Beiträge von Hildebrandt

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    Original von miguel54
    Da ist die vom Lullisten erwähnte von Skip Sempé aber um Klassen besser,


    zumal hier wie anno dazumal ab und an eine Theorbe mitspielt.
    Sempé verfällt hier außerdem nie in Raserei, sondern gibt der Poesie sehr viel mehr Raum.
    Obendrein spielt er ein wunderbares flämisches Original von 1680.
    Und zu guter Letzt gibt es als Schlussstück das Tombeau de Mr. de Chambonnières von d'Anglebert.


    Gesamtergebnis: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


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    oder die ausführlichere Auswahl auf einer Doppel-CD von Olivier Baumont.


    Die kenne ich leider (noch) gar nicht.


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    und verkauft dann wie ich die CD von Mme. Lengellé


    Täte ich nicht, denn die Aufnahme ist ein schlagendes Beispiel dafür, wie man mit ungenügender Intonation und unsauberer Stimmung ein auch noch so gutes Instrument hinrichten kann. :D
    Dabei spielt Madame eigentlich gar nicht so schlecht.

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    Original von Bernhard


    Ob allerdings die Textpassage "Et unam sanctam catholicam" in der Leipziger Thomaskirche erklang ?
    Den sächsischen Kurfürsten hätte es vielleicht erfreut, die Leipziger Kirchgänger und Kirchenoberen aber eher erzürnt.


    Eher nicht, denn "katholisch" hatte noch nicht die Bedeutung im heutigen Sinne (katholisch/protestantisch), sondern einfach "umfassend".

    Keine Eigenproduktion des Billigheimers, sondern ursprünglich bei signum records erschienen:



    Aber Masse statt Klasse? Die acht CDs mit geistlicher Vokal- und die zwei mit Instrumentalmusik sind in jeder Hinsicht hörenswert.


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:


    PS: Auf einer Zugabe-CD sind sämtliche Gesangstexte versammelt.

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    Original von Bernhard


    Ich könnte mir (rein spekulativ !) vorstellen, dass Bach, wäre sein Lebensweg anders verlaufen,
    oder er hätte irgendwo Gelegenheit gehabt Opern zu schreiben, er hätte bestimmt auch auch Opern komponiert.


    Ich mir nicht. :D


    Aber abgesehen von unseren Spekulationen im luftleeren Raum:
    Bach war fleißig, viel mehr als das, was er komponiert hat, hätte er wohl kaum schreiben können.
    Worauf würdest Du also zugunsten einer Bach-Oper verzichten wollen? :D

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    Original von ChKöhn
    Edwin behauptet aber, seine Prämissen seien unabhängig von der jeweiligen Komposition allgemeingültig.


    Vielleicht geht es nicht ganz so weit, aber die Tendenz, die Maßstäbe so zu justieren, dass sie im Ergebnis nur mit einer bestimmten geschmacklichen Präferenz übereinstimmen, kann den Tendenzler nur ins Unglück stürzen.


    Mir gingen bei Lektüre der Edwinschen Beiträge zwei Fragen durch den Kopf:
    Wohin verrennt der sich denn da?
    Wie kommt er da wieder raus?


    :stumm:

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    Original von Zwielicht
    Was ist denn auf einmal mit den HIPlern los? Spielen wir jetzt verkehrte Welt?


    Upside down führt manchmal zum erhellenden Blick auf die Fundamente. :D


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    ...würde ich doch gerne mal eine an konkreten Punkten festgemachte negative Kritik der Gardiner-Einspielung lesen.


    Sorry, aber bei Gardiner sehe ich mich dazu nicht in der Lage. Mit seinem Bach-Kantaten-Tournee-Zirkus hat er sich bei mir ein derartiges Bild verdient, dass er es selbst dann nicht gerade rücken könnte, wenn er direkten Kontakt zum seligen Johann(es) hätte.
    Trotzdem werde ich mir bei Gelegenheit den Gardiner-Brahms noch einmal anhören.


    Bei der seltsamen Konstellation, die sich hier auftut, scheint vielleicht so etwas wie eine zufällig gemeinsame frühe Prägung auf einen (wie-auch-immer) Brahms-Klang vorzuliegen, der hier ja schon mit fett, warm, fahl und allen möglichen Adjektiven belegt worden ist, bei dem also wohl die Ausstrahlung der Klangfarben trotz oder wegen der fehlenden anderen (hip-)Sicht stark genug war, um als Faszinosum auszureichen. (Bestimmte Wiener müssten schon noch ein paarmal kräftig frühstücken, um das in den Boden zu schreiben. :D)
    Wobei es sich nicht nur um den Klang handelt, der aber bei hip/nicht-hip-Erwägungen ja ganz vorn eine Rolle spielt.


    Neugierig auf einen möglichst gut restaurierten Brahms wäre ich schon. Einen Kandidaten für diese Arbeit wüsste ich jetzt allerdings nicht.


    Im Moment läuft hier übrigens Nr. 1 aus:



    Hatte ganz vergessen, dass ich die habe, bis sie von Glockenton ins Spiel gebracht wurde.
    Das gefällt mir schon sehr gut, aber es ist nur der halbe Weg und damit irgendwo dazwischen hängengeblieben.
    Ich bin mehr für ganz oder gar nicht.

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    Original von Glockenton
    Ich hoffe ja nicht, dass sich nun einige meiner HIP-Freunde vor den Kopf gestoßen fühlen, aber nach meinem Eindruck der Hörproben von Gardiners Brahms 1 wäre eben diese, neben alten tontechnisch schlecht klingenden Platten aus den 40er-Jahren, eine derjenigen Aufnahmen, die ich am wenigsten haben möchte.


    Wer behauptet, dass er Gardiner nicht mag, kann mich gar nicht vor den Kopf stoßen. :D


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    In die hier schon gesungen Lobeshymnen vermag ich also beim besten Willen nicht einzustimmen, obwohl ich es ja gerne würde.


    Möglicherweise unerwartet kann ich mich eher mit Karajans alten Brahms-Aufnahmen anfreunden als mit Gardiners neuen. Lieber sind mir aber noch Furtwängler oder Giulini – allerdings mit dem Zusatz, dass ich eine richtig gute hip-Aufnahme, die es auf Platz 1 schafft, noch gar nicht gehört habe.


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    Und dann dieser darmsaitenbespannte, vibrato-arme Klang: Was ich für die Aufführungspraxis von Barockmusik für wünschenswert und gut halte, irritiert mich bei Brahms.


    Warum?
    Wenn nach Brahms das Vibrato ins Kaffeehaus gehört und die Stahlsaiten ihren Siegeszug noch gar nicht angetreten hatten, habe ich beim hochgejubelten Dauergewimmer immer ein schlechtes Gewissen, wenn es mir gefällt. :D


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    HIP erscheint mir schlichtweg für die Renaissancemusik, über die Barockmusik bis zu Beethovens Werk der adäquatere Ansatz zu sein, weil er leichter MUSIKALISCH klingende Ergebnisse ermöglicht, die heutige Menschen unmittelbar ergreifen und erreichen können.


    Damit ließen sich ein oder zwei veritable Glaubenskriege lostreten.
    Ist "Barock bis Beethoven" in der konventionellen Spielweise zu schwierig für die Heutigen?


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    Wenn aber Brahms nicht mehr nach Brahms klingen darf, dann bezweifle ich den Gehalt so eines Unternehmens.


    Wann klingt denn Brahms nach Brahms? Kann es nicht sein, dass Deine Erwartung zu sehr vorgeprägt ist?
    Fehlt nicht vielmehr noch der Stäbchenführer, der ohne Dauervibrato und 465 HZ einen Brahms auch als Brahms dirigieren kann? Mir kommt das jedenfalls so vor.


    So ein ganz kleines bisschen beschleicht mich das Gefühl, dass ich hier ganz ähnliche Vorbehalte lese, wie ich sie vor 30 oder 40 Jahren schon einmal gelesen habe. Damals ging es um Bach, glaube ich.

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    Original von Kurzstueckmeister
    Glaubst Du ernsthaft, dass Dvoraks 9. mehr Phantasie vom Komponisten abverlangt hat, als Brahms' 1.? Wie läßt sich das so leicht quantifizieren?


    Ganz einfach: Nach Loges Genie-o-Meter bekommen wir jetzt noch Edwins Phantasieanzeiger dazu – ob analog oder digital, ist noch nicht entschieden. :D

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    Original von laurentius
    hallo kurzstueckmuster,


    da ist unsere wahrnehmung anscheinend grundverschieden. denn "natürlich" ist mir seine musik allemal.


    Komisch, ich dachte immer, hier geht es nur um Kunstmusik und nicht um Naturgeräusche. :D


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    wer sagt denn, dass er vor der oper angst hatte? vielleicht einfach nur kein bock, oder?


    Wenn man sich das Herkommen Bachs aus der Kirchenmusik betrachtet, muss man sich bei der Beantwortung dieser Frage nicht mehr viel Mühe geben.
    Dafür gibts von Händel keine vernünftigen Beiträge zur Orgelmusik.

    Hier bekommt man einen Überblick über revolutionäres Orgelschaffen in Frankreich unter reger Beteiligung des Herrn Corrette:



    Schon im ersten Stück packt Isoir Cluster zwischen Marsellaise und Ca ira, es kracht nur so. :D
    Jedenfalls scheint Corrette christlich geblieben zu sein, denn von ihm gibt es das Magnificat du 8e ton und ein Noel provencale.


    Die CD lohnt sich wirklich; es gibt sie in verschiedenen Aufmachungen (meine Version heißt "l'orgue francais à la Révolution" und hat ein gelbes Cover) und zu unterschiedlichen Preisen.


    Auf dem Cembalo gibt es etwas Ähnliches:



    Wie gewohnt gibt Sempé jedwedem Affen reichlich Zucker und kann das auch ganz alleine. Allerdings lässt er die langsamen Stücke auch zu ihrem Recht kommen und hetzt nicht herzlos durch die Noten.


    Für Leute wie miguel55 :D ein MUSS! :yes:
    Andere finden's wahrscheinlich auch ganz nett.

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    Original von miguel54
    Die CD mit Orgelwerken von Corrette:


    Naja, da wären noch andere. Nur sind die ebensowenig lieferbar.


    Empfehlenswert:


    Corrette: Premier Livre d'Orgue 1737. Dominique Ferran an der Orgel der Kathedrale von Saintes.


    Noch empfehlenswerter:


    Orgues d'Ile-de-France, Vol. 5:
    Olivier Vernet an den Orgeln in Aubervilliers und Rozay-en Brie mit beiden Orgelbüchern von Corrette (2 CD).


    Von beiden habe ich keine Abbildungen gefunden.


    Wer Gefallen an vorrevolutionärem Geplänkel und Geschmettere findet, sollte besonders nach der Ferran-CD Ausschau halten. Vernet geht es etwas 'seriöser' an, ohne in Langeweile zu verfallen, nur verwendet er auch die kleineren Orgeln.


    Correttes Bedeutung kommt hier ein bisschen zu kurz weg:
    Er war einer der maßgeblichen und stilbildenden Lehrer der 2. Hälfte des 18. Jhs. in Frankreich. Zeitweilig war er so gesucht, dass seine Kollegen sich in neidisch-hämischen Äußerungen über ihn und seine Schülerschar ergingen.
    Außerdem war er wohl einer der ersten, die sich halbwegs konsequent :D mit zweithemigen Satzgestalten auseinandergesetzt haben. Jedenfalls kommt das wesentlich häufiger vor als in MGG attestiert.
    Immer jedenfalls ist er höchst publikumswirksam. :yes:

    Als Fortsetzung seiner Rameau-CD gedacht:



    Sempé spielt auf einem Cembalo nach frz. Vorbildern des 18. Jh. von Bruce Kennedy.
    Er tut das in gewohnter Weise: Wenn es schnell wird, ist keiner schneller. Aber er kann auch langsam und innig.


    Dazu eine hochkaratige Aufnahmetechnik, und fertig ist die beispielhafte Einspielung spätbarocker frz. Cembalomusik.


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    Zitat

    Original von observator
    in meiner not wende ich mich wieder an ihn.


    Wen? ?(


    Zitat


    steht nicht dabei, welches möbel.


    weiß er denn mehr?



    Na klar. :baeh01:


    Zitat

    und ist die virgineinspielung 3 jahre später sehr anders?


    Ja. :D



    Aus der Erinnernung: Ross spielt auf den Erato-Aufnahmen dieser 'Reihe' immer auf einem Original im Chateau d'Asass (oder wie das heißt) – ein Taskin, glaub ich.


    Die Virgin-Aufnahme klingt lange nicht so spannend, eher ein bisschen heruntergespielt. Vielleicht liegt das am Studio-/Live-Gegensatz...


    Zitat

    in freundlicher usw.


    dto.

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    Original von salisburgensis
    Zwischenzeitlich habe ich Kuijkens Aufnahme auf dem Violoncello da Spalla auch kennenlernen dürfen.


    Läuft hier auch gerade.


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    Es ist mir dennoch schwer gefallen, mich auf den Klang des Schultercellos einzuhören. Für mich klingt es mehr nach Bratsche, vor allem in tieferen Regionen. Mir fehlt da schon etwas das körperhafte, voluminöse eines "richtigen" Cellos.


    Unten kratzt und rumpelt es gehörig, aber ohne 'richtiges' – will sagen, vom Cello gewohntes – Fundament. Nach einer Weile geht es aber, man muss sich wohl einhören. Das Präludium von 1010 bleibt mir trotzdem etwas zu rustikal. :D


    Ein bisschen kommt es mir vor, als wäre Kuijken immer noch nicht immer und überall mit dem Instrument wirklich verheiratet.


    Zitat

    Kuijkens Interpretation hat mich eher enttäuscht. Gelegentlich drängte sich mir der Eindruck auf, da spiele einer, der zwar die Stücke technisch beherrscht, aber sonst nix zu sagen hat. Mir fehlen da größere Bögen und Zusammenhänge, das ist mir alles zu gleichförmig. Gleichwohl gibt's aber auch Ausnahmen von der Tristesse, wie beispielsweise die Bourrée aus der 3. Suite. Das ist schön leichtfüßig-tänzerisch gespielt.


    Für die Insel ist das wirklich nix, aber sooo schlimm ist es nun auch nicht. Die 6. ist doch ganz anhörbar, auch wenn es da in der Courante z. B. manchmal wieder ein bisschen hakt.


    Dieses Ding wird wohl ein Exot bleiben, wenn das wirklich nicht souveräner und interpretatorisch ein bisschen überzeugender geht.


    Zitat

    Interessant ist es aber allemal...


    :yes:

    Zitat von Wulf

    Ich bin ja sehr dafür, daß das Künstlerische nicht vom Biographischen getrennt wird, aber könnte man stattdessen nicht einfach einen thread eröffnen mit einem Titel wie "Künstler im Dritten Reich - Mitläufer und Überzeugungstäter."


    Dann wäre die Reichsklaviergroßmutter immerhin doch noch zu etwas gut gewesen.
    Nur zu.

    Hélène Schmitt & Co mit bisher unveröffentlichten Violinsonaten von Schmelzer:



    Mit dabei: Eine Solosonate von Pittoni für Theorbe und eine Toccata von Ebner, exekutiert auf dem Claviorganum.
    Allein deswegen ist die CD schon ihren Preis wert.
    Dabei ist der 'Rest' mindestens genauso gut.


    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    Eine der schönsten Orgel-CDs aus der letzten Zeit:



    Strobl ist hauptamtlicher Organist an den Orgeln in Muri und kann mit dem frisch restaurierten Juwel der großen Bossard-Orgel (1744) bestens umgehen.


    Man darf allerdings keinen irgendwie süddeutsch gearteten Klang erwarten, sondern sollte sich lieber auf etwas kerniges Norddeutsches einstellen.


    Fazit: 5 von 5
    :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

    Die schönste Krimi-Entdeckung seit langer Zeit:



    Nachdem ich mich durch Richter Di & Consorten mittlerweile eher ein bisschen gelangweilt fühle, ging ich hier erst mit gewisser Skepsis an die Lektüre. Und auch noch ein Gerichtsmediziner!


    Ja, aber was für einer. :D


    In diesem Fall kann ich den Besprechungen bei Amazon nur zustimmen.
    Es liest sich ein bisschen so, als ob Nigel Barley Krimis schreiben würde: Kurzweiligste Landeskunde, trockener, britischer Humor, aber nie zynisch und immer mit einem liebevollen Blick auf die Figuren. Dazu kommt eine wirklich spannende Story.


    Beg, steal or borrow! :yes: