Beiträge von Il Grande Inquisitore

    Das geht mir ähnlich, ich bin auch eher ein Scheuklappenhörer.

    Aber sage mir, Muse, ist es nicht natürlich, daß intellektuell interessierte Zeitgenossen "mehr" über diverse Hintergründe in Erfahrung bringen, qua Gewohnheit? Die von Dir angeführten Bekannten zum Maßstab erhoben: Würden sich die "Akademiker" (seit Plato ein arg strapazierter Begriff) ihres Interesses für klassische Musik wegen anderen, weniger Klassikbegeisterten als überlegen empfinden? Ist die von mir angesprochene Junktur zwischen Bildung und Klassik (und diese ist im Forum fundamental postuliert worden) nicht womöglich ein Rettungsring für Zu-kurz-Gekommene, einzig im Dienst der Selbstüberhebung gebraucht?


    Jedem Tierchen sein Plaisirchen, doch der exklusive und wegwerfende Gestus anderen Gattungen gegenüber, die mir persönlich auch nicht vertraut sind, scheint mir eher einem tief verwurzelten Komplex zu entspringen als auf Beobachtungen zu beruhen, die man im gern bemühten intellektuellen Umfeld machen kann. Der Begriff der kulturellen Elite machte schon mehrfach die Runde, wie leicht es aber ist, zu diesem Kreis sich gehörig zu fühlen, läßt eben den Zweifel in mir nagen...


    Nun ja, überlassen wir die Entscheidung dem Quorum!


    LG


    Christian

    In letzter Zeit fiel mir im Forum immer mehr die Tendenz auf, die Affinität zur klassischen Musik gern mit einem hohen Bildungsniveau gleichzusetzen. Als Annahme mag dies noch angehen, und die sofort in den Kopf schießenden Exempla kompletter Ignoranz bei gleichzeitiger fanatischer Klassik-Leidenschaft dürfen gern als die Regel bestätigende Ausnahmen abgetan werden. Problematisch wird es hingegen, sobald das Dictum Raum gewinnt, der "Durchschnitt" der Klassikfreunde sei im Hinblick auf das Ererbte und Erworbene anderen Musikkonsumenten ein gutes Stück voraus.


    Ich kann nun vom Durchschnitt nicht ausgehen, weil mir die repräsentativen Kontakte fehlen. Jedoch scheint es mir absurd, den Bildungsgrad von Menschen an ihrem Musikgeschmack ablesen zu wollen. Bei kursorischer empirischer Vogelschau der mir zu Verfügung stehenden Objekte scheint mir der musikalische Eklektizismus proportional mit dem Bildungsniveau zu wachsen. Vulgo: Je mehr die von mir herangezogenen Wesen auf dem Kasten haben, desto weiter ist ihr musikalischer Horizont, und ihr Urteil variiert nicht nach gattungsspezifischen Kategorien, sondern nach den – zumeist durch musikalische Vorbildung erhärteten – persönlichen ästhetischen Präferenzen. Kaum eine der wandelnden Enzyklopädien, die ich zu kennen die Freude habe, hatte bisher kategorisch abwertende Äußerungen über "die Popmusik", "den Rock'n Roll" oder "den Hip-Hop" nötig, um sich als besonders kultivierter Mitteleuropäer zu gerieren. Dieses Verhalten ist mir ausschließlich aus dem kleinbürgerlichen, von "klassischer" Bildung nur oberflächlich berührten Milieu vertraut.


    Ich denke daher, wir täten als "Community" gut daran, hochnäsige Töne über unsere Erwähltheit ob der Erlesenheit unseres Geschmacks inskünftig zu unterlassen – oder aber dafür Sorge zu tragen, daß solche ausschließlich im internen Bereich zu lesen sein werden.


    Herzlich grüßt



    Christian



    Lieber rugero,


    bezüglich der verschiedenen Interpretationsansätze stimme ich Dir durchaus zu, was aber haben Aufnahmetechnik bzw. "das Zeitfenster" mit Kriterien zu tun, wie sie Sascha angeführt hat: Atemstütze, Legato, Höhen- und Tiefenprobleme, Diktion?
    Nur sehr wenig, scheint mir! Daher denke ich, daß durch den epochenübergreifenden Vergleich kein matschiger Obstsalat entsteht, sondern die alleinige Basis für fundierte Urteile gelegt werden kann.


    LG


    Christian

    Mein - auch schon an mancher Stelle verkündetes - Problem ist das der Redundanz. Soll heißen: Je mehr ich nun zu jedem Liedel mitdeute, -diskutiere etc., desto mehr nehme ich sämtliches vorweg, das ich anläßlich meiner Vorstellung zu äußern vorhabe. Das Problem des Zyklischen!
    Das soll weder Geheimniskrämerei noch Spannungsmache sein, lediglich die Langeweile unterdrücken, mindestens zehnmal das Gleiche, sich in der Wiederholung immer mehr Verschleißende zu posten. Daher hoffe ich, daß weder unsere gräfliche Urgewalt noch die weibliche Charmeoffensive meine Zurückhaltung als Desinteresse deuten.
    Ich persönlich tendiere im übrigen ebenfalls nicht zur biographischen Annäherung (obwohl diese, Graf Alle Wetter, auch in der Wissenschaft ihren - viel zu großen - Platz hat); die Schaffenshintergründe spekulativ zu ergründen bringt nur bedingt weiter, soll das Werk den Schöpfer loben.


    Ich enthalte mich aber jetzt noch einen Moment und grüße Euch, die Ihr da wallenden Gemütes seid!



    Christian

    Hasdrubal, ich muß schon sagen, die Fairyce, des is a nette Schöpfung! Ja, ja, das Leben mit die Schäfers oder die Wassermänner, des verleitet zum Schreiben!


    Zukünftig bitte ich um die Miggs-Lösung für Insassen, die sich nicht adäquat gebärden.


    So, muß los, die Fava-Bohnen köcheln...



    Christian Africanus


    Da dank' ich Euch, doch mit den Toten hab' ich mich niemals gern befangen, am meisten lieb' ich mir die vollen, frischen Wangen, für einen Leichnam bin ich nicht zu Haus, mir geht es wie der Katze mit der Maus!


    LG,


    Christian



    Oh yes,


    you both enjoy your petty torments. Since one of these census takers tried to test you ...

    Ach, endlich ein Kerl, mit dem sich's aufs Handfestete parlieren läßt. Dieses ewig Verschwurbelte des gewesenen Grafen ging einem ja auch bedenklich auf den Zeiger, da wußte man ja nie, ob der nebenher mit Bauklötzen spielt. Nun ist dieses traurige Kapitel Geschichte, und ich weiß nicht, was dagegen spräche, hier die Blutsbruderschaft zu verkünden. Nager gehen mir auch heftig auf denselben, und Autobahnen sind Teufelszeug.
    Bereichern Sie das Forum, Herr Graf, und tragen Sie Sorge, daß nicht erneut der zuviel in Was-ist-Was-Bänden blätternde Stallknecht an den durchlauchtigsten Netzzugang gelangt! Sonst fangen diese von Zoten durchsetzten Halbweisheiten noch von vorn an!


    Heilig und weder rastend noch rostend entbietet seinen Gruß



    Der Großinquisitor


    audiamus: Wie da die Entscheidung ausfällt, steht ja hoffentlich nicht in Frage, ridiculus laureatus

    An den degenerierten Hochadel:
    Der Stab in der Hand, wie Du ja weißt, ist besser als die Nudel an der Wange; und mein Stab gehört mir, denn Stecken und Stab trösten gewaltig!
    So, so, genug der feinsinnigen Aphorismen, jetzt wieder husch ans Werk, das Libretto harrt der Vollendung!


    Mit rosiger Wang grüßt


    Christian

    Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl


    Du bist ja sonst eher einer von die Drögens und ich kann Dich echt nicht leiden, aber das ist wunderbar!


    Graf Ich-sag-wie´s-iss-ey.


    Freut mich zu hören, Gräflein, daß die Brüderlichkeit Einzug hält und Du Deine Ressentiments einmal zurückstellen kannst. Weiter auf dem Pfade der Erleuchtung!


    GI Christian

    Ja, die Maria, die hat das Stanzerl eben drauf!


    Ich inquiriere nach Kräften, meine Tochter, und danke für die Bemühungen, mir ein wenig weltliche Zerstreuung zu schaffen!


    Was die Schergen angeht: Trotz zeitweilig aufwallender Initiative wäre der Auftritt dahin, wollte ich stets selbst zur Austreibung schreiten. Daher bedarf ich der willigen und kritiklosen Lemuren, die nibelheimelig meinem Schritte hechelnd nachkreuchen. Dennoch wird die sog. Reprisen-Marter, gepaart mit der Da-Capo-Tortura, mein eigenes Scherflein zum schmerzvoll-schönen Gelingen der allgemeinen Läuterung darstellen.


    Nur das Konklave-Quartett bedarf noch gewisser Überarbeitungen.


    So, spirto gentil, nun auf zum Streite



    Salutations cordiales,


    Christian

    Wenn ich nun schon geißelnd nach Wien ziehen muß (Das muß ein Stück vom Himmel sein), wünsche ich mir ein, zwei Paradenummern, während derer ich meinen sonoren Baß zur fleischenden Peitsche erklingen lassen kann.


    Etwa:


    Martern aller Arten werden Eurer warten (transponiert oder im Counter-Duett)


    Solche her'gelaufne Pfaffen, die nur nach den Weibern gaffen ...


    Als Büblein klein an des Bischofs Brust


    oder, in selbstversagender Triebespein, vor dem Ausbruch am Berg:
    Ein jeder kennt die Lieb' auf Erden, ein jeder muß ihr Sklave werden



    Ich würde natürlich auch gern einen flammenden Wall um die Stadt legen, aber da müssen wir wohl Loge als Helfer reaktivieren!



    In Vorfreude grüßt



    Christian

    Zitat

    Original von Graf Wetter vom Strahl
    Ah, letzter Hinweis rasch. Ich bitte die umtriebigeren Teile der Moderation jene kleine Liedvorstellung, die jetzt folgen wird, nicht etwa ins Floristik-Feuilleton zu verschieben, weil das obere Forum durch zuviel „Blumensprache“ und pflanzliche Abfälle verunreinigt werden könnte. Der fröhlichen Vermüllung dienten nämlich bloß die vorhergehenden vier Beiträge :D…


    Ich wittere subversive Umtriebe, distanziere mich vorsorglich in aller Form und untertänigen Wohlgestimmtheit und möchte jegliche Maßnahme der Magistratur als gottgegeben und somit von Weisheit getragen verstanden wissen! Paßt auf, Ihr Ketzer!



    LG,


    Christian

    Gestern haben wir die Gelegenheit wahrgenommen, unter den ca. 12 000 zu sein, die zusätzlich zu den für die regulären Konzerte gebuchten Gästen in die wegen der Brandschäden zur Ausweichstätte erkorene Waldbühne pilgerten, um Beethovens 4. Klavierkonzert und nach der Pause Berlioz' Te Deum zu erleben.
    Vorneweg: Die Tonaussteuerung beim Beethoven war schauerlich, die Boxen klangen teils wie die Wochenschau, bei dynamischen Wechseln komplett an die Grenzen ihrer Haltbarkeit geführt. Abbados Dirigat erschien mir zunächst sehr zurückhaltend, tatsächlich auf die Begleitung des großartig disponierten Pollini konzentriert. Im dritten Satz dann ein mittleres Wunder: Die Philharmoniker at their best, mit wundervoller Differenzierung der Klangebenen, perfekter Durchhörbarkeit und einem präzisen Fortissimo. Leider danach keine Zugabe Pollinis, wäre aber auch unpassend gewesen, außerdem mußte die Bühne schnell geräumt werden, damit in dem Riesenareal die Chöre den Weg finden konnten.
    Mit einem mauen Knödeltenor (Marius Brenciu) war der Solopart des Te Deum besetzt, ansonsten eine tolle Leistung von orchestraler Spielkultur und präzisestem Chorgesang. Die Orgel war hervorragend ausgesteuert. Nur die Monumentalität bleibt in der Waldbühne zwangsläufig auf der Strecke.


    Insgesamt ein sehr lohnender Abend, den auch mein zweijähriger Filius mit Bravour und Freude live erlebt hat - paß bloß auf, Berlin, der kommt jetzt häufiger!


    LG,


    Christian

    Lieber Thomas,


    wenn man sonst keine Aufnahme hat, tatsächlich besonders ärgerlich - nervig aber auch, wenn man kurz einen Track anspielen will und dies auf Anhieb nur kann, wenn man die Scheibe samt Trackgerüst ohnehin auswendig kennt.


    LG,


    Christian

    Mein Eindruck der Cantus Classics ist zwiespältig: Zunächst ist - auch in der Breite - der Katalog mittlerweile ein beeindruckendes Reservoir teils vergessener Aufnahmen, der Preis konkurrenzlos günstig. Was ich inzwischen auch positiv vermerke, ist der geringe Platz, den die CDs dank der billigen Aufmachung im Regal fressen - ganz im Gegenteil zu den hübschen, aber selten mit Gewinn aufgestellten Luxusschubern oder gar diesen aufgeblähten Doppel-CD-Boxen, die nicht einmal Inhalt bieten.
    Klangtechnisch kann ich nicht viel Negatives bemerken, etwa die Karajansche "Hänsel und Gretel" steht präsent im Raum. Ob alle Frequenzbereiche gut ausgesteuert sind, kann ich nicht sagen. Insgesamt aber ist das Angebotene mehr als akzeptabel.


    Ärgerlich ist für mich die teils fehlerhafte Betitelung einiger Tracks und - weit übler - die komplett verwirrte Trackliste, etwa beim Furtwängler-Fidelio.


    Dennoch eine Fundgrube.



    LG,


    Christian

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Mon pére,
    ich nehme gerne drei Rosenkränze mehr in meine täglche Buss-Runde auf, aber selbst wenn Dame Joan die Marguerite wie eine Nachtigall singen würde- gegen die herrliche Stimme und die wunderbare frz.Diktion der Engel-Victoria kann sie nie und nimmer "anstinken". :no:
    Zumal die Tessitura der Marguerite haargenau der de los Angeles-Sahnelage entspricht und der Rollentypus auch wie für sie geschaffen sein mûsste.


    Sollte mir das nun neben den Zusatz-Rosenkränzen auch noch eine Buss-Wallfahrt nach Sydney eingebracht haben-sei's drum! Ich amüsiere mich dann aber lieber mit den Schafen und den Känguruhs als auf Sutherlands Spuren zu wandeln...... :untertauch:


    Votre fille toujours très devote :jubel:



    Ainsi ton curé supplie ...

    Gegen all diese Neutöner muß ja wieder einmal ich ein Zeichen setzen:


    12: Ernestine Schumann-Heink, Alt
    11: Maria Callas, Sopran
    10: Frida Leider, Sopran
    9: Rosa Ponselle, Sopran
    8: Elisabeth Rethberg, Sopran
    7: Nellie Melba, Sopran
    6: Ljuba Welitsch, Sopran
    5: Conchita Supervia, Mezzo
    4: Frieda Hempel, Sopran
    3: Margarete Klose, Alt
    2: Lotte Lehmann, Sopran
    1: Lucia Popp, Sopran


    LG,


    Christian

    Zitat

    Original von Fairy Queen
    Ich kenne zwar keine der zuletzt genannten Aufnahmen, aber wenn ich zwischen Sutherland oder de los Angeles die Wahl habe, git es auch nciht nur das geringste Zögern! :no:



    F.Q.


    Ma chère,


    Ihre kategorische Aversion in allen Ehren, jedoch scheint mir Dame Joan in dieser Rolle recht gut aufgehoben. Ich selbst bin, wie Teuerste noch zu erinnern belieben, nicht unter die Adoranten der australischen Automatenkehle zu rechnen, gestehe aber frank und frei, daß sie mich als Marguerite überzeugt wie kaum eine Sängerin nach Nellie Melba (so wird der Faust noch zum besonderen kulturellen Erbe Australiens).


    Que dieu te bénisse, ma fille!


    Christian

    Liebste Maggie,


    was zählt denn nun nicht? Ich habe ja nur auf den böswilligen Unterton Severinas reagiert, die mich - wie es ja bekanntermaßen ihre Art ist - zum doofen Reaktionär stempeln wollte, indem sie auf die Lebenden verwies! Schlimm ist die, ganz, ganz schlimm, pfui und bah!


    Punkte also nur für die erstgenannten Heroen, mein kleines Streiflicht in die Aktualität bitte ich wertungstechnisch geflissentlich zu übergehen!


    Inquisitorischste Grüße


    Christian