Beiträge von Louis

    Das "Werk", das mir die klassische Musik erschlossen hat, war mein Umzug 2005 von Stuttgart nach Wien. In erster Linie wollte ich die Atmosphäre eines Opernabends in der Wiener Staatsoper erleben und habe mich entschieden, einfach einmal in die Zauberflöte zu gehen, wenn ich schon in der Welthauptstadt der Musik wohne. Und das war eine Offenbarung ! Diese Mischung aus Musik und Theater (ich sags einfach mal in meiner Laien-Art *gg*) und die glamoröse Opern-Welt hat mich gleich in den Bann gezogen.
    Danach kamen die dramatischen Queens "Carmen" und "Tosca" und alsbald mein erster Tristan.


    Ich bin der einzige in meiner Familie, der Zugang zu klassischer Musik gefunden hat. Vielleicht sollten sie anderen auch nach Wien ziehen :pfeif:

    Ich habe auch schon alle möglichen "Hörpläne" erstellt und alle möglichen dann auch wieder verworfen :stumm: Hintergrund war meist, daß ich meine Neuerwerbungen auch wirklich hören wollte.
    Aber so lange Musik ein sehr emotionaler "Artikel" ist, möchte ich mich nicht mehr auf einen Plan festlegen. Heute Lust auf Chopin ? Bruckner ? Mahler ? Nein, dann doch lieber Schwanensee. Mittlerweile bleibt mir nur mehr übrig, mich ganz nach meinen Empfindungen zu entscheiden.


    Richtig schön finde ich die Idee von Reinhard, bestimmte Programme nachzustellen oder Spielpläne von Opernhäusern. Habe ich eine zeitlang mit der Wiener Staatsoper durchgezogen. Da mir die Karten oft zu teuer waren (und immer noch sind) habe ich mittels meiner CD-Sammlung die Opernabende nach Hause geholt.


    Gruss von Louis

    Es wird mal wieder Zeit, eine weitere "Unverzichtbare" vorzustellen.


    Mit "Aida" konnte ich mich in den letzten Jahren nicht anfreunden. Bis ich diese Aufnahme gehört habe unter der Leitung von Sir Georg Solti.
    Herausragend das ägyptisch-äthiopische Liebespaar gesungen von Leontyne Price und Jon Vickers. Schliesslich ist Radames ja der Chef-Feldherr und deshalb finde ich die bodenständig-kernige Interpretation von Vickers einfach perfekt für die Rolle. Das Grabes-Duett am Ende des 4. Aktes - der "Liebestod a la Verdi" - ist dank Price und Vickers ein Traumduett, die beiden Stimmen passen perfekt zueinander.
    Price als ergreifende Aida, ihre Gegenspielerin Rita Gorr als Amneris ebenfalls hervorragend...


    Und wie immer bei Decca / Solti: Ein räumliches Klangerlebnis (Tempelgesänge Ende 1. Akt) und rauschendes Fest. So muß Italienita vom Meister Verdi zelebriert sein ! Chapeau Solti !



    Ich habe gestern die Szene Elektra / Klytämnestra aus dieser Produktion angesehen - Waltraud Meier ist unbeschreiblich gut gut gut :hail::hail:


    Außerdem ist auch sonst die ganze Produktion sehr empfehlenswert - auch für Traditionalisten!

    Ich höre zur Zeit diese Live-Aufnahme des Parsifal aus London, 1971.
    Vor Allem hat mich interessiert, wie einer meiner Lieblingssänger - Jon Vickers - die Rolle gestaltet. Er ist natürlich nicht der zarte Jüngling, der sich ins Gralsgebiet verirrt, sondern eher der Tristan aus dem 3. Akt, der sich in Fieberträumen auf die Gralsburg statt nach Kareol verirrt. Seis drum, mir gefällt seine sehr intensive Parsifal-Deutung.


    Ganz extrem gedehnt sind die Tempi von Reginald Goodall. Gegen seine Tempi ist selbst James Levine fetzig. Manche Teile, wie das Vorspiel zum 2. Aufzug, sind bei Goodall knapp davor, auseineinderzufallen. In Zeitlupe geradezu auch die Gurnemanz-Erzählungen im 1. Aufzug. Da braucht man keine Schlaftablette mehr - bei allem Wohlwollen...
    Mir ist diese Tempi-Wahl viel zu extrem, auch wenn dieser Parsifal dadurch als sehr "meditativ"rüberkommt. Aber ich brauchs nicht, Boulez ist mir lieber.


    Positiv erwähnen kann ich noch die Kundry - Amy Shuard. Sie wirkt auf mich in Intensität und Stimme ähnlich wie Waltraud Meier. Amy Shuard hat sich in ihre Rolle hineinversetzt und stimmlich hervorragend. Auch wenn der Schrei "und...lachte" im 2. Aufzug sehr knapp ausfällt. Trotzdem tolle Leistung.


    Also für Fans eines unglaublich langsamen Parsifal sei diese Aufnahme empfohlen, alles wirkt extrem. Sänger und Dirigat.


    Bei mir ist einmal mehr eine Wagner-Oper verklungen. Dieser Siegfried aus dem berühmten Solti-Ring ist grundsolide aufgebaut, manche "Special-Effect-Schmankerl" dem ein oder anderen Hörer vielleicht etwas überzogen. Alles in Allem aber meine absolute Empfehlung.


    Du wirst lachen: Wenn ich in eine Aufführung einer Wagner-Oper gehe, dann "führe ich mich davor auch jedes Mal so auf". Ich höre am Tag der Aufführung keine einzige Note Musik, um die Ruhe vor dem 5-Stunden-Musiksturm zu genießen. Ich esse mit Bedacht zu Mittag - nicht zu salzig, nicht zu fettig, aber auch nicht zu wenig (eine Hungerattacke in der Wiener Staatsoper kann teuer werden...). Auch Süßes sollte man eher vermeiden - gibt auch Durst.
    Das mit dem Trinken mache ich genauso wie im Artikel erwähnt. Recht viel bis am frühen Nachmittag, aber dann nicht mehr viel Trinken. Gerade beim 1. Aufzug einer "Götterdämmerung" ist man dann dafür dankbar.


    Es ist eben schon ein Marathon, in eine Wagner-Oper zu gehen. Und dementsprechend gut sollte man sich vorbereiten. Gehört zum Erlebnis einfach mit dazu. Das ist kein Tag wie jeder andere :hail:



    Gruss von Louis