Beiträge von brunello

    Aus aktuellem Zeitmangel ganz auf die Schnelle


    - ich habe Adolf Dallapozza zuletzt vor knapp zwei Wochen in der VOP als Eisenstein erlebt - und er singt (nicht zuletzt dank seiner ausgeprägten Technik, die ihm hilfte, sich über manche Probleme wegzuschwindeln) manch junge Kollegen (den Namen eines Tenors der Volksoper, der - für meine Ohren - jede Rolle durch auch an unpassenden Stellen eingelegte hohe Töne versaut, möchte ich nicht in den Mund/in die Tastatur nehmen; da sei der Hl. Sebastian davor) und spielt an die Wand.
    - wenn ich mich zurück erinnere, war er in Graz ganz hervorragend als Elvino in einer Produktion der "Sonnambula" (mit der damals jungen Zukunftshoffnung Sona Ghazarian in der Titelpartie - besitzt jemand den Mitschnitt der Rundfunkübertragung ?????)
    - an der Volksoper hat er in "Giustino" bewiesen, dass er auch in Barockopern stimmlich gute Figur macht (was an der Seite von Jochen Kowalski - der damals das Publikum zum Rasen brachte - nicht wirklich leicht war; auch hier die Frage, ob jemand einen Mitschnitt der Rundfunkübertragung hat)
    - ich muss in meinem Archiv fündig werden; aber wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, gab es mit ihm eine längst vergriffene Platteneinspielung des "Trovatore", in der er den Manrico singt


    viele Grüße
    Michael 2

    Im gleichen Jahr 1685, in dem Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel geboren wurden, erblickte auch Domenico Scarlatti als Sohn des als Komponist zu seiner zeit hochgeschätzten Alessandro Scarlatti das Licht der Welt. Gleich seinem Vater wurde auch er Komponist und ist heute vor allem als Schöpfer zahlloser Cembalosonaten bekannt. Seine sieben zwischen 1710 und 1714 komponierten Opern sind weitgehend in Vergessenheit geraten.
    Dem Cembalisten und Dirigenten Alan Curtis ist es zu verdanken, dass das 1711 im Palazzo Zuccari in Rom uraufgeführte Dramma per musica „Tolomeo ed Alessandro overo la Corona Disprezzata“ seit wenigen Jahren wieder aufgeführt wird. Die vollständige Partitur des ersten Aktes fand sich in einem römischen Antiquariat, die beiden anderen Akte konnten in einem englischen Adelssitz gefunden werden. Im Juli 2007 kam es unter der Leitung von Alan Curtis zur ersten Aufführung seit nahezu 300 Jahren beim Piccola Accademia di Montisi Music Festival.
    Mit seinem Ensemble „Il Complesso Barocco“ und einem qualitativen sechsköpfigen Solistenensemble tourt Curtis mit „Tolomeo ed Alessandro“ für konzertante Aufführungen durch Europas Säle. Im Theater an der Wien, dem Opernhaus mit dem derzeit vielleicht interessantesten Spielplan in Wien, war gestern Station.
    Knapp drei Stunden reine Spielzeit wechseln Rezitative mit teils halsbrecherischen Arien, ehe ein (als Erlösungschor gedachtes ?) Sextett den Abend beendet. Beeindruckend für Liebhaber barocker Opern (zu denen ich mich zähle), wohl etwas langatmig für „normale“ Musik- und Opernfreunde. Vor allem auch deshalb, weil Curtis auch die Männer nicht mit Countertenören sondern mit Frauen besetzt und somit sechs Damen das Solistenensemble bilden.
    In der Partie des Tolomeo war Ann Hallenberg zu hören, die sich auf dem Gebiet der Barockmusik einen guten Namen ersungen hat und mit voller, schön geführtem Mezzo auch durchaus überzeugen konnte. Klara Ek als seine Gemahlin Seleuce war für mich die Entdeckung des Abends; zwar klingt mir die Stimme nicht wirklich schön – dunkel timbriert in der Mittellage, hell in der Höhe, mit hörbarem Bruch dazwischen -, aber interessant in der Ausstrahlung. Tolomeos Bruder und zweite titelgebende Figur sang die französische Sopranistin Veronique Gens; optisch einer griechischen Tragödin gleich (groß, schlank, im bodenlangen dunklen Kleid), entspricht sie stimmlich voll den Anforderungen. Arsape, der zunächst aus verschmähter Liebe zur verkleideten Seleuce deren Mann töten möchte, ehe es zum versöhnlichen Finale kommt, ist Theodora Baka. Die Schwierigkeiten ihrer Partie meistert sie, deren sängerische Bandbreite von der alten Musik bis zur Gegenwart reicht, mit Bravour. Seine Verlobte Dorisbe singt Tuva Semmingsen mit kultiviertem Mezzo. Das personifizierte Böse dieser Oper heißt Elisa und wird von Roberta Invernizzi mit höchstem Engagement auch in den dramatischesten Koloraturausbrüchen gesungen.
    Alan Curtis leitet sein Orchester kompetent und aufmerksam.
    Der Jubel am Schluss war mehr als berechtigt.


    Nachsatz:
    Programmgestalter sind natürlich auch von den Termin- und Tourneepläne bestimmter Künstler abhängig. Ist es aber wirklich notwendig, dass am selben Abend und zur gleichen Zeit zwei Veranstaltungen stattfinden (Konzerthaus: „Acis und Galathea“, Theater an der Wien siehe oben), die das gleiche Publikum ansprechen ? So groß ist die Zahl der Liebhaber von Barockopern in Wien wieder auch nicht.


    Michael 2

    Vor ein paar Jahren wurde dieses Werk im Rahmen der Bregenzer Festspiele mit Johannes Chum in der männlichen Hauptrolle szenisch aufgeführt. Ich habe diese Produktion, von der es auch eine - allerdings relativ teure - CD gibt, in guter Erinnerung. Regisseur und Bühnenbildner hatten damals mit geringem Aufwand eine optisch mehr als brauchbare Lösung gefunden; die SängerInnen waren durchwegs auf Festspielniveau.


    Michael 2

    Ich versuche die Intentionen des Themenstarters wieder aufzunehmen (wenn ich sie richtig verstanen habe) und widerspreche manchen bisher gebrachten Beiträgen etwas.


    In Wien - Staatsoper wie Volksoper - gab/gibt es eine ganze Reihe von SängerInnen,die nicht zu den so genannten Stars zählen, denen manche "zweite" Häuser jede Rolle zu Füßen legen würden, die aber aus verschiedenen Gründen nicht in die allererste Reihe kommen/kamen - weil sie "bequem" sind/waren, weil es einen international zu wenig verhafteten Agenten gibt/gab, weil der Vertrag hinderlich ist/war, ...
    Unser in Wien allseits geschätzter Direktor ( :stumm:) verhindert beispielsweise immer wieder, dass Mitglieder des Ensembles (ja, das gibt es auch in Wien immer noch) Urlaub nehmen können, um andere Angebote/Engagemnets für bestimmte Rollen oder auch Konzerte anzunehmen.


    Eberhard Wächter, der zweifellos ein hervorragender Künstler war, was (zu wenige) Aufnahmen bestätigen, hätte eine großartige Karriere neben den so genannten ersten Sängern seiner Zeit machen können, wäre er nur bereit gewesen, Wien zu verlassen.
    Der mit mir befreundete Tugomir Franc , Bass im Ensemble der Staatsoper und leider zu früh verstorben (verewigt auf einigen Einspielungen - ua. Mönch in "Don Carlo" unter Solti oder Publio in "Titus" unter Kertesz) hat trotz internationaler Angebote aus familiären Gründen Wien kaum verlassen.
    Adolf Dallapozza, der mit nahezu 70 Jahren an seinem Stammhaus Volksoper viele junge Tenöre immer noch alt anhören läßt, war der Volksoper (mit wenigen Ausnahmen) aus unerfindlichen Gründen immer treu.
    Die Liste ließe sich aus heimischer Sicht noch fortsetzen. Es ist also nicht immer nur Lokalpatriotismus, der Sängerinnen auf ein mögliches podest hebt. "Unberühmte" Stimmen haben auch - und nicht zu selten - ein individuelles Schicksal.


    ein Gruß aus Wien
    Michael 2

    Im Österreichischen Rundfunk (Ö1) ist soeben ein Gespräch mit Nathalie Dessay gesendet worden, in dem sie angekündigt hat, dass sie im Spätherbst 2010 als Schauspielerin in "Der Ignorant und der Wahnsinnige" von Thomas Bernhard auftreten wird. In Wien probt sie im Theater an der Wien zur zeit für ihr Debut als Melisande in "Pelleas et Melisande" (Premiere ist am 13. Jänner).


    liebe Grüße aus Wien
    Michael 2

    Lieber Peter,


    da sie ja immer wieder noch auf der Bühne der VOP steht, ist sie sicher keine Vergessene. Allerdings wäre es zur Wahrung der eigenen Vergangenheit vielleicht hörenswerter, sie würde ihre verdiente Pension auch genießen. Uns Ältern bliebe sie in guter Erinnerung - und die Jungen hätten keinen Grund zu lästern. Wie schade, dass einst bedeutende SängerInnen ihren Bühnenabschied nicht kennen (wie - ganz dramatisch in der VOP - zB. Peter Minich, desen Auftritte nur mehr peinlich [und nicht mitleiderregend wegen seiner Krankheit] sind).


    Michael 2

    Ein Schelm, der denkt, dass ein Tonmeister für den Erfolg (oder auch Misserfolg) eines Konzertes in der Philharmonie im Gasteig in München (mit)verantwortlich ist. Aber wie sonst ist es zu erklären, dass das „Weihnachtsoratorium“ an eben diesem Ort vor und nach der Pause so unterschiedlich klang; dumpf und undifferenziert im ersten Teil, wohlklingend im zweiten Teil. Und diesen Eindruck teilten in Gesprächen nach dem Konzert mehrere Besucher.
    Und trotz dieses Einwandes möchte ich diesen Abend nicht missen.
    Im Rahmen der Konzertserie „Freude“ zum 55jährigen Bestehen des Münchner Bach-Chors und zum 35jährigen Bestehen des Bach Collegium München stand am vergangenen Sonntag, 21. Dezember, das „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach ungekürzt mit allen sechs Kantaten an einem Abend am Programm. Und es war in der Tat eine Freude, diese beiden von Hansjörg Albrecht einfühlsam geleiteten und zu einem transparenten Klangkörper vereinten Ensembles gemeinsam mit einem homogenen Solistenquartett drei kurze Stunden zu erleben (wie mir auch schon im vergangenen Sommer die Aufführung der h-Moll-Messe mit Bach-Chor und Bach Collegium unter Hansjörg Albrecht und zwei der vorweihnachtlichen Solisten im Prinzregenten Theater ausgezeichnet gefallen hat).
    Karl Richter und sein von ihm gegründeter Bach Chor haben mich seit meiner Jugend in Konzerten und mit Plattenaufnahmen auf meinem Weg zu den großen Passionen und Oratorien begleitet. Es ist immer wieder mehr als interessant zu vergleichen, wie sich in diesen (von mir musikalisch bewusst erlebten rund 40) Jahren der Interpretationsstil verändert hat – von breit romantisierend hin zu schlank und beinahe kammermusikalisch. Ich kenne wenige Chöre, die bei etwa 75 Mitwirkenden einen so transparenten Klang entwickeln. Diese seit der Zusammenarbeit mit Albrecht wiedergewonnene und noch gesteigerte Qualität kann nicht genug hervorgehoben werden.
    Gleiches gilt für das stilsicher spielende Orchester, aus dessen Reihen auch die Instrumentalsolisten (als Einer für Alle sei der Konzertmeister Florian Sonnleitner genannt) gestellt werden (warum nur nennt das Programmheft zwar die Solisten an den Blas- und Saiteninstrumenten, nicht aber die Paukistin ?). Dass die Pflege traditionelle Werke und das Spiel zeitgenössischer Werke einander nicht ausschließen sondern eher musikalisch befruchtend und bewusstseinserweiternd wirken, beweist das Repertoire des Bach Collegium München.
    Chen Reiss (Sopran) kannte ich bisher nur von einer CD-Aufnahme mit Liedern, Tom Allen (Tenor) war mir bisher absolut unbekannt. Die in München nicht zuletzt wegen ihres Engagements an der Staatsoper beliebte Sängerin verfügt über eine schöne, jedoch nicht allzu große koloraturerprobte und modulationsfähige Stimme; ihren musikalischen Stärken kommen die Arien mehr entgegen als das Terzett in der fünften Kantate. Dass der amerikanische Tenor vor allem mit Partien von Mozart, Rossini und im französischen „Haute Contre“ reüssiert, ist auch als Evangelist und in den Tenorarien und Rezitativen hörbar. Gleichermaßen höhen- und stilsicher war er für mich die positive Überraschung des Abends. Thomas E. Bauer kommt als Bariton die doch hohe Lage der Bass-Partie sehr entgegen; seine Liebe zum Liedgesang und seine Erfahrungen als ehemaliger Regensburger Domspatz fließen in die Interpretation hörbar ein. Elisabeth Kulman (Alt) ist mit den Messen, Oratorien und Passionen Bachs seit ihrer Studienzeit vertraut. Sie singt ihren Part mit insbesondere in den tieferen Lagen aufblühender Stimme voll gläubiger Innigkeit und zählt heute in diesem Fach zu den wesentlichen Sängerinnen.
    Musikalisch verantwortlich für dieses vorweihnachtliche Musikfest war Hansjörg Albrecht, der Chor, Orchester und Solisten auch am Cembalo aufmerksam führte und begleitete. Das Publikum jubelte – berechtigt – minutenlang.



    Michael 2

    Ich habe auch "nur" die Übertragung im Radio gehört.
    Mir ist vor allem im erstund zweiten Akt aufgefallen, wie beinahe kammermusikalisch Welser-Möst das Orchester einstudiert hat. Bei aller Wertschätzung der künstlerischen Idee, dass Wagners Musik nicht nur "dröhnen" sondern auch "klingen" darf, dass es so zart aus dem Orchestergraben kam lag auch hörbar an den meisten SängerInnen der wesentlichen Rollen, die den Abend sonst stimmlich nicht überstanden hätten.


    Michael 2

    Ähnlichkeiten in der nachstehenden Geschichte mit dem wahren Leben sind zufällig und nicht gewünscht !



    Weihnachten kommt immer so überraschend
    Wie sich im Internet gezeigt hat, heißt das Weihnachten 2008 nicht mehr Weihnachten, sondern X-mas, also muss der Weihnachtsmann auch X-man sein! Spätestens ab März war es höchste Zeit, mit den Weihnachtsvorbereitungen zu beginnen. Verzeihung: das diesjährige Weihnachts-Roll-Out zu starten und die Christmas-Mailing-Aktion just in Time vorzubereiten. Hinweis: Die Kick-Off-Veranstaltung (früher 1. Advent) für die diesjährige SANCROS (SANta Claus Road Show) fand bereits am 29. November statt. Daher wurde das offizielle Come-Together des Organizing Committees unter Vorsitz des CIO (Christmas Illumination Officer) schon am 6. Januar 2008 abgehalten.


    Erstmals haben wir ein Projektstaus-Meeting vorgeschaltet, bei dem eine in Workshops entwickelte „To-Do-Liste“ und einheitliche Job Descriptions erstellt wurden. Dadurch sollen klare Verantwortungsbereiche, eine powervolle Performance des Kundenevents und optimierte Geschenk-Allokation geschaffen werden, was wiederum den Service Level erhöht und außerdem hilft, „X-mas“ als Brandname global zu implementieren. Dieses Meeting diente zugleich dazu, mit dem Co-Head Global Christmas Markets (Knecht Ruprecht) die Ablauf-Organisation abzustimmen, die Geschenk-Distribution an die zuständigen Private-Schenking-Centers sicherzustellen und die Zielgruppen klar zu definieren. Erstmals sollen auch so genannte Geschenk-Units über das Internet angeboten werden.


    Die Service-Provider (Engel, Elfen und Rentiere) wurden bereits via Conference Call virtuell informiert und die Core-Competences vergeben. Ein Bündel von Incentives und ein separater Team-Building-Event an geeigneter Location sollen den Motivationslevel erhöhen und gleichzeitig helfen, eine einheitliche Corporate Culture samt Identity zu entwickeln. Der Vorschlag, jedem Engel einen Coach zur Seite zu stellen, wurde aus Budgetgründen zunächst gecancelt. Stattdessen wurde auf einer zusätzlichen Client Management Conference beschlossen, in einem Testbezirk als Pilotprojekt eine Hotline (0,35 Ct/Minute) für kurzfristige Weihnachtswünsche einzurichten, um den Added Value für die Beschenkten zu erhöhen.


    Durch ein ausgeklügeltes Management Information System (MISt) ist auch Benchmark-orientiertes Controlling für jedes Private-Schenking-Center möglich. Nachdem ein neues Literatur-Konzept und das Layout-Format von externen Consultants definiert wurde, konnte auch schon das diesjährige Goldene Buch (Golden Book Release 00.1) erstellt werden. Es erscheint als Flyer, ergänzt um ein Leaflet und einen Newsletter für das laufende Updating.


    Hochauflagige Low-cost-Giveaways dienen zudem als Teaser und flankierende Marketingmaßnahme. Ferner wurde durch intensives Brainstorming ein Konsens über das Mission Statement gefunden. Es lautet: „Lets Keep the Candles Burning“ und ersetzt das bisherige „Frohe Weihnachten“. Santa Claus hatte zwar anfangs Bedenken angesichts des Corporate-Redesigns, akzeptierte aber letztlich den progressiven Consulting-Ansatz und würdigte das Know-how seiner Investor-Relations-Manager.


    _________________________________________


    Passend zu meinem Brotberuf habe ich im Internet auch diese Variante eines alten Weihnachtsliedes gefunden:



    Weihnachten fällt aus - wegen des Finanzamts!


    Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen,
    es war beim Finanzamt zu betteln und fleh'n.
    Denn das Finanzamt ist gerecht und teuer,
    verlangt vom Christkind die Einkommensteuer.


    Das Amt will noch wissen, ob es angehen kann,
    dass das Christkind so viel verschenken kann.
    Das Finanzamt hat noch nicht kapiert,
    wovon das Christkind dies finanziert.


    Das Christkind rief: "Die Zwerge stellen die Geschenke her",
    da wollte das Finanzamt wissen, wo die Lohnsteuer wär.
    Für den Wareneinkauf müsst' es Quittungen geben,
    und die Erlöse wären anzugeben.


    "Ich verschenke das Spielzeug an Kinder", wollt' das Christkind sich wehren,
    dann wäre die Frage der Finanzierung zu klären.
    Sollte das Christkind vielleicht Kapitalvermögen haben,
    wäre dies jetzt besser zu sagen.


    "Meine Zwerge besorgen die Teile
    und basteln die vielen Geschenke in Eile".
    Das Finanzamt fragte wie verwandelt,
    ob es sich um innergemeinschaftliche Erwerbe handelt.


    Oder kämen die Gelder - das wäre ein besonderer Reiz -
    von einem illegalen Spendenkonto aus der Schweiz.
    "Ich bin doch das Christkind, ich brauche kein Geld,
    ich beschenke die Kinder in der ganzen Welt."


    "Aus allen Ländern kommen die Sachen,
    mit denen wir die Kinder glücklich machen."
    Dieses wäre ja wohl nicht geheuer,
    denn da fehle nun die Einfuhrumsatzsteuer.


    Das Finanzamt - von diesen Sachen keine Ahnung,
    meinte, dies wäre ein Fall für die Steuerfahndung.


    Mit diesen Tatsachen, welch ein Graus,
    fällt Weihnachten dieses Jahr wohl aus.
    Denn das Finanzamt sieht es so nicht ein
    und entzieht dem Christkind den Gewerbeschein.



    In diesem Sinne: FRÖHLICHE WEIHNACHTEN und noch erfolgreiche X-mas Preparations !


    Michael 2, bekannt auch als Brundello




    Das, was die STOP heute anbietet, ist eine Mischung aus Stagione und Repertoire - Semistagione hat es einst Prawy genannt, Blocksystem nennt es der aktuelle Langzeitdirektor. Aufführungsserien (nicht nur Premieren !) können geprobt werden - häufig auch mit zumindest einer Orchesterprobe - und bieten jungen SängerInen nach der Premierenserie die Möglichkeit, in (für die Premiere als Cover) mitstudierte Rollen einzusteigen.
    Und zwischendurch gibt es ja immer wieder Zauberflöten, Toscas, Barbieres, ...
    viele Grüße aus Wien
    Michael 2

    Zitat

    Original von Harald Kral


    ... Seit 1953 ist Maria Callas die unerreichte "Medea". Bis 1962 hat sie die Titelrolle in neun Produktionen gesungen, im Pasolini-Film und auf Schallplatte.



    Im Pasolini-Film hat - nach meiner Erinnerung - Callas nicht gesungen sondern "nur" gespielt. Bei aller Wertschätzung des Regisseurs - ohne Callas, die vermutlich primär des Namens wegen engagiert worden ist, hätte der Film kaum jemanden hinter dem Ofen hervor gelockt. Eine altgiechische Tragödie im Kino war auch Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre (genau kann ich mich nicht mehr erinnern) kein Straßenfeger.


    viele Grüße aus Wien
    Michael 2



    PS: Leonie Rysanek war in der Produktion der Wiener Staatsoper (ist auf CD im Handel) mehr als achtbar.

    Ich war in der Aufführung am 21. Oktober - und mein Eindruck war doch zwiespältig.


    Nicht wirklich begeistert hat mich die Regie, die mir teilweise zu sehr von oberflächlicher Symbolik gelebt hat. Dass die Szene den großen Saal im Musikverein darstellen soll, lasse ich mir ja einreden - schließlich ist Orpheus ein Musiker. Und auch die nicht mehr benötigten Instrumente als Teil der Unterwelt - soll sein (warum aber mitten im "Goldenen Saal" ?). Dass ein Cembalo aber als Sarg mißbraucht wird, war mir dann doch zu viel an drastischer Bildsprache. Und auch der stimmlich ausgezeichnete Arnold-Schönberg-Chor ist mir etwas zu viel herumgehupft (da hat mir die Tanzfassung von Pina Pausch in Paris mit Chor im Orchestergraben doch deutlich beser gefallen, wenngleich der Regisseur und die Choreographin deutliche Anleihen genommen haben - aber wie viele Besucher kennen trotz Übertragung in ARTE die Produktion aus Paris ?)


    Von den Solisten hat mir Bejun Mehta am wenigsten gefallen - nicht, weil ich Countertenöre ablehne (ich erinnere mich mit Vergnügen an den Orpheus des damals noch jungen Jochen Kowalski anlässlich eines Gastspieles der Komischen Oper in Wien), sondern weil er sich mehr als einmal über Phrasierungen drübergeschummelt hat und offensichtlich technisch nicht wirklich auf der Höhe sein dürfte. Sowohl vom Typ wie von der stimmlichen Leistung fand ich Miah Persson als Euridice mehr als überzeugend; Sunhae Im wäre für mich ein idealer Amor, müßte sie in dieser Inszenierung nicht so unruhig und quirrlig spielen (ich habe sie in Paris als Amor und als Euridice erlebt und finde sie als Amor deutlich rollengerechter besetzt).


    Zwiespältig blieb auch mein Orchestereindruck und das Dirigat von René Jacobs. Das klang mir manchmal zu ruppig, zu wenig aus einem Guss. Ich will ja nicht schon wieder Paris zum Vergleich heranziehen, aber das Balthasar-Neumann Ensemble und Thomas Hengelbrock klangen doch runder.


    Auch wenn meine Eindrücke vielleicht nicht ganz so positiv klingen mögen, in Summe fand ich die Aufführung durchaus gelungen und als eine echte Bereicherung für das Opernleben Wiens.


    Michael 2

    Da ich gestern anläßlich des Bach-Festes in Salzburg war (Play Bach mit dem Jacques Lousier Trio) konnte ich natürlich die Kurve an Katholnigg (keine Scleichwerbung - gut sortiertes Musikhaus im Zentrum von Salzburg) vorbei nicht schaffen.
    Zum Leidwesen meines notorisch überzogenen Kontos stehen jetzt zusätzlich am CD-Regal:


    Johann Sebastian BACH
    Der Streit zwischen Phoebus und Pan

    Bach Collegium München, Münchner Bach-Chor
    Leitung: Hansjörg Albrecht
    Solisten: Simone Nold, Annette Markert, Markus Schäfer, Werner Güra, Konrad Jarnot, Stephan Genz


    Johann Sebastian BACH
    Goldberg Variationen

    András Schiff


    Lucia POPP
    Kantaten und Arien mit Trompete von Bach, Händel und Telemann

    Jorma Hynninen, Carol Down Reinhart
    Amsterdam Chamber Orchestra
    Leitung: Marinus Voorberg


    Kathleen Ferrier and Friends
    (wieder einmal eine Sammlung - diesmal auf Pearl - von unterschiedlichen Aufnahmen, von denen ich einige noch nicht kannte)


    Giuseppe di Stefano
    "unreleased jewels"

    Aufnahmen aus 1945 und 1946; unter anderem Ausschnitte aus Lehar´s "Paganini"


    das wird jetzt zumindest tilweise mein Abendprogramm (Phoebus und Pan streiten bereits am CD-Player)


    Michael 2

    „Puccinis ‚Tosca’, die gestern in der Volksoper zum ersten Mal in Szene ging, wird jeder gesehen haben wollen“, meinte nach der Wiener Erstaufführung – die nicht an der Hofoper erfolgte – Ludwig Karpath (Zitat aus dem Programmheft). Ob man das von der gestrigen Premiere auch wird sagen können, möchte ich allerdings stark in Frage stellen. Da ließ die Regie einige Fragen ungenutzt, da konnte der Dirigent nur selten die in der Partitur vorhandene Spannung entfachen, da fehlte es zumindest zwei der drei Hauptpartien an Stimmkultur und Persönlichkeit und trotz deutscher Sprache blieb der Text weitgehend unverständlich.
    Man kann trefflich darüber diskutieren, ob es tatsächlich Sinn macht, wenn an der Staatsoper und an der Volksoper gleiche Werke am Spielplan stehen, oder ob Aufführungen auf deutsch statt in der Originalsprache wirklich helfen, Schwellenängste zu minimieren. Zumindest beim zweiten Punkt bin ich diametral anderer Meinung und auch die Frage des Repertoires sehe ich differenziert. Wie auch immer – wenn die Direktion der Volksoper meint, den Spielplan der Staatsoper in Teilbereichen zu übernehmen, ist das ihre Entscheidung. Warum aber dann nicht konkurrenzfähige Produktionen auf die Bretter gestellt werden, bleibt offen. Und vielleicht sind SängerInnen, die bereit sind, italienische Oper auf deutsch zu lernen und zu singen, auch billiger.
    Diese Produktion der „Tosca“ lässt jedenfalls viele Wünsche offen. Zeigt das Bühnenbild von Karl Kneidl im 1. Akt noch sinnvolle und logische Ansätze (ein riesiges Gerüst, auf dem ganz oben das von Cavaradossi zu malende Bild steht, geht quer über die Bühne; den Bühnenhintergrund bildet perspektivisch projiziert die Kuppel der Kirche), vermisst man im 2. Akt schon den Prunk des Palazzo Farnese (die Szene spielt in einer kleinen Kammer; Scarpias Schreibtisch ist eher ein Beistelltisch; das leiterähnliche Gestell im Hintergrund, auf dem er sein Leben aushauchen wird, erinnert an den Aufstieg zum Oberdeck eines Autoreisezuges). Der 3. Akt schließlich spielt auf einem weiten Nichts, auf das von der Seite eine bedrohlich wackelnde Annäherung einer Statue geschoben wird. Die Darsteller sind in Kostüme gekleidet, die – wenn man positiv gestimmt ist – gerade noch als „an die Zeit Puccini´s erinnernd“ bezeichnet werden können.
    Die Regie von Alfred Kirchner schwankt zwischen lächerlich und nicht vorhanden. Lächerlich dann, wenn sich gleich zu Beginn der in die Kirche geflohene Angelotti hoch am Gerüst übergibt oder wenn Scarpia wütend ein Glas in die Ecke wirft und die Dienerschaft mit Besen und Schaufel unverzüglich die Scherben beseitigt. Nicht vorhanden dann, wenn die Protagonisten im 1. Akt verzweifelt das Gerüst hinauf und dann wieder hinunter klettern müssen und Scarpia am Ende des Aktes zuerst sein Hemd weit öffnet und sich dann selbst geißelt oder wenn im 3. Akt der Hirtenknabe als halbnackter Jüngling auf der sonst leeren Bühne von rechts nach links und dann wieder von links nach rechts schreitet. Um nur wenige Beispiele zu nennen.
    Das wäre nicht so schlimm, stünden überzeugende Persönlichkeiten mit entsprechender Stimme auf der Bühne. So aber ist Tosca (Ann-Marie Backlund debutiert in dieser Rolle an der Volksoper) in jeder Sekunde nicht die Diva, die sie sein soll, und kann sie mangels Ausstrahlung auch nicht vermitteln. Dazu ist ihre Stimme weder schön noch ausdrucksstark, dafür aber schrill in der Höhe. In der Rolle des Cavaradossi steht mit Janos Bandi ein zweiter Hausdebutant auf der Bühne. Und auch er kann mit einer wenig modulationsfähigen Stimme und mühsam ersungenen Höhen nur mäßig begeistern. Morten Frank Larsen, eine der Stützen des Hauses noch aus der Zeit der Direktion Mentha, wäre bei einer intensiveren Regie und einem engagierteren Dirigenten vermutlich ein guter Scarpia. An diesem Abend bleibt aber auch er weit unter seiner gewohnten Qualität.
    Stefan Cerny ist ein ausgezeichneter Angelotti (den einige Besucher als den Höhepunkt der Premiere bezeichneten), von Martin Winkler (Mesner) konnte ich nahezu kein Wort seines Textes verstehen, rollendeckend erfüllten Karl-Michael Ebner (Spoletta), Stefan Tanzer (Sciarrone) und Heinz Fitzka (Schließer) ihre Aufgaben. Hoffnungslos überfordert (oder durch extreme Nervosität behindert) war der Hirtenknabe von Florentin Fink.
    Und wieder einmal bewiesen der Chor sowie der Kinderchor, dass diese Gruppe eine wesentliche Stütze des Hauses ist. Josep Caballe-Domenech verschleppte manche Tempi und es gelang ihm nie, Spannung aus dem Orchester zu holen.
    Wer dem Projekt „Tosca“ skeptisch gegenüber gestanden ist, wurde (leider) an diesem Abend bestätigt. Der Applaus des Premierenpublikums blieb in Grenzen.

    Michael 2

    Bei dieser "Salome" handelt es sich um den Mitschnitt der damaligen Premiere in der Wiener Staatsoper.Wnn man sich die Besetzungen der sogenannten "kleinen" Rollen ansieht (etwa die Juden und Soldaten) kann man erkennen, welche Qualitäten damals das Hausensemble bot.



    @ Brangäne
    Ich habe den von dir zitierten "Don Carlos" (nicht ganz echter Mitschnitt der Premiere vom Herbst 1970 in der Wiener Staatsoper) kürzlich wieder einmal gehört und meine Erinerung an diese Premiee hat sich bestätigt. Würde nicht Horst Stein am Dirigentenpult stehen, wäre das vermutlich eine der besten Aufnahmen dieser Oper außerhalb eines Studios überhaupt.


    viele Grüße
    Michael 2

    In diesem Zusammenhang ein Konzerttipp für Taminos/Paminas in Wien und Umgebung:


    14. Oktober 2008
    19.30 Uhr
    Ehrbar Saal (1040, Mühlgasse 30)


    Bach: Reflected


    mit Benjamin Schmid (Violine), Georg Breinschmid (Kontrabass), Diknu Schneeberger (Gitarre), Miklos Skuta (Klavier)


    Veranstalter: Stadtinitiative Wien


    aus dem Text der Programmvorschau:
    "In seinem neuen Jazz-Programm Bach:Reflected stellt beni Schmid mit drei kongeniale Sidemen bezüge her zwischen dem Barockmeister und heutigem Jazzverständnis und spürt dem enormen Einfluss Bachs auf viele Bereiche des Jazz nach. Ein Crossover, das kein Nebeneinander von musikalischen Oberflächen züchtet, sondernder Frage nach tiefer liegenden Parallelen zweier faszinierender Musikepochen nachgeht."


    Das Programm wird übrigens beim Bach-Fest in Salzburg wiederholt.


    Michael 2



    Obwohl ich einige aufnahmen des Modern Jazz Quartet kenne/besitze - diese war mir bis jetzt unbekannt. (Danke für den Tipp, ichwerde sie mir besorgen :yes: )


    Ich möchte jetzt den Bogen etwas weiter ziehen, und von Bach im Speziellen auf Barock im Allgemeinen verweisen.Und ich beziehe mich inhaltlich dabei auf ein Gespräch, das mit Harnoncourt im Zusammenhang mit seinem Monteverdi-Zyklus in Zürich (wer kann sich eigentlich an diese maßstabsetzenden Prtoduktionen noch erinnern ?) geführt worden ist. Er meinte damals sinngemäß, dass die Komponisten jener Zeit nicht jede Note und exakt für jedes Instrument notieren mussten, weil die Musiker ja die Richtung kannten und außerdem dadurch Raum für Improvisation gegeben war. Die exakte Notierung aller Noten gab erst wesentlich später.
    Zwischen dem traditionellen Jazz - ich denke hier vor allem an den in New Orleans von den Marching Bands geprägten Stil bis hin zum Dixxieland - und der barockmusik gibt es also nach meinem Empfinden gewisse formale Verbindungen. Das geht zum Teil bis zu ähnlichen Instrumentierungen (Die Fülle der Streicher kam ja auch in der so genannten E-Musik erst mit den jahren - vielleicht vergleichbar mit den Bläsersätzen der Bigbands im Jazz).
    Wenn sich also das MJQ, Lousiier und Co. vor allem an barocken Meistern "vergreifen", könnte man das schon auch als "back to the roots" verstehen.
    Anders stellt sich natürlich die Frage, ob derartige Bearbeitungen dem subjektiven Musikverständnis entsprechen oder - wie es wohl die Hardcoreklassiker empfinden - als Blasphemie bezeichnet werden. Da kann man eine eindeutige Antwort wohl nicht geben. Bei mir stehen da immer zwei Betrachtungen im Mittelpunkt -
    a) eignet sich ein Stück für eine swingende, jazzige, popige, ... Bearbeitung ? Bei Mahler, Bruckner, dem Verdi- oder Mozartrequiem etwa würde ich NEIN sagen; bei beispielsweise den Orchestersuiten von Bach, den Jahreszeiten von Vivaldi oder auch mancher Symphonie von Mozart sehe ich die Sache schon anders.
    b) wie ist die Qualität der Musiker - und die steht bei Jaques Loussier, dem MJQ oder auch den Swingle Singers (jedenfalls für mich) nicht zur Diskussion.


    viele Grüße
    Michael


    PS: Ich freue mich schon auf "Play Bach" mit Jacques Loussier am 18. Oktober in Salzburg (Karte habe ich schon) !

    Irgendwo hat sich in meinem Hinterkopf eingegraben (aber vielleicht verwechsle ich sie auch ?), dass bei dieser Sängerin die Zeit bis 1945 und auch noch danach abseits vom Gesang übergangen wird.
    Auch ihre Karriere hat nach meinem Wissensstand ihre Wurzeln im Berufsverbot, der Vertreibung oder Ermordung anderer Künstler aus religiösen (bekannter als "rassischen") und/oder politischen Gründen.


    Michael 2

    Danke, dass du an die zwar ältere aber "kleinere" der Rysanek-Schwestern erinnerst. Als zum (zwar nicht ganz engsten) Kreis der Leonie-Fans gehörend, habe ich auch viele Abende mit Lotte Rysanek an der STOP erlebt - auch in manch großen Verdi-Rollen (zB. Leonora in Trovatore oder Forza).
    Stimmlich war sie vielen berühmteren Kolleginnen durchaus gleichwertig. Was ihr sicher fehlte, war Glamour und schon auch eine gewisse Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Was sie aber ganz sicher war - ein Mensch und eine der Stützen der STOP, die immer da war, wenn andere ausgefallen sind. Auch wenn sie nie als eine wirklich bedeutende Künstlerin galt, war sie ein nicht unwesentliches Mitglied des legendären Ensembles der Wiener Statsoper (und die Qualität dieses Ensembles beweist jener oben erwähnte Mitschnitt der Premiere von "Dalibor", die ganz ohne Gastsänger ausgekommen ist !)


    Michael 2

    Wer in Wien von Operette spricht, denkt in erster Linie an die „heimischen“ Vertreter dieser Musikgattung – an Strauß, Lehar, Kalman, Dostal, ... – oder Offenbach. Und vergisst dabei, dass es zum Zeitpunkt der „silbernen“ Operette in Wien auch in Berlin ein blühendes Musikleben gab. Einer der Vertreter der in der Musikstadt Wien kaum bekannten Berliner Operette (neben Paul Lincke oder auch Walter Kollo und anderen) ist Eduard Künneke (1885 – 1953), dessen 1921 uraufgeführter „Der Vetter aus Dingsda“ gestern Abend an der Wiener Volksoper erstmals aufgeführt wurde und als erster Spielabend die Saison 2008/2009 eröffnete.


    Die Geschichte in wenigen Worten: Josef „Josse“ Kuhbrot und seine Frau Wilhelmine (genannt Wimpe) genießen das Leben auf Kosten ihrer Nichte Julia, die – minderjährig – ein nicht unbeträchtliches Vermögen geerbt hat. Um dieses gute Leben weiterführen zu können, soll Julia mit Kuhbrots Neffen August verheiratet werden. Doch Julia denkt nicht daran, träumt sie doch von ihrer Jugendliebe, ihrem Vetter Roderich. Und wird darin von ihrer Freundin Hannchen unterstützt. Plötzlich taucht ein fremder junger Mann auf, der sich in Julia verliebt und – die Situation erkennend – sich als Roderich ausgibt. In Wahrheit ist er aber der von Julia vehementest abgelehnte August Kuhbrot. Es kommt, wie es kommen muss – ein Telegramm kündigt die Ankunft des echten Roderich an, der Fremde flüchtet. Dieser verliebt sich promptest in Hannchen – und es wäre keine Operette, gäbe es nicht ein Happy End zwischen Julia und August.


    Diese – zugegeben nicht wahnsinnig intellektuelle Story (aber welches Operettenbuch ist schon ein Meisterwerk der Philosophie) – hat Olivier Tambosi (dessen Regie von „Irrelohe“ an der Volksoper noch vielen Opernfreunden in bester Erinnerung ist) mit Augenzwinkern und der notwendigen Distanz inszeniert. Das Stück spielt im Original in Holland, das im Berlin des aufkeimenden Nationalsozialismus irgendwie als Land galt, in dem Milch und Honig fließen und das im Märchenspiel, wenn der Fremde vor Julia ungeniert seine Wünsche nach Speis und Trank aussprechen darf und erfüllt bekommt, auch symbolisiert wird. Dieses Traumland verlegt Tambosi gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Friedrich Despalmes und unterstützt durch wunderbar karikierende bunte Kostüme von Bettina Richter in ein undefinierbares Irgendwo, man könnte sagen nach Dingsda. Gartenzwerge spielen eine trügerisch kleinbürgerliche Idylle vor, das Haus der Familie Kuhbrot erinnert als Miniatur an die kolonialen Villen in den Südstaaten Nordamerikas (und könnte ebenso die Parodie auf eine Palladio-Villa sein); Julias Zimmer spiegelt die Träume des jungen Mädchens wider – Tarzans Bild im Kasten, vor dem sie Jane spielt; das Bett mit mondbesticktem Seidenüberzügen, in dem zunächst der Fremde, also August, als „armer Wandergesell“ seine Ruhe findet und sie später von ihm träumt. Und bevor der Kitsch siegt, greift Tambosi in das offensichtlich unerschöpfliche Repertoire seiner Fantasie und findet eine unerwartete Wendung in die Nähe einer wie auch immer möglichen Realität. Die gesuchte Gradwanderung zwischen Traumwelt und Realität des Lebens, zwischen Satire und Ernsthaftigkeit geht auf. So und ohne falsche Sentimentalität muss Operette heute gebracht werden – ernstgenommen und gleichzeitig mit Augenzwinkern; Zitate aus den Revuen der 20er und 30er Jahre sind in diesem Konzept durchaus gewollt.


    Diesem ausgezeichneten Leadingteam steht ein Ensemble zur Seite, das auf die Ideen nicht nur perfekt eingeht und die gewünschten Typen nachvollziehbar auf die Bühne stellt, sondern auch die musikalische Umsetzung annähernd perfekt trifft. Man nimmt dem wunderbar berlinernden Carlo Hartmann als Onkel jederzeit ab, dass ihm Frikandeau und Bordeaux und warm zu essende Schnitzel das wahre Lebenselixier sind – und dafür benötigt er das Geld seiner Nichte, deren privates Glück ihm gleichgültig ist (kennen wir dieses Thema nicht aus diversen Opern ?). Gäbe es diesen (sehr gut) singenden Komiker nicht im Ensemble der Volksoper, man müsste ihn erfinden. Das gilt gleichermaßen für seine Frau Isabel Weicken, die einen Hauch ernsthafter gezeigt wird und der ihre Vergangenheit als Musicaldarstellerin stimmlich wie darstellerisch zu Gute kommt. Daniel Johannsen ist als Egon von Wildenhagen, der sich mit riesigen Blumensträußen vergeblich um das Herz von Julia bemüht eine liebenswert tragische Figur, der es dank preußischer Zackigkeit nicht gelingt, seine Gefühle an die Frau zu bringen. Ihm können auch seine stimmlichen Qualitäten nicht weiterhelfen. Thomas Markus und Stefan Cerny sind zwei Diener, die aus ihren Nebenrollen das Maximum herausholen und wunderbare Charaktere auf die Bühne stellen.
    Rebecca Nelsen als Julia de Weert und ihre Freundin Hannchen in der Gestalt von Johanna Arrouas sind gewollt ähnlich in Optik, Ausstrahlung und der Stimme. Dass Hannchen sich zum guten Ende mit dem gute zwei vergnügliche Stunden von Julia via Mond geliebten Roderich verlobt und sich Julia in den als Unbekannten abgelehnten August Kuhbrot verliebt, wird also schon durch die Wahl der Sängerinnen vorgezeichnet. Beide verfügen über schöne, wenngleich nicht übermäßig große Stimmen. Dass sie an ihren Rollen auch Spaß haben, ist sicht- und hörbar. Ein tenoraler Beau ist Daniel Prohaska als Fremder, der Roderich spielt um sich dann doch als August zu outen. Sollte er in das Volksopernensemble integriert werden und nicht allein für diese Produktion engagiert sein, könnte er die dem Haus fehlenden (Operetten)tenöre mehr als nur teilweise ersetzen. Den wahren Roderich gibt Boris Pfeifer, der mit dem Fallschirm auf der Bühne landet und auch in der Folge zeigt, wo der Mann zu Hause ist – ein trotz allem liebenswürdiger Macho, bei dem die Wahl schwer fällt, ob Hannchen dem Mann oder dem Sänger verfällt.


    Für die musikalische Umsetzung ist Alexander Drcar verantwortlich, der die Sänger und Orchestermusiker bestmöglich durch die ungewohnte Komposition führt. Wenn ich seine Interpretation mit der berliner Platteneinspielung aus dem Jahr 1966, mit der ich mich in den „Vetter“ eingehört habe, vergleiche, höre ich auch bei ihm – ähnlich Tambosi – das im Stück verborgene Augenzwinkern. Nicht zuletzt dort, wo Künneke an Lehar und Kalman erinnert (etwa im Vorspiel zum 2.Akt) oder sich Offenbach zum Vorbild nimmt. Wie schön wäre es, könnten vor allem die Blechbläser diesen Intentionen vorbehaltlos folgen.


    Wer einen spritzig vergnüglichen und gleichzeitig hintergründigen Abend erleben möchte, dem sei diese Produktion ans Herz, in die Augen und die Ohren gelegt.


    Michael 2




    na gut, dann eben nicht - aber den Versuch war es wert =) =) =)


    liebe Grüße
    Michael 2

    Bevor Österreich EU-Mitglied geworden ist, hatte ich bei der Rückreise aus Italien im Auto immer ein paar Flaschen mehr Brunello ( :D ) oder Barolo als erlaubt - und auch heute interpretiere ich den Begriff "persönlicher Verzehr" eher großzügig ( ;) ).
    Vielleicht komme ich bei der Gesichtskontrolle beim Check-in auf der MS Tamino dennoch ungeschoren davon. Ich habe auch - ich schwöre es - nur zwei Boxen mit ( :stumm: )
    Box 1 - Sämtliche Operetten von Offenbach (natürlich französisch gesungen und in alten Aufnahmen)
    Box 2 - "Fledermaus" (Wiener Staatsoper 1960 - die hat oper337 zwar schon mit, aber die will sicher noch jemand zum anhören ausborgen)


    liebe Grüße
    Michael 2

    Von einem der bedeutendsten Regisseure der 2.Hälfte des 20. Jahrhunderts habe ich zu seinen Lebzeiten nichts mehr erlebt - aber in Wien konnte ich noch die von Wieland Wagner stammenden Inszenierungen von Salome, Elektra und Loheengrin sehen. Dass ihn bis jetzt noch niemand unter seine Lieblingsregisseure gereiht hat, verwundert mich doch.


    Jean Pierre Ponnelle ist schon kurz angesprochen worden. Er war für mich einer der musikalischesten Regisseure überhaupt und erist vermutlich der Regisseur, von dem ich die meisten Inszenierungen gesehen habe (Barbiere, Cenerentola, Italiana in Algeri, Idomeneo, den legändären Monteverdi-Zyklus aus Zürich, und noch einige mehr). Allerdings - ich gebe es zu - war er auch sehr etwas detailverliebt und verspielt. Dennoch ist er einer meiner Favoriten.


    Und in der Gegenwart möchte ich Olivier Tambosi erwähnen, dessen Inszenierungen mir immer wieder neue Sichtweisen und Denkansätze zu längst bekannten Werken nahe bringen. Auf seine Interpretation des "Vetter aus Dingsda" (nächste Woche ist die Premiere an der Wiener Volksoper) bin ich schon gespannt.


    Wochenedgrüße aus Wien
    Michael 2

    Der „Shakespeare Music Catalogue“ von Gooch und Thatcher nennt aktuell knapp 270 musiktheatralische Vertonungen, die auf „Romeo und Julia“ basieren. Eine davon komponierte Georg Anton Benda (1722-1795), die unter dem Titel „Romeo und Julie“ 1776 in Gotha uraufgeführt worden ist und 1783 auch am Kärntnertortheater in Wien zu hören war. Auf diesem Werk basiert „ROMEO+/-JULIA“, ein Musiktheater von Jörg Ulrich Krah (Musik) und Julya Rabinowich (Text), das am 21.August in einer Produktion von progetto semiserio im Schauspielhaus Wien zur Uraufführung gelangte.


    Zwei Paare – zwei Sänger als jugendliches Liebespaar und zwei Schauspieler als auseinander gelebtes Ehepaar – sind Antipoden und Ergänzung gleichzeitig. Bilden die in jungfräuliches Weiß gekleideten Sänger die unübersehbare Verbindung zum veroneser Paar, zeigen die Schauspieler den Alltag eines von Lebensfrust und Alltag gezeichneten Paares. Sie ist eine ehemalige – vermutlich mittelmäßige – Schauspielerin, die für ihn ihren Beruf aufgegeben hat und immer noch davon träumt, einen echten Bühnenerfolg zu landen. Er ist Arzt und Psychiater, dem die bemutternde Hingabe seiner Frau („der Braten wird kalt“, „ich habe Dir dieses schöne Hemd gekauft“) zunehmend auf die Nerven geht und der unausgesprochen die Abende lieber mit einer (seiner ?) Freundin verbringen möchte. Es liegt auf der Hand, dass diese Beziehung nicht gut enden kann. Die Überdosis an Tabletten sind die doch plakative Verbindung zu Shakespeare; dass dieser Selbstmordversuch nicht letal endet, schließt den Kreis zu Benda, dessen Julia auch aus einem todesähnlichen Zustand erwacht und quasi ein Happy End ermöglicht.


    Dieser Mix aus Oper des 18. Jahrhunderts und zeitgenössischem Theater könnte der Rahmen für einen spannenden Abend sein (und bietet ihn teilweise auch wirklich), wären da nicht die unsagbar flachen Texte im Stil von bei Friseuren oder Ärzten aufliegenden Blättern. Da Julya Rabinowich seit Jahren in Wien lebt und hier auch Dolmetsch studiert hat, muss davon ausgegangen werden, dass der Text so ist und nicht durch Übersetzer verunstaltet wurde. Und so ist es – neben den Leistungen der mitwirkenden Künstler - vor allem die musikalische Umsetzung, die dem Stück zu mehr als einem Achtungserfolg verhilft. Jörg Ulrich Krah – Komposition/Arrangement/Musikalische Leitung – hat unter anderem als Solocellist des Bachkollegium Stuttgart und im Egon-Wellesz-Quartett gewirkt. Er verbindet die für die kleine Besetzung (kaum mehr als das Continuo in einer traditionellen Aufführung) arrangierte Originalmusik Bendas mit zeitgenössischer Theatermusik, Erinnerungen an Mozart oder Purcell mit Tangorhythmen. Neben den „klassischen“ Instrumenten Klavier, Violine oder Cello verwendet er auch Schlagzeug oder Bandoneon. Dadurch entstehen einerseits neue Klangfarben und wird andererseits der Bogen in die Gegenwart gespannt. Dieses Experiment kann durchaus als gelungen bezeichnet werden.


    Die Bühne (Regie/Konzept: Andreas Leisner, Bühne und Kostüme: Daniela Juckel) ist spartanisch eingerichtet, durch Fadenvorhänge in drei Bereiche geteilt. Aus Sicht des Publikums der rechte hintere Bereich nimmt die sechs Musiker auf; links hinten sind die Sänger ein pantomimischer Kontrast zu den die Vorderbühne ausfüllenden Schauspieler. Die Personenführung ermöglicht es, dass Arien und Duette zumeist auf der Hauptbühne gesungen werden. Wer je Ingmar Bergmanns (war er der Regisseur ?) „Szenen einer Ehe“ gesehen hat, kann erahnen, was sich auf der Bühne zwischen Eva Klemt (SIE) und Markus Heinicke (ER) abspielt. Diesem mit Untergriffen gespickten Ehedrama muss zweifellos eine Scheidung mit Rosenkrieg folgen. Er wirft ihr Versagen vor, sie ihm ständige Missachtung. Hier haben sich zwei einstmals liebende Menschen in der Öde des Alltags auseinander gelebt, Scheidung und Rosenkrieg sind vorgegeben. Da sind die Gegenpole Romeo (Paul Schweinester) und Julia (Elisabeth Breuer) absolut konträr gezeichnet – voll der Liebe und ineinander verbunden. Schade, dass die stimmlichen Leistungen der beiden nicht voll entsprechen und sich ab und zu verschmierte Phrasen und unsaubere Töne einschleichen.


    Dennoch und trotz aller Einwände – wer Interesse für unkonventionelles Musiktheater aufbringt und/oder Neues kennenlernen möchte, dem sei diese Produktion empfohlen (Vorstellungen: 23./26./27. August, Schauspielhaus).


    Michael 2

    Für mich stehen in der kommenden Saison jedenfalls zwei Ausflüge zu "Le Nozze di Figaro" auf der Reiseliste.


    14.2.2009
    Landestheater Linz
    Regie: Olivier Tambosi (der hier in der abgelaufenen Saison eine wunderbare "Traviata" in Szene gesetzt hat)
    Contessa: Christiane Boesiger (sie hat sich in den letzten Jahren von der Pamina und der Susanna zur Donna Anna und Elettra weiterentwickelt; mit der Contessa geht sie einen nächsten Schritt in das dramatischere Fach. Ich freue mich schon auf diese Produktion)


    Juni 2009
    La Monnaie (Brüssel)
    Susanna: Bernarda Bobro (sie ist mir vor einigen Jahren im Ensemble der Wiener Volksoper überaus positiv aufgefallen und seither verfolge ich ihre künstlerische Entwicklung mit Interesse. Da sie die Susanna in Wien nur auf deutsch singen durfte, setze ich auf die Interpretation in der Originalsprache hohe Erwartungen)



    Michael 2



    Diese Aufnahme hat mich durch mein gesamtes bisheriges Opernleben begleitet - und sie ist für mich bis heute ein Maßstab für die ideale Interpretation von Wagners Opern geblieben und nie wieder übertroffen worden. Da kann für mich auch die legendäre Einspielung unter Furtwängler mit (in den gleichen Rollen) Rysanek, Suthaus und Frick nicht mit.


    Michael 2

    Jetzt hole ich mir meine symbolischen Watschen ab.


    Ich bleibe auch nach langem Überlegen dabei, dass sich meine Begeisterung für Oskar Czerwenka in sehr engen Grenzen hält. Da hilft auch die Verklärung vergangener Zeiten nicht. In welcher Rolle auch immer ich ihn gesehen habe (ohne in meinem Programmzettelarchiv zu blättern oder lange zu überlegen fallen mir spontan unter anderem Ochs, Basilio, Pasquale - ich war übrigens bei der oben erwähnten Aufführung in Mürzzuschlag dabei und habe die Produktion auf der Tournee, im Theater an der Wien und in der Staatsoper wegen Luigi Alva mehrmals gesehen, Osmin, .. ein), war er mir zu bäuerlich derb. Und wenn ich diesen Eindruck selbst beim Ochs hatte, der ja wahrlich keine geschliffene Persönlichkeit ist, will das wohl etwas heißen. Ich gebe zu, sein Stimmvolumen würde ich manchem aktuell hochgeschätzten Baß wünschen, aber in seinem Ausdruck und seiner Person konnte er seine oberösterreichisch-ländliche Heimat nie verleugnen. (Interpretiert das jetzt bitte nicht als städtischen Dünkel; es gibt genügend SängerInnen, die aus der so genannten Provinz stammen und große, eigenständige Persönlichkeiten geworden sind.)


    Michael 2

    Ö1 (Österreich 1) sendet zur Zeit die Aufzeichnung einr der legendären Aufführungen der Met. "Tosca" mit Renata Tebaldi, Richard Tucker und Leonard Warren vom Jänner 1956; Dimitri Mitropoulos dirigiert.


    Ich bin versucht zu sagen, dass ich diese Aufnahme auf CD "natürlich" in meiner Sammlung habe. Aber dennoch verfolge ich mit wachsender Begeisterung die Radioübertragung. Das sind jene Momente, wo ich bedauere, dass ich derartige Aufführungen noch nicht miterleben konnte (wäre mit vier Jahren wohl auch schwer gewesen).


    viele Grüße
    Michael 2




    :D:D:D:D:D:D


    Michael 2