ZitatAlles anzeigenOriginal von Harald Kral
Heutzutage ist es selbstverständlich, dass auf allen großen Bühnen die Werke in der Originalsprache gesungen werden, damit hat man sich abzufinden, auch wenn man, wie ich, einer Generation angehört, in deren Jugend es selbstverständlich war, dass in deutschen Opernhäusern auch in deutscher Sprache gesungen wurde.
Erst als Karajan von der Scala Milano nach Wien wechselte, hat sich das – nach und nach – geändert, auch durch die zunehmende Internationalisierung des singenden Personals.
Ich kann mich noch gut an wunderschöner Opernabende erinnern, bei denen man jedes Wort verstand und an den richtigen Stellen (bei komischen Opern) mitlachen konnte. Das entfiel nach der Umstellung auf Originalsprachen, Übertitel gab es noch nicht, die kamen erst viel später. Allerdings gab es, z.B. an den Volkshochschulen, vor großen Premieren Einführungskurse, in denen einem die jeweilige Oper nahegebracht wurde.
Ich entsinne mich z.B. noch an einen 4-wöchigen Kursus der VHS Hagen zu „Othello“ vor etlichen Jahren, in dem der Sänger der Hauptrolle, Hugh Beresford sowie der GMD Michael Halasz einer Schar Hagener Opernenthusiasten eine ausführliche Erläuterung zu dieser Oper vermittelten. Auch heute gibt es hier in Düsseldorf vor Premieren Einführungs-Matineen zum jeweiligen Werk.
Vor einigen Jahren sah ich in einem deutschen Provinztheater „Viva La Mamma“ von Donizetti – auf deutsch – ein riesiger Publikumserfolg mit einem hervorragenden Bassbuffo in der Titelrolle!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Erfolg sich ebenso eingestellt hätte, wenn man „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ in der Originalsprache gegeben hätte – auch nicht mit Übertiteln!
Den deutschen Rundfunkanstalten bin ich sehr dankbar, dass sie damals, als das Radio noch eine wichtige Rolle in jedem Haushalt spielte und die Langspielplatte noch nicht so verbreitet war, sehr viele Opernaufnahmen produzierten – selbstverständlich in deutscher Sprache und mit den besten Sängern der führenden Häuser (plus einiger „Mikrofon“-Stimmen) besetzt – die heute noch ein wichtiger Bestandteil meiner Opernsammlung sind. Wir hatten damals schon ein großes Spulen-Tonbandgerät und haben viel aufgenommen – einiges erscheint heute – nach Ablauf der 50-Jahre-Frist – erstmals auf CD (einiges davon stammt wohl auch aus meinem Archiv)
Es mag ja sein, dass einige Texte sich in der deutschen Übersetzung etwas altmodisch oder hölzern anhören; als Alternative zu der Flut kommerzieller Aufnahmen möchte ich sie nicht missen – und gutes deutsches Rundfunk-Mono ist mir lieber als schlechte Stereo-Aufnahmen der Platten-Multis!
Na ja es gab Zeiten, als alles deutsch gesungen wurde........



