Beiträge von Il Grande Inquisitore

    Hinfort, Spalter, Sektierer und Instant-Répondeure!


    Lieber Graf des gebogenen Strahls,


    es ist mir nicht verborgen geblieben, daß mein Bildungsbegriff Euch in mancher Verschwommenheit mißhagt. Diese ist conditio sine qua non für ein leutseliges, nichtakademisches Diskutieren, quasi den gemütlichen virtuellen Salon, in dem wir uns aufhalten dürfen. Nun, so etwa dachte ich - Seiner Durchlaucht aber beliebte eine terminologische Klärung. Und, auf Wikipedia ist stets Verlaß, so befinden wir uns inmitten eines ausufernden Diskurses, der wohl noch kein Forum gefördert hätte.


    Folglich also zum hochmodernen Kompetenzbegriff, mit fliegenden Fahnen und schwindendem Mehrwert! Zu Hilfe ruft Ihr die Elite, werter Herr Graf, aber seid Ihr Euch so sicher, auf wessen Seite sie sich schlagen wird? Zu welchem Behufe fordert Ihr auf, sich zu zeigen, wer sich doch ohnehin bereits exponiert? Wir haben die geballte (wie Ihr Euch auszudrücken befleißigt, "hammerharte") Kenntnis und Gewandtheit, doch bereits in nachahmenswerter Anwendung geschaut:


    Zitat

    Das ist auch ein Fehlschluss. Humanistische Bildung ließ sich (zumindest in den letzten 250 Jahren) nur selten in ein dickes Portmonnaie und gehobene soziale Stellung konvertieren.
    Es war umgekehrt: Wer ein dickes Portmonnaie und gehobene Stellung hatte konnte sich den Luxus humanistischer Bildung leisten, zudem kamen in vergangenen Zeiten noch die sportlichen Pflichtdisziplinen Reiten und Fechten. Höhere Töchter erlernten obligatorisch die Beherrschung eines Instruments.
    Heute ist es so, daß zahlreiche "Fachidioten" und Technokraten an den Hebeln der Macht sitzen


    Vgl. auch Schmidt 2008b:


    Zitat

    Solche Tendenzen sind nicht neu, sie waren in der französichen Revolution besonders ausgeprägt Fairy Bürgerin. ("Die Revolution braucht keine Wissenschaftler")


    Ich denke fast, mich ekelt vor der "geisteskargen Welt" weniger als Euch, da ich die Gegenbeweise in meiner täglichen Befassung zuhauf geliefert bekomme. So schweigt die Elite nicht, wie Ihr es als Merkmal postuliert, sie teilt sich - fast volksnah - im Gegenteil mit und untermauert Ihre Stellung mit Unumstößlichkeiten. Der Geistesadel hat die Kleinkrämereien, die Euch zuviel Zeit rauben, bereits hinter sich gelassen. Der Weise weiß, so scheint es!


    LG


    Euer geistlicher Beistand

    Aufnahme 1: Karajan 1950


    Karajan/Wiener- 5
    Erich Kunz - 4
    I. Seefried - 4
    G. London - 4
    E. Schwarzkopf - 5
    S. Jurinac - 5
    Rest - 4


    Gesamt 31/7: 4,42


    TQ: 3



    Aufnahme 2: Karajan 1978


    Karajan/Wiener - 3
    J. van Dam - 4
    I. Cotrubas - 4
    T. Krause - 3,5
    A. Tomowa-Sintow - 3
    F. von Stade - 3,5
    Rest - 4


    Gesamt 25/7: 3,57


    TQ: 4



    Aufnahme 3: Erich Kleiber 1955


    E. Kleiber/Wiener - 4
    C. Siepi - 4
    H. Güden - 4,5
    A. Poell - 3
    Lisa della Casa - 4
    Suzanne Danco - 5
    Rest - 4


    Gesamt 28,5/7: 4,07


    TQ: 4



    Aufnahme 4: R. Muti EMI 1987



    R. Muti/Wiener: 5
    T. Allen - 4,5
    K. Battle - 3,5
    J. Hynninen - 4,5
    M. Price - 5
    A. Murray - 4
    Rest - 4
    Gesamt 30,5/7: 4,35


    TQ: 5

    Ich weiß leider nicht, welche laufende Nummer die von Peter aufgeführte Callas-Aufnahme (EMI, Serafin) hat, aber ich werte sie wie folgt:


    cd Documents 1955


    T. Gobbi - 4,5
    G. di Stefano - 3
    M. Callas - 5
    Zaccaria/Lazzarini - 4


    T. Serafin, Scala - 4,5


    Gesamt 21/5: 4,2


    TQ: 4

    Liebe Gemeinde,


    nach reiflicher Reflexion reicher Lektüre scheint es mir geboten, auf eines mit Freuden hinzuweisen. Der Abgesang, den manche in meinen zugegeben verdunkelten Entäußerungen zu lesen glaubten, ist, sollte ich ihn unbewußt intendiert haben, zu früh erklungen. Das Forum hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Die Souveränität, in der nicht allein in terminologischer Sophisterei, sondern in tatsächlicher Heranziehung historischer Begebenheiten sowie deren Interpretation erschöpfend argumentiert wird, läßt mich nicht zweifeln, durchaus mit Personen zu kommunizieren, die ein elementares Bildungsniveau als Selbstverständlichkeit ansehen, bevor sie sich in diesem Kreise äußern. Daß auch entscheidende Repräsentanten diesen weiten Horizont beweisen, macht mich nicht bange für die nähere Zukunft. Denn nur wer das Gewesene erkannt hat, wird in der Lage sein, auch die Fährnisse des Kommenden zu meistern und gescheit zu kommentieren.
    Man sieht: Die höheren Schulen sind doch keine Anstalten des Ephemeren!


    In Eintracht grüßt


    Euer Großinquisitor

    Mir liegt im Zyklischen etwas ungeheuer Beruhigendes...
    Also weiterhin jeden Tag eine Wesentlichkeit formuliert, ich bitte sehr! Daß es nicht zielführend ist, kümmert mich nicht mehr! Der Thread ist das Ziel, stream of consciousness oder wie immer.


    So, jetzt die nächsten Tore!


    Christian

    Hermeneutik, Hermetrik, hermetisch abgeriegelte geschlossene Abteilung...


    Obwohl ich es tatsächlich nach der Lektüre nicht mehr so recht weiß, ging es mir mal um die Hergelaufenen! Aber tiefe, ehrliche Einblicke in das Funktionieren (oder gar den Habitus) mancher Definiteure hat es ja gebracht.


    So, jetzt aber wieder zum lustigen Ball- und Gegnergetrete! Tu, felix Austria, lude!



    LG


    Christian

    Zur amorphen und ständig breiten Masse:


    Wer immer das auch ist, wir hier gehören jedenfalls allesamt nicht dazu, haben wir ein Glück gehabt. Der Pool an sprühenden Individualisten, der sich hier versammelt, ist diesen Niederungen enthoben.
    Ein Abend in der Deutschen Oper, der Philharmonie oder der Waldbühne läßt mich aber stark an der Aussage zweifeln, daß dort kein repräsentativer Querschnitt durch die Bildungstopographie der Gesellschaft sich tummelt. Und zu Felipe II.'s Versuch, die ernste Klassik dem lehmigen Zugriff der Schlagerliebhaber zu entwinden, zu relativieren: Ein Haufen lieber Menschen meines familiären und anderweitigen Hintergrunds ist sowohl vernarrt in Schlager (fürchterlichster Provenienz) als auch in die italienische Oper, in Mozart, in Wagner etc. Symphonik gern von Brahms und Dvorak. So mancher Professor befindet sich unter diesen bemitleidenswerten Kreaturen, nun ja, Bildung schändet nicht (vielleicht haben die sich ja auch bis zur Habil gemogelt).


    LG


    Christian

    Lieber Ekkehard,


    zugegeben: Meine theoretisch grenzenlose Menschenliebe wird zuweilen auf harte Proben gestellt. Dennoch muß ich, aufgeschreckt durch Deine sorgsam gewählte Rekontextualisierung meiner Aussagen, mich bemühen, in diesem Fall zur Aufklärung zu schreiten. Sicher zu vage formuliert, war es meine Absicht, die Parallele zwischen sich selbst definierenden Eliten bei Tamino und in der Konsumentenschar der Spitzengastronomie auszunutzen, um Fairys Beispiel zu relativieren. Wenn in dieser Kritik eine Selbstüberhebung liegt, so bekenne ich mich zu diesem Dünkel, der darauf abzielt, mich von der Die-eigene-Schulter-Klopf-Fraktion zu distanzieren. Denn obwohl ich weiß, wie ein Chateau Margaux schmecken kann, komme ich hoffentlich nicht in die Gefahr, mich aufgrund dieser Tatsache Menschen, die damit überhaupt nichts anfangen können, als überlegen oder ähnliches zu empfinden.
    Schon gar nicht würde ich mich dazu hinreißen lassen, solcherlei Platitüden in selbstaufwertender Tendenz zu veröffentlichen. Sollte dieser Eindruck entstanden sein, wäre es mir unangenehm, und ich entschuldige mich bei allen, die sich - fälschlicherweise - davon angegriffen fühlten.


    LG


    Christian

    Gestern also im letzten Abokonzert dieser Saison gewesen, zum Glück wieder im Großen Saal, der so gut wie nichts abzubekommen haben scheint.


    Vor der Pause Shostakovitchs 6. Symphonie, die schlicht ein Ereignis war. Ein unerhört kultivierter Orchesterklang, mit traumhafter Balance, Transparenz, Präzision, Flexibilität. Daß Mariss Jansons als derzeit wohl größter Shostakovitch-Dirigent gilt, wurde hier als berechtigt belegt. Feinste Detailarbeit und ein perfektes, nie störendes Fortissimo. Auch die ersten Streicher, sonst für mein Gefühl manchmal etwas lustlos und unterrepräsentiert, hier gewissermaßen auf der Stuhlkante. Das grandiose Largo wurde in aller Abgründigkeit und paralleler Spielfreude ausgekostet, das Allegro und das Presto schmissig und ironisch präsentiert.
    Fazit: Sternstunde!


    Danach Elina Garanca in Berios Folk Songs. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr Organ das passende für diese Musik ist, zu üppig, zu "glatt", zu luxurierend wirkte mir da manches - ich gestehe aber frank und frei, daß mein Platz hinter dem Orchester für eine echte Würdigung schlicht zu unvorteilhaft ist - den Dirigenten zu beobachten ist gut und schön, aber Solisten gehen so oft etwas unter.
    Als Abschluß dann Ravels La Valse, mit großer Spielfreude dargeboten, an manchen Stellen hemmungslos knallig und deftig, den Beginn aber großartig wie unter einer dämpfenden Decke interpretiert - da mag ein mancher andere Interpretationen bevorzugen, stimmig und hervorragend gespielt war das allemal.


    Ein großer Abend!

    Lieber Sakow,


    es sind nicht die Gemütszustände, die Mozart so einzigartig für mich machen; Wallungen jedweder Natur sind mir durchaus auch beim Hören anderer, von mir weit weniger hochgeschätzter Komponisten, geläufig, da kann Triviales mit Komplexem wetteifern, Genres munter alternieren.
    Mozart aber ist der einzige Musikschaffende meiner Kenntnis, bei dem ich stetig den Eindruck absoluter Vollendung habe. Als Jugendlicher war mir das alles "zu seicht", da wollte ich mehr Beethoven (und Charakterstücke). Doch die einmalige Fähigkeit, sich in einer Tonsprache zu verewigen, die einerseits von tänzerischer Leichtigkeit der Durchführung, andererseits von trefflicher Charakteristik, gewissermaßen ein gleichermaßen geschliffener wie origineller Stil, ironisch, schillernd, zart, dramatisch, abgründig - immer in meisterlicher Ausarbeitung -, hat mich mehr und mehr in den Bann gezogen. Die scheinbare Mühelosigkeit, die Befreiung der Musik vom Erdenrest, dabei aber die ständige Vermeidung des rein Ätherischen - genial, phantastisch, einzigartig! Hier muß tatsächlich vom Genius gesprochen werden, wie er sich kaum einmal manifestiert.


    LG


    Christian

    Aufnahme 1 (Keilberth)


    J. Keilberth/Berliner - 3 (ein allzu biederes Gemälde)
    E. Grümmer - 5
    L. Otto - 4
    R. Schock - 4
    K.C. Kohn - 4
    Rest - 4


    Gesamt 24/6: 4,0


    TQ: 4


    Aufnahme 2 (C. Kleiber)


    C. Kleiber/SK Dresden - 5
    G. Janowitz - 4
    E. Mathis - 5
    P. Schreier - 3
    T. Adam - 2
    Rest - 4


    Gesamt 23/6: 3,83


    TQ: 5

    Aufnahme 2 (Krips, Wiener, EMI)


    Dir./Orchester - 4
    A. Rothenberger - 3
    L. Popp - 4
    N. Gedda - 4
    G. Unger - 4
    G. Frick - 5


    Wertung: 24/6: 4,0


    TQ: 4


    Aufnahme 7: Beecham, EMI, Royal Philharmonic



    Beecham/RPO - 4
    L. Marshall - 4
    I. Hollweg - 3
    L. Simoneau - 5
    G. Unger - 4
    G. Frick - 5


    Gesamt: 25/6: 4,16


    TQ: 3,5


    Aufnahme 8: Böhm DG



    Böhm/SK Dresden - 2
    A. Auger - 3
    R. Grist - 3
    P. Schreier - 3
    H. Neukirch - 3
    K. Moll - 5


    Wertung: 19/6: 3,16


    TQ: 4

    Aufnahme 1:


    Klemperer, Philharmonia - 4
    C. Ludwig - 5
    J. Vickers - 4
    W. Berry - 3
    G. Frick - 5
    I. Hallstein - 3
    G. Unger - 4



    Gesamt 28, Wertung also 4,0


    TQ 4



    Aufnahme 2:



    (ich beziehe mich auf die Cantus Classics-Ausgabe)


    Furtwängler, Wiener, Salzburg live 1950 - 5
    K. Flagstad - 4
    J. Patzak - 5
    P. Schoeffler - 2
    J. Greindl - 4
    E. Schwarzkopf - 5
    A. Dermota - 5


    Gesamt 30, Wertung 4,28


    TQ 3

    Aufnahme 2: EMI CD



    H. v. Karajan, Philharmonia - 5
    E. Schwarzkopf (Fiordiligi) - 5
    Nan Merriman (Dorabella) - 4
    R. Panerai (Guglielmo) - 5
    L. Simoneau (Ferrando) - 5
    Sesto Bruscantini (Din Alfonso) - 4,5
    Lisa Otto (Despina) - 4


    Gesamtwertung: 32,5/7 = 4,64


    TQ: 4


    LG


    Christian

    Aufnahme 2: DG DVD



    Carlos Kleiber, BaySO - 5
    Gwyneth Jones (Marschallin) - 4
    Brigitte Fassbaender (Octavian) - 5
    Lucia Popp (Sophie) - 5
    Manfred Jungwirth (Ochs) - 2


    Wertung: 21/5 = 4,2


    TQ/Präs. - 4
    Bild (O. Schenk) - 3


    LG


    Christian

    Aufnahme 1: DG, CD 1977



    Carlos Kleiber, BaySO - 5
    Ileana Cotrubas - 4
    P. Domingo - 3
    S. Milnes - 3
    sonstige (hier schlicht der ganze Rest) - 4


    Wertung: (19 Punkte / 5) 3,8
    TQ - 5


    Links:
    Opernführer VERDI, Giuseppe: LA TRAVIATA
    VERDI, Giuseppe: LA TRAVIATA - Kritiken
    allgemein Ein Flop: Verdis "La Traviata" Live aus Salzburg "La Traviata" - Eine Nachlese Traviata Die ideale Violetta
    einzelne Aufnahmen/ Vorstellungen DOB Traviata LA TRAVIATA (Landestheater Linz, 1.12.07) Traviata live aus der Scala/Georghiu/Vargas/Maazel Arturo Toscanini probt Verdi "La Traviata"

    Also, I geh ja fei immer im Anzug (oder, sei es ein leichterer Schmaus, auch gern in der Kombination) - aber seit die Leit nimmer maßfertigen lassen beim Knize oder bei Caraceni oder bei Gieves & Hawkes, is des ka Freid mehr, des konn I Eich song. Mei Gott, was da als Anzugjankerl durchgeht, des hätt mer weiland als Putzlumpen verwandt, aber nur werktags! Na, na, heerts mer af!

    Also schön


    Gold: Lucia Popp (für mich die geglückteste Verschmelzung eines zarten und kantablen Melos, der wundervoll gesungenen Legatokoloratur in der zweiten Arie und der präzisen Attacke der hohen Fs)


    Silber: Rita Streich (tadellos)


    Bronze: Diana Damrau (top in der Explosivität, mit teils lodernden Spitzentönen, aber auch manchmal etwas zweifelhaftem Finish rascher Passagen)



    Für mich über allen steht jedoch (nicht erlaubt, da keine Gesamtaufnahme) Frieda Hempels Königin, in puncto Mühelosigkeit und tänzerischer Eleganz nicht wieder erreicht, so glaube ich.


    Welcher Meinung Du auch immer bist, ist doch völlig zweitrangig. Wenn nun ein Dir unbekannter Mensch zufällig eine andere Meinung hat, wirst Du Dich als ihm bildungsspezifisch überlegen bezeichnen, dem Kriterium des Musikgeschmacks folgend?

    Kluges Kind, und weise ist, der da umgeht die Fallgruben der Inquisition.


    Im Ernst: Genau um die als Falle apostrophierte Frage ging es aber von Anbeginn, und das ausschließlich, weil eben diese allgemeine Überlegenheit bzw. Elitenqualifikation ein gern verwandter Allgemeinplatz unseres hübschen Beisammenseins ist, ja gar Keim der Genesis gewesen zu sein scheint (What a big bang!). Daher ist Erkenntnisinteresse meines Anstoßes auch weniger die elementare Klärung der Frage, ob nun des syphilitische Franzl oder der ein paar zuviel Schwaden absorbiert habende Lennon John der größere Musiker o. ä. gewesen sein mag bzw. wessen Liedl bezugreicher etc. komponiert ward, sondern vielmehr, ob es ein feiner Zug ist, wenn wir uns gegenseitig erhöhen, da wir unseren gemeinsamen Geschmack (der ja uniformer kaum sein könnte) nicht nur als gut, sondern als bildungsbürgerlich überlegen etikettieren.


    Nachdem Integrator Johannes, die Stimme der Substanz, mich dezent auf meine bemühten Sprachmuster hingewiesen hat, gehört solch gespreizter Habitus womöglich auch auf die Tagesordnung. Und dennoch, fragt mich irgendein Wanderprediger, wer denn nun den ersten Stein zu werfen bereit sei, dann such ich schon mal einen flachen oder kauf ein Paket Kies.


    Sö, nun mal ans Werk.


    Toujours le vôtre


    Christian


    Vielleicht müssen wir Kontrastphotos einstellen, Du mit lecker Fritten, ich mit besonders mißglückten Versuchen der Haute Cuisine.



    Zitat

    Original von Fairy Queen


    Ich nehme mir selbstverständlcih das Recht heraus, eine Symphonie, ein Streichquartett oder ien Kunstlied für komplexere, intellektuell anspruchsvollere und künstlerisch hochwertigere Gebilde zu halten als einen GrandPrix Eurovisions-Song.

    Fairy Queen


    Es wird schwer werden, Dir dieses Recht streitig zu machen, aber das war ja nicht der Punkt. Du müßtest schon die Gattung Klassik als grundüberlegen anerkennen; also: Wie steht es mit einem Beatles-Song und Suppéschen Schöpfungen? Oder die Differenz zwischen einem Listzschen Stückchen wie Gnomenreigen und einem Brel-Chanson? Ich bitte um Erläuterung...


    LG
    Christian

    Zitat

    Original von musicophil
    Ich finde es nicht gut, diese Begriffe überhaupt in eine Relation zu bringen.
    Über Menschen mit "geringer" Bildung äußert man sich dadurch schon abfällig. Auch wenn das nicht gewollt ist.


    LG, Paul



    Ich glaube, Du hast den Urstoff des Forums noch nicht nachhaltig genug verinnerlicht - Medard hat Recht, in diesem Bezug auf die Bourdieusche Habitus-Begrifflichkeit hinzuweisen, so wenig sie einem in in vielen Kontexten, in denen sie auftaucht, weiterhilft, hier ist sie am Platze!


    Das seh' ich ja erst jetzt!


    Meine liebe Tochter, wenn Du wüßtest, wieviele vielgängige Menüs in angeblichen Spitzenrestaurants ich bereits erdulden mußte, würde sich die Aussage womöglich relativieren. So manches Mal hätte ich mir da anständige Fritten ersehnt, statt traniger getrüffelter foie gras!
    Ein treffliches Beispiel hast Du da geliefert, in etwa: Wer sich an einem edlen Sternemenü delektiert, ist der Masse enthoben und verfeinerten Genüssen zugeneigt, an Bildung nicht gebrechend. Ich kann Dir nur aus eigener Erfahrung sagen: Leider mitnichten. Ein großer Haufen affektierter Mitläufer und frisch arriviertes Publikum nimmt an der elitären Veranstaltung teil und hat womöglich vorher noch auswendig gelernt, in welche Hand welches Besteck zu nehmen ist und wie ein, zwei Rotweine auszuprechen sind. Tja, fast gleichnishaft, leider war mir das noch gar nicht eingefallen, trotz des aktuellen Hinweises auf Luxusboutiquen (OT).


    LG


    Christian

    Es geht die Mär, daß ein bildungsfreundliches Klima so ziemlich die meisten Rezeptionen begünstigen soll.
    Zudem: Komplexer ist interessanter respektive besser: Also doch ein Denksport, vielleicht nicht dringlich umfassend gebildet, aber intelligent sollte er sein, der Klassikhörer. Folglich ist Heavy Metal fast zwangsläufig wertvoller als französischer Chanson, das leuchtet ein. Eine Rangliste zur künftigen Orientierung wäre mir da sehr zuträglich, auch damit ich nicht mehr soviel Zeit mit Trivialitäten rumbringe. Ist ja auch kein Leben, dieses melodieselige Spintisieren, man sollte auf seinen Umgang achten, will man nicht seines Prädikats als Kastenzugehöriger verlustig gehen.
    Dennoch: Erworben habe ich mir dieses nicht durch mein immer strebendes Bemühen um Differenzierung, sondern durch meine schlichte Kundgebung, ein Klassikhörer zu sein. Elite, danke, nächster, eiei, tut uns leid, da müssen Sie schon draußen bleiben, mit Ihrem plebejischen Rolling-Stones-Aufkleber, der Herr vor Ihnen, der hat Mozart als Lieblingskomponisten, da nehmen Sie sich jetzt einmal ein Beispiel, und tüchtig klatschen, wenn die Oper vorbei ist, und die singenden Leute anhimmeln, denn bei uns ist das ein Gildenzeichen, und Sie jubeln da diesem knittrigen Mick zu, peinlich ist doch das, suchen Sie sich einmal einen ruhig auch tattrigen Dirigenten und freuen sich über dessen kunstvolle Zerteilung, dann wird noch was aus Ihnen! (Ähnliches durfte ich mir neulich nach dem Konzertbesuch anhören, von sich sehr elitär und richtig empfindenden Kulturbürgerinnen, die sich über die klassische Musik freuten, die ich meinem Sohn vorsetze - weil's dem Spaß macht, sie aber wähnten ein auf höhere Werte zielendes Erziehungskonzept dahinter, denn wir wissen: Johann Strauß hilft dem Geist mehr auf die Sprünge als etwa CCR. Das geht natürlich nicht so leicht ins Ohr wie Peter Alexander!)


    Ich freue mich aber, daß Ihr meiner Aufforderung zum Tanz so zahlreich gefolgt seid und grüße die Runde


    Christian


    Auf die Gesellschaft bezogen, ist das wohl nur zu wahr; eben daher könnte aber der Zwang rühren, mittels eines selbstgewählten Zirkels, den man aufgrund überkommener, vornehmlich in um Bürgerlichkeit bemühten Milieus vorherrschender Konnotationen als erlaucht ansieht, eben nicht überhaupt einer tribus anzugehören, sondern eben der maßgeblichen, elitären, geweihten...


    Daher könnte eine neutralere Selbsteinschätzung, womöglich ähnlich der von Star-Trek-Conventionalists (?), auch einem Klassik-Kreis gedeihlich sein.


    LG


    Christian