Beiträge von Gerald

    Und noch einige Schlüsselwerke der romantischen Kammermusik:



    F. Mendelssohn-Bartholdy
    Streichquartette 1,4,6 (op. 80, f-Moll)
    Ulbrich Quartett



    R. Schumann
    Klavierquartett op. 47
    + J. Brahms
    Klavierquintett op. 34
    Gould, Juilliard Quartet, Montreal Quartet


    Liebe Grüße,
    Gerald

    Heute möchte ich dem kleinen Publikum einen Aufsatz von Walter Abendroth aus dem Jahre 1952 (aus dem Buch: „Vier Meister der Musik: Bruckner, Mahler, Reger, Pfitzner“, Prestel Verlag München) vorstellen. „Das Reich des Unbewussten“ – so betitelt der Autor seine Abhandlung, die besonders als frühe Pfitzner-Rezeption der Nachkriegszeit interessant ist (Pfitzner verstarb 1949). Ich nenne, der besseren Lesbarkeit willen nur Zitate aus anderen Büchern und Quellen. Ansonsten entstammt der sämtliche Inhalt diesem Aufsatzes – teils frei ergänzt, wörtlich übernommen und stark gekürzt.


    Bei Hans Pfitzner ist es das „Reich des Unbewussten“, das er selbst als den „Schoß der Inspiration“ bezeichnet. Der Mensch und Künstler Pfitzner war diesem auf eine ganz besondere Art erkenntnismäßig wie schöpferisch verbunden. Die Religion jedoch schien Pfitzner dieses „dunkle Reich“ nur einzuengen, da sie durch willkürliche Begriffsbestimmungen der letzten Wahrheit vorzugreifen versuche.


    Dem kritischen Denker Pfitzner war hingegen die Philosophie Schopenhauers eine Art Ersatzreligion. Die Aussagen des Philosophen in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ beeinflussten den Komponisten entscheidend – Gedanken wie die Einsicht, dass „die Kunst, das Werk des Genius“ sei, die „jenes außer und unabhängig von aller Relation stehende, allein eigentlich wesentliche der Welt, den wahren Gehalt ihrer Erscheinungen, das keinem Wechsel unterworfene und daher für alle Zeiten mit gleicher Wahrheit erkannte, mit einem Wort, die Ideen“ betrachte und das Genie „sein Interesse, sein Wollen, seine Zwecke ganz aus den Augen [...] lassen“ kann, „um als rein kennendes Subjekt, klares Weltauge übrig zu bleiben“ kamen Pfitzner in seiner Weltanschauung sehr entgegen.


    Hans Pfitzner konnte deswegen, ähnlich wie Gustav Mahler, das einseitige musikalische Handwerk nicht befriedigen. Für ihn galt das Handwerk nur als selbstständige Voraussetzung: als Mittel, nicht als Aufgabe. Obwohl die Musik sein ganzes Leben erfüllte, erkannte er, dass das „Menschliche“ nicht mit dem „Musikalischen“, überhaupt dem Künstlerischen erschöpft und erfüllt sein könnte. So meinte er es mit dem Spruch: „Das Höchste in der Kunst – vor Gott besagt’s nicht viel. Hat doch die Welt zuletzt nur ein moralisch Ziel.“ Das war ein völlig anderer Zugang zur Musik als jener Bruckners, der sein „Te Deum“ bekanntlich vor Gottes Richterstuhl bringen wollte, und seine 9. Sinfonie „dem lieben Gott“ gewidmet hatte.
    Pfitzner war kein „Vielschreiber“ im Sinne täglicher Handwerks-Übung. Er wollte nur das Höchste, dessen er sich fähig wusste, zu Papier bringen. In uninspirierten Stunden pflegte er lieber das praktische Musizieren, Philosophie und Literatur. All das tat Pfitzner stets sehr angespannt, intensiv, sensibel. Untätigkeit und geistige Ruhe waren ihm fremd. Auch kann seine Musik nie als „Salonmusik“ oder bloße Unterhaltung gehört werden. Ihre Dichte erfordert besondere Aufmerksamkeit, erschöpft auch manchmal. Diese Umstände haben sicherlich die breitere Aufnahme seiner Werke eher gehindert, sind aber wesentlich für Pfitzners Eigenart.


    Die Vielseitigkeit seines geistigen Lebens konnte ihn jedoch nicht dazu verführen, die musikalischen Experimente seiner Zeit zu unterstützen: Programmmusik war ihm zuwider (er hielt auch nichts von der Musik Listzt’s), Form und Inhalt waren ihm selbstverständlich und so lehnte er theoretische Überlegungen, welche den Inhalt gegen die Form ausspielen wollten, auch jede „aharmonische“, also atonale Musik ab. Vielmehr griff Pfitzner auf seine musikalischen Leitsterne – Schumann und Wagner – und auch auf Weber und Brahms zurück.
    Zu Wagner hatte Hans Pfitzner stets eine besondere Beziehung. Einerseits war er fasziniert vom dramatischen Dichter und musikalischen Verzauberer und Wagners Einsatz für das Musikdrama. Andererseits lehnte er den Spätstil des „Ring der Nibelungen“ eher ab: 1942 sieht Pfitzner in der untermalenden Motiv-Sinfonik „den Einbruch und das Überwuchern der malenden Unmusik der Oper.“ Wagner versuchte, mittels der Leitmotive Gedanken auszutauschen, Sinn zu geben. Damit wird die Musik nach Pfitzners Meinung allerdings begrifflich überladen und überfordert.
    Die Zentralgeschichte der ganzen Musikgeschichte aber war für Pfitzner Ludwig van Beethoven: er galt ihm als der reine Idealist, der Mann mit dem großen Herzen und dem unbändigen Freiheitsdrang, der die Musik zum Sprachorgan des hochgestimmten menschlichen Individuums erhoben hatte. Alles Frühere – auch Haydn und Mozart – war mehr oder weniger Vorbereitung auf dieses Ereignis gewesen. Diese Anschauung war nun genau jene der Romantiker, aus der auch Wagner seine sehr subjektiven Folgerungen der Musikentwicklung zog. Im Gegensatz zu diesem verkannte Pfitzner jedoch nie den Wert „absoluter“ Musik, sondern gab vom ersten Musikdrama („Der arme Heinrich“) an - unbewusst - den einzelnen Szenen den Rang nahezu auch „absolut“ gültiger musikalischer Gebilde. Seine Szenen sind geschlossener, als Wagner es für erstrebenswert gehalten hatte.


    Was ist nun aber das Typische seiner persönlichen Kunstmittel? Nachdem Pfitzner der Einfall als das Höchste galt, konnte er die überlieferte Formen seinen unterschiedlichsten Gedanken gemäß wesentlich verändern, selbst die Sonatenform grundsätzlich variabel machen. Der Einfall, das Gnadengeschenk der Inspiration, konnte ohne weiteres aus sich eine logische, verständliche Form finden, die aber, gleichsam einem „Naturgesetz“ folgend, stets die überlieferten musikalischen Formen als solche erhielt. Es verdient auch bemerkt zu werden, dass Pfitzner nie „mit der Form gerungen“ hat. Sobald ihm der Einfall gegeben war, vollzog sich die kompositorische Arbeit in geradliniger, anscheinend müheloser Art. Das heißt allerdings nicht, dass Pfitzner jeden „Einfall“ immer in seiner ersten Art kritiklos gutgeheißen hätte. Vielmehr besaß auch er seine Skizzenbücher, in denen die Spuren des Feilens an solchem Einfallsgut bis zur idealen Form zu finden sind.
    Entsprechend der Vielfältigkeit und Verschiedenheit der Einfälle ergibt sich auch eine große Breite der Pfitzner’schen Formenprägung. Man wird bei seinen Werken niemals zwei finden, die den selben Formverlauf zeigen: Die Form als ein lebendiges Wesen, das niemals bloßes Schema oder Schablone ist.
    Wie es also keine pauschal gültige Form Pfitzners gibt, so gibt es auch keinen spezifischen Typus seiner Themen, nicht einmal einen bemerkbaren thematischen Charakter. Die einzige zutreffende Beschreibung wäre, dass die Themen fast stets weitatmig, „groß“ und von ausgesprochener melodischer Qualität sind. Dies erwächst wieder der Größe der Einfälle.
    Pfitzners Harmonik sind zumindest einige Züge eigen, die es wert sind, kurz erwähnt zu werden. Einerseits „schaute er sich zusammen“, was bei Wagner und Brahms erst getrennte Wege gegangen war. Stärke als diese beiden Meister trennte er jedoch wieder Diatonik und Chromatik. Seine Harmonik hat immer ein tonales Zentrum, entfernt sich aber oft meilenweit davon und moduliert in die entferntesten Tonarten. Dabei vermeidet Pfitzner meist kadenzierende Passagen, so dass seine Harmonik keinen „Sog“ entwickelt, sondern eher als „schwebend“ bezeichnet werden kann. Auch der originelle Gebrauch der herben Kirchentonarten ist bei ihm oft anzutreffen (z.B. im Vorspiel zum 1. Akt des „Palestrina“). Besonders durch seine Harmonik war Pfitzners Musik lange fortschrittsweisend – nicht umsonst galt ihm die Wertschätzung u.a. Alban Bergs. Trotzdem ist nie ein suchendes Experiment, wie jene vieler seiner Zeitgenossen, sondern stets ein vollwertiges Beispiel des neuen Stils.
    In der Instrumentation bevorzugt Pfitzner einen durchsichtigen, transparenten Orchesterklang mit breitem koloristischen Ausdruck. Klangmassen wie jene Richard Strauß’ sind nur selten bei ihm anzutreffen. Auch eine gewisse Mäßigung bei der Verwendung des Schlagzeugs ist zu bemerken. Wie überall gilt ihm auch hier das „Gebot der ästhetischen Ausgewogenheit“.


    Obwohl sich Pfitzner zeitlebens zur schöpferischen Vielseitigkeit bekannt hat, betrachtete er doch die Bühnenwerke als sein künstlerisches Hauptanliegen. Diese sind auch stofflich eng mit dem Reich des Unbewussten liiert. Es sind stets mythische Dramen, in denen es um Selbstüberwindung, innere Wandlung und Erlösung geht. Dies sind scheinbar die selben Themen, wie in den Musikdramen Richard Wagners, doch Pfitzner erschloss neue, tiefere Schichten der menschlichen Seele: Es ist nicht mehr die erotische Liebe zwischen Mann und Frau, die eigentlich in jeder seiner Opern fehlt, sondern eine höhere, geistige Zusammengehörigkeit.


    Um näher auf die einzelnen Werke Pfitzners einzugehen, wie Walter Abendroth es tat, fehlt hier der Platz. Ich werde es auch nicht tun, außer es besteht ausdrücklich der Wunsch danach. Zu bemerken ist nur, dass eine „Entwicklung“ von Werk zu Werk nicht festzustellen ist. Vielmehr gilt, dass in jedem Drama sich neue Möglichkeiten und Notwendigkeiten ergeben, den Stoff musikalisch umzusetzen. Im „Armen Heinrich“ herrscht der Ausdruck des Leidens, der Düsterheit, der Strenge und Schicksalhaftigkeit. Die Musik der „Rose vom Liebesgarten“ ist vom ersten bis zum letzten Takt durchtränkt von romantischer, echter, unsentimentaler Naturseligkeit. Der Stil der „Christelflein“-Musik ist grazil, beweglich, spritzig, menschlich.
    Die Klangwelt des „Palestrina“ scheint linear, asketisch, unsinnlich und herb, ist aber durchaus nicht nur für den Intellekt, sondern auch für das genussfreudige Ohr geschrieben. Über der „Herz“-Musik liegt der faszinierende Schimmer der Spätreife. Alle Schönheiten sind hier von zarter Verhaltenheit und schlichter Formulierung, daneben herrscht aber auch Dämonie und Magie.


    Von den Chorwerken Pfitzners sollen nur die beiden Hauptwerke erwähnt sein. Das größte und genialste dieser Gattung in seinem Schaffen ist sicher die „romantische“ Kantate „Von deutscher Seele“ nach Sprüchen und Gedichten von Pfitzners bevorzugtem Dichter Eichendorff. Das abendfüllende Werk für Chor, Soli, Orchester und Orgel ist das gewichtige Gegenstück zur Bühnenlegende „Palestrina“. Die Kantate gliedert sich in drei Abschnitte: „Mensch und Natur“, „Leben und Singen“ und „Liederteil“. Wieder sind die Ausdruckswerte, Formen und Farben der Musik höchst unterschiedlich.
    Die schwermütige Chorphantasie „Das dunkle Reich“ ist eigentlich ein spätes Requiem für Pfitzners 1926 verstorbene Frau Mimi. Das „Reich“ ist aber auch eine Provinz des „Reiches des Unbewussten“ (oder umgekehrt?), es ist das Reich des Todes und der Toten.


    Pfitzners Liedschaffen ist sehr umfangreich (über 100 Lieder) und bedeutend. Es gehört in die Reiher der großen lyrischen Vermächtnisse von Schubert, Schumann, Brahms und Wolf. Wie jeder dieser Meister hat auch Pfitzner seinen eigenen, persönlichen Klang, ohne dass man ihn auf einen bestimmten Stil festlegen könnte. Immer ist es aber die dem Vers abgelauschte Stimmung – nicht „Stimmungsmache“ (dies warf Pfitzner dem Werk Hugo Wolfs vor), die den musikalisches Verlauf bestimmt.


    Was Pfitzner an Kammermusik und Orchesterwerken geschrieben hat, ist zahlenmäßig nicht viel, was sicher auch ein erschwerender Umstand für die Popularisierung seiner Werke ist. Einige Werke sollen beispielhaft erwähnt werden: die Cellosonate fis-Moll op. 1, das Klaviertrio F-Dur op. 8, das Klavierquintett C-Dur op. 23, das geniale Streichquartett cis-Moll op. 36 und schließlich ein Spätwerk, das Sextett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klarinette op. 55; an Orchestermusik verdienen die drei Cello-Konzerte, das Klavierkonzert Es-Dur op. 31, das Violinkonzert h-Moll op. 34, sowie die 3 Sinfonien – op. 36a (nach dem Streichquartett op. 36), op. 44 in G-Dur (die „Kleine Sinfonie“) und op. 46 in C-Dur besondere Beachtung.


    Pfitzners einst mutige Überzeugung der Inspiration hat heute wieder mehr Anhänger gefunden als zu seiner Zeit. Er hat den Orientierungspunkte des Dauernden, Bleibenden, Wertbeständigen nie aus den Augen verloren. Der aber liegt – für menschliche Organe – im Reiche des Unbewussten.


    Liebe Grüße,
    Gerald

    Ich habe soeben die "Waldszenen" in der oben gezeigten Aufnahme gehört - der Zyklus ist eine sehr geeignete "Guten Morgen"-Musik - und einige Gedanken dazu notiert:


    Eintritt: Eine schöne, fröhliche Melodie über fast schon "hüpfender" Achtelbegleitung; Erinnert mich sehr an einige "Lieder ohne Worte" Mendelssohns
    Jäger auf der Lauer: Ein typisches "Florestan"-Stück Schumanns: "Höchst lebhaft" (Tempoangabe), kräftig und energisch;
    Einsame Blumen: Darauf folgt, wie so oft, der sanfte Eusebius; die Blumen scheinen getragenen, edlen Schmerz über ihre Einsamkeit zu empfinden;
    Verrufene Stelle: Etwas spröde, auch nach dem zweiten Hören; sehr schön aber der Schluss;
    Freundliche Stelle: mehr "freundlich" als gehaltvoll - aber dafür zügig und in einem Sog;
    Herberge: Eine schöne, nette Melodie mit unauffälliger Begleitung;
    Vogel als Prophet: Nach den 3 etwas schwächeren Stücken einfach nur mehr: Wunderbar!
    Jagdlied: Ein toller, kräftiger Klaviersatz. Auf zur Jagd!
    Abschied: Sehr lyrisch und schön - ein melancholischer Schluss und kein "Rausschmeißer".



    Zitat

    Das "Problem" dieses relativ langen Zyklus ist, dass die Stücke beim ersten Höreindruck nicht so eingängig sind.


    Die Gesamtlänge des Zyklus' "Waldszenen" liegt aber durchaus in Schnitt der anderen Zyklen. Ich habe zwar nur einige Einspielungen miteinander verglichen (die Interpreten könnten durch ihr jeweiliges Tempo natürlich die Statistik verwischen), bin aber auf folgende Längen gekommen:


    Kreisleriana: 31'56'' (A. Brendel, Philips 434 732-2)
    Kinderszen: 17'13'' (s.o.)
    Faschingsschwank aus Wien, op. 26: 20'39'' (S. Richter, EMI 5 75234 2)
    Nachtstücke op. 23: 17'13'' (B. Glemser, Naxos 8.550175)
    Davidsbündlertänze op. 6: 36'15'' (M. Rische, Koch 476 3057)


    Waldszenen, op. 82: 20'17'' (S. Richter, DG 447 440-2)


    Nicht besonders eingängig? Außer der "Verrufenen Stelle" finde ich alle Stücke ausnahmslos meodienreich und eingängig. Manche ("Freundliche Stelle") sind sogar schon ein wenig zu melodieselig.


    Zitat

    Dazu finde ich, dass sie zum größten Teil nicht so anspruchsvoll und spektakulär klingen wie sie tatsächlich sind (im Gegensatz zu Kreisleriana, Carneval, Symphonische Etüde, etc.). Das ist wohl auch einer der Hauptgründe, warum viele Pianisten diesen Zyklus meiden zu spielen.


    Die "Waldszenen" sind sicher weder spektakulär, noch bravourös (was Schumann auch nie sein wollte) - aber an Stimmung, Aussage, Gefühl und wunderbaren pianistischen Stellen sind sie für mich fast ebenso reich, wie die früheren, bekannten Zyklen.
    Ansonsten sind die Stücke ein typisches, bereits abgeklärtes Werk des reifen Schumann: fast schon klassisch, abgeklärt, ohne Aufregung.


    Außerdem ist die Reportoire-Einschränkung mancher Pianisten in letzter Zeit ohnehin schon an der Tagesordnung: Da werden ewig die gleichen, altbekannten "Gassenhauer" gespielt, um das Publikum zu halten, unbekannteres, (unspektakuläres) wird ausgespart. Kudenorientierung nennt man das, oder?


    Zitat

    AlexScria: Jedoch war Walter T.'s Frage, warum auch der Zyklus so selten gespielt wird.


    Diese Frage stammte von dir selbst, AlexScria. Ich denke, sie wurde auch bereits ausführlich behandelt (s.o.).


    Langer Rede, kurzer Sinn: Ein sehr schöner Zyklus Schumanns, der mir heute den Morgen versüßt hat!


    Liebe Grüße,
    Gerald

    Heute mitgehen lassen... äh, gekauft:


    Franz Schmidt
    Sinfonie Nr. 4
    Variationen über ein Husarenlied
    London PO, Welser-Möst



    Überhaupt schätze ich Welser-Möst Einsatz für die Musik des eher unbekannten Franz Schmidt. Die Qualität der folgenden Aufnahme (diese kenne ich schon länger) hat mich heute auch schließlich zum Kauf animiert:


    Loge: Danke für deine Empfehlung, aber ich möchte nicht studieren, um meinen Glauben zu verlieren, sondern eher zu vertiefen (außerdem strebe ich danach das Priesteramt an, aber das Ganze dauert ja noch eine Weile). Bevor ich allerdings solche Bücher lese, acker ich doch lieber die Bibel mal vollständig durch.


    Zitat

    Sehr amüsant und erhellend, z. B. dass sich der Glaube der meisten Menschen im Glauben an den Glauben der anderen erschöpft. Motto: Wenn die alle glauben, glaube ich einfach mal mit!


    Dieser Schluss ist in Zeiten von immer stärkerem (zumindest aus christlicher Sicht) Glaubensabfall recht unlogisch. Heute könnte es eher so klingen: "Nachdem niemand mehr etwas glaubt, brauche ich doch auch an nichts zu glauben."


    Das der Darwinismus weder eindeutig bewiesen, wahr noch schlüssig ist, sondern mehr als hinkt ist bereits hinlänglich bekannt. Außerdem sollte bekannt sein, dass der Schöpfungsbericht ein Mythos ist, der viel weniger zeigen will WIE der Kosmos, die Erde, das Leben... entstand, sonder WER es schuf. Es war den Israeliten in der babylonischen Gefangenschaft (aus dieser Zeit stammt der Schöpfungsbericht) nicht wichtig, eine wissenschaftliche Arbeit nach heutiger Definition zu schreiben, sondern ein starkes Glaubenszeugnis für ihren Gott abzulegen. Das sollten eure (deutschen) Politiker allerdings auch schon wissen!


    Gottesbeweise? Das ist eine heikle Sache. Ich denke jedoch, dass Gott sich nicht mit unseren Begriffen beweisen lässt - ansonsten wäre es ja wieder keine Erlösung, an ihn zu glauben, sondern (vernünftige) Pflicht.


    Dass Gott weder, Muslim, noch Christ oder Buddhist ... ist - ich weiß, du hast das als (seltsamen?) Scherz gemeint - sondern der "Ich bin da", Schöpfer und Erlöser der Menschheit, ist meine feste Überzeugung. Gott braucht für sich keine Religion. Aber die Menschen brauchen sie, um zu ihm zu gelangen.


    Und Bruckners "Te Deum" als Sühne? Das Werk muss dich ziemlich abstoßen, aber ob es dir zur Absolution verhilft, müsstest du noch kirchlicherseits klarstellen...
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    Ich weiß, du hast deinen Beitrag nicht so ernst gemeint, als ich ihn behandelt habe. Ich will hier auch keine große Religionsdiskussion entfachen. Aber diese Gedanken musste ich einfach kurz formulieren, sie sollen keine hieb- und stichfesten Gegenargumente sein, sondern bloß persönliche Anmerkungen.



    Liebe Grüße,
    Gerald

    Ich habe den Zyklus zwar schon länger nicht mehr gehört (dank Tamino werde ich es aber bald wieder tun!), habe ihn jedoch noch sehr gut in Erinnerung. Die Stücke klingen wesentlich abgeklärter, verinnerlichter als die früheren Zyklen. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass AlexScria sie als "weniger anspruchsvoll und spektakulär" klingend beschreibt. Überzeugend und beeindruckend kann der Zyklus aber auf alle Fälle sein, besonders in solchen Aufnahmen wie dieser hier:



    Liebe Grüße,
    Gerald

    In diesem Thread möchte ich, wie schon der Titel sagt, Bücher von und über meinen Lieblingskomponisten Hans Pfitzner vorstellen. Dieser war bekanntlich nicht nur Komponist, Dirigent, Pianist und Regisseur, sondern auch kritischer und teilweise zynischer Musikschriftsteller. Viele seiner Schriften sind in ihrem Wert heute nur mehr historisch interessant - als Beispiel sei hier die Kampfschrift "Futuristengefahr" gegen Busonis "Entwurf einer neuen Ästhetik der Tonkunst" (erschienen 1906) angeführt - andere haben ihren Wert aber durchaus bis heute erhalten und zeigen Pfitzner als stets um die Musik besorgten Menschen.


    Die wichtigsten Schriften Pfitzners sind:
    Vom musikalischen Drama (1908-1915), München/Leipzig 1915
    Futuristengefahr, Leipzig/München 1917
    Die neue Ästhetik der musikalischen Impotenz, München 1920
    Werk und Wiedergabe, Augsburg 1929
    Meine Beziehungen zu Max Bruch, München 1938
    Über musikalische Inspiration, Berlin 1940
    Meine Liedertexte, 1941 (Manuskript)
    Eindrücke und Bilder meines Lebens, Hamburg-Bergedorf 1947


    Ich werde versuchen, falls das Interesse besteht, in loser Reihenfolge einige dieser Werke inhaltlich und auch interpretatorisch vorzustellen. Beginnen möchte ich aber mit einer, meiner Meinung nach sehr gelungen Biographie über Hans Pfitzner.



    Johann Peter Vogel: Hans Pfitzner - Leben - Werke - Dokumente
    Atlantis Musikbuch-Verlag, 1999
    356 Seiten, mit zahlreichen s/w-Bildern und Notenbeispielen



    J. P. Vogel hat das schwierige Unternehmen, eine möglichst objektive Biographie über Hans Pfitzner zu schreiben mit diesem Buch überzeugend vollbracht. Er versucht ihn weder ausschließlich als "nationalen Kämpfer, letzten Romantiker, weltenthobenen "Palestrina" und freundlichen Mitmenschen" noch als "Querulant, Misanthrop, Reaktionär und Nazi" darzustellen, sondern ausgehend von detailliertem Studium aller Quellen ein verständnisvolles, differenziertes und auch kritisches Porträt Pfitzners zu entwerfen. Den üblichen Teilen - Zeittafel, Biographie, Werkverzeichnis... - fügt er einen sehr persönlichen Teil zu den "Aspekten der Musik Pfitzners" hinzu und analysiert darin einige Lieder, Pfitzners "Volkston", seinen Opernstil und einige Motive und Themen des Komponisten.
    Auch eines der vielleicht bedeutendsten Schriftstücke Pfitzners zum Thema Inspiration und Einfallsästhetik - das dritte Kapitel aus "Die neue Ästhetik der musikalischen Impotenz" - ist leicht gekürzt im Buch enthalten.
    Der Darstellung von Pfitzners höchst komplizierter Persönlichkeit wird im biographischen Teil sehr viel Raum gegeben. Besonders treffend scheinen dabei folgende Aussagen:
    S. 33: "Ich bin ein böser Kerl, und in meinen Adern fließt nicht gerade Limonade" (Selbstbeschreibung Pfitzners in Schrott, Hans Pfitzner S. 13)
    "Im übrigen ist er zum sich wohl fühlen wohl nicht geboren: ein schwieriger, wunder, zwiespältiger Mensch, glaube ich, der bei aller Liebe zum erlösenden "Intellekt" von der bösen Willenswelt seines zweiten "Palestrina"-Aktes ohne Zweifel viel in sich trägt:" (Thomas Mann an Bruno Walter vom 24.6. 1917)
    S. 37: "Ich habe von jeher das Phänomen an mir wahrgenommen, dass ich mich immer mehr auf eine Sache gefreut habe, als diese Sache genossen; was vorher in der Phantasie herrlich war [...] brachte Enttäuschungen..." (Pfitzner über seine Realitätsferne)


    Unzählige weitere Zitate und erzählte Begebenheiten steuern zu einem aussagekräftigen Bild des Menschen Hans Pfitzners bei. Besonders prägend, so wird er zitiert, sei für Pfitzner das Bild des "aufgespießten Schmetterlings, der über Nacht noch Eier legt" gewesen.
    Auch auf sein vielgestaltiges Werk - nicht nur auf Palestrina - wird ausführlich eingegangen.


    Ich kann und soll hier nicht das ganze Buch zitieren - ich tat es nur bei für mich besonders vielsagenden Stellen. Auf alle Fälle kann ich dieses umfangreiche Buch jedem Freund von Pfitzners Musik und Werk, von schwierigen Persönlichkeiten und interessanten Lebensbeschreibungen sehr empfehlen.



    Liebe Grüße,
    Gerald

    Mein Avatar - wie auch meine Fußnote - sollen die die Präsenz Hans Pfitzners in diesem Forum erhöhen. Ich bin derzeit von diesem Menschen unglaublich fasziniert, höre seine Musik, lese Partituren, eine Biographie (Autor: J.P. Vogel) und einige Schriften des Komponisten (aktuell: "Werk und Wiedergabe").
    Seine grüblerische, oft auch unangenehme und unangepasste Art und Musik erscheinen mir heute so aktuell und vielsagend, dass ich ihn in seiner Bedeutung ganz weit vorne einreihen möchte.


    Soweit mein Zeugnis - biographische Daten kann man schließlich sonstwo wesentlich besser erhalten.


    Liebe Grüße,
    Gerald

    Mir war heute sehr nach feierlicher Musik zumute - "Sonntagsmusik":


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    Missa solemnis, "Ah!Perfido!" und "Meeresstille und glückliche Fahrt" - Gardiner



    Trionsonaten BWV 525-530 - Walcha (mit erstaunlicher Aufnahmequalität!)

    Ich schätze die Wiener Symphoniker ebenfalls sehr. Dazu trägt sicher auch bei, dass der Gatte meiner Flötenprofessorin, Herr Gottfried Hechtl lange Jahre
    1. Soloflötist bei diesem Orchester war. Er spielte auch zahlreiche Schalllatten ein und absolvierte viele Rundfunk- und Fernsehaufnahmen. Eine sehr empfehlenswerte CD mit ihm ist folgende (hat jetzt aber nichts mit den Wiener Symphonikern zu tun):




    Und um noch zum Thema zurückzukehren, möchte ich folgende CD erwähnen. Es ist eine fantastsiche Aufnahme der Eichendorff-Kantate "Von deutscher Seele" von Hans Pfitzner. Es spielen die Wiener Symphoniker unter Martin Sieghart, die Sänger könnt ihr ja dem Cover entnehmen:


    Wagner-Zeit auf 3Sat!


    Nicht nur der eben genannte "Tannhäuser, sondern auch


    Der Ring des Nibelungen - am 5. August:


    9.05 Uhr: Rheingold


    11.45 Uhr: Die Walküre


    15.45 Uhr: Siegfried


    20.15 Uhr: Die Götterdämmerung


    Keine Aufführung von Richard Wagners "Ring des Nibelungen" hat seit dem "Jahrhundert-Ring" aus den Bayreuther Festspieljahren 1976 bis 1980 so viel Aufsehen erregt wie die vier Inszenierungen von 1999/2000 aus der Stuttgarter Staatsoper. Jedes der vier Stücke stammt von einem anderen Regie-Team: Choreograf Joachim Schlömer gab mit der Inszenierung von "Das Rheingold" sein Operndebüt, Christof Nel erarbeitete "Die Walküre", Jossi Wieler "Siegfried", und Peter Konwitschny inszenierte den letzten Teil, die "Götterdämmerung". 3sat zeigt am 5. August den kompletten Stuttgarter "Ring".

    Die 8. Sinfonie von Beethoven? Naja, bisher war sie mir kein besonderes Anliegen. Zugegeben, sie ist ein sehr schönes Stück Musik. Ich kenne sie aber noch viel zu wenig, um mir ein wirkliches Urteil erlauben zu können (bisher waren mir die 3., 5., 7., 9., sprich die "Klassiker der Klassiker" wichtiger).
    Bis jetzt kenne ich vor allem dieAufnahme mit Karajan und den Berlinern von 1963. Meine Mutter hat diese CD-Box schon ewig im Regal stehen - sehr schön gemacht auf alle Fälle:


    Auf einer einsamen Insel hätte ich wohl jede Menge Zeit zum Nachdenken über Gott und die Welt. Passend dazu:



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    (Ups! Diese Aufnahme allein hat ja schon 3 CDs!)


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    Im Übrigen finde ich diese "Oper=2 CDs"-Regelung dämlich. Ich würde eben 3 Werke zählen. Das wären bei mir:


    Palestrina "Stabat mater"
    Bach "Matthäus-Passion"
    Pfitzner "Das dunkle Reich"


    Ohne mir weiter den Kopf zu zermarten verbleibe ich,


    Gerald

    Zitat

    Götterdämmerung, 2. Aufzug:


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    Ach, und ich dachte schon, du ziehst dir den ganzen Ring auf einmal rein... :faint:



    Bei mir läuft gerade:


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    Besonderes Interesse habe ich an Palestrinas "Stabat mater" und den Motetten.



    Gerald

    Irre ich mich, oder ist tatsächlich noch nicht die "Symphonie fantastique" von Hector Berlioz genannt worden? Vor allem die beiden letzten Sätze - "Marche au Supplice" und "Songe d'une Nuit du Sabbat" - haben für mich sehr gespenstige Züge.


    raphaell: Über Geschmack kann man bekanntlich streiten: was bitte findest du an Brahms 3. Sinfonie, 1. Satz gruselig? Ich liebe dieses Werk, aber es ist doch alles andere als gruselig (zumindest für mich...)

    Ist doch alles sichtbar. Aber diese zwei ausgesprochen hässlichen Covers könnten ohnehin besser unsichtbar bleiben.
    Was bietet die CD denn musikalisch (Ich kann mit Hildebrandts Beschreibung leider wenig anfangen)?

    Ich besitze auch einige CDs der "musique d'abord" Reihen (könnte man das mit "Zugang zur Musik" übersetzen???) und bin insgesamt von diesem Label sehr überzeugt. Der mdoerate Preis und die meist überdurchschnittlichen Harmonia mundi-Interpreten sind ein mehr als schlagkräftiges Argument dafür.


    Meine Favoriten:


    [JPC]6480183 [/JPC]


    Diese CD habe ich heute beim Morgenspaziergang gehört. Besonders beim Schlusschor von BWV 21 (Track 11): "Lob und Ehre und Preis und Gewalt sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. Alleluja!" liefen mir richtige wohlige Schauer über den Rücken.


    Weiters:




    Ich denke auch an die vielen großen Dirigenten des letzten Jahrhunderts, die heute kaum noch erwähnt werden: z.B. Hermann Scherchen, der immer bestrebt war, zeitgenössische Musik zu fördern und auch die eher unpopuläre Spätromantik zu verbreiten. Er trat sehr für die Verbreitung der Schallplatte ein und hinterließ uns einige grandiose Einspielungen.


    Ich möchte dabei noch auf die tolle CPO-Box mit Musik von Max Reger hinweisen:



    Weitere faszinierende Porträts von teilweise heute fast vergessenen Dirigenten gibt es auf der grandiosen DVD "The Art of Conducting":


    Ich konnte gestern auf Grund einer Einladung meiner Tante (danke!) ein grandioses Konzert im Rahmen der steirischen Festspiele - "styriarte" - in der Helmut-List-Halle erleben. Gespielt wurde mir völlig unbekannte Musik aus Spanien ("Lyon um 1550") und Deutschland ("Hamburg 1617" und "1621").
    Im ersten Teil musizierten die 17 Musiker (auf den Instrumenten Viola da gamba, Blockflöte, Horn, Dudelsack, Fagott, Violone, Orgel, Cembalo, Theorbe, Gitarre, Perkussion) Tänze von Jacopo Moderno, z.B. Gaillarden, Pauanes, Ricercari...
    Nach der Pause: "Newe auserlesene liebliche Branden, Intraten, Mascharaden, Balleten, Allmanden, Couranten, Volten, Aufzüge und frembde Tänze" (O-Ton) von William Brade. Auch polyphone Stücke von Samuel Scheidt standen am Programm.


    Das Ensemble spielte sehr präzise und begeistert - die Halle bebte trotz, oder gerade wegen der eher ruhigen, unaufgeregten Musik.
    Wer das Konzert nachhören möchte, kann am Donnerstag, dem 9. August um 10.05 Uhr auf Ö1 die Hörfunkübertragung erleben. Ich empfehle es besonders den Freunden alter Musik!


    Gerald

    15.07., 11:03
    Styriarte 2007 - Matinee


    Concentus musicus Wien, Dirigent: Nikolaus Harnoncourt; Arnold Schoenberg Chor; Genia Kühmeier, Sopran; Werner Güra, Tenor; Christian Gerhaher, Bariton.
    Joseph Haydn: Die Jahreszeiten, Oratorium, Hob. XXI/3 (Aufgenommen am 1. Juli im Stefaniensaal des Grazer Congress)
    (Übertragung in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)


    Ein grandioses Konzertereignis war die heutige Übertragung der "Jahreszeiten" in Ö1. Wofür über 50€ bezahlen, wenn man auf Radio fast die Stimmung eines Konzertsaals erleben kann?

    "Meine" Ausgabe der Werke Hoffmanns ist jene aus dem Caesar-Verlag Salzburg. Unter Anführungszeichen deshalb, weil ich sie einfach von der Stadtbibliothek ausgeliehen habe - Leihdauer über 3 Monate. Sie ist zwar schon etwas älter (1985), vielleicht fehlt auch ein wenig - aber sie ist gut zu lesen und für einen Schüler wie mich zählt eben, dass sie sozusagen gratis ist.