Beiträge von Diabolus in Opera

    Ich habe mich hier noch nicht beteiligt, erlaube mir deshalb zwei Aufnahmen mit auf die Arche zu nehmen , wenn ich es nicht übersehen habe, sind sie noch nicht auf dem Schiff:



    "DAS RHEINGOLD" (Karl Böhm, Bayreuther Festspiele 66/67)



    "DIE WALKÜRE" (Karl Böhm, Bayreuther Festspiele 66/67)


    Allen Taminos ein frohes Weinachtsfest und einen guten Rutsch! :yes:


    Best, DiO :beatnik:

    Lieber Giselher!


    Ganz herzlichen Dank für diese Information! Das muss unbedingt vorgemerkt werden :yes: Bin schon gespannt auf Klaus Florian Vogt als Königssohn. Hab ihn bislang einmal live als Siegmund in der Walküre in Nürnberg erlebt, wo er mir sehr gefallen hat. Auf Gabriele Schnaut bin ich auch gespannt. In Sopranrollen zuletzt nur noch bedingt gut, mal sehen, was im Mezzo-Fach so geht ...


    Best, DiO :beatnik:

    Lieber JR II,


    besten Dank für die umgehende Umsetzung! Ich persönlich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diesen Thread vornehmlich angestoßen habe, um etwas Wissen zu schmarotzen ( :untertauch:), denn persönlich kann ich nur etwas mit Clara Schumann und Rachel Portman anfangen (nochmals :untertauch:). Letztere liegt mir als Liebhaber von Filmmusik natürlich besonders am Herzen, speziell ihre Musik zu den Filmen "Gottes Werk & Teufels Beitrag" (The Cider House Rules) und "Chocolat" haben es mir angetan. Leider scheint Portman weiterhin alleinig die weibliche Flagge bei den Filmkomponisten hochzuhalten. Die heute vor fast genau 2 Jahren (30. November 2006) verstorbene Film- und TV-Komponistin Shirley Walker hat es ja leider nie wirklich zum Durchbruch geschafft :(


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    wenn es gegen Deutschland/Österreich geht, dessen trickreichster Spieler sich das meiste von ihm abgeschaut hat; in diesem Spiel kann man dann eventuell auf Duparc verzichten, es sei denn, Deutschland/Österreich tritt mit Wolf an.


    Deutschland und Österreich treten also gemeinsam an. Dann bleibt uns wenigstens ein "Cordoba" erspart ... :rolleyes:


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo Bernd,

    Zitat

    Original von Zwielicht
    Man muss ja doch mal darauf hinweisen, dass seit Chéreau mehrere grandiose Ring-Inszenierungen auf die Bühne gekommen sind (Berghaus, Wernicke, Schlömer/Nel/Wieler/Konwitschny, meinetwegen auch Friedrich und Kupfer).


    Vorschusslorbeeren hat es schon für so manche letztlich eher verpufften Ring-Inszenierungen gegeben. Ebenso berühmte Film- und Sprechtheater-Regisseure, die im Opernbereich mehr oder weniger reüssiert haben.


    Da hast Du natürlich Recht, ich bin aber trotzdem sehr optimistisch. :)


    Zitat

    Von Lepage habe ich nur die sehr eindrucksvolle Sprechtheaterproduktion The Far Side of the Moon gesehen (vor fast zehn Jahren in Berlin), ein Einpersonenstück, in dem Lepage selbst verschiedene Rollen übernommen hat. Es wurde auch sehr viel mit Film- bzw. Videoprojektionen gearbeitet, das scheint typisch für ihn zu sein.


    Das kann ich bestätigen. Es ist ein elementarer Bestandteil seiner Arbeit.


    Zitat

    Der Vorteil: Die Wirkung wird überwiegend durch das Bühnenbild, das Licht, die Videoprojektionen und evtl. Tänzer/Akrobaten erzielt. Das ist wichtig, weil weder Lepage noch irgendein noch so genialer Regisseur jemals gewichtige Sänger wie Deborah Voigt oder Ben Heppner zu einer irgendwie vernünftigen Darstellung auf der Bühne wird bewegen können.


    Eine nicht ganz unfundierte Vermutung, wenn man den Tristan mit Eaglen und Heppner gesehen hat ...



    Zitat

    Bezüglich der Sängerbesetzung: Ich weiß nicht, wer von Euch in letzter Zeit Deborah Voigt gehört hat. Ich schon - und man muss leider sagen, dass seit ihrer schönen, aber eben doch angestrengten Isolde 2003 die Stimme schwer gelitten hat - das alte Lied. Ob das mit der Brünnhilde noch was wird...


    Da stimm ich Dir auch zu. Von der männlichen Riege bin ich sehr überzeugt, Voigt als Brünnhilde wäre jetzt nicht unbedingt meine Idealbesetzung gewesen. Als ich sie bei der letzten "Tristan"-Premiere an der MET hörte, da ist gegen Robert Dean Smith schon ein Stück abgefallen.


    Zitat

    Der Dirigent wurde noch nicht genannt, ist das Zufall? :stumm: Naja, auf James Levines 63. Ring-Dirigat darf man sicher gespannt wie ein Flitzebogen sein... :D


    ICH habe vergessen es zu erwähnen. :D Es stand schon in dem Artikel, natürlich ist es Jimmy Levine ... vielleicht reißt er mich endlich mal vom Hocker ...


    Beste Grüße ins Frankenland ... DiO :beatnik:

    @ JR II: Lieber Jacques,
    danke für den Hinweis auf Liveübertragungen-Thread, den habe ich doch glatt übersehen! "Le Polygraph" ist leider der einzige Film von Lepage, den ich bislang noch nicht gesehen habe. Mich überrascht es etwas, dass er in Deutschland sogar im Verleih war, wenn auch bedauerlichweise vom Publikum nicht angenommen. Noch erstaunlicher ist vielleicht, dass es den Film nicht mal hier in Québec auf DVD gibt, sondern lediglich als VHS. Werde hoffentlich noch die Gelegenheit finden, "Le Polygraph" zu inspizieren. Von seinem restlichen Film-Werk bin ich sehr begeistert: "Le Confessionnal" (1995), "Possible Worlds" (2000) und "The Far Side of the Moon" (2003) sind genial, "No" (1998) fällt meines Erachtens ein bisschen ab, ist aber trotzdem sehr interessant.
    Ich habe bislang auch noch keine Live-Inszenierung von Lepage gesehen - leider. Das wird sich aber nächstes Jahr ändern, da er 2009 kurz vor meiner Abreise mit einem neuen Teil seiner "Dragon"-Serie nach Montreal kommt: "Le Dragon Bleu". Bis dahin kann ich hoffentlich mein Französisch noch etwas verbessern, damit ich auch was verstehe ;-)


    Grüße vom vorübergehenden Wahl-Québecer an den Hobby-Québecer!


    @ FQ: Liebe Fairy Queen,
    ganz lieben Dank für Deine ausführliche Beschreibung der Inszenierung! :yes: Das hat meinen Wissensdurst erstmal ein wenig befriedigt ;) Das von Dir beschriebenen Gerüst, das verschiedene Zimmer/Etagen schuf passt absolut in Lepages Stil hinein. Sowohl im Theater als auch im Film versucht er mit verschiedenen Mitteln oft, den Raum / das Bild in kleinere Bereiche zu unterteilen, um den theatralen / filmischen Raum zu erweitern und interessanter zu machen. Mich würde noch interessieren, ob es irgendwelche besonderen Transformationen des Bühnenbildes gab, da szenische Transformation auch noch ein Merkmal ist, für das Lepage bekannt ist.
    Und wie Du ganz richtig sagtest: Der Mann spricht die Imagination an! Ich habe kürzlich eine Videoaufzeichnung seiner Bühnen-Solo-Show "The Far Side of the Moon" (bzw. "La face cachée de la lune", hehehe ...) gesehen. Das Stück platzt nur so vor genialen Einfällen, aber am Ende übertrifft er sich selbst, als er lediglich mit Hilfe eines großen Spiegels Schwerelosigkeit simuliert. Keine aufwendige Tricktechnik, alles ganz simpel, der Zuschauer sieht sogar, wie das ganze zustandekommt.
    Es freut mich natürlich auch außerordentlich, dass Wagner langsam aufhört, ein rotes Tuch für Dich zu sein ;)


    Beste Grüße in die kolonialistische Heimat ;) Vive le Québec libre! :baeh01:


    @ Antracis: Lieber Anti,
    der musikalische Hintergrund von Lepage ist nicht unbedingt riesig. Er hat bislang neben dem "Faust" von Berlioz auch noch "Herzog Blaubarts Burg", "Erwartung", "The Rake's Progress" und "1984" als Oper inszeniert, und eben - wie Barbirolli anmerkte - Bühnenshows / Rockkonzerte.
    Was mich sehr positiv bezüglich des Rings stimmt ist, dass Lepage 1995 auch vollkommen ohne fundierten film-handwerklichen Hintergrund "Le Confessionnal" aus dem Hut gezaubert hat. Sein natürlicher Instinkt für die darstellende Kunst wird ihn auch in der Oper nicht im Stich lassen - da bin ich mir ziemlich sicher.


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo zusammen,


    hätte mich vor einem Jahr jemand gefragt, ob ich mit dem Namen Robert Lepage etwas anfangen kann, so hätte ich mit großer Wahrscheinlich- und Betroffenheit verneinen müssen. Zwar hatte Lepage bereits einige Opern inszeniert und immerhin fünf Filme gedreht, doch sein Steckenpferd war zweifelsohne das Performance-Theater. Nicht unbedingt meine Domäne und deshalb war er mir wohl bis dahin noch nicht wirklich untergekommen.


    Im Zuge der Vorbereitung auf meinen jetzigen Aufenthaltsort bin ich dann aber doch sehr schnell auf das Multi-Talent aus der kanadischen Provinz Québec gestoßen. Mein erster Kontakt war dabei sein Film "Le Confessionnal" aus dem Jahr 1995 (den es übrigens für einen Spottpreis bei einem gewissen Online-Händler zu erwerben gibt). Es war eines der Erlebnisse, bei dem einen die Worte "Warum erst jetzt?" ganz schnell in den Kopf schießen. In der Folge habe ich habe mich sehr intensiv mit seiner Person und seiner Arbeit auseinandergesetzt. Schnell zeigte sich, mit was für einem intelligenten und vielseitigen Künstler man es hier zu tun hatte. Lepage hat seitdem nicht aufgehört, mich zu faszinieren.


    Umso erschreckender mutet es deshalb an, dass ich letztes Wochenende doch glatt seine Berlioz-"Faust"-Inszenierung an der MET verpasst habe, obwohl es hier in Montreal auch ein Kino gab, dass die Aufführung übertrug. An dieser Stelle gleich mal die Bitte an alle, die es besser gemacht haben als ich: Wie war die Inszenierung? Würde mich brennend interessieren! :yes:


    Der Gram über die verpasste "Faust"-Inszenierung verflog aber schnell als ich in einem Artikel der Associated Press las, dass Lepage für die Inszenierung des neuen MET-Rings (Start: 2010) engagiert wurde, der damit den meines Erachtens nach ziemlich langweiligen Schenk-Schinken ablösen wird. Was für ein Zufall! Ein erst kürzlich von mir entdeckter, mich überaus faszinierender Filme- und Theatermacher bringt meine absolute Lieblingsoper in New York auf die Bühne! :jubel:
    Und das war noch nicht alles, der Artikel gab auch bereits einige Details über die Sängerriege bekannt:


    Wotan: Bryn Terfel
    Brünnhilde: Deborah Voigt
    Siegfried: Ben Heppner
    Siegmund: Jonas Kaufmann


    Na wenn das mal nicht vielversprechend klingt!


    Dieser Thread soll vornehmlich zwei Themen bedienen:


    1. Robert Lepage als Regisseur: Ist er Euch bekannt? Habt ihr schon mal ein Stück oder einen Film von ihm gesehen? Was haltet ihr von seinen Inszenierungen, seinem Stil?


    2. Der neue MET-Ring: Was sind Eure Erwartungen an den neuen MET-Ring? Wird Lepage seinen innovativen Stil durchbringen können oder wird er große Einschränkungen machen müssen, weil er für die MET inszeniert? Trauert ihr dem Schenk-Ring nach? Wird es ein wegweisender "Ring" werden?


    Von letzterem bin ich selbst jedenfalls fest überzeugt und jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass Lars von Trier doch noch seinen Ring in Bayreuth macht, dann wäre ich vollkommen aus dem Häuschen!!!


    Ich werde versuchen, in den folgenden Wochen weitere Informationen und Gedanken zu Robert Lepage zusammenzutragen und zur Diskussion zu stellen. Dabei werde ich zwangsläufig auch auf sein Schaffen außerhalb des Opernbetriebes eingehen, ohne dabei den Thread zu einem Film- oder Theaterthread umfunktionieren zu wollen.


    Beste Grüße aus der Heimat von Robert Lepage, DiO :beatnik:

    Hallo lieber Waldi,


    schön, dass die "Euryanthe" mal wieder Erwähnung findet. :) Wie ich aus dem Cover erkennen kann, ist es eine Doppel-CD. Das legt die Vermutung nahe, dass hier stark gekürzt wurde, wie bei der Leitner-Live-Aufnahme aus Stuttgart. Kannst Du zu den Kürzungen was sagen?


    Was Dirigat und Sänger angeht, so gibt es meiner Meinung nach bereits eine Referenz-verdächtige Aufnahme, nämlich die unter Leitner. Leider lässt die Tonqualität und der manchmal etwas grobe Zusammenschnitt viel zu wünschen übrig. Und an der sehr ausführlichen Bearbeitung wird sich vielleicht auch mancher stoßen ...


    Es käme wirklich einem kleinen Wunder gleich, wenn die "Euryanthe" demnächst eine moderne Wiederauferstehung in Form einer wirklich guten Aufnahme feiert.


    Den Originaltext halte ich übrigens nur für bedingt gut singbar. Ich hatte vorher schon mal darauf hingewiesen: "Zertrümmre, zertrümmre, schönes Bild!" beispielsweise, die Zunge findet das glaub ich in der Regel wenig erbaulich :pfeif:


    Best, DiO :beatnik:

    Lieber Peter aus Wien,


    besten Dank für einen weiteren ausführlichen Sänger(innen)-Thread!


    Ich habe von Maria Stader zwar noch nicht allzu viel gehört (was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich kein übermäßig intensiver Mozart-Hörer bin), ihre wunderbare Marzelline in Knappertsbuschs "Fidelio" von 1961 ist mir aber doch stets im Gedächtnis geblieben. :yes:


    Best, DiO :beatnik:

    Parallel zu Wulfs populärem "Erste Takte"-Thread hier also nun das Äquivalent dazu: Welche Schlußtakte faszinieren Euch besonders? Lassen Euch noch Augenblicke später wie erstarrt auf Eurem Sitz im Opernhaus verweilen? Spuken Euch Stunden, Tage, Wochen später noch im Kopf herum?


    Einige Vorschläge meinerseits:


    "Götterdämmerung" (Wagner)
    "Die Walküre" (Wagner)
    "Salome" (Strauss)
    "Tosca" (Puccini)
    "Rigoletto" (Verdi)


    Bin gespannt auf Eure Rückmeldungen!


    Best, DiO :beatnik:

    Noch nicht genannt (oder von mir übersehen ...) wurde:


    - "Tiefland" von D'Albert: Wie er im Vorspiel mit einer Soloklarinette im Handumdrehen ein Stimmungsbild zeichnet, das ist schon aller Ehren wert!


    - "Die ersten Menschen" von Rudi Stephan


    Ansonsten schließe ich mich denen an, die viel bei Wagner gefunden haben: "Der fliegende Holländer", "Lohengrin", "Tristan und Isolde", "Das Rheingold", "Die Walküre", "Götterdämmerung" und "Parsifal" - alles höchst faszinierend! Beim "Tannhäuser" finde ich die Ouvertüre umwerfend, die ersten Takte (auf die wir uns ja hier beschränken) sind meiner bescheidenen Meinung nach aber eher unspektatulär.


    Best, DiO :beatnik:

    Bevor das Jahr unbemerkt zu Ende geht und ich meine zweite Abstimmungsmöglichkeit hier vergesse ... ;) In Klammern der Platz in meiner letzten Bewertung ...


    1. (1.) Die Walküre (Wagner), 12 Punkte
    2. (2.) Das Rheingold (Wagner), 11 Punkte
    3. (NEU) Tosca (Puccini), 10 Punkte
    4. (3.) Der Freischütz (Weber), 9 Punkte
    5. (4.) Der Vampyr (Marschner), 8 Punkte
    6. (5.) Parsifal (Wagner), 7 Punkte
    7. (NEU) Königskinder (Humperdinck), 6 Punkte
    8. (7.) Fidelio (Beethoven), 5 Punkte
    9. (NEU) Der fliegende Holländer (Wagner), 4 Punkte
    10. (NEU) Tristan und Isolde (Wagner), 3 Punkte
    11. (8.) Tiefland (D'Albert), 2 Punkte
    12. (6.) Zar und Zimmermann (Lortzing), 1 Punkt


    Leider vorest nicht mehr dabei, wenn auch knapp: Lohengrin, Siegfried, Götterdämmerung und Die ersten Menschen
    Knapp den Einstieg verpasst: Salome


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo Oliver,


    das klingt ja spannend! Ich wusste gar nicht, dass es "Solaris" auch als Oper gibt! Würde mich aber brennend interessieren, da ich den Stoff äußerst faszinierend finde. Habe sowohl Lems Buch gelesen, als auch die beiden Verfilmungen auf DVD. Auch wenn viele Soderberghs Neuinterpretation abgelehnt haben, so finde ich sie doch persönlich sehr ansprechend. Kannst Du ein bisschen was über die Oper "Solaris" erzählen, über Inhalt und Musik? Hoffentlich gibt es sie irgendwann mal auf Tonträger!


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von Cassiodor
    Eine amerikanische Sängerin soll ja im Bayreuther Ring 1962 als Wellgunde in bestem Kölsch „Rettet dat Jold“ gesungen haben :hahahaha:


    War das nicht Helen Donath?


    Best, DiO :beatnik:

    Liebe Fairy Queen,


    natürlich habe ich am letzten Samstag auch an alle Perlenfischer-Fans aus dem Tamino-Forum gedacht, die das ganze auch gerne miterlebt hätten :yes:


    Mich verwundert es etwas, dass anscheinend nicht mal im Heimatland des Komponisten (Du bist doch noch in Lille ansässig?) Wert auf die Pflege von Bizets Opernwerk abseits der allgegenwärtigen "Carmen" gelegt wird. Selbst hier in Kanada, das habe ich bei meiner Recherche herausgefunden, ist das Werk bei weitem nicht so unterrepräsentiert, wie man meinen könnte: In der Vergangenheit tauchte es regelmäßig irgendwo auf und in dieser Spielzeit gibt es auch noch an der Edmonton Opera eine Aufführung. Und dabei ist Kanada ja wahrlich keine Opernhochburg.


    Wie ich bereits in "Perlenfischer"-Thread zum Ausdruck brachte, bin auch ich der Meinung, dass diese Oper an musikalischem Einfallsreichtum der "Carmen" überlegen ist, auch wenn letztere halt "schmissiger" und die Handlung etwas mehr "Fleisch" hat, weshalb sie in der Gunst des Publikums wohl auf unbestimmte Zeit einen Spitzenrang einnehmen wird.


    Dein Vergleich mit einer Belcanto-Oper scheint mir durchaus angebracht, vielleicht könnte man sie ja wirklich als "Belle Chante"-Oper bezeichnen ;) Lediglich die exponierte Rolle des Chors und die größere Relevanz des Orchesters scheinen mir nicht ganz ins Bild zu passen, wobei ich an dieser Stelle auch gleich zugeben muss, dass ich weder ein großer Liebhaber, noch ein großer Kenner (vielleicht das eine auch mit dem anderen zusammen, wer weiß ...) des italienischen Belcanto bin.


    Von den Sängern kannte ich vorher auch keinen, allerdings scheint mir Kanada auch nicht unbedingt der große Opernmarkt zu sein, obwohl es natürlich in der Vergangenheit mit London, Vickers, Stratas und jetzt Heppner immer wieder große Opernsänger(innen) gegeben hat. Und Montreal ist zwar in vielerlei Hinsicht ein kulturell heißes Pflaster mit einem großen Angebot, Opern-mäßig scheint mir aber allein die in Toronto ansässige "Canadian Opera Company" (COC) von internationalem Gewicht zu sein.


    Dennoch freue ich mich auf weitere Opern-Besuche hier, wenn auch auf kammermusikalischem Level. Morgen hat an der für ihr Music Department weltweit renommierten McGill University (Schulich School of Music) die Lully-Oper "Thésée" Premiere und im Januar freu ich mich auf Brittens "The Rape of Lucretia" an selbiger Stelle.


    Um nochmal kurz auf die "Perlenfischer" zurückzukommen: Leider musste ich feststellen, dass das schöne Duett zwischen Leila und Nadir kurz vor dem Ende, das Pretre in seiner CD-Einspielung mit aufgenommen hat, nicht gegeben wurde. Von der Dramaturgie her vielleicht entbehrlich ist es musikalisch doch ein großer Verlust.


    Liebe Fairy, ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du die Perlenfischer zumindest konzertant in Frankfurt erleben kannst!


    LG, DiO :beatnik:

    Lange habe ich mich darauf gefreut, am vergangenen Samstag war es endlich soweit: Bizets in Europa sehr selten gespielte Oper "Les Pêcheurs de Perles" stand an der Opéra de Montréal auf dem Programm. Die billigste Karte kostete immerhin 50 Kanadische Dollar (ca. 35 Euro) und es gab nicht einmal Studentenermäßigung :boese2: Da sehnt man sich doch wieder nach Europa zurück ...


    Nach "La Fanciulla del West" sind die Perlenfischer die zweite Produktion der Montrealer Spielzeit 08/09, die insgesamt leider nur 4 Werke umfasst (es folgen noch Verdis "Macbeth" und Donizettis "Lucia di Lammermoor"). Für die aktuelle Produktion kehrte die in Kanada sehr erfolgreiche Sopranistin Karina Gauvin nach drei Jahren wieder an die Opéra de Montréal zurück, diesmal in der Rolle der Leila. Außerdem feierte der französische Dirigent Frédéric Chaslin, der an der Bayrischen Staatsoper München in der Vergangenheit u.a. "La Traviata" mit Anna Netrebko und zuletzt "I Purritani" dirigierte sein Montrealer Debut. Selbiges galt für den australischen Regisseur Andrew Sinclair, wobei hinzugefügt werden muss, dass die Montrealer Inszenierung keine eigene Neuinszenierung, sondern eine Übernahme von Sinclairs Inszenierung für die San Diego Opera (USA) ist.


    Da die Handlung der Oper selbst für Opernverhältnisse relativ banal und wenig gehaltvoll ist, hoffte ich auf eine interessante und stimulierende Auseinandersetzung mit dem Stoff. Leider wurde ich in dieser Hinsicht enttäuscht. Die Inszenierung beschränkte sich größtenteils auf eine bunte Bebilderung des Librettos (inklusive farbenprächtiger, aufwendiger Kostüme), bei der lediglich John Malashocks zahlreiche Tanzchoreographien herausstachen, die während der vielen Chorszenen eingesetzt wurden und in denen meist 4 oder 5 junge Männer mit nacktem Oberkörper (teilweise auch mit weiblicher Begleitung) auf der Bühne herumturnten. Alles nett anzusehen, man hätte sich aber lieber gewünscht, dass in der Personenführung und Ausarbeitung der Hauptfiguren etwas mehr Bewegung und Flexibilität zu erkennen gewesen wäre. So blieb das ganze doch recht oberflächlich und stellenweise etwas langweilig.


    Der musikalische Teil überzeugte da schon mehr. Chaslin und das Orchestre Métropolitain du Grand Montréal lieferten eine wirklich gute Leistung ab, obwohl es mitunter noch etwas spritziger und feuriger hätte sein dürfen. Der Chor, dem in dieser Oper ja eine überdurchschnittlich große Rolle zukommt, überzeugte ebenfalls durch präzisen und homogenen Gesang. Bei den Solisten stach für mich trotz des größeren Rummels um Karina Gauvin der Bariton Phillip Addis in der Rolle des Zurga heraus, der ebenso wie Gauvin nach drei Jahren wieder einmal in Montreal auf der Bühne stand. Sein kraftvoller und doch eleganter Bariton wurde der Partie mehr als gerecht und war für mich das Highlight des Abends. Zu meiner Freude wurde das nach der Vorstellung vom Publikum auch mit leidenschaftlichem Beifall honoriert. Karina Gauvin als Leila überzeugte ebenfalls mit einer sehr soliden Leistung, für mich fehlte jedoch das gewisse Etwas für eine wirklich große Interpretation. Die nicht ganz leichte Partie des Nadir wurde von Antonio Figueroa gesungen und er erledigte seine Sache im Großen und Ganzen recht ordentlich, ohne bei mir allerdings einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Im Vergleich zu Gauvin und vor allem zu Addis fiel er etwas ab. Bleibt noch hinzuzufügen, dass sämtliche Solisten Kanadier waren. In Deutschland kommt es ja doch eher selten vor, dass das gesamte Ensemble aus deutschen Sängern und Sängerinnen besteht.


    Insgesamt war es ein durchaus lohnenswerter und interessanter Abend. Es war wunderbar, Bizets tolle Musik einmal live zusammen mit einer Bühneninszenierung zu erleben, auch wenn letztere letztlich nicht übermäßig inspiriert / inspirierend war.


    Les Pêcheurs de Perles
    Oper in 3 Akten von Georges Bizet
    Libretto von Eugène Cormon und Michel Carré
    Uraufführung: 30. September 1863, Théâtre Lyrique, Paris


    Aufführung an der Opéra de Montréal, 08.11.2008


    Leila ... Karina Gauvin, Sopran
    Nadir ... Antonio Figueroa, Tenor
    Zurga ... Phillip Addis, Bariton
    Nourabad ... Alexandre Sylvestre, Bass-Bariton


    Choeur de L'Opéra de Montréal, Einstudierung: Claude Webster


    Orchestre Métropolitain du Grand Montréal unter der Leitung von Frédéric Chaslin


    Inszenierung: Andrew Sinclair



    In der Pause gab es übrigens ein lustiges Quiz, bei dem ein Pianist kurze Ausschnitte aus verschiedenen Opern spielte und das Publikum erraten musste, um welche Oper es sich handelt. Als Belohnung gab es verschiedene CDs. Aufgrund einer ungünstigen Position hinter dem Quizleiter konnte ich mein Wissen leider nicht in Tonträger umsetzten. Aber immerhin habe ich nun gelernt, dass "Les Maîtres Chanteurs" die französischen Meistersinger sind ...


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo zusammen,


    ja, ich lass mich auch mal wieder hier blicken ;) Meine erste Oper war mit 27 ( :untertauch:): "Das Rheingold" (bzw. der ganze RING) in Nürnberg. Als die ersten Klänge des Rheingold-Vorspiels aus dem Orchestergraben drangen, das war schon ein einmaliger Augenblick :jubel: Generell ist der RING aber vielleicht nicht unbedingt der beste Einstieg für Opern-Newbies ;)


    Best, DiO :beatnik:

    Hallo Maticus,


    ich habe ziemlich viel von Zimmer, leider nicht seine Musik zum "Ring" (hab den Film aber gesehen). Was Schostakowitsch angeht, so bin ich bedauerlicherweise auch nicht sonderlich gut bewandert, aber Prokofjew ist bestimmt noch eine gute Anlaufstelle, um zu suchen. Ziemlich viele Filmkomponisten wurden direkt oder indirekt von ihm beeinflusst. Vielleicht kann ich Dir demnächst weiterhelfen, wenn ich mir den "Ring" mal wieder angesehen oder besser gesagt angehört habe.


    Best, DiO :beatnik:

    Zitat

    Original von JL
    Um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:


    Wird der Würzburger Vampyr auch in dieser Spielzeit gegeben?
    Gibt es irgendwo Marschner auf dem Spielplan? In Hamburg, Lübeck, Schwerin und Kiel jedenfalls nicht.


    Ich kenne praktisch nichts von Marschner, aber nach der Lektüre des Opernführers reizt mich Hans Heiling mehr als der Vampyr. Mit einem pfiffigen Regiekonzept könnte man auch etwas modermes herausholen. Da müßten sich doch Theatermacher ob der Möglichkeit einer politischen Aussage die Finger danach lecken.


    Der "Vampyr" wird nächstes Jahr bei den Heidenheimer Opernfestspielen (Freilichtbühne) gegeben. Dieses Jahr gab es den "Freischütz", 2009 den "Vampyr", 2010 den "Holländer". In Würzburg steht der "Vamypr" für die kommende Spielzeit nicht mehr auf dem Programm.


    DiO :beatnik:

    Weber, Der Freischütz, DG 1973



    Carlos Kleiber, Dresdner Staatskapelle - 4,5 (ohne Zweifel eines der bedeutensten Freischütz-Dirigate, wunderbar transparent. Kleibers teils extreme Dynamikwechsel - kann man den Viktoria-Chor noch schneller spielen/singen? - und seine doch sehr individuelle Deutung sind aber Geschmackssache. Insgesamt trotzdem sehr gut!)


    Agathe - Gundula Janowitz - 4,5 (Auch Janowitz ist eine ganz außergewöhnlich bezaubernde Agathe!)
    Ännchen - Edith Mathis - 4 (Schön gesungen, Rollengestaltung ordentlich)
    Max - Peter Schreier - 3,5 (Die Rolle gestaltet Schreier wie fast immer sehr gut, leider passt sein Timbre meiner Meinung nach nicht besonders gut. Von einer Fehlbesetzung zu sprechen wäre wohl aber übertrieben)
    Kaspar - Theo Adam - 3,5 (Adams rauhes, auch etwas fahles Timbre passt gar nicht schlecht zu Kaspar, auch Adam gestaltet gut, aber stimmlich schon etwas auf dem absteigenden Ast. Insgesamt reicht es nicht für eine Spitzenwertung)


    Restensemble - 4


    Ges. 24 / 6 = 4,00


    TQ: 4,5 (an sich sehr gut, nur etwas zu viel Hall)

    3CD (mit Oberon), Ponto, 1973/2006, Livemitschnitt



    Wolfgang Sawallisch, Orchestra Sinfonica e Coro di Roma della RAI: 4 (Gutes Dirigat von Sawallisch, leider kein optimaler Klangkörper)


    Agathe - Margaret Price: 4,5 (Und noch eine wunderbare Agathe, die nur deswegen einen Abzug bekommt, weil die Grümmer unerreicht ist!)


    Ännchen - Helen Donath: 4,5 (Super!)


    Max - James King: 4,5 (Ja, stimmlich vielleicht nicht die ideale Rolle für ihn, aber ich mag sein dunkles Heldentenor-Material und sein engagiertes, lebendiges Rollenporträt. Ich höre ihn sehr gerne.)


    Kaspar - Karl Ridderbusch: 4,5 (Obwohl Ridderbusch genauso wie Frick für mich eher ein väterlicher Typ ist, stört es mich bei Ridderbusch weniger. Ich war sehr positiv überrascht!)


    Rest: 2 (Hier wird es happig: Wohl kaum einer der Nebenrollen versteht, was er da singt, z.T. sehr schlechtes Deutsch)


    WERTUNG: 24/6 = 4,00


    Auf jeden Fall hörenswert, spitzenmäßige Gesangsleistungen in den Hauptrollen, gutes Dirigat. Schwache Nebenrollen und schwache Tonqualität.


    TQ: 2,5 (Ok, es ist live, aber anno 1973 kann man da schon mehr erwarten. Teilweise ärgerliche Bandstörgeräusche)

    RCA 1967/1995



    Lovro von Matacic, Orchester der Deutschen Oper Berlin - 3 (Da kann ich dem lieben Waldi leider nicht zustimmen. Meiner Meinung nach der einzige Schwachpunkt dieser Aufnahme. Insgesamt schon ordentlich musiziert, aber Matacic ist mir zu brav und an vielen Stellen zu langsam. Wenn romantisch, dann lieber den grandiosen Keilberth!)


    Agathe: Claire Watson - 4,5 (Exzellente Leistung, reicht nicht ganz an die Grümmer ran)


    Ännchen: Lotte Schädle - 5 (Hervorragend. Geht wohl kaum besser!)


    Max: Rudolf Schock - 4 (Nicht ganz so gut wie unter Keilberth, aber immer noch rollendeckend und vielen Kollegen voraus!)


    Kaspar: Gottlob Frick - 4 (Frick ist schon klasse, aber irgendwie fehlt mir etwas die Dämonie)


    Rest: 4


    Gesamturteil: 24,5 : 6 = 4,08


    Mit einem lebendigeren Dirigat hätte das in allen Belangen eine wirkliche Top-Aufnahme werden können, so ist sie es leider nur sängerisch. Die Ton-Effekte in der Wolfsschlucht (grunzender Eber, Pferdegetrampel etc.) sind Geschmackssache.


    TQ: 4