Beiträge von petra

    ... das war bis zum heutigen Tage für mich die Studio-Einspielung unter Solti, und wenn man die Wertungen im entsprechenden TMOO-Thread anschaut, so herrscht da ja seltene Einigkeit darüber, dass man es wohl kaum besser machen kann - höchstens anders, und auf dieses "Andere" bin ich nun gesprannt, seit ich Gregors Hinweis auf den Live-Mitschnitt gesehen und in die entsprechenden Schnipsel hineingehört habe.


    Ich habe mir nämlich beim Anhören meiner Studio-Aufnahme mit Lisa della Casa (die für mich ebenfalls die Arabella ist!) schon manchmal für die hybride Rolle der Zdenka statt der weichen und "runden" Stimme Hilde Güdens eine etwas "silbrigere" vorgestellt, die in vokaler Hinsicht auch dem Zdenko, als den sie sich verkleiden muss, etwas näher kommt.


    Und Anneliese Rothenberger hat zumindest in dem Ausschnitt "Aber der Richtige" meine Vorstellung davon voll getroffen (Sie wird sowieso viel zu häufig unterschätzt, finde ich!).


    Auch die beiden Mandrykas kommen recht unterschiedlich daher: London ist etwas direkter, rauher, "dramatischer" vielleicht; aber der mehr verhaltene Mandryka, den Dietrich Fischer-Dieskau hier verkörpert, passt meiner Meinung nach auch wunderbar (und gefällt mir beim ersten Hinhören etwas besser, vielleicht bin ich aber auch befangen, weil ich seine Stimme generell lieber höre als die Londons).


    Auf jeden Fall werde ich mich gleich einmal auf die Suche nach dieser Aufnahme begeben!


    :hello: Petra

    Nicht ist weise bis zur lezten frist
    Zu geniessen wo vergängnis ist.
    Vögel flogen südwärts an die see •
    Blumen welkend warten auf den schnee.


    Wie dein finger scheu die müden flicht!
    Andre blumen schenkt dies jahr uns nicht •
    Keine bitte riefe sie herbei •
    Andre bringt vielleicht uns einst ein mai.


    Löse meinen arm und bleibe stark •
    Lass mit mir vorm scheidestrahl den park
    Eh vom berg der nebel drüber fleucht •
    Schwinden wir eh winter uns verscheucht!



    (aus: Das Jahr der Seele. Traurige Tänze)

    Liebe Fairy,


    danke für diesen schönen Anstoß, einmal auf die Suche nach heute nur noch selten verwendeten Wörtern zu gehen.


    Zitat

    Original von Fairy Queen:


    Wo der Begriff aber nun letztlich ethymologischherkommt, was das "Kleine" (der edelstein?) und das Od daran war, weiss ich noch immer nicht wirklich.


    Im "Kluge" habe ich dazu gefunden, dass ein Einfluss des mittellateinischen Wortes clenodium vorlag; das -od war ursprünglich eine Substantivbildung auf -ôdi zu "klein", die auch noch in "Heimat", "Armut" und "Zierat" zu finden ist.


    Die ursprüngliche Bedeutung war "zierliche, kunstvolle Arbeit", daher wohl die Entwicklung zu "Schmuck" oder "Geschmeide" und die Übertragung zur heutigen Verwendung als "Kostbarkeit".


    Die Verbindung aus Kleinem und zugleich kostbar Überhöhtem, die durch dieses Wort ausgedrückt wird, findet man z.B. in dem folgenden Gedicht von Stefan George:


    Für heute lass uns nur von sternendingen reden !
    Ich möchte jauchzen • doch ich bin vom wunder bleich:
    Der weisheit schüler löst das rätselwort der Veden
    und bricht des blinden nacht mit einem fingerstreich •
    Mit unbewusster würde trägt ein kind vom eden
    Das kleinod köstlicher als manches königreich.


    (aus: Der Siebente Ring. Gezeiten)



    Liebe Grüße
    Petra

    Menschen und Kinder


    Nach dem Spanischen


    Fast alle kinder
    In schlafes armen
    Scheinen zu lächeln
    Süss unter träumen
    Doch man bemerkt dass
    Fast alle weinen
    Wenn sie erwachen.


    Schlaf sind die täuschungen
    In unsrem leben –
    Während sie herrschen
    Dürfen wir lachen
    So wie beim schwinden wir
    Weinen wie kinder
    Wenn sie erwachen.


    (aus: Die Fibel. Auswahl erster Verse)

    Liebe Fairy,


    “Barbara Allen” ist anonym überliefert und es gibt zahlreiche Versionen davon, auch viele längere mit ausführlichen Dialogen, in denen wohl auch das Motiv ihrer anfänglichen Hartherzigkeit dargelegt wird. Die von mir hier eingestellte ist wohl die kürzeste und in sprachlicher Hinsicht die am schlichtesten und strengsten geformte – sie gefällt mir daher am besten.


    Die Ballade wird zum ersten Mal im 17. Jh. als “little Scotch song”erwähnt, es gibt aber auch Versionen aus England und Irland. Manchen ist auch noch eine Strophe vorangestellt, die auf ein fiktives “Scarlet Town” verweist. “Sweet William” ist zeitweise auch ein “Young Willie”, “Sir John Graeme” oder “Jemmye Grove”.


    Zahlreiche Pop- und Folksänger haben die Ballade gesungen, aber es gibt auch eine Bearbeitung von Joseph Haydn.


    Liebe Grüße
    Petra

    Liebe Fairy,


    dass Theodor Fontane der vielbesungenen Barbara auch ein Denkmal gesetzt hat, wusste ich bisher gar nicht. Es erinnert mich an selige Schulzeiten:


    Was in the merry month of May
    When green buds all were swelling,
    Sweet William on his death bed lay
    For love of Barbara Allen.


    He sent his servant to the town,
    To the place where she was dwelling,
    Said you must come to my master dear,
    If your name is Barbara Allen.


    So slowly, slowly she got up
    And slowly she drew nigh him,
    And all she said when there she came:
    Young man, I think you're dying.


    When he was dead and laid in grave
    She heard the death bells melling.
    And every stroke to her did say:
    Hard hearted Barbara Allen.


    Oh mother, oh mother, go dig my grave
    Make it both long and narrow,
    Sweet William died of love for me
    And I will die of sorrow.


    And father, oh father, go dig my grave
    Make it both long and narrow,
    Sweet William died on yesterday
    And I will die tomorrow.


    Barbara Allen was buried in the old churchyard,
    Sweet William was buried beside her.
    Out of his heart there grew a rose
    And out of hers a briar.


    They grew and grew in the old churchyard
    Till they could grow no higher
    At the end they formed a true lover's knot
    And the rose grew round the briar.


    ***

    „Da ist zum Beispiel die Stelle, wo der König geweint hat, weil er von dem Marquis betrogen ist ... aber der Marquis hat ihn nur dem Prinzen zuliebe betrogen, verstehst du, für den er sich opfert. Und nun kommt aus dem Kabinett in das Vorzimmer die Nachricht, daß der König geweint hat. „Geweint?“ „Der König geweint?“ Alle Hofmänner sind fürchterlich betreten, und es geht einem durch und durch, denn es ist ein schrecklich starrer und strenger König. Aber man begreift es so gut, daß er geweint hat, und mir tut er eigentlich mehr leid als der Prinz und der Marquis zusammengenommen. Er ist immer so ganz allein und ohne Liebe, und nun glaubt er einen Menschen gefunden zu haben, und der verrät ihn ...“
    Hans Hansen sah von der Seite in Tonios Gesicht, und irgend etwas in diesem Gesicht mußte ihn wohl dem Gegenstande gewinnen, denn er schob plötzlich wieder seinen Arm unter den Tonios und fragte: „Auf welche Weise verrät er ihn denn, Tonio?“
    Tonio geriet in Bewegung.
    „Ja, die Sache ist“, fing er an, „daß alle Briefe nach Brabant und Flandern ...“
    „Da kommt Erwin Jimmerthal“, sagte Hans.

    „Nehmen Sie das wunderartigste Gebilde des typischsten und darum mächtigsten Künstlers, nehmen Sie ein so morbides und tief zweideutiges Werk wie Tristan und Isolde und beobachten Sie die Wirkung, die dieses Werk auf einen jungen, gesunden, stark normal empfindenden Menschen ausübt. Sie sehen Gehobenheit, Gestärktheit, warme, rechtschaffende Begeisterung, Angeregtheit vielleicht zu eigenem >künstlerischen< Schaffen ... Der gute Dilettant! In uns Künstlern sieht es gründlich anders aus, als er mit seinem >warmen Herzen< und >ehrlichen Enthusiasmus< sich träumen mag. Ich habe Künstler von Frauen und Jünglingen umschwärmt und umjubelt gesehen, während ich über sie w u ß t e ... Man macht, was die Herkunft, die Miterscheinungen und Bedingungen des Künstlertums betrifft, immer wieder die merkwürdigsten Erfahrungen ...“
    „An anderen, Tonio Kröger – verzeihen Sie –, oder nicht nur an anderen?“
    Er schwieg. Er zog seine schrägen Brauen zusammen und pfiff vor sich hin.
    „Ich bitte um Ihre Tasse, Tonio. Er ist nicht stark. Und nehmen Sie eine neue Zigarette. Übrigens wissen Sie sehr wohl, daß Sie die Dinge ansehen, wie Sie nicht notwendig angesehen zu werden brauchen ...“

    Mir fällt auf Anhieb nur einer ein, den ich über alle mir bekannten stelle: der erschütternde Monolog des Kapitän Vere aus Brittens "Billy Budd". Edwins Beschreibung weiter oben kann ich nur unterstreichen.


    Und wenn ich aus diesem Epilog noch wieder zwei Lieblingsstellen heraussuchen sollte, wären es:


    ”I was lost on the infinite sea, but I’ ve sighted a sail in the storm, the far-shining sail, and I’ m content. I’ ve seen where she’ s bound for ...“
    und das fast "tonlos" gesungene " ... when I, Edward Fairfax Vere, commanded the Indomitable".


    Liebe Grüße
    Petra

    Lieber Peter, ich habe sie auch nicht vergessen: Die von Dir vorgestellte "Zauberflöte" kam mir seinerzeit ins Haus, weil mein Jüngster Hermann Prey als Papageno hören wollte und ich Stuart Burrows als Tamino.


    Christina Deutekom war mir vorher kein Begriff, aber seitdem habe ich sie gefunden, meine Lieblings-Königin-der-Nacht!


    So ganz unumstritten war sie in stilistischer Hinsicht übrigens nicht - zumindest ihre Koloraturtechnik galt als etwas eigenwillig; aber nichtsdestotrotz (oder geradedeswegen ;)): Bei keiner anderen höre ich Leiden und Rachegelüste so nah beieinander und so intensiv wie in ihrer Darstellung der KdN.


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Lieber Peter,


    auf dem Gebiet der Operette kenne ich mich leider nicht gut aus, aber das Duett mit Björling und Schymberg aus dem „Zigeunerbaron“ gehört auch für mich zu den schönsten der wenigen Operettenaufnahmen, die Björling gemacht hat. Meine Lieblingsaufnahme in diesem Bereich ist das charmante „Gesetzt den Fall“ aus dem „Bettelstudenten“ (das ich noch auf einer alten LP habe) . Operette habe ich von Björling bisher nur auf Schwedisch gehört, hat er sie irgendwann mal in anderen Sprachen gesungen? Ich weiß es leider nicht.


    Außerdem hat er aus dem Bettelstudenten noch ein federndes und auftrumpfendes „Ich hab´ kein Geld, bin vogelfrei“ aufgenommen. Ich weiß noch, dass ich das Stück von ihm zum ersten Mal in meinen Teeniezeiten hörte. Und, da ich nicht wusste, wie der Sänger dazu aussah, mir immer einen kleinen, blonden und drahtigen darunter vorstellte. So kann man sich irren ...


    Die drei Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1938; es entstand da noch eine weitere: die Erzählung des Paris aus „La belle Helène“. Das Stück klingt, wenn man es nicht im Kontext der gesamten Operette hört, ebenfalls sehr gut, aber er singt hier mit einem grandiosen Pathos, das meiner Meinung nach nicht so recht dazu passt.


    Schon 1932 sind einige Einzelaufnahmen aus Operetten entstanden: „Dein ist mein ganzes Herz“, „Von Apfelblüten einen Kranz“ und – mein Favorit unter den dreien - „Heut´ nach hab´ich geträumt von dir“ aus Kálmáns „Das Veilchen vom Montmartre“, z.B. hier zu finden:



    Zu Beginn seiner Karriere hat er auch einige Male auf der Operettenbühne gestanden, soviel ich weiß, in der „Fledermaus“. Dass er keine vollständigen Operettenaufnahmen hinterlassen hat, ist wirklich schade.



    Liebe Kristin,


    keine Bange: Was mich betrifft, besteht keine Gefahr, dass Dir verbale Wurfgeschosse um die Ohren fliegen ;);) . Weiter oben habe ich ja noch bedauert, dass der Thread so vor sich hin plätschert, weil ihn (den Björling) alle so toll finden, dann werde ich bestimmt nicht maulen, wenn jemand es anders hört, also trau Dich :hello:.


    Mir geht es bei einigen Sängern gerade so wie Dir bei Jussi Björling: Ich höre ein schönes Timbre, auch stilistisch gibt es nichts zu meckern – und doch, es fehlt mir etwas. Und dieses Etwas ist halt der subjektive Faktor, der sich auch durch alle „Überzeugungsarbeit“ von Kritikern oder Mithörern nicht herbeireden ließe.


    Das wäre auch ein schönes Thema für einen eigenen Thread: Welcher Stimmtyp spricht uns im Allgemeinen an? Bei mir sind es oft – nicht immer – die relativ kleinen, etwas spröderen Stimmen, die sich festhaken. Du scheinst, wenn ich Deine Liste sehe, die Sänger mit wärmerem, sonoren Timbre zu bevorzugen. Bis auf Raimondi, von dem ich allerdings bisher wenig Aufnahmen gehört habe, steht von allen von Dir oben Genannten auch mindestens eine Einspielung bei mir im Regal; sie gehören nicht zu denen, die mich kalt lassen.


    Zitat

    Original von Musikkristin:


    Leider hätte mich Jussi Björling, so schön seine Stimme auch klingt, nicht zur Oper gebracht.


    Und gerade das war bei mir der Fall. Nicht sofort – ich war damals ungefähr 15 Jahre alt und eigentlich an anderen Musikrichtungen interessiert – aber ich war begeistert, als ich zum ersten Mal Ausschnitte aus seinem Manrico hörte. Leider war es eine Sendung aus dem dänischen Rundfunk und ich konnte diese Sprache damals noch nicht verstehen, bekam gerade eben heraus, wie der Sänger hieß. Und fast alle, die ich nach ihm befragte, sprachen von seinem „kühlen“ Singen, garniert mit Geschichten über seine Alkoholprobleme.


    Wenn ich auch durch diese eine Sendung noch nicht direkt zum Opernfan wurde, so haben mich doch seine Aufnahmen immer wieder bewogen, zum Kassettenrekorder zu greifen, wenn ich sie im Rundfunk hörte. Waren es Spontanmitschnitte, so konnte man auf diesen Kassetten z. B. seine „Adelaide“ zwischen Uriah Heep und Deep Purple finden, was so manches Mal bei Mithörern für Irritationen sorgte ... :D


    Und dass ich nach vielen musikalischen Umwegen schließlich doch bei dem Sammeln von Opernaufnahmen gelandet bin, habe ich wiederum zwei Sendungen über Jussi Björling zu verdanken, die Mitte der 90er Jahre gesendet wurden. Da waren schon viele seiner Live-Gesamt-Aufnahmen, in denen ich ihn fast immer lieber höre als in Studio-Aufnahmen, als CD auf dem Markt und füllten langsam aber sicher mein Regal. Nach und nach kamen dann allerdings auch Aufnahmen mit anderen Sängern dazu.


    (Mich begeistern übrigens eher seine Rollenporträts in Gesamtaufnahmen, in denen ich immer wieder neue Nuancen entdecken kann, als seine Einzelaufnahmen von Arien. Und oft höre ich gerade bei ihm die kleinen Szenen lieber als die großen Bravour-Arien).


    Eines, liebe Kristin, haben wir bei unseren verschiedenen Vorlieben allerdings mit Sicherheit gemeinsam: Wie Du lasse auch ich mich gern von ganz bestimmten Interpreten zu einer Musikrichtung (ver)führen. Meist suche ich dann aber später auch bewusst nach einem Gegenpart und höre mir beispielsweise auch gern den Feuerkopf an, als den Corelli diese Rolle gestaltet hat. Aber letzten Endes ist es immer das Verhaltene, Zartere, ein klein wenig Distanzierte, das ich gerade in dieser Rolle bei Björling so gern höre - und das in anderen Rollen (wie z. B. Calaf) eben nicht so am Platze wäre.



    Liebe Grüße an Euch aus dem leider etwas verregneten Norden


    :hello::hello: Petra

    Lieber Alex,


    diesen Smiley :untertauch: kenne ich schon zur Genüge und muss ihn wieder einmal setzen - und diesen gleich hinterher :O, weil ich wieder mal zu eilig vorgeprescht bin.


    Ich hatte den hier :rolleyes: als augenrollendes "Oh je" "Au weia" oder was auch immer interpretiert (und daher den wacky hinterhergeschoben) - und brauche wohl wirklich Nachhilfe in Smileykunde. Ich glaubte ja die meisten zu kennen - wer weiß, was ich bisher noch alles angerichtet habe. :untertauch:


    Zerknirschte Grüße
    :hello: Petra

    Lieber Alex,


    in Deinen kleinen Zitatschnipseln meines Beitrags hast Du leider meine Einschränkung, die ich selbst gemacht habe, ausgelassen:


    Zitat

    Original von Petra:


    Aber vielleicht interpretiere ich auch am Kern der „Salome“ vorbei, weil ich mich mit dieser Oper noch nicht so gut auskenne?


    Ich habe auch selbst gesagt, dass ich kein Strauss-Kenner bin, habe nur meinen subjektiven Eindruck wiedergegeben und lasse mich gern eines Besseren belehren, aber mit dem :rolleyes: kann ich leider nicht sehr viel anfangen :wacky:. Aber es gibt ja noch einen "Salome"-Thread, vielleicht wäre der in dieser Hinsicht für mich ergiebiger ...


    Petra

    Liebe Taminos,


    ich kannte Ljuba Kazarnovskaya bisher nicht, aber dieses nahe Beeinander von Begeisterung und doch recht harscher Ablehnung hat mich neugierig gemacht und ich habe mir die Ausschnitte aus ihrer „Salome“ angeschaut.


    Ich habe mich bisher mit den Opern von Richard Strauss noch nicht viel beschäftigt, weil ich mit seiner Musik allgemein nicht viel anfangen kann, aber diese Salome hat mich in diesen kurzen Schnipseln, die ja leider immer nur einen Überblick geben können, wirklich gefesselt: eine Mischung aus Naivität und Mädchenhaftigkeit auf der einen Seite und Übersteigertem, Dekadenten, Abgründigen auf der anderen. Und dazu mit einer meiner Meinung nach wirklich erotischen Ausstrahlung, die ja nicht alles sein sollte, aber für eine Salome ja doch wichtig ist.


    Vielleicht hat das „sexy“ im Threadtitel hier so polarisiert, und „sexy“ würde ich sie auch nicht nennen, mit dem Begriff verbinde ich bei beiden Geschlechtern auch das Jugendliche und etwas Plakativere.
    „Vamp“ ist sie für mich schon gar nicht – ich verbinde damit immer Frauen, die sich betont lasziv, plakativ-körperlich geben - mit aufgeworfenen Schmoll-Lippen und oft etwas agressiv-erotisch.


    Ljuba Kazarnovskaya hat für mich, was das Optische angeht, auf den ersten Blick eine eher natürliche Erotik (die ja glücklicherweise nicht so sehr ans jugendliche Alter gebunden ist ;) ), die gerade nicht so plakativ wirkt, sondern bewusst „spielerisch-zufällig“. Der „Salome“-Ausschnitt stammt aus dem Jahre 1995 und für eine fast 40-jährige Frau wirkt sie meiner Meinung nach sehr mädchenhaft.


    Als „blechern“ empfinde ich ihre Stimme gar nicht, für die Salome erscheint sie mir ideal, mit dem Ausdruck des Krankhaft-Übersteigerten und gleichzeitig etwas „Leuchtend-Naiven“ – so als suche diese Salome in dieser dekadenten, pathologischen Umgebung nach einer „reineren“ Form von Liebe. Aber vielleicht interpretiere ich auch am Kern der „Salome“ vorbei, weil ich mich mit dieser Oper noch nicht so gut auskenne?


    :hello: Petra

    Liebe Taminos,


    die ergreifendste Stelle aus Glucks "Orfeo ed Euridice" ist für mich das Lamento des Orfeo zu Beginn der Oper: "Chiamo il mio ben così".


    Und mir fällt noch eine andere Klage ein: die der Fidès aus Meyerbeers "Le prophète": "Ah! mon fils!"


    Liebe Grüße
    Petra

    Lieber Peter,



    ich kann leider noch keine Vergleiche ziehen, weil ich bisher nur eine „Turandot“ im Regal stehen habe – die von Dir erwähnte mit Nilsson, Tebaldi und Björling. So gern ich Björling höre, aber es gibt einige Partien, in denen auch ich andere Sänger vorziehe: Radames z.B., den Duca im „Rigoletto“ und vielleicht auch Calaf, wenn ich noch weitere Rollenporträts anderer Sänger in dieser Rolle kennengelernt habe.


    Denn die flammende, unbedingte Siegesgewissheit, das „Vincero“ um jeden Preis, das Übersteigerte, das auch zu dieser Rolle gehört, war Björling wohl nicht unbedingt von Natur aus gegeben. Er war eher der Typ für die gebrochenen Helden oder zu Beginn seiner Karriere für die jugendlichen, noch etwas unreifen.


    Ich habe bei dieser Turandot in der der Besetzung aller drei Hauptrollen immer den Eindruck: technisch hervorragendes Singen, aber irgendwas fehlt mir dabei. Die stärksten Szenen Björlings sind für mich hier das ergreifende „Non piangere, Liú“ (das Björling langsamer singt als wohl jeder andere Kollege) oder auch der Ausbruch nach Turandots Eingeständnis, dass ihr Ruhm nun zu Ende sei und Calaf entgegnet: „Miracolo! La tua gloria risplende nell’incanto del primo bacio, del primo pianto!“ – und auch das „Nessun dorma“.


    Björling war meiner Meinung nach in erster Linie ein lirico-spinto mit einer eigentlich nicht sehr voluminösen, aber sehr durchschlagskräftigen Stimme. Vielleicht hat das Metall in der Stimme zu der Möglichkeit verführt, später auch dramatische Partien zu übernehmen. Björlings großes Vorbild war Caruso und auch später hat er immer die etwas kräftigeren Stimmen favorisiert, weniger die rein lyrischen (Tagliavini oder Valletti).


    Er kannte wohl auch seine Grenzen, ist aber dennoch oft über sie hinausgegangen. Ich habe vor einigen Jahren im Rundfunk die Aufzeichnung eines Interviews aus den späten 50er Jahren gehört, in dem er nach Aufnahme-Plänen gefragt wurde und antwortete, dass er einige Rollen gern noch im Studio singen würde: Roméo, Faust, Ricardo – und Otello. Auf das etwas perplexe und ungläubige: „Otello?! Wonderful, wonderful!“ des Moderators kam etwas pikiert: „Recording, I say, recording!“ Und dann der trockene Kommentar: „I´m not that spinto, you know!“ Und ein halb amüsiertes, halb verlegenes Lachen.


    Die Plattenfirmen scheinen andere Pläne gehabt zu haben: Seine letzten Einspielungen waren „Madama Butterfly“, „Turandot“ und Verdis Requiem (mit einem überirdisch schönen „Hostias“). Den Calaf hat er auch nie auf der Bühne gesungen und es wurde nach der Aufnahme gemunkelt, man hätte etwas tricksen müssen, um seine Stimme neben den beiden stimmgewaltigen Ladies etwas größer wirken zu lassen.


    Ob das nun wahr ist oder nicht - als Calaf muss er auch meiner Meinung nach zu oft über seine stimmlichen Grenzen hinausgehen, was auch teilweise ein wenig „hochgestemmt“ oder angestrengt wirkt. Da haben Tenöre, die dieses Volumen von Natur aus in der Stimme haben, wie Corelli, sicherlich Vorteile. Ich sehe (oder höre) Corelli nicht so negativ wie es oft über ihn zu lesen ist. Ich höre seine stilistischen Mängel in Partien wie Romeó oder Faust, wo ich ihn nicht so sehr schätze, durchaus, aber sein unbedingter Einsatz und sein teilweise leicht „überdrehtes“ Singen könnten hier in der „Turandot“ wirklich besser am Platze sein.


    Da ich nicht unbedingt eine zweite Nilsson-"Turandot" haben muss, werde ich mir wohl in absehbarer Zeit zum Vergleich endlich einmal eine Aufnahme zulegen, die mir hier im Forum schon einige Male empfohlen worden ist (und in der auch der von mir sehr geschätzte Plinio Clabassi mitwirkt):



    Auf den Vergleich bin ich dann gespannt.


    :hello: Petra


    P.S an alle: Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn die Diskussion über die Rollenporträts noch weiter belebt wird!

    Liebe Taminos,


    Auf CDs habe ich einen Elijah mit ganz ähnlicher Besetzung wie der von Carl im "Messiah" genannten, den ich sehr gern höre:


    The Liverpool Philharmonic Orchestra, Dirigent Sir Malcolm Sargent
    aufgenommen 1947
    Huddersfield Choral Society
    Isobel Baillie, Sopran
    Gladys Ripley, Contralto
    James Johnston, Tenor
    Harold Williams, Bassbariton


    Erstanden hatte ich diese CD wegen Isobel Baillie, deren glasklaren Sopran ich sehr gern mag, besonders im Lied- und Oratoriengesang. Auch Harold Williams kannte ich von anderen Aufnahmen und fand, es lohnte sich auch seinetwegen, in diese hineinzuhören.


    Und dann plötzlich ein sehr eindringliches “Ye people, rend your hearts and not your garments ...”, gefordert von einer kräftigen, aber nicht groben Tenorstimme und dann ein wunderbar gesungenes “If with all your hearts ye truly seek Me”, in einer Mischung aus Eindringlichkeit und Innigkeit, ohne Übertreibungen, sondern eher mit “leuchtendem Augenaufschlag” (vielleicht eine etwas pathetische Metapher, aber mir fällt nichts Besseres ein).


    Mein Blick auf die Besetzungsliste gab Rätsel auf: Von James Johnston hatte ich noch nie etwas gehört und musste erst einmal nach Infos suchen: Geboren 1903 in Belfast, hat er eine eigenwillige Karriere gemacht – zuerst Fleischer im elterlichen Betrieb, dann bis zu seinem etwa 55. Lebensjahr bekannter und beliebter Tenor im britischen Raum (bei Callas weniger beliebt, mit ihr gab es anlässlich eines “Trovatore” einmal Zoff), bis er schließlich wieder in seine Fleischerei zurückkehrte. Er starb 1991.


    Mehr wäre hier wohl OT, aber in dem Thread, in dem die "Nachwelt dem Mimen Kränze flicht", wollte ich ihn schon immer mal vorstellen; jetzt wäre eine gute Gelegenheit dazu. Ich weiß nicht, ob er immer so gut gesungen hat wie auf dieser Einspielung, aber seine Aufnahmen würde ich schon deshalb gern sammeln, weil ich auch die Stimme einfach gern höre.


    Gladys Ripley (geb. 1909) sollte nicht vergessen werden: eine wunderbare Altstimme und ein stilvolles, versammeltes Singen mit viel Wärme im Ausdruck. Sie stand wohl ein wenig im Schatten der großen Kathleen Ferrier und ist leider auch bereits 1955 gestorben.
    Vielleicht stellt man sich den Engel im “Elias” etwas heller und kühler vor, aber “Oh rest in the Lord, wait patiently for Him” höre ich von ihr gesungen besonders gern.


    Liebe Grüße
    Petra

    Lieber Herbert,
    das, was Du angesprochen hast, ist gerade das, was auch ich an Björlings Aufnahmen so gern höre: dass er mit rein musikalischen Mitteln, durch Stimmfärbung oder Nuancen des Wechsels in Lautstärke oder Tempo, Diminuendo etc. seine Rollen sehr phantasievoll gestalten konnte.


    Vielleicht war es sein "Pech", das er in einer Zeit sang, in der besonders einige Tenöre den Verismo gern zum "Verissimo" machten und überladene naturalistische Effekte einbauten. Das scheint besonders gut angekommen zu sein und hat leider dazu geführt, dass auch Sänger, die es vom Timbre und Stil her gar nicht nötig gehabt hätten, wie z.B. Richard Tucker, manche ihrer Aufnahmen allzu sehr damit "bereichert" haben, was ich immer schade finde.


    :hello: Petra

    Hallo Didi,


    Zitat

    Original von Didi: Und, daß er "kalt" gesungen habe, kann ich jedenfalls überhaupt nicht nachvollziehen


    ich auch nicht! Der "kühle, unbeteiligte" Björling - das war ein (Vor)urteil, das ihm wohl lange nachlief. Ich habe seine Aufnahmen ja erst in den 70er Jahren entdeckt, und da war dieses Urteil noch weit verbreitet. Ich habe es nie so empfunden, denn sonst wäre er gewiss nicht mit großem Abstand mein Lieblingssänger, habe mich aber immer gefragt, wie es zustande gekommen sein mag.


    Und wenn ich seine Studioaufnahmen mit den Live-Aufanhmen vergleiche, so klingen im Vergleich dazu besonders die RCA-Einspielungen manchmal etwas "trocken". was aber wohl eher an der Aufnahmetechnik liegt. Deshalb meinte ich, dass seine Live-Aufrtitte wohl eher einen Eindruck davon geben können, wie sehr er stimmlich aus sich herausgehen konnte und sich in die Musik manchmal regelrecht "hineingeworfen" hat.


    Ich habe eine LP mit Liedern und Balladen aus den Aufnahmejahren 1957 und 1959, die ich auch sehr gern höre. Es muss sich um dieselben Aufnahmen handeln, die Du angesprochen hast, denn auch auf dem Klappentext ist vermerkt, dass weitere geplant waren, die durch seinen frühen Tod aber nicht mehr zustande gekommen sind. Mein Eindruck ist, dass er gegen Ende der 50er Jahre seine Stimme wieder heller und klarer klingt als in manchen Aufnahmen davor, und der Stimmumfang von baritonaler Tiefe zur Vollhöhe war bei ihm wirklich phänomenal!


    :hello: Petra

    Lieber Harald,


    danke für den Caprice-Tipp! Sind auch bisher unveröffentlichte Raritäten dabei? Die von Dir hier hineingestellte Aufnahme des „Trovatore“ steht bei mir (von Caprice 2002 veröffentlicht) als vierter Björling-Manrico im Regal und ist auf jeden Fall unter mehreren Gesichtspunkten nicht nur für Jussi-Fans, sondern überhaupt für gesangshistorisch Interessierte eine Bereicherung. Leider fehlt die erste Szene der Oper!


    Ein paar Eindrücke von mir für alle Interessierten (biographische Daten sind dem Booklet und der „Jussi“-Biografie von Andrew Farkas/Anna-Lisa Björling entnommen):


    Vorgestellt wird sie im Booklet als „house-recording“ – ein Chormitglied hat diese Aufnahme im Auftrag eines der Ensemblemitglieder, wahrscheinlich Margareta Bergströms, zum ursprünglich privaten Gebrauch gemacht. Das Mikro muss sehr nahe an der Bühne oder in den Kulissen gestanden haben, denn man hat hier wirklich Live-Theateratmosphäre und hört auch zwischen den Szenen Geräusche und Gesprächsfetzen, die sonst selbst bei Live-Aufnahmen nicht zu hören sind, z.B. einige Male das Verschieben von Requisiten oder beifällige und aufmunternde Worte der Bühnenarbeiter, bevor - etwas weiter weg zu hören - der Beifallssturm des Publikums losbricht.


    Der Dirigent Herbert Sandberg hat Jussi Björling schon am Beginn seiner Laufbahn bei einer Anhörung vor dem Auditorium der Musikakademie am Piano begleitet und stand auch bei seiner letzten Aufführung an der Stockholmer Oper, einem „Trovatore“ vom 6. März 1960, am Pult.


    Sandberg war zunächst Assistent, später auch Schwiegersohn des Dirigenten Leo Blech und hat von 1926 bis 1964 an der Stockholmer Oper in erster Linie das deutsche Repertoire dirigiert. Wie schon in der „Traviata“ von 1939 wählt Sandberg auch hier sehr langsame Tempi und erinnert einmal mehr eher an die deutsche Verdi-Renaissance der 20er Jahre. Einmal gibt es auch Differenzen mit Björling bezüglich des Tempos.


    Ich weiß als Laie nicht, ob es eine Eigenart seines Dirigats, ein Ergebnis der ungewöhnlichen Aufnahmeperspektive oder einfach nur subjektive Einbildung ist, aber einige Instrumentengruppen, insbesondere die Streichinstrumente, haben hier in meinen Ohren mehr Kontur, sind „schärfer gezeichnet“ als in meinen anderen Aufnahmen, was mir persönlich sehr gut gefällt.


    Björlings Manrico hat 1957 nicht mehr den Silberglanz in der Stimme, den er 1939 hatte; er ist dunkler und ein wenig rauer geworden. Und er schleudert die Stretta nicht mehr mit der Vehemenz heraus, die er 1941 in dem Mitschnitt aus der Met zeigte. Dafür hat er meiner Meinung nach interpretatorisch an Reife gewonnen, ist eindringlicher, unmittelbarer und gestischer als in den früheren Aufnahmen, was für mich die nachlassenden stimmlichen Mittel mehr als ausgleicht. Und ich höre seine Live-Aufnahmen fast immer lieber als die Studioaufnahmen, weil gerade bei ihm im Studio wirklich manchmal der Eindruck von "Kühle" entstehen kann, während er Live immer voll aus sich heraus ging, aller schauspielerischen Unzulänglichkeiten zum Trotz!


    „Herzzerreißend“ ist z.B. der Abschied von Leonora im „Miserere“, wobei aber sicherlich die Tatsache eine Rolle spielt, dass Manrico hier gleich stark zu hören ist wie Leonora. (Ich weiß nicht, ob es an der Position des Mikros liegt, eigentlich singt Manrico ja aus dem Turm heraus und ist sonst meist wie aus weiter Ferne zu hören).


    Leonora wird von der norwegischen Sopranistin Aase Nordmo-Lövberg (geb. 1923) gesungen: eine sehr klare Stimme, die in lyrischen Passagen sehr klar, rein und etwas kühl klingt und mich daher ein wenig an ihre ältere Landsmännin Eidé Norena erinnert. Nordmo-Lövbergs Stimme ist jedoch größer dimensioniert und kann sich zu großer Dramatik steigern - und das ist meiner Meinung nach ihre wirkliche Stärke – zu hören besonders im letzten Akt!


    Für eine Azucena ungewöhnlich hell und leicht klingt die Mezzosopranistin Margareta Bergström (geb. 1919), die wohl außerhalb Skandinaviens nicht so bekannt geworden ist. Es ist eine differenzierte Darstellung des innerlichen Konfliktes, die mir gut gefällt – mit weniger breitem Pinsel als bei vielen ihrer großen italienischen Kolleginnen.


    Hugo Hasslo (1911-1994) ist ein leidenschaftlicher, direkter, kräftiger Luna und verfolgt in diesem Ensemble wohl am ehesten einen veristischen Ansatz, während Nordmo-Lövberg und Bergström vielleicht, obwohl jünger, noch eher im Belcanto-Stil singen. Jussi Björling kann man dann vielleicht in der Mitte zwischen beiden Stilen sehen.


    Als ich den Sänger des Ruiz mit „Siam giunti“ zum ersten Mal hörte, war ich im ersten Moment perplex und fragte mich, warum Jussi Björling diese kurze Passage sang. Ich hatte im Booklet zwar gelesen, dass Jussis Bruder Gösta im letzten Moment für einen erkrankten Kollegen eingesprungen war, kannte seine Stimme jedoch bis dahin nicht und war erstaunt, wie ähnlich sie der des „großen“ Bruders war – besonders in der mezzavoce . Es ist wohl die einzige Aufnahme, bei der beide Brüder zusammen singen (?) – abgesehen natürlich von den Aufnahmen des Björling-Quartetts, welche die beiden noch als Kinder gemacht haben.


    Auf der CD befinden sich auch noch einige Ausschnitte aus einer Aufnahme der „Manon Lescaut“ aus dem Jahre 1959 mit Hjördis Schymberg in der Titelrolle. Sie singt auf Schwedisch, Björling auf Italienisch (wohl weil er damals in Stockholm Gastsänger war?).


    :hello: Petra

    Liebe Taminos,


    ich habe diese Traviata jetzt auch einmal durchgehört und kann mich Michaels und Theodoras Empfehlungen nur anschließen: ein sehr guter Gegenentwurf zu Schymberg-Björling-Molin!


    Stimmlich sind Bidú Sayao und Hjördis Schymberg sich wirklich ziemlich ähnlich, was mir bisher noch nicht so aufgefallen war, obwohl ich auch Gounods Juliette von beiden interpretiert im Regal stehen habe. Mein Eindruck ist aber, dass hier zwei ganz unterschiedliche Frauentypen zum Ausdruck kommen :


    Bidú Sayao bringt im ersten Akt den unbedingten, trotzigen Willen zum Leben und zum Genuss, das Flirrende und auch die Koketterie besser herüber als Schymberg, die mir da manchmal etwas zu „neckisch“ klingt. Sayao ist schärfer im Ausdruck(und neigt ebenso wie Schymberg zu Schärfen bei dramatischer Tongebung) und verteidigt als Violetta ihre Einstellung zum Leben etwas heftiger als die eher damenhafte Schymberg (auch im Duett mit Germont père).


    Schymbergs Stärken liegen in den leisen Tönen, die ihr meiner Meinung nach eher zu Gebote stehen als Sayao. Ihre Violetta ist introvertierter, auch etwas damenhafter und zurückhaltender (insofern ist Sayao sicherlich die modernere Violetta); im Entschluss, auf Alfredo zu verzichten, klingt bei Schymberg aber auch immer ein Ton des Vorwurfs oder des Stolzes gegenüber dem selbstgerechten Germond père mit, der Violetta in dem Duett als die Stärkere erscheinen lässt (ähnlich bei "Alfredo, Alfredo" nach der Geldwurf-Szene). Bei Sayao ist mehr trotziges Aufbegehren.


    Zu den beiden unterschiedlichen Frauen passen auch die beiden Väter Germont. Leonard Warren ist schon von der Stimme her für die „zerrissenen“ Charaktere prädestiniert; sein Germont klingt nicht so selbstgerecht-auftrumpfend wie der Conny Molins, sondern zwiespältiger, auch explosiver. Wie bei der Violetta mag ich beide Darstellungen, es sind nur zwei ganz unterschiedliche Typen. In das Mitgefühl, das Conny Molins Germont zum Schluss des Duettes für Violetta zum Ausdruck bringt, scheint sich auch etwas Faszination zu mischen; für mich klingt das Singen der beiden am Ende fast wie ein Liebesduett.


    Charles Kullmann kannte ich bisher nur dem Namen nach. Sein Alfredo klingt reifer und kräftiger als der Björlings, auch sehr dramatisch, aber ich mag bei letzterem nun mal diese eigenwillige Mischung aus trotzigem Pathos und Fragilität zu gern und bin da wieder mal wohl etwas befangen ;). Nichtsdestotrotz ist Kullman ein guter Alfredo.


    Und Theodoras Lob für den Chor kann ich mich ebenfalls nur anschließen!


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    “Ecco il magico liquore!” Mit großer, triumphierender Geste überreicht Dulcamara dem naiven Nemorino die Flasche mit dem vermeintlich magischen Trank. Dieser reagiert staunend, fassungslos, mit leiser Stimme, als wolle er ein Schluchzen unterdrücken, ohne aber weinerlich zu klingen: “Obbligato, obbligato! Son felice, son beato ...”


    Dulcamara hört man daraufhin wirklich “beiseite sprechen” bzw. singen, dass er nie einen größeren Dummkopf gesehen habe. Nemorino wiederholt sein “obbligato”, jetzt in fieberhafter, ekstatischer Manier. Beide singen vereint eine lange Fermate auf der jeweils letzten Silbe von “beato” bzw. “ritrovato” und dehnen diese in vollendeter Feinabstimmung bis zum pianissimo herunter, um dann jeder wieder seinen eigenen Gedanken nachzuhängen: glückselig der eine, spöttisch der andere.


    Dann eine leise Frage, ganz schüchtern ob soviel vorgeblicher Gelehrsamkeit: “Ehi ... Dottore ... un momentino, momentino, momentino ...” Nemorino weiß nicht, wie er den magischen Trank am besten einnehmen soll. Dulcamara demonstriert es in fast rezitierender Buffo-Manier.


    Und schließlich noch einmal das wunderbar gestische “Obbligato, obbligato ...” mit entsprechender Kommentierung durch den Scharlatan.


    Eine derart glückliche Einfalt, wie sie hier durch de Lucia als Nemorino ausgedrückt wird, lässt den Hörer auch nach über 100 Jahren staunen und mitleiden. Zumal die vollendete Mischung der beiden Stimmen teilweise eine trügerische Einigkeit vorgaukelt.


    Beide Sänger wurden in ihrer Glanzzeit auch wegen ihrer Bühnenpräsenz gerühmt, aber in diesem Fall braucht man keine szenische Darstellung, sondern kann die entsprechenden Bilder leicht in der Fantasie entstehen lassen.


    Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1907.


    Petra

    Liebe Taminos,


    dass ich momentan in Opernführern nach Opern suche, von denen ich bisher nicht einmal wusste, dass es sie gab – „Astarté“, „La Fille de Mme Angot“ oder „Le Roi d‘ Ys“ – oder nach Liedern von Fauré oder Reynaldo Hahn – sicherlich viel bekannter, aber bisher leider nicht bei mir – und dass ich mich neuerdings verschärft mit der französischen Oper und den mélodies des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und den dazugehörigen Sängern befasse: Den Anstoß dafür gab in einer Rundfunksendung über historische französische Sänger eine Aufnahme, die ich oben auch in den Threadtitel gestellt habe: die sogenannte Rêverie des George Brown aus Boïeldieus Oper „La dame blanche“, wohl die bekannteste Aufnahme des sonst nur noch wenig bekannten französischen Tenors David Devriès (1881-1936), ein Sammlerstück, das auch auf einigen allgemeinen Samplern mit historischen Aufnahmen zu finden ist.


    Was mich sofort aufhorchen ließ, war zunächst die Stimme, die zu den eigenwilligsten gehört, die ich im Operngesang kenne: ein leichter, hell timbrierter Tenor mit einer weichen, aber nie süßlich wirkenden Kopfstimme/Mezzavoce und einem ganz eigenartigen Klang in der Bruststimme, der zuweilen an eine tiefe Frauenstimme erinnert, jedenfalls nach Meinung einiger Hörer, denen ich die Aufnahmen vorgespielt habe. Zusammen mit dem doch recht kräftigen Vibrato ergibt das manchmal einen Anklang an die Chansoniers der 30er und 40er Jahre. Ich mag solche Stimmen, aber sie sind wohl nicht jedermanns Sache, denn einige Male konnte ich in Rezensionen sinngemäß lesen, „nicht die Stimme sei schön, eher farbarm und trocken, was besteche sei der Stil und der Charme seines Singens“. Letzteres kann man anhand der meisten seiner Aufnahmen überprüfen.


    Ich hätte vorher nie geglaubt, dass man das ständig wiederholte „La la la“ der Rêverie auf so unterschiedliche Weise abtönen kann. Man sieht den jungen Mann, der sich über die Melodie aus fernen Tagen langsam an die Erinnerung herantastet, förmlich vor sich. Zusammen mit dem pointierten und doch nachdenklichen „Non“ dazwischen schickte es mich, da ich die Oper vorher nicht kannte, auf die Suche nach einem Libretto, denn ich wollte nun unbedingt wissen, was da so gestisch vorgeführt wurde.


    Auf meiner Suche nach Aufnahmen mit Devriès stieß ich dann auf „Viens, gentille dame“ aus derselben Oper, das genau den Ton trifft, den ich mir dafür vorstelle: keine „Romanze“ im eigentlichen Sinne, sondern ein halb ernster, halb scherzhafter Aufruf, in dem sich unter die sanften, süßen Töne oft ein burschikoser Gestus mischt, der dem Ganzen einen Anflug von leicht spöttischen Charme gibt. Leider hat David Devriès wohl nur diese beiden Stücke aus seiner Paraderolle eingespielt (beide aus dem Jahre 1928 ) – wie gern hätte ich davon eine Gesamtaufnahme gehört!


    Als nächstes fand ich auf einer CD der Serie „Great Voices of the Opera“ außer den beiden oben genannten noch zwei Stücke aus Massenets „Grisélidis“ und einige Zeit danach eine Zusammenstellung mit Szenen aus „Les Contes d‘ Hoffmann“ in verschiedenen Sprachen, darunter eine hinreißend ausgelassen gesungene „Drig, drig, drig!“- Szene aus Luthers Keller mit David Devries, Louis Nansen, Henri Dangès und Hyppolite Belhomme.

    Und zu meinem Geburtstag kam dann eine CD des Labels Symposium ins Haus, die seitdem schon endlos gedreht wurde. An dem Rauschen und Knistern ist erkennbar, dass hier ganz sicher nicht zu Tode gefiltert wurde, sondern dass Nebengeräusche nur behutsam gedämpft wurden – was sich wiederum positiv auf die Bewahrung des Stimmklangs auswirkt.



    Die CD gibt einen schönen Überblick über seine Opern- und Liedaufnahmen aus der Zeit von 1904 bis 1931. Sein Singen ist eine ständige Bewegung, ein Auf und Ab von Eindrücken, die von einem Moment zum anderen sehr stark wechseln können und die zumindest bei mir lange in der Erinnerung nachklingen: das sanft und nachdenklich gesungene „félicité“ oder „divine“ in der Cavatine des Faust „Salut demeure“, ein fast rezitierendes Nachträumen in „En fermant les yeux“ aus Massenets „Manon“, die Verzweiflung des Werther, der erkennen muss, dass die Geliebte die Braut eines anderen ist, der leichte Konversationston in dem Duett mit Gabrielle Lejeune „Voyons, Monsieur, raisson nous politique“, das düstere Pathos in Faurés „La chanson du pêcheur“ oder aber der gespielt leichte, manchmal ironische und dabei doch ganz melancholische Tonfall in Reynaldo Hahns „Cimetière de campagne“. Letzteres ist ein Lied, das mir besonders gut gefällt. Ich weiß zwar, dass Hahn viele Lieder geschrieben hat, kannte ihn aber bisher nur als Sänger. Nach seinen Liedern werde ich künftig sicherlich auch verstärkt Ausschau halten ...


    Léhars „Gern hab‘ ich die Fraun geküsst“ mag als „J‘ ai toujour cru qu‘ un baiser“ im Stil eines französischen Chanson-Interpreten auf manchen etwas befremdlich wirken, ich muss gestehen, mir gefällt diese Version. Dagegen passt „Pie Jesu“ aus Faurés Requiem meiner Meinung nach nicht recht zu der Stimme; hier stört mich zum ersten Mal das ausgeprägte Vibrato, vielleicht auch nur, weil es in derartiger Musik für mich eher ungewohnt ist.


    Was mir immer wieder auffällt: Die Stimme und das Singen zeigen bis zum Schluss einen hellen, leichten und jungenhaften Klang, der sich eigentlich in den fast 30 Jahren, die durch Aufnahmen dokumentiert sind, nicht wesentlich verändert hat. Anfang der 30er Jahre zog sich David Devriès, wohl krankheitsbedingt, von der Bühne zurück. 1936 starb er im Alter von nur 54 Jahren.


    Zur Biografie werde ich in den nächsten Tagen noch einiges heraussuchen, denn er stammte aus einer Familie von berühmten Sängern des 19. Jahrhunderts und ist, soweit ich gesehen habe, auch mit der Familie des Schriftstellers Théophile Gaultier verschwägert gewesen. Zu seinen Freunden gehörte die Komponistin Lili Boulanger, von deren Werken er einige zur Uraufführung brachte. Aber davon später ...


    Liebe Grüße
    Petra

    Schade, dass Nalas tolle Thread-Idee so lange geruht hat und danke an Jacques und audiamus fürs Wiederaufrollen!


    Ich brauche auch etwas Zeit dafür, würde aber gern den Gustav III aus Verdis "Un ballo in maschera" übernehmen.


    :hello: Petra

    Ihr habt mich neugierig gemacht: Schon die Diskussion über die Traviata auf dem Züricher Bahnhof habe ich mitgelesen (die Traviata selbst allerdings nicht gesehen), und jetzt noch ein neuer Thread über den Alfredo dieser Aufführung ... Und der Alfredo ist eine meiner Lieblings-Tenor-Rollen.


    Also schnell mal ein paar Schnipsel angeschaut, um zumindest einen ersten Eindruck zu bekommen. Nun weiß ich ja, dass man von diesen Häppchen nicht auf ganze Rollenportraits schließen soll, aber Vittorio Grigòlo wird trotz seiner wirklich schönen Stimme so wie er jetzt agiert sicherlich nicht zu einem meiner Lieblingssänger. Zu demonstrativ schmachtend und zu selbstverliebt wirkt er auf mich. Wenn er das ablegen würde, könnte er mehr überzeugen.


    Aber eines hat die Sucherei zumindest für mich gebracht: Ich bin auf einen passionierten und expressiven Alfredo gestoßen, den ich in dieser Rolle bisher überhaupt nicht auf der Rechnung hatte – Ramón Vargas :jubel:.


    :hello: Petra

    Lieber Micha,


    Zitat

    Original von Michael M.


    Aber dann habe ich auch noch eine Bitte an euch: hört ihr euch bitte Bidú Sayao an, meine Überfavoritin (MET 1943, mit Charles Kullmann und Leonard Warren, es dirigiert Cesare Sodero). Auch eine leichte Stimme, der Schymberg durchaus ähnlich. Ich habe sie (im Violetta-thread, der vor einigen Wochen ein bisschen parallel lief) schon mal hoch gelobt und freue mich auf Widerspruch oder Zustimmung...


    der Bitte komme ich gern nach, denn Bidù Sayao kenne ich zwar als Violetta noch nicht, höre sie aber ansonsten auch gern. Und ich meine auch, dass ihre Stimme der Schymbergs in vielem ähnlich ist. Werde sie also auf jeden Fall anhören und dann berichten ... :yes:


    Liebe Grüße
    Petra

    Liebe Theodora, lieber Michael,


    ich verfolge gerade Eure spannende Debatte zu der Schymberg-Björling-Traviata. Diese Aufnahme gehört mittlerweile zu meinen Lieblingen im CD-Regal - allerdings war meine erste Reaktion, als ich den ersten Akt zum ersten Mal hörte: A weia! Das langsame Tempo war auch für mich gewöhnungsbedürftig, es erinnert mich ein wenig an die deutsche Verdi-Renaissance der 20er Jahre.


    Die schwedische Sprache liebe ich sehr, da sie wegen der kleinen Nebenakzente in mehrsilbigen Wörtern sowohl gesprochen als auch im leichteren Repertoire gesungen in meinen Ohren sehr klangvoll ist. Der Haken im Operngesang liegt für mich darin, dass die offenen und breiten Laute Ä und Ö umso stärker ins Ohr fallen, je vehementer gesungen wird: "Låt oss höööra" oder "Dääär" klingt auch in meinen svenskophilen Ohren nicht ganz so elegant wie das jeweilige italienische Pendant; ähnlich ist es mit einem langgezogenen "Neeej". Aber da höre ich bei diesen Protagonisten gern drüber hinweg. (Außerdem scheint das auch vom Musikstil und Repertoire abhängig zu sein: die schwedisch gesungene Gralserzählung klingt in meinen Ohren sehr schön).


    Im ersten Akt klingt Hjördis Schymberg auch für mich nicht ganz ideal - nicht weil sie vom Stimmtypus her eher eine reifere Violetta abgibt (ich finde, man muss in dieser Rolle nicht unbedingt eine ganz junge Frau heraushören), sondern weil ihr die Rolle der Flirrenden, Koketten meiner Meinung nach nicht wirklich liegt, und die muss sie ja vor allem am Anfang spielen.


    Aber ich finde, sie macht das mehr als wett durch die Dramatik, die sie später auch mit ihrer recht kleinen Stimme entfalten kann - und durch die herzbewegenden Piani, hier stimme ich mit Theodora überein!
    Hjördis Schymberg ist vor allen in den leisen, nachdenklichen Passagen eine Meisterin der Nuancierung :jubel:, und man hört gerade bei ihr sehr deutlich, dass Violetta im Vergleich zu Alfredo wirklich die Reifere und Lebenserfahrenere ist.


    Hinzu kommt vielleicht, dass es für sie, soweit ich gelesen habe, das Debut als Violetta war und dass auch deshalb vielleicht eine gewisse Unsicherheit mit im Spiel war; im zweiten und dritten Akt finde ich sie sehr stark, vor allem auch im gestischen Singen!


    Conny Molin als Père Germont polarisiert wohl sehr stark, das habe ich auch hier im Forum schon lesen können, von "fürchterlich" bis "hervorragend". Mir hat er trotz der rauhen Stimme auf Anhieb gefallen.
    Sein Germont ist ein Vater, der zuerst felsenfest davon überzeugt ist, im Recht zu sein; der kommt in seiner festgefügten Welt gar nicht auf die Idee, was er mit seiner Überzeugungsarbeit anrichten könnte. Und diese Verbohrtheit bringt er überzeugend.


    Wunderbar finde ich die Szene zwischen Violetta und Germont im zweiten Akt :jubel: : Er kommt als moralisierender, auf den Ruf seiner Familie bedachter Bürger und geht als - ja als was? Zum Schluss, nach dem "Dite alla giovine", klingt das Singen zwischen den beiden fast ein wenig wie ein Liebesduett - Faszination und ehrliche Bewunderung für Violetta ist da Seiten des Germont (in meinen Ohren jedenfalls) reichlich vorhanden. Und wie sanft dieser Germont trotz der großen, rauhen Stimme singen konnte!


    So, und jetzt kommt etwas, das ich ganz dick unterstreiche (und zur Gesellschaft mitlamentiere):


    Zitat

    Original von Theodora: Die richtige Tragödie und Drama an der ganzen Sache ist es, dass das wirklich die einzige Aufnahme Börlings Alfredo ist, und sie ist wohlgemerkt aus dem Anno domini 1939! Mann! Wie konnte er das der Nachwelt antun??? ;(;(;(;(;(;(;(;(


    Dass ich ein großer Björling-Bewunderer bin, ist wohl hier im Forum mittlerweile hinreichend bekannt ;), aber es gibt auch Rollen, in denen ich andere lieber höre (Radames zum Beispiel oder auch den Rigoletto-Duca).


    Björling hat als Manrico, Roméo, Don Carlo oder Riccardo wunderbare Rollenproträts gezeigt, aber als Alfredo ist er für mich einsame Spitze!!!
    :jubel::jubel::jubel:
    Kein smarter Lover mit Blümchen-Romantik, sondern ein ernsthafter, leidenschaftlicher, pathetischer und auch etwas naiver junger Mann, der das Ziel hat, Violetta davon zu überzeugen, dass es eine Liebe gibt, die seinem Ideal entspricht. Für mich die Idealbesetzung in dieser Rolle, die ihm wirklich "auf den Leib geschrieben" war (und im entsprechenden Thread auch schon nominiert wurde :]). Leider hat er diese Rolle nach dieser Aufführung aufgegeben :faint:.


    Er zeigt in dieser Aufnahme von allen Protagonisten wohl die meiste italienische Schulung und sticht dadurch auch stilistisch heraus.


    Also für mich gilt: Je öfter ich sie höre, umso lieber mag ich diese "Traviata" (und bin deshalb wohl als Schiedsrichter wegen Befangenheit ziemlich unbrauchbar ;) ).


    Liebe Grüße,
    :hello: Petra

    Liebe Fairy, da stimme ich mit Dir überein; ich halte auch keine Interpretation für diskussionsunwürdig und ich habe auch Liedaufnahmen nach Heine-Texten, die ich sehr gern höre, obwohl ich weiß, dass dort weder Brechungen noch Ambivalenzen zum Ausdruck kommen.


    (Ist ein bisschen OT hier, aber eine der frühesten Schubert-Aufnahmen überhaupt ist "Am Meer" gesungen von dem Tenor Gustav Walter aus dem Jahr 1904. Gut, Schubert hat Heine anders vertont als Schumann, aber Walter setzt noch eins drauf: Pathetisch, leidenschaftlich und kein bisschen ironisch - völlig anders als wir es heute gewohnt sind, aber ich liebe diese Aufnahme!)


    Mich hatte nur die Frage etwas irritiert, wie die Ästhetik der Romantik überhaupt in der Praxis mitschwingen sollte, und da meine ich, dass das schon möglich ist. Aber das siehst Du, wie ich jetzt sehe, ja genauso.


    :hello: Petra