Beiträge von Diabolus in Opera

    Zitat

    Original von Louis
    Da ich auch gerne andere Komponisten und ihre Opern höre und dennoch immer wie im Rausch zu Wagner zurückkehre, weiß ich, warum gerade Wagner mein absoluter Favorit ist: Er bringt wie kein anderer Komponist die innerste Gefühlslage der Protagonisten in Musik zum Ausdruck. Er berührt mit einer unglaublich tiefgründigen Musik genau dort, wo andere Komponisten nur oberflächlich der Handlung folgen. Wagner geht viel tiefer, z.B. bei "Tristan und Isolde" kommt diese Wirkung in ungeheurem Maße zum Ausdruck.
    Ich denke, deshalb wird Wagner mitunter auch als "schwer" bezeichnet: Diese Musik dringt in uns ein wie keine andere und für manche ist das einfach ein Stück zu viel, könnte ich mir vorstellen. Deshalb liebt man Wagner entweder mit ganzer Inbrunst oder man haßt es. Es gibt nichts dawzischen.



    :yes: :yes: :yes: Lieber Louis, Du sprichst mir da ziemlich aus dem Herzen! Das unterschreib ich mal so. :D (... auch wenn wir wegen der "Walküre" noch das ein oder andere Hühnchen zu rupfen haben werden ... ;))

    Selten hat es in der Operngeschichte des 20. Jahrhunderts eine so enge Verbindung zwischen einem Sänger und einer Rolle gegeben wie zwischen Gustav Neidlinger und Alberich aus Wagners "Ring". Angeblich hieß es in der Presse nach Neidlingers Tod: "Alberich ist tot!".


    Der deutsche Bass-Bariton Gustav Neidlinger wurde am 21. März 1910 in Mainz geboren. Dort gab er nach dem Studium am Konservatorium in Frankfurt am Main auch sein Operndebüt. Während Bach-Cantatas.com mit Bezug auf "Baker’s Biographical Dictionary of 20th Century Classical Musicians" dieses Debüt auf 1929 datiert, ist im Wikipedia-Eintrag von 1931 die Rede. Nach Mainz und Plauen führte ihn sein Weg an die Hamburger Staatsoper, wohl eine seiner prägensten Stationen. Neidlinger war von 1936 bis 1950 Ensemble-Mitglied in Hamburg. Vom hohen Norden ging es dann in den tiefen Süden nach Stuttgart, wo direkt nach dem 2. Weltkrieg das "Winter-Bayreuth" aufblühte. Neidlinger wurde ständiges Ensemble-Mitglied, 1977 Ehrenmitglied. Seit 1956 war er zusätzlich Mitglied der Wiener Staatsoper.


    Sein großer Durchbruch gelang ihm aber sicher auf dem grünen Hügel in Bayreuth. Über Jahre, ja beinahe Jahrzehnte hinaus war er DER Alberich in Wagners Wohnzimmer. Wohl keine andere Rolle im "Ring" war dermaßen lang durch einen Sängerdarsteller geprägt. Und das hat mit Sicherheit weniger an mangelnden Alternativen als vielmehr an der idealen Verkörperung Neidlingers gelegen, der dem Alberich über die Jahre immer wieder neue Facetten abgewann. So ist mir sein später Alberich unter Böhm (66/67) aufgrund der gestalterischen Raffinesse fast am liebsten, obwohl die Stimme nicht mehr ganz die Gewalt aus den 50ern hatte und auch die Aufnahmen unter Solti (Studio), Krauss (Live), Keilberth (Live) und Knappertsbusch (Live) eine grandiose Leistung Neidlingers bieten können. Gänsehaut ist/war garantiert.


    Und obwohl Neidlingers "Steckenpferd" immer der Alberich war und es in memoriam auch stets bleiben wird, so hat er doch sehr wohl auch in anderen Rollen zu überzeugen gewusst. Persönlich fällt mir da seine herausragende Interpretation des Lysiart in Webers "Euryanthe" unter Ferdinand Leitner 1954 ein. Seine sonore Stimmgewalt erschließt sich einem dort trotz der tontechnischen Mängel der Aufnahme.
    Auch sein Don Pizarro im "Fidelio" unter Knappertsbusch (1961) gehört zu den besten der Plattengeschichte, auch hier war aber leider die suboptimale Tontechnik etwas hinderlich (die volle Wirkung seines Organs hat sich vermutlich nur denjenigen erschlossen, die ihn live gesehen/gehört haben) und die extrem langsamen Tempi von Kna verlangten den Sängern schon einiges ab.
    Hervorragend war sicher auch sein Klingsor im "Parsifal" unter Knappertsbusch.


    Weitere Rollen, die von Gustav Neidlinger gesungen wurde:


    - Hans Sachs in "Die Meistersinger von Nürnberg" (hier erschien unlängst bei Walhall ein Live-Mitschnitt aus Bayreuth)
    - Telramund im "Lohengrin"
    - Kurwenal in "Tristan und Isolde"
    - van Bett in "Zar und Zimmermann"


    Laut Wikipedia hat er auch den Holländer gesungen, leider hab ich in dieser Richtung noch keine Tondokumente gefunden.


    1985 verlieh ihm seine Geburtsstadt Stadt Mainz die Gutenberg-Medaille.


    Gustav Neidlinger verstarb am 26. Dezember 1991 in Bad Ems.


    Best, DiO :beatnik:

    Hier kann man einen knapp 10-minütigen Ausschnitt von Nimsgerns Wotan in Bayreuth hören (Finale der "Walküre"). Trotz der recht bescheidenen Tonqualität hat mir das sehr gut gefallen, besonders der erste Abschnitt "Leb wohl, mein kühnes herrliches Kind!".
    Ich hoffe, dass es den Bayreuther Solti irgendwann noch komplett auf CD gibt. Weiß eigentlich jemand, wie die anderen wichtigen Rollen in dieser Produktion besetzt waren?


    Best, DiO :beatnik:

    Lieber Harald,


    besten Dank für diesen Thread, auch wenn der Anlass natürlich ein sehr trauriger ist. Wieder hat uns ein großer Fillmkomponist verlassen.


    Jarres Scores für "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago" sind tatsächlich zwei historische Kompositionen, die für die Ewigkeit bleiben werden.


    Ich bin allerdings auch sehr froh darüber, dass Syrinx bereits auf Jarres Zusammenarbeit mit Peter Weir aufmerksam gemacht hat, denn besonders die Musik zu "Der einzige Zeuge" gehört für mich abseits der manchmal drohenden Übersättigung mit Melodien aus "Lawrence" und "Schiwago" zu Jarres größten und außergewöhnlichsten Errungenschaften im Bereich der Filmmusik. Zusammen mit Vangelis und Jerry Goldsmith ("Under Fire", wunderbarer Score!) machte er Anfang der 80er den Synthesizer-Klang im "seriösen" Filmscore salonfähig.


    Schade, dass er in seinen letzten Jahren nicht nochmal die Gelegenheit hatte, einen angemessen hochwertigen Film zu scoren - ein Schicksal, dass meiner Meinung nach auch auf Jerry Goldsmith zutrifft.


    Trotzdem wird er unvergessen bleiben.


    Best, DiO


    :beatnik:

    Wer Stanley Kubricks Film "Uhrwerk Orange" gesehen hat, der wird Beethoven-Musik und Gewalt wohl schon irgendwie auf eine Linie bekommen - bewusst oder unbewusst -, wobei der liebe "Ludwig van" natürlich nicht ahnen konnte, für was seine Musik einmal hergenommen wird :D Die Frage ist nun, ob man Beethovens Musik ein gewisses inhärentes Aggressionspotential zuschreibt oder ob dieser Sinn-Kontext erst durch Kubrick aufgemacht wurde.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von operus
    Meine Frau meinte ebenfalls beeindruckt: "So ein Anzügle tät Dir auch stehen". Wobei sie sicherlich kaum auf meine diabolischen Wesenzüge anspielte, die habe ich nämlich überhaupt nicht. Dafür prägen andere "Macken" mein Persönlichkeitsbild.


    :hahahaha: Tausend Dank für diese köstliche Anekdote! Der Tag ist gerettet! Und stimmt, die diabolischen Wesenszüge habe ja ICH ... :D


    Zitat

    PS. Ich wünsche Dir eine gute Rückkehr nach Deutschland und rasche Eingewöhnung. D. O.


    Besten Dank! :)


    Zurück zum Thema: Ich hoffe, dass ich baldmöglichst irgendwo die Möglichkeit habe, zumindest ein Tondokument von Nimsgerns Bayreuther Wotan zu hören. Das würde mich wirklich brennend interessieren.


    Und hier noch ein paar Cover-Bilder von Aufnahmen mit Nimsgern ...



    "Der Vampyr" (Heinrich Marschner). Nimsgern als Lord Ruthven.




    "Der Ring des Nibelungen" (Richard Wagner). Nimsgern als Alberich.




    "Die ersten Menschen" (Rudi Stephan). Nimsgern als Adam.




    "Fidelio" (Ludwig van Beethoven). Nimsgern als Don Pizarro.




    "Martha" (Friedrich von Flotow). Nimsgern als Lord Trystan.




    "Hänsel und Gretel" (Engelbert Humperdinck). Nimsgern als Vater.




    "Lohengrin" (Richard Wagner). Nimsgern als Telramund.


    Best, DiO :beatnik:

    Lieber Bernd,


    ich glaube der Hintergrund ist folgender: Der Fotograf wollte eigentlich den Wild-BACH im Hintergrund als Motiv haben, um einen genialen Kalauer zu fabrizieren, dann kam ihm aber der Bär dazwischen und er dachte sich "S****** drauf! Schaut auch gut aus!" ... :D


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von Joseph II.
    Zwar kein CD-Cover, witzig dennoch:



    :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: Das ist wirklich genial! Davon müsste man echt eine ganze Palette von Merchandise-Artikeln machen ... Poster, eine Guten-Morgen-Kaffeetasse für den wonnigen Laller, Bettwäsche, Postkarten, Action-Figuren etc. etc. :yes:


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von operus
    Lieber Diabolus in Opera.
    Das Ganze ist nicht so bierernst zu sehen. Wenn sich an einer Aussage eine ernst zu nehmende Diskussion entzündet, dann ist der Zweck eines Diskussionsforums erreicht. Lasse also bitte Deinen Thread ohne Kürzungen und Veränderungen bestehen und freue Dich, wenn Taminos darauf anspringenen und argumentieren.
    Herzlichst
    Operus


    Lieber Operus,


    natürlich habe ich das ganze nicht bierernst genommen ;) Ich wollte Dir nur etwas Kontra geben :D Und natürlich freu ich mich darüber, wenn hier recht gscheit diskutiert wird! :yes:


    Hast Du Nimsgern mal in Bayreuth gehört? Hat er den Alberich eigentlich auch mal in Bayreuth gesungen? Ich kenn ihn ja nur vom Janowski-Studio-Ring.


    Danke auch für die Info, dass er neben der Sängerei auch Buchauthor ist, besonders der Hinweis mit dem Kinderbuch ist sehr interessant.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von operus
    Lieber Diabolus in Opera,


    Verdienstvoll, dass Du Siegmund Nimsgern einen Thread widmest und auch sein Rollenspektrum umfassend aufzeigst. Obwohl wir meistens, besonders bei Wagner, auf einer Linie liegen, habe ich diesmal bei der stimmlichen Einordnung von Nimsgern eine andere Ansicht. Wo sind denn bei Nimsgern die tiefen Töne? Er war doch kein Schwarzbass, sondern der Prototyp des hervorragend gestaltenden Charakterbaritons. Seine Domäne waren, wie Du auch aufzeigst, Partien wie Amfortas, Teleramund und vor allem sein äußerst intelligent gestalteter Wotan.
    Professor Nimsgern ist erfreulicher Weise ständiger Gast bei den Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft. Er bringt sich dort mit seiner markanten Persönlichkeit aktiv ein. Ein weiterer Wesenzug von ihm ist, dass er satirische und Kinderbücher schreibt. Wir durften Auszüge daraus, herrlich vorgetragen von ihm selbst, bei einer Matinee genießen.


    Herzlichst
    Operus


    Lieber Operus,
    Du spielst sicherlich auf den Thread-Titel an. In meinem Einführungs-Text habe ich ja extra erwähnt, dass "er nicht die saftigen Tiefen eines Gottlob Frick" hatte. Insofern nehme ich für die tiefen Töne nicht den Schwarzbass im Allgemeinen und Frick im Speziellen als Maßstab. Tatsache ist aber, dass Nimsgern auch viele Bass-Partien (gerade in den Oratorien, die ich schändlicherweise vergessen habe zu erwähnen, besten Dank an Bernhard an dieser Stelle) gesungen hat und für mich stimmlich doch eher zum Bass als zum Bariton-Fach tendiert, aber das mag Ansichtssache sein. Falls weitere Taminos, die mit Nimsgern vertraut sind, finden, dass der Threadtitel nicht ganz passend ist, so kann man den Titel gerne kürzen / ändern.


    Best, DiO :beatnik:


    Lieber Peter,


    ist denn die Wiener Staatsoper eine Provinzbühne??? ?(


    Best, DiO :beatnik:

    Wenn ich es recht sehe, so gibt es in diesem Unterforum erstaunlicherweise noch keinen Thread über den deutschen Bass-Bariton Siegmund Nimsgern. Da Nimsgern zu meinen favorisierten Sängern gehört, möchte ich das nun ändern.


    Siegmund Nimsgern wurde am 14. Januar 1940 in Sankt Wendel im Saarland geboren und studierte Gesang und Schulmusik and der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken. 1965 gab er als Sänger sein Konzert-Debüt, zwei Jahre später sein Operndebüt. Neben Engagements an der Deutschen Oper Düsseldorf, den Salzburger und Bayreuther Festspielen (zwischen 83 und 85 als Wotan unter Solti) trat er auch auf zahlreichen renommierten internationalen Bühnen (Covent Garden, MET, La Scala, Paris Opéra ...) auf.


    Nimsgern ist ehrenamtlicher UNICEF-Botschafter der Stadt Saarbrücken. Sein Sohn ist der Musical-Komponist Frank Nimsgern.


    Meine Initialzündung in Sachen Siegmund Nimsgern war seine überragende Interpretation des Lord Ruthven in Marschners "Der Vampyr" in der Aufnahme unter Günter Neuhold. Ich war sowohl von seiner markanten Stimme als auch von seiner leidenschaftlichen, energiegeladenen, aber stets auch differenzierten Gestaltung des Vampirs vom ersten Augenblick an gefesselt. Von dieser Stimme wollte ich mehr hören!


    Es folgten sein exzellenter Alberich im Janowski-Ring, sein Don Pizarro im "Fidelio" (Masur), Telramund im "Lohengrin" (Solti + Karajan), Kaspar im "Freischütz", Klingsor im "Parsifal" und diverse andere Rollen. Obwohl man schon hier eine Ansammlung von "Bösewicht"-Rollen erkennen kann, so war Nimsgern nicht ausschließlich in dieser Kategorie unterwegs. Er überzeugte ebenso in komödiantischen Rollen als Lord Trystan in "Martha" (Wallberg), Vater in "Hänsel und Gretel" (Pritchard) und Sherasmin in "Oberon" (Sawallisch).
    Lobenswert auch sein Einsatz für weniger bekannte Werke wie z.B. Rudi Stephans "Die ersten Menschen", in der er den Adam sang.


    Sein Wotan in Bayreuth stieß nicht überall auf Gegenliebe, ich konnte mir mangels verfügbarer Tondokumente darüber leider noch kein Bild machen. Vielleicht gibt es dazu noch irgendwann einen öffentlichen Zugang. Weiß jemand, ob er sich je am Holländer versucht hat?


    Auch wenn Nimsgern als Bass-Bariton nicht die saftigen Tiefen eines Gottlob Frick oder den lyrischen Bariton-Schmelz eines Hermann Prey hatte, so fasziniert mich seine Stimme doch sehr: markant und individuell, ausdrucksstark, flexibel und vielschichtig. Und glücklicherweise stand das aktive Gestalten der Rolle bei ihm stets im Vordergrund. Ich kenne bislang keine Aufnahme von ihm, die lieblos heruntergesungen ist. Leider hatte ich nicht mehr das Glück, ihn live auf der Bühen zu sehen.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat von Alviano

    Da reden wir über zwei verschiedene Sachen - ich sprach von "Live-Auftritten".


    Geht klar.


    Mir ist gerade noch eine andere Rolle eingefallen, in der ich Ridderbusch überraschend gut fand: Nämlich als Kaspar im Freischütz unter Sawallisch (Live-Aufnahme aus Rom). Überraschend deswegen, weil ich mir zunächst gedacht habe, Ridderbusch kommt womöglich doch zu gutmütig und kumpelhaft rüber, ohne wirklich eine Bedrohung für Max zu sein. Aber da habe ich mich ein bisschen getäuscht. Genauso wie beim Holzhacker in den "Königskindern" ist diese latente, unterschwellige, dumpfe Gewalt ein interessanter Aspekt, der sich gut mit der Rolle vereinbaren lässt. Ich mag aber an dieser Stelle nicht beurteilen, inwieweit er dies selbst "gestaltet" hat. Ganz Unrecht hat Alviano nicht, wenn er von einem relativ beschränkten Spektrum an Interpretation spricht.


    Best, DiO :beatnik:

    Mein erster Lohengrin, Tannhäuser, Holländer ... alle waren sie mit Peter Seiffert. Und ich wahr ziemlich beeindruckt! Seinen Lohengrin und seinen Tannhäuser (beide unter Barenboim) finde ich sehr gelungen, überragend sein Erik in der Aufnahme unter Pinchas Steinberg. :jubel: Etwas weniger gut hat er mir als Florestan im Fidelio und als Max im Freischütz (beide unter Harnoncourt) gefallen. Mit Sicherheit aber auch keine schlechten Leistungen. Seine Stimme besitzt eine tolle Strahlkraft, mitunter könnte er vielleicht noch etwas mehr gestalten. Mit Sicherheit aber noch einer der führenden Tenöre in deutschen Landen.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von Diabolus in Opera
    sich die Arie in voller Länge in der Würzburger Aufführung anhören/ansehen,


    Mir ist gerade aufgefallen, dass ich hier versehentlich eine Unwahrheit verbreitet habe: Wie ich mich jetzt wieder entsinne, wurde die Arie nämlich nicht in voller - von Wagner geschriebenen - Länge gegeben, sondern letztlich doch etwas gekürzt. Nur der Vollständigkeit halber.


    Best, DiO :beatnik:

    Und hier noch eine Jugendsünde Wagners, das erste "Werk" von ihm, das öffentlich aufgeführt wurde: Die Zusatzkomposition zu Edgar Aubrys Arie "Wie ein schöner Frühlingsmorgen" in Heinrich Marschners Oper "Der Vampyr", von Wagner komponiert als er 1833 Chorleiter in Würzburg war. Diese Verison der Arie wurde nach 1833 nicht mehr aufgeführt, bis sie letztes Jahr - passenderweise an selbiger Ort und Stelle - wieder aus der Versenkung gehoben wurde.
    Hier kann man sich die Arie in voller Länge in der Würzburger Aufführung anhören/ansehen, es singt der Tenor Edward Randall. Der Wagner-Teil beginnt bei 5:00.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    War diese "olymoische" Forderung nach absoluter Grösse immer schon vorhanden - oder ist sie ein Produkt des von Amerika beeinflussten 20. Jahrhunderts ?


    Mir persönlich genügt es, daß mir Ein Werk - welcher Gattung auch immer - einfach gefällt.......


    Manchmal - die Betonung liegt wirklich auf "manchmal" - mag das Gerede von einem "Meisterwerk" durchaus nützlich sein, nämlich dann, wenn man sich gegen eine gewisse Musikrichtung oder gegen einen gewissen Komponisten, Sänger, etc. aus irgendwelchen irrationalen Gründen ewig verschlossen hat und sich dann schließlich doch darauf einlässt, weil man das Gerede vom "Meisterwerk" nicht mehr hören kann und sich selbst überzeugen will. Schön, wenn man sein Urteil revidieren kann und etwas Neues für sich entdeckt, aber unter Umständen macht einem die gesteigerte Erwartungshaltung vielleicht auch einiges kaputt.


    Jedenfalls bin ich mit Dir völlig d'accord, dass das "Gefallen" eines Werkes letztendlich das einzig Wahre ist, auf das es ankommt. Aus diesem Grunde ist es mir auch vollkommen Wurscht, dass einige Hochnasen aus der "ernsten" Klassik immer noch auf Filmmusik- und Videospielkomponisten (allen voran Nobuo Uematsu) herabschauen und meinen, gute Musik finde woanders statt.


    Best, DiO :beatnik:

    Allzu sehr hab ich mich mit Wagners symphonischem Schaffen noch nicht beschäftigt, viele seiner Opernovertüren, -Vorspiele - oder allgemeiner: Instrumentalstücke - sind ganz wunderbare, ja manchmal überwältigend schöne Musik: Parsifal-Vorspiel, Verwandlungsmusik, Lohengrin-Vorspiel, Tannhäuser-Overtüre etc. etc. Da braucht keiner sagen, dass Wagner nur mit Gesang funktioniert!
    Um aber auf seine Tätigkeit außerhalb der Opernwelt zurückzukommen: Ich war von seiner Symphonie in C-Dur, die ich in der Einspielung unter Rasilainen habe, ziemlich positiv überrascht, da sie ja ein sehr frühes Werk ist und Wagner sich der Symphonie als Form ja nicht wirklich ausgiebig gewidmet hat. In der obersten Liga kann er da wohl nicht mitspielen, aber sie hat auf jeden Fall ihre Reize.


    Ziemlich unsäglich dagegen finde ich seinen "American Centennial March", ein reichlich uninspiriertes, polterndes Uff-Da-Da-Stück. Das kann man sich sparen. Vielleicht für's Bierzelt geeignet ...


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von GiselherHH
    Nö, eher so: :rolleyes: . Wenn ich schon einen genuin lyrischen Bariton in der Rolle hören will, lege ich mit die Ausschnitte mit Herbert Janssen (und Kirsten Flagstadt) unter Fritz Reiner (live, Covent Garden 1937) auf den Plattenteller. FiDi ist interpretatorisch schon ganz o.k., gerät dafür aber stimmlich in schwere See, wo er das Orchester zu überschreien versucht. Das ist dann auf unfreiwillige Art mitleiderregend.
    GiselherHH


    Also ich würde Dir insofern zustimmen als der Holländer mit Sicherheit keine Rolle ist, die für FiDi prädestiniert war. Deshalb hat er die Rolle meines Wissens nach ja auch nur im Studio und nicht auf der Bühne gesungen oder lieg ich da falsch? Das "Studio-Experiment" mit Konwitschny ist aber meines Erachtens nach vollkommen gelungen und ich würde FiDis Interpretation nicht missen wollen. Von "mitleiderregend" zu sprechen, das scheint mir dann doch einen Tick übertrieben zu sein. Auf der anderen Seite mag es aber ganz gut sein, wenn der Holländer bei uns Mitleid erregt :baeh01:


    Janssen würde ich mir gerne mal anhören, ebenso Uhde.


    Best, DiO :beatnik:

    Also als eindimensional dämonisch würde ich den Holländer mit Sicherheit nicht bezeichnen, aber eine gute Portion Dämonie gehört für mich schon dazu, das macht ihn auf einer Ebene "Larger-than-life", auf einer anderen ist er natürlich noch Mensch genug. Die Figur ist zwiespältig angelegt, also sollte es auch die Interpretation sein. Derjenige, der meiner Meinung nach in dieser Hinsicht voll ins Schwarze traf war - auch wenn da jetzt vielleicht einige aufjaulen werden - Dietrich Fischer-Dieskau. Sein hervorragend differenziert und nuanciert gesungener Holländer in der Konwitschny-Aufnahme übertrumpft in meinen Augen, oder besser gesagt: in meinen Ohren sogar den von George London.


    Best, DiO :beatnik:

    So, jetzt meld ich mich in diesem Unterforum auch endlich mal wieder zu Wort ;-)


    Goldenthal verbinde ich hauptsächlich mit 2 hervorragenden Filmmusiken: Die von Aquarius schon genannte zu "Alien 3", die diese Serie auch musikalisch von der Entwicklung sehr interessant macht (Goldsmith, Horner, Goldenthal) - und dann "Final Fantasy", ein großartiger und großer Score der dem Film weit überlegen ist. Manche mögen vielleicht der Meinung sein, dass die Musik für den Film etwas zu "fett" ist, als Hörerlebnis aber auf jeden Fall sehr wertwoll.


    Best, DiO :beatnik:


    Lieber Joseph II.,


    ich kenne alle drei von Dir aufgeführten Aufnahmen.


    Meine Empfehlung geht ganz klar in Richtung Neuhold-Aufnahme. Nicht weil sie ideal wäre, aber sie hat für mich doch die größten Pluspunkte: Einen phänomenalen Siegmund Nimsgern als Ruthven, Protschkas hervorragenden Aubry und ein packendes Dirigat von Neuhold. Die Damen und besonders die kleinen Nebenrollen haben manchmal etwas mit der deutschen Sprache zu kämpfen, für mich war's aber weiter nicht so schlimm. Die Tonqualität ist generell ordentlich, leider gibt es zahlreiche ärgerliche Knackser ... trotzdem ein unbedingter Kauftipp, da Du die Aufnahme geradzu kriminell günstig kriegst!


    Die Münchner Aufnahme unter Rieger bietet einen sehr guten Ruthven (Hermann) und ist auch sonst sängerisch recht ansprechend besetzt. Leider kann Riegers Dirigat nicht so überzeugen, teilweise sehr schleppend. Tonqualität in der Opera D'Oro-Pressung ist ziemlich mies, da hat vitelozzo-tamare ganz recht! Sehr, sehr dumpf und breiig ...


    Klanglich einwandfrei ist die Kölner Aufnahme unter Froschauer. Kaufmann als Aubry ist gut, aber nicht besser als Protschka bei Neuhold. Rest der Sänger Durchschnitt bis gut, leider ist Hawlata in der Titelrolle ganz schwach, das macht vieles kaputt, schade!


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo xingwang!


    Auch von mir ein herzliches Willkommen im besten Klassik-Forum der Welt :angel:
    Von Deborah Polaski kenne ich bislang nur ganz wenig. Im Moment fällt mir nur ihre Ortrud in der "Lohengrin"-Aufnahme unter Barenboim ein. Da fand ich sie brauchbar, aber mit Sicherheit nicht ideal. Aber um mir ein wirklich aussagekräftiges Urteil bilden zu können, werde ich wohl erst noch mehr von ihr hören müssen ... ;-)


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat von Alviano

    allerdings war sein Rocco auch nicht besser.


    Da will ich aber vehement widersprechen: Sein Rocco unter Blomstedt gehört für mich nach dem unerreichten Gottlob Frick zu den besten auf Tonträger.
    Außerdem schätze ich ebenso seinen Daland unter Böhm in Bayreuth und seinen Holzhacker in den "Königskindern". Zum Sachs kann ich mich leider (noch) nicht äußern.


    Best, DiO :beatnik:

    Nun gut, gestern in der Oper war es nun nicht, ist nun doch schon ein paar Tage her. Wollte es aber dennoch nicht verpassen, ein paar Worte hier im Forum zu verlieren.


    Die McGill University in Montreal ist in vielen Bereichen eine der renommiertesten Universitäten in Nordamerika, auch das dortige Department of Music, die Schulich School of Music. Von den etwa 850 Musikstudenten haben sich ungefähr 100 auf Vokalmusik/Gesang spezialisiert, davon wiederum sind etwa 40 im Studiengang Oper eingeschrieben. McGill Opera produziert jährlich in der Regel 4 oder 5 Opern.


    Die erste dieses Kalenderjahres war Benjamin Brittens Kammeroper "The Rape of Lucretia". Da ich weder mit Kammernopern noch mit Britten vertraut war, war ich sehr auf die Aufführung gespannt.


    Die Inszenierung war ingesamt recht konventionell, die Optik der Innenhandlung sehr klassisch (Rüstungen, Sandalen, schöne Gewänder für die Frauen, Antike Statuen), die Rahmung durch die beiden "Chöre" (in Form eines Tenors und eines Soprans) dagegen moderner (Anzüge für die Figuren, in U-Form um die Bühne herum gab es ein Metallgerüst, auf dem sich die "Chöre" bewegten). Es wurden also zwei Ebenen angedeutet, leider war die Personenregie und Interpretation an sich nicht sonderlich inspirierend. Nett anzuschauen war es aber allemal.


    Bei den Gesangsleistungen gab es z.T. erhebliche Schwankungen. Herausragend auf jeden Fall Philippe Sly als Collatinus, seine sicher und voluminös geführte Bass-Stimme war das Highlight des Abends. Auch die Sopranistin des "Chors" konnte überzeugen. Das Timbre von Liliana Piazza (Lucretia) war dagegen gewöhnungsbedürftig und ein bisschen mehr Erotik im Ausdruck hätte vielleicht nicht geschadet. Auch nicht ideal war der Tenor für den Chor-Part. Insgesamt also Licht und Schatten, wie man es wohl bei einer Studentenproduktion erwarten konnte.


    Das Orchester unter der Leitung von Julian Wachner hatte ein bisschen Anlaufschwierigkeiten, vollbrachte dann aber eine grundsolide Leistung ohne wirklich zu glänzen.


    Um noch ein paar Worte über das Werk an sich zu verlieren. Insgesamt hat mir die Oper sehr gut gefallen, wunderbar die Harfenpassagen im 1.Akt. Im 2.Akt gab es dann meiner Meinung nach hin und wieder kleinere Durchhänger, es fehlte mir die Stringenz und die Ideen aus dem ersten Akt. Trotzdem werde ich mich zukünftig noch etwas näher mit dieser Oper beschäftigen.


    Best, DiO :beatnik:

    Dann nehm ich diese süße Folter auch noch auf mich, bevor sich das Jahr dem Ende neigt ... ach herrje :angel: Ich vergess bestimmt wieder jemand wichtigen, aber was solls ...


    1. Siegmund Nimsgern, Bass-Bariton (12 Punkte: Lord Ruthven, Alberich, Don Pizarro ...)
    2. Theo Adam, Bass-Bariton (11 Punkte: Wotan, Don Pizarro, Amfortas ...)
    3. Gottlob Frick, Bass (10 Punkte: So ziemlich alles was er gesungen hat ... allen voran Van Bett!)
    4. Gustav Neidlinger, Bass-Bariton (9 Punkte: DER Alberich, grandioser Graf Lysiart, herrlicher Don Pizarro)
    5. James King, Tenor (8 Punkte: Genialer Siegmund, hervorragender Max)
    6. Peter Schreier, Tenor (7 Punkte: Überragender Loge, exzellenter Mime, fantastische Knusperhexe ...)
    7. Rudolf Schock, Tenor (6 Punkte: Max, Erik, Lohengrin ...)
    8. Hermann Prey, Bariton (5 Punkte: Hans Heiling, Zar Peter, Spielmann ...)
    9. Tito Gobbi, Bariton (4 Punkte: Scarpia)
    10. Josef Metternich, Bariton (3 Punkte: Telramund, Vater in Hänsel & Gretel)
    11. Fischer-Dieskau, Bariton (2 Punkte: Holländer!!! Spielmann ...)
    12. Giuseppi Taddei, Bariton (1 Punkt: Scarpia)


    Best, DiO :beatnik:

    So, gerade fertiggehört :yes: Ein paar spontane Eindrücke:


    - Schnaut als Hexe nur schwer erträglich, sehr unschönes und starkes Vibrato, meist unverständlich


    - Juliane Banse als Gänsemagd ergreifend, gut gesungen, aber vom Timbre her (wie Dagmar Schellenberger in der Luisi-Aufnahme) etwas zu reif, da bleibt Helen Donath meine Favoritin


    - Klaus Florian Vogt als Königssohn beeindruckend, wirklich gut, vielleicht der beste, den ich bislang gehört habe (kenne Kaufmann in der Rolle allerdings noch nicht)!


    - Christian Gerhaher (da kann ich mich Lohengrins nur anschließen) als Spielmann ist Spitzenklasse! Interessanterweise habe ich bislang nur gute und sehr gute Interpreten in dieser Rolle gehört: Fischer-Dieskau, Prey, Henschel und nun Gerhaher - alle gut!


    - Metzmachers Dirigat hat mir sehr gefallen, durchsichtig, aber nicht kühl-analytisch.


    Insgesamt also eine sehr hörenswerte Aufführung, die die "Königskinder" hoffentlich wieder mehr ins Gedächtnis des Opernpublikums ruft. :jubel:


    Best, DiO :beatnik: