Beiträge von petra

    Lieber arimantas,


    Zitat

    Original von arimantas:


    In den professionellen Kritiken fiel von das Wort von der „Opernschmonzette“ oder es wurde von „Gounods zuckrige Roméo et Juliette-Oper“ gesprochen. Am deutlichsten bewertet Wofgang Schreiber Gounods lyrisches Empfindungsdrama als zweitrangig, dem „bei aller Inspiration der Gefühle abgeht, nämlich die zwingende melodische Verdichtung, die elementare Drastik szenischer Abläufe, die Plastizität rhythmischen Gestaltens, das macht fast allein Rolando Villazãn als Roméo wett.“


    ich habe mich auch schon häufiger gefragt, warum die französische Oper des 19. Jh.s oft so negativ beurteilt wird (auch einige Opern von Massenet teilen dieses Schicksal mit den Werken Gounods). Geht man mit den Maßstäben des Wagnerschen Musikdramas oder des späten Verdi an diese Werke heran, oder vergleicht man sie mit den veristischen? Ich bin keine Musikwissenschaftlerin und kann zur musikalischen Analyse leider wenig beisteuern, aber interessieren würde mich das schon.


    Zitat

    Zitat: Mir ist eigentlich nur der von Petra genannte Edmond Clément bekannt, der deren Möglichkeiten er in "Ah! lève-toi, soleil!" aufzeigt. Eine relativ kleine Stimme, aber welch klangliche Nuancierungen und welch anmutige Wehmut.


    Clément wurde 1867 geboren, noch in der vorveristischen Zeit ausgebildet und hat sich von der veristischen Manier wohl nicht so stark beeinflussen lassen. „Anmutige Wehmut“ trifft es genau, und seine Interpretation des kleinen Madrigals „Ange adorable“ mit Geraldine Farrar ist immer noch meine Lieblingsversion: kein strahlender, sondern ein verhaltener, fast schüchterner Roméo geht da auf seine Julia zu. Ob das heute noch beim Publikum ankäme?


    Sein Kollege Emile Scaramberg war noch 4 Jahre älter, sang jedoch z. B. den „Werther“ mit deutlich mehr „Druck“ und weniger Lyrismus, hatte neben dem französischen Fach auch einige Wagner-Partien in seinem Repertoire. Ich denke, dass durch die Einflüsse Verdis und Wagners, später auch der Veristen, die tragédie immer weniger „lyrique“ gesungen wurde.


    Zitat

    Zitat: Mich läßt allerdings die Frage nicht los, warum er auf Schwedisch poetischer singt. Denn Ich tendiere eigentlich, neben den anderen genannten Kriterien, zur Ansicht Martins, daß eine „möglichst perfekte Aussprache (idealerweise Muttersprachler)“ die Umsetzung des französischen Stils erleichtert. Vielleicht liegt es daran, daß Björling in der eigenen Muttersprache singend Text und Musik besser in Übereinstimmung bringen kann.


    In der eigenen Sprache zu singen, fällt wahrscheinlich immer leichter, das könnte wohl wirklich ein Grund sein. Ein anderer ist vielleicht mit Björlings Laufbahn begründet. Er war bis in die späten 30er Jahre hinein ein ungemein lyrischer Sänger. Trotz seiner etwas spröden, recht metallischen Stimme war der junge Björling für mein Empfinden einer der lyrischsten Sänger, die ich kenne. Er wollte jedoch ins Spinto-Fach, hat dies ja auch erreicht und seit den 40er Jahren versuchte er seine Stimme voller und schwerer zu machen – Caruso war ein großes Idol und sein eigenes Timbre vielleicht gar nicht so sehr sein Ideal (signifikant ist, dass er nach Aussage seiner Frau in der „Jussi“-Biografie Valletti und Tagliavini stimmlich weniger schätzte als den robusteren Jan Peerce).


    Ein anderer Punkt sind die Erwartungen des Publikums: Georges Thill, wohl einer der letzten großen Vertreter der alten französischen Schule, erntete an der Met für seinen Roméo und Faust sehr magere Kritiken. Nun war er vielleicht nicht so poetisch wie Björling, doch was wohl auch dazu beitrug, war die Tatsache, dass er den Schluss von „Salut demeure“ mit einem Diminuendo sang und das Publikum darüber enttäuscht war. Das ganze Konzept der Met-Aufführung von 1947 erscheint mir etwas dramatischer und „knalliger“ als die schwedische Aufführung, und Björling fügt sich da gut hinein; es wurde ja auch als „Sternstunde“ betrachtet – trotzdem mag ich die 1940er lieber!


    (Das ist jetzt ein bisschen OT, bezieht sich jedoch auch auf Deine Frage: Björling sang 1938 in einer schwedischen Studioaufnahme Manricos „Ah!si ben mio“ mit einem Pianissimo-Schluss – die Einspielung wurde seinerzeit nicht veröffentlicht, ist jetzt jedoch in der EMI-JB-Edition zu hören. Ich liebe diese Aufnahme! Ein Jahr später wurde Manricos Romanze mit einem pathetischeren Schluss aufgenommen und veröffentlicht. Natürlich auch sehr schön, aber ...)


    Der französische Stil der tragédie lyrique, wie er uns hier vorschwebt, ist im 20. Jh. wahrscheinlich nach und nach verschwunden oder vereinheitlicht worden. Eine Renaissance wäre wahrscheinlich schwer durchzusetzen (das Dirigat, das Orchester, der Mercutio und der Stefano kamen ihm in Salzburg in meinen Ohren am nächsten).


    Zitat

    Zitat: Hätte Björling heute in Salzburg eine Chance oder anders gesagt, wärt ihr nicht hingegangen, wenn Björling den Romeo von der Rampe aus gesungen hätte?


    Ich hätte das vokale Engagement bewundert, die sparsamen Bewegungen mit leichtem Zähneknirschen hingenommen – und wahrscheinlich in der Felsenreitschule viel Platz gehabt :D:D:D


    Aber im Ernst: Die Anforderungen in Bezug auf das gleichzeitige Darstellen und Singen haben sich derart gewandelt, dass ich seinem Roméo in der Publikumsgunst heute keine großen Chancen einräumen würde. Und vielleicht muss man deshalb bei den heutigen schauspielerisch begabteren Sängern einige Abstriche machen, was die vokale Darstellung angeht. Alles kann man wahrscheinlich nicht haben ...


    :hello: Petra

    Liebe Severina und liebe Elisabeth,


    danke für Eure Anregungen, mit denen ich garantiert etwas anfangen kann! Das scheint ja endlich einmal ein Sänger zu sein, der mit zunehmendem Alter besser und differenzierter wird (oft wird ja eher das Gegenteil beklagt).


    Ich habe mich tatsächlich zuerst an der Stimme festgehakt, die vielleicht nicht "schön" im Sinne von "rund", "sonor" oder "warm" zu nennen ist, aber in meinen Ohren einen ganz eigenartigen gebrochen-traurigen Ton hat (was sicherlich auch von Rolle zu Rolle variiert) und im Singen sehr suggestiv wirkt. Ich habe dabei auch sofort an den Rigoletto gedacht, und wenn Ihr beide diesen als eine seiner großen Rollenporträts nennt, werde ich wohl damit anfangen.


    In einem Verzeichnis über Gesamtaufnahmen habe ich eine Aufnahme aus den 80er Jahren gefunden, aber was Elisabeth hier aufgezeigt hat, ist schon von den Namen her ein Sängerfest für mich: auch Mosuc, Beczala und Polgár sind Sänger, die ich allesamt gern höre (besonders Polgár).


    Das "Elisier" hatte ich mir schon wegen Villazón und Netrebko vorgemerkt, das wäre dann ja auch eine Gelegenheit, Nucci im Buffofach zu erleben.


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Lieber Stephan,


    ich freue mich sehr darüber, dass sich hier auch die Sammler echter Schellack-Platten zu Wort melden. Einerseits bin ich ja froh darüber, dass in den letzten beiden Jahrzehnten so viele historische Aufnahmen auf CD herauskamen, wobei ich insbesondere die Aufnahmen aus der akustischen Ära , deren Interpreten noch mit einem Bein in der Gesangstradition des 19. Jh.s standen, gern höre. Andererseits ist es sicherlich ein ganz anderes Gefühl, ein über 100 Jahre altes Sammlerstück aufzulegen. Verbunden mit den entsprechenden Geräten macht man da ja wirklich eine "Zeitreise" - reizen würde mich das auch!


    Ich habe noch keine Aufnahmen von Irene Abendroth gehört, aber sie gehört, glaube ich, auch zu den rar Überlieferten, von denen nur sehr wenige Aufnahmen existieren, oder?



    Lieber Christian,


    das ist ja wirklich eine Perlenkette, ich bin gespannt auf Deine weiteren! Da einige Namen auch bei meinen Lieblingsaufnahmen vorkommen, mache ich hier praktischerweise gleich weiter:


    Luisa Tetrazzinis „Saper vorreste“ hast Du schon nominiert, ich gebe von ihr noch „Ah non giunge“ dazu. Ich habe Aminas Freude über das glückliche Ende selten so freudestrahlend gehört wie von Tetrazzini.


    Rosa Ponselles „Ernani, invola mi“ hätte ich auch mitgenommen, außerdem den Bolero der Elvira aus „I Vespri Siciliani“.


    Meine Lieblingsaufnahme von Nellie Melba ist ja eigentlich ein Abgesang – Melba war 66 Jahre alt, als sie mit dem viel jüngeren John Brownlee bei ihrem Farewell das Duett „Dite alla giovine“ sang. Aber wie bei wenigen anderen höre ich hier sowohl die Gefasstheit und Resignation, mit der sie den Entschluss verkündet als auch den Schmerz darüber. Hier widerlegt sie wirklich alle Kritiker, die sie immer als kühl und emotionslos bezeichnen.


    Conchita Supervia gibt ein herrliches Carmen-Porträt – mit lockender Natürlichkeit ohne alles aufgesetzt “Vamphafte”, das mir sonst diese Figur oft verleidet. Mein Favorit aus ihrer “Carmen” ist das temperamentvolle und ganz leicht im Stil der opèra comique gesungene “Chanson bohème”.


    Ernestine Schumann-Heink – da fällt mir als erstes ihr archaischer Klagegesang „Ach mein Sohn“ aus Meyerbeers „Le Prophète“ ein.


    Von Mattia Battistini nominiere ich „O sommo Carlo“ aus „Ernani“(Aufnahme von 1906).


    "Il segreto per esser felice" aus Lucrezia Borgia höre ich am liebsten mit Sigrid Onegin. Schumann-Heink hat es vielleicht expressiver gesungen, aber Sigrid Onegin hat ein Leuchten in den hohen Tönen, dass ich hier besonders gern höre.


    Liebe Grüße
    Petra

    Liebe Taminos,


    heute hörte ich zufällig aus Verdis "Ernani" die Cabaletta des Carlo, in der er Elvira ein glückliches Leben an seiner Seite verspricht. Den Sänger konnte ich zunächst nicht einordnen: ein etwas rauer, „körniger“ Bariton und sicherlich ein Singen ohne die Finessen der alten Belcantoschule, aber doch eine Stimme und ein Ausdruck im Singen, die mir gefielen: ein leicht elegischer und verschatteter Tonfall, der mich in diesem Stück eigenwilligerweise ein wenig an die Tenöre Jan Peerce und Richard Tucker erinnerte, und ein gestisches und expressives Singen, bei dem man die Figur gut vor sich sehen kann, auch wenn man den Darsteller nicht sieht.


    In der Absage erfuhr ich dann, dass es der Bariton Leo Nucci war, den ich bisher zwar dem Namen nach kannte und von dem ich vielleicht auch im Rundfunk schon die eine oder andere Aufnahme gehört habe, von dem ich jedoch noch keine größeren Rollenporträts kenne - bei dem Bekanntheitsgrad dieses Sängers sicherlich eine Bildungslücke ( :O), die ich gern schließen würde.


    Von einigen Kritikern wird er ja als eher rau und undifferenziert im Singen dargestellt. Ich halte mich lieber an die Meinungen der Taminos, und eine erste Suche ergab hier deutlich positivere Beurteilungen, z.B. in einigen TMOO-Threads, aber auch heftige Kritiken in anderen Rollen.


    Von diesem Sänger würde ich gern mehr hören und mich über Anregungen, Tipps und Stellungnahmen zu seinen Aufnahmen und Live-Auftritten freuen.


    Liebe Grüße
    Petra

    Liebe Severina,


    das einzige Problem für mich war die Tatsache, dass zwischen Deinen und den Beiträgen von arimantas meine Frage und Gregors Hinweis auf die Kritik standen, auf die ich mich dann wieder bezogen habe.


    Deshalb konnte ich Deine Bemerkungen zu der Anführung von Kritiken als Beweis nicht richtig einordnen und habe nur noch einmal nachgefragt.
    Einen "Angriff" habe ich darin wirklich nicht gesehen, und für mich ist jetzt auch alles klar :hello:.


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Liebe Severina,


    Zitat

    Original von Severina: :


    Rezensionen sind natürlich immer subjektiv, und sie als Beweis für die gute/schlechte Leistung eines Sängers ins Treffen zu führen (wie es hier immer wieder passiert ), finde ich lächerlich.


    wer hat denn hier eine Kritik als Beweis angeführt? ?(
    Ich hatte eigentlich nur eine Frage gestellt und den Hinweis auf die Kritik eher als Anhaltspunkt gesehen.


    Dass jede Kritik bei allen objektiven Gesichtspunkten, die ins Feld geführt werden können, auch ein sehr subjektives Moment beinhaltet, ist mir dabei auch klar.


    :hello: Petra

    Ich nehme auch eine Zanelli-Aufnahme mit, kenne ihn aber fast nur als Bariton und habe daher auch seinen Otello noch nicht gehört. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass er diese Rolle wesentlich subtiler angelegt hat als Vinay.


    Entdeckt habe ich ihn erst vor einigen Wochen: Ich hatte einige CDs als „Gesamtpaket“ ersteigert und mein Augenmerk eigentlich auf einen anderen Sänger gerichtet, bekam aber 2 CDs der Reihe „Great Voices of the Opera“ mitgeliefert, von denen die zweite Aufnahmen von Nazzareno de Angelis und eben Renato Zanelli enthielt.


    Da ich Stimme und Singen von de Angelis nicht sonderlich schätze und obendrein Zanelli mit Giovanni Zenatello verwechselte (:O), nach dessen Aufnahmen ich auch nicht gerade Schlange stehe, flog die CD erst einmal ungehört ins Regal. Als ich aber die Aufnahmen mit Zanelli dann endlich im CD-Player hatte, drehten sie sich eine ganze Weile lang. Bis auf eine, die ihn als Don José zeigt, stammen sie alle aus dem Jahre 1919.


    Besonders angetan hat es mir die Aufnahme „A tanto amor, Leonora“ aus Donizettis „La Favorite“. Zanellis warmer Bariton zeigt hier besonders viele Nuancen: ein verhaltener Beginn; leicht ironisch, aber auch mit einem Unterton von Trauer wendet sich der König seine „Favorite“, bei der er eben erkannt hat, dass sie einen anderen liebt. Zum Schluss nimmt die Stimme aber auch jene Bedrohlichkeit an, die zeigt, dass das angebliche Verständnis nur vorgetäuscht ist.


    Was mich neben der Wärme und Menschlichkeit, die Zanellis Stimme ausstrahlt, auch begeistert, ist (zumindest mein Eindruck), dass er in der Blütezeit des Verismo nicht in Versuchung gerät, Verismo-Elemente auf den Belcanto anzuwenden. Und gleichzeitig auch ohne Übertreibungen einen sehr gestischen Pagliacci-Prolog auf die Bühne stellen konnte ...


    Ach ja, und als kleine Zugabe würde ich noch das italienische Lied „Marianina“ mit einpacken, in dem er seine ja doch recht voluminöse Stimme auch ganz leicht durch die schnelleren Passagen führen kann.


    :hello: Petra

    Hallo Gregor,


    danke für den Hinweis auf die Kritik; da habe ich mit meiner Vermutung ja so falsch nicht gelegen. Und es zeigt wieder einmal, dass man von Studioaufnahmen nicht unbedingt auf die Leistungen auf der Bühne schließen kann und schon gar nicht von einer Arie auf die Gesamtleistung.


    :hello: Petra

    Ich kann das, was arimantas oben schreibt, gut nachvollziehen, glaube aber auch, dass ein Vergleich mit den auf Tonträgern verewigten Sängern (besonders aus der ersten Hälfte des 20. Jh.s) schwierig ist. Edmond Clément und Gaston Michelletti, aus deren spärlich überlieferten Ausschnitten ich mir sehr gute Roméos imaginieren könnte, waren noch Vertreter der alten französischen Schule – hell timbrierte Tenöre mit einer subtilen Verbindung von Wort und Ton, harmonischer Linienführung und eher lyrisch als dramatisch gestimmt.


    Schon Jussi Björling, der auch mein Favorit in Gesamtaufnahmen ist, hat einiges davon aufgegeben; arimantas hat es schon angesprochen: Der Mitschnitt von 1940 aus Stockholm zeigt noch einen Roméo der tragédie lyrique, während der Mitschnitt aus der Met von 1947 einen dramatischeren Zugriff hat. Sein Roméo von 1940 ist ein poetischer junger Mann, der von 1947 ein schwärmerischer Aristokrat mit oft etwas stark herausgestellten Spitzentönen..


    Die Frage ist nur: Könnte Björling heute noch als Roméo auf der Bühne bestehen? Die Erwartungen des Publikums gehen heute doch viel mehr in Richtung „Gesamtpaket“ aus Singen und Darstellen. Eine Fechtszene, wie sie in Salzburg dargestellt wurde, wäre mit Björling wahrscheinlich schwer vorstellbar gewesen; dieser hat sich, wie in den überlieferten
    Live-Ausschnitten zu sehen ist, immer sehr stark auf das Singen konzentriert. Das lässt wunderbare Rollenkonzepte für das Auge des Ohrs entstehen, machte seine Darstellung aber auch immer recht statisch.


    Der Roméo war in stimmlicher und stilistischer Hinsicht mit Alfredo Kraus sehr gut besetzt; mir fehlte in Kraus‘ Singen aber eigentlich immer der Hauch von Poesie, wie ihn z. B. Björling, später aber auch Feruccio Tagliavini und der junge Giuseppe di Stefano in ihre Rollen legen konnten. Letztere waren aber auch eher im italienischen Repertoire zu Hause ...


    Von Franco Corelli habe ich einmal Ausschnitte aus dem Roméo gehört: Ich mag sein Timbre sehr, aber seine Manierismen gehen mir besonders in lyrischen Partien ziemlich auf die Nerven; einen Roméo der tragédie lyrique habe ich dort ganz bestimmt nicht gehört.


    Der Stil wurde in den letzten Jahrzehnten auch immer stärker vereinheitlicht, so dass es wahrscheinlich wirklich schwer sein wird, einen heutigen Roméo in der klassisch französischen Manier auf die Bühne zu bringen.


    Rolando Villazón höre ich mit seinem dunklen Timbre und den starken Wechseln von Pianosingen zum dramatischen Ausbruch lieber im italienischen Repertoire.
    Stimmlich und stilistisch kann ich mirJoseph Calleja gut als Roméo vorstellen, habe aber bisher nur ein "Ah! lève-toi, soleil" von ihm auf CD gehört, das mich vom Ausdruck her nicht gerade vom Hocker gerissen hat und natürlich auch keinen Rückschluss auf die gesamte Rolle geben kann. Hat ihn schon jemand als Roméo gehört?


    :hello: Petra

    Lieber Peter,


    dieses Traum-Ensemble aus dem "Rosenkavalier" ist es sicherlich wert, mit auf die berühmte Insel genommen zu werden. Ich kenne es als Gesamtaufnahme leider noch nicht, habe aber einmal Ausschnitte daraus gehört.


    Weil es im Schellack-Forum schon einen Thread über "Historische Opernaufnahmen"gibt, in dem nach Gesamtaufnahmen gefragt ist, hatte ich hier aber eher an Einzelaufnahmen gedacht, damit nicht zu viel doppelt läuft.


    Lieber Thomas,


    du sammelst echte Schellackplatten? Ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt, habe aber meine historischen Aufnahmen bisher auf LP oder CD, einen Teil auch noch als Mitschnitte auf Kassetten. Von einer richtig großen Sammlung kann man bei mir noch nicht sprechen, aber ich arbeite fleißig dran :] .


    Angaben über CDs müssen ja nicht unbedingt gemacht werden; ich hatte für David Devriès eine "Fundstelle" angegeben, weil er wohl keine der ganz bekannten Sangesgrößen war.


    Ich gehöre übrigens nicht zu denen, die Max Lorenz schmähen; ich kenne nicht viel von ihm und höre auch seine Eigenheiten, war aber auch oft von seinem expressionistischen Ausdruckswillen fasziniert. Und ich stehe dazu, dass ich seinen Siegfried unter Furtwängler gern höre!
    (Und von Schlusnus nehme ich mit Sicherheit auch noch etwas mit!)


    Liebe Grüße :hello::hello:
    Petra

    Im zweiten Akt von Boieldieus Oper „La dame blanche“ bittet der junge Offizier George Brown die ominöse „weiße Dame“, die er bisher nur aus Erzählungen kennt (und an die er zunächst nicht recht glauben will), sich ihm zu zeigen: „Viens, gentille dame!“


    Der Tenor David Devriès (1881-1936), der aus einer bekannten Sängerfamilie stammte, 1903 an der Opèra comique in Paris debütierte und an diesem Opernhaus fast drei Jahrzehnte lang erfolgreich war, hat eine Aufnahme dieser Cavatine hinterlassen, die dazu geeignet ist, die weißen Damen sämtlicher schottischer Schlösser hervorzulocken (und mich hat sie vor einiger dazu gebracht, mich näher mit französischen Opern zu beschäftigen). Devriès singt sie mit unnachahmlichen Charme und feinen dynamischen Nuancen in den unterschiedlichen Abschnitten.


    Dabei ist seine Stimme sicherlich nicht das, was im Allgemeinen als „schön“ betrachtet wird: Es ist ein leichter, heller Tenor mit einer schönen voix mixte, aber einem ausgeprägten Vibrato, das sich vor allem beim Gebrauch der Bruststimme zeigt, deren eigenwilliger Klang zuweilen an eine tiefe Frauenstimme erinnern kann.


    Was diese beiden Aufnahmen so unwiderstehlich macht, ist die Ausführung voller Charme, Musikalität und Kunstverstand. Er trifft den sehnsüchtigen Tonfall durch feine Abschattierungen mit der voix mixte, zeigt am Schluss der Cavatine aber auch, dass er durchaus zu kräftigeren Tönen fähig ist. Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1930.


    Ebenso meisterhaft nuanciert gesungen ist die Erinnerung an den „moment plein de charme,“ die zwei Jahre vorher entstand: mit virtuoser Ausformung der Läufe und Triller, die hier ebenfalls ganz in den Dienst des Ausdrucks gestellt werden - und er zeigt uns in dieser Aufnahme, wie unterschiedlich nuanciert man die einfachen Silben "La la la" singen kann ;) .


    u. a. hier zu finden:



    :hello: Petra

    Die tropischen Temperaturen der letzten Tage waren wohl Schuld daran, jedenfalls kam ich auf die Idee, einen „Einsame-Insel-Thread“ für Einzelaufnahmen der Schellackzeit zu eröffnen – eine Schatzkiste, in die jeder seine Lieblingsaufnahmen aus der ersten Hälfte des 20. Jh.s hineinlegen kann.


    Nun habe ich gesehen, dass es für Gesamtaufnahmen und Instrumentalaufnahmen aus dieser Zeit schon entsprechende Threads gibt, deshalb möchte ich mich hier auf Einzelaufnahmen aus der Welt der Oper, Operette, des Musicals oder des Liedes beschränken.


    Welches sind Eure Perlen für die Schatzkiste? Es können einzelne Arien oder Lieder sein, Duette oder Ensembles. Meine Lieblingsstücke werde ich in nächster Zeit hier vorstellen.


    Liebe Grüße
    Petra

    Ich schätze zwar durchaus gut gemachtes Regietheater, fand jedoch auch diese konventionelle Inszenierung schlüssig und nicht unbedingt langweilig.


    Nino Machaidze hat mir stimmlich und auch darstellerisch gut gefallen, auch im Hinblick darauf, welcher Druck auf ihr gelastet haben muss.
    Sie ist auf jeden Fall eine Sängerin, deren Weg ich weiter verfolgen werde.


    Rolando Villazón höre und sehe ich ehrlich gesagt lieber im italienischen Repertoire, mit seinem Stil in der französischen Oper kann ich mich nicht recht anfreunden. Was bei Verdi und Puccini gut am Platze ist, kann hier leicht übertrieben wirken; beim Roméo höre ich persönlich auch lieber ein etwas helleres Timbre mit sicherer Höhe.


    Mit Emotione teile ich die Auffassung, dass der Dirigent und das Mozarteum-Orchester für Gounod den richtigen Ton getroffen haben.


    Und Cora Burggraaf hat stimmlich und darstellerisch aus dem Stefano eine Hauptrolle gemacht!!!


    :hello: Petra

    Lieber Operus,


    das, was Du im Vergleich zwischen Erb und Wunderlich angesprochen hast, kann ich gut nachvollziehen.


    Mir fiel in diesem Zusammenhang ein schöner Vergleich ein, den Jürgen Kesting irgendwann einmal in einer seiner Sendungen gebracht hat und den ich sehr treffend fand. Er stellte die unterschiedlichen Interpretationen des Belmonte durch Peter Schreier und Fritz Wunderlich vor und meinte dazu, Schreiers Belmonte sei „Oh, wie ängstlich“, der Belmonte Wunderlichs dagegen „Oh, wie feurig.“


    Ebenso könnte man sagen, dass man bei Erbs Evangelisten das „gequälte Herz“ hört, bei Wunderlich eher die Aktivität und die Hoffnung. Für mich ist es immer wieder erstaunlich zu hören (ich selbst bin ja keine Sängerin), wie unterschiedlich die Konturen sind, die verschiedene Künstler einer Figur mitgeben können. Und ich vergleiche sehr gern die unterschiedlichen Gesangsstile, die uns im Laufe des 20. Jh.s begegnen.

    Und dieser Gegensatz zwischen der von Dir angesprochenen eigentümlichen Herbheit im Timbre einerseits und dem Klageton auf der anderen Seite ist es, der mich vielleicht nicht gerade zu Erbs Mozart- oder Wagneraufnahmen greifen lässt, der mich aber in anderen Bereichen (z.B. bei Schubert) immer wieder fasziniert.


    Die erste Aufnahme, die ich von ihm hörte, war das Duett aus dem „Don Pasquale“ mit seiner späteren Frau Maria Ivogün und einem Ausdruck, den ich nur als „herb-fragil“ bezeichnen kann und der aus heutiger Sicht sicherlich auch etwas altmodisch klingt, der mich aber veranlasste, nach weiteren Aufnahmen zu suchen. Und wenn ich auch nicht alles gelungen finde, was er gesungen hat, so taucht er doch regelmäßig in meiner Liste der Lieblingssänger auf.


    Bei Wunderlichs Singen gibt es objektiv sicherlich viel mehr zu bewundern, und er ist garantiert einer der Großen des 20. Jh.s, aber er gehört dennoch nicht zu meinen persönlichen Favoriten - was aber an mir liegt: Ich habe schon immer eher ein faible für die etwas kleineren, spröderen Stimmen und das entsprechende Singen gehabt.


    Herzliche Grüße
    Petra

    Chapeau den Musencousins :hahahaha::hahahaha::hahahaha:
    einer geht noch:


    Verwechslung


    Ein barihunk ging durch die Wogen
    der Fans, die vor Jubel sich bogen.
    Doch was er dann hörte,
    ihn doch etwas störte:
    Die Menge rief: "Bravo, Hulk Hogan!"


    :beatnik: Petra

    Audiovisuelles


    Ein barihunk wollt´, statt zu singen,
    als Tarzan beim Film sich verdingen.
    Physique du rôle? Klar!
    Nur das „Ua ua ua uaah“
    das wollt´ - weil zu hoch – nicht gelingen.


    Der Regisseur sprach: „Null Problemo!
    Es ist ja nicht bel di vendremo!
    Den jodelnden Jubel
    bringt dann halt ein Double;
    der schafft auch das C in extremo.“


    „Ich biete Authentizität,“
    sprach der Recke, „wo mein Name steht:
    die gesamte Person
    und auch jeden Ton!
    Man sorge dafür, dass es geht!“


    Man lobte sein Spiel, das versiert zwar,
    authentisch und niemals geschmiert war,
    doch leises Gemunkel:
    „Der Schrei war zu dunkel ...“
    Ob´s doch etwas weit transponiert war?


    :hello: Petra

    Wenn von den großen italienischen Primadonnen des klassischen Belcanto-Stils die Rede ist, fallen meist drei Namen: Adelina Patti, Nellie Melba und Luisa Tetrazzini. Patti und Melba haben ja schon Threads im Schellack-Forum, und die jüngste der drei sollte hier nicht vergessen werden.


    Luisa Tetrazzini konnte ihr Publikum durch ihre kühnen Ornamente und ihre kraftvollen hohen Töne zu Begeisterungsstürmen veranlassen; Toscanini wird der Ausspruch zugeschrieben, sie sei ein “soprano pirotecnico” gewesen. In der hohen Lage konnte sie so kraftvoll singen, dass sie von dem Gesangsspezialisten John Steane in dieser Hinsicht sogar mit Birgit Nilsson verglichen wurde (nach Kesting “Die großen Sänger”, S. 152).


    Zeitgenössische Kritiker monierten gern, dass sie virtuoser wirke als sie in Wirklichkeit war, ärgerten sich über ihre Bühnenstunts, verwiesen auf die gequetschten Töne in der tieferen Lage, den typischen “Baby-Sound” – vergebens. Die am 28. 06. 1871 in Florenz geborene Luisa Tetrazzini hatte zwar eine lange Anlaufzeit, um richtig bekannt zu werden. Als junge Sängerin gastierte sie an vielen Bühnen (Neapel, Buenos Aires, Warschau, Lissabon), ohne den ganz großen Durchbruch zu erlangen. Dieser kam dann jedoch 1907 an der Londoner Covent Garden Opera und 1908 am Manhattan Opera House in New York, beide Male als Violetta; von da an lag ihr das Publikum zu Füßen.



    Luisa Tetrazzini strahlte weder Glamour noch damenhafte Kühle aus – schon als junge Sängerin wirkte sie recht kompakt. Ihr Timbre hatte nicht die kristalline Reinheit, mit der Nellie Melba, Emma Eames oder später Amelita Galli-Curci aufwarten konnten. Die makellose Virtuosität der Sängerinnen der Alten Schule wurde von ihr nicht mehr erreicht; ihre Aufnahmen zeigen vielleicht auch so etwas wie einen Abgesang auf das hohe Ideal des Belcanto.


    Was ihr Singen jedoch unwiderstehlich machte, sind die Natürlichkeit und die Spontaneität, die auch nach ca. 100 Jahren auf den heutigen Hörer noch wirken: Es ist ein kommunikatives Singen mit vokaler Phantasie und kokettem, manchmal auch etwas robustem Charme. Auch wenn die Sängerin ihre leuchtenden hohen Töne und Koloraturen gern ein wenig herausstellte, wirken sie nicht wie Selbstzweck, sondern unterstreichen die Darstellung und charakterisieren die Figur.


    Als Page Oscar in Verdis “Un ballo in maschera” singt sie “Saper vorreste” mit dem Ausdruck eines naseweisen und naiven Jungen, der mit der Wahrung eines Geheimnisses kokettiert, um es später doch preiszugeben – mit fatalen Folgen, wie wir wissen. Und das wiederholte “Tra la la la ...” färbt sie so burschikos ein, dass man trotz des fraulichen Timbres diesen kecken Jungen förmlich vor sich sieht.


    Und selten habe ich in Aminas “Ah, non giunge” so viel überbordende Freude gehört wie bei Tetrazzini: In der Opernfigur hört man die Freude am glücklichen Ende, bei der realen Sängerin meint man eine Freude am Singen zu hören, die kommunikativ ist und ansteckend wirkt. Das Gleiche gilt für Philines “Io son Titania” aus der Oper Mignon – zum Ausdruck kommen nicht nur Philines, sondern auch Luisas Freude am großen Auftritt.


    Den “großen Auftritt” genoss sie allerdings auch in ihren Aufführungen gern: Es gibt da diesen schönen Bericht über eine “Traviata”, bei der sie, während sie das hohe Es am Ende von “Sempre libera” sang, die Schleppe ihres Kleides aufnahm und von der Bühne ging, wobei sie den Ton hielt, bis sie außer Sichtweite war ...


    Das mag von den Kritikern zu Recht als Primadonnenallüre getadelt worden sein, die Begeisterung des Publikums war ihr gewiss. Und man kann es nachvollziehen, wenn man ihre Aufnahme der Szene hört. Tetrazzini ist auch vom vokalen Typus her keine zerbrechliche Violetta; morbidezza und fragiles Pathos, die man eigentlich mit dieser Rolle assoziiert, hört man bei ihr weniger. “È strano” und “Ah, fors è lui” singt sie eher mit mädchenhafter Verwunderung und Neugier über die nie gekannten Gefühle, die dieser eigenwillige junge Mann mit seiner Sorge und Ernsthaftigkeit in ihr geweckt hat.


    Ich warte in dieser Szene immer auf eine für meinen Geschmack wunderschöne Auszierung in Form einer Schleife mit einem hohen Ton, die einige Diven der Jahrhundertwende auf “dell úniverso” gesungen haben, und die diese Phrase richtig aufleuchten lässt. Außer Tetrazzini haben vorher auch Marcella Sembrich, Nellie Melba und Gemma Bellincioni die Phrase auf diese Weise ausgeformt. Den Teil der Szene ab “Follie! follie! ...” singt sie nicht so fieberhaft-exstatisch wie später manche Verismo-Diven, sondern eher mit trotzig-auftrumpfender Gebärde und einer vokalen Tour de force.


    Von Kollegen wurde Luisa Tetrazzini als warmherzig, humor- und temperamentvoll geschildert, und ihre besten Aufnahmen sind vielleicht diejenigen, in denen sie diese Facetten ihrer Persönlichkeit mit einbringen konnte. “Una voce poco fà” zeigt sie als charmant und gestisch singende Buffo-Interpretin; nach den Aufnahmen von Conchita Supervia und Maria Callas ist ihre meine drittliebste Version.


    Der Ausdruck von Elegie und Melancholie lag ihr wohl weniger, weshalb vielleicht “Caro nome” und Aminas “Ah, non credea ...” wohl nicht zu den Aufnahmen gehören, an die man sich zuerst erinnert, wenn man ihren Namen hört.



    Nach den Erfolgen in England und den USA konzentrierte sie ihre Karriere in erster Linie auf diese beiden Gebiete. In New York gab es einige Differenzen mit dem Management, so dass sie auf einer Pressekonferenz erklärte, sie wolle lieber in den Straßen von San Francisco singen, denn die seien frei. Dass dies keine leeren Worte waren, bewies sie am Weihachtsabend des Jahres 1910, als sie dort auf einer Bühne unter freiem Himmel vor einer begeisterten Zuschauermenge sang ...


    1912 gab sie ihre Karriere als Opernsängerin auf, hatte jedoch noch große Erfolge als Konzertsängerin. Privat hatte sie weniger Glück: Zwei Ehen scheiterten; der dritte, wesentlich jüngere Ehemann, den sie als Mittfünfzigerin geheiratet hatte, gab ihr Geld mit vollen Händen aus, so dass sie in den 30er Jahren ziemlich verarmt war.


    Spöttelnde Fragen nach den Gesangskünsten im reiferen Alter beantwortete sie auf ihre Weise: Sie ging ans Klavier, demonstrierte ihre immer noch stupende technische Virtuosität und kommentierte dies mit dem Satz: “Sono vecchia, sono grassa, ma sono sempre la Tetrazzini!” (“Ich bin alt, ich bin fett, aber ich bin immer die Tetrazzini”).

    In Rom und Mailand wirkte sie bis zu ihrem Tod am 28. 04. 1940 als Pädagogin. Bereits in den 20er Jahren entdeckte sie in San Francisco ein noch sehr junges Mädchen, das als musikalisches Wunderkind galt und schon mit 11 Jahren Konzerte gegeben hatte. Luisa Tetrazzini nahm die vielversprechende junge Sängerin mit nach Mailand, wo diese eine umfassende Ausbildung erhielt und später eine der bedeutendsten Koloratursopranistinnen wurde. Wegen ihrer fülligen Statur hatte auch sie einige Häme zu ertragen (und wurde bei einem Opernfilm durch ein Double ersetzt), aber sie hat Aufnahmen hinterlassen, die zu meinen Lieblingseinspielungen gehören: Es war Lina Pagliughi.

    Zitat

    Original von pt_ concours:


    .und natürlich auch im Lied "In Grün will ich mich kleiden..."


    Interessant finde ich es, wie das "Grün" in Schuberts "Müllerin" als Zeichen umgesetzt und umgewertet wird:


    "Die liebe Farbe" verspricht ja eigentlich ein positives Bild; in dem Lied selbst werden zu der weichen Melodik jedoch Motive von Tod und Trauer aufgerufen: "in grüne Tränenweiden" oder


    "Grabt mir ein Grab im Wasen,
    deckt mich mit grünem Rasen,
    mein Schatz hat's Grün so gern."



    "Die böse Farbe" ist aus der Perspektive des Ich wohl in erster Linie deshalb "böse" (und wird auch musikalisch "ausgescholten"), weil sie zu viel Lebenskraft ausstrahlt:


    "Ich möchte die grünen Blätter all
    pflücken von jedem Zweig,
    Ich möchte die grünen Gräser all
    weinen ganz totenbleich."


    :hello: Petra

    Liebe Maggie, ich unterstreiche mit! Das ist für mein Empfinden eine sehr poetische Aufnahme, die ich nicht nur Lina Pagliughis wegen liebe, sondern auch wegen der übrigen Besetzung:


    Ferruccio Tagliavini ist für mich ein idealer Elvino, hat ja manchmal ein etwas schmachtendes Singen, aber überschreitet nie die Grenze zum Kitsch. Und Cesare Siepi höre ich in vielen Rollen gern, hier aber am allerliebsten, weil seine noble Art zu singen wirklich den ins heimische Dorf zurückgekommenen "Fremden" auf die Bühne stellt (und ich kann mich an der Szene. in der er Amina bei sich im Zimmer findet, nicht satt hören - von beiden wundervoll gesungen :angel::angel: ).


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Eben entdeckte ich bei youtube Ausschnitte aus einem Opernfilm aus dem Jahre 1949:
    Rigoletto mit Tito Gobbi, Mario Filippeschi als Herzog und Lina Pagliughi als Gilda.
    Doch halt – die schlanke Blondine, die ich dort sah, konnte unmöglich Lina Pagliughi sein.
    War sie auch nicht; sie „durfte“ zwar singen (und war wie immer eine zart-herbe Gilda), aber gespielt hat Marcella Govoni, während in den anderen Rollen die Originalsänger zu sehen waren.


    Es ist anscheinend diese DVD:




    :hello: Petra

    Lieber Paul,


    auch ich kann wieder eine Lücke schließen, denn wie so viele der Künstler aus den 50er bis 70er Jahren war mir auch John van Kesteren bisher kein Begriff.


    Herzlichen Dank für die ausführliche, lebendige und anschauliche Darstellung, bei der man sich nicht nur über den Sänger, sondern auch über den Menschen dahinter ein Bild machen kann.


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Liebe Fairy,


    auch wenn wir die Stimme der Malibran leider nicht mehr hören können -
    du hast die Geschichte ihres kurzen Lebens so anschaulich erzählt, dass man auch ohne Tonträger meint, sie vor sich zu sehen und zu hören.


    Und das "Eintauchen" in die Kulturgeschichte kann ich gut nachvollziehen, da ich gerne nach Aufnahmen von Sängern Ausschau halte, die noch mit einem Bein im 19. Jh. standen und auch immer gern Querverbindungen zu Komponisten oder anderen Kunstformen suche.


    Ich schließe mich allem Dank und allen Jubelmännchen an! :jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel::jubel:


    Und ich glaube auch, dass Maria Callas weniger schnell in Vergessenheit geraten wird, weil ihre Kunst dank der erhaltenen Aufnahmen einfach besser bewahrt werden konnte. Umso schöner finde ich es, wenn die Großen vergangener Zeiten, deren Kunst wir heute nur ahnen können, wieder aus der Vergessenheit geholt werden.


    Liebe Grüße
    :hello: Petra

    Ich mag sein elegisches Timbre; es passt auch sehr gut zu seinen Rollen im "Fidelio":


    1950 als Jaquino unter Furtwängler




    und 5 Jahre später als Florestan unter Böhm (Patzak und Dermota sind meine Lieblings-Sänger in dieser Rolle)





    Und er ist einer meiner liebsten Taminos in der "Zauberflöte" ...



    :hello: Petra

    Als ich eben den Namen "Esther Réthy" las, fiel mir auch als erstes die Opernsängerin ein: Vor einigen Jahren (noch zu Lebzeiten der Sängerin) habe ich im Rundfunk ein Interview mit ihr gehört - mit großem Vergnügen, denn es kamen wirklich eine unbändige Erzählfreude und ein schlagfertiger Humor zum Ausdruck.


    Sie erzählte u. a. auch von ihrem Debut an der Seite Jussi Björlings, und dass sie die Rolle der Marguerite bis dahin nur auf Ungarisch gesungen habe, was in Wien natürlich nicht möglich gewesen sei.


    Auf den Einwurf des Moderators, der Tenor habe doch auch Schwedisch singen dürfen, kam die Gegenfrage, wie es wohl geklungen hätte, wenn entgegen dem restlichen Ensemble der Faust Schwedisch, und die Marguerite Ungarisch gesungen hätte ...


    Es gibt eine Edition von Koch/Schwann "Wiener Stattsoper live". Ich habe daraus die Nr. 4; Esther Réthy ist darauf leider nur in einem kurzen Ausschnitt aus dem "Faust"-Finale zu hören. Ich weiß nicht, ob sie auf anderen CDs aus dieser Reihe etwas besser vertreten ist - der Thread hier bringt mich gerade auf die Idee, genauer nachzuschauen ...


    :hello: Petra


    (Ich sehe gerade, dass sich durch Haralds Beitrag meine Suche erübrigt hat :hello:).

    Ich schließe mich den Glückwünschen an: Licia Albanese ist auch meiner Meinung nach eine der großen Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts.


    Ich höre sie am liebsten in Verismo-Rollen und meine Lieblingsaufnahme ist diese hier:



    Licia Albanese hat sowohl die Stimme als auch den idealen Ausdruck für Puccinis kapriziöse Manon Lescaut; ihre Interpretation gehört für mich zu den ganz großen Rollenporträts in der Opernwelt.

    :hello: Petra

    Liebe Severina,


    Zitat

    Original von severina:


    Er hat wahrscheinlich auf den üblichen Hauptverdächtigen getippt ;) :D


    das wird´s gewesen sein, so nach dem Motto: alles, was rauscht und sich nicht nach Bariton anhört ... :D:D



    Zitat

    Original von severina:


    In Wien gibt's übrigens ein Caffe, wo du Gefahr läufst, Gift (oder zumindest Rhizinusöl) in dein Getränk geträufelt zu bekommen, wenn du die im Hintergrund laufende Opernmusik nicht richtig besetzen kannst. Da es sich zu 99% um historische Aufnahmen handelt, stünden deine Überlebenschancen sehr gut, ich bin schon unzählige fiktive Tode gestorben.........


    Ein Caffe, in dem historische Aufnahmen laufen? :jubel::jubel:
    Da wäre ich wahrscheinlich Stammgast, wenn´s nicht so weit wäre :faint: :angel:


    Aber ich weiß nicht, ob meine Überlebenschancen so gut wären, wenn Aufnahmen aus den 50er bis 70er Jahren gespielt würden. Die sind ja heute auch schon historisch, aber da haperts bei mir und meine Standardantwort wäre wahrscheinlich "Güden-Köth-Rothenberger" ...
    (natürlich nur bei den Sopranen ;) )


    :hello: Petra

    Doch, ich trau mich - vielleicht, weil ich keine tolle Spezialistin bin :D?


    Als ich die ersten Aufnahmen mit Rolando Villazon hörte, hätte ich jedesmal, wenn ich die Ansage nicht mitbekommen hatte, schwören können, es sei Placido Domingo :O . Mittlerweile höre ich seine Stimme besser heraus :angel:.


    Zitat

    Brangäne: Obwohl Pavarotti verwechseln - mein Gott.... X( :D :D


    Das ist meinem Mann vor einigen Jahren passiert. Ich schimpfte etwas darüber, dass ich die Aufnahme des jungen Pavarotti "Cuius animam" des schlechten Rundfunk-Empfangs wegen nur sehr "rauschig" auf Kassette gebannt bekommen hatte.


    Worauf mein Mann, der zufällig ins Zimmer kam und nur kurz hineinhörte, tröstend meinte: "Na ja, die Aufnahme ist ja wahrscheinlich auch weit vor 1960 entstanden ..."
    Auf mein erstauntes Gesicht hin kam die Frage: "Wieso - ist das nicht Björling?"


    :hello: Petra

    Ich habe Erwin Schrott noch nicht live auf der Bühne gesehen, kann mich also nur auf Gehörtes und ein paar youtube-Schnipsel beziehen, aber ich sehe es ähnlich wie Severina: eine schöne Stimme, aber für mich kein Grund, sich in sie zu verlieben. Auch durchaus gutes Singen und ein Darsteller, der sich seines guten Aussehens sehr deutlich bewusst ist (das CD-Cover sieht meiner Meinung nach grauslich aus :pfeif:, auf der Bühne wirkt er dann doch etwas natürlicher).


    Abgesehen davon, dass mich die zweierlei Maß, mit denen offensichtlich gemessen wird, auch ärgern, bewirkte - sowohl was ihn als auch was AN betrifft - die Pin-Up-Attitüde, mit der sie sich oft darstellen, bei mir zuerst auch eher das Vorurteil, dass damit stimmliche Mängel kaschiert werden sollen.


    Nachdem ich AN als "Gesamtpaket" gehört und auf DVD gesehen habe (L´Elisier und Traviata), beurteile ich sie weitaus positiver. Vielleicht geht es mir mit Erwin Schrott genauso, wir werden sehen ...


    :hello: Petra

    Hallo Gregor,


    dein Beitrag, aus dem wirklich die Begeisterung spricht, hat mich heute angeregt, einen „Bastianini-Tag“ einzulegen, denn dieser Sänger war der erste Bariton, mit dem ich mich näher befasst habe, als ich die historischen Aufnahmen für mich entdeckt habe (vor etwa 10 Jahren). Ausgehend von Jussi Björling waren zunächst einmal die Tenöre an der Reihe :angel:. Aber zufällig lief damals im Radio noch einmal der „Trovatore“ aus Salzburg mit Corelli, Bastianini, Price und Simionato. Ich war von der Stimme ebenso fasziniert wie du und habe danach immer mal wieder nach Aufnahmen mit ihm ausgeschaut.


    Dass er dennoch nicht zu meinen absoluten Lieblings-Baritonen gehört, liegt einerseits wohl an meiner persönlichen Vorliebe, was Stimmen angeht – letzten Endes sind es meist doch nicht die großen, runden, sonoren Prachtstimmen, die mich am meisten fesseln, sondern eher die etwas kleineren oder die etwas spröderen. Das ist ein ganz subjektives Faible meinerseits und hindert mich auch nicht daran, Bastiannini unter die großen Baritone des 20. Jh.s einzuordnen, denn da gehört er sicherlich hin.


    Andererseits teile ich aber auch die Auffassung, dass die Interpretation der Rolle bei Bastianini oft etwas hinter der Stimme zurücksteht. Ich sehe nicht so leicht Figuren auf der Klangbühne wie bei Warren oder Gobbi. Vielleicht kann man ihn in dieser Hinsicht mit Placido Domingo vergleichen, dessen Rollenportraits meiner Meinung nach auch oft etwas hinter der prächtigen Stimme zurückstehen?


    Das zeigt aber auch, wie unterschiedlich die Wirkung einer Stimme und des dazugehörigen Singens aufgefasst werden kann: Wo der eine sagt: Wunderbare Stimme, aber das Bewegende fehlt mir, wird der andere mitgerissen und hört es völlig anders. Und das ist etwas, das man letzten Endes nicht logisch erklären, sondern nur empfinden kann.


    :hello: Petra


    P.S. Und ich habe gerade vor einigen Tagen wieder gesehen, wie unterschiedlich die Beurteilung ausfallen kann, wenn man einen Sänger nur gehört, aber nie live gesehen hat. Ich habe die Begeisterung vieler für Mario del Monaco nie verstehen können - nach einigen Ausschnitten, die ich mit ihm gehört und gesehen habe, teilt sich da schon etwas von der Faszination mit, die er in seinen Aufführungen ausgeübt hat ...