Beiträge von Erna

    "Badet mich in Blut. Lebt wohl, lebt wohl, ich werde auf ewig in Qualen leben."


    Schlußworte von ll Malaspina nach der Ermordung seiner Gattin in der Oper "Luci mie traditrici " von Salvatore Sciarrino

    Hallo Severina!


    Ich hörte Antonenko zum ersten Mal und fand ihn als Otello sowohl stimmlich, als auch besonders darstellerisch zu eindimensional. Aber er ist ja noch sehr jung und lernt sicher noch dazu. Mich wundert nur, dass man gerade in Salzburg so einen jungen, offensichtlich in dieser Rolle unerfahrenen Sänger damit betraut. Das zeigt meiner Meinung nach das Dilemma, dass es momentan offensichtlich keinen anderen Sänger gibt, der diese Partie bewältigen kann, Domingos Zeit als Otello ist vorbei (aber er war für mich in dieser Rolle bis heute prägend), und Cura, na ja, der singt meistens nicht Verdis Notation sondern seine eigene Fassung, Botha ist als Darsteller auf der Bühne emtweder nicht vorhanden oder wirkt z.B.bei Desdemonas Ermordung bestenfalls lächerlich:untertauch: und ist gesanglich auch nicht das Gelbe vom Ei in dieser Rolle und sonst fällt mir Keiner ein.


    Auch bei Jago muss ich Dir Recht geben, keine Rolle für Alvarez, hoffentlich legt er sie wieder zurück.


    Maria Poplavskajas Stimme ist mir zu herb für die Desdemona, da würde ich von den heutigen Sängerinnen z.B. Frittoli bevorzugen.


    Unterm Strich gab es in dieser Aufführung also nicht viel Positives für mich.

    Hallo zusammen!


    Soeben habe ich mir meine Neuerwerbung angehört:



    Man hört auf der CD einen dunklen, virilen Bass-Bariton, der sehr nuanciert singt, das ist mein positiver Eindruck. Meine negativen Eindrücke sind: an manchen Stellen etwas harte, spröde Stimmführung, und nicht immer eine exakte sprachliche Interpretation, ausserdem erschienen mir viele Musikteile, auch vom Orchester, etwas zu schleppend interpretiert. Aber vielleicht bin ich zu kritisch. Alles in allem würde ich sagen, kein Fehlkauf von mir, aber Erwin Schrott hat auch nicht die Über-drüber-Stimme, als die er momentan gehypt wird.

    Hallo Severina!


    Mir fällt bei Deiner Nachricht ein Stein vom Herzen. :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: Es wäre jammerschade gewesen, wenn diese Ausnahme-Stimme bei Rossini, Donizetti und Bellini durch diesen Ausflug zu Verdi Schaden genommen hätte. Aber, wie ich schon in meinem ersten Posting zum Dresdner Rigoletto gehofft hatte, ist Florez intelligent genug, seine (derzeitigen?) Grenzen zu erkennen. Selbst wenn er diese Partie nie wieder singen sollte, bleibt er für mich in seinem angestammten Fach einer der herausragendsten Sänger unserer Zeit.

    Meine Favoritenliste lautet wie folgt:


    Piero Cappucilli (Rigoletto, Ezio, Jago, Renato)
    Leonard Warren (Macbeth)
    Guillermo Sarabia (leider zu früh verstorben, erlebte ich u.a.als tollen Rigoletto)
    Thomas Hampson (Posa)
    Zeljko Lucic (Vater Germont, Rigoletto)

    Hallo Thomas!


    Dieses Vorurteil kenne ich kaum :D :D :D :D, wenn mir ein Werk gefällt, habe ich davon meistens mehrere CDs mit verschiedenen Interpretationen, die ich mir je nach der momentanen Stimmung anhöre. Allerdings gibt es da zwei Ausnahmen: "Dank" meiner nur mäßig gut klavierspielenden Großmutter kann ich folgende zwei Werke nicht mehr hören: Minutenwalzer und Türkischer Marsch, sie konnte praktisch nur diese beiden Werke halbwegs fehlerfrei und hat sie daher fast täglich gespielt. CDs wo diese Werke drauf sind, kaufe ich mir sicher nicht, auch wenn mich vielleicht der Interpret interessiert. Das heisst, ich habe eben doch das gleiche Vorurteil wie Du, nur andere Werke betreffend. :D :D :D :D :D :D :D

    Hallo Hildebrandt!


    Ich habe soeben in die CD hineingehört, und muss feststellen, dass Ihr alle sehr erfolgreich gegen mein Vorurteil ankämpft und gleichzeitig für Leere in meiner Brieftasche sorgt. :D :D


    Aber, im Ernst, ich bin Euch dankbar dafür.


    Allerdings gefällt mir diese Einspielung beim ersten Anhören überhaupt nicht:


    http://www.youtube.com/watch?v=9YsqygI8C0Q


    Hier scheint sich mein Vorurteil wieder zu festigen, aber ich kann nach dem kurzen Ausschnitt nicht sagen, woran es liegt.

    Hallo Micha!


    Vielen Dank für die Erweiterung meines musikalischen Horizontes durch Dich.


    Ma habe ich bereits gekannt, die CD besitze ich selbst, und er ist somit eine der Ausnahmen, von denen ich sprach. Wang habe ich noch nicht gekannt, aber da werden jetzt sicher auch CDs den Weg zu mir finden. :( Das wird wieder ein Fiasko für meine Brieftasche werden! Deswegen sollte ich für Deine Hinweise eigentlich böse auf Dich sein, kann ich aber nicht! :hello:


    An Hand dieser Beispiele sehe ich nun doch, dass man auch Vorurteile von Zeit zu Zeit auf ihre Richtigkeit überprüfen sollte, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob dies nur für die beiden oben erwähnten und einige andere Ausnahmen gilt oder ob ich mein Vorurteil in dieser Sache generell abbauben sollte.

    Hallo Paul!


    Mit Deiner Aussage triffst Du genau den Punkt meiner Gefühle. Ich empfinde diese Interpreten als technisch perfekt, aber als Persönlichkeiten nicht vorhanden, dies trifft es genau. Ihr Spiel, ihre Stimme ist austauschbar, da erkenne ich nichts Eigenes oder gar Eigenwilliges in der Interpretation. Dieses Geführ habe ich, wie gesagt, auch bei manchen europäischen oder amerikanischen Interpreten, aber eben vorwiegend bei den asiatischen.

    Hallo zusammen!


    Ich bin froh, dass ich nicht die Einzige bin, die bei Aufführungen asiatischer Interpreten, speziell der jüngeren Generation aus China, Japan z.B. das Gefühl hat, technisch perfekte Musikmaschinen ohne den emotionalen Hintergrund und ohne das Wissen um den traditionellen europäischen Hintergrund der Aufführungspraxis, der Komposition, des Komponisten und seiner Zeit, zu hören. Ich wollte dies zuerst nicht äussern, um nicht den Anschein zu erwecken, rassistisch eingestellt zu sein. Damit hat das wirklich nichts zu tun, aber für mein Empfinden sind die beiden Welten so grundverschieden, dass diese Interpreten, die offensichtlich in ihrer Tradition verhaftet sind, so wie ich in der meinen, meine Seele nicht erreichen. Ich bewundere ihre Technik, aber mir fehlt die Interpretation, und nur beides zusammen ergibt für mich den wahren Hörgenuss. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen (Nein, Lang Lang gehört nicht zu ihnen!) und natürlich gibt es auch europäische Künstler, die mich nicht berühren, aber bei den asiatischen tritt dieses Gefühl bei mir deutlich häufiger auf.

    Zitat

    Ich mag auch keine allzu jungen Interpreten -zumindest nicht auf CD


    Bei mir ist das genau umgekehrt, ich habe oft mit der stilistischen Interpretation früherer Zeiten Probleme, es gibt allerdings doch einige, in meinen Augen zeitlose Aufnahmen älterer Interpreten, die mir gefallen, ausserdem bin ich neugierig auf neue Interpreten, da gibt es doch auch viele gute, die oft gar nicht so beworben werden, offensichtlich keinen guten PR-Agenten haben (wollen), quasi fast im Verborgenen blühen, deren Entdeckung sich aber für mich gelohnt hat (z.B.Martin Fröst), da verdanke ich auch dem Tamino-Forum viel Anregung, aber nun bin ich leicht o.t. Auch das ist wohl ein Vorurteil von mir, dass ich bei CD´s seltener zu "alten" Interpreten greife. (Ausnahmen bestätigen die Regel: von Gulda, Brendel, Siepi, Wunderlich, London z.B. habe ich in letzter Zeit CD's gekauft.

    Hallo zusammen!


    Bei mir gibt es verschiedene Varianten von Vorurteilen Interpreten gegenüber, die ich einfach nicht ablegen kann und auch offensichtlich gar nicht ablegen will:


    1) Sobald eine Mega-Marketing-Strategie einen Interpreten zu pushen versucht, bin ich bereits nicht mehr vorurteilsfrei (Netrebko, Schrott, Lang Lang) und beurteile diesen interpreten besonders streng, und wehe, ihm passiert nur der kleinste Fehler, das ist für mich sofort die Bestätigung meines Vorurteils, meistens zeigt sich dann allerdings im Laufe der Zeit, dass ich mit meiner Meinung bei dem einen oder anderen Interpreten doch Recht hatte, was mein Vorurteil wieder einzementiert.


    2) Wenn ein Klassik-Interpret zuviele oder schlechte Cross-over-Platten aufnimmt, festigt sich bei mir ebenfalls bald ein Vorurteil, dass sich nicht mehr sehr leicht abbauen lässt.


    3) Wenn mir einmal eine Interpretation nicht gefallen hat (Stadtfeld z.B.), bedeutet dies meistens, dass ich um diesen Interpreten für alle Zukunft einen grossen Bogen mache, er bekommt bei mir selten eine zweite Chance.


    4) Wenn Jemand in Interviews zu verstehen gibt, dass seine Sichtweise die allein seligmachende ist, und dass alle, die dies nicht goutieren, Idioten sind, und alle, die über eine Gesangsleistung aus vergangenen Tagen, mit einem für die heutige Zeit befremdlichen Stil, vielleicht lachen, ebenfalls Dummköpfe sind, dann wars das für ewige Zeiten für mich, von diesem Dirigenten besitze ich eine einzige CD, und dabei bleibt es auch.


    Ihr seht also, ich habe Vorurteile und stehe dazu, aber ich bin nicht in der Lage, sie zu revidieren.

    Hallo zusammen1


    Ich teile Severinas Bedenken hinsichtlich Florez, ich fand ihn stimmlich für die Rolle etwas zu leichtgewichtig, bei aller Schönheit der Stimme, ich fand sie einfach für diese Rolle zu wenig durchschlagskräftig, meiner Meinung nach ist der Duca für ihn eine absolute Grenzpartie, die er nicht zu oft, und vor allem nicht in zu grossen Häusern singen sollte, aber ich nehme an, dass er intelligent genug ist, das selbst zu erkennen. Am besten gefiel mir Damrau, sie war darstellerisch und sängerisch Gilda, gesanglich gefiel mir auch Lucic, dastellerisch könnte er allerdings noch mehr aus der Rolle machen, Bewegungen mit der linken Hand alleine genügen nicht zur Charakterisierung der Rolle, erst im letzten Akt spielte er wirklich, aber gesanglich war er top, überrascht hat mit Georg Zeppenfeld als Sparafucile, wenn ich von Furlanetto absehe, kann ich mich an kaum einen Besseren in der letzten Zeit erinnern. Das Orchester unter Fabio Luisi war mir an einigen Stellen zu schleppend. Die Inszenierung fand ich schlüssig, stellenweise beeindruckend, modern und doch angenehm werktreu.

    Hallo zusammen!


    Obwohl ich Wienerin bin, und daher praktische mit Strauß, Lanner und Co aufgewachsen bin, ist mein Lieblingswalzer der etwas morbide "Valse triste" von Sibelius, vielleicht weil er meinem Naturell näher ist, als die fröhlichen, weinseligen Walzer der Strauß-Dynastie und ihrer Zeitgenossen.

    Hallo zusammen


    Eine gute Nachricht für alle Florez-Fans. Eiine neue CD kommt. Sie trägt den Titel "Bel Canto spectacular", erscheint am 13.Juni und bringt den Tenor in berühmten Duetten von Rossini, Donizetti oder auch Bellini mit Bühnenpartnern wie Anna Netrebko, Patricia Ciofí, Daniella Barcelona und Mariusz Kwiecin zusammen. Begleitet wird er vom Orquesta de la Comunitat Valenciana unter der Leitung von Daniel Oren. Cover habe ich noch keines gefunden.


    Haben wollen, und das sofort!!! Natürlich nur wegen Anjuschka :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

    Hallo Gregor!


    Wer mich kennt, weiß, dass ich, im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten, das Angebot aller Häuser zu nutzen versuche, und mich in Wien diesbezüglich überhaupt im musikalischen Schlaraffenland fühle, Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen einer Barockoper, die ich noch nie gehört habe und einer deutschsprachigen Tosca, deren Notwendigkeit sich mir nicht erschließt, wenn ich in der Staatsoper das italienische Original hören kann, dann gewinnt eben die Barockoper.


    Ich bin zwar nicht Severina, aber laut Programm singt Stephane Degout den Pelleas.
    D`Arcangelo könnte den Faust nicht singen, höchstens Mephisto, ob er angesetzt war, bzw.warum er jetzt nicht singt, ist mir nicht bekannt, das weiß aber sicher Severina.

    Hallo zusammen!


    Um wieder etwas vom off topic wegzukommen, ich kann Severina nur voll und ganz zustimmen, für mich hat das Theater an der Wien in der nächsten Saison das innovativste Programm von allen Wiener Häusern. Da ich mir finanziell auch nicht alles leisten kann, verzichte ich heuer auf ein Musikverein-Abo zugunsten des Theaters an der Wien, nehme mir dort ein Wahlabo mit 5 Opern und gehe dazu noch in 5 Vorstellungen im normalen Kartenverkauf. Leider habe auch ich Probleme mit dem Stiegensteigen, aber im Theater an der Wien und in der Wiener Staatsoper schaffe ich es gerade noch, weil da die Stufen nicht so hoch sind. Die Preise im Theater an der Wien sind sicher etwas höher, aber man muss bedenken, dass das Haus kleiner ist, daher im Kartenverkauf nicht so viel lukriert und das Programm und die Ausführenden erste Qualität sind.

    Zitat

    Ein Sänger hat sich gerade kürzlich positiv über konzertante Aufführungen geäussert: Johan Botha...


    Dass Botha konzertante Aufführungen lieber sind, glaube ich gerne, da muss er seinem massigen Körper keine unnötige Bewegung abringen. Aber bei ihm ist es egal, er steht auch auf der Bühne meist bewegungslos herum, und wenn er einmal zu spielen versucht, wirkt es meistens lächerlich (Otello!)


    Aber zurück zum eigentlichen Thema. Ich hatte gestern das Glück im Theater an der Wien eine hervorragende konzertante Aufführung von Vivaldis "La fida Nina" zu hören, bei der die Protagonisten (Veronica Cangemi, Sandrine Piau, Philippe Jaroussky, Barbara di Castri, Jose-Manuel Zapata, Lorenzo Regazzo) sehr wohl aufeinander eingingen, miteinander spielten, und zudem hervorragend sangen. Dasselbe passierte mir kürzlich im Konzerthaus bei Brittens "The Rape of Lucretia", wo, vor allem Christopher Maltman als Tarquinius vor Spielfreude förmlich barst. Ich gehe sehr gerne in konzertante Opernaufführungen, weil ich oft nur so die Möglichkeit habe, selten gespielte Opern zu hören, und weil ich mich in diesem Fall besser auf die Musik und das Libretto konzentrieren kann, und nicht abgelenkt bin, von einer Regie, die das Werk womöglich verfremdet.

    Hallo Severina!


    Da sind wir beide jetzt ein wenig off topic, aber ich hoffe, dass uns Alagnas Faust-Interpretation erspart bleibt, wenn er wirklich versucht, diese Rolle zu singen, mehr als ein Versuch kann es ja bei seiner jetzigen stimmlichen Verfassung nicht sein, verweigere ich den Besuch der Vorstellung.