mit zu diskutieren, solange es sich um allgemeine Fragen handelt :boese2:
    Und eine Abqualifizierung der Mitdiskutanten auf "Nur-Konsumenten" finde ich auch nicht gerade die feine englische Art......


    Ohne Frage ist es schöner, stehend an der Rampe zu singen - aber zwischen Rampensingen und akrobatischen Übungen gibt es ja zum Glück eine Menge Spielraum.


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von gioachino


    Vorhin nahm ich das Opernglas Nr. 11 aus dem Briefkasten - und siehe da :
    "....bei den vielen musikalischen Dialogen zwischen den Protagonisten arbeitete
    er....akribisch deren Seelenzustände heraus, sodass die Zuschauer sie in klare Beziehung zueinander setzen konnten.
    McVicar hatte offenbar erkannt, dass die äußerliche Übertragung des historischen Stoffes in unsere Gesellschaft mit ihren völlig anderen Machtstrukturen keinen Sinn ergeben hätte.
    Und die Verlegung in andere Zeiten oder auf andere Kontinente würde der Geschichte um den eisigen König Philipp II., seinen Sohn Carlos und Elisabeth von Valois, die zwischen ihnen aufgerieben wird, ebenfalls keine weiteren Bedeutungsebenen öffnen...." ( J. Schmitz )


    Aber gerade die Seelenzustände machen doch die Oper so zeitlos! Gab es denn gestörte Vater-Sohn-Verhältnisse, Zwangsehen, Eifersucht, Machtpolitik, die Verfolgung Andersgläubiger und und und nur im 16 Jhd.?
    Ich finde schon, dass die Verlegung in andere Zeiten weitere Bedeutungsebenen öffnet. Und wenn sie nur den Effekt erzielt, dass die Leute erkennen, dass in der Oper mehr steckt als schön anzusehende Kostüme und schöne Musik.


    Liebe Severina,
    ich kann Dir nur aus vollem Herzen zustimmen!


    LG
    Rosenkavalier


    Die Exequien sind bei mir schon fest eingeplant für heute abend. Mal sehen, ob ich noch irgendwo die Noten dazu haben...


    LG
    Rosenkavalier

    Mein Kalender sagt mir, dass heute der 335. Todestag Heinrich Schütz' ist. Nicht gerade ein Jubliäum, das man üblicherweise feiert, aber für mich ein Grund, meine Erfahrungen mit Schütz zu reflektieren.


    Wenn ich mich recht erinnere, war meine erste Begegnung mit Schütz seine Vertonung von "Selig sind die Toten" - ein Werk, das mich im Alter von 15 schon beeindruckt hat.
    Viel später kamen dann seine "Musikalischen Exequien", "Verleih uns Freiden" und das "Deutsche Magnificat" dazu.


    An Schütz fasziniert mich die schlichte Schönheit seiner Musik und mit welch "einfachen" Mitteln er Stimmungen erzeugt.
    Angesichts der zeitlichen Umstände und des persönlichen Schicksals von Heinrich Schütz wundere ich mich immer über die doch eher zuversichtliche Grundtendenz seiner Musik. Nicht, dass er nicht auch "verstörende" Momente hätte, aber irgendwie löst sich dies immer wieder auf.


    Zu meinem großen Entsetzen habe ich festgestellt, dass ich viel zu wenig Schütz-CDs besitze - das muss ich schleunigst ändern ;)


    LG
    Rosenkavalier


    Ne, lass mal... 8o. Mich würde lediglich die Essenz interessieren... Spielte das Vibrato bei der damaligen Sängerausbildung ein Rolle? Hat man es gefördert oder eher versucht zu unterdrücken? Oder wird es gar nicht thematisiert?


    zu Storgè: Die Rolle erfordert eine extreme Zerissenheit, Verzweiflung pur, die Frau ist völlig am Ende, erst zieht ihr Mann in den Krieg und dann soll ihre Tochter geopfert werden (mir wurde damals gesagt, ich soll mir beim Singen nicht Händels Storgè sondern Strauss' Klytämnestra vorstellen...). Ich kann mir diesen Ausdruck bei einer geraden Stimme schwer vorstellen...
    Und was die Altpartie im WO angeht - da fehlt mit bei einer geraden Stimme die Wärme. Aber - das sind natürlich alles nur persönliche Empfindungen.


    LG
    Rosenkavalier


    Kurz OT, aber die Bemerkung kann ich mir nicht verkneifen:

    Zitat

    Dann wären amerikanische Polizeisirenen die Verheißung schierer Wollust.


    Manchen Uniformierten scheint es so zu gehen........


    Hallo Hildebrandt,
    steht denn in der Arbeit auch irgend etwas zu dem Thema, ob es sich dabei überhaupt um ausgebildete Stimmen handelte bzw. über die damaligen "Gesangsschulen"?


    LG
    Rosenkavalier

    Kleine Geschichte zum Thema Husten:


    Vor vielen vielen Jahren "musste" ich als Schülerin mal in eine Ein-Personen-Stück. Auf der Bühne der großartige Bernhard Minetti. Gleich nach seinem Auftritt fing in den ersten Reihen ein Herr an, laut und beständig zu husten. Minetti hat sich dann an den Bühnenrand gestellt und laut mitgehustet... Er hatte damit die Lacher auf seiner Seite und ich wette, dem hustenden Herren war das oberpeinlich.


    Ich persönlich finde es ehrlich gesagt schlimmer, wenn noch vor dem Schlussakkord eines Stücke applaudiert wird. Da geht doch die ganze Spannung flöten...


    Und warum husten oder räuspern sich die Leute eigentlich vornehmlich an den leisen Stellen oder in den Pausen? Ich hab mal gehört, das wäre auch eine Reaktion, weil diese Leute die Spannung eine Pause nicht aushalten.... ?!?! (ich sehe gerade, Marc hat sich das auch schon gefragt..).


    Noch ein kleiner Ausflug ins Ausland:
    Wenn Ihr Euch über Huster aufregt, dann geht mal auf die billigen Plätze der MET. Es ist dort völlig normal, dass alle Gäste mit vollem Gepäck, also Mäntel, Taschen, Rucksäcke, reinkommen. Da wird fleißig während der Vorstellung drin rumgekruscht, es wird geredet, es wird dem Vordersitzer ins Kreuz getreten und geklatscht wird auch an den unmöglichsten Stellen....


    LG
    Rosenkavalier

    Eponine hat das Wichtigste ja schon gesagt, aber da Hildebrandt gerne noch mehr Stimmen aus der Praxis hätte, gebe ich gerne meine Einschätzung und Erfahrung wieder...


    Das Vibrato ist ein natürlicher Bestandteil der frei agierenden Gesangsstimme. Die Anlage sollte vorhanden sein und ein stabiles, die Tongebung unterstützendes Vibrato bildet sich im Verlauf des Gesangsunterrichtes normalerweise heraus. Hierzu muss nichts separat gelehrt werden - es bildet sich eben, oder - bei manchen Stimmen - bildet es eben nicht oder nur sehr schwach. Wobei hierbei sicher auch psychologische Gründe eine Rolle spielen können, wenn jemand sich dagegen sperrt, weil er/sie vielleicht schon mal mit dem Begriff "Quintenschleuder" konfrontiert wurde und auf KEINEN FALL so werden will.


    Vibrato unterdrücken ist auf jeden Fall auf Dauer schädlich für die Stimme, das wäre, als ob man einem Läufer ständig ein Bein hochbindet...
    Als Stilmittel sollte es allerdings jeder Sänger beherrschen.
    Normalerweise "holt" sich die Musik auch die Stimme, die sie braucht - sofern Sänger/in annähernd musikalisch sind :D . Dann klingt Barock automatisch nicht wie Verdi - und das ist auch gut so....


    Ich persönlich mag vibratoarme Stimmen nicht, weil sie oft scharf oder gar "quäkig" klingen.


    Auch sollte man - da bin ich ganz bei orlando - nicht alle Barockwerke über einen Kamm scheren. Die wunderschönen Alt-("Liebes-")Arien in Bachs WEihnachtsoratorium oder auch die dramatische Rolle der Storgè in Händels Jephtha kann ich mir mit einer vibratolosen Stimme überhaupt nicht vorstellen. Da fehlt Klang, Wärme, Farbe, Wut, Schmerz usw. usw.


    LG
    Rosenkavalier

    Ein schüchterner Versuch meinerseits :O


    Don Carlos


    Zu Fontainebleau im Wald
    da war es dunkel und kalt
    Don Carlos erwärmte das Herz
    Elisabeths - stilvoll im Nerz
    und wurde dann nicht mehr sehr alt...


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Alviano


    Hallo Elisabeth, hallo severina


    möglicherweise irre ich mich - ich weiss auch, warum sich mir dieser Eindruck festgesetzt hat: die Höhe von Barbara Schneider-Hofstetter ist hörbar das Ergebnis harter Arbeit.


    Lieber Alviano,
    ich habe Barbara Schneider-Hofstetter vor einigen Jahren in verschiedenen Rollen des dramatischen Sopranfachs gehört und gesehen (Fidelio, Senta, Giorgetta). Sie hat in Wiesbaden wohl auch Lady Macbeth gesungen. Im Mezzofach war sie aber meines Wissens nach nie tätig.


    Ich verstehe jedoch Deine Einschätzung, auch mir schien die Höhe sehr "erzwungen" zu sein. Kaum vorstellbar, dass sie auch Partien wie z.B. Turandot singt.


    LG
    Rosenkavalier


    Auch in meinen Augen ist Mendelssohns Schaffen für die Chormusik von herausragender Bedeutung. Wem die Dramatik fehlt, der soll sich z.B. den Dialog Elias-Witwe anhören, die schon erwähte Baal-Szene, oder die Tenor-Arie in der Lobgesang-Sinfonie, bei deren "Hüter, ist die Nacht dahin?" es zumindest mir den Schauer über den Rücken jagt. Oder die Motette "Warum toben die Heiden", in der sich zwei Chöre "giftige" Phrasen zuwerfen.
    Elias halte ich eh für eine Oper und nicht für ein Oratorium!
    Mendelssohns Motetten sind ein Genuss für jeden Sänger. Dramatik und Schönheit schließen sich in seinen Werken eben nicht aus. Herreweghe hat zu einer seiner Einspielungen von Mendelssohn Motetten folgenden Spruch geprägt: "Mitten im 19. Jhd. hatte er das Unglück, ein ausgeglichener Mensch zu sein. Sein Musik ist nicht Sublimation irgend einer Neurose, sondern spiegelt ganz seine Liebe zum Leben wider." Ist er deswegen ein "schlechterer" Komponist?!? Und hat nicht selbst Schumann über ihn gesagt: "Er ist der Mozart des 19. Jhd......"?!


    So, und jetzt lege ich den Elias in den CD-Spieler!!!


    LG
    Rosenkavalier


    Hallo Elisabeth,
    auf den Einspruch hab ich schon gewartet :hello:.
    Wobei ich finde, dass der italienische und der französische Text nicht allzu weit voneinander entfernt sind, oder?
    Ich kann jedenfalls in beiden die gleiche Intention finden.


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von severina
    Lieber Rideamus, leider kann ich nichts Erhellendes oder gar Hilfreiches zu deiner Problemstellung beitragen, dafür aber meinen ganz handfesten persönlichen Frust :( Ich habe mich heute den ganzen Nachmittag mit einer Inhaltsangabe zu Donizettis "Torquato Tasso" herumgeplagt, der mir nur in einem italienisch-englischen Libretto vorliegt. Nun ist mein Italienisch leider so lausig, dass ich nicht mehr als in groben Zügen "il senso" kapiere, andererseits aber doch so gut, dass ich mitkriegte, wie meilenweit die engl. Übersetzung teilweise vom Original abweicht. Also saß ich fluchend mit dem Wörterbuch da um einzelne Passagen, wo das Englische besonders weit abdriftete, mühsam zu übersetzen.
    Das scheint mir eben das Problem zu sein: Eine wortwörtliche Übersetzung vergewaltigt oft das Sprachgefühl (Siehe dein Beispiel), eine allzu freie verändert aber den Sinn - wo soll man also eine Grenze ziehen?????
    lg Severina :hello:


    Das Problem kenne ich, ich sitze dann immer mit dem italienischen Wörterbuch vor meinen Arien....
    Wo zieht man die Grenze? Das dürfte vermutlich Geschmacksfrage sein.
    Deswegen gebe ich jetzt mal hier ein Beispiel zur Diskussion frei, eine Passage aus der großen Eboli Arie:
    Original: O mia Regina, io t'immolai al folle error di questo cor.
    Meine Übersetzung (bitte Einspruch erheben, wenn ich total daneben liege!): O meine Königin, Dich opferte ich dem närrischen Irrtum dieses Herzens
    Übersetzung im Arienalbum: O, meine Herrin, nie kann ich büßen, was ich Dir getan, mir bricht das Herz.
    Diese Übersetzung ist ganz angenehm zu singen, aber drückt sie auch nur annähernd das aus, was im Original gesagt ist?


    Feuer frei.....


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Darauf wollte ich mit meiner, zugegeben etwas zu allgemein und theoretisch formulierten, Einleitung hinaus. Was ist wichtiger: ein sangbarer und möglichst gleichwertiger Text oder eine möglichst große Treue zum Original? Beides ist in der Regel nicht zu erreichen, obwohl es das oberste Ziel bleiben sollte.


    Das ist genau das Problem an der Sache. Sangbar muss es auf jeden Fall sein, sonst leidet der Gesamteindruck meines Erachtens mehr als wenn der Text nicht 100% den Originaltext darstellt. Es kommt darauf an, die musikalischen Höhepunkte auch im Text wieder zu finden, betonte und unbetonte Zeiten müssen beachtet werden. Die Grundintention des Stücks muss natürlich auch in der Übersetzung erhalten bleiben.


    Da ich Arien bisher fast ausschließlich in der Originalsprache gesungen habe, kenne ich keine guten Beispiele für Übersetzungen. Ich kenne nur ein ganz schlechtes, und das ist die Habanera. Gruselig - der Charakter des Stückes wird durch die Übersetzung völlig zerstört.


    Quadratur des Kreises ?!


    LG
    Rosenkavalier

    Hallo Peter,
    kommt da noch mehr zu dem Thema? Mich würde es nämlich interessieren, weil Reger einer der wenigen Komponisten ist, bei dem ich noch nicht entschieden habe, ob ich ihn mag oder nicht :wacky:


    Deswegen hab ich mich auch ein wenig schlau gemacht und dabei Stimmen gefunden, die das Gedicht nicht unbedingt für ein großes Werk halten und auch Regers Vertonung wurde zwiespältig aufgenommen.


    Interessant erscheint mir Regers Ausspruch, dass er die Nonnen als "katholisches Gegenstück zum protestantischen 100. Psalm schaffen wollte". Wie ist das aus Deiner Sicht zu verstehen? Ich kenne übrigens bislang keines der beiden Werke....


    LG
    Rosenkavalier


    That's it..... Zum Thema "Körpergeruch" hatte ich schon ziemlich üble Erfahrungen mit Opern- und Konzertbesuchern. Da führte sogar schon dazu, dass ich und meine Begleitung die teuer bezahlten Plätze im Parkett gegen den Seitenbalkon 2. Rang tauschten, weil wir sonst vermutlich in der Vorstellung ge :kotz:t hätten.


    Ich persönlich halte es so:


    Als Konzert/Opernbesucherin macht es mir Spaß, mich aufzubretzeln, ich sehe es aber nicht als Muss. Wenn ich keine Zeit vor der Vorstellung habe, weil ich mal wieder direkt aus dem Büro hinhetze, dann muss eben auch mal Jeans und Blazer reichen. Es ist mir auch völlig egal, wie die anderen Besucher aussehen (außer, sie tragen große Hüte oder hochtoupierte Haare und sitzen genau vor mir :motz: ).


    Eine Erwartung ggü. den Ausführenden von Konzerten habe ich im Grunde genommen nicht. Ich stelle aber bei mir selbst fest, dass mein Gesamteindruck getrübt ist, wenn die Kleidung nicht "stimmt" oder die Frisur irgendwie schäbig aussieht :untertauch:. Eigentlich ist das komisch, weil bei szenischen Aufführungen akzeptiere ich ja auch, dass die Primadonna notfalls im Kartoffelsack singt....


    Als aktive Sängerin lege ich sehr viel Wert auf mein Erscheinungsbild im Konzert. Überzeugt man optisch, hat man schonmal einen Punktevorsprung... :D


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von Rideamus
    [...] THE UNFORGIVEN (DENEN MAN NICHT VERGIBT) (1960) von John Huston mit Burt Lancaster, Audrey Hepburn (!!!), Audie Murphy und einer wunderbaren Lillian Gish auch viel Freude machen würde. Diese Geschichte um ein Indianermädchen, das von Weißen aufgezogen wurde und nunmehr von ihrem Stamm reklamiert wird, ist nämlich das Gegenstück zu THE SEARCHERS und gar nicht so viel schlechter als diees Meisterwerk. Definitiv noch ein Western für Leute, die Western eigentlich nicht mögen.


    Ha, ich wusste doch, dass ich in meiner Liste noch einen Western vergessen hatte. Ja, auch einer von den Filmen, die ich immer wieder sehen MUSS.....
    Hoch interessant ist hierbei die Wandlung des "kleinen Bruders", als er erfährt, dass seine Schwester ein Indianerkind ist. Er will seine Schwester hassen und zerbricht an diesem Hass im Grunde genommen selbst.


    LG
    Rosenkavalier


    Hallo Ekkehard,
    dann freut es mich, dass ich Dir eine Freude machen konnte :hello:


    LG
    Rosenkavalier

    Als relativer Beethoven-Neuling


    - zweimal Neunte "aktiv"
    - den Rest der Symphonien erarbeite ich mir gerade "passiv"
    - Fidelio (sowohl passiv als auch auszugsweise aktiv)


    fällt mir spontan die enorme Kraft ein, die in seinen Werken steckt, selbst in den leisen, ruhigen Passagen.
    Einige Sätze seiner Symphonien (insb. der zweite der Neunten) scheinen mich regelrecht in sich hinein zu ziehen. Schwer zu erklären....


    Vermutlich ist es das, was mich an seiner Musik fasziniert.


    LG
    Rosenkavalier

    Zitat

    Original von lohengrins
    Hallo Rosenkavalier,


    danke, dass Du für mich eingesprungen bist ;).


    Lieber Ekkehard,


    mein Einspringer galt nur der Begrüßung von rideamus im Fan-Club... :O - sorry, ich bin schonmal etwas ungestüm....


    Die Frage, was die Faszination ausmacht, habe ich allerdings an die Allgemeinheit gerichtet verstanden. Und der Film ist ist nunmal sozusagen eine "Herzensangelegenheit" von mir - da konnte ich nicht anders als sofort antworten.
    Es wundert mich eh, dass er nicht öfter genannt wurde. Ist er wirklich so unbekannt oder haben wir hier nur Fans von "richtigen" Western?


    LG
    Rosenkavalier

    Und wieder ein Komponist, den ich ohne Tamino vermutlich nie kennen gelernt hätte:



    Die "conte fantastique" nach Edgar A. Poes Erzählung "Die Maske des roten Todes" ist allerdings nichts für schwache Nerven - so zumindest meine Empfindung. Also am besten nicht allein hören, damit man irgend jemandem die Fingernägel in den Arm krallen kann, wenn es gar zu gruselig wird 8o.....


    Aber die Prières sind Balsam für die Seele und die Sopranistin Sharon Coste verzaubert mit ihrer wunderschönen Stimme.


    LG
    Rosenkavalier